2.Mose

Predigthilfe vom 26. November 2023 – 2. Mose 20,17

Jahresthema: WEGweiser zum Leben – die zehn Worte Gottes  

Predigtthema: Der Schutz vor Habgier – du sollst nicht begehren  

Gottesdienst Einleitung:   1.Tim 6,9-10; Eph 5,1-5 Vorschläge zur Textlesung 

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!  

1. Sehen, was dasteht 

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung). 

1.1 Allgemeine Hinweise zum Jahresthema  

Einleitung zum Jahresthema „WEGweiser zum Leben – die zehn Worte Gottes“!  


Die 10 Gebote (2Mo 20,1-17 und 5Mo 5,6-21), auch Dekalog genannt, nehmen im Alten Testament eine einmalige Stellung ein und haben sowohl für das Judentum als auch für das Christentum eine zentrale Bedeutung.  

Die Bedeutung: Die „zehn Worte“, sind das einzige Gesetz, welches direkt von Gott dem Volk Gottes auf zwei Steintafeln gegeben wurde. Man könnte sie das Grundgesetz des menschlichen Lebens bezeichnen, das die Beziehung des Menschen zu Gott und zu seinem Mitmenschen regelt. Es ist die erste verschriftete Menschenrechtserklärung und ist ein Wegweiser zu einem gesunden menschlichen Miteinander in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Familie. Die 10 Gebote haben die christliche Ethik, die Kirchen- und Kulturgeschichte Europas ganz entscheidend geprägt. 

Die ersten vier Gebote handeln vom Verhältnis des Menschen zu Gott! 

1. Gebot: Es gibt nur EINEN – du sollst keine anderen Götter neben mir haben  
2. Gebot: Es gibt nichts VERGLEICHBARES – du sollst dir kein Bildnis machen  
3. Gebot: Es gibt nichts HÖHERES – du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen  
4. Gebot: Es gibt nichts SCHÖNERES – du sollst den Shabbattag heiligen   

Die sechs anderen Gebote: Das Verhältnis des Menschen zum Menschen! 

5. Gebot: Der Schutz der WÜRDE – du sollst Vater und Mutter ehren 
6. Gebot: Der Schutz des LEBENS – du sollst nicht töten  
7. Gebot: Der Schutz der EHE – du sollst nicht ehebrechen  
8. Gebot: Der Schutz des EIGENTUMS – du sollst nicht stehlen   
9. Gebot: Der Schutz vor TÄUSCHUNG – du sollst nicht lügen
10. Gebot: Der Schutz vor HABGIER – du sollst nicht begehren 

Gott, der Schöpfer ist die höchste Autorität und Gesetzgeber. Alle menschliche Obrigkeit hat sich ihr zu verantworten. Somit fordern die Gebote Ehrfurcht und Gehorsam gegenüber Gottes Ordnungen.  

Das Ziel – die 10 Gebote sind WEGweiser auf JESUS: Mit dem Jahresthema wollen wir Gottes alte und ewige Grundordnung neu verinnerlichen. Sie sind alt aber immer noch gültig. Sie kommen aus Gottes Mund und werden nie zurückgenommen. Sie sind nicht verbesserungsfähig, sondern sind vollkommen und weisen uns den WEG zum Leben – sie weisen uns direkt zu JESUS der sagte: Ich bin der WEG, die Wahrheit und das LEBEN“!  

Der Anlass – Vergessenheit der Gebote Gottes: Die hilflose Suche nach tragfähigen Grundwerten für eine gut funktionierende Gesellschaft und ein friedliches Zusammenleben von Menschen offenbaren die Gottvergessenheit unserer Zeit. Wer Gott verliert, verliert auch die Gebote. Die 10 Gebote sind ein zusammenhängendes Ganzes. Der Mensch kann die Ethik nicht ohne die Autorität Gottes besitzen oder ausleben.  

Eine Forsa Umfrage mit dem Titel: „Die 10 Gebote – Bekanntheit und Bedeutung in der heutigen Zeit“, bestätigt, dass noch 56 Prozent wissen, dass man unter den „10 Geboten“ Verhaltensregeln bzw. einen Wertekodex mit religiösem Bezug versteht. Fast die Hälfte kennt somit den religiösen Bezug der Gebote Gottes nicht mehr. 

https://presseportal.zdf.de/fileadmin/zdf_upload/Bilder/Teaser-Bilder/Dokumente/forsa-Umfrage_zu_ZDF_Die_10_An-Gebote.pdf

Die Chance – Gottes guten Willen erkennen: Die 10 Gebote sind eine Selbstoffenbarung Gottes. Sie lassen uns nicht nur Gottes Autorität erkennen, sondern auch sein heiliges und liebevolles Wesen. Gottes Gebote sind gut und heilig. Sie sind Gottes gesunde Lebensanweisung für den Menschen. Sie wollen dem Menschen nichts Schlechtes, sondern geben Wegweisung zum wahren Leben, wie es Paulus in Gal 3,24 schreibt: 

„So ist also das Gesetz unser Lehrmeister geworden auf Christus hin,  
damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden.“ 

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes 

Aebi, E „Kurze Einführung in die Bibel“, Bibellesebund 
Grünzweig, Fritz, Edition C Bibelkommentar NT, „1.Timotheus“, Band 18, Hänssler Verlag. 
Wiersbe, Warren.W, „Kommentar NT Timotheus bis Offenbarung“ Band III, CLV. 
MacDonald, W., „Kommentar zum Neuen Testament“, 7. Auflage., Bielefeld: CLV. 
Lang, Benjamin, „Die Bibel verstehen – die zehn Gebote“, Dillenburg CV 
Bräuner, Hansjörg „Wuppertaler Studienbibel – Das zweite Buch Mose Teil1“ Brockhaus Verlag. 
Mc Quilkin, Robertson, Biblische Ethik -Eine Einführung in biblisch begründetes Denken und Handel. CLV  

Es steht eine PowerPoint Vorlage zur Verfügung, die man für das Jahresthema für die Predigt verwenden kann. Die Vorlage kann auch durch Nicht-Christusbund-Benutzer abgerufen werden: 
https://christusbund.sharepoint.com/:f:/s/medien/ErmNoGeK_EpMpygIZp_IqGABQB1dNlz3irBw0slfgaloNw?e=4ui31z 

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes 

„Du sollst nicht begehren“ ist das zehnte und letzte Gebot und bildet einen besonderen Schlusspunkt.  

  • Es ist eine Zusammenfassung der vorhergehenden Gebote. Denn „Du sollst nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht lügen“ – das sind Ausdrucksformen (Taten), die durch ein inneres Begehren zu Handlungen werden.  
  • Der Beziehungskreis erweitert sich auf den Nächsten: Mein Gott, meine Eltern, mein Ehepartner, mein Nächster und damit jedem Mitmenschen.  
  • Das erste und letzte Gebot ist wie eine Klammer.  
  • Das erste Gebot offenbart Gott JAHWE und sein Wesen – als der Heilige. 
  • Das letzte Gebot offenbart den Menschen und sein Wesen – als der Sündhafte. 
  • Der große Bogen beginnt bewusst bei Gott und endet beim Nächsten. Sogar bis in die Wortwahl hinein.  
  • Die Gebote 1-4 stellen Gott in den Mittelpunkt und beginnt mit „Ich“ und das zweite Wort mit „Jahwe“.  
  • Die Gebote 5-10 beziehen sich auf den Mitmenschen, also dem „Du“, wobei das zweitletzte Worte „Nächster“ ist.  

Das erste und zweit Gebot bildet ein Ganzes, wobei das erste Gebot die Grundlage aller anderen Gebote ist. Ohne eine Beziehung zu Gott und dem Gehorsam ihm gegenüber, kann der Mensch die Gebote nicht einhalten und auch nicht seinen Nächsten lieben, wie Gott es möchte. In der Umkehrung bedeutet es, wer Gott liebt, der liebt auch seinen Nächsten. Beides ist unzertrennlich. Darum zitiert JESUS das AT und sagt:  

Mt 22,37-40 „Und Jesus sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken« (5Mo 6,5) Das ist das erste und größte Gebot. Und das zweite ist ihm vergleichbar: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3Mo 19,18). An diesen zwei Geboten hängen das ganze Gesetz und die Propheten.“  

  1. Die Begierde – eine Augenöffnung für mein unreines Herz  

Das letzte Gebot führt uns zum Kern des menschlichen Problems.  

  • Es offenbart uns die Ursache und Quelle aller sündigen Begierden. Es erklärt, warum wir die Gebote nicht halten können, obwohl wir sie doch trotz guten Willens halten wollen. Es liegt an der Sünde, die im Menschen ist (Mk 7,20-23). 
  • Anders als in den vorherigen Geboten, geht es hier nicht um die äußeren Verhaltensformen von Tun und Lassen (Ethik), sondern, um die innere Herzenseinstellung, die Motivation meines Handelns. In den Gedanken beginnt die Tat. 
  • Die Begierde beginnt im Inneren des Menschen, wenn sie in Gedanken zur Tat heranwächst, folgt die Zerstörung und am Ende der Tod (Jak 1,15).  
  1.  Das Gesetz – der zwanghafte Anreiz zum Sündigen 

Das Gesetz Gottes durchforscht und beleuchtet das menschliche Herz und deckt die Unreinheit und Begehrlichkeiten im Menschen auf (Römer 7,7). Das Gesetz, obwohl es heilig, gerecht und gut ist (Röm 7,12), weckt den Anstoß zur Sünde, in dem das Herz genau das verlangt, was das Gesetz verbietet – die Begierde wird gereizt / gelockt (Römer 7,8). Damit wird der sündhafte Konflikt im Menschen offenbar, dass er das tut, was er nicht will – und das, was er tun will, nicht schafft zu tun (Röm 7,14ff).  

  1. Die Gedanken – es ist Gott nicht egal  

Weil die Taten, Worte und Gedanken nicht voneinander getrennt werden können – ist es eben Gott nicht egal, wie unsere Gedankenwelt ist. Alle Taten beginnen in Gedanken – im Verborgenen, zumindest verborgen von Menschen. Doch vor Gott sind unsere Gedanken nicht verschlossen. ER kennt das Herz und weiß, was im Menschen ist und ihm ist jeder einzelne Gedanken bekannt.  

  • Gott kennt alle unsere Gedanken. Ps 94,11 

Es ist wohl nicht umsonst, dass das letzte Gebot das längste Gebot ist, was das zwischenmenschlich Verhalten betrifft. Die Sünde in Gedanken, ist vermutlich die am häufigsten begangene Sünde des Menschen. Es ist einer der größten Trugschlüsse, wenn wir glauben, dass Gott nur die Taten des Menschen beurteilt. Gott richtet den Menschen nicht nur nach seinem Tun, sondern auch nach seinen Gedanken.  

  • Gott ist ein Richter über die Gedanken unseres Herzens. Heb 4,12 

Darum fordert Gott den Menschen auf, auch seine Gedankenwelt vor ihm aufzuräumen und zu bereinigen.  

  1. Der Neid – er ist unersättlich und wirkt zerstörerisch 

Habgier, Geiz, Gewinnsucht und Neid haben noch nie jemanden geholfen. Der innere Drang, das haben zu müssen, was ggf. ein anderer hat, wird nicht befriedigt, wenn wir es haben. Jeder erfüllte Wunsch, bekommt sofort wieder Kinder. Je mehr der Mensch hat, desto mehr begehrt er. Gier und Begierde findet keine Erfüllung und auch kein satt werden.  

Es ist die größte Lüge des Teufels, der uns verkaufen will, wer nach Lustprinzip lebt, ein glücklicher Mensch ist. Es ist zwar der vergebliche Versuch Glück, Freude und Zufriedenheit zu erlangen – aber es funktioniert nicht. Es ist wie ein Fass ohne Boden, ein Wüstensand, der kein Wasser halten kann. Den Begierden nachzugeben, schafft keine dauerhafte Lösung – ganz im Gegenteil, sie ist nur kurzfristige Lustbefriedigung, die nach dem sie gesättigt wurde, immer mehr verlangt und intensiver ihr Verlangen einfordert und das immer in kürzeren Abständen.  

Wir alle sind davon tief betroffen. Gier, Lust, Begierde, Neid und Habsucht ist in jedem Menschen aktiv. Gier führt Menschen in die Schuldenfalle, in die Sexfalle und Machtfalle. Das zu verleugnen wäre der erste große Selbstbetrug. 

Habsucht und Neid 

  • überschreitet immer Grenzlinien Gottes 
  • kommen aus dem eigenen Herzen Mk 7,21ff 
  • passen nicht zum Christenleben (Wesen des alten Menschen) Eph 4,19 
  • sollen nicht Praxis und Gewohnheit unter Christen sein Eph5,3  
  • sind Charaktermerkmal der Endzeit-Generation (letzte Generation) 2Pet 2,3.14 
  • wollen schnell Reich werden (Geldgier oder Spiel- u. Aktiensucht) Spr. 28,8 
  • ist die Wurzel allen Übels (Geldgier und Geldliebe) Pred 5,10-12; 1Tim 6,9-10 
  • führen zum Streit (Krieg) Jak 4,2 

Am Ende stellen wir fest – Neid zerstört! Darum erklärt Gott unserem Begehen den Krieg! 

  • Gott sagt: „Du sollst nicht begehren.“ 2Mo 20,17 
  • Jesus verbietet sexuelle Begierde in Gedanken Mt 5,28 
  • Jesus warnt vor der Habsucht Lk 12,15 

Gott sagt nicht, es wäre einfach nur besser für uns – nein, er verbietet es rigoros und streng!  

Gott will nicht, dass wir in diesen Bereichen nur bescheidener werden, sondern heilig und rein! Weil Begehrlichkeit zerstörerisch und lebensgefährlich ist, darum ist es Gott so ernst!  

  1. Gott wird konkret – „alles, was dein Nächster hat“ 

„Du sollst nicht begehren“. Auch wenn am Ende die pauschale Aussage kommt, „alles, was dein Nächster hat“, so werden doch explizite verschiedene Dinge angeführt. 

Deines Nächsten Haus: Hier geht es zuerst um einen Oberbegriff, der den ganzen Verantwortungsbereich des Nächsten beinhaltet. Das kann Landbesitz, Immobilien, Mitarbeiter, Familie (Frau und Kinder) sein.  

Deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Eseln…: Die Auflistung ist nicht vollständig, sondern beispielhaft zu verstehen – dennoch war es Gott wichtig diese Punkte zu konkretisieren.  

  • Die Frau oder der Ehepartner, weil er unter dem Schutz der Ehe steht (kein Ehebruch).  
  • Die Mitarbeiter, weil sie im Vertrauens- und Arbeitsverhältnis zu ihrem Arbeitgeber stehen (kein Abwerben). 
  • Die Rinder und Esel, die für Wohlstand und Sicherheit stehen (kein Neiden).  

Alles, was dein Nächster hat: Hier wird die gesamte unerwähnte Liste geschlossen. „Alles“ meint alles, was dem Nächsten gehört. Alles, was im Verantwortungsbereich meines Nächsten fällt, soll ich nicht einmal in meinen Gedanken begehren – weder Menschen, Tiere, noch Besitz – oder sonst was er hat. 

2. Verstehen, worum es geht 

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung) 

Ein Wortstudium des Begriffes „begehren“ kann helfen die Bedeutung besser einzuordnen.  

Wortbedeutung: Im Hebr. findet man das Wort nicht so häufig und wird in unterschiedlichen Zusammenhängen gebraucht. Es kann sowohl positiv oder negativ sein. 

„begehren, gelüsten, verlangen, wünschen, gefallen haben, haben wollen“  

Positive Lust: Freude haben, sich bemühen, etwas zu genießen. Für sich in Besitzt nehmen, an etwas Gefallen haben.  

  • Wort Gottes ist begehrenswerter als Gold Ps 19,11 
  • Gott begehrt den Berg Zion in Jerusalem als Wohnung Ps 68,17 
  • Natur hat etwas Begehrliches und weckt Gefallen 1Mo 2,9 

Dieses positive Begehren ist eine notwendige Lebenseinstellung. Nur so kommt man im Leben weiter oder voran. Es benötigt ein gewisses Begehren, um etwas wissen, lernen oder auch im Leben erreichen zu wollen. Alle Entwicklungen und Fortschritte benötigen ein gutes und ausgewogenes Verlangen. Sich etwas zu wünschen ist daher nichts Verwerfliches – sogar im geistlichen Leben sollen wir unsere Lust am Herrn haben (Ps 37,5).  

Negative Lust: Hier geht das Begehren über die Grenzen der Gebote Gottes hinaus. Es wird zu einem zwanghaften verlangen und besitzen müssen.  Einige Beispiele:  

Baum der Erkenntnis, war begehrenswerter als andere 1Mo 3,6 
Begehren nach Gold und Reichtum 5Mo 7,25 
Begehren nach kostbaren Kleidungen, Gegenständen Jos 7,21  
Begehren der Schönheit einer anderen Frau Spr 6,25  
Begehren nach Schadenfreude und Spott Spr 1,22 
Begehren nach bösem Gewinn und Vorteil Spr 12,12; 21,10   
Begehren das Land des anderen sich zu nehmen Mich 2,2  

Hierbei geht es also nicht mehr um positives Begehren, sondern um ein immer mehr Haben und Besitzen wollen. Ein „Nimmersatt“ werden. Jemand sagte mal: „Es geht nicht darum, etwas zu brauchen, sondern um zu haben“. 

Geiz, Neid, Habgier und Habsucht sind die Auswirkungen des bösen Begehrens. Es bezeichnet das Verlangen, sich selbst mit materiellen Anschaffungen und Besitz zu bereichern, anstatt gottgefällig zu sein. Oft bezieht es sich auch auf die unehelichen sexuellen Begierden. 

Interessant ist, dass dasselbe hebr. Wort auch dafür steht, dass Jesus am Kreuz wegen seiner Misshandlungen nicht mehr begehrenswert war. Jes 53,2  

Wegen unserer Begehrlichkeit wurde Jesus unbegehrlich. Weil wir alles haben wollten, um es für uns zu verzehren, hat Jesus alles hergegeben und sich für uns verzehren lassen. 

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass) 

Das Gefühl von Begehrlichkeiten kennen wir alle. Es ist jedem bekannt – und damit kann man mit folgenden Beispielen die Zuhörer mit dem Thema vertraut machen.  

Werbung: Die Wirtschaft braucht neidische Menschen, damit der Kommerz läuft. Die Werbung sagt: „Du sollst begehren“ – das ist genau das Gegenteil, von dem was Gott sagt. Werbung funktioniert nur, weil es die Begierde des Kunden weckt. Die ganze Konsumwirtschaft verlässt sich darauf, dass der Mensch seiner Begierde reinfällt und nachgibt.  

Verbrechen: Habgier und Neid, sind oft Ursachen für Raub-, Gewalt- oder gar Morddelikte. Habgier ist das ungezügelte und rücksichtslose Streben nach Gewinn um jeden Preis. Sie ist hemmungslos und rücksichtslos und nimmt sogar den Tod von Menschenleben in Kauf. Es war der Neid und persönliche Begehrlichkeiten, warum Jesus zum Tod am Kreuz verurteilt wurde (Mt 27,18).  

Kinderbegehren: Eltern kennen es aus der eigenen Familie, wenn die Kleinkinder heranwachsen. Sie können kaum sprechen, dann drücken sie ihre Begehrlichkeit aus und sagen: „haben, haben“. Ein persönliches Beispiel kann hier auflockern.  

  1. Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung) 

Wir müssen ehrlich werden vor Gott  

Ernstlich müssen wir uns unserer Gedankenwelt stellen und vor Gott ehrlich werden.  

Wir alle haben ein unreines Herz und führen oft ein Doppelleben. 
Wir tun und sagen etwas – aber wir denken und fühlen das Gegenteil. 
Wir kämpfen mit Heuchelei – Doppelbödigkeit – Zweizüngigkeit.  
Wir betrügen uns selbst, weil wir Gedanken von Neid, Habgier und Begierden oft nicht so schlimm ansehen als die Taten.  

Gott kennt unser vergiftetes Herz und ob wir bewusst oder unbewusst sündhafte Gedanken haben, wir sind vor Gott schuldig, mit dem was wir denken.  

Das bewusste Denken können wir beeinflussen. Es ist auch die Frage, mit was ich meine Gedanken fülle, mit was ich mich beschäftige, was ich ansehe, was ich lese, was ich höre – mit was ich meine Seele sättige, das weckt Begehrlichkeiten, seien es gute oder negative.  

Wir müssen die Gefahren und Folgen der Begierde erkennen.  

  • macht krank und besessen  
  • macht gefangen und abhängig 
  • macht undankbar und unzufrieden 
  • macht kaputt und zerstört  

Beispiel:  

1Mo 3 Paradies – Verbotenes schmeckt besonders gut. Aber das sündhafte Begehren trennte die Beziehung zu Gott und führte schließlich zum Tod. 

1Kö 21 Ahab – der Weinberg des Nachbars macht ihn zum Mörder. Aber das Begehren beherrschte seinen Gedanken und macht ihn krankhaft und fast schon besessen. Er konnte an nichts mehr anderes denken. Gier macht mich krank und dann auch andere.  

2Sam 11+12 David – das Vergehen an der Frau des Uria führte sein Leben ins Chaos. Das Begehren löste eine sündhafte Kettenreaktion aus und wenn der erste Stein gefallen ist, gibt es kein Aufhalten mehr.   

Jos 7,21 Achan – begehrte einen Mantel, den er nicht tragen konnte. Das Begehren führte zwar dazu, etwas zu besitzen, was er wollte – aber er konnte es nicht genießen, weil es verboten war. Nicht alles, was wir haben wollen, brauchen wir wirklich oder ist uns am Ende nützlich.  

Mich 2,2 Enteignung und Beschlagnahmung wegen Habgier. Begierde beraubt das Recht des Anderen und verletzt dessen Grenzen. Es führt zum Streit in Familien, in der Nachbarschaft oder zum Krieg unter Völkern.  

Wo stehen wir in der Gefahr uns von der Begierde gefangen nehmen zulassen? Macht, Sex, Statussymbol (Auto, Haus, Urlaub)?  

Wir brauchen Jesus, um von der sündhaften Begierde frei zu werden 

  • Jesus ist der gute Hirte – wer mit ihm geht, der kommt nicht zu kurz, dem wird auch nichts mangeln. Ps 23 
  • Jesus gibt die Fülle des Lebens. Joh 10,10 (Gier ist der Dieb) 
  • Jesus zeigt den Weg zur Fülle. Ps 16,11  

Gottes Wort gibt uns auch Hilfe, um unsere Gedanken durch Gottes Gnade und Geist verändern zulassen. Wir sollen:

  • die Gewissheit vom Helm des Heils tragen, als Schutz vor falschen Gedanken (Macht dir bewusst, du bist Kind Gottes) Eph 6,17  
  • unsere Gedanken unter den Gehorsam Christi gefangen nehmen 2Kor 10,5
  • bereit sein, unsere Gedanken von Gott prüfen und korrigieren zu lassen Ps 139,23-24 
  • die böse Lust und Habgier aktiv töten (vernichten, ablegen) Kol 3,5 

In Jesus möchte Gott unsere Gedankenwelt reinigen und heiligen – wir sollen nicht mehr wir früher, hilflos den Willen des Fleisches und der Gedanken ausleben (Eph 2,3). In Jesus gibt der Herr uns die Fähigkeit neu zudenken, unsere Gesinnung zu verändern und erneuern zulassen (Röm 12,1-3).  

3. Sagen, wo es hingeht 

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt? 

Gott will unsdurch die Predigt die Augen öffnen: 

  • für die boshaften Begierden in unserem Leben 
  • für die sündhaften Gedanken, die wir oft leichtfertig zulassen und dulden 
  • für die zerstörerische Folgen von begehrlichen Gedanken  
  • für die Erlösung und Befreiung aus der sündigen Gedankenwelt  
  1. Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt? 

Die Bibel zeigt uns die Ursache für unsere Habgier auf – sie liegt im unreinen Herzen des Menschen. 

Die Bibel offenbart uns die schrecklichen Folgen der Habgier – und dass es Götzendienst ist, der Gott entehrt.   

Die Bibel zeigt uns, die Erlösung in Jesus Christus auf – in ihm haben wir die Fülle und finden wahre Befriedigung und Glück.  

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt? 

  1.  Unsere Gedankenwelt ist Gott nicht egal.
  2.  Unsere Gedankenwelt hat Folgen. 
  3.  Unsere Gedankenwelt braucht Befreiung.  

a. Wir müssen ehrlich werden vor Gott.
b. Wir müssen die Gefahren und Folgen der Begierde erkennen.  
c. Wir brauchen Jesus, um von der sündhaften Begierde frei zu werden. 

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt? 

Einstieg bzw. Illustration:  

Kinder dürfen so viel Bonbons aus einem Glas holen, wie sie mit einem Mal reingreifen fassen können. Der Haken dabei ist, die Öffnung des Glases ist nach oben hin schmal, so dass das Kind nur seine Hand hineinbekommt, wenn sie fast leer ist. Wenn das Kind eine Faust macht oder die Hand mit Bonbons voll hat, bekommt es die Hand nicht wieder aus dem Glas.  

„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte!  
Achte auf deine Worte, denn sie werden Gewohnheiten!  
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden Charakter!  
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal!“ 
(Talmud) 

Nicht die Fröhlichen sind dankbar, sondern die Dankbaren sind fröhlich. 
(Unbekannt) 

„Suche nichts außer Ihn. Er genügt dir! Du magst habgierig sein, soviel du willst: Gott ist genug!“ 
(Aurelius Augustinus)  

(Klaus Eberwein)