Johannes

Predigthilfe vom 9. Juni 2024 – Johannes 8,31-36

Monatsthema: Leben nah bei Jesus (Johannes-Evangelium)
Predigtthema: Jesus macht frei

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 2017 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

Unter Umständen kann sich auch mal der Blick in eine englische Übersetzung lohnen, weil auch in modernen deutschen Übersetzungen manchmal „fromm-deutsche“ Begriffe benutzt werden, die im Englischen viel direkter und „normaler“ übersetzt sind.

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Unser Predigtabschnitt fügt sich an den Text vom letzten Sonntag an. Jesus befindet sich in Jerusalem. Es ist die Zeit um das Laubhüttenfest (vgl. Joh 7). Jesus lehrt im Tempel (Joh 8,2). Das Kapitel 8 im Johannesevangelium dreht sich um das Thema Sünde der Menschen und Auftrag des Messias: Frei zu machen von der Sünde. Bereits in den Versen 1-11 lesen wir von der Ehebrecherin. Sie steht stellvertretend letztlich für alle Menschen. Alle sind Sünder vor dem Gesetz und verdienen den Tod (vgl. Röm 6,23: „der Lohn der Sünde ist der Tod“). Aber es gibt einen, der frei machen kann von der Sünde und vom Fluch des Gesetzes Jesus Christus. (vgl. hierzu Gal 3,12: „Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist – denn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt!“) Die Ehebrecherin bleibt am Leben, obwohl sie den Tod verdient hat. Jesus begnadigt sie, denn dazu ist er gekommen (vgl. Joh 1,16f: „Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um [9] Gnade. 17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“). Das große Stichwort ist Freiheit. Jesus ist gekommen, um uns zu begnadigen und freizumachen von der Sünde und ihrer Konsequenz – dem Tod, letztlich von der ewigen Trennung von Gott und dem ewigen Gericht in der Hölle (vgl. Offb 20,10.14f). Freiheit heißt nach Joh 8,11ff leben im Licht, in der Gemeinschaft mit Jesus und eben nicht mehr in der Finsternis. Jesus ist das Licht und er führt alle, die an ihn glauben aus der Finsternis. Hier geht es um einen Herrschaftswechsel. Leben im Licht heißt: Leben mit Jesus, leben in der Nachfolge. Licht steht für echtes, ewiges Leben. Wer an diesen Jesus glaubt, der wird ein neuer Mensch, der ist eine neue Schöpfung (vgl. 2Kor 5,17). Der Abschnitt Joh 8,21-30 handelt davon, dass ausschließlich Jesus die Macht hat von der Sünde freizumachen, weil er von oben, vom Himmel, kommt und Gott ist. Wichtig ist hier Joh 8,24: „Daher sagte ich euch, dass ihr in euren Sünden sterben werdet; denn wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben.“

Menschen bleiben Sünder und sterben auch als Sünder mit all den schlimmen Konsequenzen (Gericht, Verdammnis), es sei denn, sie glauben an Jesus Christus. Was uns in den deutschen Übersetzungen entgeht ist, dass Jesus hier sagt. „Wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin“ – Man könnte ja fragen: Dass du was bist, oder wer bist? Im griechischen Urtext steht hier: ἐγώ εἰμι! ἐγώ = Ich, εἰμι = ich bin. Im griechischen bestimmt das Verb das Subjekt, d.h. wenn Jesus ganz normal sagen wollte „ich bin“, dann hätte er schlicht „εἰμι“ gesagt. Wenn man das Subjekt betonen will, dann sagt man ἐγώ εἰμι = Ich, Ich bin! Diese Redewendung finden wir im Johannesevangelium öfter, gerade bei den „Ich bin Worten!“ Interessant ist auch die Antwort, die Jesus auf die Frage der Juden in Vers 25 gibt: „Wer bist du? Durchaus das, was ich auch zu euch rede.“–> Ja, aber was redet er denn zu ihnen? Dass er von oben, nicht von dieser Welt ist (V23). Gehen wir in 2.Mose 3, wo sich Gott aus dem brennenden Dornbusch Mose vorstellt und ihn beruft. Dort nennt er seinen Namen in V14 wie folgt (Zitat aus der LXX, Septuaginta, der griechischen Übersetzung des AT): Ἐγώ εἰμι ὁ ὤν – Ich bin, der ich bin. Es ist genau die gleiche Formulierung. Jesus sagt in unserem Abschnitt also nichts anderes, als dass er Gott ist – der Gott, dem Mose damals begegnet war. Den Juden war das völlig klar, auf was Jesus mit dieser Formulierung anspielt. Deswegen sagt Jesus zu ihnen „Durchaus das, was ich auch zu euch rede“. Jeder Mensch stirbt in seiner Sünde, es sei denn, dass er glaubt, das Jesus Gott ist, der die Sünde irgendwie aus der Welt schafft. Und auch das beantwortet Jesus in V28ff: Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Sohn des Menschen erhöht haben werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin und dass ich nichts von mir selbst tue, sondern wie der Vater mich gelehrt hat, das rede ich. 29 Und der mich gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht allein gelassen, weil ich allezeit das ihm Wohlgefällige tue“ – Jesus redet hier von seiner Kreuzigung. Das alles geht unserem Abschnitt voran. Und dann redet Jesus von Freiheit – der Glaube und das Bleiben in seinem Wort macht uns zu seinen Jüngern. Und wer ein Jünger von Jesus ist, der ist auf dem Weg die Wahrheit (Jesus selbst ist die Wahrheit nach Joh 14,6) zu erkennen und diese Wahrheit wird ihn frei machen! Es geht nicht um Freiheit von den Römern, oder von der Arbeit oder sonst was. Es geht um die Freiheit der Herrschaft der Sünde (vgl. Joh 8,34).

Wir gehen gleich näher auf unseren Abschnitt ein. In dem Abschnitt nach unserem Predigttext (Joh 8,37ff) geht Jesus auf die Frage ein, wer denn wirklich ein Nachkomme Abrahams ist. Es sind alle jene, die den Weg der Freiheit beschritten haben, wie Abraham – es ist der Weg des Glaubens, nicht der Weg des Gesetzes. Es ist der Glaube an Gott und sein Wort. Über Abraham heißt es in 1Mo 15,6: „Und er glaubte dem[4] HERRN; und er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.“ Da Jesus Gott ist und von ihm kommt, ja das Wort Gottes ist (vgl. Joh 1), ist klar, dass Kinder Abrahams, die sind, die an Jesus glauben. Dieser Glaube an Jesus und sein Wort macht sie frei, ja macht sie gerecht und gibt ihnen ewiges Leben. Joh 8,51: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn jemand mein Wort bewahren[11] wird, so wird er den Tod nicht sehen in Ewigkeit“.

Spannend ist immer die Frage: Wie reagieren andere Menschen auf Jesus? Dieser letzte Abschnitt zeigt, dass diese jüdische Hörerschaft Jesus ablehnt, ihn dämonisiert (V52), statt ihn zu „vergöttern“, also wahrhaft als Gott anzubeten, was er ja ist!

In unserem Predigtabschnitt geht es um Freiheit. Es ist aber keine irdische Freiheit, sondern eine geistliche Freiheit. Hier geht Jesus auf eine ganz wesentliche Wahrheit ein, die uns Menschen nicht so richtig gefällt: Jeder Mensch ist ein Sklave – wir sind nicht frei! „Aber wir sind freie Menschen und nicht Sklaven“ kommt prompt die Antwort der Juden. Freiheit aus Gottes Sicht hat nichts mit menschlichen Machtverhältnissen zu tun. Es geht um das Verhältnis zu Gott! Frei sind die, die Gottes Willen tun. Es sind die, die dem ureigenen Auftrag nachkommen, nämlich über diese Erde zu herrschen – und damit Gottes Ebenbildlichkeit leben und seine Botschafter sind (vgl. 1Mo 1,26ff). Dieses Problem der Unfreiheit nach dem Sündenfall sehen wir eindrücklich im Leben Kains, als sein Opfer von Gott nicht angenommen wird, das Opfer seines Bruders Abel aber schon. Wir lesen in 1Mo 4,6f: „Und der HERR sprach zu Kain: Warum bist du zornig, und warum hat sich dein Gesicht gesenkt? 7 Ist es nicht so, wenn du recht tust, erhebt es sich[4]? Wenn du aber nicht recht tust, lagert die Sünde vor der Tür. Und nach dir wird ihr Verlangen sein, du aber sollst über sie herrschen.“ Freie Menschen herrschen über die Sünde. Sklaven müssen ihr gehorchen. Am Beispiel Kains sehen wir das Schicksal aller Menschen. Durch den Sündenfall sind wir alle zu Sklaven geworden. Wir müssen sündigen. Das lesen wir übrigens auch in Röm 6-7. Die beste Nachricht der Welt lesen wir in unserem Abschnitt. Jesus sagt: Genau deswegen bin ich gekommen. Ich werde euch frei machen! Ich versetze euch wieder in den Stand von Freien (Gal 5,1), in den Stand der Kinder Gottes (Joh 1,12), ja der Söhne Gottes (Gal 3,26). Durch Jesus können wir wieder als Botschafter Gottes in dieser Welt leben.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Bevor ich mit dir etwas in die Details zum Text gehen will, möchte ich dich einladen den Text erst einmal in aller Ruhe zu lesen. Am besten, du liest den Text einmal in der Luther-/Elberfelderübersetzung und danach in einer neueren Übersetzung (Ich empfehle Neue Genfer Übersetzung (NGÜ), oder Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ)). Ich persönlich mache es meistens so, dass ich den Text ausdrucke und beim Lesen schon ein paar Anmerkungen, Unterstreichungen oder Fragezeichen mache. Das hilft mir dann, den Text besser zu verstehen und ich bin fokussierter auf den Gedankengang des Textes.

Gute Hilfen in der Vorbereitung leisten folgende Dinge:

  • MacArthur Studienbibel -> ist sehr zu empfehlen, da sie sehr bibeltreu ist und sogar gratis (www.sermononline.de) als pdf zur Verfügung steht.
  • Die Ryrie-Studienbibel -> nicht ganz so umfangreiche Textkommentierung wie die von MacArthur, aber kann ergänzend mit hinzugezogen werden.
  • https://dasbibelprojekt.visiomedia.org/ hier findest du kurze Videoclips über das Matthäusevangelium. Diese helfen einen Gesamtüberblick über den Brief zu bekommen.

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Wie müssen wir uns die Szene in unserem Abschnitt vorstellen? Jesus war zum Laubhüttenfest nach Jerusalem gekommen. Das ganze Kapitel 8 scheint sich im Tempel abzuspielen (vgl. Joh 8,2.59). Interessant ist die Erwähnung der Juden, die an Jesus glaubten in Vers 31 und dem, was Jesus zu ihnen sagt: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; 32 und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“! Doch ab Vers 33-36 scheint eine Diskussion zu folgen, die nicht so recht passt. Wie können echte Gläubige (Vers 31 betont das) noch Sklaven der Sünde sein? Gerhard Maier schreibt in seinem Kommentar (Edition C, Johannesevangelium, Band 2 S380) den wichtigen Hinweis, dass es sich um zwei verschiedene Gruppen handeln muss. Jesus redet zuerst zu seinen Jüngern, den an ihn gläubig gewordenen Juden, wenn sie sich an sein Wort halten und danach leben, den Weg der Freiheit beschreiten und damit zeigen, dass sie wahrhaft seine Jünger sind. Es scheint so, als seien bei dem Gespräch im Tempel auch andere Juden dabei gewesen, die das Wort vom Frei werden mithörten. Diese nun (also nicht an Jesus glaubende Juden) richten nun ab V33 das Wort an Jesus. Meiner persönlichen Ansicht nach macht das, was G. Maier schreibt, absolut Sinn. Das restliche Volk der Juden denkt: Wir sind das Volk Gottes. Wir gehören dazu. Wir sind von Gott auserwählt und sind privilegiert. Wir sind Kinder Abrahams und deswegen kann uns nichts und niemand etwas anhaben. Gott findet uns gut. In den Evangelien lesen wir aber von Jesus, der alles tut, damit sein Volk erkennen kann: Wir sind Sünder und haben vor Gott ein echtes Problem (vgl. Röm 3,23). Jesus ist die Antwort für dieses Problem, deswegen bringt Jesus sich und seine Sendung immer wieder in den Vordergrund. „Ich bin mehr als Abraham“ (Joh 8,58). „Ich kann euch helfen frei zu werden von eurer Sünde.“

Thema Freiheit
Jesus macht hier ein riesiges, aber wichtiges Thema auf: Freiheit. Befragt man den Duden zu diesem Thema bekommt man folgendes: „Zustand, in dem jemand von bestimmten persönlichen oder gesellschaftlichen, als Zwang oder Last empfundenen Bindungen oder Verpflichtungen frei ist und sich in seinen Entscheidungen o. Ä. nicht [mehr] eingeschränkt fühlt; Unabhängigkeit, Ungebundenheit“ (Duden, https://www.duden.de/rechtschreibung/Freiheit)

Freiheit bedeutet also im deutschen Sprachgebrauch, dass jemand völlig unabhängig von anderen Entscheidungen treffen kann. Klassisch: ich kann tun und lassen, was ich will. Hier müssen wir von der Bibel ganz klar sagen: So eine Freiheit gibt es nicht! Und das liegt einfach im Menschsein, daran wie Gott uns geschaffen hat. Wir sind Abhängigkeitswesen, Beziehungswesen. In diesem Verständnis ist letztlich nur Gott frei. Wir sehen das u.a. an Stellen wie Römer 6. In diesem Kapitel wird dieses Thema ausführlich behandelt und in V16 so auf den Punkt gebracht: „Wisst ihr nicht, dass, wem ihr euch zur Verfügung stellt als Sklaven zum Gehorsam, ihr dessen Sklaven seid, dem ihr gehorcht? Entweder Sklaven der Sünde zum Tod oder Sklaven des Gehorsams zur Gerechtigkeit?“

Es gibt für uns Menschen nur zwei Optionen. Entweder wir sind Sklaven der Sünde (das sind wir übrigens zunächst alle) oder wir werden zu Sklaven der Gerechtigkeit. An anderer Stelle nennt die Bibel das auch Sklaven Christi. 1Kor 7,22: „Denn der als Sklave (tatsächlicher Sklave im damaligen römischen Reich) im Herrn Berufene ist ein Freigelassener des Herrn; ebenso ist der als Freier (damals normaler Bürger) Berufene ein Sklave Christi.“ Es ist interessant, wer Sklave Christi ist, ist gleichzeitig auch ein freier Mensch. So lesen wir das dann auch in einem Satz in Röm 6,17f: „Gott aber sei Dank, dass ihr Sklaven der Sünde wart, aber von Herzen gehorsam geworden seid dem Bild der Lehre, dem ihr übergeben worden seid! 18 Frei gemacht aber von der Sünde, seid ihr Sklaven der Gerechtigkeit geworden“. Dieser Vers ist im Prinzip die Zusammenfassung unseres Predigtabschnitts. Wer an Jesus glaubt und der Lehre gehorcht – dem Wort Jesu (das ist genau das gleiche), der wird ein Sklave der Gerechtigkeit und beschreitet der Weg, der Wahrheit, der ihn frei macht.

Das biblische Verständnis von Freiheit hat eine Zielrichtung. Man muss eigentlich fragen: Freiheit wovon und Freiheit wozu? Ich werde durch Jesus von etwas zu etwas befreit.

Echte Freiheit hat ein Mensch immer dann, wenn er uneingeschränkt seinem Schöpfergott dienen und in dessen Willen leben kann. Durch die Sünde wurde genau diese Freiheit genommen und der Mensch kann Gott nicht mehr dienen, seinen Willen nicht tun und ist deswegen unfrei. Noch mal kurz auf den Punkt gebracht:

Biblische Unfreiheit = Ich kann nicht den Willen Gottes tun (Status: Sklave der Sünde)
Biblische Freiheit = Ich kann den Willen Gottes tun (Status: Sklave der Gerechtigkeit/Christi)

Das Problem der biblischen Unfreiheit ist, dass über ihr Gottes Gericht und sein Zorn stehen (Röm 1,18). Jeder Mensch wird mit all seinen Taten am Gesetz Gottes, an seinem Maßstab, gemessen werden (Offb 20,13). Wer seinen Willen nicht getan hat, sein Gesetz also gebrochen hat, der bekommt die gerechte Strafe dafür – ewiges Gericht!

Weil Gott aber weiß, dass wir Menschen aus diesem Dilemma nicht selbst herauskommen, sendet er seinen geliebten Sohn, den einzig wahren freien Menschen (Jesus hat zu 100% den Willen Gottes getan, vgl. Joh 4,34, Hebr 4,15, 2Kor 5,21), um ihn an ihrer Stelle zum Sklaven der Sünde zu machen und die Konsequenzen der Sünde vor Gott tragen zu lassen (Tod, Gottverlassenheit -> vgl. Mt 27,46), damit die Menschen frei werden können. Der Bibelvers, der das so zum Ausdruck bringt, ist 2Kor 5,21 [NGÜ]: „Den, der ohne jede Sünde war, hat Gott für uns zur Sünde gemacht, damit wir durch die Verbindung mit ihm die Gerechtigkeit bekommen, mit der wir vor Gott bestehen können.“

Hier müssen wir wirklich das Bild vom Sklavenmarkt vor Augen haben. Jesus geht über diesen Markt und bleibt vor uns Menschen stehen. Dann zeigt er auf uns und sagt: Ich an ihrer Stelle!

Der beste Tausch, den es auf dieser Welt gibt. Jesus nimmt all meine Sünde und den Status Unfreier/Sklave der Sünde auf sich und gibt mir seine Gerechtigkeit (die vor Gott 100% gilt) und seinen Status als Freier/Sklave der Gerechtigkeit.

Natürlich hat diese Freiheit einen Preis. Les dazu mal Phil 2,5-10. Sie bringt den HERRN Jesus letztlich ans Kreuz. Der HERR aller Menschen wird zum Diener aller Menschen. Wenn wir Menschen diese für uns erworbene Freiheit haben wollen, dann bedeutet das für uns: Wir treten alle Rechte an unser Leben an diesen großen König Jesus ab (ihm gehören sie ja eh, denn er ist unser Schöpfer). Letztlich stellen wir uns zu dieser Wahrheit und leben sie auch – Jesus ist HERR meines Lebens und damit sind wir Sklaven Christi. Das klingt in unseren Ohren zunächst negativ, aber wenn wir sehen, was für ein HERR er ist (2Kor 5,15; Mt 11,28-30) dann sind wir gerne seine Sklaven, oder?

Martin Luther hat das Thema mal so zusammengefasst. Er hat gesagt, dass der Mensch ein Reittier ist. Entweder beritten vom Teufel/Sünde, oder von Gott. Der Mensch ohne Reiter gibt es nicht!

Wie wird man frei?
Die Juden meinten, sie sind frei und auch vor Gott gut unterwegs, denn sie hatten ja die Torah (wörtl. Weisung, die 5 Bücher Mose), das Gesetz. Und sie hielten sich ja auch an das Gesetz, also zumindest meinten sie das. Sie meinten, das Gesetz sei der Weg zur Freiheit. Dabei lesen wir in der Bibel, dass das Gesetz gut und heilig ist (Röm 7,12), allerdings nicht die Kraft hat uns zu befreien. Das Gesetz kann immer nur unseren aktuellen Status, nämlich Sklave der Sünde, aufzeigen (vgl. Röm 3,20). Es kann mich nicht gerecht (= mein Leben entspricht dem Willen Gottes) machen, also in diesem oben erläuterten Verständnis „frei machen“. Jesus zeigt einen anderen Weg auf. Es ist der Weg Abrahams, der Weg des Glaubens. Der Glaube macht frei. Bei Abraham lesen wir in 1Mo 15,6: „Und er glaubte dem HERRN; und er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an“. Gerecht, also frei von der Sünde/Schuld, wird man ausschließlich und sofort durch den Glauben an Jesus. Die Bibel redet in diesem Zusammenhang auch von Rettung! Als der Kerkermeister in Philippi Paulus fragt, wie man gerettet wird (also frei wird von den Konsequenzen seiner Schuld/Sünde), da antwortet ihm Paulus in Apg 16,31: „Glaube an Jesus, den Herrn, und du wirst gerettet werden, du und alle, die in deinem Haus leben!“ In unserem Abschnitt sagt das Jesus den nicht an ihn glaubenden Juden ja so: „Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein.“ Nur Jesus kann dieses Wunder der Rettung vollbringen. Wen Jesus frei macht, der wird vom Geist Gottes wiedergeboren zu neuem Leben. Hierzu eignet sich zur Vertiefung Johannes 3: Jesus und Nikodemus. Diese Kategorie Menschen sind Kinder Gottes (Joh 1,12) und damit auch Erben des Himmels. Sie haben einen neuen Status vor Gott – heilig (Kol 1,22). Damit ihr Leben aber diesem neuen Status entspricht, muss erst etwas geschehen – sie müssen verwandelt (Metamorphose) werden. Nur so kann diese neu gewonnene Freiheit auch in meinem Alltag sichtbar werden.

Wie erlebt man diese Freiheit?
Der Glaube an Jesus macht frei – absolut und sofort. Aus Gottes Sicht bin ich geheiligt. Allerdings erlebe ich diese Freiheit im Alltag nicht sofort. Es gibt immer noch Sünde, die mich packt und scheinbar im Griff hat. Wie kann ich es jetzt also schaffen, dass ich eben nicht mehr Sklave der Sünde bin, sondern so leben lerne, wie Gott es von mir möchte? Hier müssen wir festhalten, dass das Leben auf dieser Erde als freier Mensch (oder neuer Mensch/Kind Gottes/Christ) ein Kampf ist. Frei gemacht von Jesus ist es mir jetzt möglich durch den Geist Gottes so zu leben, wie es Gott entspricht. Wichtig: Ich kann – ich mache das nicht automatisch. Es tobt ein geistlicher Kampf in meinem Leben, der uns in Gal 5,16f so beschrieben wird: „Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen. 17 Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt.“ Das neue Leben mit Jesus in der Freiheit streitet mit dem alten Leben, das die Bibel „Fleisch“ nennt. Ich kann nur durch den Geist Gottes das „Fleisch“ überwinden. Aber welchen Weg muss ich gehen, damit der Geist Gottes mein Leben bestimmt? Es gibt ja keinen Schalter auf den ich drücken muss nach dem Motto: „Leben jetzt im Geist Gottes“!

Hier sind die Wort Jesus extrem wichtig, die er seinen gläubigen Zuhörern sagt – V31f: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; 32 und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.

Wir müssen zu Jüngern Jesu werden, nur so werden wir auch im Alltag frei werden. Manche „Christen“ bleiben nach der vermeintlichen „Umkehr“ zu Jesus stehen und werden keine wirklichen Jünger. Die Folge ist, dass diese Menschen nicht wirklich den Weg der Freiheit beschritten haben. Echter Glaube mündet aber immer in die Nachfolge und verändert nach und nach unser Leben. Eine Parallele dazu ist Röm 12,2: „Und seid nicht gleichförmig dieser Welt[1], sondern werdet verwandelt[2] durch die Erneuerung des Sinnes[3], dass ihr prüft, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“

Wer Nachfolge, Jüngerschaft, ablehnt, der lehnt in eigentlicher Konsequent den HERRN ab und glaubt nicht. Wenn man nicht in die tägliche Schule des Meisters geht, dann wird man ihm auch nicht ähnlich. Und ja, echte Gläubige sind auf dem Weg mit Jesus und müssen auch lernen, in den verschiedensten Bereichen ihres Lebens Jesus zu folgen und umzudenken. Wir Christen machen oft den Fehler, dass die an manchen Punkten stehen bleiben, oder unsere Jesus-Beziehung erkalten lassen. Wir müssen das täglich praktizieren, was in 2Kor 3,18 steht: „Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an[5] und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht⟩“

Jünger schauen ihren Meistern an. Wie das geschehen kann, schauen wir uns im nächsten Abschnitt an. Es ist wichtig festzuhalten: Jünger verändern sich selbst nicht. Das können sie nicht. Gott muss uns verändern durch seinen Geist. So heißt es da. Aber es gibt eine Abfolge. Wenn wir Jesus anschauen – man könnte auch sagen Beziehung mit ihm leben – dann werden wir verändert (Es geschieht etwas an uns, wir sind passiv dabei) durch den Geist Gottes à Eine Verwandlung. Im griechischen steht hier der Begriff Metamorphose. Wir kennen ihn aus dem Bio-Unterricht, dass aus einer Raupe ein Schmetterling wird. Genauso sollen wir verändert werden, indem wir mit Jesus im Alltag leben lernen, eben seine Jünger sind.

Wie lebt man praktisch als Jünger?
Jünger sind Schüler, sind Lernende. D.h., sie haben einen Lehrer, mit dem sie Zeit verbringen. Allerdings hat sich der damalige Schüler von dem unseren unterschieden. Lernen war hauptsächlich leben in einer Lebensgemeinschaft mit dem Lehrer. So hatte es ja auch Jesus mit seinen Jüngern gemacht. Sie waren eine gewisse Zeit mit ihm unterwegs und haben dafür manches zweitweise aufgegeben (das Fischen) bzw. pausiert (Petrus war verheiratet. Er hat seine Frau immer wieder alleine zurückgelassen). „Praktischer Jünger“ wird man nicht, in dem man die Bibel auswendig lernt und dann irgendwann bei Jesus einen Test schreibt und den halt bestehen muss! Nein, man lebt im Alltag mit dem Meister. Im Prinzip genau wie damals, nur dass wir Jesus nicht leibhaftig unter uns haben, sondern er durch seinen Geist in uns lebt (Gal 2,20). Das beste Bild ist für mich das Joch, das Jesus in Mt 11,28-30 nennt. Ein Jünger von Jesus ist mit Jesus unter ein Joch gespannt. Er ist nie alleine, sondern lebt immer in einer Zweierschaft mit seinem HERRN. Jetzt soll er von ihm lernen und seine Last (leichte Last) tragen. Leben wir dieser Wahrheit entsprechend? Fragen wir Jesus, der nach diesem Bild ja „neben uns geht“, wenn wir morgens aufstehen: Was soll ich heute tun? Nehmen wir ihn auf dem Weg zur Arbeit, am Arbeitsplatz mit? Wir müssen von ich zum wir mit Ausrichtung du kommen. D.h., ich sehe mein Leben als ein Leben in Gemeinschaft mit Jesus an und das 24/7 – die ganze Zeit (1Kor 1,9). Dabei bin ich auf Jesus ausgerichtet – deswegen Ausrichtung auf DU (Jesus). Ein Jünger lebt nach dem Motto WWJD – What would Jesus do! Deswegen redet er mit Jesus (Gebet) und hört auf Jesus (Sein Wort – die Bibel, Predigt, etc). Dazu muss man sich tatsächlich üben und disziplinieren. Man ist eben ein Schüler, ein Lernender, und muss deswegen in seine Jesusbeziehung investieren. Das hören wir nicht so gerne. Wir hätten gerne ein Lichtschalter-Christentum. Einmal den Knopf drücken und dann läuft das und zwar steil bergauf! Christsein ist in der Tat ein Traineeprogramm. Hier muss man investieren, wenn man vorankommen will. 1Tim 4,8: „Sich in körperlichen Entbehrungen zu üben, bringt nur wenig Nutzen. Aber zu üben, wie man Gott liebt und ehrt, ist in jeder Hinsicht nützlich, weil das ein Versprechen für das jetzige und das zukünftige Leben in sich trägt“

Im Englischen: „Train yourself to be godly!“ Auch in der Nachfolge gilt mitunter der Satz: Ohne Fleiß kein Preis. Damit ist nicht gemeint, dass ich mich verändern kann, wenn ich mich nur genug anstrenge. Nein, der HERR (und nur er) verändert mich. Aber wenn ich mit dem HERRN keine Zeit habe, kann er mich nur schwer verändern, denn er zwingt uns auch nicht. Aber dieser Weg der Nachfolge, des „Jüngerseins“, macht uns frei.

1.4 Struktur des Abschnittes

Wir haben es hier mit einem erzählenden Text zu tun. Daher ist es relativ einfach die Struktur zu erkennen. Ich versuche es mal in meinen eigenen Worten.

Jesus: Glaube an mich/mein Wort und die Nachfolge/Jünger sein macht euch frei
Juden: Irrtum Jesus, wir sind frei
Jesus: Irrtum Juden (alle Menschen), ist seid Sklaven! Nur ich kann euch wirklich frei machen

1.5 Wichtige Begriffe

Ich möchte versuchen euch ein paar Begriffe aus dem Text zu erläutern, die mir wichtig erscheinen. Es werden bei weitem nicht alle wichtigen sein, aber ein paar 😉. Die Begriffe sind nach der Elberfelderübersetzung aufgelistet.

Wort (gr. logos)
Wir sollen in „seinem Wort bleiben“. Natürlich ist sein (Jesu) Wort Gottes Wort – die Bibel. Wir lesen sehr deutlich in Hebr 1,2, dass Gott zu uns geredet hat im Sohn. Auch der Johannesprolog (Joh 1) identifiziert das Wort Gottes mit Jesus. Joh 1,1-5.14: „1 Im Anfang war das Wort[1], und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. 3 Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. 4 In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst[2]. 14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte[7] unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Einzigen[8] vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Jesus ist Gott und er ist das Wort Gottes. Dieses Wort Gottes wurde Mensch. „in seinem Wort bleiben“ ist austauschbar mit „in Jesus bleiben“, was uns das Gleichnis vom Weinstock lehrt (Joh 15). Was ist das Wort Gottes? Es ist die ganze heilige Schrift, die Bibel (vgl. 2Tim 3,16). Deswegen trennen wir Jesus nicht von der Bibel, sondern wer in Jesus bleibt, der bleibt in seinem Wort, der Bibel. Paulus führt die Wichtigkeit der Lehre immer wieder in seinen Briefen aus (vgl. Röm 6,17; 1Tim 4,16; Tit 2,1+10)

bleiben (gr. meno)
Das Wort meint etwas Dauerhaftes, Beständiges. Man kann auch „sich aufhalten, wohnen, weilen“ übersetzen. Wenn Jesus vom „Bleiben in seinem Wort“ redet, dann meint er tatsächlich: seid darin verwurzelt, gründet euch darauf, lebt davon/daraus. Sein Wort soll für uns zur Lebensgrundlage werden. Man könnte auch freier übersetzen: „Wenn ihr von ihm (Jesu Wort) euer Leben bestimmen lasst.“ Als Parallelstelle dazu könnte man das Ende der Bergpredigt nehmen aus Mt 7,24ff. Jesu Worte hören und sie tun – das ist das Entscheidende.

Jünger (gr. mathetes)
Jünger oder auch Schüler. Wer Jünger/Schüler ist, der ist eben nicht Lehrer/Rabbi. Nein, einer ist der Lehrer, der Rabbi, und das ist Jesus (Mt 23,8ff ist hier interessant). Mt 23,8: „Denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder.“ Wer zum Glauben an Jesus findet, der wird ein Kind Gottes (Joh 1,12) und wird adoptiert in die Familie Gottes. Er hat einen Vater im Himmel und Geschwister, Brüder und Schwestern im HERRN. Er selbst bleibt dabei immer ein Lernender, ein Jünger. Von wem lernt er? Von Jesus, seinem HERRN. Hierzu empfiehlt sich Mt 11,28-30. Christsein heißt: Ich lebe mit meinem HERRN und Lehrer Jesus. Ich bin sein Schüler, ich folge ihm nach.

Wahrheit, wahrhaftig (gr. aletheia, alethos)
Man kann diesen Begriff auch mit wirklich oder gewiss übersetzen. Von der Bedeutung her im Griechischen beschreibt das „a“ zu Beginn eines Wortes immer eine Verneinung. Der Stamm „lethos“ bedeutet verborgen. Wahrheit ist also das „Nicht-Verborgene“. Es handelt sich um die Wirklichkeit, die Realität. Jesus zeigt uns die Realität der Dinge und das wird uns frei machen.

Erkennen (gr. ginosko)
Kennen, wissen, verstehen, erfahren, wahrnehmen.

Frei (gr. eleuthero)

Wörtlich „befreien“. Da ist jemand von etwas oder jemandem gefangen. Doch es passiert etwas und man kommt davon frei. Die Abfolge ist klar. Mit Jesus und seinem Wort leben (im Wort bleiben) macht den Menschen zu seinem Jünger und hilft ihm die Wirklichkeit der Dinge, die Realität der Welt, zu erkennen und so wird er frei werden.

Sklave, Sklave sein (gr. doulos, douleuo)

Dahinter steckt das Bild, dass man jemandem gehört und tun muss, was dieser möchte. Ein Sklave ist nicht frei zu tun, was er möchte. Er muss den Willen seines Herrn tun. Jesus hier und Römer 6 machen deutlich: Menschen sind immer erst Sklaven der Sünde. Sie müssen sündigen. Auch in diesem Zusammenhang ist der Begriff Lösegeld wichtig. Was muss bezahlt werden, um einen Sklaven frei zu kaufen? Wir finden diesen Begriff im AT und NT (Ps 49,8; Hi 33,24; Jes 43,3; Mk 10,45) Nur Jesus kann das tun!

Sünde (gr. harmatia)
Wörtlich ist das eine „Verfehlung“. Er kommt aus dem Bereich des Kriegs. Er beschreibt den Schützen, der sein Ziel nicht trifft, sondern verfehlt. Haramtia beschreibt eine Zielverfehlung. Der Begriff ist mehr als nur der Tatbestand, dass man etwas aus Gottes Sicht „Falsches“ getan hat. Harmatia beschreibt das Urproblem der falschen Tat und geht tiefer. Der Mensch hat das Ziel Gottes für ihn verfehlt. Er sollte als sein Ebenbild herrschen auf dieser Erde (1Mo 1,26ff). Die ganze Schöpfung sollte im Menschen ein Spiegelbild Gottes sehen und Rückschlüsse auf den Schöpfer ziehen können. Der Mensch als Abhängigkeits- und Anbetungswesen sollte in Beziehung von seinem Schöpfer leben. Doch der Mensch wollte ohne Gott leben (1Mo 3). Er wollte sein eigener Gott sein. Damit hat er sich von Gott getrennt und sein Ziel, seine Bestimmung nicht erfüllt. Darin liegt die Harmatia/Zielverfehlung. Die Folge ist eine Versklavung unter Sünde, Tod und Teufel.

Amen, Amen (gr. amen)
Sehr starke Redewendung im griechischen. „Das ist wahrhaftig so“, oder heut würde man sagen: „Das ist 100pro so“, „Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche“. Diese Redewendung macht uns klar: aufpassen, jetzt kommt was Wichtiges. Der Begriff selbst kommt aus dem hebräischen.

Sohn (gr. huios)
Das Kind, der Nachkomme des Vaters. Dieser Begriff finden wir auch bei Jesus, der Sohn Gottes genannt wird. Dabei meint das an dieser Stelle nicht, dass Gott eine Frau gehabt hatte und aus dieser Beziehung ein Sohn entstand, nämlich Jesus. Solche Geschichten lesen wir in der gr. Mythologie und dabei handelt es sich um Halbgötter (z.B. Herkules) Sohn Gottes ist ein Titel und entspricht dem jüdischen Verständnis des Sohnes – der, in dem der Vater lebt, weiterlebt. Derjenige, der dem Vater entspricht, ihm gleich ist. Wir sehen das u.a. an Joh 5,18: „Darum nun suchten die Juden noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht allein den Sabbat aufhob[3], sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte und sich ⟨so⟩ selbst Gott gleich machte.“ An vielen anderen Stellen wird Jesus auch Sohn des Menschen genannt, bzw. nennt sich selbst so. Das ist sicherlich eine Anspielung auf den messianischen Titel nach Dan 7,13ff. Doch es meint auch, dass Jesus ganz dem Wesen nach „Mensch“ war. Ganz Mensch und ganz Gott.

Allerdings finden wir auch diesen Begriff nicht nur auf Jesus angewandt, sondern auch auf Christen. (vgl. 2Kor 6,18; Gal 3,26, Gal 4,6f). Hier müssen wir im Text schauen, auf wen was bezogen ist.

2. Verstehen, worum es geht

Wir sollten uns in diesem Textabschnitt in der Predigt nicht irgendwie verzetteln oder hoch theologisch werden. Er bietet eine klasse Möglichkeit, um das Evangelium zu verkünden. Entscheidend ist der Glaube an Jesus und sein Wort. Er macht frei von der Sünde und gerecht vor Gott und zwar völlig unabhängig von uns (Röm 3,22). Aber Glauben ist mehr als ein Bekenntnis. Glaube ist ein neues Leben, das man in der Gemeinschaft mit Jesus lebt. Glauben gilt es zu leben. Man muss sich darin üben, im Wort des HERRN (Bibel) zu bleiben. Dann begibt man sich auf den Weg, den die Bibel mit „Heiligung“ beschreibt und man wird frei werden. Wichtig hier ist der Unterschied: Frei von unserem Stand als Sünder vor Gott werden wir sofort durch den Glauben an Jesus (2Kor 5,21). Das ist kein Prozess, sondern eine sofort gültige Wahrheit. Aber diese neue Freiheit muss man lernen zu leben. Leider sind wir lange genug Sklaven der Sünde gewesen und man muss erst lernen, wie man als freier Mensch lebt. Man verfällt doch immer noch in alte Muster zurück und sündigt. Hier geht es jetzt um einen Lernprozess, ein Umdenken (Röm 12,2), ein Lernen von Jesus.

2.1 Hinweise für situative Überlegungen

Wir sind im Johannesevangelium unterwegs und schauen uns an, was wir durch Jesus alles haben. Trotzdem ist unser Abschnitt in sich eigenständig und wir können schön das Thema Freiheit entfalten.

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen

Freiheit ist ein großes Thema auch in der Bibel. Die Befreiung aus Ägypten, aus der Sklaverei, kann ein super Bild für unser Thema Freiheit durch Jesus sein. Aber wenn wir die Bibel als Ganzes sehen, dann läuft jede Botschaft der Freiheit bei Jesus zusammen. Er ist der große Befreier von Sünde, Tod und Teufel. Er macht uns frei, um Gott zu dienen.

Da unser Abschnitt ein Gespräch ist, können wir die gesagten Dinge einfach anwenden und müssen nicht wie z.B. bei einem Gleichnis erst übertragen.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen

Der Text eignet sich aufgrund seiner kurzen Länge komplett gelesen zu werden.

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Die Bibel zeigt uns gerade an diesem Text eine wichtige Wahrheit auf. Menschen ohne Jesus sind unfrei – sie sind Sklaven der Sünde und stehen vor dem Gericht Gottes. Diese Wahrheit gilt für alle, auch wenn sie sich selbst vielleicht gar nicht als Sklaven empfinden. Aber frei sein aus der Sicht Gottes bedeutet immer: Frei sein, um seiner ureigentlichen Bestimmung, nämlich Ebenbild Gottes zu sein, nachzukommen. Aus dieser Sklaverei (über der das ewige Gericht Gottes steht) kommt der versklavte Mensch selbst nicht raus. Er ist und bleibt ein Sünder vor dem die Konsequenz Tod (auch ewiger zweiter Tod, dh. Ewiges Gericht) steht (siehe dazu auch Röm 6,23). Die beste Botschaft steht im letzten Vers unseres Abschnitts. „Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein.“

Menschen können frei werden – aber nur durch den einen Sohn, den Sohn Gottes, der auch gleichzeitig der Menschensohn ist. Das ist Evangelium. Denn dieses Angebot frei zu werden macht Gott uns in Jesus einfach so, weil er uns liebt (Joh 3,16). Der Preis für diese Freiheit hat Jesus am Kreuz bezahlt, indem er die Konsequenzen meiner Schuld/Sünde, nämlich den Tod, auf sich nahm.

Diese neu gewonnen Freiheit muss aber gelernt und eingeübt werden. Das geschieht in der Nachfolge, in der Jüngerschaft. Lernen von Jesus. Beziehung mit ihm leben.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Themenvorschläge:
„Jesus macht frei“ (Vorschlag vom Verband)
„Echte Freiheit nur durch Jesus“

  • Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Wie so manchmal eignen sich hier 3 Punkte gut!

  1. Unfrei – ein Sklave der Sünde
  2. Frei durch den Sohn
  3. Gelebte Freiheit will gelernt werden

Zu 1.
Hier führen wir aus, dass jeder Mensch seit dem Sündenfall ausnahmslos ein Sklave der Sünde ist. Das Beispiel Kains zeigt es uns. Römer 6 -7 sagen es uns. Manche Menschen leiden darunter, manche nicht. Aber Jesus macht es deutlich – es ist die Realität in der sich jeder Mensch befindet. Wir müssen hier auch über die Konsequenzen reden, wenn Menschen Sünder sind und Sünder bleiben. Gottes Zorn ist über ihnen (Röm 1,18; 1Thes 1,10) und damit droht ihnen das göttliche Gericht und ewige Strafe in der Hölle. Ja, das ist ein unangenehmes Thema, aber das gilt auch den religiösesten Menschen, wenn sie Jesus nicht kennen. Aber ohne Gericht können wir nicht über Rettung und Erlösung reden. Ohne diese Botschaft wissen die Menschen doch gar nicht, warum sie gerettet werden müssen. Wenn es Zeit gibt, kann man in diesem Zug auch über den heiligen Gott reden. Wir haben heute total den Blick dafür verloren. Die Bibel berichtet uns davon, dass man Gott nicht einfach nahen kann. In Jes 6 erlebt das der Prophet Jesaja. Ohne Gnade, ohne Vergebung muss man vor diesem heiligen Gott vergehen.
Wenn Gott nichts tut sind wir in unseren Sünden versklavt und auf ewig verloren!

Zu 2.

Hier muss nun die gute Botschaft so richtig rauskommen. Es gibt Gott sei Dank den Sohn Gottes, Jesus Christus. Er kommt mit nur einer Mission (Mk 10,45, LK 19,10) – sein Leben einzusetzen um Sünder zu retten. Retten bedeutet: Die Sünde und deren Konsequenzen/Folgen wegzunehmen. Das geht nur durch Stellvertretung. Jemand muss zum Sündenbock (vgl 3Mo 16) gemacht werden und genau deswegen kam der Sohn des Menschen. Jesus möchte uns frei machen. Er liebt uns und deswegen hat er im Auftrag des Vaters den Himmel verlassen um dieses Geschenk der Gnade anzubieten.

Wie kann man das Geschenk annehmen? Das Stichwort ist glauben! Glauben heißt vertrauen. Hier können wir Röm 10,17 anschauen. Der Mensch kann immer dann glauben, wenn er Wort Gottes hört, das Evangelium, die gute Nachricht, dass Jesus ihn rettet und sagt: Das möchte ich!

Jesus redet seine Zuhörer, die als gläubig bezeichnet werden, in V31 so an: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt“! Das heißt aber, sie sind schon in seinem Wort, glauben seinem Wort. An Jesus glauben heißt immer seinem Wort, der Bibel glauben.

Wir müssen auch betonen, „dass nur der Sohn frei macht“! Jesus bezeichnet sich als der einzige Weg zum Vater (Joh 14,6). Wir müssen hier auch zu einer persönlichen Entscheidung aufrufen ganz nach Joh 1,12. Wer diesen Weg betritt, der ist sofort frei und eine Neugeburt (2Kor 5,17). Ein Kind Gottes.

Zu 3.
Echter Glaube mündet immer in die Jesus-Nachfolge. Glauben heißt: Jesus ist jetzt HERR meines Lebens und ich will lernen das Leben mit seinen Augen zu sehen und nach seinem Willen zu leben. Ich lasse ihn tatsächlich den Rabbi (Lehrer/Meister) meines Alltags werden. Und das heißt immer: Ich richte mein Leben nach dem Wort Gottes aus. So sagt es Jesus es hier: „in seinem Wort bleiben“. Wer das macht, in dessen Leben verändert sich etwas. Der wird die Wahrheit erkennen (letztlich Jesus selbst) und das wird ihn frei machen. D.h. frei werden, als Kind Gottes auch zu leben, ist ein Prozess. Niemand lebt sofort nach dem Willen Gottes. Nein, er muss verändert werden. Und das ist auch eine Schule, ein Lernprozess, der uns fordert. Zeit fürs Gebet, Zeit fürs pers. Bibelstudium, Zeit für Gemeinde etc. In diesem Punkt wäre es tatsächlich wichtig, dass wir auch ansprechen, dass Nachfolge Arbeit ist und uns fordert, unsere Zeit in Anspruch nimmt, etc. Wir sind eben Schüler von Jesus, die auch mal Hausaufgaben machen müssen, Praktika etc.

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Beispiele oder persönliche Erlebnisse sind in einer Predigt sehr wichtig und beleben sie.

Sklaverei in Ägypten
Man kann die Geschichte im AT sehr gut heranziehen als Vergleich. Volk Israel war Sklave des Pharaos, Sklave Ägyptens. So sind alle Menschen Sklaven der Sünde, Sklaven des einen bösen HERRN, dem Teufel. Ohne Hilfe von außen kommen sie da nicht raus. Nur Gott kann befreien und das geschieht durch sein übernatürliches Eingreifen (10 Plagen etc.). Genauso muss Jesus von außen kommen und uns wundersam durch Tod/Auferstehung retten. Die Rettung war ein Gnadenakt. Gott tat das, weil er sein Volk liebt. Joh 3,16 -> genau das gleiche gilt bei uns. Warum rettet Gott sein Volk? Wenn man 2Mo 3-10 liest kommt immer wieder: „Damit es mir dient“. Wir sind frei um Gott/Jesus zu dienen, seine Jünger und Nachfolger zu werden. Vom Sklaven der Sünde zum Sklaven Gottes, zum Kind Gottes.

Sklave der Sünde – Kain:
Ausgeführt oben unter 1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext.

Folgen der Sünde – Ehebrecherin Joh 8
Eigentlich steht sie stellvertretend für uns. Wir alle haben das Gesetz gebrochen und Strafe verdient. Aber Jesus, der Messias, kam nicht um uns zu richten, sondern zu retten. Das haben wir nicht verdient, sondern das ist Gnade. Ganz wie es in Joh 1,16f.

(Manuel Nowak)