Lukas

Predigthilfe vom 17. Juni 2012 – Lukas 17, 20-37

Monatsthema: Kraft zur Hoffnung

Predigtthema: Hoffnung für Erwartungslose

Bibelstelle: Lukas 17,20-37

Verfasser: Thomas Richter

Eine Predigthilfe enthält Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext persönlich gehörten Beauftragung zur Botschaft. Unsere Predigt folgt dabei dem Grundsatz Jesu: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34b). Nur wo der Herr selbst uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)! „So sind wir nun Gesandte an Christi Statt“ (2Kor 5,20a). So suchen wir in der Predigtvorbereitung nach dem, was der Herr uns durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Deshalb hören wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verkündigen aber die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird! „Redet jemand im Auftrag Gottes, dann soll er sich bewusst sein, dass es Gottes Worte sind, die er weitergibt“ (1Petr 4,11a – NGÜ).

1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes (Lk 17,20-37) bieten z.B.

* Gerhard Maier. Lukas-Evangelium 2.Teil. Edition C Bibelkommentar Bd. 5. Hänssler (S. 359-374)

* Fritz Rienecker. Das Evangelium des Lukas. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 408-417)

* Norman Crawford. Was die Bibel lehrt Bd. 3: Lukas. CV Kommentarreihe NT. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 361-369)

* John Charles Ryle. Lukas – Vers für Vers. Bd. 3: Kap 16-24. 3L-Verlag (S. 61-77)

* Theodor Zahn. Kommentar zum Neuen Testament. Bd. 3: Das Evangelium nach Lukas (http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_03_Buecher_42_1913.pdf – S. 600-607)

* Charles H. Spurgeon. Der gute Kampf des Glaubens: Alttestamentliche Predigten. CLV (S. 77-99 [= Lk 17,32] – Download unter http://www.clv-server.de/pdf/255302.pdf)

Beachtenswerte Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/42-Das_Evangelium_Nach_Lukas.pdf; S. 1460f).

Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Winrich Scheffbuch vom 16.11.1985 mit dem Titel „Mitten unter uns“ (Lk 17,20-24) und vom 11.11.1979 mit dem Titel „Gottes Reich mitten unter uns“ (Lk 17,20-24). Diese Predigten findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Lukas 17] und „Autor“ [z.B. Scheffbuch, Winrich] ausfüllt.

Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (http://www.ngue.info/online/lesen).

2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG

In Anlehnung an die Jahreslosung fragen wir uns in diesem Jahr, wie die „Kraft“ Jesu in uns so mächtig sein kann, wie er es will und schenkt. Gegenwärtig beschäftigen wir uns an Hand von Lk 17 + 18 mit dem Themenfeld „Hoffnung“ (Monatsthema: Kraft durch Hoffnung) und fragen uns, wie wir durch die Kraft Jesu so leben können, dass deutlich wird welche Hoffnung uns erfüllt. In der chronologischen Folge von Lk 17+18 zeigen wir so im Juni und Juli, dass es Hoffnung gibt für Ratlose – Ausweglose – Erwartungslose (= Predigtthema) – Rechtlose – Ahnungslose – Machtlose – Orientierungslose – Verständnislose – Hilflose. Auf der Grundlage unseres Predigttextes (Lk 17,20-37) stellen wir die Frage was bzw. wen wir in der Zukunft erwarten und bewegen, wie wir uns auf die Ankunft Jesu vorzubereiten haben. Wie wirkt sich unsere Zukunftserwartung auf den Alltag aus oder leben wir faktisch als „Erwartungslose“?

3. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Unter dem Leitgedanken „Wo Jesus das Sagen hat, ist Gottes Reich!“ entwickelt Wilhelm Wagner (30.10.1988) nachfolgende Disposition zum Thema „Gott lädt uns ein zu seinem Fest – es ist an der Zeit“ ausgehend von der Frage der Pharisäer in Lk 17,20: „Wann kommt das Reich Gottes?“

* Gottes Reich (Herrschaft) ist zunächst in der Verborgenheit (V. 20-23)

a) Diese Verborgenheit ermöglicht keine Registrierung (V. 20)

b) Diese Verborgenheit bereitet uns Anfechtung (V. 22)

c) Diese Verborgenheit wird zur Versuchung (V. 23)

* Gottes Reich (Herrschaft) ereignet sich in der Plötzlichkeit (V. 24f)

a) Sichtbarkeit

b) Unberechenbarkeit (vgl. Mt 24,43f; Lk 12,39; 1Thess 5,2)

c) Selbstsicherheit (vgl. 1Thess 5,3)

* Gottes Reich (Herrschaft) überrascht uns in der Gleichgültigkeit (V. 26-37)

a) Jesus überrascht uns in der alten modernen Welt (V. 26-29)

b) Jesus überrascht uns in der familiären Welt (V. 34)

c) Jesus überrascht uns in der Arbeitswelt (V. 35)

Unter dem Thema „Die Zukunft gehört Jesus“ gliedert Siegfried Kullen (Gemeinschaft H. 12/1999: S. 8-10) den Predigttext wie folgt:

„Die Frage der Pharisäer (V. 20)

Man muss den Pharisäern zugute halten, dass sie sehnsüchtig auf das »Reich Gottes« warteten und fragten: Wann kommt sie; die herrliche und große Gnadentat Gottes? Die heutige Christenheit muss sich fragen lassen, ob das auch ihre sehnsüchtige Erwartung ist. Unser Herr hat uns im »Vater Unser« gelehrt zu beten: Dein Reich komme! Diese Bitte bleibt auch im neuen Jahrtausend wichtig und ist unser Beitrag zur Zukunftsbewältigung.

Die Erwartung der Pharisäer

Zugleich korrigiert Jesus falsche Vorstellungen. Die Frommen Israels erwarteten sichtbare Zeichen (vgl. 1.Kor 1,22); vielleicht den prunkvollen Einzug eines siegreichen Königs, der die Heiden besiegen und ein mächtiges politisches Reich schaffen würde. Hierin unterscheiden sich die Pharisäer nicht von manchen »falschen Propheten«, die im Laufe der Kirchengeschichte aufgetreten sind, oder modernen »Gurus«, die mit ihren skurrilen Visionen das nahende Gottesreich ankündigen.

Die Antwort Jesu (V. 21)

Die überraschende Antwort Jesu auf die Frage der Pharisäer lautet: Das Reich Gottes ist schon da, es ist mitten unter euch. Wie ist das zu verstehen? Die Herrschaft Gottes bei uns Menschen begann, als Jesus als Kind der Maria und als Heiland in diese Welt kam. Sie wird spürbar, wo Jesu Geist Menschen ergreift und verwandelt.

Hinweise an die Jünger (V. 22-30)

Seinen Jüngern gibt Jesus tiefere Einblicke in die Endzeit. Seine Wiederkunft wird in unserem Text als die »Tage des Menschensohns« (22, 24, 26, 30) bezeichnet. Bei seinem erneuten Kommen wird Gottes Herrschaft schlagartig »wie der Blitz« aufblitzen (24) und für jedermann sichtbar sein (vgl. Mt. 24,27). Bis es soweit ist, geschehen Ereignisse, die Jesus seinen Jüngern nennt:

* Zeit der Trübsal (22)

Wer sich Jesus anschließt und am Reich Gottes teilnehmen will, muss durch Leiden gehen. Das sagt auch Paulus: »Wir müssen durch viel Bedrängnis in das Reich Gottes eingehen« (Apg. 14,22).

* Zeit der Anfechtung und Verführung (23)

Gerade die leidende Gemeinde, die sich nach Jesu Wiederkunft sehnt, ist anfällig für falsche Trostbotschaften (vgl. 1Joh 2,18f). Jesus ermahnt uns daher zur Nüchternheit.

* Zeit des Leidens Christi (25)

Vor seiner Wiederkunft ist er ein verborgener Messias, der mit seiner Gemeinde leidet (vgl. Röm 6,3ff).

* Zeit, in der die Welt Lust und Spaß hat (26-29)

Die Menschheit ist wie eh und je mit ihrem Alltag beschäftigt wie zur Zeit Noahs und Lots. Sie fühlt sich sicher und fragt nicht nach Gott.

* Zeit des Gerichts (30)

Der Unglaube wird überhand nehmen und erklären: Es gibt kein Gericht, und Jesus kommt nicht wieder. Aber alle, die Jesus ablehnen, irren sich. Die »Offenbarung des Menschensohns« ist Jesu Wiederkunft zum Gericht. Genauso wie beim Untergang Sodoms wird die Menschheit gerichtet werden.

Sind wir bereit? (V. 31-33)

Am Tage des jüngsten Gerichts kommt es darauf an, dass wir gerettet werden. Wie kann das geschehen? Jesus antwortet in Bildern von Fluchtsituationen. So wie einer, der vom Dach über die Außentreppe flüchtet, ohne noch etwas aus dem Haus zu holen, oder wie einer, der sich nicht einmal Zeit nimmt, sich umzudrehen, sollen wir uns um unsere Rettung bemühen. Erinnert wird an Lots Frau. Ihr Beispiel besagt: Verzögere deine Rettung nicht! Löse dich innerlich vom irdischen Besitz und richte deine Sehnsucht auf das Reich Gottes. Eindrücklich steht die Ermahnung Jesu im Raum: Nur wer sein irdisches Leben an Jesus verliert, gewinnt das ewige Leben (33).

Gerettet oder verloren? (V. 34-35)

Die Zeit der Wiederkunft Christi ist eine Zeit durchgreifender Scheidung. Dabei geht die Linie zwischen gerettet und verloren quer durch die engste Gemeinschaft: zwei auf einem Bett, zwei Frauen an der Handmühle. Wodurch kommt es zu dieser Scheidung? Durch den Glauben. Adolf Schlatter resümiert: »So enden Lebensläufe, die einander äußerlich gleichen, dennoch bei entgegengesetzten Zielen«.

Wo und wann? (V. 37)

Das Kapitel schließt mit der Jüngerfrage: Wo, Herr? Damit verbunden ist auch die Frage nach dem Zeitpunkt. Das Sprichwort, mit dem Jesus antwortet, gebietet allen weiteren Fragen Halt. Das Reich Gottes hat keinen Ort auf der Landkarte, und es gibt keinen, errechenbaren Termin. Was Jesus ankündigt, ist gewiss, so sicher das Aas die Geier anlockt. Die Zukunft aber gehört Jesus“ (von Siegfried Kullen – Gemeinschaft H. 12/1999: S. 8-10).

4. PREDIGTGLIEDERUNGEN

Nach Gottfried Voigt:

Der große unbekannte Tag Jesu:

a) von einigen begehrt

b) von den vielen nicht einkalkuliert

c) von allen erlebt

 

oder nach Theo Sorg:

a) Gottes Reich – das betrifft unser Leben

b) Gottes Reich – das betrifft unsere Welt

c) Gottes Reich – das betrifft unsere Zukunft

 

oder nach Rainer Riesner:

a) Die entscheidende Wende hat schon stattgefunden

b) Die abschließende Wende wird ebenso sicher kommen

c) Eine persönliche Lebenswende ist nötig

 

oder nach Wilfried Reuter:

a) Jesus ist Herr

b) Jesus ist mein Herr

c) Jesus ist heute mein Herr