Monatsthema: Jesus-Erzählungen
Predigtthema: Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat
Bibeltext: Mk 4,26-29
1. Hilfreiche Bibelübersetzungen, um den Bibeltext zu verstehen
Um mit dem Bibeltext vertraut zu werden, ist es sinnvoll verschiedene Bibelübersetzungen zu lesen. Unter www.bibleserver.com sind viele Bibelübersetzungen zu finden: Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung.
1.1 Allgemeine Hinweise zum Bibeltext
Das Reich Gottes ist ein Schlüsselbegriff im Neuen Testament und markiert eine neue Epoche in der Heilsgeschichte. So beginnt Jesu öffentliches Auftreten nach Markus mit der Proklamation des Reiches Gottes: „… Jesus kam nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,14)
Das Thema der Verkündigung Jesu ist die hereingebrochene Gottesherrschaft. Reich Gottes ist die Bezeichnung der Gottesherrschaft. Das Reich Gottes ist angebrochen – das Reich Gottes kommt. Was heißt das für uns heute? Schon jetzt – ist die Herrschaft Gottes in Jesus Christus da (vgl. Mt 12,28; Lk 11,20; Lk 17,21) und doch ist die Herrschaft Gottes noch nicht zur Vollendung gekommen (vgl. Offb 21,5). Im „schon da“ und im „noch nicht“ liegt eine Spannung. Aber so gewiss, wie der Same aufgehen wird, wird das Reich Gottes aufgehen und unvorstellbar groß und gewaltig sein.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Bibeltextes
Die Abschnitte Mk 4,26-29 und Mk 4,30-32 enthalten zwei Gleichnisse zum Thema Gesetzmäßigkeiten des „Reiches Gottes“. Zu erwähnen ist, dass die Gleichniserzählung von der selbstwachsenden Saat zum sogenannten Sondergut gehört. D.h.: dieses Gleichnis wird in keinem anderen Evangelium (z.B. in Matthäus, Lukas oder Johannes) erwähnt.
Das Gleichnis der selbstwachsenden Saat (Mk 4,26-29) ist dreiteilig strukturiert: a. säen; b. wachsen; c. ernten. Beachtenswert ist im Gegensatz zu Mk 4,3-8 die Wechselwirkung zwischen Saat und Bauer.
Exegetische Einsichten:
Vers 26: Hier will Jesus den Hörern erklären, wie das „Reich Gottes“ anfängt und emporwächst. Der „Same“ ist, wie schon in Mk 4,14 erwähnt, das Wort Gottes, den der „Mensch“ (= Sämann/Bauer) – gemeint ist Jesus Christus und alle, die sein Evangelium in seinem Auftrag weitersagen – ausstreut. Das „Land“ sind, wie beim Gleichnis des vierfachen Ackerbodens (vgl. Mk 4,3-20), die Menschen, die das Wort Gottes hören. Schon in Jes 55,10-12 weist der Prophet auf den Sämann hin, der das Wort Gottes ausstreut.
Vers 27: Der Sämann hat weder auf das Aufgehen der Saat noch auf die Frucht entscheidenden Einfluss. Bei diesem Vorgang ist er untätig, er weiß nicht einmal, wie dies geschieht, wohl aber dass es geschieht. Der Sämann – in der Gewissheit, dass etwas mit dem Samen geschieht – kann darüber sogar schlafen. Ein paar Verse weiter schildert uns das Markusevangelium eine eindrückliche Geschichte: Während die Jünger Jesu im Boot gegen Wind und Wellen einen Überlebenskampf führen, schläft Jesus hinten im Boot. Doch ist er es dann, der, wenn wir ihn um Hilfe bitten, Sturm und Wasser – ja auch uns Menschen – wieder beruhigt (vgl. Mk 4,35-41).
Das Wachsen und Reifen besorgt ein anderer. Jesus und wir können gelassen sein – Gottes Macht wirkt jeden Tag unter uns. Jesus schildert dieses Wachstum wie einen Fortschritt, den niemand hindern kann.
Niemand kann das Wort (den Samen) mehr auslöschen bzw. vernichten. Insofern strahlt dieses Gleichnis eine große Zuversicht aus. Allerdings … man braucht Geduld.
Vers 28: „Die Erde bringt von selbst Frucht hervor,…“. Für die deutschen Worte „von selbst“ steht im Griechischen „automatä“ [aujtoma¿th] – fast dasselbe wie unser Wort „automatisch“. Der Sinn ist: ohne Zutun des Bauern wächst der Same. Jesus schildert den Wachstumsprozess recht genau: zuerst den Halm/das Gras, dann die Ähre, mit dem reifen Korn. Jesus will darauf aufmerksam machen, dass das Reich Gottes seine Zeit zum Wachsen haben will – dazu braucht es Geduld, so wie der Bauer warten muss, bis er die reife Frucht sehen/ernten kann (vgl. Jak 5,7).
Vers 29: Der kluge Bauer weiß, wann die Frucht für die Ernte reif ist. Er weiß zu warten. Aber dann wird die Ernte nicht verzögert. „Er schickt die Sichel“ – wohl ein volkstümlicher Satz, der sagen will, dass der Schnitter/Bauer mit seiner Sichel zum Ernten des Korns kommt.
Mit Ernte sind zwei Perspektiven zu beachten: 1. Die Perspektive, dass das gute Korn/die gute Frucht eingesammelt wird und 2. Dass das Unkraut und die Spreu, also alles Unnötige, Ungenießbare und Fruchtlose vom Guten getrennt und vernichtet wird (vgl. Mt 13,30). Im Wort „Ernte“ sind beide Perspektiven, Leben und Vernichtung, impliziert.
Mit der „Ernte“ gebraucht Jesus ein Bild, das für das Gericht steht. Die Ernte/das Gericht bedeutet die Vernichtung alles wert-, und sinnlosen, die Vernichtung dessen, was das Gute ersticken und überwuchern will. Gut, dass alles Böse und Vernichtende eines Tages ein Ende haben wird. Gleichzeitig wird durch das Gericht die gute Frucht von allem Negativen erlöst/befreit. Bauer und Korn/Frucht werden auf ewig zum Leben zusammen sein (vgl. Joh 4,35).
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Existenzsorgen und Entsolidarisierung sind an der Tagesordnung, in vielen Teilen der Welt droht Krieg.
Die Frage nach tragfähigen Zukunftserwartungen behält also bleibende Bedeutung. Man darf sicherlich vermuten, dass im Gottesdienst Menschen sind, die von der Hoffnung nach einer erneuerten Welt, einem Leben in Fülle für alle Menschen und für die ganze Schöpfung umgetrieben sind, auch wenn ihnen dabei vielleicht nicht sofort der Begriff „Reich Gottes“ einfallen mag.
Viele von ihnen mühen sich sehr: Sie engagieren sich in unseren Gemeinden oder in anderen Gruppen, setzen sich aber auch in Alltagssituationen für Menschlichkeit ein. Dabei erleben sie oft genug, wie ihre Mühe nur wenig Frucht bzw. sichtbaren Erfolg trägt; Nachrichten über die Situation der Kirche tragen zur Verunsicherung bei. Die Saat des Gottesreiches ist gerade hier in Deutschland in den letzen 300 Jahren anscheinend nur sehr unscheinbar aufgegangen. Das hat Folgen: Viele Menschen flüchten sich in Resignation („Man kann ja doch nichts machen.“), kapseln sich mit ihrer Gemeinde vom gesellschaftlichen Leben und den Kirchen ab oder stürzen sich in blinden Aktionismus.
Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat wollte in seinem ursprünglichen Zusammenhang Zweifel am Kommen des Gottesreiches zerstreuen und zum Vertrauen auf Gott ermutigen. Es gilt die gegenwärtige Wirklichkeit transparent werden zu lassen für die heilvolle Zukunft Gottes: Gott lässt’s wachsen und führt zum guten Ende.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Der Bibelabschnitt Mk 4,26-29 veranschaulicht im Gleichnis des selbstwachsenden Samens ein provozierendes Zeugnis der Gottgelassenheit. Provozierend deshalb, weil wir meinen keine Zeit zu haben, während Gott sein Reich nach seinen Zeitmaßstäben wachsen lässt. Der Mensch wird an die Geduld erinnert. Wachstumsprozesse haben in der Natur und in der Liebe (und deswegen auch im Reich Gottes) ihre eigene innere Dynamik und Energie, die uns Menschen logisch nicht erklärbar, sondern nur beobachtbar und allenfalls zu begünstigen sind. Wer die Pflänzchen aus der Erde zieht, im Irrglauben, sie würden dann schneller wachsen, der macht sie kaputt, nimmt ihnen den Nährboden, den Schutzraum, ja raubt den Pflänzchen die Quelle des Lebens.
Wer die Gegenwart als ein Zeitgeschenk Gottes begreift und sich auf die Gelassenheit Gottes einlassen kann, gewinnt Zeit, gewinnt die Zukunft für sich. Denn Wachstum ist Gottes Gnade – ist ein Geschenk. Dann muss die Zeit nicht einfach rumgebracht werden, dann müssen wir nicht immer müssen …, sondern wir werden überraschte Zeugen von dem sein, was Gott tut (vgl. Apg 1,8).
Das Reich Gottes entsteht nicht nach unseren Vorstellungen. Es wächst vom kleinen her auf. Schon die Juden hatten andere Vorstellungen, wie Gott sein Reich aufrichten wird. Wir heute haben Wünsche und Vorstellungen, dass ganze Landstriche durch Verkündigung/Mission und lebendige Gemeinden eine Erweckung erfahren. Manche haben sogar schon versucht, das Kommen Jesu zu berechnen. Aber Gott führt es oft anders als wir denken. Trotz all der christlichen Gemeindevielfalt, trotz all der christlichen Literatur, trotz all der verschiedenen Bibelübersetzungen, trotz all der kreativen Aktionen u Kongresse, kann zur Zeit vom Aufblühen des christlichen Abendlandes wohl kaum die Rede sein. Kirchen und Gemeinden werden in unserer Gesellschaft mehr und mehr als eine Randerscheinung wahrgenommen. Gottes Reich wächst gemäß seiner Dynamik, dazu brauchen wir Gottes liebende Gelassenheit.
Der Bauer muss ruhen und pflegen, gießen und warten. Sein Arbeiten geschieht in ständiger Kooperation mit Gott. Er muss mit der Erde und dem Wachstum zusammen arbeiten, damit Frucht aufgeht.
Was wir nicht brauchen ist eine hartherzige und verbissene Arbeitsmoral, die keine Zeit mehr hat, um Menschen in der Liebe Gottes zu begegnen. Wir brauchen Ruhe und Zeit zum Träumen und Beten, damit wir hören und erfahren, in welche Richtung der göttliche Geist uns als Gemeinde oder Kirche führen will.
Die „Gottes Reich“-Herrschaft sprengt die Dimension des irdischen Zeitdrucks. Diese Herrschaftsdynamik ist nicht einkalkulierbar in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Man kann nicht klagen: „früher war alles besser“ oder vertrösten: „irgendwann wird es losgehen“. Das Reich Gottes hat mit Jesus schon begonnen und wächst in jedem Menschen weiter, der zu ihm umkehrt. Mit welchem Recht vergewaltigen so manche Christen ihre Geschwister mit Zeitdruck? Sollten im christlichen Milieu nicht Gelassenheits- und Ewigkeitswerte angestrebt werden? Das würde uns Menschen barmherzig machen und so manche Gemeinde würde wieder als Oase bzw. als Gegenpool zum gesellschaftlichen Zeitwahn eine attraktive Stellung beziehen können. Wer mit der Welt lebt, lebt mit der kurzen Lebenszeit und will dort alles hineinpacken. Wer mit Gott in der Welt lebt, lebt mit der Ewigkeit – Gott hat Zeit. Du auch?
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Das Gleichnis kann den Zuhörer sehr gut ansprechen. Es hat einen wohltuenden Rhythmus in Sprache und Inhalt: Es beschreibt die Abfolge von Wachen und Schlafen, Arbeit und Ruhe, Tag und Nacht, Wachsen und Reifen, Saat und Ernte. In heutiger Zeit geht vielen Menschen ein solcher Rhythmus verloren, durch Schichtdienst, durch die Ausweitung der Sonntagsarbeit, aber auch durch die Verdrängung der Natur und damit der Jahreszeiten vor allem aus den Städten. Atemlosigkeit und Zeitnot sind in vielen Lebensbereichen die Folge. So wirkt das Gleichnis fast wie ein Gegentext zu der hektischen Betriebsamkeit, die auch in Gemeinschaften und Kirchen zu beobachten sind: Immer neue Ideen, Konzepte und Marketingstrategien im »Unternehmen Gemeinde« sind die (überstürzte?) Reaktion auf zurückgehende Finanzen und Mitgliederschwund.
Das gelassene Verhalten des Sämanns kann sich heute anscheinend niemand mehr erlauben. Und ein Blick auf die Landwirtschaft zeigt: Auch hier würde es niemand wagen, die Saat sich selbst zu überlassen, gerade weil sie Existenzgrundlage ist, und die Erfahrung lehrt, dass es durchaus Saat gibt, die nicht aufgeht. So werden Felder kontinuierlich bearbeitet, Düngemittel, Treibhäuser und Gentechnik sollen eine gute Ernte garantieren, auch wenn der Preis dafür hoch ist.
3. Sagen, wo es hingeht
Wenn das wachsen lassen des Gottesreichs dem ethischen Willen Gottes entspricht, kann man sich bei diesem Bibeltext fragen, wo und in welcher Weise denn die menschliche Beteiligung bei aller Alleinwirksamkeit Gottes zu erwarten ist. Man könnte sich als Christ zurücklehnen, weil Gott ja alles macht. Aber gerade hier ist der ethische Wille des Menschen erst recht gefordert: Die ernstliche Erwartung der Gottesherrschaft muss im Christen die Zuwendung zu den Schwachen, Kranken, Marginalisierten (den Verlorenen), die Gott in seinem endzeitlichen (eschatologischen) Handeln sucht und retten will, mehr denn je aktivieren. Denn wenn Menschen zu Exorzismen befähigt werden, wenn sie einander Sünden vergeben; wenn sie Menschen zur Annahme des Heils bewegen, dann nehmen sie Teil am Sieg über den Satan, ja sind selbst in die Durchsetzung des Heilswillen Gottes mit hineingenommen. Mensch und Gott arbeiten in komplementären Rollen, um den Heilswillen Gottes zu erfüllen. Gott wird uns nicht die Angst vor Veränderungen nehmen, er wird auch nicht alle Arbeit für uns erledigen, aber er kann uns Fantasie, Mut und Kraft schenken, die richtigen Dinge zur rechten Zeit zu tun und zu lassen.
3.1 Predigtziel – welche Botschaft trägt Gott mir auf?
Als Pointe gilt die Gewissheit, dass auf die Saat die Frucht und Ernte folgt, dass die Ernte sicher und unbeeinflussbar eintritt: So sicher wie das Korn wächst und reift, wenn es einmal ausgebracht ist, so sicher ist auch mit dem Kommen des Gottesreiches zu rechnen.
Wie schon weiter oben gesagt: Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat will in seinem ursprünglichen Zusammenhang Zweifel am Kommen des Gottesreiches zerstreuen und zum Vertrauen auf Gott ermutigen.
Möglicher Titel für die Predigt: „Du your best – God will do the rest“
3.2 Predigtthema – welche Themen spreche ich in der Predigt an?
• Das Reich Gottes – es kommt anders als du denkst.
• Wir haben Zeit – Zeit des Säens, Zeit des Wachsens, Zeit der Ernte – wo bin ich denn die ganze Zeit?
• Gelassenheit statt Aktionismus
• Zeitnot – Menschen unter Zeitdruck
• Gemeinde als Oase mit Liebe und Zeit für die Menschen am Ort
• Zeitgutscheine verschenken – Zeitgutscheine für Freizeiten verschenken (selbst bewusst auf Freizeit verzichten und Geld für Nichtchristen investieren – sozusagen mit Gutscheinen und Angeboten den Boden für die Saat vorbereiten)
• Warten und Geduld lernen gehört zum Reifeprozess eines Lebens, doch unsere Welt tickt anders.
o Wir leben im Alles, im Sofort, wollen immer liquide sein und häufen manchmal sinnlos Schulden an, weil wir nicht warten können, bis wir das Geld haben, bis die Zeit reif ist. Das betrifft auch die Sexualität, oder das Zusammenziehen mit Partnern. Wir wollen sehr oft nicht mehr warten bis Gott zu den Lebensepochen und Dingen ja sagt, nämlich dann, wenn die Zeit reif ist.
• Gericht als Freiheit, weil es vom Bösen und aller Trennung von Gott befreit.
• Zuversicht, weil Gottes Wort nicht vergeblich verkündet wird – das Wort tut, wozu es ausgesandt wurde.
• Menschliche Grenzen respektieren – wir Menschen können nicht alles machen.
3.3 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Illustration: Warten können
Eine Geschichte aus China erzählt: Ein Mann hatte seinen kleinen Acker gut vorbereitet, gepflügt und gesät. Er wunderte sich nur nach ein paar Wochen, dass die Saat so langsam aufging. Bei seinem Nachbarn sah er schon kräftigen grünen Wuchs! Von Tag zu Tag wurde seine Geduld geringer. Er konnte vor Sorge nicht mehr schlafen. Schließlich hatte er eine wahnwitzige Idee. Er lief zu seinem Feld und begann, die kleinen zarten Halme etwas in die Höhe zu ziehen. Das war natürlich eine mühsame Arbeit; aber schließlich war er fertig. Er traf unterwegs seinen Nachbarn und sagte ihm, dass er seinem Korn beim Wachsen geholfen habe. Neugierig geworden, liefen sie zu seinem Feld und sahen alles zerstört und verwelkt. – Und noch lange lachte man im Dorf über den Mann, der nicht warten konnte.
Illustration: Der Mann mit den Bäumen
Ein älterer Mann in Frankreich. Seine Frau ist gestorben, dann auch noch sein einziger Sohn. Wofür soll er jetzt noch leben? Er lässt seinen Bauernhof in einer fruchtbaren Ebene zurück. Nur 50 Schafe nimmt er mit. Er zieht in eine trostlose Gegend, in die Cevennen, fast eine Wüstenlandschaft. Dort kann er vielleicht vergessen. Weit verstreut liegen fünf Dörfer mit zerfallenen Häusern. Die Menschen streiten sich; viele ziehen fort. Da erkennt dieser ältere Mann: diese Landschaft wird ganz absterben, wenn hier keine – Bäume wachsen!
Immer wieder besorgt er sich einen Sack mit Eicheln. Die kleinen sortiert er aus, auch die mit Rissen wirft er fort. Die guten kräftigen Eicheln legt er in einen Eimer mit Wasser, damit sie sich richtig vollsaugen. Er nimmt noch einen Eisenstab mit, dann zieht er los. Hier und dort stößt er den Eisenstab in die Erde, legt eine Eichel hinein. – Nach drei Jahren hat er auf diese Weise 100 000 Eicheln gesetzt. Er hofft, dass 10 000 treiben. Und er hofft, dass Gott ihm noch ein paar Jahre schenkt, so weitermachen zu können. Als er im Jahre 1947 im Alter von 89 Jahren stirbt, hat er einen der schönsten Wälder Frankreichs angelegt. Da gibt es je einen Eichenwald von 11 km Länge und 3 km Breite an drei verschiedenen Stellen!
Und was sonst noch geschehen ist? Die unzähligen Wurzeln halten jetzt den Regen fest, saugen Wasser an. In den Bächen fließt wieder Wasser. Es können wieder Weiden, Wiesen, Blumen wachsen. Die Vögel kommen zurück. Selbst in den Dörfern verändert sich alles: die Häuser werden wieder aufgebaut, angestrichen. Alle haben wieder Lust am Leben, freuen sich, feiern Feste. Keiner weiß, wem sie das zu verdanken haben, wer die Luft, die ganze Atmosphäre geändert hat.
Illustration: Jesus sagte zu Petrus: „Weide meine Schafe!“,
und nicht: Melke oder schere sie.“
Illustration: „Lasst uns nicht beten für Ziele, die unserer Kraft entsprechen. Lasst uns beten für die Kraft, den Zielen Gottes zu entsprechen.“
Illustration: Kinderlied mit tiefer Weisheit:
Titel: Viele Menschen können viele Sachen
1. Viele Menschen können viele Sachen,
aber eine Blume
können sie nicht machen.
Refr. Das kann nur Gott allein,
er soll gelobet sein, nur Gott allein!
2. Viele Menschen können viele Sachen,
aber einen Vogel
können sie nicht machen. (Refrain)
3. Viele Menschen können viele Sachen,
aber schönes Wetter
können sie nicht machen. (Refrain)
4. Viele Menschen können viele Sachen,
aber Mond und Sterne
können sie nicht machen. (Refrain)
5. Viele Menschen können viele Sachen,
doch ein Reines Herz,
das können sie nicht machen. (Refrain)
(A. Cyris)