Predigtthema: Gerechtigkeit allein durch Jesus Christus
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Wir beschäftigen uns im Juni, Juli und August mit der zweiten Hälfte des Römerbriefes (Kapitel 9-16). Kapitel 1-8 wurden im Jahr zuvor in den Predigten behandelt.
In Römer 9-11 behandelt Paulus vor allem die Israel-Frage: Nachdem er in Röm 1-8 dargelegt hat, dass die gute Botschaft für alle Menschen gilt und den Juden sogar eine Priorität eingeordnet ist, stellt sich nun die Frage: Warum erkennen so viele Juden die Wahrheit über Jesus nicht?
In dem Abschnitt für diesen Sonntag geht es zentral um die Frage: Warum ist der Glaube an Jesus Christus entscheidend für die Gerechtigkeit? Warum reicht es nicht, allein auf Gott zu vertrauen – wie es beispielsweise die Juden auch tun? Die größte exegetische Herausforderung ist das genaue Verständnis von Vers 4: Wie ist es zu verstehen, dass Jesus das „Ende“ des Gesetzes ist?
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung des Römerbriefs bieten neben den gängigen Studienbibeln z.B.
*Adolf Pohl, Der Brief des Paulus an die Römer (Wuppertaler Studienbibel)
*Douglas J. Moo, The Epistle to the Romans (NICNT)
*Eckhard Schnabel, Der Brief des Paulus an die Römer (HTA)
*Heiko Krimmer, Römerbrief (Edition C)
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
10,4: Jesus ist das Endziel des Gesetzes und der einzige Weg zur Gerechtigkeit
Was bedeutet es, dass Christus das Ende des Gesetzes ist?
- Mit dem Gesetz ist hier das mosaische Gesetz, die Tora-Bücher gemeint. Umstritten ist, was mit dem Wort „telos“ – Ende/Ziel/Abschluss – gemeint ist. Ist (1) hiermit gemeint, dass das Gesetz nicht mehr gültig ist, zum Ende und Abschluss gekommen ist? Wird (2) gesagt, dass das Gesetz in seiner Funktion als Heilsschrift und Heilsweg Gottes zum Abschluss kommt? Oder geht es (3) darum, dass Jesus das Ziel des Gesetzes ist, weil es viele Hinweise auf ihn gab und er nun alle Gesetze erfüllt hat?
- Erstere Auslegung scheint mir hier im Kontext nicht stimmig. Paulus bewertet das Gesetz durchweg sehr positiv, den Israeliten wurde das Gesetz anvertraut (9,4), es ist ein Gesetz, das uns aufzeigt, wie ein gerechtes Leben aussieht (9,31), und Gottes Gebote sind heilig, gut und gerecht (7,12). Einige Gebote gelten zwar nicht mehr, weil sie in Jesus erfüllt sind (wie beispielsweise die Opfergebote), aber es kam aus meiner Sicht nicht das ganze Gesetz zum Ende (vgl. Mt 5,16).
- Das zweite Verständnis passt hingegen sehr gut in den Kontext. Am Ende von Kapitel 9 hat Paulus den Versuch der Juden durch Eifer, Einhaltung der Gesetze, allein durch die Tora und ohne Jesus errettet zu werden, kritisiert. Insgesamt ringt er in Röm 9-11 darum, dass gottgläubige Juden Jesus brauchen, um errettet zu werden. Ihnen wurde zwar viel anvertraut, aber nun ist der Messias, Jesus Christus da! Insofern hat Jesus das Gesetz als Heilsweg abgelöst, weil die Vergebung nicht mehr durch Opfer zuteil wird. Nur durch den Glauben an Jesus wird man errettet. Jesus ist also nicht das Ende der Gesetze in ihrer Gültigkeit als gute Regeln, aber das Ende der Gesetze inklusive Opfergesetze etc. als Heilsweg.
- Die dritte Auslegung von Christus als „Ziel“ des Gesetzes passt zum gesamten Römerbrief auch sehr gut. Während das Gesetz uns die Sünde aufgedeckt hat (3,20), hat Jesus tatsächlich das ganze Gesetz erfüllt und deswegen wird uns durch den Glauben an ihn die Gerechtigkeit zugerechnet. Das Ziel des Gesetzes ist Jesus, da das Gesetz uns zu ihm und zu seiner Gerechtigkeit treiben will. Ob Paulus diesen Aspekt hier im direkten Kontext mit im Blick hatte, ist nicht ganz klar, aber möglicherweise hatte er diesen Aspekt von Ende/Ziel mit im Kopf, als er diesen Vers geschrieben hat.
10,5-8: Jesus ist wie das Gesetz zu uns gekommen – nur in viel größerer Weise
Wie ist der Unterschied zwischen Gerechtigkeit durch das Gesetz und in Christus zu verstehen?
- In den Versen 5-8 begründet Paulus den Unterschied zwischen der Gerechtigkeit aus dem Gesetz und der Gerechtigkeit in Christus. Dazu zitiert er zuerst aus 3Mose 18,5 den Satz: „Der Mensch, der dies tut, wird dadurch leben.“ Das war ein anerkannter Grundsatz des Gottesbundes mit Israel und auf diese Weise versuchten viele Juden, Gerechtigkeit aus und nach dem Gesetz zu erlangen.
- In den Versen 5-8 stückelt Paulus verschiedene kurze alttestamentliche Zitate mit Erklärungen zusammen. Zuerst die Wendung: „Sprich nicht in deinem Herzen“, die eine Anlehnung an 5Mose 9,4 ist, wo identisch eingeleitet wird: „Sprich nicht in deinem Herzen: Der HERR hat mich hereingeführt, dies Land einzunehmen, um meiner Gerechtigkeit willen –, da doch der HERR diese Völker vertreibt vor dir her um ihres gottlosen Treibens willen.“ Es geht also im Kontext um die eigene Leistung, auf die die Israeliten nicht setzen sollten. Die drei Sätze: „Wer will in den Himmel hinauffahren?“, „wer will in die Tiefe hinabfahren?“, und „das Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen“ stammen aus 5Mose 30,11-14. Dort geht es inhaltlich darum, dass die Worte Gottes, an die sich die Israeliten halten sollen, ihnen gesagt und mitgeteilt wurde. Sie sind also nicht mehr fern, weit weg, sondern sie wissen, was sie tun müssen, um gerecht zu werden.
- Paulus greift nun auf diese Formulierung zurück und überträgt sie auf Christus, für den all das noch in viel größerem Maß gilt. Man muss nicht in den Himmel hinauffahren, um die Worte Gottes zu hören – und man muss auch nicht in den Himmel hinauffahren, um den Christus, den Messias zu finden. Denn er ist von sich aus zu uns herabgekommen! Man muss nicht ins Totenreich steigen, um Gottes Worte und Gesetze zu finden, denn er hat sie gesagt. Und noch viel weniger müssen wir ins Totenreich steigen, um den Christus zu finden, denn er hat den Tod besiegt und ist auferstanden! Während also im Alten Bund nur das Wort an sich uns nahe war, ist jetzt Christus selbst uns nahe, und das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen.
10,9-13: Rettung kommt durch den Glauben an den auferstanden Herrn Jesus Christus
Woran muss geglaubt werden, damit der Glaube errettet?
- In Vers 9-13 erläutert Paulus nun das in Vers 8 genannte „Wort des Glaubens“ und führt aus, woran man als Christ glaubt und wodurch man errettet wird. Paulus wechselt hier zur zweiten Person Singular und spricht nun den Einzelnen an: Wenn du bekennst und glaubst. Es wird hier genau erläutert, was die Voraussetzung zum Errettet sein ist: 1. Das Bekenntnis mit dem Mund, also öffentliche Zustimmung zu der Aussage: Jesus ist der Herr. Das schließt die eigene Unterwerfung unter diesen Herrn als seinen Knecht ein. 2. Der Glaube im Herzen, dass Gott Jesus aus den Toten auferweckt hat. Also ein bewusstes Annehmen und darauf vertrauen, nicht nur ein äußerliches rezitieren. In Vers 10 fasst Paulus diese beiden Aussagen nochmal knapp zusammen.
- Zur Begründung zitiert Paulus dann in Vers 11 noch das Schriftwort aus Jesaja 28,16 (das er in 9,33 auch schon verwendet hat). Der Glaube ist es, der zählt. Dieses Rettungsangebot gilt nicht nur für Israeliten, sondern für jedermann. Vers 13, ein Zitat aus Joel 3,5 schließt dann das Ganze ab: „Wer den Namen des Herrn anruft, wird errettet werden.“
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Im Bibeltext geht es um die Grundlage des Glaubens: Die Gerechtigkeit durch den Glauben an Jesus Christus. Damals zeigt Paulus das im Gegensatz zu der Gesetzesgerechtigkeit vieler Juden auf. Heute haben wir zwar vermutlich keinen Juden im Gottesdienst, der versucht durch das Halten des mosaischen Gesetzes ohne Jesus gerecht zu werden. Aber es gibt viele, die auf ähnliche Weise durch Leistung sich ihre Gerechtigkeit erarbeiten wollen. Ob die Moslems und die Hinduisten, viele Atheisten, die sich über ihre Leistung definieren und darum kämpfen, ein guter Mensch zu sein. Bis hin zu Christen, die teilweise den Blick auf die Gerechtigkeit allein in Christus verloren haben.
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Wir sind an einem gewöhnlichen Predigt-Sonntag.
Zu berücksichtigen ist die Unterreihe innerhalb des Römerbriefes. Die vorgeschlagenen Themen von Juni bis Juli sind an den vier Soli der Reformation orientiert: Allein durch die Gnade, allein durch den Glauben, allein durch Jesus Christus, allein durch das Wort. Hier kann an der letzten Woche angeknüpft werden, wenn sich der Prediger an dem Themenvorschlag orientiert hat.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
10,4: Jesus ist das Endziel des Gesetzes und der einzige Weg zur Gerechtigkeit
- Wo erleben wir noch das Gesetz in unserem Leben, ein „du musst“? Hier kann zum einen einladend auf Ungläubige eingegangen werden, gleichzeitig aber tröstlich für den Gläubigen gesprochen werden. Wo erlebt ihr Leistungsdruck, um anerkannt zu werden oder euch sogar selbst anzuerkennen? Wo müssen wir gute Noten liefern, gute Arbeit ablegen, gesund und „produktiv“ für die Gesellschaft sein, um einen Wert zu haben? Wo müssen wir lustig, cool, unterhaltsam sein, um von Freunden akzeptiert zu werden? Wo versuchen wir uns an gute moralische Gebote – auch aus Gottes Wort – zu halten, und zerbrechen daran, weil wir es nicht schaffen? Hier kann der Zuspruch und die Einladung kommen: Jesus hat den Heilsweg durch das Gesetz beendet. Er ist das Ziel des Gesetzes. Er hat alles für uns getan, echte Gerechtigkeit gibt es allein in ihm als Geschenk.
- Der Zusammenhang von Leistung und Wert in unserer Gesellschaft kann hier in Frage gestellt werden. Stehen wir auch manchmal in der Gefahr, andere oder uns selbst aufgrund der Leistung zu bewerten und somit ein stückweit Heil/Bedeutung in der Leistung zu suchen? Gestehen wir den zumindest auf den ersten Blick „Schwächeren“ zu – ob Kinder in der Schule, Gemeindemitglieder in der Mitarbeit, Personen in der Gesellschaft, Senioren wenn sie abbauen – gestehen wir ihnen zu, dass sie ihre Gerechtigkeit allein in Christus finden können? Auch wenn sie weniger tun können, sind sie uns trotzdem genauso wertvoll als Menschen, die Gott liebt und durch Christus erretten will oder errettet hat?
10,5-8: Jesus ist wie das Gesetz zu uns gekommen – nur in viel größerer Weise
- Wir Menschen sind alle auf der Suche nach Gerechtigkeit. Gerecht bedeutet, gut zu sein, in Ordnung zu sein, wie man ist. Überall suchen wir – doch Gott hat uns die Gerechtigkeit offenbart. Zuerst im Alten Testament, nun noch viel größer in Jesus Christus.
10,9-13: Rettung kommt durch den Glauben an den auferstanden Herrn Jesus Christus
- Heutzutage ist alles unglaublich komplex und kompliziert. So viele verschiedene Möglichkeiten, so viele unterschiedliche Medien, so viele verschiedene Meinungen. Wie einfach ist hier nicht der Heilsweg, den Paulus uns aufzeigt. Im Grunde genommen sagt Paulus in diesem Abschnitt nicht viel, nichts kompliziertes. Aber die schlichte Botschaft. Glaube an Jesus Christus, als deinen auferstandenen Herrn, dann bist du errettet. Bekenne, woran du glaubst! Allein Jesus Christus – und das war es auch schon. Wenn du errettet werden willst, tu zweierlei: Bekenne Jesus als Herr – lass dich taufen oder wenn schon gesehen, lege Zeugnis für deinen Glauben ab. Und glaube in deinem Herzen an die Auferstehung!
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Es soll deutlich werden, dass alles menschliche Streben nach Gerechtigkeit scheitert, es sei denn wir hängen uns an die Gerechtigkeit in Jesus Christus
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Gerechtigkeit allein durch Jesus Christus
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
- Jesus: Das Endziel des Gesetzes (10,4)
- Jesus: Der Größere als das Gesetz (10,5-8)
- Jesus: Der Glaube an den auferstandenen Herrn Jesus rettet! (10,9-13)
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
- Da es um das Bekennen geht, wäre eine Möglichkeit, im Rahmen des Gottesdienstes oder der Predigt das Glaubensbekenntnis gemeinsam zu sprechen und einzuladen, laut und von Herzen mit zu bekennen, wer glaubt.
- Wenn wir mit Jesus „verheiratet sind“, dann haben wir ein gemeinsames Konto mit ihm – und alle unsere Schuld ist bezahlt. Wie wenn man sehr viele Schulden hat, dann aber einen Partner heiratet, der all die Schulden bezahlen kann und dazu noch übermäßig viel mehr Geld hat.
- Man kann die Geschichte eines Ertrinkenden erzählen, der aufhören muss zu zappeln. Es ist unmöglich den Ertrinkenden zu retten, solange er noch selbst kämpft. Der Rettungsschwimmer kann ihn nur mitnehmen, wenn er sich ganz in seine Arme fallen lässt.
(Samuel Koser)