Römer

Predigthilfe vom 18. Januar 2015 – Römer 15, 1-7

Monatsthema: Annehmen, wie Christus uns angenommen hat

Predigtthema: Annehmen, wie Christus uns angenommen hat
Predigttext: Röm 15, 1-7

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Finden wir z.B. in „Das Neue Testament“ erklärt und ausgelegt von John Walvoord und Roy Zuck (Hänssler-Verlag)
Und natürlich in diversen Studienbibeln, von denen man als Verkündiger verschiedene haben sollte.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* Wuppertaler Studienbibel
*Edition C
Anmerkungen:

Der Zusammenhang ist der Umgang mit unterschiedlichen Überzeugungen: Es gibt die „Starken“, die alles essen, und die „Schwachen“, die nur Gemüse essen (Röm 14,2). Dabei macht Kapitel 14 deutlich, dass auf den Schwachen Rücksicht genommen werden soll und dass das, was ich tue, den anderen erbauen soll und dem Frieden dient. (Röm 14,19) Es ist also nicht nur wichtig, ob etwas grundsätzlich erlaubt oder verboten ist, sondern es ist mindestens genauso wichtig, ob das Ausleben des Erlaubten dann auch dem Frieden dient, bzw. erbaut.
Daran knüpft dann unser Abschnitt an.

V 1: „sind verpflichtet“ ist das gleiche Wort wie das „Schulden“ z. B. in Mt. 18,28
Die Worte für „stark“ und „kraftlos“ sind andere als „die Schwachen“ in Röm 14,2. „stark“ und „schwach“ ist in seiner Bedeutung schon sehr tendenziös, denn wer will schon gerne „schwach“ sein und in der Regel sind „Schwache“ in ihren Überzeugungen bei so Themen wie hier beim Fleisch ja auch sehr stark, zumindest treten sie so auf.
Das Wort das Paulus hier benutzt heißt zunächst einmal nur, dass etwas möglich ist: Den einen ist es möglich zu essen, den anderen ist es nicht möglich, das hat mit „stark“ oder „schwach“ erst einmal nichts zu tun.

V1-3: Das Wort „gefallen“, dass hier in jedem Vers vorkommt, kann ein ganz normales, äußerliches sinnenhaftes „gefallen“ sein: Man erfreut sich einfach an etwas, was man z. B. sieht, so z. B. in Mt 14,6.

V2: Ein ganz einfaches Prinzip gegen den Individualismus: Es ist nicht „meine Sache“, was ich tue, sondern mein Verhalten darf keinen Anstoß erregen! Meine „christliche Freiheit“ endet dort, wo ich anderen (in diesem Fall) Christen damit vor den Kopf stoße!

V3: Die Gefahr ist, dass man sich mit seinen „Freiheiten“ allzu oft selber gefällt, aber das soll nicht sein!
Das Maß des richtigen Verhaltens ist dabei wie so oft im Neuen Testament Christus!
Das Zitat aus Psalm 69,10 belegt, dass sich Christus nicht über andere überhebt, sondern dass er sich identifiziert!

V4: Wir argumentieren dann schnell mit einer „Diktatur der Schwachen“ dagegen, aber es gilt, die „Belehrung der Schrift“ ernst zu nehmen!
„Ausharren“ heißt wörtlich „drunter bleiben (unter einer Last)“ – es gilt (schwierige Menschen) auszuhalten!

V5: Der „Gott des Ausharrens und der Ermunterung“ – auch hier noch einmal Gott als Vorbild: Wie geht ER denn mit mir um, obwohl ich eigentlich immer wieder schwierig bin?
„er gebe euch“ – letztlich muss natürlich Gott schenken, dass unsere Herzen verändert werden, aber ringen wir auch im Gebet immer wieder darum?
„gleichgesinnt“ – kann bedeuten, dass wir in allem die gleiche Gesinnung haben, vom Zusammenhang wäre es aber auch möglich und evtl. das bessere Verständnis, dass wir uns alle wirklich gleich einstufen und als gleichwertig behandeln, denn so behandelt Gott uns auch („Christus Jesus gemäß“): So wie wir in den Augen Christi alle die gleiche große Liebe und Wertschätzung bekommen, so sollen wir auch die Menschen gleich wertschätzen, gerade auch die „Schwachen“, die uns Mühe machen!

V 6: Vielleicht sind wir in manchem nicht „einmütig“ (in der Meinung einig), wie eben z. B. damals in der Frage nach dem Fleischgenuss. Das wird wohl auch immer so sein, dass wir uns nicht in allen Fragen einig sind in der Gemeinde, aber in einem sollen wir uns einig sein und das scheint dann wiederum das Entscheidende: Den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus verherrlichen.
„verherrlichen“ beinhaltet hier sehr stark des Aspekt, dass jemand etwas ganz Besonderes ist oder eine besondere Eigenschaft hat – wir sind nicht die Besonderen und brauchen uns auf unsere „Stärke“ in diesem Sinn auch nichts einzubilden, sondern Gott ist der Besondere, das muss vor allem deutlich werden!
Und dann ist jedes einzelne Wort in diesem Vers genaueres Hinsehen wert:
Gott – den es eben tatsächlich gibt – schau dir die Schöpfung an …
Vater – wir sind als Wiedergeborene Kinder des Vaters
Herr (Jesus) – wir stehen unter ihm, hören wir? Wir gehören ihm, sind sicher …
Jesus – Gott rettet!
Christus – der (mein?) König, Priester und Prophet
=> alles das und die Verherrlichung Gottes ist viel wichtiger, als meine persönlichen Detailerkenntnisse in „Fleischfragen“. In der Verherrlichung dieses Gottes finden Wiedergeborene bei aller unterschiedlicher Detailerkenntnis immer wieder zusammen!

V7: Die Jahreslosung 2015 fast alles das auf den Punkt zusammen:
„aufnehmen“ ist eine ganz enge Gemeinschaft und ein ganz enger Austausch (so auch in Röm 14, 1.3) Paulus benutzt hier ein spezielles Wort, das für eine besonders enge Nähe steht.
Und wie in 14,3 ist Christus das Maß des Aufnehmens!
Wie nah hat Christus mich aufgenommen? (Wir in IHM und ER in uns …)
Und das ist dann das, was Christus verherrlicht. Nicht meine individuellen Erkenntnisse verherrlichen Gott, sondern die Tiefe unserer Gemeinschaft als Christen, gerade auch mit allen unterschiedlichen Meinungen, die verherrlicht Gott!

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Wer regelmäßig im Christusbund im Gottesdienst ist, der hat in den letzten beiden Predigten gehört, wie Christus uns tatsächlich angenommen hat, wie er das Verlorene sucht, wie er das Joch mit und für uns trägt, wie er bereit ist, unsere Lasten zu tragen.
Damit steht das Vorbild im Raum, auf dass dann im heutigen Abschnitt, der eigentlichen Jahreslosung 2015 eingegangen wird!

Liedvorschlag:
„Nehmt einander an“ (wenn das noch jemand kennt von Arno und Andreas: https://www.youtube.com/watch?v=SqHNlm3XjG8)
„Du sagst ja“

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Eine Herausforderung wird sein, diesem Abschnitt nicht die Spitze zu nehmen, also wirklich die gegenseitige Erbauung über die persönliche Erkenntnis zu stellen,
aber trotzdem dann doch auch in einer biblischen Ausgewogenheit andere Facetten des Glaubens zu bringen: Menschen mit falschen Erkenntnissen zu korrigieren oder zu ermahnen (siehe z. B. Tit 2,15) bzw. an manchen Punkten auch „Sektierer“ der Gemeinde zu verweisen.
Letztlich gibt es keine einfache und schon gar keine Standardantwort auf die Frage, wie weit Toleranz und das Tragen der „Schwachen“ gehen muss und wo man sich dann auch über die Meinungen von Einzelnen Geschwister hinwegsetzen darf und muss.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Der Text dürfte bei vielen grundsätzlich bekannt sein, von daher muss man gut überlegen, wie man die Hörer abholen und dann auch herausfordern kann, in der Liebe wirklich den Anderen höher zu achten als sich selber und ihm seine individuellen Erkenntnisse unterzuordnen.
3. Sagen, wo es hingeht

Da es zum Zeitpunkt der Vorbereitung schon Anfang/Mitte Dezember 2014 ist, habe ich nicht die Zeit, mir andere Predigten dazu anzuhören. Schaut also selber unter www.sermon-online.de, ob ihr etwas hilfreiches findet. Wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ und „Autor“ ausfüllt, findet ihr evtl. was zu diesem Text.

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Ich halte die Predigt, damit aufgrund der Erkenntnis, wie Christus mich angenommen hat, ich dann auch bereit bin, mich den Anderen im Dienst der Erbauung unterzuordnen!
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
„Rücksicht!“ oder „Es ist nicht nur deine Sache“

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
a) V 1-2 Baue auf!
– Gefalle nicht nur dir selber! Genieße nicht nur deine „Freiheit“! Sei nicht stolz auf deine „Freiheit“ und trage sie nicht zur Schau! Was ist überhaupt wahre Freiheit? Nicht nur die Freiheit, es zu tun, sondern die Freiheit, es um des Anderen Willen zu lassen!

b) V 3-5 Mach´s wie Christus
(3) Christus das Vorbild: Er identifiziert sich mit denen, die Nachteile haben.
(4-5) Christus hat „ausgeharrt und ermuntert“ wie kein Anderer, selbst seine Feinde! Oder auch seine Jünger, die immer wieder so enttäuschend waren. Dass soll unser Vorbild sein, wenn wir „schwierige Geschwister“ aushalten müssen
(5) „Mach´s wie“ – ist gar nicht so leicht „der Gott … gebe“ zeigt: Wir müssen im Gebet um diese Charakterveränderung bzw. Geduld ringen!

c) V 6 im Lob vereint
In manchen Dingen unterscheiden wir uns und sind uns nicht einig, aber in diesem sind und sollen wir uns einig sein: Gott zu loben (vgl. auch Jakobus 3, 9-10)
(je nach Zeit kann man hier auf „das göttliche Programm“ eingehen: Den VATER UNSERES HERR JESUS CHRISTUS LOBEN – über jedes Wort könnte man eine einzelne Predigt halten. Das ist das, was uns vereint. Das, was uns dagegen trennt oder unterscheidet ist weit weniger wichtig als wir oft den Anschein erwecken!

d) V 7 auf den Punkt gebracht!
Wie hat Christus uns angenommen?
So sollen wir es untereinander tun!
Das wird Gott verherrlichen und das ist das Wichtigste!

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Veranschaulichung für das Annehmen ist tatsächlich, wie Christus die Jünger immer wieder annimmt, z. B. den Petrus nach seiner Verleugnung!

1. Kor 8,13 ist eine Veranschaulichung wie Paulus da selber ganz praktisch mit umgehen würde!
(Mirko Lau – bei weiteren Fragen zu Text und Predigt stehe ich gerne zur Verfügung: )