Monatsthema: Kraft zur Hoffnung
Predigtthema: Hoffnung für Orientierungslose
Bibelstelle: Lukas 18,18-30
Verfasser: Thomas Richter
Eine Predigthilfe enthält Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext persönlich gehörten Beauftragung zur Botschaft. Unsere Predigt folgt dabei dem Grundsatz Jesu: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34b). Nur wo der Herr selbst uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)! „So sind wir nun Gesandte an Christi Statt“ (2Kor 5,20a). So suchen wir in der Predigtvorbereitung nach dem, was der Herr uns durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Deshalb hören wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verkündigen aber die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird! „Redet jemand im Auftrag Gottes, dann soll er sich bewusst sein, dass es Gottes Worte sind, die er weitergibt“ (1Petr 4,11a – NGÜ).
1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes (Lk 18,18-30) bieten z.B.
* Gerhard Maier. Lukas-Evangelium 2.Teil. Edition C Bibelkommentar Bd. 5. Hänssler (S. 395-410)
* Fritz Rienecker. Das Evangelium des Lukas. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S. 428-434)
* Norman Crawford. Was die Bibel lehrt Bd. 3: Lukas. CV Kommentarreihe NT. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 376-381)
* John Charles Ryle. Lukas – Vers für Vers. Bd. 3: Kap 16-24. 3L-Verlag (S. 101-115)
* Theodor Zahn. Kommentar zum Neuen Testament. Bd. 3: Das Evangelium nach Lukas (http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_03_Buecher_42_1913.pdf – S. 615-618)
Beachtenswerte Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/42-Das_Evangelium_Nach_Lukas.pdf; S. 1462). Zum Kontext von Lk 18,27 (= Jahreslosung 2009) bietet der Aidlinger Bibellesezettel „Zeit mit Gott“ (Heft 1 / 2009: S. 2-5) wertvolle Anmerkungen.
Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Jürg Birnstiel vom 09.09.2001 mit dem Titel „Was für den Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich“ (Lk 18,18-27), vom 23.08.1998 mit dem Titel „Jesus zu folgen lohnt sich in jeder Hinsicht“ (Lk 18,28-30) und von Rolf Scheffbuch vom 19.09.1992 mit dem Titel „Nachfolge Jesu kostet“ (Lk 18,28-30). Diese Predigten findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. Lukas 18] und „Autor“ [z.B. Birnstiel, Jürg bzw. Scheffbuch, Rolf] ausfüllt.
Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (http://www.ngue.info/online/lesen).
2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG
In Anlehnung an die Jahreslosung fragen wir uns in diesem Jahr, wie die „Kraft“ Jesu in uns so mächtig sein kann, wie er es will und schenkt. Gegenwärtig beschäftigen wir uns an Hand von Lk 17 + 18 mit dem Themenfeld „Hoffnung“ (Monatsthema: Kraft durch Hoffnung) und fragen uns, wie wir durch die Kraft Jesu so leben können, dass deutlich wird welche Hoffnung uns erfüllt. In der chronologischen Folge von Lk 17+18 zeigen wir so im Juni und Juli, dass es Hoffnung gibt für Ratlose – Ausweglose – Erwartungslose – Rechtlose – Ahnungslose – Machtlose – Orientierungslose (= Predigtthema) – Verständnislose – Hilflose. Auf der Grundlage unseres Predigttextes (Lk 18,18-30) geben wir im Rahmen dieser Predigt Orientierung im Hinblick auf die Kosten und Konsequenzen der Nachfolge. In Fortführung der Predigt vom letzten Sonntag (Lk 18,15-17) bleibt das Grundthema gleich: „Zugang zum Heil“! Von daher gilt als Ziel der Predigt: „Entdecke Gottes Möglichkeiten“! Bitte beachtet hierzu auch die Parallelstellen bei Mt 19,16-30 und Mk 10,17-31.
Zum Nachdenken:
„Ein Mann, der wusste, wie viele Prüfungen und wie viel Leid das Leben David Livingstone auferlegt hatte, wie er seine Frau verloren und seine Gesundheit in Afrika ruiniert hatte, sagte einmal zu dem Afrikaforscher: ‚Wie viel Opfer haben sie gebracht?‘ – ‚Opfer?‘ erwiderte Livingstone. ‚Ich habe in meinem ganzen Leben kein Opfer gebracht‘.“ (zit. nach Zuversicht und Stärke 8/9 1999 – S. 60).
„Der Herr ist gut und sieht in Gnaden an den schlichten Dienst der Knechte, die ihn lieben, Er gibt mehr Lohn als man erwarten kann, kein kühler Trunk ist unvergolten blieben. Er gibt dafür die ganze Segensflut, der Herr ist gut“ (Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehen – 6. Strophe).
„Wir dienen nicht für Lohn, aber auch nicht ohne“ (aus einer Predigtnotiz).
3. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN
Zu V. 27 (= Jahreslosung 2009) dem Kontext erläutert Theo Sorg: „Wer unterwegs ist, braucht Orientierungszeichen. Unsere vielen Verkehrsschilder und die Leitplanken an den Straßen sind dazu aufgestellt, die Richtung anzuzeigen, auf Gefahrenstellen aufmerksam zu machen und die Verkehrsteilnehmer an den richtigen Zielort zu leiten. Man übersieht diese Zeichen nur zu seinem eigenen Schaden. Auch wer auf der Bahn des Glaubens unterwegs ist, kommt nicht ohne Hinweise zur Orientierung aus. Die Losungsworte, die uns in der Kirche gegeben sind – Jahreslosungen, Monats- und Wochensprüche –, wollen uns diesen Dienst tun. Sie geben eine Richtung an, sie helfen zur Orientierung, sie setzen Schwerpunkte, sie machen Mut, und sie weisen auch auf Gefahrenstellen hin. Besonders am Anfang eines neuen Jahres, das wie ein unerforschter Kontinent vor uns liegt, brauchen wir eine Richtungsangabe, suchen wir Zuspruch. Die Jahreslosung für das Jahr 2009 ist Richtungsangabe und Zuspruch in einem. Sie will uns den nicht hoch genug zu schätzenden Dienst tun, unser Denken neu zu ordnen, unseren Blick auf die Möglichkeiten Gottes hinzulenken und uns aus den Begrenztheiten und Gefangenschaften unserer angeborenen Denk- und Sichtweise zu befreien. Und sie will unser Leben zugleich mit Vertrauen anreichern. Mit Vertrauen auf die Macht und die Möglichkeiten Gottes. So führt sie uns, wenn wir ihr folgen, über unsere Erfahrungen menschlicher Begrenzung und Ohnmacht hinaus in eine neue Dimension.
Leben in Begrenzungen
Das ist unsere natürliche Erfahrung als Menschen. In diese Situation hinein sind wir geboren. Überall stoßen wir auf Barrieren, die unseren Lebensraum einengen. Begrenzungen sind unser Schicksal. Wir können sie nicht abstreifen und einfach hinter uns lassen. Das zeigt die Geschichte, an deren Ende unsere Jahreslosung steht. Dreimal erscheint sie im Neuen Testament, in jedem der synoptischen Evangelien, die Geschichte vom »reichen Jüngling“, der zu Jesus kommt und nach dem Zugang zum ewigen Leben fragt: »Was muss ich tun, damit ich das ewige Leben erbe?« (Mt 19,16–26; Mk 10,17–27; Lk 18,18–27). Jesu Antwort weist ihn auf die Gebote Gottes hin, auf den Dekalog vom Sinai. Aber damit kommt er bei dem Fragenden nicht an: »Das habe ich alles gehalten!« Doch nun rührt Jesus an den kritischen Punkt, der das Leben des jungen Mannes wie in einem Gefängnis festhält: sein Besitz, seine vielen Güter, sein Reichtum. »Verkaufe alles, was du hast!« Das heißt: Trenne dich von dem, was dich bindet! Doch an dieser Stelle stockt der Frager: Unmöglich! Das gebe ich nicht auf! Alles andere – ja, aber das nicht! Die Jünger Jesu sind erschrocken über diese Zuspitzung des Gesprächs: »Ja, wer kann dann selig werden?« Hier hat einer doch alle Gebote gehalten und somit alle Voraussetzungen für den Eingang in das Reich Gottes erfüllt! Was kann man denn noch mehr tun? An dieser Stelle setzt unsere Jahreslosung ein. Jesus sagt: In jedem Menschenleben gibt es einen Punkt, von dem wir meinen, wir könnten ihn nicht loslassen. Einen Punkt, an dem wir unter allen Umständen festhalten, weil wir darin die Sinnmitte unseres Lebens sehen, das, was unsere Sinne, unser Denken und Streben erfüllt und bestimmt. Oder anders gesagt: einen Punkt, eine Sache, die uns gefangen hält. Diese Sache war bei dem jungen Mann sein Besitz. Die Möglichkeiten, die Geld und Besitz für einen Menschen eröffnen, waren für ihn der höchste Wert im Leben. Dieser Reichtum, dieser Besitz steht hier stellvertretend für alles, was sich zum Lebensgrund und zum Lebenssinn erheben und uns so das Leben mit Jesus verwehren kann. Solche Gefangenschaften können sehr verschiedene Gesichter haben: die Karriere, das gesellschaftliche Ansehen, eine Liebhaberei, ein individuelles Laster, ein materieller oder individueller Wert. Auf diesen einen Punkt im Leben des jungen Mannes geht Jesus zu und sagt unmissverständlich: »Verkaufe! « Gib auf, was dich festhält und bindet! Lass los, was du an irdischen Höchstwerten nicht aufgeben willst! »Woran einer sein Herz hängt, das ist sein Gott«, hat Martin Luther einmal gesagt. Im Grunde hat er damit das erste Gebot ausgelegt: »Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.« Das Festhalten und das Haben-Wollen irdischer Werte kann zu einer Macht werden, die Menschen versklavt und die an die Stelle Gottes treten kann. Wie wenig wertbeständig und zukunftssichernd solche Werte sind, das haben die letzten Monate mit ihren weltweiten Finanzkrisen und Bankencrashs in aller Deutlichkeit gezeigt. Immer wieder machen wir Menschen die Erfahrung des jungen Mannes im Neuen Testament (bei Lukas war es ein »Oberer«, der »sehr reich« war), dass wir etwas loslassen sollen – aber nicht wollen oder können, weil wir eine letzte Rückversicherung in der Hand behalten möchten. Eine Sicherheit, über die wir und wir allein verfügen und bestimmen. Etwas Festes, etwas Sicheres will der Mensch doch haben! Deshalb können wir den jungen Mann gut verstehen. Alles aufgeben? Unmöglich!
Groß denken von Gottes Möglichkeiten
Der bis heute unvergessene Pfarrer Fritz Grünzweig, langjähriger Vorsteher der Brüdergemeinde in Korntal, hat einem seiner Bücher den Titel gegeben: »Groß denken von Jesus«. Genau das ist es, was unsere Jahreslosung für 2009 meint. Wir sollen lernen, groß zu denken von Jesus und seinen Möglichkeiten. Vertrauen stiften will die neue Losung. Vertrauen auf Jesus, auf den Vater im Himmel. Auf seine Möglichkeiten, die weit über das hinausgehen, was Menschen und Mächte dieser Welt vermögen. Unzählige haben diesen Schritt des Vertrauens getan und sich Jesus und seiner Macht anvertraut. Ihm ganz allein. Die Kirchengeschichte ist voller Beispiele. Große Namen wären hier zu nennen. Aber auch zahllose kleine, die in keiner Zeitung stehen und über die keine Bücher geschrieben werden. Namen von Menschen, die erfahren haben, dass Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene, lebt und wirkt, dass seine Macht größer ist, als wir denken. Dass er unmöglich Scheinendes möglich machen kann. Dass er Verhältnisse ändert, wo alles festgefahren scheint. Dass er gesund machen kann, auch wenn ärztliche Prognosen dagegensprechen. Dass er tröstet, wo Menschen untröstlich sind. Dass er Hoffnung schenkt mitten in einem Meer der Hoffnungslosigkeit. Er kann auch Frieden schaffen in den Krisengebieten unserer Erde, wo Politiker mit ihren Möglichkeiten am Ende sind. Freilich, nicht in jedem Fall werden Gottes Möglichkeiten auf spektakuläre Weise sichtbar und erfahrbar. Oft sind es stille Kräfte und kleine Schritte, in denen Gottes Kraft sich zeigt. Etwa: Indem er Kraft gibt, in ausweglosen Situationen durchzuhalten. Oder Geduld, um unerträglich Scheinendes zu ertragen. Indem er durch kleine Zeichen uns seiner Nähe gewiss macht. Gottes Kraft und Gnade erscheinen oft in unscheinbarem Gewand: »Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig« (2.Kor 12,9). Manchmal zeigt sich Gottes Kraft auch darin, dass er uns zufrieden sein lässt mit dem, was wir haben, und uns befreit von dem übermächtigen Trieb, immer mehr und alles besser und schöner haben zu wollen. Groß denken von Gottes Möglichkeiten! Denn »Bei Gott sind alle Dinge möglich!« Das ist die gute Nachricht, die Jesus Christus uns gebracht hat. Das ist das helle, reine Evangelium. Die neue Jahreslosung will unsere natürliche Sicht, sie will unser menschliches Denken korrigieren. Und vor allem: Sie will Vertrauen stiften. Vertrauen in den, der in seiner Auferstehung gezeigt hat, dass für ihn und sein rettendes, helfendes und begleitendes Handeln keine menschlichen Grenzen gelten. Darum gehört die Jahreslosung in unseren Alltag hinein, dorthin, wo sich unser tägliches Leben abspielt. Das gilt auch für die nächsten 365 Tage, für jeden Tag des neuen Jahres. Meine Frau hat seit vielen Jahren die Übung, dass sie die Jahreslosung an dem Ort anbringt, wo sie sich am meisten aufhält: in der Küche. Dort hängt zwischen Tassen, Tellern und Töpfen das Poster mit dem Bibelwort: »Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.« Immer wieder fällt ihr Blick, fällt unser Blick auf diese Zusage Gottes. So ist’s richtig: Gottes Wort im Alltag, an jedem Morgen neu. 365 Tage lang“ (Theo Sorg – entnommen aus der Zeitschrift Gemeinschaft H. 1/2009: S. 3f).
Zu V. 30: „O Gott, deine Macht ist es , welche die Sünder zum Glauben bringt, und die Gläubigen zur Seligkeit bewahrt. Beweise auch deine Macht an mir“ (Johann Albrecht Bengel).
4. PREDIGTGLIEDERUNGEN
Nach Gottfried Voigt:
Bei Jesus wird man nicht ärmer. Er gibt
a) die Freiheit des Loslassens
b) das Geschenk des Findens
c) die Zusage des Lebens
oder nach Klaus Jürgen Diehl
a) Was lassen wir uns die Nachfolge Jesu kosten?
b) Was bringt’s, wenn ich Jesus nachfolge?
c) Und wie steht’s um den himmlischen Lohn?