Psalmen

Predigthilfe vom 30. April 2017 – Psalm 19

Predigtthema: Sola scriptura: Heil – allein durch das Wort

Predigttext:  Ps 19 

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise für eure Verkündigung, ersetzt aber nicht euer eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

  1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext

Mit unserem heutigen Predigttext wenden wir uns einem dritten großen Thema der Reformation zu. Nach der Gnade und dem Glauben geht es heute um die Schrift. Ein großes Verdienst der Reformatoren war es, neu deutlich zu machen, welche entscheidende Rolle die Heilige Schrift für unseren Glauben einnimmt. Es war ihnen wichtig, dass die Christen das Wort Gottes mehr und mehr kennenlernen und ihren Glauben darauf bauen. Gerade in der Auseinandersetzung zwischen Luther und der katholischen Kirche wird deutlich, dass für Luther die Bibel die entscheidende Norm ist, der sich auch kirchliche Dogmen unterordnen müssen.

Durch unseren heutigen Predigttext, in dem wir in das Lob Davids über Gottes Wort mithineingenommen werden, wollen wir neu über das Vorrecht staunen, dass Gott sich uns durch sein Wort verbindlich und zuverlässig offenbart hat. Er offenbart seinen wunderbaren Heilsweg in Jesus Christus. Gottes Wort ist die Wahrheit und auf diese können wir unser Leben bauen.

Zu Psalm 19 allgemein: David gibt schon zu Beginn des Psalms das grundlegende Thema vor. Es geht ihm darum zu zeigen, wie Gott mit Menschen kommuniziert. Und er beschreibt zwei Wege. Im ersten Teil des Psalms beschreibt David, wie Gott durch die Natur seine Herrlichkeit offenbart, im zweiten Teil jubelt David darüber, wie sich Gott durch sein Wort offenbart. Wenn wir über Psalm 19 nachdenken, müssen wir auch die Verbindung mit Psalm 18 wahrnehmen. Gerade Ps 18,3 und Ps 19,15 scheinen eine Klammer zu bilden. Gott wird in beiden Versen als der Fels bezeichnet. In beiden Psalmen wird die Macht Gottes im Himmel besungen (Ps 18, 10-16; Ps 19,2-7); beide Psalmen stellen den Segen vor, der aus dem Halten der Gebote Gottes entsteht (Ps 18, 21-25; Ps 19,12-15). Die Themen die Psalm 19 anspricht sind in Psalm 18 schon angedeutet.

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes

Hilfen zur Auslegung bieten z.B.

* Charles Haddon Spurgeon: Die Schatzkammer David (abrufbar unter http://bitimage.dyndns.org/german/CharlesHaddonSpurgeon/Die_Schatzkammer_Davids_2004.pdf)

* Dieter Schneider: Das Buch der Psalmen (Wuppertaler Studienbibel)

* Johannes Calvin: Psalmenkommentar (auf Englisch abrufbar unter http://www.sacred-texts.com/chr/calvin/cc08/cc08024.htm)

1.3 Anmerkungen zum Verständnis des Predigttextes

V.1: Durch die Überschrift wird deutlich, dass David den Psalm für den gemeinsamen Gesang im Gottesdienst gedichtet hat.

V.2-7: David beschreibt mit wunderbaren Worten, wie in der Schöpfung Gottes Herrlichkeit sichtbar wird. Und dabei beschränkt er sich auf die ganz großen Elemente und er richtet seinen Blick nach oben. Der Himmel macht Gottes Herrlichkeit und die Werke seiner Hände sichtbar. In Vers 2 benutzt David die beiden Worte, die wir auch im Schöpfungsbericht wiederfinden: Himmel und Himmelsgewölbe. Vom Himmel im Gegensatz zur Erde ist schon in 1.Mose 1,1 die Rede. Am zweiten Schöpfungstag lesen wir dann, wie Gott eine „Wölbung“ schuf, die Wasser von Wasser trennte. Der Himmel, den Gott geschaffen hat, ist ein Zeugnis der Herrlichkeit Gottes, das wir so einfach wahrnehmen können. In der Größe der Schöpfung spiegelt sich die Größe des Schöpfers.

Während Vers 2 mehr die Ausdehnung des Zeugnisses im Blick hat, blickt David in Vers 3 und 4 auf das Andauern des Zeugnisses der Herrlichkeit Gottes, das er in der Schöpfung findet. Tag für Tag, Nacht für Nacht findet er dieses Zeugnis und das Zeugnis der Natur braucht dazu eben keine Worte. Die schlichte Existenz von Gottes wunderbarer Ordnung in dieser Welt, ist ein Zeugnis seiner Herrlichkeit. Diese Struktur, die Gott in seine Schöpfung hineingelegt hat, wird in der ganzen Welt wahrgenommen.

In Vers 5b – 7 denkt David über den wunderbaren Lauf der Sonne nach. Er staunt darüber, wie Gott die Sonne gemacht hat, wie sie sich genau an die Ordnungen Gottes hält und so das Leben auf der ganzen Erde prägt. David beschreibt die Natur, wie er sie sieht und bleibt eben nicht bei der Natur stehen. Er sieht tiefer, er blickt hinter die Sonne und staunt über den wunderbaren und herrlichen Schöpfer, der das alles gemacht hat und auf den die Schöpfung hinweist.

David betont hier ganz schlicht, dass die Schöpfung Zeugnis von Gottes Größe gibt, und damit macht er auch deutlich, dass die menschliche Verantwortung darin liegt, dieses Zeugnis der Schöpfung zu hören und anzuerkennen. Kein Mensch wird sich einmal herausreden können, dass er nichts von Gott gewusst hat. Gottes Schöpfung gibt ein klares Zeugnis, das der Mensch hören soll (vgl. Röm 1,19ff).

V.8-15: David wechselt von der Beschreibung des Zeugnisses der Schöpfung ab Vers 8 zu einem Jubellied über Gottes Wort. Dieser Wechsel scheint beim ersten Lesen etwas willkürlich, doch vom Thema her ist es eine stringente Weiterführung der ersten Verse. David ging es ja in Vers 1-7 darum zu zeigen, wie Gottes Herrlichkeit im Geschaffenen sichtbar wird. David weiß ganz genau, dass die Natur Zeugnis von Gott gibt, aber dass zur wahren Erkenntnis Gottes, die klare Offenbarung des Wortes Gottes notwendig ist. Wir erkennen viel über Gottes Macht durch die Schöpfung, aber eine persönliche Erkenntnis Gottes ist nur durch die Offenbarung Gottes in seinem Wort möglich. Dies unterstreicht David in Psalm 19 auch dadurch, wie der den Namen Gottes verwendet. Im ersten Teil des Psalms wird Gott nur einmal durch die allgemeine Form „El“ genannt. Dagegen finden wir im zweiten Teil, den Namen Jahwe, den Namen des persönlichen Bundesgottes Israels, sieben Mal (davon sechs Mal in Vers 8-10). Die Rolle, die das Wort Gottes für die persönliche Gottesbeziehung einnimmt, ist für David absolut entscheidend.

V.8-10: David beschreibt in diesen Versen die Vollkommenheit des Wortes Gottes und seine Auswirkungen auf Menschen. David benutzt hier fünf verschiedene Begriffe um das Wort Gottes zu benennen: Gesetz, Zeugnis, Vorschriften, Gebot, Rechtsbestimmungen. Es ist sehr interessant gerade bei diesen Bezeichnungen des Wortes Gottes Psalm 19 und Psalm 119 zu vergleichen. Psalm 119 wählt in den ersten Versen die gleichen Bezeichnungen und das auch noch in fast derselben Reihenfolge.

In Vers 8 bezeichnet David, das Wort Gottes ganz schlicht als vollkommen. Das Wort Gottes ist perfekt, es ist ohne Fehler. Dieses vollkommene Wort bringt Leben in die Seele der Menschen und das können wir in einem doppelten Sinne verstehen. Gott benutzt sein Wort um neues Leben in der Seele eines Menschen zu schaffen, doch auch im Leben eines Christen ist die belebende Wirkung von Gottes Wort immer wieder so wichtig.

Die zweite Vollkommenheit des Wortes Gottes, die David nennt ist die Zuverlässigkeit. Wie wichtig ist es für unser Leben, dass wir uns auf Gottes Wort, auf jede einzelne seiner Aussagen absolut verlassen können. Und damit ist das Wort Gottes eine zuverlässige Basis, auf der jeder Mensch sein Leben bauen, sowohl der kluge, wie auch der Einfältige, der durch das Studieren der Bibel die Weisheit bekommen darf, die Gott so wichtig ist.

Auch in Vers 9 hängt die jeweilige Vollkommenheit und die Auswirkung aufs Leben der Menschen ganz eng zusammen. Außerdem können wir einen gedanklichen Fortschritt feststellen. Gott macht uns lebendig, Gott macht uns weise und er macht uns froh. Er macht uns froh, weil wir erleben dürfen, dass Gottes Befehle richtig sind, und weil sie so ein Segen für die sind, die sich daran halten und danach ausrichten. Dieses richtig sein des Wortes Gottes unterstreicht David auch dadurch, dass er das Wort als lauter oder rein beschreibt. Gerade diese Reinheit und Heiligkeit des Wortes Gottes ist in einer Welt wichtig, die unter der Macht der Sünde leidet, die im Durcheinander von Sünde und Schuld gefangen ist. So gibt das Wort Gottes denen, die sich daran halten eine geistliche Klarheit und befähigt dazu weise und gute geistliche Entscheidungen zu treffen.

In Vers 10 merken wir, wie David das Thema im Blick auf die Beziehung zwischen Gott und den Menschen weiterentwickelt. Die richtige Gottesbeziehung, die im Wort Gottes gegründet ist, zeigt sich in der Furcht des Herr und diese Ehrfurcht vor Gott ist die angemessene und heilige Haltung, die auch in der Ewigkeit so da sein wird. David schließt dann diese Beschreibung des Wortes Gottes, indem er noch einmal die Wahrheit betont, aber diese Wahrheit ganz dicht mit der Gerechtigkeit verbindet. Wahrheit und Gerechtigkeit gehören ganz eng zusammen und sie finden in Gott und in seinem Wort eine wunderbare Verbindung.

V.11: In V.11 fasst David seine Beschreibung des Wortes Gottes zusammen und beschreibt, wie er selbst das Wort Gottes empfindet. Er erkennt im Wort Gottes eine Kostbarkeit oder Köstlichkeit für sein Leben, die sein Leben ungemein bereichert. David hat zutiefst erkannt, was für ein Segen er durch das Wort Gottes hat und diesen Segen will er sich unter keinen Umständen nehmen lassen.

V.12-15: Die letzten vier Verse nehmen den Gehorsam gegenüber Gottes Wort in den Blick. David hat in seinem Leben erfahren, wie gut es ist sich nach Gottes Geboten zu richten. Doch sehen wir sehr deutlich, wie genau David weiß, dass dieser Gehorsam seine menschlichen Fähigkeiten übersteigt und so fleht er Gott um seine Gnade, Vergebung und Bewahrung an. Er bittet Gott um die Kraft gehorsam sein zu können. Nur in Gottes Kraft und durch seine Vergebung kann David den tadellosen Weg gehen. Und so fasst das Bekenntnis in Vers 15 diesen Abschnitt sehr passend zusammen. Der Herr ist Davids Fels und Erlöser. Nur wenn David sein Leben auf diesen Fels baut und die Erlösung in Anspruch nimmt, die sich allein bei Gott findet, wird das Leben von David so sein, wie es Gott gefällt.

  1. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für hermeneutische Überlegungen (Auslegung)

Für die Auslegung der Psalmen ist es immer wieder wichtig, sie wirklich als Lieder wahrzunehmen. So ist gerade die Doppelstruktur (Parallelismus), in der die hebräische Poesie aufgebaut ist, wichtig zu beachten. Die jeweiligen Teilsätze eines Parallelismus ergänzen sich, aber sie sind logisch nicht völlig klar voneinander zu trennen. Oft finden wir gewollte Überlappungen, aber gerade dadurch wird das Gesagte unterstrichen und vertieft.

2.2 Hinweise für situative Überlegungen (Predigtanlass)

Wir leben in einer Zeit, in der wir mit Lesestoff geradezu überschüttet werden. Die Beobachtung von Salomo, dass des Büchermachens kein Ende ist, gilt immer noch uneingeschränkt. Es gibt scheinbar so vieles, was man gelesen haben muss. Unsere Predigt heute soll neu ermutigen wieder die richtigen Prioritäten zu setzten. Ja es gibt viele gute Bücher, aber es gibt eben nur ein Wort Gottes, das er uns offenbart hat. David stellt uns in Psalm 19 vor Augen, was für ein großer Schatz das Wort Gottes ist, und so wollen wir in der Predigt dazu ermutigen diesen Schatz wirklich in Anspruch zu nehmen.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen (Anwendung)

Wenn wir uns in dieser Predigt Gedanken über die Wichtigkeit des Wortes Gottes machen, dann ist es zunächst wichtig deutlich zu machen, wie weit die Offenbarung Gottes durch die Natur geht, wo aber auch ihre Grenzen sind. So wird deutlich, wie weit Gottes Offenbarung in seinem Wort über die Offenbarung Gottes durch die Schöpfung hinausgeht und es wird klar, warum wir das Wort Gottes so dringend brauchen. Nur in Gottes Wort sehen wir den Heilsplan Gottes in seinem Sohn Jesus Christus klar und deutlich offenbart. Jesus Christus, das lebendige Wort Gottes, wird in der Bibel wahrhaftig und für alle Zeiten verbindlich geoffenbart.

David gibt uns in seinem Psalm den Weg der Anwendung vor. Er redet nicht von einer Pflicht, das Wort Gottes zu lesen, sondern bezeugt, wie er das Wort Gottes als einen Schatz erfahren hat, er betont, wie wertvoll die Bibel für unser Leben als Kinder Gottes ist. So sollten auch wir in der Predigt ein Zeugnis von diesem Schatz geben. Gott offenbart sich in seinem Wort, er offenbart seinen wunderbaren Heilsweg und wir dürfen erleben, dass das Wort Gottes wirklich ein Licht auf unserem Weg ist (Ps 119,105).

  1. Sagen, wo es hingeht

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?

Die Hörer sollen neu verstehen, was für einen Schatz wir durch das Wort Gottes haben. Sie sollen motiviert werden, sich durch Gottes Wort prägen und leiten zu lassen.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?

Sola scriptura: Heil – allein durch das Wort

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

  1. Gottes Schöpfung: Unüberhörbare stumme Zeugen
  2. Das Wort Gottes ist ein vollkommener Schatz
  3. Das Wort Gottes lenkt unsern Blick auf den Retter (zeigt uns, wie nötig wie den Retter brauchen)

3.4 Predigtveranschaulichungen – wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?

Eine Theologiestudentin erzählt, wie sie am College ein Seminar zum Thema: Christliche Erziehung in der Familie“ belegte. Am Ende der Vorlesung fragte die Dozentin: Wer von euch denkt, dass eure Eltern in eurer Erziehung den Prinzipien gefolgt sind, die wir in diesem Seminar besprochen haben? Sie war erstaunt, als sie sah, dass außer ihr nur eine andere Studentin die Hand hob. Als sie wieder zu Hause war fragte sie ihren Vater: Papa, wo hast du all diese Prinzipien über christliche Erziehung gelernt? Du warst doch nur acht Jahre in der Schule und ich habe sie erst in meinem letzten Jahr im College gelernt.

Ihr Vater sagte kein Wort. Er nahm ganz schlicht seine Bibel, schaute die Bibel an, schaute seine Tochter an und dann legte er seine Bibel wieder auf den Tisch.

Psalm 1 ist eine schöne Verdeutlichung unseres Predigttextes. Wer sich an Gottes Wort hält, wer über Gottes Wort nachsinnt, ist wie ein Baum, der reichlich mit Wasser versorgt ist und sich deshalb ganz wunderbar entwickelt.

(Tobias Schurr)