Predigtthema: Sich an Jesus ausrichten
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
In den Monaten April, Mai, September und Oktober 2026, wollen wir uns unter dem Titel „Glaube, der trägt“ mit Abschnitten aus dem ersten Petrusbrief beschäftigen.
Der Verfasser des ersten Petrusbriefes ist Jünger und einer der engsten Freunde von Jesus selbst gewesen (1Petr 1,1), der den Brief an Christen „in der Zerstreuung“ schrieb (an Gemeinden mehrerer zusammenhängender Provinzen in Kleinasien), um ihnen in ihrem Leid Ermutigung zu sein. Ihr Leid hing damit zusammen, dass sie wegen ihrem Glauben an Jesus verfolgt wurden. Petrus wollte ihnen Hoffnung machen, indem er sie an ihr zukünftiges Erbe erinnerte (1,4-5), und sie darauf hinwies, dass kein Leid sinnlos ist (1,6-7) und auch Jesus leiden musste (2,21). Petrus spricht in seinem Brief die richtige Einstellung und das Verhalten von Christen an, die unter Verfolgung leiden. Die richtige Haltung wächst aus dem Verständnis über das Leiden von Jesus und aus einer zunehmenden Wertschätzung gegenüber der Größe der von Jesus erwirkten Rettung, ein zunehmendes Staunen über das Evangelium. „Bleibt Jesus treu“, war seine Botschaft an die Geschwister.
Vermutlich schrieb Petrus den Brief von Rom aus, wofür er den symbolischen Namen „Babylon“ gebrauchte (5,13). Zeitlich ordnen wir den Brief um das Jahr 65 n.Chr. zu. Wenn Petrus von einer Verfolgung spricht, könnte damit die Christenverfolgung unter Nero gemeint sein, die im Jahr 64 n.Chr. begann. Petrus selbst starb vermutlich um das Jahr 67 n.Chr. unter Kaiser Nero den Märtyrertod.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
- YouTube: BibelProjekt – Buchvideo: 1.Petrus.
- Henry, Matthew. Kommentar Apostelgeschichte – Offenbarung. 3L Verlag
- Holmer, Uwe. Wuppertaler Studienbibel: Die Briefe des Petrus. R.Brockhaus
- Krimmer, Heiko. Edition C: Erster Petrusbrief. Hänssler
- MacDonald, William. Kommentar zum Neuen Testament. CLV (kostenlos Online PDF)
- Peters, Benedikt. Kommentar zu 1.Petrus. CLV (kostenlos Online PDF)
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
Im ersten Kapitel werden die in Jesus Erwählten als solche angesehen, die in „der Zerstreuung“ leben; nun im zweiten Kapitel spricht Petrus vom großen Versammlungspunkt, der sie bei allem „auseinandergerissen“ sein vereint: das Haus Gottes. Als Gottes „Heilige“ sind wir dort, wo Gott ist: in seinem Haus. Vollkommen erfüllt und vollendet wird es sein, wenn wir bei ihm sind (Joh 14,3). Die ersten zehn Verse, die wir uns im zweiten Kapitel anschauen, sprechen von uns Christen als „Priester“, es geht um unsere Beziehung zu Gott und die Gemeinschaft mit ihm.
V.1: Petrus entfaltet die Identität der Gemeinde, was sie von Gott her ist, nachdem er von der Liebe unter ihnen sprach (1,22 ff). Diese Identität hängt mit aktivem „ablegen“ zusammen. Das ist in der Befehlsform verfasst: „So legt nun ab …“. Dahinter steckt das Bild vom Ausziehen der alten Kleider (vgl. Röm 13,12; Eph 4,22f; Kol 2,11). Jesus hat uns neue Klamotten der Gerechtigkeit angezogen, die alten gehören ausgezogen. Zum neuen Leben mit Jesus gehört das kontinuierliche „Nein“ zu Sünde und zum alten Leben. Christen leben zwar nicht mehr unter der Herrschaft der Sünde, aber noch in ihrer Gegenwart, und somit sind wir zwar gerettete, aber kämpfende Christen. Das Evangelium von Jesus ist hier die Voraussetzung, der Motor und die Kraft dazu.
Was genau sollten sie (und damit auch wir) ablegen? Was gehörte zu ihrem alten Leben, zu ihrer persönlichen „v.Chr. – Zeit“?
1) „Bosheit“ – beinhaltet u.a. schon den Gedanken daran, jemand anderen schaden zu wollen. Es ist ein allgemeines Wort für Sünde, die mit Verdorbenheit in Verbindung steht.
2) „Betrug“ – der Begriff hier wird auch für „Köder“ oder „Angelhaken“ gebraucht (Angelhaken? Gibt es etwa einen Zusammenhang zwischen dem Autor und der Fischerei?). Es geht um Unehrlichkeit. Ehrlichkeit wird im Neuen Testament oft damit verglichen, etwas ans Tageslicht zu bringen, z.B. wenn eine Ware auf dem Markt nicht neuwertig, sondern beschädigt war, ließen sich manche Kunden den Gegenstand im Sonnenlicht zeigen, um ihn genau zu überprüfen. „Betrug“ hat also wenig mit Licht, aber viel mit Dunkelheit und Unehrlichkeit zu tun.
3) „Heuchelei“ – bezeichnet ursprünglich einen Schauspieler mit Maske, einfach Fake. Es bezieht sich auf geistliche Falschheit (vgl. Hes 33,31-32; Mt 15,7-9; 23,23-24; Lk 18,11). Es geht um Verhalten das unecht ist, und nicht mit dem übereinstimmt, was der Mensch sagt was er glaubt. Worte und Verhalten passen nicht zueinander. Außen und innen passen nicht zusammen.
4) „Neid“ – bestimmt uns, wenn wir anderen etwas Gutes nicht gönnen (vgl. Mt 27,18; Röm 1,29; Phil 1,15; Tit 3,3). Es entspringt einer „Ich-Sucht“, die in unserer „Ich-zentrierten-Welt“ nicht selten vorkommt, und es vergiftet unsere gelebte Nächstenliebe. Neid führt oft zu Hass, Bitterkeit und Streit.
5) „Verleumdungen“ – wenn wir Gerüchte hinter dem Rücken eines Menschen streuen. Wenn wir über jemanden etwas sagen, was wir ihm oder ihr nicht ins Gesicht sagen würden. Im Kern geht es hier um Rufmord. Während Neid die Nächstenliebe auch unter Christen vergiftet, wird die Gemeinschaft der Christen durch Verleumdungen vergiftet.
Um „abzulegen“, müssen wir studieren, was Gott uns in der Bibel vor Augen führt, was genau er nicht akzeptieren kann und was abgelegt gehört. Timothy Keller schrieb mal: „Heute neigen die Menschen dazu, die Bibel zu untersuchen, um Dinge zu finden, die sie nicht akzeptieren können. Aber wir Christen sollten es umgekehrt machen: Wir sollten der Bibel erlauben, uns zu prüfen, um herauszufinden, was Gott nicht akzeptieren kann.”
Nicht zu übersehen ist das Wort „also“ zu Beginn des Verses. Es schließt an dem an, was wir im ersten Kapitel von Petrus lesen. Dort lesen wir in V.23 davon, dass Christen „von neuem geboren“ wurden (Bezug zum „Neugeborenen“ in 2,2). Das ist wichtig, weil der Befehl aus 2,1, „legt ab“, auf Gottes Werk zuvor beruht. In 2,1 sind wir die Aktiven, aber das sind wir nur deshalb, weil wir in 1,23 die Passiven sind. Evangelium vor Gehorsam, nie andersrum.
V.2-3: Gesund und wachsen werden Christen durch das, was in sie hineinkommt, was nur Gott geben kann. Unser Glaubensleben wird durch das gestärkt und ernährt, was Gott uns „zu essen“ gibt. „Seid begierig“, „verlangt nach“, das wird von Petrus in der Befehlsform formuliert. Es geht bei diesem Begriff um ein leidenschaftliches und kontinuierliches Verlangen und Sehnen, genauso wie Babys nach Nahrung schreien. Es geht um den Hunger nach Gottes Wort, seine Offenbarung, es geht um das Verlangen nach dem reinen Evangelium. Interessant: Petrus schreibt nicht, dass die Christen mehr Bibel lesen sollen. Ja, sie sollen im Wort Gottes zuhause sein und „Bibelmenschen“ sein, aber ohne Verlangen werden sie sie nicht lesen. Wenn man schon „pseudo-satt“ ist, hat man keinen Hunger mehr nach der unverfälschten Milch, nach dem Wort Gottes (dem nichts hinzugefügt noch weggenommen werden soll).
Petrus geht auf die persönliche Erfahrung der Christen ein, wenn er in V.3 davon spricht, dass sie ja bereits „geschmeckt haben, wie freundlich der Herr ist“ (Ps 34,9). Dieses Wort Gottes wurde ihnen bereits verkündigt, das Evangelium kam schon bei ihnen an und sie haben es aufgenommen und geglaubt. Das „Festessen“ des Evangeliums haben sie bereits gekostet, deshalb wissen sie, dass keine Nahrung dieser Welt da heranreichen kann (auch nicht das „Fast-Food“ aus V.1, welches sie ablegen sollen).
Um im Bild des Babys zu bleiben: ein Baby, dass die Muttermilch geschmeckt hat, wird nicht damit aufhören danach zu fordern, bis es endlich satt ist. Nochmal: es ist die persönliche Erfahrung! Nicht eine Erfahrung die ein anderer für mich gemacht hat. War ich persönlich schon bei Jesus und habe ihm mein Leben anvertraut? Bin ich umgekehrt? Bin ich bereits ein neuer Mensch durch die Gnade Gottes?
V.4: Unser Glaube hängt zentral an Jesus. Er ist Mittel- und Fixpunkt. Jesus sammelt und baut seine Gemeinde. Dabei ist er Fundament und ausrichtender Eckstein. Dieser Stein charakterisiert Jesus (vgl. Ps 118,22; Jes 8,14; Dan 2,34; Mt 21,42; Apg 4,11). Jesus ist der „lebendige Stein“ im Sinne von: er lebt (der Auferstandene, wir kommen ja frisch von Ostern) und er macht lebendig! Er macht aus toten Steinen lebendige Steine, indem er tote, steinerne Herzen entfernt und lebendige, fleischerne Herzen schenkt (Hes 36,26). Wenn jemand zu Jesus gehört, dann teilt er dessen Leben (vgl. Joh 17,21.23; 2Kor 3,18; 1Joh 3,2).
Jesus wurde in Jerusalem „verworfen“. Israel, seine Anführer und die Heiden haben Jesus eingeschätzt, beurteilt und als wertlos für sie weggetan. Doch Petrus schließt hier alle mit ein, die Jesus als Retter verwerfen und ablehnen.
V.5: Wer auf diesen lebendigen Stein baut, der wird von ihm selbst in das geistliche Haus eingebaut. Die Gemeinde von Jesus ist ein Bau, und Jesus selbst ist Fundament und Baumeister dieses Gebäudes. Alles, was wir sind, beruht auf dem, wer und wie Jesus ist. Durch seinen Heiligen Geist fügt er uns in seinen Bau mit ein. Dahinter steckt das Bild des Tempels: die erwählte Gemeinde ist der neue Tempel, das geistliche Haus Gottes, in dem er wohnt (vgl. 1Kor 3,16f; 2Kor 6,16; Eph 2,20 ff; 1Tim 3,15). Gott wählt die Steine, behaut sie passend und baut damit ein geistliches Haus.
Im Tempel taten die Priester ihren Dienst, doch im geistlichen Haus von dem Petrus hier spricht, sind die Christen der Gemeinde die „heilige Priesterschaft“. Wer zu diesem Haus gehört ist nicht einfach nur „dabei“ und einfacher Gottesdienstbesucher.
Dabei opfert diese Priesterschaft keine Tiere o.ä. (Jesus war das endgültige, für die Rettung nötige Opfer, um Sühnung zu bewirken), sondern es geht um die ganz persönliche Hingabe an Gott (vgl. Röm 12,1) als Antwort auf das Opfer von Jesus. Es geht dabei nicht darum, sich durch persönlichen Glaubensgehorsam die Kindschaft Gottes zu verdienen, sondern auf die neue Familienzugehörigkeit zu antworten. Christsein ist keine Aktion mit Hoffnung auf Gottes Reaktion, es ist hingegebene Reaktion auf Gottes hoffnungsvoller Aktion.
V.6: Das Zitat, welches Petrus hier aufführt, stammt aus Jesaja 28,16. Er zitiert es, weil es hinter seiner Aussage aus V.4 steht. Petrus legt das AT aus, indem er es auf die Botschaft des NT hin auslegt und anwendet. Jesus wird hier als „kostbarer Eckstein“ beschrieben. Der Begriff „kostbar“ bedeutet im Griechischen „unübertroffen wertvoll“, „teuer“ oder „unersetzlich“. Der „Eckstein“ ist der Fundamentstein, an dem sich alle Winkel eines Gebäudes ausrichten. Er bestimmt die die exakte Symmetrie des ganzen Gebäudes. Um die vollkommende Präzision des geistlichen Hauses Gottes sicherzustellen, musste der Eckstein fehlerlos sein. Der Einzige, der alle Winkel des Hauses Gottes festlegen konnte, war der lebendige, vollkommene Eckstein, Jesus selbst.
V.7-8: An diesem Eckstein, an Jesus, steht und fällt alles. Er liegt als Fels auf dem Weg der Menschen. Die einen werden über ihn stolpern, sich an ihm ärgern und wegwerfen, während andere ihr Leben auf diesen Felsen bauen. Aber an Jesus kommt keiner vorbei.
V.9: Petrus führt der Gemeinde ihre Identität in Christus vor Augen. Was für ein überragender Vers und Zuspruch! Die Gemeinde ist:
1) „ein auserwähltes Geschlecht“ – „auserwählt“, so wie Gott Israel zu einem bestimmten Zweck innerhalb seines Heilsplans auserwählt hatte (vgl. Jes 43,21), beruhend auf der Souveränität Gottes. „Geschlecht“ meint im Griechischen die Abstammung eines Volkes, den Ursprung.
2) „ein königliches Priestertum“ – (vgl. 2Mo 19,6) ihr Leben ist nach „oben“ ausgerichtet auf den König, sie sind Bürger des Königreichs von Jesus. Diese Priester dienen dem König, indem sie Zugang zu seiner Gegenwart haben und geistliche Opfer bringen.
3) „eine heilige Nation“ – Menschen mit derselben Kultur und Lebensweise, weil sie denselben, eiligen Vater haben. Sie leben in der Heiligung und richten ihr ganzes Leben (Denken, Reden, Wollen und Handeln) an Jesus aus. Sie sind geheiligt, „abgesondert“ zur Gemeinschaft mit Gott, welches eng mit unserem Glaubenswachstum und unserer Heiligung zusammenhängt.
4) „ein Volk des Eigentums“ – „Eigentum“ bedeutet hier „kaufen“ oder „für einen Preis erwerben“ (vgl. Eph 1,14). Christen gehören Christus, weil er sie mit dem höchsten Preis erkauft hat, und eines Tages werden wir ganz vereint sein mit ihm. Doch Eigentum Gottes sind wir bereits jetzt. Wir wurden freigekauft und von Gott „erworben“ (ein Kapitel vorher erst in 1Petr 1,18-19).
„damit“ bedeutet, dass unsere eben beschriebene Identität ein Ziel verfolgt: wir sollen den verkündigen, der uns „berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht“. Es gibt kein größeres Privileg, als ein Bote des Evangeliums zu sein. Das sind alle Christen laut ihrer Berufung! „Verkündigen“ hier bedeutet „öffentlich machen“, „publik machen“. Das Evangelium bekannt machen, nicht verstecken.
Jesus, das Licht der Welt, hat uns in sein Licht gezogen und aus der Dunkelheit der Sünde und des Todes befreit. Wenn Jesus rettet, dann nie nur einseitig aus dem alten Leben heraus ohne ein neues Leben zu schenken, sondern immer auch ins neue Leben hinein. Er zieht uns nicht nur aus dem dunklen Zimmer raus und lässt uns im Flur stehen: er stellt uns in ein neues Zimmer hinein welches von seinem Licht durchflutet ist.
V.10: Hier sind Anklänge an Hosea (vgl. 1,6.9; 2,3.25), wenn die alte Natur als „Nicht-Volk“ Gottes beschrieben wird. „nun aber“ wiederholt Petrus gleich zweimal: da ist etwas passiert. Jesus ist passiert! Die Berufung ins Licht wird uns nur dann wunderbar und großartig erscheinen, wenn wir uns stetig vor Augen malen, wo wir vorher waren, aus welcher Dunkelheit uns Jesus gerettet hat. Wenn wir nur ein schwaches Bild unserer vergangenen Verlorenheit haben, haben wir auch nur ein schwaches Bild von unserer gegenwärtigen Errettung. Je dunkler die Sünde, desto heller das Licht. Von diesem Wunder leben und reden wir, zumindest ist das unser Auftrag. Das schreibt Petrus an verfolgte, leidende Geschwister, und er erinnert sie daran, dass sie auch im Leiden für Jesus das Leiden von Jesus mit ihrem Leben verkündigen.
2. Sagen, wo es hingeht
2.1 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Es geht um die beständige Ausrichtung an Jesus, dem Eckstein des Hauses Gottes (V.6), welches die Gemeinde ist. In unserem Abschnitt geht es um das Wachstum der Christen (2b), um das Verlangen nach dem Wort Gottes (V.2a) und dem kontinuierlichen Fokus auf Jesus (V.4). Dazu sollte auch der evangelistische Ruf an unsere Gottesdienstbesucher ausgehen, den lebendigen Stein, Jesus Christus, nicht zu verwerfen, sondern auf diesem Felsen das Leben zu bauen (V.6). Petrus formuliert klar und deutlich, dass es kein Vorbeikommen an diesem Stein gibt und man glauben oder verwerfen wird (V.7-8). Außerdem wird die herausragende Identität der Gemeinde zusammengefasst und als Grundlage für unsere lebendige Verkündigung formuliert (V.9). Im Hinterkopf dürfen wir nie vergessen, dass diese Worte von Petrus an Christen gingen, die um Jesu Willen Leid ertragen mussten. Was Petrus schreibt, ist für Christen in einer „fremden Welt“ ermutigend, herausfordernd, ausrichtend.
In den ersten drei Versen geht es um Wachstum und um das Verlangen nach der richtigen Nahrung, die Christen beim Wachstum hilft. Dabei ist das Erinnern an das erste Schmecken grundlegend (V.3), damit man den Geschmack am Fast-Food verliert (V.1) und sich stattdessen weiterhin mit gesundem Essen ernährt (V.2), dem Wort Gottes, dem Evangelium. Die Sehnsucht der Christen ist nach Gott und seinem Wort. Durch den Heiligen Geist, der in uns lebt, haben wir eine neue „Begierde“, und die ist aufs Evangelium und dem Gott dahinter ausgerichtet. Das Ziel ist, dass wir kräftig werden in der Gewissheit unserer Rettung und somit im Glauben. Dabei geht es am Ende nicht um die individuelle Größe unseres Glaubens, sondern um die Größe unseres Retters. Der stärkste Mensch kann sich an einen schwachen Retter klammern (sich selbst), und geht verloren. Der Schwächste kann nach einem starken Retter greifen (Jesus), und wird gerettet. Doch der Fokus auf diesen Retter stärkt den Glauben des Einzelnen, und mit ihm auch der Glaube anderer Christen, der ganzen Gemeinschaft.
Dieser Kampf um die richtige Nahrung und das Ablegen der ungesunden Nahrung und den alten Klamotten ist die Folge von der neuen Identität, in der Christen leben. Dieses neue Leben richtet sich beständig an Jesus selbst aus, was Petrus mit dem Bild des Hauses illustriert. Dabei ist Jesus der Eckstein, und er baut weitere lebendige Steine ins Haus ein.
Christen sind lebendige Steine im Haus Gottes (V.5). Sind wir am Sonntag nur Gäste im Gottesdienst? Sind wir nur Beobachter im Haus Gottes oder sind wir Teil von diesem Haus? Ersteres: Wir lehnen uns zurück und nehmen die Beobachterrolle ein, spielen den Kritiker und äußern auf der Heimfahrt im Auto fast nur Kritik an allem, was uns heute wieder nicht gepasst hat. Zweiteres: Wir wollen keine Beobachter, sondern Beter sein. Wir ringen um die Gesundheit der Gemeinde, wir tragen die Lasten unserer Geschwister mit, wir ermutigen. Im Mauerwerk tragen wir die Lasten derer die „über uns“ liegen, und unsere werden von denen getragen, die „unter uns“ liegen“. Wenn der Sturm kommt, ist dieses Gebäude miteinander verzahnt, in sich stabil und fest beieinander. Deshalb ist das „Ablegen“ aus V.1 so wichtig, da die dort aufgezählten „alten Klamotten“ dieses Mauerwerk kaputt machen.
Dieses lebendige Haus hat einen pulsierenden Auftrag: die Botschaft des Ecksteins, des lebendigen Steins Jesus Christus, in dieser Welt zu verkünden (v.9). Jesus öffentlich zu leben an dem Platz, an dem Jesus seine Gemeinde in jeweiligen Ort hingestellt hat, aber auch wo er jedes einzelne Glied dieser Gemeinde hingestellt hat (Familie, Arbeitsplatz, Vereine, Freundeskreise, Nachbarschaft usw.). Es muss hervorstechen, welches Privileg es als einzelne Christen und als Gemeinde ist, Botschafter der kostbarsten Nachricht und der herrlichsten Person des Universums zu sein!
2.2 Tipps zur Orientierung – das Evangelium für unsere Herzen
Wir wollen Predigten halten, die ins Herz gehen. Dabei können drei Fragen helfen:
a. Wie hilft der Text den Zuhörern, Jesus anzubeten?
Wo strahlt die Schönheit des Evangeliums aus dem Text hervor? Worüber können die Zuhörer vielleicht wieder oder ganz neu über Jesus staunen?
b. Wie hilft der Text denen, die leiden?
Wir leben in einer gefallenen Welt. Gehe immer davon aus, dass einige deiner Zuhörer im Moment mit Leid zu kämpfen haben. Wir wissen nicht, was die Menschen vor uns in den Tagen, Stunden, Minuten vor dem Gottesdienst durchgemacht haben. Auch die, die breit Lächeln, können mit Tränen zu kämpfen haben. Wie ermutigt sie dieser Text?
c. Wie hilft der Text denen, die mit Selbstgerechtigkeit und Schuld zu kämpfen haben?
In einer gefallenen Welt leiden Menschen nicht nur, sie haben auch gefallene Herzen. Wir tun vieles, um uns selbst gut dastehen zu lassen, haben mit Selbstgerechtigkeit und mit verborgener Schuld zu kämpfen. Wie hilft dieser Text unseren Zuhörern, mit ihrer Schuld zu Jesus zu kommen und den Gottesdienst wieder ermutigt zu verlassen? Sodass sie Jesus vertrauen und ihm mit Freude dienen.
Wir wollen Predigten halten, die das Evangelium von Jesus zum Strahlen bringen und in die Herzen der Zuhörenden fällt. Dazu David King: „In einer evangeliumszentrierten Predigt ist das Evangelium wie die Sonne, die jeden Aspekt der Predigt in seine Umlaufbahn zieht und ihn mit Licht und Wärme erstrahlen lässt.“
Der Theologe und Autor Dane Ortlund, hat 39 Predigtregeln veröffentlicht, nach denen er jede Predigt versucht zu gestalten. Die ganze Liste findest du hier: theoblog.de/dane-orlund-39-predigtregeln. Ich habe von diesen Predigtregeln zehn ausgewählt und hier aufgelistet, die ich dir ganz besonders ans Herz legen möchte:
- Predige zuerst dir selbst.
- Ein durchgängiger Ton der Ermutigung.
- Deine Zuhörer sind verzweifelter, als sie zeigen.
- Sei konkret, nicht abstrakt.
- Streiche alles überflüssige gnadenlos.
- Zeige regelmäßig etwas von deiner eigenen Schwäche.
- Es sind sowohl eifrige als auch stagnierende Christen anwesend.
- Höre mit der Predigt auf, solange du noch Zuhörer hast.
- Predige, als säße dein Sohn in der letzten Reihe und gäbe der Gemeinde noch eine Chance.
- Gib ihnen einen Vorgeschmack darauf, wie Jesus selbst ist.
2.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
- Fundament (V.1 – 4)
- Bauwerk (V.5 – 8)
- Zweck (V.9 – 10)
2.4 Predigtveranschaulichung
Zu V.1 und dem „Ablegen“ und Kampf gegen die Sünde, ein Zitat von John Bunyan: „Entweder wird die Sünde dich von der Bibel abhalten, oder dieses Buch wird dich von der Sünde abhalten.“
Zu V.2 und der „unverfälschten Milch“, dem Wort Gottes, ein Zitat von Joel Beeke: „Lies und studiere die Bibel, um weise zu werden; glaube ihr, um sicher zu werden; wende sie an, um heilig zu werden! Halte sie fest, bis sie dich festhält.“
Zu V.1-3 und dem Wachstum als Christen: Welche Anzeichen deuten darauf hin, dass wir erwachsen werden? 1) Wir gehen um 5 Uhr morgens nicht ins Bett, sondern stehen auf. 2) Wir hören unsere Lieblingssong im Aufzug laufen. 3) Wir schauen uns am Ende der Tagesschau noch die Wetteraussichten für die Woche an (allein schon die Tatsache, dass wir die Tagesschau schauen). -> Wachsen und Erwachsenwerden ist Teil des Lebens, auch des christlichen Lebens. Welche Anzeichen gibt es in unserem Christsein die darauf hindeuten, dass wir im Glauben wachsen?
Zu V.6 unddem Eckstein, Jesus als der Bezugspunkt fürs ganze Gebäude: In einem Artikel wurde von einem Künstler berichtet, der bekannt für seine Landschafts-Ölgemälden war. Es wird berichtet, dass er neben seiner Staffelei drei kleine Steine liegen hatte: einen Smaragd, einen Saphir und einen Rubin. Sie lagen dort, um ihn immer wieder daran zu erinnern, wie reines Grün, reines Blau und reines Rot aussahen. Er sagte, wenn man eine Weile am Malen ist, lässt die Farbwahrnehmung nach, und dann muss man sich wieder an den Referenzfarben orientieren. -> Bezugspunkt Eckstein! Der Eckstein brachte Orientierung und Ausrichtung. Wie der Maler immer wieder die reinen Farben im Blick behalten musste, verlieren auch wir immer wieder die „Jesus-Wahrnehmung“ und müssen uns beständig an ihm und dem Evangelium orientieren und ausrichten.
(Simon Hamalega)