Jahresthema: Wert(e)voll leben. Die Auswirkungen des Heiligen Geistes in unserem Leben.
Predigtthema: Wert(e)voll leben: Freigebigkeit – mehr als nur eine milde Gabe
Predigttext: 2Kor 9,6-15
Gottesdienst Einleitung: 1Chr 29,14-17; Spr 19,17; 1Joh 3,16-18; Vorschläge zur Textlesung
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Jahresthema
Einleitung zum Jahresthema „Wert(e)voll leben“!
Das Ziel: Mit dem Jahresthema wollen wir anhand der Frucht des Geistes (Gal 5,22) auf die christlich-biblischen Werte und Tugenden aufmerksam machen. Das Wortspiel „wert(e)voll leben“ zeigt auf, dass es sich lohnt christliche Werte auszuleben. Werte machen ein Leben wertvoll, sie sind sinngebend und achten die Würde des Menschen als Ebenbild Gottes. Darum wollen wir auf die Auswirkung des Heiligen Geistes eingehen, der diese biblischen Grundwerte im Leben eines Christen verwirklichen will.
Der Anlass: Durch den Wertewandel und -pluralismus unserer Zeit werden christliche Werte zunehmend hinterfragt. Überzeugte Christen, die eine moralische Vorstellung vertreten oder leben, werden belächelt und als altmodisch oder unzeitgemäß verschrien. Diese Diskrepanz christlicher und gesellschaftlicher Normen stellt gläubige Christen (in der Gemeinde, Familie, Erziehung und am Arbeitsplatz) vor große Herausforderungen.
Als Gemeinde Jesu können wir uns daher weder einer Wertediskussion noch einer biblischen Werteverkündigung entziehen.
Die Chance: Das Thema hat eine gesellschaftliche Relevanz. Christliche Werte wie Verlässlichkeit, Treue, Wahrhaftigkeit, Disziplin, Fleiß, Selbstbeherrschung usw. werden durchaus im Alltag und der Gesellschaft geschätzt. Durch gelebte christliche Werte können wir Zeugnis und Licht in der Welt sein.
Auch für die Gemeinde- und Familienarbeit hat dieses Thema Relevanz. Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass biblische Werte in Elternhäusern weitergegeben werden oder dort bekannt sind. Darum müssen biblisch-christliche Werte wieder neu verkündigt, erklärt und begründet werden. Dabei muss die Wertevermittlung in Beziehung zur Liebe und zum Willen Gottes gestellt werden, dass daraus nicht nur eine Moralpredigt wird. Aber es ist Gottes ausdrücklicher Wille, dass wir in Christus tugendhaft leben.
„Im übrigen, ihr Brüder, alles, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend, was irgend eine Tugend oder etwas Lobenswertes ist, darauf seid bedacht!“
Phil 4,8; vgl. Röm 12,1ff
Was sind WERTE?
Der Begriff „Werte“ stammt etymologisch aus dem Germanischen „werþa“ = „Wert, kostbar“. Weiter ist der Begriff verwandt mit germanisch „werþan“ = „werden“ (entstehen). Im Friesischen bedeutet „werþa“ = „würdig“. In der Bibel wird auch der Begriff „Tugend“ gebraucht, was soviel bedeutet wie „vorbildlich“, gute (sittliche) Charaktereigenschaft, anständig, redlich oder sittenhaft.“
Werte bestimmen die soziale Kompetenz, die Charakterbildung und die Persönlichkeit.
Als Christen sind wir davon überzeugt, dass die Bibel universelle, zeitlose, kulturell- und generationenübergreifende Werte/Tugenden vermittelt, die sich in der Menschheitsgeschichte bewährt haben. Christliche Werte haben Völker zivilisiert und humanisiert und prägten staatliche Grundgesetze und Gesellschaftsordnungen. Die christlichen Werte und Tugenden tragen in sich einen menschenwürdigen Charakter.
Neben einer christlichen Wertebildung durch Verkündigung oder Erziehung ist es aber vor allem der Heilige Geist, der das Herz des Gläubigen verändert, der ihm diese Werte zueignet und nachhaltig dazu befähigt, diese auch in der Kraft des Geistes auszuleben.
Das Jahresthema will dazu beitragen, dass wir die „Tugenden dessen verkündigen, der uns aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat… (1Pet 2,9ff).
Ausgehend von Gal 5,22 werden die jeweiligen Werte/Tugenden anhand ausgewählter Bibeltexte (Predigttexte) erklärt. Unter einem extra Punkt findet ihr eine zusätzliche Definition aus einem Online-Lexikon, einen Anti-Wert und ergänzende Erklärungen über den jeweiligen Wert/Tugend. Diese helfen das Thema unter weiteren Gesichtspunkten zu vertiefen.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Aebi, E „Kurze Einführung in die Bibel“, Bibellesebund
Krimmer Heiko, Edition C Bibelkommentar NT, „2.Korinther“, Band 12, Hänssler Verlag.
Wiersbe, Warren.W, „Kommentar NT Römer bis Thessalonicher“ Band II, CLV.
Henry, Matthew., Apostelgeschichte bis Offenbarung, 2. Auflage., Waldems: 3L Verlag.
MacDonald, W., Kommentar zum Neuen Testament, 7. Auflage., Bielefeld: CLV.
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Eine Tugend, die einen Christen auszeichnen sollte, ist seine „Großzügigkeit oder Freigebigkeit“. Dies bezieht sich keineswegs nur auf Geldspenden. Unser Bibeltext erinnert uns an das Prinzip vom Geben und Nehmen, vom Säen und Ernten und dass am Ende der HERR selbst es ist, der uns großzügig alles gibt, was wir brauchen.
Das Jahresthema wurde darum auch ausnahmsweise auf Anfang Oktober gelegt, weil es zum Erntedankfest passt, bei dem wir Gottes Freigebigkeit und Fürsorge bedenken.
Beispiele, dass Gottes Gaben weit über die leiblichen Bedürfnisse hinaus gehen:
Mt 5,45 Gott lässt die Sonne aufgehen und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte
1Tim 6,17 Gott gibt reichlich zum Genuss
Mt 6,11 Gott gibt uns unser tägliches Brot
Jes 40,29 Er gibt genügend Kraft und Stärke
Titus 3,6 Er gießt den Heiligen Geist genug und reichlich aus, nicht nach Maß (Joh 3,34)
2Kor 1,5 Er gibt uns in Christus reichlich/genügend/ausreichend Trost
2Pet 1,11 Er gewährt uns reichlich den Zugang zum Reich Gottes
Wortbedeutung: Freigebigkeit/Großzügigkeit (9,11+13 oder 8,2)
Das Wort bedeutet „Einfalt, Schlichtheit, Lauterkeit oder auch Aufrichtigkeit“.
Es unterscheidet sich von: „mehr als genug, überreich, reichlich, überfließend, verschwenderisch“ (9,8+12). Dennoch kommt hier beides im Zusammenhang vor.
Fazit: Man staunt vielleicht, aber hier wird deutlich, dass es bei „Großzügigkeit“ nicht in erster Linie um die Menge oder Masse geht, sondern vielmehr um die Qualität und innere Motivation. Gemeint ist also ein „ernsthaftes“ Geben aus einer lauteren Motivation heraus.
Siehe auch: 2.2 Weitere Hinweise zum Wert Großzügigkeit/Freigebigkeit.
Kommen wir zu unserem Predigttext aus 2Kor 9,6-15:
In 2Kor 9,6-15 erklärt Paulus das biblische Prinzip des großzügigen Gebens und nimmt die Geldsammlung für die verarmte Gemeinde in Jerusalem zum Anlass.
Eine kurze Zusammenfassung: Nachdem Paulus in 2Kor 8 von der großzügigen Geldsammlung der Gemeinde in Mazedonien (Philippi; Thessalonich und Beröa) berichtet hat, die für die verarmte Gemeinde in Jerusalem bestimmt war, versuchte er die Korinther zu ermutigen, deren Vorbild zu folgen. Sie sollten sich ebenso eifrig und freigebig für die Not der Glaubensgeschwister einsetzen. Dabei nennt er mehrere Gründe:
- 8,7 Als Dank für den geschenkten Reichtum, den sie besaßen
- 8,8+24 Als Beweis für ihre Liebe und ihren Glauben
- 8,10 Als Erfüllung ihres Versprechens
- 8,14-15 Aus Solidarität, zum Ausgleich, wenn sie selbst mal in Not kämen
Aus diesem Grund kommt Titus mit Begleitern nach Korinth (2Kor 8,15-23), um dort eine Sammlung für die Geschwister in Jerusalem abzuholen.
In 2Kor 9,1-5 führt Paulus an, dass die Korinther die Gründe kennen und was der Dienst der Geschwister in Jerusalem ist.
9,1 Es war überflüssig – im Sinne von unnötig, von der notleidenden Gemeinde Jesu zu berichten. Die Not und Dringlichkeit zur Hilfe waren bekannt.
-> Kennen wir die Not und wissen um die Hilfsbedürftigkeit unserer leidendenden Geschwister und der verfolgten Gemeinde Jesu?
9,2 Ihre Bereitwilligkeit zum Geben war für die Gemeinde in Achaja (Athen) ein Vorbild und spornte sie an.
-> Sind wir ein Vorbild in unserer Hilfs- und Gebebereitschaft für andere Gemeinden oder Christen?
9,3-5 Die Geldsammlung wurde vorbereitet und angekündigt, so dass alle großzügig geben konnten. Es ist peinlich, wenn man geben will, aber es nicht weiß und dann nicht geben kann.
-> Kündigen wir konkret und rechtzeitig Spenden- und Hilfsprojekte an, so dass die Gemeindeglieder sich darauf vorbereiten können?
Wert(e)voll leben: Freigebigkeit – mehr als nur eine milde Gabe
- Wer reichlich sät wird auch reichlich ernten – sei großzügig im Geben
9,6 Kärglich (dürftig, knapp, sparsam, spärlich) steht hier im Gegensatz zum Segen (Lob, Dank, großzügig, reichlich). Paulus erinnert an das natürliche Gesetz vom Säen und Ernten (vgl. Gal 6,7; Spr 11,24-25; Lk 6,37; Sp 28,19) und spricht das zwischenmenschliche Geben und Nehmen an. Ähnlich finden wir es auch in 1Mo. 12 – „wer euch segnet wird gesegnet sein“!
-> Dieser Grundsatz, sollte uns erinnern, dass großzügiges Säen und Geben reiche Ernte und Lohn einbringen. Durchs Geben wird man also nicht unbedingt ärmer!
- Wer fröhlich gibt, gibt im Segen – sei bereitwillig im Geben
9,7 Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Großzügiges Geben geschieht freiwillig, aus innerem Antrieb und von Herzen. Dabei kommt es zu mehr Großzügigkeit und Freigebigkeit als durch Zwang (2Mo 36,3-6; 1Chr 29,9f). Geben soll kein Zwang sein. Menschen sollen nicht durch penetrante Spendenaufrufe oder frommes Fundraising genötigt oder gezwungen werden. Das fröhliche Geben benötigt eine innere Zustimmung (Phil 14).
-> Gibst du und hilfst du freiwillig und fröhlich?
Wer sich dabei ärgert, gekränkt und bekümmert wird, der entzieht sich selbst dem Segen, den Gott bereithält.
-> Aufrichtig kann man sich hinterfragen: Warum ärgert es den Geber, wenn er zum Geben informiert wird? Kann es sein, dass man es durch die Art und Weise der Spendenaufrufe Christen schwer macht gern und freiwillig zu geben?
- Wer dankbar nimmt, kann auch reichlich geben – sei dankbar im Geben
9,8 Gott ist der großzügige Spender, der uns mit jeglichen Gaben (nicht nur Finanzen) reichlich gibt. Es ist so viel, dass wir es überfließend zum Weitergeben haben. „Gott gibt uns genügend und wenn wir genügsam sind, gibt es immer genug, was wir großzügig weitergeben können.“ Wer dankbar erkennt, dass Gott der Geber ist, der kann reichlich geben und kann zu jedem guten Werk beitragen.
-> Erkenne ich dankbar, dass Gott mich überaus beschenkt hat, um andere daran teilhaben zu lassen? Jeder von uns hat sicherlich mehr als zwei Hemden (vgl. Lk 3,11) – wo kann ich also etwas aus Dankbarkeit ab- oder weitergeben.
9,9 Das Zitat aus Ps 112,9 erinnert uns daran, dass wir all diese Gottesgaben nicht verdient haben. Wir sind und waren alle arm – und doch leben wir von Gottes Gnade (9,8) und seiner Gerechtigkeit. Diese Gnade und Gerechtigkeit lässt sich nur in Jesus Christus erklären, „der für uns arm wurde, damit wir durch seine Armut reich würden!“ 2Kor 8,9).
-> Erkennen wir Gottes unverdiente Gnade in unserem überschwänglichen Reichtum oder glauben wir unseren Wohlstand verdient zu haben?
Hinweise auf eine falsche Großzügigkeit
Es besteht die Gefahr:
- dass man anderen aus Stolz und Erhabenheit gibt. Die Mildtätigkeit wird zum guten Gefühl, was Gutes getan oder geleistet zu haben (vgl. Pharisäer und Zöllner im Tempel Lk 18,10ff).
- dass man arrogant oder fordernd wird, weil man Dank und Anerkennung für seine Großzügigkeit erwartet (Mt 6,1ff).
- dass man vergisst, dass Großzügigkeit nicht an der Menge gemessen wird, sondern am Verhältnis, was man hat (vgl. das Scherflein der Witwe Lk 21,1-4).
- dass man sich von großzügigen Spendern abhängig macht und diese Menschen bevorzugt und mehr achtet als andere, nur weil sie wohlhabend und gebefreudig sind (vgl. Jak 2,2f).
- dass man Großzügigkeit nur an materiellen oder finanziellen Gütern misst. Wir können weit mehr geben als materielle Dinge (siehe jetzt: 2Kor 9,10-11).
9,10-11 Paulus spricht nicht mehr nur vom Brot und von materiellen Gütern. Vielmehr erinnert Gott uns, dass wir die geistlichen Güter der Gerechtigkeit, die wir von ihm im Übermaß empfangen haben, ebenso darreichen und weitergeben sollen, dass sie Frucht bringen. Diese geistlichen Güter sind z.B. die Früchte des Geistes (Gal. 5,22) und die Tugenden, die Gott in uns durch seinen Heiligen Geist reichlich und genügend geschenkt hat.
- reichlich und großzügig geben an Liebe, Freude, Friede, Freundlichkeit, Geduld, Sanftmut usw.
- reichlich und großzügig sein an Barmherzigkeit, Vergebung und guten Werken.
-> Wo sind wir großzügig im Geben von geistlichen Gütern? Auch wenn wir keine Finanzen haben, können wir geistliche Güter sehr großzügig und freigebig geben.
- Wer reichlich gibt, vermehrt das Lob Gottes – sei ein Zeugnis im Geben
9,12-13 Die Großzügigkeit vom Geben lindert nicht nur die Not und hilft dem Mangel ab. Vielmehr löst sie bei denen, die empfangen, Dank und Lob für Gott aus, weil sie an der Großzügigkeit der Gläubigen Gottes Wirken erkennen. Wenn Christen anfangen, füreinander zu sorgen verherrlicht es Gott. „Eine großzügige Gebefreudigkeit und Hilfsbereitschaft unter Christen ist ein Zeugnis des Evangeliums für die Welt und führt zum Lob Gottes.“
-> Es geht also nicht um Dankesbriefe oder Danksagungen, sondern um Dankesgebete! Der HERR soll dadurch verherrlicht und geehrt werden.
- Wer aus Zuneigung gibt, stärkt die Gemeinschaft – sei herzlich im Geben
9,14 Gebet verbindet! Sowohl das Geben als auch das Beten schafft das Fundament für eine geistliche Gemeinschaft. Selbst über weite Distanzen hinweg verbindet Gebet und Flehen füreinander, sowie das gegenseitige Geben und Nehmen. Nicht nur mit weltweit verstreuten Missionaren, sondern auch mit der Oma oder dem alten und kranken Glaubensbruder, der nicht mehr zur Gemeinde kommen kann.
-> Großzügigkeit ist es dann, wenn wir bereit sind, unsere Herzen dem anderen zu öffnen und das, was wir tun, von Herzen tun (vgl. Kol 3,23; 2Kor 6,11-13; 7,2-3.15; 8,16).
Am Ende steht über allem der Dank an Gott, von dem wir doch alles haben, was wir geben. „Nichts, was wir geben, kommt von uns – alles, was wir haben, hat der HERR uns nur geliehen.“ So bekennt es David, als sie die Spenden zum Tempelbau sammelten.
„Denn was bin ich, und was ist mein Volk, dass wir Kraft haben sollten, in solcher Weise freiwillig zu geben? Denn von dir kommt alles, und aus deiner eigenen Hand haben wir dir gegeben…HERR, unser Gott, dieser ganze Reichtum, den wir bereitgestellt haben, …kommt von deiner Hand, und alles gehört dir! 1Chr 29,14-16.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
Um Missverständnisse bezüglich Almosen oder Werke der Gerechtigkeit vorzubeugen, ist es hilfreich zu klären, dass das Geben keine Leistung des Glaubens ist, um sich bei Gott verdient zu machen.
- Das Geben ist kein Werk, um gerettet zu werden (katholisch)
- Das Geben ist auch kein Zurückzahlen von Gott empfangener Gnade (gesetzlich reformiert)
Das Geben ist ein Wirken des Geistes Gottes im Gläubigen, der ihn dazu befähigt und drängt, aus Dankbarkeit seine Gaben und sein Leben Gott und den Menschen zur Verfügung zu stellen. Nur, wer Gottes Gnadengaben in Jesus dankbar empfangen hat, kann also großzügig weitergeben, was ihm selbst geschenkt wurde.
2.2 Weitere Hinweise zum Wert Großzügigkeit/Freigebigkeit
Quellen: https://www.values-academy.de/grosszuegigkeit/
Wortformen: großzügig
Freigebigkeit, Freizügigkeit, Gebefreudigkeit, Großmut, Weitherzigkeit, Großherzigkeit, Spendierfreudigkeit
Abwertend: Laxheit, Nachlässigkeit
Wortherkunft: Im Sinne seiner Bedeutung stammt der Begriff vom Philosophen Aristoteles ab: „eleutheriotes“; dieser setzt sich aus „asotia“ = „Zügellosigkeit, Verschwendung“ und „aneleutheria“ = „Knausrigkeit, Geiz“ zusammen. Aristoteles wollte mit dem Wort „eleutheriotes“ die beiden Begriffe so vereinen, dass sie eine vernünftige Mitte zwischen „Verschwendung“ und „Geiz“ bilden.
Das Adjektiv „großzügig“ ist um 1900 entstanden und bedeutet: „nicht kleinlich“ („großlich“), „freigebig“, „tolerant“; der Begriff „Großzügigkeit“ existiert seit Anfang des 20. Jahrhunderts.
Definition:
- Die Bereitschaft, zu teilen und etwas zu geben, das größer als das selbstverständliche Maß angesehen wird.
- Die Fähigkeit, in größeren, als normalen Dimensionen zu denken und zu handeln.
Beschreibung: Großzügigkeit ist die Bereitschaft, uneigennützig, anderen aus freiem Willen und meist mit positiver Absicht, unübliche materielle oder immaterielle Zuwendungen zu offerieren.
Dies kann bedeuten, dass eine großzügige Person gerne teilt oder anderen eine Freude bereitet. Weiterhin kann man Großzügigkeit damit ausdrücken, indem man Hilfe leistet, ohne hierfür eine Erkenntlichkeit zu verlangen.
Ebenso beschreibt der Begriff Großzügigkeit das Anerkennen, Wertschätzen, Ausleben und/oder Proklamieren von größeren als gewöhnlichen Dimensionen in den Bereichen Raumplanung, Raumausgestaltung, Objektgestaltung, Mittelverwendung etc.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Einzelne Anwendungsfragen finden sich schon oben in der Auslegung.
Großzügigkeit praktisch nachgefragt:
- Wie verhalten sich Geiz und Großzügigkeit bei mir?
- Woran mache ich meine regelmäßige Spendenhöhe für Gemeinde und Mission abhängig?
- Werden Spendenprojekte rechtzeitig und korrekt angesagt, so dass ich bewusst großzügig sein kann?
- Werden Nöte und Sorgen von Geschwistern mitgeteilt und konkrete Hilfsmöglichkeiten kommuniziert und angeboten?
- Bin ich überströmend in der Liebe zu meinem Nächsten (1Thess 3,12; Phil 1,19)?
- Wie großzügig bin ich im Geben von geistlichen Gütern?
- Vergebe ich anderen gern und großzügig?
- Ist meine Geduld von Großzügigkeit geprägt?
- Bin ich großzügig und herzlich zu Kindern, auch wenn sie nerven, oder glaube ich durch übermäßige Strenge ihr Herz zu gewinnen?
- Wie dankbar bin ich für das, was andere Geschwister, Ehepartner oder Eltern mir tun und geben?
- Gebe ich Menschen (Spendern, Mitarbeitern) mehr Dank und Ehre als Gott?
- Wie gern und freigebig bin ich bereit meine Zeit, Kraft und Möglichkeiten (Gaben) zum Dienst für andere einzusetzen?
- Würden andere Menschen von mir sagen, dass ich eine großzügige Persönlichkeit bin?
Es kann sein, dass du jetzt viele Möglichkeiten hast zu geben – dann tu es. Es könnten im Alter Zeiten kommen, wo du anderen nichts mehr zu geben hast, sondern auf die Hilfe anderer angewiesen bist. „Wer dann gelernt hat qualitativ großzügig zu geben, der tut sich im Alter auch leichter Hilfe von anderen anzunehmen.“
3. Sagen, wo es hingeht
- Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Zuhörer sollen ermutigt werden, aus Dankbarkeit für das, was JESUS geschenkt hat, auch anderen gegenüber eine großzügige Gebefreudigkeit zu leben.
- Schließlich sind wir alle von Gottes Großzügigkeit und auch der unserer Mitmenschen/Vorfahren abhängig (Wieviel wurde uns schon vererbt?).
- Freigebiges Geben meint nicht nur Geld- oder Sachspenden. Wir müssen unseren Blick weiten, dass wir viel mehr einander geben können als Finanzen.
- Wenn wir Freigebigkeit als die soziale Grundlage unseres gemeinsamen Glaubens und Lebens in der Gemeinde verstehen und praktizieren, wird nicht nur die Liebe Gottes erfahrbar, sondern es muss auch keiner Mangel leiden.
- Wenn künftig die soziale Schere noch mehr auseinander geht und Menschen durch das staatliche soziale Netz fallen, dann ist es ein Auftrag der Christen, anderen freudig und großzügig zu geben. Der Staat hat hier der Gemeinde seither einen wichtigen Auftrag abgenommen. Das könnte sich in schlechten Zeiten ändern. Zu überdenken ist, warum wir auf unser christliches Zeugnis verzichten und sogar innerhalb der Gemeinde diesen sozialen Auftrag dem Staat überlassen haben.
- Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Ziel: Bereitschaft, zu teilen und etwas von Herzen zu geben. Großzügig, verschwenderisch, nicht kleinlich, uneigennützig. Geiz ist eben nicht geil!
Vgl. Apg 4, 32-37; 1Tim 6,17-19; Röm 15,26
- Wir wollen uns erinnern und dankbar sein für Gottes großzügige Gebefreudigkeit, die wir selbst in so vielen Bereichen erfahren (Gnade, Vergebung, Liebe, Versorgung, Ernährung, Wohlstand, etc.).
- Weil Gottes Freigebigkeit mich so unverdient beschenkt hat, wollen wir ebenso großzügig bereit sein, weiterzugeben, was Gott uns umsonst gab (vgl. Mt 10,8).
- Konkret sollen Anwendungen und Beispiele als Anregung zur praktischen Umsetzung genannt werden.
- Wer reichlich gibt, wird den Segen des Gebens erfahren. Geben ist glückseliger als Nehmen (Apg 10,35)
- In allem wollen wir Jesus sehen, der sich großzügig für uns hingab.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
- Sei ein großzügiger Geber
- Sei ein fröhlicher Geber
- Sei ein dankbarer Geber
1) Sei großzügig im Geben – wer reichlich sät wird auch reichlich ernten
2) Sei fröhlich im Geben – wer bereitwillig gibt, gibt im Segen
3) Sei dankbar im Geben – wer dankbar nimmt, kann auch gern geben
4) Sei ein Zeugnis im Geben – wer reichlich gibt, vermehrt das Lob Gottes
5) Sei herzlich im Geben – wer aus Zuneigung gibt, stärkt die Gemeinschaft
Nach Warren W. Wiersbe:
1. Das Geben wird Segen bringen
2. Das Geben wird Bedürfnisse stillen
3. Das Geben wird Gott Ehre machen
Heiko Krimmer:
- Reichgemacht von Gott
- Reichgemacht für die Brüder
- Reichgemacht zum Gotteslob
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Gleichnis: Sie sind ein großzügiger Mann!
Charles Trumbull sagt in seinem Buch „Taking Men Alive“, dass wir an jedem Menschen wenigstens etwas finden, wofür wir ihm ein aufrichtiges Kompliment machen können. Er belegt dies mit einem Erlebnis, das er auf einer Reise im Zug hatte.
Ein Betrunkener, schmutzige Reden führend, stolperte in sein Abteil. Er ließ sich auf den Platz neben Mr. Trumbull fallen und bot ihm einen Schluck aus seiner Flasche an. Mr. Trumbull ekelte vor dem schlechten Atem dieses Mannes. Aber statt ihn wegen seines Zustandes zu beschimpfen, antwortete er: „Nein, danke, aber Sie sind ein großzügiger Mann.“ Die Augen des Mannes leuchteten auf, trotz seiner betrunkenen Stumpfheit und die beiden begannen miteinander zu reden. An diesem Tag hörte der Betrunkene von dem einen, der das Wasser des Lebens hat und der versprochen hat, dass jeder, der davon trinkt, nie mehr Durst haben wird. Er war tief ergriffen, und später fasste er Vertrauen zu Jesus Christus und fand den Weg zu ihm.
Quelle: Mach ein Fenster dran, Heinz Schäfer, Beispiel 950
Zitate:
„Wir tun zu wenig, wenn wir nur beten oder gar verbindliche Zusagen im Glauben machen bzw. Gelübde ablegen. Wir müssen den Herrn auch so lieben, dass großzügiges Geben zu seinem normalen und freudigen Bestandteil unseres Lebens wird.“ (Warren Wiersbe)
„Wenn jemand großzügig und zuvorkommend zu einem Menschen ist, gibt er ihm nicht unbedingt, was er verdient, aber was er braucht.“ (Gordon MacDonald)
„Wer großzügig gibt, zeigt damit, dass Christus sein Herr ist. Darauf liegt ein Segen, der Freude hervorbringt.“ (Randy Alcorn)
(Klaus Eberwein)