Predigtthema: Jesus – vom Vater bestätigt (Thema laut Textplan)
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Beim vorliegenden Textabschnitt handelt es sich zu allererst um einen erzählenden Text, der von sich aus keine Appelle an die Hörer richtet, sondern etwas berichtet. Daher sollte man sorgfältig darauf achten, welche Schlüsse man auf das persönliche Leben ziehen kann.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- Elberfelder Bibel, Studien- und Kommentarausgabe, Anmerkungen zum Textabschnitt
- Gerhard Maier, Lukasevangelium, Edition C Bibelkommentar
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Die Anmerkungen und Wortbezüge richten sich nach dem Text der revidierten Elberfelder Bibel in der Textfassung 2020.
Kontext
Zum Texthintergrund sollte man bedenken, dass Lukas die Geschichte von Johannes und Jesus in den ersten Kapitel parallel aufeinanderfolgend erzählt: Ankündigung Johannes – Ankündigung Jesus, Geburt Johannes + kurzer Aufwachsbericht – Geburt Jesu + Kindheitserzählung, Auftritt und Dienst Johannes – Auftritt und Dienst Jesus. Anschließend verlässt Johannes die Bühne, während der Dienst Jesu sich entfaltet.
Dem Predigttext voraus geht das öffentliche Auftreten von Johannes dem Täufer, der die „Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden“ predigt (Lk 3,3) und sich selbst als auf den Messias vorbereitende Stimme sieht. Ebenso weist er darauf hin, dass er selbst nicht der Christus ist (Lk 3,16). Der Christus sei stärker und werde „seine Tenne reinigen“, den „Weizen sammeln“ und „die Spreu verbrennen“.
Johannes kündigt Jesus als den Kommenden an, nach der Taufe wird Jesus von Gott durch den Heiligen Geist bestätigt, anschließend wird er im Stammbaum auch nochmal ‚offiziell‘ durch Abstammung bestätigt.
Anmerkungen zu den Versen
V. 21:
- Johannes Dienst wurde seinem Vater so angekündigt, dass er „viele der Söhne Israel zu dem Herrn, ihrem Gott bekehren“ wird (Lk 1,16). Johannes übt diesen Dienst aus, indem er dem Volk die Umkehr predigt. Die Taufe kommt als ausdrucksstarker Akt hinzu, durch den das Schuldeingeständnis und die Umkehr festgemacht bzw. dargestellt wird. Als von Gott gesandter Sohn und Erlöser hätte Jesus diese Taufe nicht nötig gehabt. Er war vollkommen auf Gott ausgerichtet. Die Tatsache, dass er sich dennoch von Johannes taufen lässt, drückt zweierlei aus: (1) Er stellt sich auf eine Stufe mit dem Volk und identifiziert sich mit der Sünde des Volkes, für die er dann später sterben wird. Jesus macht damit deutlich, dass er nicht als der starke Mann kommt, von dem Johannes sprach. Er kommt hier auch nicht als der Richter, von dem Johannes sprach. In seinem ersten Kommen kommt er als demütiger Diener, der sich mit den Menschen eins macht. (2) Er stimmt in Gottes Willen ein. Gott wollte, dass das Volk umkehrt, also zeigt Jesus durch den praktischen Vollzug der Taufe, dass er bereit ist, sich diesem göttlichen Willen zu unterstellen. Damit drückt er aus, dass er nicht als Herrscher mit eigenem Anspruch und Agenda kommt, sondern sich Gottes Herrschaft und Agenda unterstellt.
- Es ist auffällig, dass die Öffnung des Himmels nicht in direktem Zusammenhang mit der Taufe steht, sondern mit dem Gebet von Jesus. Das ist ein kleines, aber wichtiges Detail, denn die Aussage, dass Jesus betete, bildet den markanten Unterschied zwischen der Erzählung von Lukas und der von Matthäus und Markus. Das passt dazu, dass Lukas Jesus an einigen entscheidenden Punkten seines Evangeliums als betenden zeigt (Lk 6,12 vor der Berufung der Jünger; 9,12 vor der ersten Leidensankündigung; 9,28 vor der Verklärung, 22,41 vor der Gefangennahme, um nur einige Beispiele zu nennen). Dass Jesus betet, drückt seine vollständige Abhängigkeit und Unterordnung unter den Vater aus. Nicht er selbst ist es, der seine Pläne macht, sondern er beugt sich unter den, der ihn sendet und lebt aus dem Gespräch mit ihm.
V. 22:
- Im letzten Teil von V.21 und am Anfang von V. 22 zeigt sich eine Dreierfolge (im Griechischen ist dies durch die gleiche aufeinanderfolgende grammatische Konstruktion ausgedrückt): der Himmel öffnet sich, der Heilige Geist kommt herab, die Stimme des Vaters (es muss seine sein, weil er vom Sohn spricht) spricht.
- Es kann nicht die Taufe allein sein, die zu dieser himmlischen Reaktion führt, da Johannes vorher davon spricht, dass er mit Wasser tauft, erst der Christus wird mit Heiligem Geist taufen (3,16). So sollten wir davon ausgehen, dass der Ausdruck von Gehorsam, Zustimmung zu Gottes Plan und Abhängigkeit von Gott zu dieser Form der Bestätigung von Jesu Dienst führt.
- In die Taube wurden im Verlauf der Auslegungsgeschichte viele Ideen hineininterpretiert. Dabei sollte man sich nicht zu lange aufhalten und schon gar nicht spekulieren. Das moderne Bild der Taube als Friedenssymbol stimmt mit dem biblischen Gedanken nicht überein. Alttestamentlich gibt es ganz unterschiedliche Bilder, bei denen die Taube verwendet wird. Jesus selbst verwendet sie in seiner Verkündigung als Bild für Einfalt. Insgesamt ließe sich vorsichtig vermuten, dass es sich um eine eher ruhige, zurückhaltende Erscheinung handelt, nicht um etwas Lautes, Besitzergreifendes oder Mächtiges. Aufgrund des Vergleichswortes „wie“ ist auch unklar, ob es tatsächlich eine leibhaftige Taube war oder ob Lukas den Beschreibungen der Menschen einen Namen gibt, damit man eine Vorstellung vom Geschehen hat. Wichtiger als die Frage nach der Taube ist die Tatsache, dass es ein sichtbares Zeichen gab, dass Jesus bestätigt wurde.
- Die Stimme des Vaters knüpft an die Worte aus Jes 42,1 an: Siehe, mein Knecht, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat: Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt. Diese findet also hier ihre Erfüllung. Der Kontext von Jesaja ist insofern spannend, weil dort die Rede davon ist, dass der Auserwählte auch zu den Nationen gehen wird, nicht zu den Juden. Jesaja zeigt zudem auch nicht einen großen Herrscher, sondern eher einen sanftmütigen Knecht: „Er wird nicht schreien und die Stimme nicht erheben und seine Stimme nicht hören lassen auf der Straße. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ (Jes 42,2-3)
- Die Stimme ist ein Ausdruck der bestätigenden Freude über den Gehorsam des Sohnes.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
(1) Es handelt sich zunächst um einen Erzähltext. Das heißt, der Text gibt keine direkten Anweisungen im Sinne von tu dies, lass jenes.
(2) Da es sich um eine einmalige Situation zwischen Jesus, dem Vater und dem Heiligen Geist handelt, sollten wir vorsichtig sein, allgemeine Schlüsse zu ziehen wie z.B. „Der Heilige Geist kommt nur dann, wenn wir beten.“
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Der Predigtanlass ist eine klassische Predigt im Gottesdienst am Sonntag. Der Prediger muss also die konkrete Gemeindesituation vor Augen haben. Da der Text in engem Zusammenhang mit dem vorherigen Abschnitt über Johannes den Täufer steht, wäre es hilfreich zu fragen, wie dieser Text in der Gemeinde gepredigt wurde. Das wäre wichtig um sicherzustellen, dass man auf den vorherigen Text aufbauen kann.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Predigt kann den Hauptaspekt verfolgen, Jesus als den demütigen, sich dem Volk gleichstellenden und Gottes Willen gehorsamen Diener zu zeigen. Das baut allerdings einen Kontrast dazu auf, wie Johannes Jesus ankündigt.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
1. Jesus – anders als erwartet
Johannes kündigt den kommenden Herrscher an, der Stärke zeigt und als Richter zwischen Spreu und Weizen trennen wird. Dieses Bild stimmt auch für das zweite Kommen Jesu. In seinem ersten Kommen zeigt er sich aber anders: dem Volk gleichgestellt, demütig, gehorsam und ganz von Gott abhängig.
Anhand dieses Gedankens können wir die Frage stellen, wie es mit unserer Erwartung an Jesus aussieht und wie sich das zur Realität verhält. Hoffen wir eigentlich auch auf den starken Jesus, der endlich kommt und dem aktuell sehr seltsamen Treiben in unserer Zeit endlich ein Ende macht? Oder sind wir bereit, Jesus so zu nehmen und so an ihn zu glauben, wie er sich selbst zeigt. Es kann sein, dass Jesus uns in unserem Leben nicht von allem befreit – er also nicht unseren Erwartungen entspricht. Können wir trotzdem an ihn glauben.
2. Jesus – anders und doch bestätigt
In seiner ganzen Haltung ist Jesus unser Vorbild und Maßstab. Wir sind in der Nachfolge eines demütigen und gehorsamen Dieners, nicht in der eines machtigen Herrschers (damit ist nicht gemeint, dass Jesus keine Macht hätte, sondern wie sich sein Wesen und seine Diensthaltung zeigt). Dies sollte doch Auswirkungen auf unsere Haltung haben: nicht der wird von Gott bestätigt, der seine Agenda und Stärke ausspielt, sondern der, der in die gehorsame Abhängigkeit geht. An dieser Stelle bietet es sich an, die ein oder andere Verhaltensweise zu skizzieren, die wir z.B. im Gemeindeleben an den Tag legen. Setzen wir manchmal unsere Anliegen auch mit Macht durch, statt uns allen anderen gleichzustellen und gemeinsam Gott zu fragen?
(Henrik Homrighausen)