Predigtthema: Dankt dem Herrn!
Predigttext: Psalm 136
Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!
1. Sehen, was dasteht
Verschiedene Bibelübersetzungen, um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000/ Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).
1.1 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung bieten z.B.
* Warren Wiersbe, Sei voller Lobpreis, Studien des Alten Testaments: Psalmen 90- 150
* C.H. Spurgeon, Die Schatzkammer Davids
* Elberfelder Studienbibel mit Sprachschlüssel
* Andere Studienbibeln
1.2. Besonderheit von Psalm 136
Dieser Psalm ist ein Wechselgesang zwischen einem Chorleiter und einem Chor, einem Chorleiter und den versammelten Anbetern oder vielleicht zwischen zwei Chören. Die jüdischen Gelehrten nenne ihn auch „das große Hallel“ (Lobpreis). Der Psalm beschreibt das Handeln Gottes an seinem Volk. Dabei verwandelt er geschichtliche Ereignisse in theologische Aussagen und theologische Aussagen in Anbetung. Wenn unsere Anbetung sich nicht auf geschichtliche Ereignisse oder auf das Handeln Gottes in der Welt stützt, dann fehlt ihr die theologische Aussagekraft, und dann handelt es sich nicht um wahre Anbetung.
Der Refrain ist uns vertraut. Er wurde bei der Einweihung des salomonischen Tempels gesungen (2Chr 7,3.6) und auch von König Joschafats Sängern, als Juda von Moab und Ammon angegriffen wurde (2Chr 20,21; vgl. Ps 106,1; 107,1; und 118,1 und 29). Der Titel „Gott des Himmels“ (V 26) wurde in jener Zeit häufig verwendet (Esr 1,2; 5,11-12; 6,9-10; 7,12.21.23; Neh 1,4; 2,4; Dan 2,18.19.44). In diesem Psalm liegt der Schwerpunkt auf dem Dank an Gott für das, was er ist, und für das, was er führ sein Volk getan hat. (Warren Wiersbe)
Der Psalm beginnt und endet mit der Aufforderung, Gott zu preisen.
Die ständig wiederholte Formel: Denn seine Gnade währt ewig könnte ermüdend wirken. Dennoch liegt in ihr die theologische Mitte des ganzen Psalms, von der aus alle die anderen Aussagen erst verständlich werden. Gottes Gnade, d. h. seine Liebe und Bundestreue, ist es, die sich in seinen Wundern durchsetzt (V.4); sie liegt seinem Schöpferhandeln zugrunde (V.5-9) und sie ist auch die treibende Kraft in seinem Geschichtshandeln (V.10-22). Auf Seiten der Begünstigten ist sie allerdings durch keinerlei Verdienst erworben worden (V.23-24). Trotzdem lässt sie sich so weit herab, dass sie auch noch die täglichen Lebensbedürfnisse bis hin zum täglichen Brot bedenkt (V.25). Wir können den Gott des Himmels nach seinem ganzen Wesen durchforschen, ihn, der ja keinerlei irdischen Beschränkungen unterworfen ist und dem die ganze Fülle des Himmels gehört- und wir würden nichts finden, was lobenswerter ist als seine Gnade, die ewig währt (26). (aus dem Kommentar zur Bibel, R. Brockhaus Verlag Wuppertal)
Der Psalmbeter bringt eines auf den Punkt: Gott ist gut. Darum fordert er zum Lobpreis auf. Gott ist gut, das ist aber keine theologische Aussage, die man einfach glauben muss, ansonsten aber den Alltag nicht weiter berührt, nein, es ist eine Aussage, die man erfahren kann und die man erfahren wird, wenn man sich auf Gott verlässt. Nicht umsonst schreibt der Psalmbeter dieses: Gott ist gut hinter jede Aussage, die er macht.
1.3. Worterklärung
Gnade (häsäd): Güte, Gnade, Treue, Verbundenheit, Gemeinschaftspflicht, Großherzigkeit, Gunst.
Das Wort beschreibt eine Einstellung und eine Verhaltensweise, bei der die Rechte und Pflichten in einer Gemeinschaft voll und über das notwendige Maß hinaus erfüllt werden (1 Mo 20,13; 47,29; 2Sam 2,5; 10,2; 1Kö 2,7). Es entspricht nicht nur dem erwarteten Verhalten, sondern steht für eine unerwartete Freundlichkeit und Zuwendung (1Mo 21,23; 40,14 u.a.), die wohltuend wirkt (Ps 109,16; Spr 14, 22 u.a.). Das Wort steht oft in Parallele zu ämät- Treue, Wahrheit, Verlässlichkeit (z. B. Ps 25,10) und rahamim- Erbarmen (Ps 25,6), besonders in Aussagen über Gott, zu dessen Wesen häsäd gehört (2Mo 34,7 u.a.). Dies beinhaltet Vergebung (2 Mo 34,7 u.a.), aber auch Hilfe und Rettung im weitesten Sinne (Ps 26,3 u.a.). Besonders die Psalmgebete rühmen Gottes Güte, sie füllt die Erde (Ps 33,5), ist himmelhoch (Ps 36,6), gilt dem Menschen (Ps 33,22), umgibt den Gottesfürchtigen (Ps 23,6), ist kostbar (Ps 36,8) und sättigt ihn (Ps 90,14). Erweist Gott seine helfende Zuwendung, erwartet er auch von Menschen Güte und zurechtbringendes Erbarmen anderen gegenüber (Jer 9,23; Hos 4,1;10,12;12,7) sowie Vertrauen (Ps 13,6; 33,18.22) und Liebe zu Gott (5Mo 5,10;6,5; Jer 2,2; 31,3).
(aus der Elberfelder Studienbibel mit Sprachschlüssel, S. 1261, Artikel 2685.
1.4. Versauslegung
Der Schöpfer – er bringt hervor (V. 1-9)
Verse 1-4: Der Psalmist beginnt mit einem Rückblick auf die Anfänge, die Schöpfung des Universums, wie sie in 1. Mose 1 geschildert wird. Der Herr hatte die Weisheit, die Schöpfung zu planen, und die Macht, diesen Plan auszuführen, und dafür genügte sein göttliches Wort (33,6-9). Weil die Menschheit nicht dankbar sein wollte für die Schöpfung, begann ihr schrecklicher Abstieg in die Unwissenheit, die Unmoral – bis hin zum ultimativen Gerichtshandeln Gottes (Röm 1,18ff). Ob am Tag oder in der Nacht, ob beim Blick hinauf in den Himmel oder hinab zur Erde und zu den Gewässern, wir sollten überall in der Natur die Hand Gottes sehen und erkennen, dass ein Schöpfer das alles aus dem Nichts hervorgebracht hat. In der Schöpfung liegt alles verborgen, was wir für unser Leben brauchen. Deshalb haben wir gute Gründe, Gott zu danken!
Der Erlöser – er führt uns heraus (V. 10 – 12)
Der Psalmist legt den Schwerpunkt auf den Auszug Israels aus Ägypten (2Mo 12,12), während die langen Jahre des Leids und auch das Gerichtshandeln Gottes an den Göttern des Landes unerwähnt bleiben. Mit dem Ausdruck „herausführen“ beschrieb das israelische Volk seine Befreiung (5Mo 1,27; 4,20.37; 5,6; 16,1). Bis Israel das Schilfmeer durchquerte, waren das Land Ägypten, seine Erstgeborenen, seine Religion und sein Heer durch die Hand Gottes zerstört worden. Der Auszug aus Ägypten war der „Geburtstag“ des Volkes Israel. Seit dieser Zeit blicken die Juden am Passahfest zurück auf dieses Ereignis und erinnern sich an das machtvolle Handeln Gottes. Der Auszug aus Ägypten ist auch ein Sinnbild für die Erlösung in Jesus Christus, dem makellosen Lamm Gottes, das sein Blut vergossen hat, um Sünder von der Macht der Sünde zu befreien (1Petr 1,18- 19; Joh 1,29; Eph 1,7; Kol 1,14; Hebr 9,12). Die Macht Gottes zeigte sich zwar beim Auszug Israels aus Ägypten (2Mo 15,6), aber mehr noch offenbarte sie sich am Kreuz von Golgatha (Jes 53,1ff; Lk 1,51).
Der Hirte – er führt uns hindurch (V. 13- 16)
Der Herr führte Israel durch das Meer (V. 13- 15) und durch die Wüste (V. 16). Eine Wolkensäule begleitete die Israeliten bei Tag, und eine Feuersäule bei Nacht (2Mo 13,21-22). Gott führte sie zum Sinai. Dort blieben sie über ein Jahr lang, während Mose das göttliche Gesetz empfing und an das Volk weitergab sowie den Bau der Stiftshütte beaufsichtigte. Das Volk brauchte die Disziplin des Gesetzes und die Freude an der Anbetung Gottes, bevor es zum Einzug in Kanaan bereit war. Wegen seines Unglaubens in Kadesch Barnea musste das Volk wieder zurück in die Wüste (4Mo13- 14). Während der nächsten achtunddreißig Jahre des Herumwanderns starb die Generation der Rebellen aus. Mose gebot der nächsten Generation, sie solle sich an diese Jahre in der Wüste erinnern und dem Worte Gottes gehorchen (5Mo 8).
Unser Herr Jesus Christus ist unser Hirte (23,1; 78,52- 55; 80,2; Joh 10,11-14; Hebr 13,20; 1Petr 5,4), nicht nur in diesem Leben auf Erden, sondern auch in der Ewigkeit (Offb 7,17).
Der Sieger – er führt uns hinein (V. 17- 22)
Als sich die vierzig Jahre Wüstenwanderung ihrem Ende näherten, führte Mose das Volk zurück zum Tor ins verheißene Land. Auf dem Weg besiegte Israel mächtige Könige und eroberte ihre Länder (4Mo 21). Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse beanspruchten zwar ihr Erbteil östlich des Jordans (4Mo 32; Jos 18, 7), aber ihre Männer marschierten mit den anderen Stämmen nach Kanaan. Sie halfen ihnen beim Sieg über die Feinde und bei der Einnahme des Landes (135, 10- 12; Jos 22). Das Land gehörte zwar dem Herrn, aber er gab es Israel als Erbe. Solange das Volk dem Bund mit Gott treu war, sollte es den Segen des Landes genießen.
Heute werden wir durch den Glauben an Jesus Christus von der Macht der Sünde befreit und „versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe“ (Kol 1,13). Kanaan kann kein Sinnbild für den Himmel sein, denn schließlich gibt es dort keine Kriege mehr. Es steht vielmehr symbolisch für unser gegenwärtiges Erbe in Jesus Christus. Dieses Erbteil beanspruchen wir im Glauben für uns. Dabei erringen wir den Seig über Satan und seine Heere, die uns in Unfreiheit und geistlicher Armut belassen wollen. Dieses Thema wird auch in Hebräer 1- 4 aufgegriffen.
Der Befreier – er führt uns zurück (V. 23- 25)
Diese Verse enthalten eine Zusammenfassung über das Versagen Israels und die Strafe, die dann folgte. Der Herr brachte sieben Völker ins Land, um Israel für seinen Ungehorsam zu bestrafen. Diese Geschehnisse werden uns im Buch Richter berichtet. Das Volk wandte sihc falschen Göttern zu. Deshalb müsste es die bereits angekündigte Züchtigung hinnehmen, bis die Lage so unerträglich wurde, dass das Volk zu Gott umkehrte und ihn um Gnade anflehte. Dann „gedachte“ der Herr Israels (Vgl. Ps 132,1) und befreite es aus seiner Bedrängnis (Ri 2,11- 23). Dieses schlimme Leben in dem herrlichen Land, das Gott Israel gegeben hatte, war nach seinem Willen nicht vorgesehen für sein Volk, aber heute geht es vielen Menschen, die sich zum Glauben bekennen, ähnlich. Wenn alles gut läuft, vergessen sie den Herrn, aber sobald es ihnen schlecht geht, wenden sie sich ihm zu und bitten ihn um Hilfe. Die Anspielung auf die Nahrung in Vers 25 erinnert uns daran, dass die Völker, die in Israel einfielen, entweder die Ernten vernichtet oder erbeutet hatten und das Land danach brachlag (Ri 6,1-6).
Wenn wir Gott als dem Geber alles Guten von ganzem Herzen für unsere Nahrung danken, dann werden wir uns nicht so schnell von ihm abwenden und andere Götter anbeten. Die anderen Geschöpfe fordern von Gott ihre Speise und sie danken dem Herrn dafür, indem sie seinen Willen tun und ihm die Ehre geben (104, 10- 18).
Einen solchen Psalm kann man nur auf diese Art beenden: „Preist den Gott des Himmels! Denn seine Gnade währt ewig!“ (V. 26).
Zit.:Warren Wiersbe, Sei voller Lobpreis, Studien des Alten Testaments: Psalmen 90-150. S.196-199.
2. Verstehen, worum es geht
- Hinweise für situative Überlegungen
Der Altjahrsabend lädt zum dankbaren Jahres- Rückblick ein. Sicher bietet es sich an, im Gottesdienst dafür Zeit einzuplanen und zu überlegen: wo habe ich in diesem Jahr Gottes Güte erlebt? Vielleicht auch gerade angesichts eines Jahres, das von Krisen und schlechten Nachrichten geprägt war!
Der Psalm kann auch als Ermutigung dienen, selbst einen Lobpreispsalm zu schreiben. Das kann helfen, die eigene Geschichte in Zusammenhang mit Gottes Güte zu sehen.
2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Psalm 136 ist Israels Lob für seine wunderbare Rettung. Das Lob Gottes für den Sieg über die Feinde und deren Tod ist für unsere Zeitgenossen oftmals schwer zu verstehen. Gottes ist in seinem Handeln jedoch souverän, er muss sich nicht vor uns verantworten. Er ist gerecht in allem was er tut. Und dazu gehört eben auch, dass Gott Feindschaft gegen ihn und sein auserwähltes Volk nicht einfach duldet.
Gott hat seine Geschichte weitergeschrieben. Wir danken Gott heute auch für das, was Jesus Christus für uns getan hat. Wir loben Gott heute dafür, dass er den Feind, den Teufel besiegt hat (wofür Pharao ein Sinnbild darstellt). Dass Gott uns aus der Knechtschaft der Sünde (Ägypten als Bild für das Sklavenhaus) in die Freiheit geführt hat. An Gottes Handeln in der Geschichte wird sichtbar, dass Gott Herr ist, sowohl über die sichtbare als auch über die unsichtbare Welt.
2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
Der Predigt- Schwerpunkt ist durch die einleitende Aufforderung: „Danket dem HERRN; denn er ist freundlich“ und die immer wiederkehrende Aussage: „denn seine Güte währet ewiglich“ vorgegeben: Lob Gottes für alles, was er tut!
3. Sagen, wo es hingeht
3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Psalm 136 fordert uns zum Danken auf: Gott gebührt das Lob für alles was er tut, bzw. was er dieses Jahr getan hat.
3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Mögliche Gliederung:
Dankt dem Herrn!
– Dem Schöpfer
– Dem Erlöser
– Dem Hirten
– Dem Sieger
– Dem Befreier
3.3 Predigtveranschaulichung – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?
Dankbarkeit entspringt nicht aus dem eigenen Vermögen des menschlichen Herzens, sondern nur aus dem Worte Gottes. Dankbarkeit muss darum gelernt und geübt werden. … Dankbarkeit sucht über der Gabe den Geber. Sie entsteht an der Liebe, die sie empfängt. …
Dankbarkeit ist demütig genug, sich etwas schenken zu lassen.
Der Stolze nimmt nur, was ihm zukommt. Er weigert sich, ein Geschenk zu empfangen. …
Dem Dankbaren wird alles zum Geschenk, weil er weiß, dass es für ihn überhaupt kein verdientes Gut gibt. …
In der Dankbarkeit gewinne ich das rechte Verhältnis zu meiner Vergangenheit, in ihr wird das Vergangene fruchtbar für die Gegenwart. Ohne die Dankbarkeit versinkt meine Vergangenheit ins Dunkle, Rätselhafte ins Nichts. Um meine Vergangenheit nicht zu verlieren, sondern sie ganz wiederzugewinnen, muss allerdings zur Dankbarkeit die Reue treten. In Dankbarkeit und Reue schließt sich mein Leben zur Einheit zusammen.
… Undankbarkeit beginnt mit dem Vergessen, aus dem Vergessen folgt Gleichgültigkeit, aus der Gleichgültigkeit Unzufriedenheit, aus der Unzufriedenheit Verzweiflung, aus der Verzweiflung der Fluch.
Dietrich Bonhoeffer, Konspiration und Haft 1940-1945, DBW Band 16, Seite 490, 491, 492, 493
Dankbarkeit
Vielleicht sind sie Ihnen heute oder in den letzten Tagen aufgefallen: missmutige Zeitgenossen, die nur überall herumgenörgelt und kritisiert haben und das in Ihrer unmittelbaren Nähe. Sie haben gemerkt, dass so etwas ansteckend wirken kann. Wenn Sie es lange genug hören, werden Sie ebenfalls bald diese Melodie singen.
Und jetzt gibt es etwas, was diese Tendenz durchbricht: »Danke!« Dieses Wort macht den ganz kleinen, großen Unterschied. Es entkräftet diese negativen Erscheinungen und Statements. Danken heißt, dass ich Respekt vor der anderen Person und deren Tun habe. Es ist ebenfalls ein sozialer Sprengstoff, denn es durchbricht Automatismen, die uns immer weiter herunterziehen. Dieses Wort steht jedem Menschen gratis und frei zur Verfügung. Danken stellt das Gleichgewicht her zwischen Geben und Nehmen. Mit Dank zeigt man, dass man einander braucht.
In der Bibel lesen wir viel von danken, Dankbarkeit usw. Es gibt so vieles, für das ich danken kann, nicht nur meinen Mitmenschen gegenüber, sondern auch Gott gegenüber. Wir haben einen freundlichen und gütigen Gott, der uns seine Liebe und Gnade erweisen will. Dies hat er insbesondere bewiesen, indem er uns seinen Sohn sandte, um uns von unseren Sünden zu retten. Und dazu auch von einem trostlosen Leben, verstrickt in Missmut und Überheblichkeit.
Weil Gott mir so ein großes Geschenkt anbietet, darf ich Dankbarkeit ihm gegenüber lernen. Ich bin dann auch froh über andere Menschen, die sich ihm anvertraut haben und geprägt sind von den Spuren seiner Liebe, die sich auch bei ihnen in ihrer Dankbarkeit zeigen. Solche Dankbarkeit führt dann auch zur Freundlichkeit untereinander.
Waltraud Baumann, Leben ist mehr, 02.10.2017.
Dankbarkeit
Kommt es Ihnen auch so vor, dass heutzutage immer weniger Menschen »Danke« sagen? Man lässt an der Supermarktkasse einem anderen den Vortritt und hört vielleicht ein leise gemurmeltes Wort, erkennt eine Geste, aber selten ein herzliches und klares »Danke«. Das liegt oft daran, dass man die Unterstützung anderer als selbstverständlich ansieht oder meint, dass man moralisch Anspruch auf Hilfe hat. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Für den Betroffenen ist es völlig korrekt, dass man ihn an der Kasse vorlässt, weil er ja nur zwei Artikel hat. Es wäre sogar unverschämt, wenn man ihn nicht vorlassen würde.
Das Wort »Danke« lässt sich sprachlich auf das althochdeutsche »dancon« zurückführen und gehört zum Wortstamm von »denken«. Zunächst war die Bedeutung »Gedanke, Wille, Absicht«, und heutzutage spricht man von einer »dankbaren Gesinnung« und »Erkenntlichkeit«. Man könnte also sagen: Wer »denken« kann, der sollte auch »dankbar« sein. Der deutsche Theologe Hermann von Bezzel (1861–1917) hat einmal gesagt: »Die größte Kraft im Leben ist der Dank. Wir können dankbar sein dafür, dass Gott seinen Sohn für uns auf die Erde gesandt hat. Dankbar können wir dem Sohn sein, dass er für uns gelitten hat und gestorben ist.«
Die Bibel spricht sehr häufig über Dankbarkeit. Es lohnt sich, diesbezüglich einmal genau zu forschen. Wenn es nach der Bibel geht, hätten wir keinen Grund mehr zum Klagen, sondern nur noch zum Danken. Beharrliches Danken ist für Gott ein Wohlgefallen, es sollte unser Leben prägen. Damit ehren wir nicht nur Gott, sondern tun uns auch selbst den größten Gefallen. – Wenn wir im alltäglichen Miteinander das Danken gutheißen, wie viel mehr gegenüber Gott, dem wir so viel verdanken!?
Axel Schneider, Leben ist mehr, 16.05.2017.
Dankbarkeit
Wir hatten Besuch aus Rumänien. Der erzählte uns, dass er für seine Pflegekinder eine bessere Unterkunft bauen musste. Weil er sehr arm war, ging es mit dem Bau aber nur langsam voran.
Eines Tages standen drei Angst einflößende Kerle vor seiner Tür, die ihn fragten, ob er Steine gebrauchen könnte. Unser Gast hielt das für einen Vorwand, ins Haus zu kommen, um irgendwelche Geldforderungen zu stellen. Das machten verschiedene Banden dort sehr häufig.
Voller Angst sagte er ihnen auch gleich, er hätte kein Geld, sonst würde er es geben. Sie aber wiederholten nur die Frage, ob er Steine gebrauchen könnte. »Ja«, sagte er daraufhin, »aber ich kann keine bezahlen!«
Sogleich verschwanden die drei und kamen bald darauf mit einem Lastwagen voller Steine zurück. »Ladet die bis morgen früh ab!«, befahlen sie. Unser Besucher hat daraufhin mit seinen Kindern während etlicher Nachtstunden die Steine abgeladen.
Wie kam es dazu? Einer der drei Spender hatte während seiner Zeit im Gefängnis eine Bibel gefunden. Sie hatte ihm die Augen für sein gottloses Leben geöffnet, sodass er Gott um Vergebung bat. Nach der Entlassung erfuhr er, dass die Frau unseres Besuchers seiner Frau beigestanden hatte, die während seiner Inhaftierung ein Baby erwartete. Nun wollte er sich auf diese Weise erkenntlich zeigen.
Man sieht es den Menschen nicht immer gleich an, wenn sie Christen geworden sind, aber man kann sie an ihren Taten erkennen. Doch wenn die »Früchte« des Glaubens nirgends zu sehen sind, muss man große Zweifel an der Echtheit der Umkehr haben. Wir sollten Gott um »gute Früchte« bitten.
Anna Schulz, Leben ist mehr, 11.12.2014.
Dankbarkeit
Das ist für dich!«, sagte Tante Anna und wedelte verheißungsvoll mit dem Geschenk. »Komm, gib deiner Tante einen Kuss!« Ich war noch klein, aber schon damals fand ich es fürchterlich. Trotzdem habe ich mich überwunden und ihr einen »Kuss« gegeben. Doch ich fühlte mich reingelegt. Alles war OK, bis … ich ins Päckchen sah. Lakritze! Salzig! Welches Kind mag schon salzige Lakritze? Ich wollte nur eines: Schnell weg! Genau in diesem Moment kam der Ruf meiner Mutter: »Komm zurück! WIE SAGT MAN?« So sagte ich brav: »Danke, Tante Anna!« Und – weg war ich! Ich hab wohl »Dankbarkeit« gelernt! Oder Heuchelei! Entscheiden Sie!
Heute weiß ich: Meine Mutter hatte gute Absichten. Dankbarkeit ist wichtig. Wichtig für Beziehungen. Sie lenkt den Blick weg von mir selbst. Ich kenne viele Menschen, denen es gut geht, dennoch sind sie nicht zufrieden. Andere dagegen scheinen vom Pech verfolgt zu sein, wenn es um Gesundheit, günstige Umstände und Wohlstand geht. Sie jedoch sind dankbar!
Was macht den Unterschied? Woher kommt diese positive Lebenshaltung und innere Einstellung von Dankbarkeit? Sie liegt in dem Erkennen: Alles, was ich habe, ist letzten Endes ein Geschenk! Talente, Fähigkeiten, Gesundheit, die Kraft zum Arbeiten, ja das Leben an sich!
Was bringt es, wenn man ständig unzufrieden ist und mit dem Leben hadert? Das Leben erscheint häufig ungerecht, und Gott wird an den Pranger gestellt. Dabei hat Gott uns das größte »Geschenk« gemacht, das überhaupt jemand geben kann: sich selbst! Gott schenkt uns die Chance, von der inneren Zerrissenheit heil zu werden. Er schenkt echtes Leben, das wert ist, so genannt zu werden!
Berndt Mokros, Leben ist mehr, 28.08.2014.
Der fehlende Dank
»Massenflucht vor dem Krieg«, »Tödlicher Unfall im VW-Werk«, »Elbe durch Abwasser vergiftet«, »Hunderte obdachlos durch Flut«. Täglich spucken die Druckerpressen solche oder ähnliche Schlagzeilen aus. Nicht selten schließt der dazugehörige Bericht mit einer Anklage des Redakteurs in Richtung einer höheren Macht: »Wo war Gott und warum hat er das zugelassen?«
Ungeachtet der Tatsache, dass es keine in jedem Fall passende Antwort auf diese vielschichtige Frage gibt (und an dieser Stelle auch gar nicht gesucht werden soll), ist doch verwunderlich, wie schnell Gott oft für alles, was aus dem Ruder läuft und im Leid endet, verantwortlich gemacht wird. Solange das Leben in geordneten und unbeschwerten Bahnen dahinzieht, spielt Gott in der Gedankenwelt eine untergeordnete oder gar keine Rolle. Beim Aufziehen dunkler Wolken und bedrohlicher Stürme aber (selbst wenn sie andere betreffen und einen selbst gar nicht erreichen), bricht eine Welle von Vorwürfen und Beschuldigungen an Gottes Adresse los.
Wo aber bleibt der dankbare Blick nach oben, für das täglich Gute, das unausgesprochen als Selbstverständlichkeit hingenommen wird? Unsere Tische sind gedeckt, wir haben ein Dach über dem Kopf und genügend Kleidung passend für jede Jahreszeit im Schrank. Unter der schützenden Glocke einer Wohlstandsgesellschaft leben wir in einem behüteten Raum, inklusive aller garantierten Menschen- und Grundrechte. Wenn wir das nächste Mal im Schatten des eigenen oder fremden Leids Gott auf die Anklagebank bringen wollen, sollten wir uns zuvor auch dankbar des ungezählten Guten erinnern.
Martin von der Mühlen, 09.07.2004.