Monatsthema: Ganzes Christsein
Predigttext: 1.Johannes 3,11-18
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Hilfen zur Auslegung finden sich in den Kommentaren von Heiko Krimmer (Edition C Bd. 21) und von Werner de Boor (Wuppertaler Studienbibel).
1.2. Wichtige Gedanken in unserem Abschnitt
Das Thema Liebe ist für Johannes ganz entscheidend wichtig. Er hat sich den Satz Jesu „An eurer Liebe zueinander werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid“ (Joh 13,35) sehr tief verinnerlicht und es ist ihm ein großes Anliegen die Gemeinde immer wieder daran zu erinnern, wie grundlegend die Liebe ist. Dabei zeigt er in unserem Abschnitt, wie sehr die Liebe durch die Sünde in Mitleidenschaft gezogen wurde. Schon beim ersten Bruderpaar endete es durch einen heimtückischen Mord.
Dabei zeigt Johannes, wie eng das Motiv von Kain mit dessen bösem Tun und auf der anderen Seite mit dem gerechten Handeln von Abel verbunden ist. Eine Welt, die unter der Macht der Sünde gefangen ist, wird das gerechte Tun der Kinder Gottes nicht wirklich würdigen können, sondern ihm oft ablehnend gegenüberstehen.
Johannes ruft zu Geschwisterliebe auf und er erklärt sehr deutlich, dass Hass auf die Geschwister und Mord schlussendlich die gleiche gottlose Herzenshaltung zugrunde liegt und beides absolut nicht zu einem Leben in der Gegenwart Gottes passt.
Auch in diesem Abschnitt zeigt Johannes, dass Jesus das eine große Vorbild für wahre Liebe ist und er fordert von jedem Nachfolger Jesu die gleiche Bereitschaft zur Hingabe, wie wir es bei Jesus sehen.
Damit ist auch klar, dass Liebe niemals ein theoretisches Konstrukt bleiben kann, sondern immer an der Praxis messen lassen muss. Johannes schließt unserem Abschnitt mit einem Appell die Liebe ganz konkret am Nächsten zu leben. Nur wenn wir das tun, wird Gottes Liebe in unserem Leben sichtbar und zu einem Segen für den Nächsten.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Johannes fordert uns auch in diesem Abschnitt wieder durch seine klare Entweder-oder Struktur heraus. Zu Nachfolgern Jesu passt nur Geschwisterliebe. Wenn Johannes hier Mord und Hass in eine Linie bringt, dann ist es wichtig zu zeigen, dass Johannes hier Mord nicht kleinreden will. Ihm geht es darum zu zeigen, dass die lieblose Herzenshaltung, die im Hass gegenüber anderen Menschen zum Ausdruck kommt, genau dieselbe ist, die auch der Ausgangspunkt bei einem Mord ist. Schlussendlich ist Mord nichts anderes als Hass, der zum äußersten Vollzug gebracht wurde. Johannes befindet sich hier auf der gleichen Argumentationslinie, die wir auch bei Jesus in der Bergpredigt finden. (Mt 5,21-26)
Jesus wird von Johannes ganz bewusst im Kontrast zu Kain vorgestellt. Jesus ist der „wahre große Bruder“, der alles für uns tut. Jesu liebt absolut hingebungsvoll und überwindet dadurch den Hass der Menschen und befähigt zudem zu wahrer Liebe.
2.2 Hinweise für homiletische Überlegungen
Johannes macht in diesen Versen sehr deutlich, dass wir nicht nur theoretisch über die Liebe reden dürfen. Liebe will gelebt sein und die Predigt sollte dazu motivieren, die Liebe, die Jesus an uns erwiesen hat an andere Menschen weiterzugeben. Dabei sollten wir unterstreichen, wie wichtig gerade die kleinen Liebeserweise sind. Johannes fordert die Gemeinde hier nicht dazu auf die Welt zu retten, sondern die Not des Einzelnen wahrzunehmen und dort ganz praktisch zu helfen.
Wenn wir zu dieser praktischen Liebe ermutigen, sollten wir mit Johannes klarstellen, dass gelebte Liebe und Gerechtigkeit nicht immer die Reaktion hervorruft, die wir gerne hätten. Die Gerechtigkeit Abels machte die Ungerechtigkeit Kains deutlich sichtbar und rief bei Kain Hass hervor. Im Leben von Jesus erkennen wir das gleiche Prinzip. Die Gerechtigkeit und Liebe Jesu machte die Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit vieler Menschen offensichtlich und rief Widerstand hervor. Und auch heute können diese Reaktionen auf Gerechtigkeit und Liebe entstehen. Diese falschen Reaktionen dürfen uns nicht entmutigen oder verunsichern. Und wir dürfen es ja andererseits auch oft erleben, dass die Reaktion auf Liebe und Gerechtigkeit eine große Dankbarkeit und eine große Freude ist. Diese Reaktionen zeigen uns doch immer wieder, wie gut es ist Gottes Liebe weiterzutragen.
Zum Schluss müssen wir uns auch in diesen Versen die Gesamtabsicht von Johannes vor Augen halten. Johannes geht es nicht darum die Gemeinde zu verunsichern. Er möchte ihnen eine klare Richtung geben und sie in ihrer Gewissheit bestärken, dass sie Kinder Gottes sind, und als Kinder Gottes das ewige Leben haben. Johannes möchte die Gemeinde ermutigen, das zu leben, was sie in Christus sind. Und wir sollten in diese Ermutigung miteinstimmen.
3. Sagen, wo es hingeht
Zur Predigtvorbereitung kann Bibelarbeit von Winrich Scheffbuch hilfreich sein, die sich bei Sermon Online findet (zu 1.Joh 3,11-24) (www.sermon-online.de).
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Hörer sollen ermutigt werden, ganz praktisch die Liebe Jesu an andere weiterzugeben und gegen den Hass, der sich in ihren Herzen findet in der Kraft der Liebe Jesu anzukämpfen.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Bist du ein Nachahmer Kains oder ein Nachfolger Jesu?
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
1. Kain – das Negativbeispiel (V.11-13)
2. Wer seinen Bruder hasst, geht in den Fußspuren Kains (V.14-15)
3. Jesus ist das einzigartige Gegenbeispiel (V.16)
4. Liebe ist mehr als Reden (V.17-18)
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Bin ich ein toter Bahnhof?
In der kleinen Schwefelbergwerkstadt Riesi auf Sizilien gibt es einen einsamen Bahnhof. Man findet dort ein Bahnhofsgebäude, einen Bahnsteig und Signalanlagen. Aber es sind niemals Schienen gelegt worden. So ist niemals ein Zug in Riesi angekommen. Kein Zug konnte von dort abfahren. Der Bahnhof ist tot.
Es gibt Menschen, die gleichen jenem Bahnhof von Riesi. Sie sind Geschöpfe Gottes. Sie haben ihre Ohren zu hören, was Gott ihnen sagen will. Sie haben Herzen, um Gottes Liebe zu empfangen. Sie haben Hände, um Gottes Liebe weiterzuschenken. Aber sie haben die Verbindung zu Gott abgebrochen. Darum sind auch ihre Verbindungen zum Mitmenschen gestört. Ja, auch zu sich selbst haben sie ein gespaltenes Verhältnis. Sie wollen leben und tun alles, um es kaputtzumachen.
Wir alle sind tot wie der Bahnhof der kleinen Stadt auf Sizilien, wenn Gottes Liebe nicht bei uns ankommt und durch uns weitergeht zu anderen Menschen. Auch wenn wir einer Kirche angehören und ein normales Leben führen, sind wir ohne eine persönliche Beziehung im Glauben an Jesus tot. Ohne Gottes Liebe sind unsere religiösen Bücher wie Kursbücher in einem toten Bahnhof. Ohne Gottes Liebe ist unsere Kirchenmitgliedschaft wie eine Fahrkarte, die nie gebraucht wird. Das Leben, das Gott uns in Jesus schenken will, kommt nie bei uns an. Die Liebe, die Gott durch uns hindurch in die Welt tragen will, geht nie von uns aus. Wir sind tot, wie schön auch alles Äußere sein mag. – Gott hat die Verbindung zu uns gesucht und hergestellt. Seine Züge kommen bei uns an. Wir können einsteigen in eine lebendige Beziehung zu Gott im Glauben an Jesus, im Danken und Hoffen. Wir müssen nicht länger ein toter Bahnhof sein. (aus: Axel Kühner – Textarchiv)
Der Tod von Maximilian Kolbe
Kolbe traf im Februar 1941 in Auschwitz ein. Er war Franziskanerpater. Im Juli desselben Jahres entfloh ein Gefangener aus dem Lager. In Auschwitz war es üblich, für jeden Entflohenen zehn andere Häftlinge zu töten. Dazu wurden alle Insassen im Hof versammelt und der Lagerkommandant wählte willkürlich zehn Männer aus den Reihen aus. Diese wurden unverzüglich in eine Zelle gebracht, wo sie keine Nahrung und kein Wasser bekamen, bis sie starben. An diesem Tag begann der Kommandant, die Namen vorzulesen. Jedesmal trat ein Gefangener heraus, bis die schreckliche Quote erfüllt war. Der zehnte Name, den er nannte, war der von Gajowniczek.
Als der SS-Offizier noch einmal die Gruppe der Verurteilten durchzählte, begann einer der Männer zu weinen: „Meine Frau und meine Kinder ….“
Die Soldaten drehten sich um, als plötzlich Bewegung in die Gefangenen kam. Die Wachen hoben ihre Gewehre. Die Hunde spitzen die Ohren. Einer der Gefangenen hatte seine Reihe verlassen und bahnte sich den Weg nach vorn. Es war Maximilian Kolbe. Sein Gesicht zeigte keine Angst. Sein Schritt war entschlossen. Der Offizier schrie ihn an, er solle stehen bleiben, und er würde erschossen. Kolbe sagte ruhig: „Ich möchte mit dem Lagerkommandanten sprechen.“
Aus irgendeinem Grund prügelte der Soldat nicht auf ihn ein oder schoss ihn nieder. Kolbe blieb einige Schritte vor dem Kommandanten stehen, nahm seine Mütze ab und sah dem deutschen Offizier in die Augen. „Herr Kommandant, bitte erlauben Sie mir eine Bitte vorzutragen.“ Dass niemand ihn erschoss, war ein Wunder. „Ich möchte anstelle dieses Gefangenen sterben.“ sagte Kolbe und wies auf den schluchzenden Gajowniczek hin. Ohne Stocken brachte er seine unglaubliche Bitte vor.
„Ich habe weder Frau noch Kinder. Außerdem bin ich alt und zu nichts mehr nütze. Er ist in besserer Verfassung.“ Kolbe kannte die Denkweise der Nazis. Der Kommandant fragte: „Wer bist du?“ „Ich bin katholischer Priester.“ Der Häftlingsblock war wie vom Schlag getroffen. Selbst dem Kommandanten verschlug es ausnahmsweise einmal die Sprache.
Einen Augenblick später bellte er: „Bitte gewährt!“
Die Gefangen hatten absolutes Redeverbot. Gajowniczek erzählte später: „Ich konnte ihm nur mit den Augen danken. Ich war vollkommen fassungslos und konnte kaum begreifen, was hier geschah. Es war ungeheuerlich: Ich, der Verurteilte, sollte leben, und ein anderer gab freiwillig und bereitwillig sein Leben für mich – und dazu noch ein Fremder. Ich wusste nicht, ob ich träumte.“
Der „Heilige von Auschwitz“ überlebte die neun anderen Verurteilten. Er starb weder an Durst noch an Hunger. Kolbe starb erst, nachdem ihn „Phenol“ injiziert worden war. Es war der 14. August 1941. Gajowniczek hingegen überlebte den Holocaust. Es gelang ihm, in seine Heimatstadt zurückzukehren. Aber jedes Jahr bis zu seinem Tod im Jahre 1995 kehrte er nach Auschwitz zurück, um dem Mann zu danken, der an seiner statt gestorben war. (aus: www.gekreuzsiegt.de)
(Tobias Schurr)