1.Könige

Predigthilfe vom 18. Mai 2023 – 1. Könige 8, 22-30

Predigtthema:         Jesus – im Himmel und ganz nah bei uns (Thema laut Textplan)

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Eine Herausforderung des Abschnitts liegt darin, dass sie lediglich einen Ausschnitt aus Salomos relativ langer Rede bzw. seinem Gebet zur Einweihung des Tempels darstellt. Man sollte deshalb in der Vorbereitung das ganze Kapitel 8 einmal lesen, um einen Eindruck des ganzen Geschehens zu bekommen und den Predigttext inhaltlich einordnen zu können.

Kontext:

V. 8,1-11: Nach Fertigstellung des Tempels versammelt Salomo das Volk zur Einweihung des Tempels. Die Bundeslade und alle Tempelgeräte werden gebracht, während Salomo und das Volk zahlreiche Tieropfer bringen. Die Priester tragen die Lade ins Allerheiligste. V. 10+11 schildern dann, wie die Herrlichkeit Gottes in dem Moment den Tempel erfüllt, als sich kein Mensch mehr innerhalb des Tempels aufhält.

V. 12-21: Salomo wendet sich zunächst an Gott, um ihm den Tempel zuzusprechen. Anschließend wendet er sich segnend ans Volk und rekapituliert die Entstehungsgeschichte des Tempelgebäudes. Er betont die Tatsache, dass Gott David den Bau des Tempels versprochen und nun sein Versprechen verwirklicht hat.

V. 22-30: Predigttext (s.u.)

V. 31-53: Salomo richtet verschiedene Bitten an Gott, die alle in einer „wenn-dann-Struktur“ verfasst sind. Sie stellen teilweise einen Bezug zu V. 23 und 25 her, in denen Salomo darauf hinweist, dass Gottes Bundeszusagen an das Volk vom Gehorsam des Volkes abhängen. Grundsätzlich ist jede Bitte gleich darin, Gottes Reaktion auf das Rufen des Volkes zu erbitten. Auffällig ist dabei, dass Salomo an Gottes Gnade appelliert, dem Volk zu vergeben und zu helfen, auch wenn es gesündigt hat. In diesen Bitten ist ein durchgehender Bezug zu den Ankündigungen zu Segen und Fluch in Lev. 26 und Dtn. 28 erkennbar.

V. 54-61: Salomo segnet das Volk und ermahnt es gleichzeitig, Gott mit ungeteiltem Herzen zu folgen und seine Gebote zu halten.

V. 62-66: Bericht über die erbrachten Opfer und den Ausklang des Tempelweihefestes.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Die Anmerkungen und Wortbezüge richten sich nach dem Text der revidierten Elberfelder Bibel in der Textfassung 2020.

Struktur des Textes

Der Abschnitt lässt sich anhand sprachlicher Strukturen gliedern.

V. 22: Einleitendes Darstellen der Situation („Und Salomo trat…“)
V. 23-24: Einleitende und anbetende Anrede Gottes mit Charakterisierung (Und er sprach: HERR…“).
V. 25: Schlussfolgerndes „Und nun…“ mit der ersten Bitte.
V. 26-27: Zweites schlussfolgerndes „Und nun…“, das die erste Bitte konkretisiert.
V. 28-29: Kontrastierendes „Doch“, das trotz der in V. 27 formulierten Charakterisierung die Bitte weiter und ausformuliert.
V. 30: Fortsetzendes „Und…“, das eine zweite Bitte formuliert.

Anmerkungen zu den Versen

V. 22: Aus dem Ende des Gebets und der Textfortsetzung in V. 54 wird deutlich, dass Salomo nicht stand, sondern auf den Knien lag. Angesichts der Herrlichkeit Gottes, die den Tempel füllte, nahm er eine deutlich demütige Gebetshaltung ein. Insgesamt sollte aber nicht zu viel in die Gebetshaltung hineininterpretiert werden, da sie wahrscheinlich eine der in der damaligen Zeit klassischen Gebetshaltungen war.

V. 23-24: Salomo beginnt sein Gebet mit einer lobenden Charakterisierung Gottes, in der er zweierlei hervorhebt, was Gott einzigartig macht. (1) Gott ist mit nichts im Universum vergleichbar, er ist einzigartig in seinem Wesen und Handeln. Dennoch ist er nahbar für den Menschen, denn er schließt einen Bund mit Menschen. Dies ist umso beachtlicher, wenn man es vor dem Hintergrund antiker Göttervorstellungen liest, von denen die Menschen sagten, sie seien am Menschen und dem Geschehen auf der Erde wenig interessiert. Die Formulierung in V. 23, „der du den Bund und die Gnade deinen Knechten bewahrst, die vor dir leben mit ihrem ganzen Herzen“, knüpft an die Formulierung bei der Bundeserneuerung in Dtn 7,9.12 an und erinnert an die Bundespflichten des Volkes. Die Formulierung wird in ähnlicher Form auch in Neh 1,5 im Gebet verwendet. (2) Gott steht zu dem, was er versprochen hat. Auch das macht ihn einzigartig im Vergleich mit allen Menschen und Göttervorstellungen. Dies unterstreicht die Aussage „mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erfüllt.

V. 25: Salomo bezieht seine erste Bitte auf die Verheißung. Salomo bittet, dass Gott jetzt erfüllt, was David in 2. Sam 7 verheißen wurde. Dabei sollte man berücksichtigen, dass ein Teil der Verheißung bereits in Erfüllung ging: Die Tatsachen, dass der Tempel gebaut ist und Gott seine Herrlichkeit dort hat einziehen lassen, sind zwei erkennbare Zeichen dafür, dass Gott zu seinen Verheißungen steht.

Die erste Bitte bezieht sich auf die Thronfolge des Hauses Davids. Dabei ist sich Salomo aber auch der Einschränkung bewusst, dass die Erfüllung an Gehorsam geknüpft ist, so wie es auch schon in der Formulierung V. 23-24 über die Bewahrung von Bund und Gnade war.

V. 26-27: Salomo geht zur zweiten Bitte über, die ebenfalls die Verheißung aufgreift. Bevor er die Bitte in V. 28 konkreter formuliert, kommt es jedoch zur einschränkenden Frage, ob Gott überhaupt auf der Erde wohnen kann. Salomo erkennt damit an, dass Gott eigentlich nicht durch ein von Menschen gebautes Haus fassbar ist. Wie schon in V. 23 erkennt er die Unvergleichlichkeit und Unfassbarkeit Gottes an. Gleichzeitig ‚verschiebt‘ er Gottes Existenz nicht in den Himmel, sondern bekennt die umfassende und nicht fassbare Omnipräsenz Gottes: Er wohnt nicht auf der Erde, aber auch die Himmel reichen für seine Präsenz nicht aus.

V. 28-30: Trotz des Wissens um Gottes Unfassbarkeit bittet er Gott, sich doch auf die Erde ‚herabzulassen‘, sein Gebet zu hören, das von Menschen gebaute Haus zu bewohnen und darauf achtzugeben. Erneut knüpft er dabei an Gottes Verheißung an, indem er Gott daran erinnert: Du hast gesagt, dein Name soll dort wohnen. Er drückt mit seiner Bitte aus, dass er an Gottes reale Gegenwart im Tempel genauso glaubt wie seine umfassende Gegenwart im ganzen Universum. Er kann den gesamten Tempel unter seinen Schutz nehmen und doch gleichzeitig an anderen Orten präsent sein. Er ist also souveräner Regent über das ganze Universum und dennoch für die Bitte des Einzelnen vor Ort erreichbar

V. 30: Die Bitte wird erweitert. Nicht nur soll Gott auf das Haus achtgeben, sondern auch auf die Gebete hören, die das Volk am Tempel verrichten wird. Dabei macht er aber deutlich, dass Gottes eigentlicher Thron nicht auf der Erde und im Tempel ist. Aber er ist trotzdem in der Lage, sich um die Bitten zu kümmern, die an diesem Ort an ihn gerichtet werden.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

(1) Situation: Für die Auslegung dieses Abschnitts für eine Predigt an Christi Himmelfahrt ist zu beachten, dass dieser Text nicht über Jesus Christus spricht. Der Text bietet verschiedene Brücken an, um ihn mit der Himmelfahrt zu verbinden, aber diese Brücken müssen sauber entfaltet werden. Zunächst geht es um die Frage, wie der Text in der ursprünglichen Situation verstanden werden sollte.

(2) Es handelt sich um einen Erzähltext, der ein Gebet wiedergibt. Es handelt sich nicht um eine normative oder dogmatische Rede.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Die situative Herausforderung besteht zunächst darin, dass es sich um eine Predigt zu Christi Himmelfahrt handelt (s.o.), der Text aber weder direkt etwas zu Christus sagt, noch zu Himmelfahrt. Als Prediger stellt sich deshalb die Frage, wie man dem Text gerecht werden und gleichzeitig die Brücke zur Himmelfahrt schlagen kann.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

  •  Zu 1. Ganz anders und doch nahbar (V. 22-25): Die Frage des Betens kann aufgeworfen werden: Salomo redet von Gottes Einzigartigkeit bzw. Andersartigkeit. Dass er ihn anredet, zeigt aber, dass Gott trotz dieser Eigenschaften nahbar ist. So nahbar, dass er Bünde mit Menschen schließt und Versprechen gibt. Salomo nimmt im Gebet diese Verheißungen in Anspruch. Haben wir ein Bewusstsein dafür, dass wir Gottes Verheißungen im Gebet in Anspruch nehmen können bzw. beten wir entsprechend der Verheißungen Gottes? (s. dazu unten Zitat von Martin Luther). Brücke zu Himmelfahrt: Welche Verheißungen gab Jesus für die Zeit nach der Himmelfahrt? Wie können wir diese Verheißungen im Gebet in Anspruch nehmen?
  • Immer wieder finden wir den Zusammenhang zwischen Bund und Gehorsam. Das muss uns auf die traurige Tatsache hinweisen, dass kein Mensch den für Gottes Bund (damals) nötigen Gehorsam aufbringen kann. Gott hätte alle Rechte, weder seinen Bund zu halten noch auf Gebete von ungehorsamen Sündern zu reagieren. Aber er wird so nahbar, dass er in Jesus Christus Mensch wird und die Bundesbedingungen selbst erfüllt. Brücke zu Himmelfahrt: Durch Kreuz, Auferstehung und Himmelfahrt hat sich erfüllt, was Gott z.B. in Hes 36 oder Jer 31 ankündigt. Das steinerne Herz, das den Menschen hindert, Gott zu gehorchen, wird durch ein fleischernes ersetzt; Gott selbst sorgt in Jesus Christus dafür, dass der Mensch den Bund mit ihm halten kann. Himmelfahrt ist die Vollendung von Jesu Dienst auf der Erde.
  • Zu 2. Ganz woanders und doch überall (V. 26-27): Gott ist nicht an einen Ort gebunden, er ist Herr des Universums und kommt dem Menschen doch so nah. In sorgenvollen Situationen können wir schonmal sagen: Wenn Gott doch jetzt hier wäre, sichtbar und greifbar. Aber gerade deshalb, weil ihn weder Himmel noch Erde fassen können, kann er zu jederzeit an jedem Ort bei jedem Menschen sein. Brücke zu Himmelfahrt: Erst durch die Himmelfahrt ist Jesus nicht mehr an einen Ort zur selben Zeit gebunden. Selbst nach der Auferstehung konnte er nur an einem Ort sein, wenngleich er – wie es die Evangelien nahelegen – sich anders bewegt hat. Erst durch die Himmelfahrt kann Jesus überall sein und durch seinen Heiligen Geist sogar im Menschen selbst leben.
  • Zu 3. Ganz souverän und doch erreichbar (V. 28-30): Gott ist der Souveräne, Omnipräsente, und doch lässt er sich bitten. Wichtig ist darauf hinzuweisen, dass Salomos Bitte ja schon dadurch erfüllt war, dass Gottes Herrlichkeit den Tempel füllte. Gott hat sich trotz seiner Größe bitten lassen, an dem einen Ort zu wirken. Brücke zu Himmelfahrt: Seit der Himmelfahrt ist Jesus Christus an der rechten Seite Gottes und ist Fürsprecher bei Gott für die, die zu ihm beten (Röm 8,35).

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Himmelfahrt ist ein ‚unterschätztes‘ Ereignis. Wir feiern Weihnachten, Karfreitag und Ostern, vergessen aber, welche theologisch wichtige Bedeutung die Himmelfahrt Jesu für uns hat (s. 2.3). Die Predigt soll den Hörern zeigen, wie gut es ist, dass Gott der Vater und sein Sohn Jesus Christus gerade nicht auf der Erde wohnen, sondern räumlich nicht begrenzt sind. Einiges von dem (vor allem tröstlichen), was wir in Jesus Christus haben, ist erst durch die Himmelfahrt ermöglicht worden.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  1. Ganz anders und doch nahbar (V. 22-25)
  2. Ganz woanders und doch überall (V. 26-27)
  3. Ganz souverän und doch erreichbar (V. 28-30)

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Für einen Einstieg: Es gibt in manchen Gemeinden ein Jammern, dass die Welt Himmelfahrt zum Vatertag/Herrentag macht und die Väter mit bierbeladenen Bollerwagen umherziehen. Aber ist uns schonmal aufgefallen, dass auch Christen wenig besser mit dem Tag umgehen? Wir genießen es, frei zu haben. Aber während es für viele andere Anlässe Postkarten, besondere Deko, Geschenke, festliche Menüs etc. gibt, sucht man Himmelfahrts-Karten vergeblich. Ist uns bewusst, warum Himmelfahrt so wichtig ist?

„Man muss Gott die Verheißungen um die Ohren reiben. Nicht meine Wünsche, sondern seine Verheißungen und Versprechen.“ (Martin Luther)

„Willst du aber recht beten, so nimm dir eine Verheißung vor und fasse Gott bei derselben, so wird dir bald Lust und Mut zuwachsen zum Beten. – Denn wer ohne Verheißung betet, der legt sich selbst zurecht, wie Gott sein soll.“ (Martin Luther)

„Die Himmelfahrt ist der Sprengzünder für alles, was Jesus auf der Erde tat.“ (Timothy Keller)

(Henrik Homrighausen)