1.Korinther

Predigthilfe vom 31. Juli 2022 – 1. Korinther 4, 1-5

Jahresthema:         Wert(e)voll leben. Die Auswirkungen des Heiligen Geistes in unserem Leben.

Predigtthema:         Wert(e)voll leben: Treue – mehr als ein Versprechen

Gottesdienst Einleitung: (Vorschläge zur Textlesung)

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Jahresthema

Einleitung zum Jahresthema „Wert(e)voll leben“!

Das Ziel: Mit dem Jahresthema wollen wir anhand der Frucht des Geistes (Gal 5,22) auf die christlich-biblischen Werte und Tugenden aufmerksam machen. Das Wortspiel „wert(e)voll leben“ zeigt auf, dass es sich lohnt christliche Werte auszuleben. Werte machen ein Leben wertvoll, sie sind sinngebend und achten die Würde des Menschen als Ebenbild Gottes.Darum wollen wir auf die Auswirkung des Heiligen Geistes eingehen, der diese biblischen Grundwerte im Leben eines Christen verwirklichen will.

Der Anlass: Durch den Wertewandel und -pluralismus unserer Zeit werden christliche Werte zunehmend hinterfragt. Überzeugte Christen, die eine moralische Vorstellung vertreten oder leben, werden belächelt und als altmodisch oder unzeitgemäß verschrien. Diese Diskrepanz christlicher und gesellschaftlicher Normen stellt gläubige Christen (in der Gemeinde, Familie, Erziehung und am Arbeitsplatz) vor große Herausforderungen.

Als Gemeinde Jesu können wir uns daher weder einer Wertediskussion noch einer biblischen Werteverkündigung entziehen.

Die Chance: Das Thema hat eine gesellschaftliche Relevanz. Christliche Werte wie Verlässlichkeit, Treue, Wahrhaftigkeit, Disziplin, Fleiß, Selbstbeherrschung usw. werden durchaus im Alltag und der Gesellschaft geschätzt. Durch gelebte christliche Werte können wir Zeugnis und Licht in der Welt sein.

Auch für die Gemeinde- und Familienarbeit hat dieses Thema Relevanz. Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass biblische Werte in Elternhäusern weitergegeben werden oder dort bekannt sind. Darum müssen biblisch-christliche Werte wieder neu verkündigt, erklärt und begründet werden. Dabei muss die Wertevermittlung in Beziehung zur Liebe und zum Willen Gottes gestellt werden, dass daraus nicht nur eine Moralpredigt wird. Aber es ist Gottes ausdrücklicher Wille, dass wir in Christus tugendhaft leben.

„Im übrigen, ihr Brüder, alles, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend, was irgend eine Tugend oder etwas Lobenswertes ist, darauf seid bedacht!“

Phil 4,8; vgl. Röm 12,1ff

Was sind WERTE?

Der Begriff „Werte“ stammt etymologisch aus dem Germanischen „werþa“ = „Wert, kostbar“. Weiter ist der Begriff verwandt mit germanisch „werþan“ = „werden“ (entstehen). Im Friesischen bedeutet „werþa“ = „würdig“. In der Bibel wird auch der Begriff „Tugend“ gebraucht, was soviel bedeutet wie „vorbildlich“, gute (sittliche) Charaktereigenschaft, anständig, redlich oder sittenhaft.“

Werte bestimmen die soziale Kompetenz, die Charakterbildung und die Persönlichkeit.

Als Christen sind wir davon überzeugt, dass die Bibel universelle, zeitlose, kulturell- und generationenübergreifende Werte/Tugenden vermittelt, die sich in der Menschheitsgeschichte bewährt haben. Christliche Werte haben Völker zivilisiert und humanisiert und prägten staatliche Grundgesetze und Gesellschaftsordnungen. Die christlichen Werte und Tugenden tragen in sich einen menschenwürdigen Charakter.

Neben einer christlichen Wertebildung durch Verkündigung oder Erziehung ist es aber vor allem der Heilige Geist, der das Herz des Gläubigen verändert, der ihm diese Werte zueignet und nachhaltig dazu befähigt, diese auch in der Kraft des Geistes auszuleben.

Das Jahresthema will dazu beitragen, dass wir die Tugenden dessen verkündigen, der uns aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat… (1Pet 2,9ff).  

Ausgehend von Gal 5,22 werden die jeweiligen Werte/Tugenden anhand ausgewählter Bibeltexte (Predigttexte) erklärt. Unter einem extra Punkt findet ihr eine zusätzliche Definition aus einem Online-Lexikon, einen Anti-Wert und ergänzende Erklärungen über den jeweiligen Wert/Tugend. Diese helfen das Thema unter weiteren Gesichtspunkten zu vertiefen.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Aebi, E „Kurze Einführung in die Bibel“, Bibellesebund

Krimmer, Haiko, Edition C Bibelkommentar NT, „1.Korinther“, Band 11, Hänssler Verlag.

Wiersbe, Warren.W, „Kommentar NT Römer bis Thessalonicher“ Band II, CLV.

Henry, Matthew., Apostelgeschichte bis Offenbarung, 2. Auflage., Waldems: 3L Verlag.

MacDonald, W., Kommentar zum Neuen Testament, 7. Auflage., Bielefeld: CLV.

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

Die siebte Tugend, die Gottes Geist in uns bewirken möchte, ist „Treue“.  Sie steht für Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit und Echtheit. Sie kommt allein aus dem Wesen Gottes, der unveränderlich ist (Jes 41,4; Heb 13,8), der sich nicht verändert (Mal 3,6), sich selbst und seinem Worten treu bleibt (1Kor 1,9; 2Kor 1,18).

Darum ist die Grundlage für alle menschliche Treue die Treue Gottes

Siehe: 2Mo 34,6; Ps 100,5; Klgl 3,22f.; 1Thess 5,24

Gottes Treue ist beständig und zuverlässig

Siehe: 5Mo 7,9; Röm 3,3f.; 2Tim 2,13

Wortbedeutung: Treue und Glauben werden in der Bibel oft als Synonym gebraucht (hebr. „ämär“, „ämunah“ und griech. „pistis“). Der hebr. Wortstamm bedeutet auch: fest, zuverlässig, dauerhaft, beständig, treu sein, vertrauen und glauben.

Treue ist die innere Haltung sich gegenüber Worten, Versprechen und Verträgen zu verpflichten und sie ernst zu nehmen (Bündnisstreue). Damit ist Treue sehr eng mit Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit verbunden. Glaube und Treue sind einander zugeordnet und verbindet zwei Partner miteinander. Der Partner glaubt und vertraut der Treue des anderen und umgekehrt.

Die Sehnsucht nach Treue beim Menschen und ihr Angefochtensein

Menschliche Treue gleicht häufig dem „Tau, der früh verschwindet“ (Hos 6,4). Obwohl der Mensch einen tiefen Wunsch nach Treue und Verbindlichkeit hat, sich verletzt fühlt, wenn er Untreue erfährt – so ist er doch selbst in seiner Treue angefochten. Unbeständigkeit, Unverlässlichkeit, Unverbindlichkeit, Unglaubwürdigkeit (z.B. im Wort- und Treuebruch, Vertragsbuch oder Ehebruch) prägen die Gesellschaft. Aber auch Vergesslichkeit, Verantwortungslosigkeit und die Angst vor langfristigen Bindungen zeigen wie angefochten Treue ist. Grund dafür ist oft das mangelnde Vertrauen in die Treue des anderen.

Treue nimmt daher eine unverzichtbare soziale Funktion ein.

Ohne Treue ist keine Gemeinschaft möglich. Ohne Treu ist auch ein Zusammenleben von Menschen in einer Gesellschaft, Gruppe oder gar Ehe nicht denkbar.

  • Treue steht für eine dauerhafte Verbundenheit, die Veränderungen und sogar den Wandel der Zeit überdauert.
  • Treue steht für Verlässlichkeit unddasEinhalten eines Wortes oder Versprechens auch dann noch, wenn es zum eigenen Nachteil ist.
  • Treue steht für Verantwortung, an einer Sache festzuhalten oder an einem Platz auszuharren, auch wenn Schaden, Gefahr oder Leiden drohen.
  • Treue ist eine Ethik, die aus einer inneren Haltung heraus, sich in der Tat zeigt.
  • Treue ist eine unsichtbare Kraft, die Menschen zusammenhält, ohne sie zu fesseln.

Selbst Philosophen wie André Comte-Sponville erkennen den herausragenden Wert der Treue. Er sagt: „Die Treue ist nicht ein Wert unter anderen, eine Tugend unter anderen; sie ist das, wodurch und weswegen es Werte und Tugenden gibt. Was wäre die Gerechtigkeit ohne die Treue der Gerechten? Der Friede ohne die Treue der Friedfertigen?“

(Comte-Sponville, André 1996. Ermutigung zu einem unzeitgemäßen Leben. Reinbek: Rowohlt. Kap. 2: Die Treue.)

Die Treue bei Christen wird als wichtige Eigenschaft hervorgehoben

Neben vielen Tugenden und Werten ist Treue ein zentrales Merkmal.

  • Jesus nennt das Gleichnis von den treuen Verwaltern                                Mt 25,23
  • Jesus betont die Treue im Kleinen                                                                  Lk 16,10
  • Timotheus wird als treues Kind Gottes im Glauben bezeichnet                 1Kor 4,17
  • Epaphras, Tychikus und Onesimus sind Vorbilder als treue Diener           Kol 1,7; 4,7-9
  • treue Christen sollen in der Gemeinde als Mitarbeiter geschult werden   Tim 2,2
  • Johannes lobt die Treue von Gajus gegenüber seinen Mitchristen           3Joh 1,5
  • Gott erachtet uns für treu in seinem Dienst                                                    1Tim 1,12
  • Treue wird als Frucht des Heiligen Geistes bezeichnet                               Gal 5,22
  • Christen sollen Jesus treu nachfolgen bis in den Tod                                  Offb 2,10.13

Kommen wir zu unserem Predigttext aus 1Kor 4,1-5:

Paulus entgegnet den Vorwürfen einzelner Korinther, die den Inhalt seiner Botschaft abgestritten und ihn als Apostel angegriffen haben (1Kor 4,18f.; 9,1; 14,37ff.). 

Paulus klärt auf, dass die Gemeinde durchaus verpflichtet ist, die Lehrer und Lehre zu prüfen (1Kor 3,18-21; 14,29), dabei sollten sie aber auch sich selbst prüfen, ob sie im Glauben stehen (2Kor 13,5). Er nennt die Kriterien, die zu einer Beurteilung und Prüfung notwendig sind. Zusammengefasst:

  • Wessen Knechte und Diener sind sie – sind sie Sklaven Christi?
  • In welcher Haltung tun sie ihren Dienst – sind sie wirklich treu?
  • Gott allein trifft am Ende das rechte Urteil – richten wir vielleicht vorschnell?

In Bezug auf unser Thema wollen wir die Bedeutung der Treue betrachten.

  1. Der Treue verpflichtet – sie wird verlangt, weil sie Gottes Wesen entspricht

V.1    Es gab etliche Lager in der Gemeinde zu Korinth. Manche hielten viel von Petrus, andere waren für Apollos und andere bevorzugten Paulus (1Kor 1,12; 3,22). Doch worauf es ankommt, waren nicht ihre verschiedenen Schwerpunkte, sondern ihre Stellung und Beziehung zu Christus und in welcher Haltung sie ihren Dienst taten. Petrus, war der Apostel und Evangelist für die Juden (Gal 2,7), Paulus für die Heiden (Röm 11,13; 1Tim 2,7). Apollos war redegewandt und kannte sich mächtig in der Schrift aus (Apg 18,24). Trotz ihrer unterschiedlichen Schwerpunkte waren sie in ihrer Haltung zu Christus eins – und so sollten sie auch gesehen werden.

Diener des Christus: Wörtlich„Sklave, Rudersklave“, der mit körperlicher Mühe und Kraftanstrengung auch unter schlechten Bedingungen seinen Dienst tut. Es beinhaltet eine völlige Untergebenheit und Gehorsam gegenüber Christus. Sklave ist ein Leibeigener seines Herrn und gebunden an das was sein Herr befiehlt.

Für Paulus und die anderen Apostel und Mitarbeiter war es ein Vorrecht und eine Würde als Sklaven/Knechte in einer dauerhaften Bindung mit Christus zu sein. Diese Bindung basierte auf Glauben und Vertrauen (siehe Wortbedeutung Treue).

Wie sehen wir uns? Sind wir Sklaven Christi und Leibeigene unseres HERRN und sehen darin sogar ein Vorrecht und unsere Verantwortung?

Oder entscheiden wir selbst welche Befehle (Worte) des Herrn wir befolgen und welche nicht? Nehmen wir uns noch eigene Rechte heraus, weil wir diese nicht völlig an den Herrn abtreten wollen?

Jesus Christus ist der gute Hirte, dem wir uns anvertrauen können. Jesus ist kein Tyrann und Despot, der seine Knechte misshandelt. Es ist mangelnder Treue (Glauben), wenn wir Jesus nicht mit ganzem Herzen, mit aller Mühe und Kraft lieben (vgl. 5Mo 6,5; Mk 12,30).

Haushalter der Geheimnisse Gottes: Verwalter sind Bevollmächtigte die das Vermögen und Eigentum ihres Herrn wahrheitsgetreu beaufsichtigen. Bei den Geheimnissen (Mehrzahl) geht es um das ganze Heilshandeln Gottes, das noch verborgen war und erst mit den Aposteln zur bestimmten Zeit von Gott offenbart wurde (Kol 1,16). Das sind zum Bsp.:

  • das Geheimnis des Heils im kommenden Königreich               Mk 4,11; Off 10,7
  • das Geheimnis des Heils für die Rettung der Heiden                Eph 3,3f
  • das Geheimnis des Heils für die Gemeinde (Entrückung)        1Kor 15,51
  • das Geheimnis des Heils für die Rettung des Volkes Israel      Röm 11,25

V.2 Als Sklaven und Haushalter sieht Paulus sich der Treue verpflichtet:

  • verpflichtet zur Treue gegenüber seinem Herrn – Jesus-Beziehung
  • verpflichtet zur Treue gegenüber dem anvertrauten Evangelium – Rettungsbotschaft
  • verpflichtet zur Treue gegenüber Gottes Wort – in der Lehre und Ehtik
  • verpflichtet zur Treue gegenüber den Geheimnissen Gottes – Heilsplan/Ratschluss

Vgl. das Gleichnis Jesu vom treuen Verwalter (Lk 12,42).

2. Der Treue Rechenschaft schuldig – sie wird beurteilt, weil Gott sie für wesentlich hält.

V.3 Treue beinhaltet auch die Verantwortlichkeit dem Willen des Herrn entsprechend zu handeln. Weder, sich von Menschenmeinungen beeinflussen zu lassen oder das anvertraute Gut so zu verändern, damit es Anerkennung oder Zustimmung gewinnt.

Paulus weiß, dass er vor Menschen und Gott Rechenschaft geben muss, aber die menschliche Gerichtsbarkeit steht unter der göttlichen. Darum bedeutet Treue, Gott mehr zu gehrochen als Menschen. Letzten Endes wird Gott Gericht halten über seinen Dienst.

Treue steht der Willkür und Lust entgegen: Paulus kann auch sich selbst nicht als Maßstab setzen. Er kann und will sich selbst nicht beurteilen, sondern handelt nach bestem Gewissen. Er nimmt an, was Gott ihm anvertraut hat und gehorcht. Weder Eigenmeinung noch Fremdmeinung bestimmen über die Richtigkeit dessen was Gott sagt (Gal. 1,8-10). Paulus löst sich von dem Druck von anderen beurteilt zu werden oder gar sich selbst beurteilen zu müssen. 

V.4 Treue hat was mit einem reinen Gewissen zu tun (Herzenstreue): Auch wenn Paulus sich keiner Untreue bewusst ist (gemeint ist, dass er Gottes Wort verfälscht weitergibt) – stellt er sich doch unter Gottes Urteil. Nicht das gute Gewissen rechtfertigt, nicht seine guten und aufrichtigen Taten, nicht seine eigene Treue – sondern allein die Gnade und Treue Gottes ist es, die ihn vor Gott bestehen lässt. Auch wenn scheinbar in unserem Dienst alles in Ordnung erscheint – was wohl kaum jemand von sich sagen würde – besteht die Gefahr, dass man in eine selbstgerechte Haltung verfällt. Hier mahnt Paulus, dass selbst ein gutes Gewissen kein Grund für Selbstgerechtigkeit ist.

3. Die Treue wird belohnt –sie wird geehrt, weil Gott uns durch sie in den Himmel bringt.  

V.5. Treue wird von Gott beurteilt. Treue ist eine innere Haltung, die dem Herrn vertraut und sich ihm immer wieder neu hingibt. Man kann treu sein, auch wenn man schwach ist und immer wieder hinfällt. Treue lebt von der festen Glaubens- und Vertrauensbeziehung zu Gott. Treue lebt von Gottes Gnade. Ich traue meinem Herrn – und er kennt mein Herz.

Wenn der HERR wiederkommt, wird er ans Licht bringen, welche treuen Absichten jeder hatte. Wir können weder in die Herzen von Menschen blicken, noch sollen wir vorschnell urteilen. Das ist es, was Gott allein beurteilen wird.

Noch ein letzter Gedanke: Treue zeigt sich auch im Leiden.

  • Im Leiden, weil man äußerliche Widerstände erfährt (Angriffe, Verfolgung, Tod). Sogar die Treue bis in den Tod (Off 2,10).
  • Im Leiden, weil man innerliche Widerstände erfährt (Sünde, Begierde, Versuchung).

Treue wird im Alltag geprüft. Oft leiden wir selbst an unserer eigenen Untreue – aber selbst dieses Leiden ist ein Hinweis auf Treue. Wer an seiner Untreue nicht leidet, der ist untreu.

Am Ende werden wir den Treuen sehe, der uns trotz aller Untreue treu blieb.

Jesus ist der treue Zeuge, der treue Hirte, der treue Heiland. ER hat sich mir versprochen, sich für mich hingegeben und hat mir vergeben.

Es ist Gottes treue Gnade, die mir vergibt.

Es ist Gottes treue Gerechtigkeit, die mich rechtfertigt. 

Es ist Gottes treue Wahrheit, die mich ans Ziel bringt.

Es ist Gottes ewige Treue, die mir die Sicherheit und Gewissheit meines Heils gibt.

Darum wird am Ende, wenn Jesus wiederkommt, seine Gnade und Treue überaus groß werden. Gott belohnt nicht die Leistung, sondern die Treue.

Was ist Treue? Glaube und Vertrauen in Gottes Zusagen und Bündnisse. Gott beim Wort nehmen. Glauben, dass er für mich alles vollbracht hat. Darum brauche auch ich mich nicht vor Gottes Gerichtstag fürchten.

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Zum theologischen Verständnis sind drei Punkte wichtig.

  1. Die Treue entspringt allein aus Gottes Wesen (Treue und Gnade)

Der Mensch neigt von Natur aus durch seine Sündhaftigkeit zur Untreue. Nur Gottes Geist befähigt den wiedergeborenen Gläubigen zum echten Tun der Treue, die ihn immer mehr Christus ähnlich macht. Beim besten Willen zur Hingabe an Jesus bleibt die Treue von Christen ihrer Schwachheit unterworfen. Treue ist ein Geschenk Gottes und muss dennoch geübt werden. Treue bedeutet darum von Gottes Gnade zu leben (Joh 1,16) – ähnlich dem Sprichwort: hinfallen, aufstehen, Krone richten und weitergehen.   

2. Die Treue ist gebunden an den Maßstab Gottes (Treue und Wort Gottes)

Treue ist eine innere Haltung, deren Denken und Überzeugungen sich an festen Parametern und Maßstäben ausrichtet. Damit verbindet sie eine gewisse Konstante und Unveränderlichkeit. Treue widersteht somit auch einer wechselhaften Mehrheitsmeinung, ist frei von Popularität, dem Zeitgeist oder der Kultur. Man könnte auch sagen: Treue weigert sich, sein Denken und seine Überzeugungen zu ändern, wenn es nicht gute biblische Gründe dafür gibt (vgl. Eph 4,14).

3. Sich selbst freu bleiben contra sich selbst verleugnen (Treue und ich)

Wenn Jesus zur Selbstverleugnung aufruft (Mt 16,24) ist das das krasse Gegenteil von dem, was heute den Menschen von Psychologen suggeriert wird, nämlich „sich selbst treu zu sein“. An keiner Stelle werden wir aufgerufen uns „selbst treu zu sein“. Es ist der Aufruf der Welt, selbst Herr über sein Leben zu sein, seinem Ich und seinem Selbst zu folgen, sich keinem anderen Maßstab oder keiner höheren Autorität unterzuordnen. Die Bibel ruft uns dagegen auf Jesus und seinem Wort gegenüber treu zu sein, sich selbst zu verleugnen und sich ganz unter die Autorität Gottes zu stellen, weil sein Wille und Wort gut und heilsam für uns ist. Bleibt der sündhafte Mensch sich treu, rennt er ins Verderben und ins Unglück. Diese Tatsache ist eine wichtige Botschaft des Evangeliums. Treue und Glaube gehören zusammen – die Frage ist, wem vertraue ich mehr? Mir selbst oder Gott? 

2.2 Weitere Hinweise zum Wert TREUE

Quellen: https://www.values-academy.de/treue/

Wortformen:  Anhänglichkeit, anhängliche Haltung, Ergebenheit, Vertrauen, Hingabe, Loyalität, Adhärenz, Beständigkeit, Zuverlässigkeit.

Dazu gehören Attribute wie: beständig, konstant, ergeben oder korrekt.

Aber auch: „prinzipientreu, vertragstreu, formtreu, funktionstreu“.

Definition: verbindliche und verlässliche Loyalität

Beschreibung: Treue ist eine Tugend, welche die Verlässlichkeit eines Menschen gegenüber einem anderen oder einer Gruppe beschreibt. Treue begründet Loyalität und basiert auf Vertrauen und Zuneigung zu einem Gegenüber, das beispielsweise ein Ehepartner, Partner, Freund, der Freundeskreis, ein Kollege, Vorgesetzter oder ein Unternehmen sein kann.

Umgangssprachlich kann man auch einer Sache treu sein, z.B. einer Marke oder Gebrauchsgegenständen.

Gegensatz: Verrat, Untreue

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Treue ist alltagstauglich, aber oft angefochten. Jeder Verkündiger findet hier sicherlich selbst viele persönliche Beispiele. Als Hilfe dienen folgende Fragen:

  • Wie konkret erlebe ich die Treue von anderen (evtl. in Ehe, Familie, Gemeinde, Gott..)?
  • Wo ärgere ich mich und verletzt mich Untreue?
  • Wo tue ich mich schwer treu zu sein? Halte ich mich an Termine, Absprachen, Versprechen? Können sich andere auf mich verlassen und mir glauben?
  • Welchen Nutzen hat Treue (Sicherheit, Verlässlichkeit usw.)?
  • Welche Nachteile hat Treue (evtl. Gebundenheit, Freiheitseingrenzung usw.)?
  • Was sind Folgen von Untreue (Unsicherheit, Vertrauensbruch, Unverbindlichkeit…)?

Wir leiden unter der Untreue aus einem falschen Freiheitsdrang: Ganz allgemein leidet die Gesellschaft, die Wirtschaft oder auch ein Vereinsleben unter der zunehmenden Unverbindlichkeit und Untreue. Untreue durchzieht alle Lebensbereiche (Familie, Arbeit und Gemeinde). Komme ich heut nicht, komme ich morgen – man legt sich nicht fest, macht lieber keine Zusagen und will sich nicht binden. Der Individualismus und ein falscher Freiheitsdrang führen dann zu Untreue. Das äußert sich z.B. bei kurzfristigen Anmeldungen zu Terminen, spontanen Absagen, häufiger Stellenwechsel, Zusammenleben ohne Trauschein, zunehmende Ehescheidungen oder Partnerwechsel usw. Das alles sind Kennzeichen einer fehlenden Tugend der Treue.

Wir leiden unter einem falschen Treueschwur: Es war die „preußische Tugend“, durch welche die Treue in Verruf kam und mit einem Kadavergehorsam (ohne Verstand) ersetzt hat. Der Missbrauch der Treue findet sich immer wieder in totalitären Systemen wie dem Nationalsozialismus. Die Tugend der Treue ist gut, wenn sie mit anderen biblischen Werten des Geistes Gottes einhergeht (Treue und Liebe, Treue und Geduld, Treue und Freundlichkeit, Treue und Enthaltsamkeit, Treue und Friede usw.). Wenn die Tugend der Treue keine anderen dieser Werte einschließt, negiert sie zu einer Treue zum Bösen.  

3. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Die Zuhörer sollen sich bewusstwerden, dass Treue aus Gottes Wesen kommt.

Gott ist treu in allem was er tut und wir leben und profitieren von seiner Treue. Wir können uns darauf verlassen was er sagt, das stimmt und tut er auch. Wir erfahren dadurch Sicherheit und Gewissheit, weil seine Treue uns ans Ziel bringt.

Beschämt müssen wir bekennen, dass wir untreu sind und eine natürliche Neigung gegen Treue haben. Darum kommt die Treue in unserem Leben nicht aus uns, sondern allein aus Gott. Gottes Geist möchte uns als Frucht des Glaubens zur Treue befähigen.

Treue adelt den Menschen auf Erden, weil sie etwas Vorbildliches und Ehrenhaftes ist.

Treue ist ein Geschenk und muss doch auch willentlich eingeübt werden:

  • in der Ehe, in Beziehungen, am Arbeitsplatz oder in der Gemeinde
  • in Schwierigkeiten, wenn die Umstände beschwerlich sind oder werden
  • in wechselhafte Zeiten, wenn vieles sich verändert

Gott will uns Beständigkeit geben in allen Tugenden und Werten des Geistes.

Treue ist hat etwas Bleibendes, was die Zeit überdauert – sie trägt ein Stück Ewigkeit in sich – darum ist und bleibt Gott auch treu (2Tim 2,11-13). Treue ist eine Tugend, die es lohnt zu leben. Im Himmel wird der Mensch für seine Treue belohnt.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Als Christen sollen wir Treue üben. Es ist ein Erkennungs- und Markenzeichen von Kindern Gottes. Wie Gott treu ist, so sollen auch wir treu sein.

Und wenn wir es mal nicht schaffen treu zu sein, dann ist doch der HERR treu.

Als Christen dienen wir unserem Herrn in aller Treue. Als Sklaven und als Hausverwalter, die nicht das Recht haben Gottes Reichtum und Eigentum zu verscherbelnd. Sprich: Gottes Wort oder Evangelium zu verändern. Im persönlichen Glauben oder in der Gemeinde sind wir zur Treue gegenüber Gott und seinem Wort verpflichtet.

Als Christen, sollen wir Wert auf Treue legen, nicht auf Leistung. Wir müssen einmal Rechenschaft vor Gott geben, ob wir ihm treu waren. Damit ist nicht der kontinuierliche Gottesdienstbesuch oder die jahrelange Mitarbeit in der Gemeinde gemeint. Hier geht es um die innere Haltung der Treue. War meine Mitarbeit aus Treue und Liebe zum Herrn, besuchte ich die Gemeinde, weil mir die Treue zu Gottes Wort wichtig war, um ihn in seinem Wort zu hören, um ihm mit meinem Leben zu dienen?

Als Christen dürfen wir wissen, dass der HERR unser Leben einmal beurteilen wird. Dann kommt es nicht darauf an, wieviel wir getan oder nicht getan haben. Sondern warum und wie wir das getan haben, was wir getan haben. Von Gottes Liebe und Treue wollen wir lernen und auch hier Christus immer ähnlicher werde. 

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  1. Der Treue verpflichtet – sie wird verlangt, weil sie Gottes Wesen entspricht
  2. Der Treue Rechenschaft schuldig – sie wird beurteilt, weil Gott sie für wesentlich hält
  3. Die Treue wird belohnt – sie wird geehrt, weil Gott uns durch sie in den Himmel bringt 
  1. Treue wird geschenkt
  2. Treue wird gefordert
  3. Treue wird belohnt
  1. Die Treue zu Jesus – Gottesbeziehung
  2. Die Treue zur Aufgabe – Dienstbeziehung
  3. Die Treue zum Leben – Alltagsbeziehungen
  1. Treue und Wahrhaftigkeit
  2. Treue und Verlässlichkeit
  3. Treue und Sicherheit
  1. Weil Gott treu ist, bin ich gerettet 
  2. Weil Gott treu ist, will auch ich Treue üben
  3. Weil Gott treu ist, habe ich Gewissheit

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Treue: Frodo ist der eigentliche Held in Tolkiens „Herr der Ringe“. Aber er ist nur deshalb erfolgreich, weil er treue Gefährten hat. Einer dieser Freunde ist Sam. Er muss Frodo am Ende sogar tragen, weil dieser keine Kraft mehr hat. Ohne den kleinen, unscheinbaren – aber treuen – Sam kann Frodo seine große Aufgabe nicht erfüllen.

(Aus: Afflerbach, Horst; Kaemper, Ralf, Kessler, Volker; Lust auf Gutes Leben – 15 Tugenden neu entdecken, Brunnen Verlag)

Glauben heißt. abhängig sein von der Treue Gottes. Corrie ten Boom

Wir werden nicht belohnt werden für unsere Leistung, sondern für unsere Treue. Corrie ten Boom

Der ewig treue Gott hält täglich, was er verspricht. Friedrich von Bodelschwingh

Die Gemeinde braucht nicht glänzende Persönlichkeiten, sondern treue Diener Jesu und der Brüder. Dietrich Bonhoeffer

(Klaus Eberwein)