Psalmen

Predigthilfe vom 18. Dezember 2016 – Psalm 143

Monatsthema:         Advent (Ankunft)

Bibeltext:                  Ps 143

Predigtthema:         (4. Advent) Jesus, die Rettung

1. Hilfreiche Bibelübersetzungen, um den Bibeltext zu verstehen

Um mit dem Bibeltext vertraut zu werden, ist es sinnvoll in aller Ruhe verschiedene Bibelübersetzungen zu lesen. Zu empfehlen ist erst einmal eine Bibelübersetzung mit der man vertraut ist, deren Sprache einem von der Syntax und von der Wortwahl her verständlich erscheint.

In einem weiteren Schritt empfiehlt sich eine Elberfelder oder Schlachter Bibelübersetzung zu lesen, da sich diese Übersetzungen nahe am Ursprungstext (Altes Testament Hebräisch bzw. Aramäisch / Neues Testament Griechisch) halten. Diese Übersetzungen sind wegen ihrer Nähe zur Ursprache öfter holprig im Lesefluss und enthalten oft Wörter, die unserem heutigen Wortschatz manchmal fremd sein können.

2.  Allgemeine Hinweise zum Bibeltext

Aufgrund des 2. Verses wurde der Psalm 143 gemäß der alten (traditionellen) Kirche als letzter und siebenter Bußpsalm (neben Ps 6; 32; 38; 51; 102; 130) gezählt, wenngleich der Psalm 143 nicht explizit von der Buße bestimmt ist, sonder vielmehr von den feindlichen Gefahren spricht (das Thema der Feinde taucht auch in den Psalmen 140-142 auf). Darum gehört der Psalm 143 auch zur Gattung der Klagepsalmen (Klage des Einzelnen).

In diesem Psalm beklagt (höchstwahrscheinlich) König David von Israel, dass er von Feinden bedrängt/verfolgt ist. Sicherlich kann man hier an den Prinzen Absalom (ein Sohn von König David) denken, der seinen Vater David verfolgte, um den Königsthron besteigen zu können (vgl. 2Sam 15,13ff; 17,24-18,8).

3.  Hilfen zum Verständnis des Bibeltextes

Gliederung des Textes (nach Wuppertaler Studienbibel):

Vers  1a      :  Widmung

Vers 1b u. 2: Eröffnung des Gebetes und Bußbekenntnis

Vers   3-  6  : Klage vor Gott und Bekundung der Sehnsucht nach ihm

Vers   7-12  : Bitten um Rettung.

Exegetische Einsichten:

Vers 1:  Der berühmte israelische König David (Regierungszeit 1004-965 v.Chr.) rief Gott, den HERRN (Jahweh) um Gnade und Erlösung an, denn Gott ist treu und gerecht (vgl. V. 11), was ein Mensch nicht ist. Die Treue und Gerechtigkeit sind kontinuierliche Charaktereigenschaften Gottes, auf die sich David bisher immer verlassen konnte, wie das schon die Zeitgeschichte vor David, mindestens seit Abraham her, gezeigt hatte – Gottes Versprechen gingen in Erfüllung (das Versprechen der Nachkommenschaft Abrahams; Rettung aus Ägyptenland; das Versprechen eines Landes, das von Milch und Honig überfließt; u.v.a.). Wer mit Gottes Treue und Gottes Gerechtigkeit rechnet, ist gut dran.

Vers 2:  David bat Gott, dass er ihn nicht richten möge, denn er wusste, dass er mit seinem sündigen Leben vor Gott nicht bestehen kann. Und doch weiß er sich als ein Knecht/Diener im Auftrag Gottes. David weiß: ich gehöre Gott.

Vers 3:   Der Feind hatte David angegriffen, ihn gejagt und vertrieben, so dass er nun in der Finsternis sitzt (vgl. Ps 88,7), ja, als wenn er tot wäre. Wo Gott sein Antlitz verbirgt (siehe auch Vers 7), da ist lauter Finsternis oder gar der Tod (vgl. Ps 10,1; 13,2; 27,9; 30,8; 55,2; 69,18; 89,47; 102,3; 104,29)

Vers 4:   Sein Geist (seine eigene Denkleistung) war ermattet. D.h. er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen aufgrund seiner Angst. Sein Herz, die Mitte des Lebens, war zum Stillstand gekommen (zum Thema „Herz“ siehe Predigthilfe vom 11.12.2016 zu Psalm 138,1). Schrecken und Bedrängnis führten David in eine psychische Leblosigkeit/Visionslosigkeit.

Vers 5:   Dennoch weiß sich David an viele Tage zu erinnern, an denen Gott mit seiner Macht herrlich geholfen und gewirkt hat. Hier lebt Davids Hoffnung und Vertrauen auf Gottes Hilfe wieder auf.

Vers 6:   Alle Hilfe, jede sich öffnende Tür, die ihm einen Ausweg bieten könnte, erwartete David von Gott. Alles erhofft David aus Gottes mächtiger Hand. Ihm dem gebenden HERRN streckt David seine Hände entgegen. Er breitet seine Hände aus. Er will empfangen, was aus Gottes Macht ihm zukommt. Wie ein kleines hilfloses Kind, das seine Ärmchen zur Mama/ zum Papa ausstreckt, weil es von ihr/ihm Hilfe und das getragen werden erhofft. Nimm HERR mein ganzes Leben in deine Hand! Diese Gebetshaltung signalisiert den Wunsch: HERR mach mich Heil, gib mir lebendiges Wasser – ich dürste nach deiner Lebenskraft.

Vers 7:   David bittet um eine schnelle Hilfe/Errettung, damit sein Geist nicht verrückt  (durchdrehen, verlorengehen) werde. David hat damit zu kämpfen, das Vertrauen auf Gott zu behalten. Er, David möchten nicht wie die Ungläubigen den Tod finden (in die Grube fahren). Er wünscht sich bei Gott geborgen, geführt und sicher zu sein.

Vers 8:   David sehnt sich nach einem Wort Gottes, das ihn trotz aller Sünde durch Gnade/Güte (im Hebräischen steht hier das Wort „Chesed“ geschrieben, das die Liebe zueinander meint) in der Gemeinschaft mit Gott bestehen bzw. am Leben lässt.

Von Gott her wünscht sich David einen Ausweg/Wegweiser, der ihn aus seiner schrecklichen Lage führt (befreit).

Vers 9:   Wie schon in Vers 3 wird Davids Notlage beschrieben, weil ihn seine Feinde bedrängen. David befindet sich in akuter Lebensgefahr. Er hat keine Hoffnung mehr, dass ihm irgendeine irdische/menschliche Macht helfen kann. Allein Gottes wunderbares Eingreifen sieht er als Rettungsmöglichkeit.

Vers 10:   Große Berge/Probleme türmen sich, im Bild gesprochen, vor David auf. Mit menschlichem Wissen und Können kann in dieser Situation nichts mehr gewonnen werden. David sehnt sich nach der Leitung Gottes durch Gottes Geist. Allein Gottes Geist traut David zu, dass er ihn über die Problemberge bzw. durch seine Not hindurchführt in ein gut begehbares Land bzw. Leben.

Vers 11:   David sieht seine Feinde im Unrecht. Desgleichen weiß David, dass Gott absolut gerecht ist. Aufgrund der Fähigkeit, dass Gott Recht und Unrecht unterscheiden kann, soll Gott für David handeln. Man könnte man meinen, dass David Gott anspornen möchte ihm zu Helfen, damit Gottes Namen seinem Ruf nachkomme – Gott, der sich doch als der gerechte und gnädige Herr den Menschen vorstellt. Deshalb soll alles nach dem Willen Gottes geschehen, der als einziger eine Neubelebung herbeiführen kann, wenn Gott ihm gnädig ist.

Vers 12:   Wieder taucht hier in Vers 12 das hebräische Wort „Chesed“ (Gnade / Gunst / die Liebe zueinander) auf. „In deiner Gnade (Chesed) vertilge meine Feinde.“ David betet hier in bestimmter Wortwahl um die Vernichtung seiner Feinde. Gott soll den Maßstab seiner Gnade auch bei seinen Feinden anwenden, so wie Gott es auch bei David angewandt hat. In aller Bedrohung weiß David den Maßstab Gottes (die Gnade) nicht nur für sein Leben, sondern auch für das seiner Feinde zu wünschen. Wobei Gottes Gnade auch die Befreiung von lebensvernichtenden Mächten/Gewalten bedeuten kann, also dass Gott tatsächlich die Feinde Davids vertilgt.

Trotz der Wortwahl „Chesed“ drückt David sein Wunsch offen gegenüber Gott aus, in dem er sagt: „Alle Bedränger meiner Seele lass umkommen“. Denn David macht eine Unterscheidung wie schon in Vers 2: Er sieht sich als Knecht (hebr. Eved) Gottes, als Diener und damit zugehörig zu Gott. Hier wird deutlich: die Feinde Davids dienen Gott nicht und sind damit Feinde Gottes. Gottes Nein gegen die Sünde trifft den Sünder (den von Gott getrennten Menschen), der sich nicht auf Gottes Hilfe und Gnade beruft und vernichtet ihn. David, der sich im Dienst Gottes weiß, der sich als Sünder (vgl. Vers 2) voller Reue und Demut Gott hingibt, weiß um den Schutz und die Gnade und Gerechtigkeit Gottes. Wer Gott zum Herrn hat, dem ist Gott gnädig. So hat Gott uns Menschen in Jesus Christus seine Gnade erwiesen. Die Rettung des Sünders trotz seiner Sünde wird erst durch das gerechte Gericht möglich, das Jesus Christus am Kreuz für die Sünder der Welt ausgehalten hat (vgl. Röm 8,3).

Dieser Bußpsalm muss uns Sünder zu Jesus Christus treiben, in dem uns die Möglichkeit der Gnade gegeben und versprochen ist (vgl. Joh 3,16; 2Kor 5,21; 1Joh 1,9).

(A. Cyris)