Monatsthema: Gottes Vergebung erbitten
Predigtthema: Gerichtet, ein König hält stand
Bibelstelle: 2. Samuel 12,15b-25
Verfasser: Thomas Richter
Eine Predigthilfe enthält nur Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren.
1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT
In diesem Monat gilt es eine andere Seite im Leben Davids zu entdecken. Ein Mensch nach dem Herzen Gottes ist nicht automatisch ein sündloser Mensch, sondern einer, der weiß, wer allein mit der Sünde fertig wird (der Herr und nicht der Mensch) und deshalb die Bereitschaft und Einsicht zur Buße aufbringt. So ergibt sich als Monatsthema: „Gottes Vergebung erbitten“!
Im Zentrum des Predigttextes (2Sam 12,15b-25) steht die Auswirkung der Sünde Davids (Gericht) und der Neuanfang Davids (Gnade), womit sich als Predigtthema ergibt: „Gerichtet – ein König hält stand“. Hilfreich ist es, wenn die Predigt in den Gesamtzusammenhang der Monatsthemen eingebettet wird:
* Gestürzt – ein König geht fremd (2Sam 11,1-27)
* Getroffen – ein König bekennt (2Sam 12,1-15a)
* Gerichtet – ein König hält stand (2Sam 12,15b-25)
* Gerettet – ein König kehrt um (Ps 51,1-21)
Im Rahmen der Predigt gilt es das Grundprinzip aus Röm 6,23 zu veranschaulichen: „Denn der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod; aber das Geschenk, das Gott uns in seiner Gnade macht, ist das ewige Leben in Jesus Christus, unserem Herrn“. Das der Sohn stirbt ist Gericht und Gnade zugleich. Bei der Verkündigung haben wir darauf zu achten, dass es sich nicht nur um einen Bericht aus dem Leben Davids handelt, sondern in den Ereignissen auch eine messianische Vorausschau liegt und von daher die Notwendigkeit des „Sterben des Sohnes“ nicht nur als vollzogenes Gericht, sondern auch als vorauslaufende Gnade zu verkündigen ist (vgl. hierzu Hebr 11,32 mit Hebr 12,1-3). Die Notwendigkeit des „sterbenden Sohnes“ liegt nicht nur in der Sünde Davids begründet, sondern weist auch auf unsere Not hin. Indem wir über dieses Gericht an David predigen, predigen wir auch über die Möglichkeit der Gnade durch den „gestorbenen Sohn Davids“. Was in 2Sam 12,15-25 geschildert wird, hat auch eine dahinterliegende prophetische (= messianische) Bedeutung, die wir in der Verkündigung nicht unterschlagen dürfen. Für uns gilt nun: „Die Strafe liegt auf ihm zu unserem Frieden“ (Jes 53,5b).
Der Leitgedanke für unsere Verkündigung lautet: „Nein, ich hatte mir vorgenommen, eure Aufmerksamkeit einzig und allein auf Jesus Christus zu lenken – auf Jesus Christus, den Gekreuzigten“ (1Kor 2,2). Deshalb predigen wir das Wort (2Sam 12,15-25) christologisch!
2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.
* Klaus vom Orde. Das zweite Buch Samuel. Wuppertaler Studienbibel AT. R.Brockhaus Verlag (S. 158-167).
* Karl Gutbrod. Das Buch vom Reich: Das zweite Buch Samuel. Die Botschaft des Alten Testaments 11,2. Calwer Verlag (S. 143-156).
* Charles R. Swindoll. David: Ein Mensch nach dem Herzen Gottes – mit David geistlich wachsen. Hänssler (S. 292-302).
Weitere erläuternde Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bieten z.B. die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/10-Das_Zweite_Buch_Samuels.pdf; S. 460-461) und die Predigthilfe von Mirko Lau vom 09.02.2003 zu 2Sam 12,1-25 (www.studienbibel.de).
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Theo Lehmann vom 10.10.1976 mit dem Titel „Nathan – David – Bathseba (2Sam 12,1-31)“. Diese Botschaft findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. 2. Samuel 12] und „Autor“ [z.B. Lehmann, Theo] ausfüllt.
Hilfreiche ergänzende thematische Aspekte, wie man die Hoffnung festhalten kann, enthält die Botschaft von Heiko Krimmer vom 05.06.1980 zum Thema „Auf schwierigen Wegen“ (http://bitflow.dyndns.org/german/HeikoKrimmer/Auf_Schwierigen_Wegen_19800605.pdf).
3. TEXT- UND PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN
„Dem herrlichen Wort des Freispruchs ‚der Herr hat deine Sünden weggenommen; du wirst nicht sterben‘ fügt Nathan einen andern Satz hinzu: ‚Aber weil du die Feinde des Herrn hast durch diese Geschichte lästern gemacht, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben‘ (V. 14). Scheint hier nicht eine Einschränkung der Gnade vorzuliegen? Wir Menschen verbinden mit dem Wort ‚Gnade‘ manchmal sehr irrige Vorstellungen. Wir meinen oft, sie bedeute nur Straferlass. Aber die biblische Gnade ist nicht nur dies. Sie nimmt die ewige Strafe im Gericht Gottes von uns weg, doch nicht immer hebt sie auch zeitliche Folgen und Wirkungen der Sünde auf. Die erziehende Gnade Gottes lässt das in Davids Sünde geborene Kindlein sterben.
1. Diese Zuchtrute war zunächst nötig um der Feinde Gottes willen, die gelästert hatten über Davids Tat und über die Frommen überhaupt. Durch den Tod des Kindes bekamen alle in Davids näherer und fernerer Umgebung bis hin zu den gottlosen Spöttern einen starken Eindruck, dass Gott Sünde nicht leichtfertig durchgehen lässt, dass Gott heilig und gerecht bleibt. Wäre nur die Gnade an David sichtbar geworden ohne das Zeichen der Heiligkeit Gottes, wie viele Leichtfertige hätten sich in falscher Sicherheit gewiegt, dass Gott es doch nicht so genau mit der Sünde nimmt!?
2. Gott trat also einer Gefahr bei andern entgegen. Aber es lag auch eine Gefahr bei David selber vor. Auch ihn konnte die erfahrene Vergebungsgnade leichtfertig machen. Nachdem er unter dem Druck seiner großen Gewissenslast Gott Tag und Nacht angerufen hatte, konnte er sich bei dem jetzt empfangenen inneren Frieden vielleicht sagen: Nun darfst du genießen, was dein Gott dir gab. Nun brauchst du nicht mehr so anhaltend zu wachen und zu beten. Aber dadurch, dass Gott nach dem weggenommenen Gewissensdruck nun den neuen Druck durch die schwere Krankheit des Kindes kommen ließ (V. 15), blieb David ein gebeugter und von Gott ganz abhängiger Mann. Es ist ein herzbewegliches Bild, das uns in Vers 16 gemalt wird: ‚Und David suchte Gott um des Knäbleins willen und fastete und ging hinein und lag über Nacht auf der Erde‘. Durch die neue Not wurde David in der innigen Nähe seines Gottes festgehalten. Sein Gebetsleben blieb wach.
3. Der Herr ließ das Kind am siebten Tag sterben (V. 18). Betrachten wir nun Davids Verhalten. Er vergräbt sich nicht in seinen Schmerz. Er erkennt Gottes harte, hohe Hand über sich an. Sein erster Gang nach dem Tod des Kindes ist hin zum stillen Platz im Heiligtum Gottes. Dort betet er über den göttlichen Wegen und Führungen an (V. 20). Dort kann Gott ihm selber die Tränen trocknen. Dann geht er hin, lässt sich Brot auftragen und isst. Mit diesem seinem Verhalten legt David ein Zeugnis vor den Menschen ab. Manche mochten gedacht und die Feinde gejubelt haben: Davids Kind ist gestorben. Gott macht in seinem Handeln keinen Unterschied zwischen Frommen und Gottlosen. Aber nun sehen sie an David, welch ein gewaltiger Unterschied zwischen einem Gotteskind und einem Weltmenschen besteht: er kann sich im stillen Frieden beugen unter Gottes Hand. Das war eine Predigt! Gott helfe uns auch bei schwerem Erleben zu. solcher Stellung eines Gnadenkindes, das nicht trotzt, nicht murrt und sich nicht in den Schmerz vergräbt” (Alfred Christlieb. Licht von Oben. Bd. 2: Bilder aus Davids Leben und Zeit)!
„V. 15-23: Züchtigung ist keine von einem zornigen Richter zugemessene Strafe, der das Gesetz mit Härte durchsetzt. Sie ist eher eine zugelassene Erschwernis von einem liebenden Vater, der will, dass sich seine Kinder seiner Führung unterordnen und einen gottesfürchtigen Charakter entwickeln. Züchtigung ist ein Ausdruck der Liebe Gottes (Spr 3,11f), und das in Hebräer 12,5-13 verwendete griechische Wort bedeutet so viel wie »Anleitung«, »Einweisung«, »Erziehung«. Griechische Jungen wurden schon im frühen Kindesalter zum ‚gymnasion‘ gebracht, wo man sie lehrte, zu laufen, zu ringen, zu boxen, zu schwimmen und zu werfen. Durch diese Übungen sollten die Jungen »einen gesunden Geist in einem gesunden Körper« entwickeln. Im christlichen Leben ist Züchtigung nicht immer Gottes Reaktion auf unseren Ungehorsam. Manchmal bereitet er uns damit auch auf Herausforderungen vor, die uns bevorstehen, wie ein Trainer seine Athleten auf die olympischen Spiele vorbereitet. Wenn es keine schmerzhaften Folgen der Sünde gäbe, und keine darauf folgende Züchtigung von der Hand Gottes – in was für einer schamlosen, verantwortungslosen Welt würden wir dann leben? Batseba gebar ihren Sohn, von dem Nathan vorausgesagt hatte, dass er sterben werde, aber David fastete und betete dennoch und flehte zu Gott um Heilung für das Kind. Der Herr unterbrach Davids Gebete nicht und gebot ihm auch keinen Einhalt – nach all den Sünden, die David begangen hatte, konnte es ihm nicht schaden, die Tage im Gebet zu verbringen. Nach den Monaten seines Schweigens, in denen er sich von Gott fernhielt, hatte David eine Menge nachzuholen! Das Kind lebte nur eine Woche, und seine Eltern konnten es nicht am achten Tag beschneiden und ihm seinen Namen geben. Ihr Sohn Salomo sollte schließlich zwei Namen tragen (2Sam 12,24f), aber dieser Sohn bekam nicht einmal einen. Warum sollte ein liebender und gerechter Gott nicht das Bittgebet eines bekümmerten, reuigen Vaters erhören und das Kind heilen? Es war doch nicht der Fehler des Babys, dass sein Vater und seine Mutter gegen den Herrn gesündigt hatten. Und schließlich: Warum ließ Gott es überhaupt zu, dass Uria und einige seiner Mitkämpfer vor den Mauern Rabbas fielen, nur damit David Batseba heiraten konnte? Wenn man fortfährt, diese und ähnliche Fragen zu stellen, wird man schließlich vor der ultimativen Frage stehen: »Warum lässt ein liebender Gott das Böse in der Welt zu?« Viel später blickte David zurück und erkannte diese schmerzhaften Erfahrungen als Gottes »Güte und Gnade« (Ps 23,6) sowohl ihm selbst als auch dem Kind gegenüber. »Sollte der Richter der ganzen Erde nicht Recht üben?«, fragte Abraham (1Mose 18,25). Als er die schlechte Nachricht vom Gericht Gottes an seiner Familie vernahm, bekannte sogar Eli: »Er ist der Herr; er tue, was in seinen Augen gut ist!« (1Sam 3,18). Es gibt keine leichten, schnellen Antworten, die unser Gemüt beruhigen könnten. Aber es gibt viele verlässliche Verheißungen, die unser Herz heilen können, und der Glaube nährt sich von Verheißungen, nicht von Erklärungen. Eines ist jedoch sicher: Davids Fasten- und Gebetswoche bewies seinen Glauben an den Herrn und seine Liebe zu Batseba und ihrem kleinen Sohn. Sehr wenige orientalische Monarchen würden auch nur eine Träne vergossen oder ihrem Kummer Ausdruck darüber verliehen haben, dass ein Baby gestorben war, das einer ihrer Haremsfrauen geboren wurde. Trotz seiner vielen Sünden war David immer noch ein zärtlicher Hirte und ein Mann nach dem Herzen Gottes; er war nicht »verhärtet durch den Betrug der Sünde« (Hebr 3,13). Er wusch sich, legte frische Kleidung an, pries den Herrn und kehrte ins Leben mit all seinen Pflichten und Enttäuschungen zurück. In der Heiligen Schrift symbolisiert das Waschen und der Kleiderwechsel, dass man einen neuen Anfang macht (1Mose 35,1f; 41,14; 45,22; 2Mose 19,10; 3Mose 14,8-9; Jer 52,33; Offb 3,18). Es spielt keine Rolle, wie lange oder wie viel uns der Herr züchtigt, »er wird nicht immer rechten, nicht ewig zürnen« (Ps 103,9). Dank der Gnade und Güte Gottes können wir immer einen neuen Anfang machen. Davids Worte in 2Sam 12,23 haben schon vielen Menschen großen Trost gebracht, die den Tod eines Kindes oder Enkels erleben mussten. Aber nicht jeder Leser des Alten Testaments stimmt darin überein, dass die Worte des Königs eine Offenbarung Gottes sind. Vielleicht sagte er ja nur: »Mein Sohn kann nicht aus dem Grab oder aus der Welt der abgeschiedenen Geister zurückkehren, aber eines Tages werde ich zu ihm dorthin gehen«. Aber was für einen Trost soll es uns bringen zu wissen, dass am Ende jeder sterben muss? »Er wird nicht zu mir zurückkehren« zeigt, dass David glaubte, sein toter Sohn würde weder wiederverkörpert werden, noch würde er vor der Zeit des Herrn auferweckt werden. Es bestätigt auch, dass David erwartete, seinen Sohn in dem zukünftigen Leben zu sehen und zu erkennen. Wohin würde David am Ende gehen? »Ich werde wohnen im Haus des Herrn lebenslang« (Ps 23,6; siehe auch 11,7; 16,11; 17,15).
V. 24f: Es spielt keine Rolle, wie niedergeschmettert wir uns unter der züchtigenden Hand unseres liebenden Vaters auch fühlen mögen, der Herr hält Trost für uns bereit (siehe Jes 4,1f.9-11.28-31). Ehe ihr Sohn gestorben war, nannte Gott Batseba »Urias Frau« (2Sam 12,15); vielleicht deshalb, weil sie das war, als sie das Kind empfing. Aber in Vers 24 ist sie Davids Frau, was zeigt, dass sie wie David ebenfalls einen neuen Anfang machte. Was für ein Beweis der Gnade Gottes, dass »die Frau des Uria« im Geschlechtsregister des Messias‘ erwähnt wird (Mt 1,6), zusammen mit Tamar (V. 3; 1Mose 38) und Rahab und Rut (Mt 1,5; Jos 2 und 6,22-25; Ruth 1,4; 5Mose 23,3). In. den Versen 2Sam 12,24 und 25 sehen wir mindestens neun Monate zusammengefasst; neun Monate der Gnade und zärtlichen Güte Gottes. Es war Gott, der die Empfängnis dieses Sohnes veranlasste und darauf achtete, dass das Kind die richtige »genetische Struktur« hatte, die es brauchte, um den Willen Gottes zu vollbringen (Ps 139,13.16), Der Herr liebte ihn auf eine ganz besondere Weise und gab Salomo (»der Friedfertige«) sogar einen besonderen Namen: »Jedidja – Liebling Jahwes«. »David« bedeutet »geliebt«; so wurden Vater und Sohn vor Gott miteinander verbunden durch ähnliche Namen. Gott hatte David die Geburt dieses Sohnes verheißen und auch, dass dieser Sohn ihm den Tempel erbauen werde (2Sam 7,12f; 1Chr 22,6-10), und er hielt sein Versprechen. Jedes Mal, wenn David und Batseba Salomo anschauten, erinnerte er sie daran, dass Gott ihnen ihre Vergangenheit vergeben hatte und die Verwirklichung ihrer Pläne für die Zukunft garantierte“ (entnommen aus Warren W. Wiersbe. Sei bereit neu anzufangen: Gott vertrauen und den Durchbruch erleben. Studien des AT: 2. Samuel 1-24, 1.Chronik. Dillenburg: Christliche Verlagsanstalt, 2007. S. 81-84).
4. PREDIGTGLIEDERUN
a) Sterben (V. 15b-19)
b) Neuanfangen (V. 20-23)
c) Leben (V. 24+25)