Matthäus

Predigthilfe vom 17.2.2008 – Matthäus 14, 13b-21

Monatsthema: Leben aus der Abhängigkeit vom Herrn
Predigtthema: Mit der richtigen Einschätzung leben

Bibelstelle: Matthäus 14, 13b-21

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkung
Die „Speisung der 5000“ (auch Mk 6, 31ff) darf nicht mit der „Speisung der 4000“ verwechselt werden (Mt 15, 32ff; Mk 8, 1ff): Zwei unterschiedliche Ereignisse. DIESER Bericht aus der galiläischen Tätigkeit Jesu ist der einzige, den alle vier Evangelien aufführen. Hauptpersonen sind nicht die 5000, sondern die Jünger.

Erklärungen und Tipps:
V13b Jesus hatte vom Tod des Täufers Johannes durch Herodes gehört und zog sich zurück. (1) Ab diesem Zeitpunkt richtete sich seine Lehre in erster Linie an die Jünger. Er wollte sie auf ihre späteren Aufgaben vorbereiten. Lukas gibt die Gegend von Bethsaida als Ziel der Bootsfahrt an (Lk 9, 10). Der Ort lag schon außerhalb des Herodes Antipas-Gebietes (Lk 13, 31ff). Philippus hatte den Fischerort zur Stadt Bethsaida Julias ausbauen lassen. Aus Bethsaida stammten drei Jesus-Jünger: Andreas, Petrus und Philippus (Jo 1, 44; 12, 21). Ziel war aber nicht die Stadt sondern die STILLE (Lk 9, 12b), siehe auch Ps 37, 7; 62, 2.6.9; 65, 2; Jes 30, 15. (2) Gott selber muss wirken, sonst ist alles Wirken umsonst.

Schneller als Funk und Fernsehen ist nur die Pietistenpost, so sagt man… Der Weg von Kapernaum nach Bethsaida braucht auf dem Landweg nicht mehr Zeit als mit dem Boot (Mk 6, 33). Wahrscheinlich hatte der Fußmarsch auch Evangelisationscharakter: „Der Messias ist da!“.

V14 Ein großes Erbarmen mit dem ganzen Volk. Jesus lässt sich stören (!), siehe auch Lk 18, 3. 15ff. 39f. Er pflegt nicht nur seinen Gemeinschaftskreis.
1. Das Volk glich einer Herde ohne Hirte (siehe Predigttipp im Archiv Mt 9, 36-38).
2. Jesus schaut mit einem „Hoffnungsblick“: „Aber Gott (der Herr) ist immer noch größer“. Wichtig war ihm neben allen sozial-diakonischen Hilfen die Predigt. Körperliche Gesundheit ist wichtig, aber wichtiger ist das Annehmen der Frohen Botschaft, damit auch kaputte Herzen heil werden und ewiges Leben erhalten.
Die Zeit des Passahfestes (Jo 6, 4) war nah. Mk 6, 39 berichtet von „grünem Gras“, das in dieser Gegend nur im Frühjahr oder Herbst zu finden ist. Eventuell wurde diese Gemeinschaftskonferenz am See als „Ent-schädigung“ für das Passahfest in Jerusalem aufgefasst, wo Jesus sich in dieser Zeit (Verfolgung durch Hohepriester und Herodes Antipas) nicht sehen lassen sollte.

V15 Die Begeisterung für Jesus hat die leibliche Versorgung unwichtig erscheinen lassen. Die Jünger emp-finden Verantwortung, obwohl der Sohn Gottes (Herr über Saat und Ernte, Wasser und Brot) bei ihnen ist.
Schwacher Glaube?
Die Zeitangabe „Abend“ entspricht etwa unserem Spätnachmittag. Vers 23 meint die zweite Abendstunde bis zum Beginn der Nacht.

V16 Das Hören auf Gottes Wort hat Vorrang gegenüber dem Schaffen (Lk 10, 41f).
Zumindest die drei Jünger aus Bethsaida wussten wahrscheinlich, dass die Bäcker des Ortes mit der plötzli-chen Versorgung von 5000 Leuten überfordert gewesen wären. Deshalb „in DIE Dörfer“.
Mit Gottes Möglichkeiten, Wunder zu wirken, hatte keiner gerechnet.

V17 „Aber WIR HABEN NUR…“ beschreibt die Begrenzungen UNSERER Fähigkeiten. (Aktuelle Beispiele noch und nöcher: Begabungen, Ausbildungsabschlüsse, Finanzen, körperliche Einschränkungen, Argumen-tationsschwächen gegenüber Nicht-Christen, Seelsorge an Sterbenden, Enttäuschungen durch Weggang von Mitarbeitern, fehlende Freizeitmitarbeiter, Raumnöte, der Hunger in manchen armen Völkern, – usw.
Wenn Mitarbeiter ihre leeren Taschen umdrehen, ist das, was sie einbringen können, meistens lächerlich wenig angesichts ihres großen Auftrags. Aber Jesus macht nicht alles selbst. Willige, gläubige Mitarbeiter, die es wagen, über ihren privaten Horizont hinaus zu blicken, sind gefragt.
5 Brote und 2 Fische waren etwa die Bezahlung eines Tagelöhners.
„Aber WIR HABEN NUR“ ist die normale, geistlich gesunde Einstellung jedes Jesus-Nachfolgers, jeder christlichen Familie und Gemeinde. Leere Taschen und Hände sind die beste Voraussetzung dafür, dass Gott etwas tun kann (z. B. Ps 65, 6f).

V18 Jesus verurteilt nicht die Sorgen der Jünger. Eine Brücke soll ihnen trotz allem Kleinglauben die Mitar-beit ermöglichen. Auch „kleingläubige Mitarbeiter“ dürfen mithelfen. So kann Glaube wachsen.

V19 Nach jüdischer Sitte hält der Hausvater ein Dankgebet über jedem Brot, das er bricht. Dieses Gebet nennt man „Segen“.
In Erinnerung an die Urahnen in Ägypten, während der Wüstenwanderung und im verheißenen Land steht Jesus wie sein Vater vor dem Volk und lässt auch äußere Mittel (Brot, Fische) zu einem Segen werden. (3)
Der Ablauf der Speisung erinnert nicht umsonst an das Passah- und unser Abendmahl. Das zerbrochene Brot weist auf den zerbrochenen Leib Jesu am Kreuz hin.
Das Brechen führt zur Teilung, und Teilen ist eine Grundübung der Gemeinde Jesu. Ebenso gehört das Wei-tergeben dazu. Wer an diesem Tisch satt geworden ist, weiß, wo der Hunger gestillt wird und lädt andere ein.
Die zwölf übrigen Körbe stehen dafür: Jeder hat noch einen, aus dem er weitergeben kann.

Und was die Jünger sonst noch tun können: Platzanweiser-Dienste und sekundär eine gute Geruchsverbrei-tung: Frisches Brot und leckerer Fisch (Sir 39, 18; 2. Ko 2, 16; Phil 4, 18).

V20 Jesus verwandelt Weniges in Segen. Er erwartet nicht Großes von uns, aber dass VIELE IHR WENIGES tun im Glauben, dass Gott VIEL daraus machen kann.
Wenn Gott der Sorgeberechtigte ist, REICHT es.

V21 Nur ein Jahr vor dem Tod am Kreuz
Frauen und Kinder wurden im Orient nicht immer extra gezählt, also waren es über 5000 Esser.
Ebenso wurde zum „Haus“ oft eine ganze Verwandtschaft gezählt (Jos 24, 15).

Gliederungsvorschlag 1
Die Gemeinde
1. umgeben von Hungrigen
2. mit einem großen Auftrag
3. rechnet mit Jesus

Gliederungsvorschlag 2 (nach Dr. Gerhard Maier)
1. Eigene Taten reichen nicht aus
2. Nicht einmal bei den Jüngern hat man genug
3. Bei Jesus ist genug für Leib und Seele
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Fußnoten
(1) Herodes der Große (73 – 4 v. Chr.) war gestorben. Nur ein typisches Streiflicht: 36 v. Chr. macht Hero-des auf Bitten seiner Frau, der Hasmonäerin Mariamne, seinen Schwager Aristobulos zum Hohepriester, lässt den 16-jährigen jedoch nach dessen erstem Auftritt beim Laubhüttenfest im Schwimmbad von seinen Dienern ertränken. 29 v. Chr. lässt er seine Frau hinrichten. 7 v. Chr. werden die Söhne seiner 3. Frau um-gebracht. Nach seinem Tod wird das Reich aufgeteilt. Tetrarchen (griech.: tetra = vier; arché = Herrschaft), allerdings nicht immer vier, wurden eingesetzt.
Archelaos und Herodes Antipas waren Söhne des Herodes aus seiner 4. Ehe und somit Vollbrüder. Philip-pus war Sohn aus 5. Ehe.
Herodes Archelaos erhielt große Gebiete zwischen Mittel- und Totem Meer, beinahe das Israel von heute.
Herodes Antipas bekam Galiläa (westlich vom See Genezareth) und Peräa (östlich und nordöstlich vom Toten Meer). Diese Bereiche waren voneinander getrennt.
Herodes Philippus herrschte über frisch besiedelte Gebiete, nördlich und nordöstlich vom See Genezareth.
Allerdings hatten sich in dieser Gegend auch die jüdischen Zeloten (Eiferer), z. B. in der Festung Gamla festgesetzt. Hierhin konnte man sich aus dem Herodes-Bereich zurückziehen.
(2)
1. „Besucher kommen zu einem Einsiedler und verbringen einige Zeit bei ihm, um von ihm zu lernen. Der Eremit ist im Gebet versunken, bisweilen geht er zum Brunnen und holt sich frisches Wasser. Sonst ist nur Stille und Schweigen. Abends fragen die Touristen den Einsiedler, wie er die Stille und Einsamkeit ertragen und nutzen kann. Er geht mit den Leuten zum Brunnen, schöpft Wasser, trinkt und bittet die Besucher, in den Brunnen zu schauen. „Was seht ihr?“ Sie sehen nichts als einige kleine Wellen. Nach einer ganzen Zeit der Stille und des Schweigens bittet er die Leute, wieder in das Wasser zu schauen. „Was seht ihr jetzt?“ –
“Wir sehen ganz deutlich unser Gesicht in der still gewordenen Oberfläche des Brunnens.“ „Seht ihr, das ist der Nutzen des Schweigens. Alles in uns kommt zur Ruhe und man erkennt sich selber, die Welt, die Ge-heimnisse des Lebens!“. (Axel Kühner, Zuversicht für jeden Tag)
2. „Ein zu quirliger Bach kann den Himmel nicht widerspiegeln.“ (Ingrid L., Gute Worte für mich, Gerdi Stoll Herausg.)
3. „Unsere Kraft wächst aus der Stille, aus der Stille vor Gott. Der Sturm in uns vergeht, die Wellen ebnen sich. Wir werden ruhig vor Gott.“ (Peter Strauch, Entdeckungen in der Einsamkeit).
4. Lieder:
Stille vor dir, mein Vater, Feiert Jesus 2, 97
In der Stille angekommen, Feiert Jesus 2, 189
Lass du mich stille werden, Iwwd 418
(3) Bibelkritische Theologen haben viele „naturwissenschaftlich nachvollziehbare“ Beispiele versucht.
Vom Anschluss an Bäckereien in den Dörfern über mitgebrachte Vespermahlzeiten, die „christlich geteilt“ wurden manche Theorien entwickelt, die Gottes Möglichkeiten ausschließlich in menschlichen Horizonten erklären wollten. Wer den Gott der Bibel nicht akzeptieren will, muss auf eigene Mittel zurückgreifen, – auch wenn diese nicht ausreichen.