Epheser

Predigthilfe vom 11.1.2009 – Epheser 4, 17-24

Monatsthema: Nach dem Willen des Herrn leben
Predigtthema: Erneuerung nach dem Willen Gottes

Bibelstelle: Epheser 4, 17-24

Verfasser: Eckhard Löffler

Vorbemerkung
[Sehr empfehlenswert: Bibel-Kommentar 14, Epheserbrief, Helge Stadelmann, Edition C, Hänssler 1993]
In den meisten Paulus-Briefen finden sich im zweiten Teil Ermahnungen, nicht nur Ratschläge (s. 4, 1.17).

Texterklärungen
V 17-19 ist der „Kopf“ für die folgenden Ausführungen. Die Verse 17-24 behandeln das allgemeine Verhältnis der Gotteskinder zum Herrn, ab V25 folgen Einzelanweisungen.
Voraussetzung für das neue Leben ist die Wiedergeburt. Der Mensch OHNE Gott hat einen ganz anderen, entgegen gesetzten Blickwinkel (1. Ko 2, 14; Gal 2, 20). Man kann nicht Christ dadurch werden, dass entsprechende Lebensregeln übernommen werden. (1)
„Gläubige und Ungläubige sind sich nicht nur unähnlich, sondern gegensätzlich, wie Wahrheit und Lüge, Leben und Tod, wie Licht und Finsternis.“ (Fritz Rienecker)
Um den Kontrast zu verdeutlichen, wird das Heidentum geschildert. Die Ursache für das Problem liegt im Fehlen jeder Erkenntnis von Gott. Sie ahnen, dass ein Gott ist (Rö 1, 21), akzeptieren ihn aber nicht. (2)
Die Heiden meinen, dass das Böse durch verändertes Denken, durch Wissen und „Weisheit“ bekämpft und abgeschafft werden kann. (3)
Man suchte bei aller inneren Haltlosigkeit immer nach etwas, an das man sich noch klammern könnte, und griff immer wieder ins Nichts. (4) Eine Theorie löste die andere ab, ein Rettungsvorschlag den anderen (Apg 17, 18-21 und ff).
Aus vergifteten Wurzeln kann nur Giftiges wachsen: Unsittlichkeit und Ichsucht. Beide gehören zusammen. (5)
Selbstsucht und Genusssucht waren immer Zwillinge und traten nicht nur unter den ehemaligen Funktionären der sozialistischen Staaten gemeinsam auf. Sie begleiten jedes Leben ohne Gott.
Die Zerstörung findet seit dem Sündenfall im Denken statt, dann durch Verstockung der Seele, schließlich in einer selbstbezogenen, verblendeten Lebenspraxis.

V 20f Im Herzen Christ sein und im Leben Heide bleiben ist nicht möglich (Mt 6, 24). Gott macht keinen Sünder frei für ein ichsüchtiges Leben. Wiedergeborene sind nicht mehr an ihr Selbst gebunden, sondern an Gott. Christus hat sie durch sein Blut nicht nur losgekauft, sondern freigekauft für ihren neuen Herrn.
Wörtl. übersetzt: „Ihr aber habt Christus so nicht gelernt.“ Jesus bringt aber keine neue Lehre, sondern das neue Leben. Er ist nicht der verfügbare „Ghostwriter“ für Predigtvorbereitungen, liefert auch nicht nur interessante Unterpunkte, sondern will SELBST wirken. Jeder Verkündiger muss ihn „gelernt“, kennen gelernt haben als Retter von Sünde, Tod und Teufel.

Zwischen dem sittlichen Leben und der Glaubenshaltung besteht ein Zusammenhang, wie zwischen kommunizierenden Röhren.
Wenn das Glaubensleben kränkelt, wird auch das äußere Leben dadurch beeinflusst. Der Gläubige hört auf, Zeugnis für die reinigende Kraft des Wortes Gottes zu sein. In der Praxis wird überwiegend umgesetzt, was in der Theorie gelernt wurde.
Christliches Leben ist WAHRHEIT, ist echt und wirklich Leben. Der Mensch mit Jesus teilt den Alltag nicht ein zwischen Bereichen des Glaubens und der gelebten Wirklichkeit. Beides gehört zusammen.

V 22ff Der konzentrierte Inhalt eines christlichen Unterrichts, der am Beispiel der TAUFE deutlich wird.
1. Ablegen.
2. Neuwerden.
3. Anlegen.

1. Täuflinge legen ihre Kleider ab. Von den Eigenarten des alten Lebens trennt sich der Täufling bewusst.
2. Das Taufwasser verdeutlicht die Neugeburt (siehe Bibellexikon: Taufe).
3. Das neue Kleid nach der Taufe beschreibt das erlöste, neue Leben für den neuen Herrn Jesus Christus.

Das bedeutet: Jeder Erneuerungsversuch von außen (durch Geschöpfe Gottes) bleibt dilettantisches Flickwerk (siehe Fußnote 3) an Gottes Geschöpfen.

Die Bereiche „Rechtfertigung und Heiligung“, „Wiedergeburt und Erneuerung“ werden behandelt. Zuerst geht es um einen Akt der Barmherzigkeit Gottes (Rö 8, 32), dann um das Wirksamwerden seiner Erziehung, die Abhängigkeit WENN-DANN. Paulus benutzt oft den Vergleich WENN-SO“ (Rö 5, 10.17; 6, 5.8; 8, 13; u. v. a.). (6)

Gliederungsvorschlag (H Stadelmann)
1. Der alte Sumpf (Vv. 17-19)
2. Der neue Grund (Vv. 20.24)
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Fußnoten
(1) So unmöglich, wie ein Maulwurf durch Überlegungen und Änderungen seiner Gewohnheiten das Fliegen erlernen kann, wird aus einem nicht Wiedergeborenen ein neuer Mensch.
Einer Raupe kann nicht das Fliegen beigebracht werden bevor sie das Wunder ihrer Umwandlung zum Schmetterling erlebt hat.
(2) „Wir beachten viel zu wenig, dass durch den Sündenfall auch die Denkkraft des Menschen geschwächt und getrübt ist. Wir nehmen immer an, der Intellekt, das Denken des Menschen sei intakt, normal, zu allen Erkenntnissen fähig. Wir bemitleiden die Geisteskranken, deren Denken ver-rückt, d.h. verschoben ist, und meinen nun, wir, „die Gesunden“, hätten ein völlig unbeschädigtes Denken. Welch ein Irrtum! – Gott zu erkennen, göttliche Gedanken zu denken, das ist dem alten Menschen, das ist unserem natürlichen, gefallenen Sündenleben unmöglich.“ (Oskar Pfister).
(3) Kommunismus und Sozialismus wollten den neuen Menschen schaffen.
Zitat aus Internet-Chat: „Der Kommunismus wäre eine gute Sache, wenn er nicht am Menschen, der ihn handhabt, scheitern würde. Tatsache war immer, dass eine kleine Minderheit das Volk unterdrückt und ausgenommen hat. Man lebte nur vom verstaatlichten Gut, bis es aufgebraucht war. Der Mensch ist leider nicht geeignet, den K. zu leben. Ein gutes Beispiel erbrachte das Ende der UdSSR sowie auch der DDR.“
Zitat UdSSR-Ministerpräsident Chruschtschow (1894-1971): „Wir wären schon lange am Ziel, wenn bloß die Menschen nicht wären.“
(4) siehe z. B. Peter Hahne-Buch „Schluss mit lustig“.
(5) Manager der obersten Etagen verschiedener Werke leisteten sich ausschweifende Partys.
Ichsucht und Habgier von Verantwortlichen machen Schule. Einer der mächtigsten Manager in Deutschland, Post-Chef und Multimillionär Klaus Zumwinkel, unterhielt heimliche Auslandskonten und hinterzog Steuern im hohen Maß. Horrende Gehälter der Banken- und Wirtschaftskapitäne gehen einher mit der krass wachsenden Zahl der Hilfsbedürftigen.
„Jeder denkt an sich, nur ich denk an mich.“ gehört seit dem Sündenfall zum „Erbmaterial“ des gefallenen Menschen. Als Volksweisheit noch beschmunzelt, zählt sie zu den Hauptideen Satans (1. Mo 3, 5).
(6) „Die menschliche Weisheit sagt: ‚Mach dich allmählich los von deinen Sünden, lerne nach und nach Gott lieben und Ihm leben.’ Aber auf diese Weise brechen wir nie völlig mit der Sünde und geben uns nie ganz an Gott hin. Wir bleiben in der dumpfen und trüben Atmosphäre unserer eigenen Natur, und wir bringen es nie zum Anblick der vollen Klarheit der Heiligkeit Gottes. Der Glaube dagegen erhebt uns wie mit einem Sprung zu der königlichen Stellung der neuen Geburt. Der Verstand sagt: ‚Werde heilig, dann bist du es!’ Der Glaube sagt: ‚Du bist heilig, darum werde es auch, d.h. darum zeige es – offenbare es.’“ (Godet)