Jesaja

Predigthilfe vom 16.12.2007 – Jesaja 50, 4-9

Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: … im Gehorsmen kommt

Bibelstelle: Jesaja 50, 4-9

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkungen
Die Kapitel 40-66 nennt man das „Buch des Trostes und der Erlösung“. Jesaja ist der Verfasser. Eine Theorie, hier habe ein anderer (Deuterojesaja) unter dem Namen des Jesaja geschrieben, um seinem Schreiben mehr Gewicht zu geben, überzeugt nicht. Warum sollte Gott diesem großen Propheten nicht eine gewaltige Vision des künftigen messianischen Reichs gegeben haben? In der Geschichte des biblischen Kanons hat das Buch Jesaja nie aus getrennten Teilen bestanden. Schon die berühmte Jesajarolle aus Qumran (1947 entdeckt) kennt nur EIN Buch.
Im Neuen Testament wird das Trostbuch elfmal zitiert und Jesaja als Verfasser genannt (z. B. Mt 12, 17f; Apg 8, 28-35; Rö 10, 16-21).

Erklärungen und Tipps:
In den Versen 4-9 spricht der Knecht, denn er nennt Gott vier Mal „Gott, den Herrn“.

V 4f Täglich lehrt Gott seinen Knecht, die Müden zu trösten. Er überfällt ihn nicht mit seinem Wort, sondern lässt Einsicht im Herzen des Jesaja wachsen: Ein Schüler, der Erfahrenes verarbeitet und verinnerlicht hat. Die Zunge des Knechtes spricht vor allem zu Gott selbst. Er kann seinen Auftrag nur in ständiger Nähe zum Herrn ausführen. Sicher kannte Jesaja (wie Jeremia, Jer 15, 1) auch Zeiten des Schweigens von Gott.
Wen er hier auch mit „Knecht“ meint: Es bleibt deutlich, dass das Hören auf Gott „Morgen für Morgen“ Quelle seiner Kraft für den Tag ist. „Der Knecht hört, weil Gott ihm die Aufmerksamkeit zum Hören verliehen hat“ (Dieter Schneider) und er hört nicht auf Träume und ekstatische Visionen, sondern bei wachem Leben und tageshellem Bewusstsein. (1) Wenn der Schlaf, welcher „unmittelbare Entsunkenheit in Gott ist“ (Franz J. Delitzsch), beendet ist, haben die Eindrücke und Bedrückungen von gestern ihr Gewicht verloren. Das Blatt kann neu beschrieben werden. Aus dem Hören wird ein Horchen, aus dem Horchen ein Gehorchen. Gottes Wort macht wach. (2)
Zunge und Ohr gehören Gott. Das Ohr ist dabei die Einflugschneise für Gottes Wort (Rö 10, 17; Jo 17, 20). Wenn er uns nicht das Ohr „öffnet“, dringt sein Wort nicht bis ins Herz, wo es wirken kann (Hes 11, 19; Apg 2, 37). Und von dort her hat es Auswirkungen auf die Zunge, die sonst so viel Unheil anrichten kann. (3)
„Müde“ und Verzweifelte drücken sich oft ganz leise aus. Man muss hinhören wollen, denn leise und kraftlose Stimmen gehen leicht unter in einer lauten, vordergründigen Welt.
Auch das Ständig-eigene-Probleme-wälzen blockiert leicht das Handeln.
Genau DIESE Leidenden ruft Jesus (Mt 11, 28f). Jesus lebte mit dem Alten Testament (Jer 31, 25). Das war seine Bibel. Er will erquicken. (4)
§1: Gottes Wort ist IMMER zuverlässig und hilft uns, über den Tellerrand der eigenen Wahrnehmungen hinaus zu sehen. (5) Auch Lobpreisstimmungen schützen nicht vor Einbrüchen. Wenn das Eis dünn wird, helfen keine Durchhalteparolen, sondern nur ein sicherer Halt. (6)

V 6 Rücken und Gesicht stehen im Text an der Stelle, wo es um Anfeindung geht. Weil der Gottesknecht sich vor Gott im Recht weiß, kann er Rücken und Gesicht dem hinhalten, der ihn angreift (Mk 10, 34). Zum kleinen Einmaleins des Christ-Seins gehört, dass der, der von Gott gerecht gesprochen wird, aufhören kann, sich ständig selber rechtfertigen zu müssen. (7) In diesem Vertrauen kann man den Satz nachsprechen, dass den Menschen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen (Rö 8, 28). Dann wird im Vertrauen auf Gottes Rückendeckung der Rücken ein Körperteil, mit dem ich eigene und zunehmend auch die Lasten anderer mittragen kann. Und dann wird, weil ich mein Gesicht vor Gott nicht wahren muss, dieses Gesicht zu einem Körperteil, das ich anderen so hinhalten kann, dass sie mich auf die andere Backe schlagen können.
Das sind Gedanken an der Grenze. Aber wir haben einen Herrn, der diese Grenze ausgehalten und überschritten hat.

V 7 „Wenn die Not am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten.“ Leidensbereitschaft und Gehorsam erzeugen Durchhaltekraft. Der Gottesknecht wusste, dass das Leiden zu seinem Gottesdienst gehörte und er erkannte die Hilfe Gottes nicht erst daran, dass Gott ihn vor Leiden bewahrte. Das nimmt der natürliche Mensch an. Jahwe hilft – auch auf Leidenswegen.
Der Triumph der Feinde hat das Wissen der Märtyrer vom Sieg Gottes nicht abtöten können.

„Hart wie ein Kieselstein“ (Hes 3, 7-9) beschreibt nicht die Gefühllosigkeit des Knechtes, der Gesicht und Rücken hinhält (V 6), sondern weist auf die Möglichkeit hin, ein Gesicht zu verunstalten, aber auch die Unmöglichkeit, es zu zerstören (Ps 68, 20; 1. Ko 10, 13; Jak 1, 12).
Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen (Rö 8, 31-39)?

V 8f Die Gottesgegner verfolgen Christen unter dem Schein des Rechts. (8)
Wer will aber einen Gottesknecht beschuldigen, wenn Gott ihn frei gesprochen hat? Deshalb fürchten Gottes Leute nicht die Verurteilungen selbsternannter Richter, weil sie ihren Freispruch schon von höchster Instanz erhielten (Jo 8, 36). Niedrige „Richter“ können noch mit dem Finger auf die Jesusleute zeigen, ihnen ihr neues Leben aber nicht mehr absprechen. Die Verkläger fallen, Gottes Wort bleibt (1. Petr 1, 25; 1. Jo 2, 17).
Im Namen und in der Vollmacht Gottes darf jeder Christ Angriffe erwarten. Viele Beispiele sind in der Bibel und der Kirchengeschichte zu finden. Jesusnachfolger sitzen in dieser Welt auf den ersten Blick meistens am „kürzeren Hebel“, wissen aber von der Allmacht und Heilsgeschichte Gottes.
Seine Stellung vor Gott wird für jeden Menschen letztlich alles entscheiden.

Wie alte Kleider von Motten bis zur Unbrauchbarkeit zerfressen werden, so wird jeder, der den Knecht Gottes angreift, vergehen. Ein hartes Gerichtswort (vgl. Hos 5, 12).

Wer aber dem Wort Gottes traut (1. Petr 1, 25), der bleibt in Ewigkeit (1. Jo 2, 17).

Liedvorschläge
Iwwd 348: Er weckt mich alle Morgen“ (Jochen Klepper 1903-42)
Iwwd 343: Ein neuer Tag beginnt (Helga Poppe)
Iwwd 342: Hell strahlt die Sonne, der Tag ist erwacht (Peter Strauch)
Feiert Jesus 2 97: Stille vor dir, mein Vater
Feiert Jesus 2 ab 98: Mit leeren Händen, u. a.

Gliederungsvorschläge
von Thomas Richter
1) Täglich achtgeben (V 4-5)
2) Ganz hingeben (V 6-7)
3) Niemals aufgeben (V 8-9)

von Tobias Eißler:
1) Gott spricht – und ich werde neu
2) Gott spricht – und ich werde fest
3) Gott spricht – und ich werde frei

von Heiko Krimmer (PT vom 10.12.2000):
1) aus dem Hören
2) über das Leiden
3) zu völligem Vertrauen
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Fußnoten
(1) Morgens sind Menschen nach der Ruhe der Nacht am ehesten „aufgeräumt“ und aufnahmebereit. Eingängige Ohrwürmer aus dem Radio, die morgens gehört werden, können einen den ganzen Tag über beschäftigen.
(2) KEIN Witz: Ein Priester und ein Rabbi wohnten während eines Kongresses in einem Doppelzimmer. Abends las der Priester noch einen längeren Bibeltext, der Rabbi schlief in dieser Zeit schon ein.
Am nächsten Morgen konnte sich der Priester eine Bemerkung nicht verkneifen: „Wissen Sie, abends muss ich immer noch einen ordentlichen Abschnitt in der Bibel lesen. Sonst kann ich nicht gut einschlafen.“
Der Rabbi antwortete: „Ich bete lieber abends im Stillen und lese morgens wieder in der Bibel. Gottes Wort macht mich halt immer hellwach“.
(3) Gemeindepraxis: Was macht es für einen Spaß, unter Menschen zu leben, die sich nicht gegenseitig fertig- und nieder machen, sondern einander stärken und ermutigen.
(4) Das Wort „erquicken“ kennt fast jeder, aber niemand benutzt es heute noch. Erklärungsbedarf besteht.
(5) Leider besteht die Möglichkeit, dass auch Christen unter Lasten zusammenbrechen. Der bekannteste Liederdichter zum Thema in Vers 4 ist Pfr. Jochen Klepper (1903-42), verheiratet mit Johanna, einer Jüdin.
Als seiner Frau die Deportation drohte, nahm sich die Familie in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 1942 durch Schlaftabletten und Gas gemeinsam das Leben.
„Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ (Jo 8, 7; Rö 2, 1).
(6) Philipp Spitta: „Ich steh in meines Herren Hand. Und wenn zerfällt die ganze Welt: Wer sich an ihn und wen er hält, wird wohlbehalten bleiben.“
(7) „Wer vor Gott kniet, kann vor Menschen aufrecht stehen“ (Gustav Heinemann)
„Die Herren der Welt kommen und gehen – unser HERR kommt.“ (Gustav Heinemann, 1950)
Er war 1950 als Innenminister zurückgetreten, weil Deutschland schon fünf Jahre nach Kriegsende die Wiederbewaffnung beschlossen hatte, – 1966-69 Justizminister, dann Bundespräsident von 1969-74.
(8) Im sog. 3. Reich wurde ihnen das Veröffentlichungsrecht entzogen. Vom Schreib- und Redeverbot bis zur Aburteilung war der Weg oft kurz.
Jesusnachfolger wurden schon immer schnell als fundamentalistisch, eng, intolerant eingestuft und im Schubfach „Achtung! Extrem!“ abgelegt. Genau das geschieht heute aber zunehmend in einer Intoleranz und Enge, die ihre EIGENEN Freiheiten GEGENÜBER ANDEREN verteidigt, – und dabei leicht auch auf die sogenannten Freiheiten eines Rechtsstaates verzichtet. Von den Römern, über die frühere DDR bis in die heutige Bundesrepublik: Gottes Leute kennen keinen Kadavergehorsam. Sie trauen lieber Gottes Wort.
Eva Herrmann war nur ein Beispiel. „Wenn sich Redaktionen damit amüsieren, Hetzjagden auf unbescholtene Menschen zu veranstalten, statt ausführlich über wissenswerte Vorgänge in dieser Welt zu berichten, dann verbiegen sie genau jene Kultur, die ihnen das freie Arbeiten erst erlaubt hat.“ Haben wir es mittlerweile wieder mit einem „entarteten Journalismus“ zu tun? (Uwe Simon-Netto, Theologe und Journalist, in „Pro 5/2007“).