Psalmen

Predigthilfe vom 16. November 2025 – Psalm 27

Predigtthema:         „Mutig bleiben“

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Bei dem Psalm handelt es sich um einen persönlichen Klagepsalms David. Der typische Aufbau eines solchen Psalms findet sich auch hier, oder zumindest die typischen Elemente, wenn auch in etwas variiertem Aufbau: Begonnen wird mit einer Hinwendung zu Gott (V.1), dann wird das eigene Leid geschildert (V.2-3 und V.7-10), das Vertrauen gegenüber Gott bekräftigt (V.4-6) und die Bitte an Gott formuliert (V.11-12)

abgeschlossen wird mit Lobpreis (V.13-14). Bemerkenswert ist der starke tonale Wechsel des Psalms ab V.7 – spricht der Psalmist in den Versen davor Gott sein Vertrauen aus, so wechselt er hier auf einmal zu dringenden Bitten um Hilfen. Das hat manche Ausleger zu der Vermutung veranlasst, das Psalm 27 eigentlich aus mindestens zwei unterschiedlichen Gebeten besteht, die nachträglich zusammengefasst wurden. Dafür gibt es in der Überlieferungstradition aber keinerlei Hinweise und auch die tonalen Unterschiede können genauso gut in einem einheitlichen Text zu finden sein.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

  • Henry, Matthew. Hiob–Das Hohelied. Bd. 3. Der Neue Matthew Henry Kommentar. Waldems: 3L Verlag, 2016.
  • MacDonald, William. Kommentar zum Alten Testament. Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung, 2010.

Beachtenswerte Anmerkungen zum Predigttext bietet z.B. die MacArthur Studienbibel (S. 760f)

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

V.1: Der Psalm wird eingeleitet von Worten des tiefsten Vertrauens, die Bezeichnung Gottes als Licht und das Bekenntnis des Psalmisten („vor wem sollte ich mich fürchten“) bilden dabei ein Wortspiel, weil die Worte für Licht (ôrî) und fürchten (îrāʾ) sich sehr ähneln. Das markiert einen wichtigen Zusammenhang: Gottes Licht vertreibt die Schatten jeder Furcht im Leben des Psalmisten. Was in guten und ruhigeren Zeiten gelernt wurde (Vertrauen auf Gott) trägt auch durch schwere Zeiten (wie im Psalm). Das Bild des Lichts ist ein wichtiges in der Bibel, es findet sich ganz am Anfang und ganz am Ende (1Mo 1,3-4 und Offb 22,5) und steht in direkter Verbindung zu Jesus (Joh 1,4-5 und Joh 8,12). Licht ermöglicht erst Leben, es vertreibt Finsternis und ermöglicht es erst richtig zu sehen. So ist auch die Gegenwart Gottes Lebensquelle, Schutz vor Bösem und das Einzige, was die richtige Perspektive schenkt.

V.2-3: Der Psalmist hat Feinde. Gut möglich das dieser Psalm von David in schwierigen späteren Phasen seiner Regentschaft verfasst wurde, wie etwa die Rebellion seines Sohnes Absalom. Die Feinde, die hier beschrieben sind, sind nicht nur Einzelne: „Heer“ und „Krieg“ weisen auf Feindseligkeit auf einer Ebene, die über Einzelne hinausgeht. David ist zur Zeit dieses Psalms kein aufstrebender Soldat, sondern ein König. „Was früher Verfolgung war, ist jetzt Krieg“, wie ein Kommentator schreibt. Die Konflikte sind größer geworden, aber anscheinend genauso das Gottvertrauen Davids. Er hat viel mit Gott erlebt während der Zeit des Konfliktes mit Saul – und diese Erfahrungen machen aus seinen Aussagen hier mehr als Lippenbekenntnisse.

V.4: Dieser Vers bildet einen Schwur, oder ein Gelübde gegenüber Gott, wie sie sich in manchen Psalmen des Vertrauens (Ps 16,8; 23,6) oder des Hilferufs (Ps 13,6) finden. Das Vertrauen gegenüber Gott soll nicht nur Theorie bleiben, sondern vom Herz in die Füße gehen, in die Praxis umgesetzt werden. Diese Bitte ist in der Vergangenheitsform formuliert (BasisBibel: „Ich HATTE eine einzige Bitte“) – aber das heißt nicht, dass David diese Bitte nicht mehr hat, sondern soll eher zeigen, dass seine Bitte der Vergangenheit nach wie vor seine Bitte ist: Er will in Gottes Nähe und Gegenwart sein.

V.5: Der Psalmist vertraut Gott, weil er weiß, dass Gott treu ist. David hat seinen Schutz in der Vergangenheit vielfältig erlebt, was die verschiedenen Worte für „Unterkunft“ hier zeigen: „Haus“, „Tempel“, „Hütte“, „Zelt“, „Felsen“. Das hebräische Wort für „Hütte“ wird nur an dieser Stelle in den Psalmen als Bild für Gottes Schutz benutzt. Es ist das gleiche Wort wie in „Laubhüttenfest“, dass ja an den Schutz Gottes seines Volkes während der Wüstenwanderung erinnern soll. David, der das Haus des HERRN so liebte weist durch die Wortwahl aber darauf hin, dass die Form dieses Hauses sich verändert hat und verändern wird: mal ein Zelt, wie zur Zeit der Wüstenwanderung, mal ein Tempel, wie der seines Sohnes Salomo oder eine provisorische Hütte, wie während des Laubhüttenfestes. Bei all seiner Wertschätzung für Gottes irdisches Heim ist David klar, dass Gott auch außerhalb dessen Mauern gefunden werden kann. Gottes Haus steht für Schutz, das wird auch einer der Nachfahren Davids erfahren (2Kö 11,3) – aber „die Sicherheit von Gläubigen liegt nicht in den Mauern des Tempels, sondern in dem Gott des Tempels“, wie Matthew Henry einmal schrieb.

V.6: Durch seinen Schutz vor feindlichen Angriffen erhebt Gott David über seine Feinde, David erhält Ehre und seine Feinde werden dadurch beschämt, wie es in der damaligen Ehre-Kultur der Fall war. Diese Befreiung muss gefeiert werden, aber anders als man es bei einem König vermuten würde: „Er [David] redet nicht von Freudenfesten, die in seinem Palas gefeiert werden sollen, und von üppigen Gastmählern in seinen Prunksälen, sondern heilige Freude erwählt er als die schicklichste für eine so göttliche Befreiungstat.“ So Spurgeon.

V.7: Mit diesem Vers ändert sich der Tonfall des Psalms drastisch. War vorher der Ausdruck des Gottvertrauens dominant, so scheint es nun eher um den Hilferuf des Psalmisten zu gehen. Aber diese beiden Dinge sind kein Gegensatz – die Bitte um Gottes Hilfe und die Versicherung des eigenen Vertrauens ergänzen einander. Das Vertrauen des Psalmisten ist der Antrieb für den später folgenden Hilferuf an Gott.

V.8-9: Was sich der Psalmist wünscht, ist ein „gegenseitiges Suchen“ – so wie er Gottes Angesicht sucht, ihm begegnen will, wünscht er sich, dass Gott auch ihm begegnen will. Er will das Gegenteil von einem „verborgenen Angesicht“ – eine (wiederhergestellte) innige Beziehung zu Gott. „Dein Angesicht will ich suchen“ – sich in Schwierigkeiten an Gott zu wenden ist das Bestmögliche. Manche Sorgen lösen sich allein durch die Zeit in seiner Gegenwart einfach auf (weil sie nie wirklich real waren), andere bleiben, aber die Art wie wir ihnen begegnen ist eine andere, weil wir neu auf Gott ausgerichtet sind. Und manchmal tut sich auch durch das Gebet scheinbar nichts – dann dürfen wir uns auf das verlassen, was wir schon über Gott wissen und erfahren haben, so wie es hier für David der Fall ist. Auch wichtig: Für David ist Gott nicht irgendjemand. Er ist „mein Beistand“ und „mein Anwalt“ – das ist keine abstrakte Beziehung, sondern eine sehr enge und persönliche.

V.10-12: Der Psalmist ist von allen isoliert, sogar von der eigenen Familie, von Vater und Mutter. Aber Gott nimmt auf, wen sogar die eigene Familie verstößt, und macht ihn zum Teil seiner eigenen Familie (so wird das Wort etwa in 2Sam 11,27 oder Jos 2,18 gebraucht). Gott wird in V.11 gebeten, das zu tun, was sonst Vater und Mutter übernehmen würden (vgl. Spr 4,3-4 und Spr 6,22) – zu lehren und zu führen. Wer zu Gott gehört, der ist nie ganz verlassen.

V.13: David vertraut Gott. Er ist sich sicher, das Gott handeln wird, das Gott sein Gebet erhören wird. Vielleicht nicht sofort, aber früher oder später wird David selbst noch die Erhörung seiner Gebete miterleben („Ich werde die Güte des HERRN erfahren, solange ich noch im Land der Lebenden bin“).

V.14: Was der Psalmist erlebt hat, bezeugt er nach außen und fordert andere auf, es ihm gleichzutun: Auf Gott zu hoffen und „stark und mutig“ zu sein. Das hier im Urtext stehende Begriffspaar findet sich auch in Josua 1 (V. 6,9 und 18) – ein Kapitel, in dem wir genauer sehen, was der Psalmist sich an Verhalten wünscht. Auf Gott zu hoffen, heißt auf ihn zu warten und ihm zu glauben.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

David spricht in eine Zeit vor dem irdischen Leben, Sterben und Auferstehen Jesu. Für uns Christen heute ist nicht nur Gott unser Licht, sondern der, der sich selbst als Licht bezeichnet (Joh 8,12). Das Haus des HERRN, von dem hier die Rede ist (V.4), braucht der Gläubige in der Jesusnachfolge jetzt nicht mehr, lebt Christus doch jetzt in ihm. Die Aufzählung Davids der unterschiedlichen Behausungen Gottes in V.4-5 (Haus, Tempel, Hütte, Zelt) macht aber schon klar, dass auch David bereits bewusst ist, dass Gottes Präsenz über ein einzelnes Bauwerk hinausgeht – was der Christ in der Gemeinde Jesu nur in um so stärkerem Maße erleben darf.

3. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigt von Winfried Scheffbuch vom 24.01.82 mit Namen „Besiegte Ängste, zu finden unter: https://crossload.org/inhalte/FxonzmqkrE/besiegte-aengste-winrich-scheffbuch oder „Mutiges Vertrauen in Zeiten der Not“ von André Töws vom 10.02.19 unter https://crossload.org/inhalte/5D5IBGxRkr/mutiges-vertrauen-in-zeiten-der-not-andre-toews

3.1 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Egal, was in unserem Leben an Gefahr und Feindseligkeit lauert – wer zu Gott gehört braucht sich davor nicht zu fürchten. Aber dieses Vertrauen muss gelernt und gepflegt werden. Es braucht dazu immer wieder neu eine Ausrichtung auf Gott – unsere Hoffnung sollte auf Gott gesetzt werden – auf ihn und nichts anderes.

3.2 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

nach Josh Smith:                                            

a) Vertrauen auf die Errettung (V.1-3)
b) Vertrauen auf Schutz (V.4-6)
c) Vertrauen auf Führung (V.7-12)
d) Vertrauen auf Versorgung (V.13-14)

(Lukas Streeb)