Predigtthema: Jesus macht unsere Gesinnung neu
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Der Epheserbrief: Von Paulus, dem „Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen“ (Eph.1,1).
An die Gemeinde in Ephesus („die Heiligen und an Christus Jesus Gläubigen“ Eph.1,1-2): eine Großstadtgemeinde, die in dieser antiken Metropole vielen Einflüssen und Denkströmungen ausgesetzt ist.
Apg. 18,23ff zeigt uns die guten Anfänge der Epheser im Christsein. Offb.2 zeigt uns Schwachstellen bzw. Entwicklungen in der Gemeinde. 1.Tim., 2.Tim. Epheserbrief und womöglich auch 1.Joh. – 3.Joh. zeigen, wie die Christen in Ephesus von Gott geistlich ermahnt wurden (Ermutigung und Korrektur).
Das Thema des Briefes ist die Gemeinde Gottes. Der Brief lässt sich nach Helge Stadelmann gut in zwei Tele gliedern. Kap.1-3 (Lehrhafter Teil) Nach Gottes Plan wird aus geretteten Juden und Heiden die Gemeinde gebildet. Kap.4-6 (Praktischer Teil) Das Leben der Gemeinde soll dem neuen Heilsstand entsprechen.
1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B. Stadelmann, Helge. Epheser. Edition C.
Beachtenswerte Anmerkungen zum Predigttext bietet z.B. die MacArthur Studienbibel.
1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes
(Die Bibelstellen sind aus der Elberfelder Bibel)
17 Dies nun sage und bezeuge ich im Herrn, dass ihr nicht mehr wandeln sollt, wie auch die Nationen wandeln, in Nichtigkeit ihres Sinnes ;18⟨sie sind⟩ verfinstert am Verstand, entfremdet dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verstockung ihres Herzens;
Kennzeichen eines gottlosen Lebens: verfinsterter Verstand, entfremdet vom Leben Gottes, Verstockung, Abstumpfung, Ausschweifung.
„Nicht mehr wandeln wie die Nationen“. Paulus sagt: Ihr gehört jetzt zu Christus – also passt euer Lebensstil nicht mehr zu einem Denken ohne Gott. „Wandeln“ = Lebensführung, Alltag, Entscheidungen.
„Nichtigkeit ihres Sinnes“. Ohne Gott kreist das Denken letzdenlich um Vergängliches. Es kann klug wirken, ist aber „leer“, weil es an Gott vorbeigeht.
„Verfinstert am Verstand … entfremdet dem Leben Gottes“. Verstand: Es geht um das Denken, das den ganzen Lebensstil bestimmt. Entfremdet: der Mensch war einmal für die Gemeinschaft mit Gott geschaffen. Sünde ist nicht nur Verhalten, sondern auch eine geistliche Blindheit. Man lebt an der Quelle des Lebens vorbei – getrennt von Gottes Leben.
Ursache: „Unwissenheit … Verstockung des Herzens“. 2 x “wegen”: Aus doppeltem Grund ist der Mensch getrennt vom göttlichen Leben: Unwissenheit (vgl. Apg.17,30) und Verstockung (vgl. Röm.1,19-23). Nicht nur „sie wissen es halt nicht“, sondern ein innerer Widerstand gegen Gott. Herzverhärtung führt zu geistlicher Unwissenheit.
Ab Vers 20 kommt dann der Kontrast: „Ihr aber habt Christus nicht so kennengelernt…“ – also: neues Denken, neuer Lebensstil. Wo merkst du in deinem Umfeld am deutlichsten dieses „Nichtigkeit des Sinnes“ – und wie fordert dich das heraus, anders zu leben?
19 sie, die abgestumpft sind, haben sich selbst der Ausschweifung hingegeben, zum Ausüben jeder Unreinheit mit Gier.
Paulus beschreibt hier den Zustand von Menschen ohne Gott, um dann zu sagen: „Ihr aber habt Christus nicht so kennengelernt“ (Eph.4,29).
„abgestumpft“: Gemeint ist ein versteinertes, unempfindliches Herz. Am Anfang meldet sich das Gewissen noch, später wird Sünde „normal“. Man spürt kaum noch, dass etwas nicht stimmt. Das ist das Gefährliche: nicht mehr erschrecken über das, was Gott traurig macht.
„hingegeben … zur Ausschweifung“: Sie „geben sich selbst hin“ – Gott muss sie gar stoßen, sie wählen es. Ausschweifung meint ein Leben ohne Grenzen, besonders im sexuellen und moralischen Bereich. Auch hier klingt Röm.1 an. Die Menschen haben keine Entschuldigung für ihr Tun (Röm.1,20). Die Menschen wollen diesen Weg. Hier in V.19 redet Paulus davon, dass sie “sich selbst” der Ausschweifung hingeben.
„jede Unreinheit mit Gier“: Nicht nur Unreinheit, sondern „mit Gier“ – immer mehr, nie satt. Sünde macht nie wirklich voll, sie macht nur hungriger. Der Kontrast kommt direkt danach: „Legt von euch ab den alten Menschen … und zieht den neuen Menschen an“ (Eph.4,22-24)
Gibt es Bereiche, wo du merkst, dass dein Herz schon etwas „abgestumpft“ ist – Dinge, über die du früher innerlich erschrocken wärst, die dir heute fast normal vorkommen?
20 Ihr aber habt den Christus nicht so kennengelernt. 21 Ihr habt ihn doch gehört und seid in ihm gelehrt worden, wie es Wahrheit in Jesus ist:
Manche übersetzen “kennenlernen”. Wörtlich ist “lernen”. Die Epheser wurden unterrichtet (V.21). Dabei wurde wohl gesagt und gelehrt, dass das neue Leben einen entsprechenden Lebensstil mit sich bringt, entsprechend der Heiligkeit Gottes.
Paulus macht hier einen starken Kontrast zu Vers 17–19 (dem Leben der Heiden). Die Christen in Ephesus sind anders. „Ihr aber…“ – ein anderes Leben. Er sagt: So ein Leben in Finsternis, Abstumpfung und Ausschweifung passt nicht zu jemandem, der Christus kennt. Christsein ist nicht nur „an Gott glauben“, sondern: Christus kennen.
„den Christus … kennengelernt“. Auffällig: nicht „über Christus“, sondern „den Christus“. Es geht um Beziehung, nicht nur um Information. Man kann viel Bibelwissen haben und Christus doch nicht wirklich „kennen“.
„wie es Wahrheit in Jesus ist“. Die Wahrheit ist nicht zuerst ein System, sondern eine Person. (Joh.14,6) „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben…“
Praktisch: Lässt du zu, dass Jesus dein Denken, Fühlen und Handeln korrigiert? Wo merkst du: Hier denke ich noch „wie die Welt“, nicht „wie es Wahrheit in Jesus ist“? Gibt es einen Bereich, in dem du Jesus ganz bewusst neu als „Lehrer der Wahrheit“ an dich heranlassen möchtest?
22 dass ihr, was den früheren Lebenswandel angeht, den alten Menschen abgelegt habt, der sich durch die betrügerischen Begierden zugrunde richtet, 23 dagegen erneuert werdet in dem Geist eurer Gesinnung 24 und den neuen Menschen angezogen habt, der nach Gott geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit.
„Alter Mensch“ – was ist das? Das ist dein Leben ohne Christus: geprägt von Begierden, Selbstzentriertheit, falschen Sicherheiten. Paulus sagt: Der „richtet sich zugrunde“ – Sünde zerstört immer, auch wenn sie sich gut anfühlt.
„Erneuert werden im Geist eurer Gesinnung“. Das ist ein Prozess: Der Heilige Geist verändert dein Denken, deine Sicht auf Gott, dich selbst, andere. Das geschieht durch Gottes Wort, Gebet, Gemeinschaft.
„Neuen Menschen angezogen“. In Christus hast du eine neue Identität: „nach Gott geschaffen“ – also passend zu Gott, in „Gerechtigkeit und Heiligkeit“. Das ist nicht nur innerlich, sondern zeigt sich im Verhalten (siehe direkt danach (Eph.4,25-32))
Wie wird das erlebt? Du merkst eine alte Reaktion (z.B. Lüge, Bitterkeit, Unreinheit) – das ist „alter Mensch“. Du entscheidest im Glauben: „Das bin ich in Christus nicht mehr“ und handelst anders – als „neuer Mensch“.
Paulus betont das mit dem “ihr habt” ausgezogen bzw. angezogen. Der alte Mensch ist für einen Christen letztlich Vergangenheit (vgl. Röm.6,6). Mit der Wiedergeburt wurde der neue Mensch angezogen (vgl. Röm.6,4). Das Erneuert-werden oder Umgestaltet-werden dagegen wird im Leben eines Christen ständig passieren (vgl. Röm.12,2).
Das bedeutet: Derselbe Mensch, der ständig erneuert wird, ist sogleich schon ein neuer Mensch (Sein neuer Status nach Joh.1,12 ist: Kind Gottes). Bei einem wiedergeborenen Menschen ist die Neuschöpfung angebrochen (vgl. 2.Kor.5,17), er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen (Joh.5,24). Dieser neue Mensch muss trotzdem ständig erneuert werden. Das Neue ist angebrochen, aber noch nicht vollendet. Das “Schon -jetzt” und “Noch-nicht” bestimmt die Existenz eines Christen. “Werde, was du bist” – so lässt sich die Erneuerung eines neue Menschen in Christus beschreiben. V.25ff zeigt, wie dieses neue, gottgemäße Leben konkret aussieht.
25 Deshalb legt die Lüge ab und redet Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten! Denn wir sind untereinander Glieder.
Paulus wendet hier das „alte Mensch ablegen, neuen Mensch anziehen“ (Eph.4,22-24) ganz konkret an. Ein paar Punkte:
„Deshalb legt die Lüge ab“. Lüge ist Teil des alten Lebens ohne Gott. Satan ist der Vater der Lüge – mit ihm haben wir nichts zu tun. „Ablegen“ ist wie Kleidung ausziehen – bewusst, entschieden. Nicht nur: „Ich sollte weniger lügen“, sondern: „Das gehört nicht mehr zu mir.“
„Redet Wahrheit“ – nicht nur „nicht lügen“. Christliches Reden ist aktiv wahrhaftig: ehrlich, klar, ohne Manipulation. Dazu gehört auch, keine halben Wahrheiten zu erzählen oder Dinge bewusst zu verschweigen, um ein falsches Bild zu erzeugen. Verlässliche, klare Worte reden.
„Denn wir sind untereinander Glieder“. Begründung: Wir gehören zu einem Leib (Eph.4,4). Wenn ein Körperteil den anderen „anlügt“, schadet er sich selbst. Unehrlichkeit zerstört Vertrauen in der Gemeinde (wie auch in der Ehe, in Freundschaften). Ganz praktisch kann das heißen: Fehler zugeben, statt sie zu vertuschen; in Liebe die Wahrheit sagen (Eph.4,15) nicht hart, aber klar; keine frommen Fassaden aufbauen, sondern authentisch werden.
26 Zürnet, und sündigt ⟨dabei⟩ nicht! Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn, 27 und gebt dem Teufel keinen Raum!
Paulus sagt hier nicht: „Ein Christ darf nie zornig sein“, sondern zeigt, wie mit Zorn umzugehen ist.
„Zürnet, und sündigt dabei nicht!“ Es gibt so etwas wie „gerechten Zorn“ – z.B. über Unrecht, Lüge, Missbrauch. Gott selbst wird zornig über Sünde. Aber: Zorn ist gefährlich. Er wird schnell egoistisch, verletzend, bitter. Sünde beginnt, wenn: ich den anderen entwerte, ich verletzende Worte oder Taten zulasse, ich meinen Zorn pflege statt ihn vor Gott zu bringen.
„Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn“: Zorn darf nicht „übernachten“. Wenn ich ihn mit in den nächsten Tag nehme, wird er zu Bitterkeit. Paulus ruft zu schneller Klärung auf: reden, vergeben, Dinge vor Gott abladen.
„Gebt dem Teufel keinen Raum!“ Ungeklärter, genährter Zorn ist ein Einfallstor. Der Feind nutzt ihn, um Beziehungen zu zerstören, Misstrauen zu säen, Gemeinden zu spalten.
Praktisch: Sprich Konflikte möglichst zeitnah an. Bring deinen Zorn im Gebet vor Gott, bevor du handelst. Bitte um die Bereitschaft zu vergeben, auch wenn du dich noch verletzt fühlst. Gibt es einen Zorn in dir, der schon „über Nacht“ gegangen ist und wo Gott dich heute zu einem Schritt der Klärung oder Vergebung ruft? Keine Brutstätte für den Teufel sein. Konflikte nicht gären lassen. Alte Verletzungen nicht mit ins Grab nehmen.
28 Wer stiehlt, stehle nicht mehr, sondern mühe sich vielmehr und wirke mit seinen Händen das Gute, damit er dem Bedürftigen ⟨etwas⟩ mitzugeben hat!
Paulus zeigt hier schön, wie radikal das Evangelium ein Leben verändert:
Nicht nur aufhören – umkehren. Es heißt nicht nur: „Stiehl nicht mehr“, sondern: „mühe dich vielmehr“. Der Dieb wird nicht einfach „neutral“, sondern ein Diener. Das ist typisch für Gottes Veränderung: aus Egoismus wird Hingabe.
„Wirke mit seinen Händen das Gute“. Arbeit ist hier nicht nur Broterwerb, sondern ein geistlicher Dienst. Ehrliche, fleißige Arbeit ehrt Gott. Kol.3,23: „Was ihr auch tut, das tut von Herzen, als für den Herrn und nicht für Menschen.“ Ziel: „damit er dem Bedürftigen mitzugeben hat“. Das ist stark: Der, der früher nahm, wird einer, der gibt. Gott will uns so verändern, dass wir nicht nur genug für uns haben, sondern anderen helfen können – materiell, zeitlich, praktisch. Auf heute übertragen: „Stehlen“ kann auch sein: Arbeitszeit verschwenden, schwarz arbeiten, geistiges Eigentum klauen, andere ausnutzen. Umkehr heißt dann: ehrlich werden, fleißig dienen, großzügig teilen. Wo könnte Gott dich herausfordern, deine Arbeit bewusster „für ihn“ zu tun – und einen Teil davon gezielt für Bedürftige einzusetzen?
29 Kein faules Wort komme aus eurem Mund, sondern nur eins, das gut ist zur notwendigen Erbauung, damit es den Hörenden Gnade gibt!
Paulus geht hier sehr tief an unseren Alltag ran – an das, was wir ständig tun: reden.
Ein paar Beobachtungen:
„Kein faules Wort“. „Faul“ meint: verdorben, nutzlos, verletzend, herunterziehend. Das kann sein: Lästern, zynische Sprüche, sarkastische Sticheleien, schmutzige Witze, dauerndes Nörgeln.
„sondern nur eins, das gut ist zur notwendigen Erbauung“. Reden soll „bauen“, nicht „abreißen“.
„Notwendig“ heißt: passend zur Situation, nicht künstlich fromm. Manchmal ist ein ermutigendes Wort nötig, manchmal eine liebevolle Korrektur, manchmal einfach stilles Zuhören.
„damit es den Hörenden Gnade gibt“. Starke Formulierung: Unsere Worte sollen wie ein Kanal von Gottes Gnade sein. Menschen sollen nach einem Gespräch mit dir mehr Hoffnung, mehr Mut, mehr Klarheit haben – nicht weniger. Praktisch kannst du dich fragen: Tun meine Worte dem anderen gut – oder eher meinem Ego? Wird der andere durch mein Reden näher zu Jesus gezogen oder eher weg?
30 Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung hin!
Paulus zeigt hier, warum unser Verhalten so ernst zu beobachten und zu prüfen ist: Der Heilige Geist ist eine Person, nicht eine Kraft. Man kann nur eine Person „betrüben“. Das heißt: Der Geist ist empfindsam, er reagiert auf unser Leben. Er wohnt in uns – und wenn wir bewusst in Sünde leben, „verletzen“ wir sozusagen seine Gemeinschaft mit uns. Der Zusammenhang zeigt, was ihn betrübt (Eph.4,25-32): Lüge, Zorn, Diebstahl, faule Worte, Bitterkeit, Wut, Lästerung, Unversöhnlichkeit. Also vor allem zerstörte Beziehungen.
„Versiegelt … auf den Tag der Erlösung“. Das Siegel bedeutet: Du gehörst Gott, du bist markiert als sein Eigentum, und er bringt dich sicher ans Ziel (vgl. Eph.1,13-14). Das ist wichtig: Paulus droht nicht mit Verlust des Heils, sondern sagt: Gerade weil der Geist dich versiegelt hat, lebe so, dass er sich in dir wohlfühlt.
Für die Praxis ist das ein guter Prüfstein: Wo merke ich, dass mein Gewissen unruhig ist? Wo halte ich an Bitterkeit, Unversöhnlichkeit oder versteckter Sünde fest?
31 Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan, samt aller Bosheit! 32 Seid aber zueinander gütig, mitleidig, und vergebt einander, so wie auch Gott in Christus euch vergeben hat!
Das ist die konkrete Ausführung von „Betrübt nicht den Heiligen Geist“ (Vers 30) und die Vorbereitung für „Seid nun Nachahmer Gottes“ (Eph.5,1).
Was weg muss: Paulus nennt eine ganze Reihe: Bitterkeit: festgehaltene Verletzung. Wut/Zorn: inneres Kochen und Ausbrüche. Geschrei/Lästerung: verletzende Worte, schlecht reden. Bosheit: die innere Haltung dahinter. Das alles zerstört Gemeinschaft – und betrübt den Geist.
Was stattdessen wachsen soll: Güte: dem anderen Gutes wollen. Mitleid: das Herz wird weich für den anderen. Vergebung: ich lasse die Schuld los, weil ich sie nicht mehr eintreiben will.
Der Maßstab: „so wie auch Gott in Christus euch vergeben hat“. Wie Jesus mir, so ich dir. Gott hat dir nicht halb vergeben, sondern vollständig – auf Kosten des Kreuzes. Diese erfahrene Vergebung ist die Quelle, aus der unsere Vergebung fließt.
Praktisch: Gibt es eine Person, bei der Bitterkeit in dir sitzt – und wo Gott dich einlädt, den ersten Schritt zu Güte, Mitleid oder Vergebung zu gehen?
1 Seid nun Nachahmer Gottes als geliebte Kinder!
Unser Maßstab ist nicht: „Ich bin besser als viele andere Christen.“ Sondern: Gott selbst (1.Petr.1-15-16). Das ist unmöglich aus eigener Kraft – aber genau hier kommt der Heilige Geist ins Spiel (Gal.5,16). Paulus sagt nicht: „Strengt euch an, damit Gott euch liebt“, sondern: Ihr seid bereits geliebte Kinder. Kinder ahmen ihre Eltern nach, weil sie zu ihnen gehören. Unsere Nachahmung ist Frucht der Beziehung, nicht Eintrittskarte.
2 Und wandelt in Liebe, wie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat als Opfergabe und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch!
Nicht: „so lieb, wie du es halt schaffst“, sondern: wie Christus. Die Liebe, die wir nachahmen sollen, ist gekreuzigte Liebe. Nicht nur Gefühle, sondern ein „Ich gebe mich hin“: Zeit, Bequemlichkeit, Recht-haben-Wollen, Ansehen. Im Alltag: dem anderen dienen, auch wenn es mich etwas kostet. Das Bild kommt aus dem Alten Testament (z.B. 3.Mose 1,9). Gott „riecht“ sozusagen Wohlgefallen, wenn ein Opfer aus Gehorsam und Liebe gebracht wird. Jesu Opfer war vollkommen angenehm für den Vater – und wenn wir in dieser Liebe leben, freut sich Gott über unser Leben.
2. Verstehen, worum es geht
2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)
2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)
Wir predigen den Text Ende Januar 2025. Im Monat Januar orientieren wir uns thematisch an der Jahreslosung: „Siehe, ich mache alles neu“ (Offb.21,5) Es wurden evtl. schon 3 Texte gepredigt: Offb.21,1-8; Jes.43,14-25; 2.Kor.5,14-21. Unser Text ist der letzte Text in dieser kleinen Reihe. Was wurde schon gesagt? Auf was kann aufgebaut werden? Natürlich gilt auch: „Der Verstand liebt die Abwechslung, die Seele die Wiederholung“. Aber vielleicht kann ja jetzt durch unseren Text ein Gedanke auch weiterentwickelt werden.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)
Unser Text nimmt uns mit hinein in die Spannung des „Schon-jetzt und noch-nicht“. Schon jetzt sind wir Kinder Gottes, neue Menschen. Aber noch sind wir nicht im Himmel und völlig losgelöst von dieser gefallenen Welt.
Unser Text zeigt uns den Zuspruch Gottes (z.B. V4,22+24; 5,1b) und den Anspruch Gottes (5,1a+2a). Wir dürfen gerade bei unserem Text weder nur den Anspruch noch nur den Zuspruch einseitig predigen.
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Die Predigt soll dazu Mut machen, auf der Grundlage des Erlöst-seins ganz praktische Entscheidungen für einen Jesus-gemäßen Lebensstil zu treffen.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Siehe unten und oben.
3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?
Lebe, was du bist, sondern was du warst
4,17-19 Was du warst
4,20-24 Was du bist
4,25-5,2 Lebe es!
Die Verwandlung der Gesinnung
4,17-19 Der alte Wandel
4,20-24 Die Verwandlung
4,25-5,2 Der neue Wandel
Neue Gesinnung
4,17-24 Durch neue Grundlage
4,25-32 Konkrete Beispiele
5,1-2 Ein Ausdruck der Liebe
Jesus macht unsere Gesinnung neu
4,17-24 weil unser Leben eine neue Grundlage hat
4,25-32 weil das neue Leben auf der neuen Grundlage konkret sichtbar werden soll
5,1-2 weil seine Liebe für uns wegweisend ist
Jesus macht unsere Gesinnung neu (Nach Helge Stadelmann):
4,17-24: Leben auf neuer Grundlage
Der alte Sumpf (4,17-19)
Der neue Grund (4,20-24)
4,25-32: Was man von einem Christen erwarten kann
(Grundelemente eines geheiligten Lebens. Neue Gewohnheiten.)
Ein Christ ist wahrhaftig (4,25)
Ein Christ ist versöhnungsbereit (4,26-27)
Ein Christ ist ehrlich und hilfsbereit (4,28)
Ein Christ redet so, dass es gut tut (4,29-30)
Ein Christ ist angenehm in seinem Verhalten (4,31-32)
5,1-6: Liebe als Lebensstil
Woran sich ein liebevoller Lebensstil orientiert
Wovon sich ein liebevoller Lebensstil distanziert
3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Lied: Jesus, zu dir kann ich so kommen – vor allem Strophe 3
Lied: Herr mach aus mir ein Gefäß wie du willst
Lied: Regier in mir
Lied: Mein Jesus, mein Retter
Lied: Ein Leben, gegeben
(Günther Ott)