Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: … hineinführt in die Zuflucht
Bibelstelle: Psalmen 121
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen:
Wir wissen Manches nicht: Geht es um die Anreise zum Tempel Gottes oder um den Heimweg? Steht die bergige Umgebung Jerusalems (Morija und Berg Zion) vor Augen oder gefahrenvolle Berge und Klüfte auf dem Rückweg (Lk 10, 30ff)? Gehörte der Psalm zu liturgischen Liedern für Pilgerreisen nach Jerusalem?
Erklärungen und Tipps:
V 1 Die drei jährlichen Pilgerreisen zum Haus Gottes (5. Mo 16, 16) waren praktisch der „Urlaub“ der Gläubigen. „Ich hebe meine Augen auf…“ drückt auch die Sehnsucht nach dem Ziel Jerusalem aus.
Luthers frühere Übersetzung „… woher mir Hilfe kommt.“ entspricht nicht genau dem Urtext und ist missverständlich, weil sich die heidnischen Kultstätten meistens auf Bergen befanden (Jer 3, 6; Hes 18, 6; Hos 4, 13). Leider wurde diese Übersetzung auch in der Musik festgeschrieben. (1)
„Es mag in unserem Leben viele Teilziele geben und ich bin absolut dafür, dass wir uns solche setzen; aber das große Endziel müsste dasselbe sein wie das der Israeliten. Gott suchen und finden, zu ihm kommen und bei ihm sein; gemeinsam mit Gleichgesinnten ihn loben und anbeten; das ist ein unvergänglicher Zielpunkt.“ (Walter Lüscher, Prediger in Aargau, CH).
V 2 Im AT kommt die Gebetsweise der Selbstermunterung vor (Ps 103, 1f; Ps 34). Paul Gerhard und andere greifen diese „Methode“ auf. (2)
Wallfahrten und Heiligtümer können nicht retten, nur von Gott selbst kommt Hilfe. Beispiele noch und nöcher – im AT (3), aber hauptsächlich mit und durch Jesus. Der Name Jesus heißt „Gott hilft“. Die Evangelien sind voll von Berichten über Gottes Hilfe von der Sturmstillung bis nach Golgatha. Gott hat als Schöpfer alle Möglichkeiten, helfend einzugreifen. (4)
V 3 Eventuell wurden die ersten Sätze auf der Wanderung laut gebetet (in Israel nicht unüblich) und während der Wanderung von einem Leviten beantwortet (?)
Dass Füße schmerzhaft anstoßen können, trotz Ps 91, 12, gehört zu den allgemeinen Erfahrungen. Aber vor dem FALL kann Gott schützen.
V 4 Dieses Bewahren hat seinen Grund im Herrn, der ständig „ein Auge“ auf seine Leute hat. Götzen wurden durch Menschen erdacht und hatten menschliche Züge. (5) Elia spricht die Bedürftigkeit heidnischer Götter direkt an (1. Kö 18, 27).
„Ist die Not am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten.“
V 5 Gott behütet. (6)
SCHATTEN ist im Sonnenland Israel überlebenswichtig. Wird die rechte Hand verbrannt, sind die operativen Möglichkeiten des Menschen eingeschränkt. „Die rechte Hand segnet, hält das Arbeitswerkzeug und die Waffe.“ (Dieter Schneider).
V 7 Ein Sonnenstich (Insolation, Heliosis) entsteht durch lang andauernde direkte Sonneneinstrahlung auf den Kopf und Nackenbereich. So gesehen ist ein Sonnenstich ein isolierter Hitzschlag des Kopfes.
Hände und Füße können ermüden, aber der Schöpfer kann verhindern, dass sie alle Kraft verlieren und sich in der Not fremden Mächten anvertrauen.
Ein „Mondstich“ ist nicht bekannt, aber die Nächte können in Israel eisig kalt sein. (7)
Gott kann den Leib beschützen, aber wichtiger ist es, die Seele zu bewahren, weil es um´s EWIGE Leben geht.
V 8 Der AUSgang wird vor dem EINgang genannt. Hieraus schließen Ausleger, dass es sich um eine Heimreise handelt – mit Hoffnung auf ein baldiges Wiederkommen. Der Weg in die gewohnte Umgebung ist nach besonderen Erfahrungen mit Gott (Verkündigung, Freizeiten, Gebetserhörungen) oft eher beschwerlich.
„Der Weg in den Alltag gelingt nur, wenn der Weg in Gottes Heiligtum immer neu Ereignis wird.“ (Dieter Schneider)
Und weil diese Folge nie unterbrochen werden sollte: „von nun an bis in Ewigkeit“.
Gliederungsvorschlag
Worauf kommt es an?
1. Das Ziel im Auge behalten
2. Den richtigen Begleiter haben
3. Das Angebot annehmen
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Fußnoten
(1) Felix Mendelssohn, ELIAS-Oratorium, Nr. 28, Terzett
(2) Geh aus, mein Herz, und suche… (Iwwd 459). Ebenso andere Liederdichter: Lob meine Seel, den Herrn (Iwwd 44); Lobe den Herrn, meine Seele (Iwwd 88); Vergiss nicht zu danken (Iwwd 59); Juble mein Herz (Iwwd 56); Denke daran, was der Allmächtige kann (Iwwd 48, V4b); Ich will singen von der Gnade des Herrn (Iwwd 54).
(3) Von der Rettung durchs rote Meer über David zum Elia sind nur Ausschnitte.
(4) Humorvolles Gebet: „O Herr, bis jetzt war dieser Tag ganz in Ordnung. Ich habe nicht schlecht über andere geredet, ich habe mein Temperament gut im Griff, ich bin zu niemandem gemein gewesen, nicht geizig, nicht schlecht gelaunt, nicht egoistisch und bin anderen noch nicht auf die Nerven gegangen. Ich bin echt froh und dankbar, dass ich all dies aus eigener Kraft geschafft habe. Aber in ein paar Minuten, Herr, werde ich aufstehen müssen und von dem Moment brauche ich deine Hilfe.“ (Wilfried Schulte, Leiter „Neues Leben“)
(5) Die griechischen „Götter“ waren durch Zank und interne Streitigkeiten so beansprucht, dass sie sich jährlich auf Zypern ausruhen mussten, einer Mittelmeerinsel, die heute noch gern wirbt: „Die Insel, wo die Götter Urlaub machen“ (Cyprian Airways).
Die Wetter- („Heute meint es der Wettergott aber wieder gut mit uns.“), Kriegs- (zB Mars) und Vegetationsgötter (zB Demeter) waren nur zeit- und saisonbedingt aus gegebenen Anlässen gefragt.
(6) Der Wortstamm im Deutschen, das altgermanische „Huote“ war ein Ausdruck für „schützend bedecken und auf der Hut sein“. Ein Waldaufseher oder Jäger war rund-um-die-Uhr zuständig für seinen Bereich und „auf der Hut“.
(7) Arge Überraschungen werden heute noch beschrieben „Da lief es mir heiß und kalt den Rücken hinunter“.