Monatsthema: Gott bleibt treu – dem, der ihm gehorcht
Predigtthema: Gottes Treue wirkt Verschonung
Bibelstelle: Josua 20, 1-9
Verfasser: Eckhard Löffler
Bausteine zu Josua 20, 1-9
Vorab: Gott ist GEGEN RACHE.
Blutschuld ist im alten Israel die Verantwortlichkeit, die man durch das Töten eines Menschen auf sich zieht.
Wer Menschenblut vergießt… (1. Mo 9, 6; 2. Mo 21, 12) oder 1. Mo 4, 10: Die Stimme deines Bruders schreit…, oder Jos 2, 19; Hes 33, 45 UND Mt 27,25: Sein Blut komme über ihn.
Der Bluträcher (wörtl. „Bluterlöser/-einlöser“) hatte die Sühneaufgabe (4. Mo 35, 19). Ein naher Verwandter durfte den Mörder töten (4. Mo 35, 16ff). Ausgenommen waren UNBEABSICHTIGTE Tötungen. „Freistädte“ wurden zu Zufluchtsorten (4. Mo 35; 5. Mo 4). Bedingung: Kein Mord, sondern ohne Tötungsabsicht.
Ungerächte Morde blieben Gott, dem höchsten Richter überlassen (1. Mo 9, 5; 2. Kön 9, 7; Hes 33, 6).
Blutschuld VERMEIDEN bedeutete praktisch u.a. sogar schon, Geländer auf Flachdächern anzubringen (5. Mo 22, 8).
Willkürliche Blutrache konnte bis zur Blutfehde führen, bis zur Auslöschung einer verfeindeten Sippe. Jehu machte sich z. B. mitschuldig, als er Blutrache zu gründlich ausführte (2. Kön 9, 1-10, vgl. Hos 1, 4f).
Im NT ist Blutrache grundsätzlich AUFGEHOBEN, s. Bergpredigt (Mt 5, 38f). Paulus bittet die Christen in Rom, Gott die Rache zu überlassen und statt dessen FEINDESLIEBE zu üben (Röm 12, 19-21).
Die Freistädte werden in vier Büchern des AT beschrieben, waren also von großer Bedeutung (1).
V 4-6: Der atemlose Flüchtling musste seinen Fall den Ältesten der Stadt (damaliges Gericht) am Tor (= Gerichtsort) vortragen. Freistadt bedeutete Zufluchtsort. Das VORLÄUFIGE Urteil reichte bis zur Hauptverhandlung vor der Gemeinde. Die Stadt schützte bis dahin den Verfolgten. Auch ungewollter Totschlag brachte Nachteile mit sich.
Ein überraschendes Ende mit Freispruch für einen Totschläger (nicht Mörder!) nahm dieses unfreiwillige Exil allerdings, wenn der Hohepriester starb („Amnestie“) (2).
Zufluchtsorte: Im AT z.B. Ps 46, 2: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke…“; Im NT Röm 8, 1: „So gibt es nun keine Verdammnis…“. Auch der Hebräerbriefschreiber kennt wohl die Freistädte-Regelung, Hbr 6, 18: „…Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung“.
Die Freistädte sind VORSCHATTEN AUF CHRISTUS. Sünder, die den Tod verdient haben und vom rächenden Gesetz und Menschen bedrängt oder verfolgt werden, können bei ihm Schutz und Frieden finden.
Das Reich Gottes gewährt im AT Asyl, im NT ist die Gemeinde Jesu DIE Zuflucht. Paulus beschreibt diesen sichersten Freiplatz der Weltgeschichte durch „in Christus“ (Römerbrief ca. 15mal; oft in allen Paulusbriefen).
Die Sonderregel der Vergebung im Fall des Todes eines Hohenpriesters, weist deutlich auf Jesus hin (Hbr 4, 14; 7, 26.27!; 9, 11-14). Die Befreiung geschah am Kreuz.
Gliederungsvorschlag
Einleitung: Warum ist Friede nötig? Gott regelt das Zusammenleben.
1. Der Schutz des Lebens ist vorrangig. Gott schafft Schutzzonen.
2. Sünde wird nicht schöngeredet. Überprüfung durch Älteste heißt nicht Ablehnung.
– Gottes Gebote gelten, z.B. bleiben Tötung Ungeborener, „unwerten“ Lebens und älterer „Sterbewilliger“ Mord.
3. Asylorte in dieser/für diese Welt
– Die Bestrafung Unschuldiger schafft nur neue Schuld. Gott schuf schon im AT Orte der Gnade.
– Flüchten muss man dürfen, am besten aber zum Kreuz. Wer Jesus am Kreuze im Glauben erblickt (aus: Ich will dir danken 221). GOLGATHA ist DER Asylort.
– Gerettete Sünder nehmen auch andere in Schutz. Freistadt Gemeinde.
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Fußnoten:
(1) Nach jüd. Überlieferung wurden die Zugangsstraßen besonders sorgfältig gepflegt, Kreuzungen waren mit Schildern markiert, auf denen „Zuflucht! Zuflucht!“ stand. In besonderen Fällen wurden Läufer stationiert, die Schutzsuchende zur Freistadt führten.
(2) Weshalb das AT aber nirgends über eine gnädige Lösung berichtet? Vielleicht hielten die Schreiber diese Freisprüche für Angeklagte nicht für erinnerungs- und aktenpflichtig. Wie ist das heute in der Gemeinde?