Predigtthema: Gott sieht mich – und lässt sich sehen
Predigttext: Joh 1,35-51
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com
1.1 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
V.35-37:
Johannes sagt (einen Tag später) zum zweiten Mal (nach V.29), dass Jesus das Lamm Gottes ist. Auch hier sehen, wir, was es bedeutet, dass Johannes die Stimme in der Wüste ist. Er lädt seine Jünger dazu ein, den Blick auf Jesus zu richten, auch wenn er seine Jünger hier nicht explizit auffordert ihn zu verlassen und stattdessen Jesus zu folgen.
Zwei der Johannesjünger nehmen die Worte auf und gehen hinter Jesus her. Nachfolgen scheint hier noch nicht Nachfolge im umfassenden Sinn zu meinen, sondern hinter Jesus herzugehen. Aber dieses äußerliche Hinterhergehen war der erste Schritt in die echte Nachfolge. Wer der zweite dieser Jünger neben Andreas ist wird uns nicht berichtet. Manche gehen aufgrund der erwähnten Details davon aus, dass es der Jünger Johannes gewesen sein könnte.
V.38-39:
Jesus spricht die beiden Männer an. Er wendet sich ihnen zu, so wie sich Jesus während seines irdischen Lebens vielen Menschen zugewandt hat. Die Frage: „Was sucht ihr?“, ist auffällig. Viele Menschen suchten bei Jesus etwas für sich. Die beiden Jünger hier suchten Jesus. Sie wollten wirklich wissen, wer Jesus ist. Auch dass sie Jesus als Rabbi ansprechen, zeigt in diese Richtung. Wie es damals bei pharisäischen Rabbis üblich war, wollten sie Jesus bei ihm zu Hause besuchen. Sie wollen Schüler des Messias werden.
Jesus lädt die beiden ein, einfach zu schauen. Er empfängt sie mit offenen Armen. Wie das Zuhause von Jesus war und wo es sich genau befand, wird uns nicht berichtet.
Johannes berichtet nun auffallend genau. Außerhalb der Passionsberichte finden wir außer dieser Stelle nur in Joh 4,6 eine solche Zeitangabe. Die Jünger waren wohl von 16 – 18 Uhr bei Jesus, da nach jüdischer Rechnung der nächste Tag um 18 Uhr begann. Und diese zwei Stunden haben sie offensichtlich geprägt.
V.40-42:
Andreas, der Bruder von Simon Petrus, war durch die Begegnung mit Jesus überzeugt, dass Jesus der Messias ist. Das Gespräch zwischen Petrus und Andreas scheint sehr zeitnah stattgefunden zu haben. Andreas berichtet Petrus nun nicht die Überzeugung von Johannes dem Täufer, sondern seine eigene Überzeugung. Jesus hat die beiden eingeladen zu kommen und zu sehen. Und sie haben ihn wirklich erkannt.
Die Begegnung zwischen Jesus und Petrus zeigt zum einen, wie genau Jesus Petrus kennt, aber auch, dass die Begegnung mit Jesus das Leben von Petrus wirklich verändert. Der neue Name von Petrus könnte entweder auf die grundlegende Bedeutung von Petrus in der ersten Gemeinde verweisen, oder auch eine Veränderung seines Charakters andeuten, die kommen wird. Es wird deutlich, dass Jesus auch die Zukunft von Petrus sieht.
V.43-46:
Der folgende Tag ist der zweite Tag nach der Taufe von Jesus. Jesus plant die Jordangegend zu verlassen und nach Galiläa zu gehen.
Während Jesus in den Versen vorher von Andreas und dem anderen Jünger aufgesucht wird, haben wir hier wieder das üblichere Schema. Jesus findet Philippus und ruft ihn in die Nachfolge. Es bleibt offen, wo Philippus auf Nathanael trifft. War Philippus mit Jesus nach Galiläa gereist und trifft ihn dort?
Jedenfalls sehen wir auch bei Philippus die Überzeugung, dass Jesus der Messias ist. Durch das „wir“ verbindet sich Philippus mit den anderen Jüngern. In der Art, wie Andreas seinem Bruder Simon, und wie Philippus Nathanael die Botschaft von Jesus berichtet, sehen wir schon in den ersten Versen im Johannesevangelium, wie sich die Botschaft des Evangeliums durch alle Zeiten hindurch verbreiten wird. Das Evangelium verbreitet sich durch das Zeugnis von Jesusnachfolgern.
Philippus nennt Jesus den, der die Verheißungen des Alten Testaments erfüllt und zeigt damit, dass er die Stellen im Alten Testament, die auf den Messias hinweisen, kennt und glaubt.
Nathanael kam aus Kana in Galiläa (vgl. Joh 21,2), das etwas nordöstlich von Nazareth lag. Seine Antwort deutet daraufhin, dass das Verhältnis zwischen diesen Orten nicht das Beste war.
Die Antwort von Philippus klingt ganz ähnlich, wie die von Jesus in Vers 39. Philippus begegnet den Vorurteilen von Nathanael einfach damit, dass er zur Begegnung mit Jesus einlädt.
V.47-49:
Nathanael hat sich offensichtlich mit Philippus auf den Weg zu Jesus gemacht. Jesus bezeichnet Nathanael als echten Israeliten ohne Trug. Auch wenn er eine schlechte Meinung über Nazareth hatte, war er echt auf der Suche nach dem Messias und wirklich bereit zu sehen, wer Jesus ist. Im Zusammenhang mit dem Hinweis auf die Jakobsgeschichte in Vers 51, bekommt diese Charakterisierung von Nathanael eine besondere Note. Jakob fällt im Alten Testament zunächst als Betrüger auf, bevor er durch die Vision Gottes einen anderen Charakter und einen anderen Namen bekommt. Nathanael als Israelit ohne Trug, ist also ein Israel und kein Jakob.
Wir sehen, wie die Worte Jesu Nathanael verwundern. Er merkt, dass Jesus ihn ganz genau kennt, obwohl sie sich zum ersten Mal begegnen. Jesus zeigt durch seine Antwort, dass sein übernatürliches Wissen über Nathanael noch weiter reicht. Jesus sah Nathanael schon bevor Philippus zu ihm kam. Vielleicht war der Feigenbaum der Ort an dem Nathanael das Gesetz Gottes studierte, oder zu beten pflegte. Jesus sieht Nathanael auch an den Orten an denen er sich alleine befindet.
In Vers 49 sehen wir, wie die Bedenken von Nathanael schlagartig verflogen sind und Nathanael davon überzeugt ist, dass Jesus der Messias ist. Auffällig sind die Titel, die Nathanael Jesus gibt. Auch er benutzt die Bezeichnung Messias nicht, auch wenn er Jesus eindeutig als Messias anerkennt und ergänzt damit die Aussagen von Andreas und Philippus. Nathanael nennt Jesus Sohn Gottes und bekennt damit das gleiche, wie Johannes der Täufer in Joh 1,34. Nathanael betont damit die enge Verbindung zwischen Jesus und Gott. Vielleicht hatte Nathanael auch Ps 2,7 im Gedächtnis, wo der Messias als Sohn Gottes bezeichnet wird.
Auch die zweite Bezeichnung „König Israels“ ist ein klares Bekenntnis, dass Jesus der Messias ist. Zunächst ist im Alten Testament Gott der König von Israel. Dann finden wir aber auch eine ganze Reihe von Stellen, die den Messias als König von Israel bezeichnen (z.B. Ps 2,6; Jes 32,1ff; Jer 23,5; Sach 9,9).
Das Johannesevangelium unterstreicht an mehreren Stellen, dass Jesus dieser verheißene König Israels ist (Joh 12,13; 18,33ff; 19,3.12).
V.50-51:
Jesus nimmt das Bekenntnis von Nathanael an. Er korrigiert ihn nicht, und macht dadurch deutlich, dass diese Titel, mit denen Nathanael ihn bezeichnet hat, richtig sind. Gleichzeitig gibt Jesus ihm (und sicherlich auch den anderen Jüngern) die Verheißung, dass er noch Größeres sehen wird. Damit verweist Jesus sicherlich auf die Wunder, die die Jünger noch miterleben werden, aber eben auch besonders auf seine Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt.
In Vers 51 benutzt Jesus das Bild der Himmelsleiter von der Jakob geträumt hat (1Mo 28,12). Die Jünger werden immer wieder sehen, dass Jesus wirklich der Menschensohn ist, von dem in Dan 7,13f die Rede ist. Gott wird immer wieder bestätigen, dass Jesus wirklich sein Sohn und der verheißene Messias ist. Die Jünger werden sehen, dass der Vater und der Sohn wirklich eins sind (vgl. Joh 8,28).
1.2 Weitere Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* Maier, Gerhard. Johannes Evangelium (Edition C Bibelkommentar)
* Lüthi, Walter. Johannes – das vierte Evangelium.
* De Boor, Werner. Das Evangelium des Johannes (Wuppertaler Studienbibel)
2. Verstehen, worum es geht
Wir halten diese Predigt im Blick auf die Jahreslosung aus 1Mo 16,13: „Du bist ein Gott, der mich sieht“. Nachdem in den ersten beiden Gottesdiensten des Jahres der Schwerpunkt darauf lag, wie Gott Menschen im Alten Testament gesehen hat (Hagar und David), liegt in diesem Abschnitt der Schwerpunkt darauf, wie sich Jesus seinen Jüngern zu erkennen gibt. Gleichzeitig zeigt auch dieser Abschnitt, dass Gott uns Menschen ganz genau sieht. Die Jünger erleben, wie Jesus sie schon kannte, bevor sie ihm begegnet sind.
Wir sehen in diesem Abschnitt, dass die Jünger eine klare Messiaserwartung haben, die auf den Verheißungen des Alten Testaments basieren. Als sie Jesus begegnen, erkennen sie, dass in ihm diese Verheißungen erfüllt sind. Diese Erkenntnis mündet in einem klaren Bekenntnis zu Jesus auch vor anderen Menschen.
Der Abschnitt wird eingerahmt von Hinweisen auf das Opfer Jesu für unsere Rettung. In Vers 35 spricht Johannes der Täufer vom Lamm Gottes und das Größere, von dem Jesus in Vers 51 spricht, ist schlussendlich ein Hinweis auf seinen Tod, seine Auferstehung und die Himmelfahrt.
In dieser Predigt dürfen wir zeigen, dass Jesus sich gerne von Menschen finden lässt. Er lädt Menschen ein, ihm zu begegnen. In der Begegnung erleben die Menschen aber, dass Jesus selbst schon lange auf der Suche nach ihnen ist, und sie ganz genau kennt. Wir sehen schon in diesem ersten Kapitel im Johannesevangelium, wie Gott unser menschliches Zeugnis benutzt, um Menschen zu sich zu führen.
Gerade das Beispiel von Nathanael zeigt, wie eine echte Begegnung mit Jesus Menschen in ihren Überzeugungen völlig verändert und ihnen eine neue Perspektive schenkt.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
In der Predigt wollen wir die Freude darüber vermitteln, dass Gott ein Gott ist, der sich offenbart. In der ganzen Bibel aber besonders im Leben von Jesus sehen wir, wie Gott ist. Wir wollen dazu ermutigen, danach zu streben, Gott immer mehr in seinem Wort zu erkennen. Wir dürfen zu Jesus kommen und sehen. Gleichzeitig wollen wir die Hörer einladen, in der Wahrheit zu leben, dass Jesus sie ganz genau kennt und sieht.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Gott sieht mich – und lässt sich sehen
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
1. Jesus öffnet seine Türen (V.35-39)
2. Jesus sieht deine Vergangenheit, deine Gegenwart und deine Zukunft (V.40-42)
3. Jesus findet dich (V.43-45)
4. Jesus ist größer als deine Vorurteile (V.46-51)
oder nach G.Maier:
1. Gefunden und geprüft (V.35-39)
2. Neubeginn unter einer Verheißung (V.40-42)
3. Dem Ruf gefolgt (V.43-44)
4. Aus der Reserve gelockt (V.45-51)
(Tobias Schurr)