1.Samuel

Predigthilfe vom 10.7.2011 – 1. Samuel 16, 1-13

Monatsthema: Gottes Willen annehmen

Predigtthema: Ein kleiner Hirte, aber ganz nach dem Herzen Gottes

Bibelstelle: 1. Samuel 16,1-13

Verfasser: Thomas Richter

 

 

Eine Predigthilfe enthält nur Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren.

 

1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

 

In diesem Monat eröffnen wir eine neue aufeinander aufbauende Reihe, in der wir an Hand von alttestamentlichen Predigttexten (1. + 2. Samuel) aufzeigen wollen, wie wir im Alltag „Gottes Willen annehmen“ (Juli), „Gottes Führung vertrauen“ (August) und „Gottes Vergebung erbitten“ (September) können.

Der Predigttext (1Sam 16,1-13) ist der Auftakt zu einer Reihe von Ereignissen, wo wir entdecken wie eine Aufgabe auf einen anderen Verantwortlichen übergeht. Unser Predigttext lässt uns entdecken, dass wir uns nicht um Aufgaben im Reich Gottes „bewerben“, sondern dass wir dazu „berufen“ werden. Wo unser Platz und was unsere Aufgabe ist, hat nicht zuerst mit uns, sondern zuerst mit Gott zu tun (vgl. 1Kor 12,18+24+28a). Im Rahmen der Verkündigung weisen wir darauf hin, dass unser Herr „Dinge“ sieht und weiß, die unserer Betrachtung verborgen sind. Von daher erfordert der Predigttext, dass wir im Rahmen der Verkündigung auch auf das Thema der „Berufung“ eingehen und wir erläutern, dass der Herr nicht die „Befähigten“ beruft, sondern die „Berufenen“ begabt. Berufung und Begabung gilt es in gesunder Weise zusammen zu sehen, aber im Hinblick auf die Mitarbeit ist die Frage nach dem Willen Gottes, dass entscheidende Kriterium. Damals wie heute ist der Wille Gottes zu erkennen und zu leben, damit wir seine Mitarbeiter sein können und zwar an der Stelle, wo der Herr will.

Heilsgeschichtlich betrachtet beginnt hier etwas „Neues“ – die messianische Linie im Volk Gottes wird von Gott her eingesetzt. Dabei beachten wir, dass trotz der heilsgeschichtlichen Einmaligkeit im Leben von David, auch eine Vorbildlichkeit für uns in den Ereignissen liegt (vgl. z.B. Röm 15,4 mit Hebr 11,32-12,3). So ergibt sich als Predigtthema: „Ein kleiner Hirte, aber ganz nach dem Herzen Gottes“ (vgl. 1Sam 16,7 mit 1Sam 13,14; Apg 13,22f). Nicht die äußerliche Erscheinung ist maßgebend, sondern die innerliche Herzensgesinnung. Dies wollen wir auferbauend verkündigen.

 

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

 

Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.

* Martin Holland. Das erste Buch Samuel. Wuppertaler Studienbibel AT. R.Brockhaus Verlag (S. 178-185).

* Warren W. Wiersbe. Sei erfolgreich: Reichtum gewinnen, den man nicht mit Geld kaufen kann. Studien zum AT: 1. Samuel 1-31. Christliche Verlagsanstalt (S. 98-102).

* Karl Gutbrod. Das Buch vom König: Das erste Buch Samuel. Die Botschaft des Alten Testaments 11,1. Calwer Verlag (S. 126-132).

* Charles R. Swindoll. David: Ein Mensch nach dem Herzen Gottes – mit David geistlich wachsen. Hänssler (S. 33-41).

 

Weitere erläuternde Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bieten z.B. die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/09-Das_Erste_Buch_Samuels.pdf – S. 420-421) und der Predigttipp für den 01.01.2003 von Dr. Heiko Krimmer zu 1Sam 16,7 (www.studienbibel.de).

 

Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Winrich Scheffbuch vom 19.01.1986 mit dem Titel „Leben nach Gottes Plan“ (1Sam 16,1-13), vom 05.05.1991 mit dem Titel „Nach dem Herzen Gottes“ (1Sam 16,7) und vom 23.05.1982 mit dem Titel „Der Mensch sieht was vor Augen ist“ (1Sam 16,7). Diese Botschaften findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. 1. Samuel 16] und „Autor“ [z.B. Winrich Scheffbuch] ausfüllt.

 

3. TEXT- UND PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN

 

Zum Einstieg bzw. zur Veranschaulichung (Ideen in Anlehnung an Prof. Michael Herbst):

* Castingsituation schildern – worauf kommt es an? – bei uns? – bei Gott?

* VIP (= very important people) oder VUP (= very unimportant people)? – wer legt fest, was man ist?

 

Alfred Christlieb schildert eine 3-fache Hilfe aus „Davids Berufung [1Sam 16]:

Es ist Samuel bitterschwer geworden, sich in die Verwerfung Sauls zu finden. Wie gern hätte er ihn, den von ihm gesalbten König, als eine Lichtgestalt auf dem Thron Israels gesehen! Bei dem schweren Auftrag, einen neuen König zu finden und zu salben, erfährt er eine dreifache Hilfe Gottes:

* Gott gibt zum Auftrag Mut und Kraft: Als Gott Samuel befiehlt, er solle unter den Söhnen Isais einen zum König salben, erschrickt der Prophet sehr und sorgt sich, was daraus entstehen könnte: ‚Saul wird es erfahren und mich erwürgen‘ (V. 2). Zu Lebzeiten eines finsteren Tyrannen einen Gegenkönig erwählen – was wäre gefährlicher?! Es ist für uns tröstlich zu sehen, dass auch große, geheiligte Gottesmänner nicht immer gleich Mut und Kraft haben, schwere Aufträge auszuführen und gefahrvolle Wege zu gehen. Gott ist dem Samuel nicht gram, dass dieser sein Herz so vor ihm ausschüttet. Er hilft ihm und macht ihm Mut, sich die Sache nicht so schwer vorzustellen. Zunächst soll er opfern und Isai zur Opfermahlzeit einladen. Dann wird Gott ihm weitere Weisung zuteilwerden lassen (V. 3). So hilft ihm Gott über die Ängstlichkeit hinweg. Ein anderes biblisches Beispiel: Ananias in Damaskus hat nicht gleich Mut und Kraft, Saul von Tarsus aufzusuchen. Auch er verhehlt Gott seine Bedenken nicht (Apg 9,13f). Ihm hilft der Herr ebenfalls zu einem getrosten Gehen. Unser Herr war damals und ist heute der Treue, der den Seinen keine unlösbaren Aufgaben aufbürdet, sondern bei besonderen Schwierigkeiten auch besondere Durchhilfe schenken will. Nicht fliehen wollen wir bei unbequemen Aufträgen wie Jona, sondern unser Herz ausschütten vor dem Herrn wie Samuel, damit wir wie er getrost werden zu den Wegen Gottes.

* Gott enthüllt seinen Willen stufenweise: Wir hörten schon, dass dem Samuel gesagt wurde: Geh zu Isai, dort empfängst du weitere Weisung. – Gott hätte ja sofort sagen können: Geh zu Isai, lass dir seine Söhne vorstellen, nimm den David aus der Schar der Brüder heraus und salbe ihn! Aber das geschieht nicht. Samuel bekommt nicht auf einmal alle Klarheit über Gottes Willen, er bekommt Klarheit für einen Schritt nach dem andern. Das ist Gottes Ordnung in der Führung der Seinen bis heute. So bleiben wir in der Abhängigkeit von unserm Herrn, in Demut, Wachen und Beten. Natürlich kann Gott es machen wie bei Paulus, den er schon Jahre zuvor wissen lässt, dass er auch in Rom Zeuge des Evangeliums sein werde (Apg 23,11). Aber die Regel ist, dass der Herr nicht schon für eine ferne Zukunft den Seinen seinen Weg zeigt, sondern dass er ihnen zu ihrer Erziehung stufenweise seinen Willen kundtut.

* Gott schenkt die rechte Menschenkenntnis: Zu beachten ist auch die dritte Hilfe Gottes für Samuel auf dem Weg der Berufung eines Nachfolgers für Saul. Der Prophet hat nicht gleich die rechte Menschenkenntnis. Er lässt sich die Söhne Isais vorführen und denkt bei Eliab, ‚der sei vor dem Herrn sein Gesalbter‘ (V. 6). Beachten wir, wie es in dem Vers heißt: ‚Er sah an‘. Samuel ließ also sein Auge recht lange und wohlgefällig auf der äußeren Schönheit und der ansehnlichen Gestalt des Eliab ruhen. Und dann ‚gedachte er…‘, d.h. er gab sich seinen eigenen Gedanken, Phantasien und Träumen hin. Gewiss malte er sich aus, welch großartigen Eindruck dieser Eliab als Feldherr vor dem Heer und als König auf dem Thron machen würde. Aber in dieses menschliche ‚Ansehen‘ und ‚Gedenken‘ fährt Gott hinein und sagt: ‚Siehe nicht an seine Gestalt noch seine große Person; ich habe ihn verworfen. Denn es geht nicht, wie ein Mensch sieht: ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an‘ (V. 7). Das göttliche Urteil über einen Menschen stützt sich niemals auf das, was vor Augen herrlich ist, sondern auf das Verborgene und Wesenhafte im Herzensgrund. Das Herz des schönen Eliab war nicht demütig, freundlich und sanftmütig. Das erfahren wir aus seinen hochfahrenden Worten David gegenüber vor dessen Kampf mit Goliath (1Sam 17,28). Samuel hätte nach seiner natürlichen Art und der am Äußeren haftenden Menschenbeurteilung niemals den David gewählt aus der Schar der Söhne Isais. Gott muss ihm das Auge für die wahre Menschenkenntnis öffnen. Auch für jeden von uns ist es von sehr großer Wichtigkeit, sich die rechte Menschenkenntnis schenken zu lassen. Mancher hat sich für immer unglücklich gemacht, indem er eine schöne Gestalt betrachtete und meinte, hier böte sich ihm echte Freundschaft oder der rechte Gefährte fürs Leben an. Gott öffne uns die Augen für die wahren Werte und die innere Schönheit und lehre uns, die Herzen anderer nach göttlichen Maßstäben zu beurteilen!“ (aus Alfred Christlieb. Licht von Oben Bd. 2).

 

4. PREDIGTGLIEDERUNG

 

David – klein in den Augen der Menschen und groß in den Augen Gottes,

a) denn der Herr sieht anders (V. 1-3)

b) denn der Herr sieht tiefer (V. 4-10)

c) denn der Herr sieht weiter (V. 11-13)

 

oder nach Wilhelm Wagner (08.07.1984 / 19.03.1993):

a) Gott sucht sich seine Leute aus

b) Gott stattet seine Leute aus

c) Gott bildet seine Leute aus

 

oder nach Charles R. Swindoll:

a) Der Mensch hat Panik – Gott stellt bereit

b) Der Mensch wählt – Gott korrigiert

c) Gott redet – wir antworten

 

oder nach Warren W. Wiersbe:

a) Davids Stadt (V. 1-5)

b) Davids Familie (V. 6-10)

c) Davids Beruf (V. 11)

d) Davids Aussehen (V. 12a)

e) Davids Salbung (V. 12b-13)