Titus

Predigthilfe vom 12. Oktober 2014 – Titus 1, 5-9

Jahresthema: In Gottes Nähe leben

Predigtthema: Geistlich leiten
Predigttext: Titus 1,5-9

Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterstützung enthält diese Predigthilfe deshalb Hinweise zur Verkündigung, ersetzt aber nicht ein eigenständiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr über den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verkündigen nur die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)!

1. Sehen, was dasteht

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext (Titus 1,5-9) vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung / Neue Genfer Übersetzung).

1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext
Hilfreiche einführende Anmerkungen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (unter http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/56-DerBrief des Apostels Paulus an Titus; S.1807-1808)

1.2 Hilfen zum Verständnis des Predigttextes
Hilfen zur Auslegung von Titus 1,5-9 bieten z.B.
* Fritz Grünzweig: 2. Timotheusbrief, Titusbrief, Philiemonbrief. Edition C Bibelkommentar NT Bd. 19. Hänssler (S. 176-198).
* Hans Bürki: Die Briefe des Paulus an Timotheus, an Titus und an Philemon. Wuppertaler Studienbibel NT. R. Brockhaus (S.148-154).
*William Mac Donald: Kommentar zum Neuen Testament: Der Titusbrief. CLV – Christliche Literatur-Verbreitung e.V. (S. 1162-1166).
* Walvoord / Zuck (Hg.): Das Neue Testament erklärt und ausgelegt. Bd. 5: 1Kor – Offb. Hänssler (S. 346-347).

2. Verstehen, worum es geht

2.1 Hinweise für situative Überlegungen
Titus befindet sich in einer schwierigen Lage.
Die Gemeinden auf Kreta werden angegriffen durch Irrlehren.
05.Oktober (Titus 1,1-4):
Deshalb legt der Apostel Paulus gleich zu Beginn des Briefes den Blick auf das, worauf es wirklich ankommt.
Zum einen auf Jesus. Der uns durch den Glauben an ihn, das ewige Leben schenkt. Dieses Leben ist uns gewiss. Weil Gott selbst es versprochen hat (V.1-2).
Außerdem stellt Paulus Gottes Wort in den Mittelpunkt (V.3), an dem alles geprüft werden muss. Gottes Wort ist fähig alle falschen Lehren aufzudecken.
Paulus beabsichtigte, dass Titus ganz auf die zentralen Dinge des Glaubens fokussiert ist.
Und sich durch nichts und niemanden davon abbringen lässt.
Auch nicht, wenn er persönlich angegriffen wird.
12. Oktober (Titus 1,5-9):
Paulus macht Titus noch etwas anderes wichtig.
Gemeinde braucht Leitung durch Älteste (siehe auch 1. Thessalonicher 5,12ff; 1. Timotheus 3,1-7). Wie viel mehr in einer Situation, in der falsche Lehre um sich greift.
Deshalb soll Titus dringend in allen Gemeinden der Insel Älteste einsetzen.
Diese sollen Jesus und Gottes Wort von Herzen lieb haben und einen untadeligen Ruf besitzen.
Das ist ein allgemein gültiges Prinzip für die Gemeinde Jesu, war aber auch gerade auf Kreta von entscheidender Bedeutung (1,10-12).
Um dort Gehör zu finden, war ein gutes Zeugnis nach Außen und Innen unabdingbar (2, 2-14).

2.2 Hinweise für hermeneutische Überlegungen
Der Titusbrief gehört, wie die beiden Timotheusbriefe,
zu den sogenannten „Pastoralbriefen“.
Diese Bezeichnung ist entstanden, da diese Schreiben wichtige Anleitungen und
Ermahnungen zur Leitung der Gemeinde Jesu enthalten. Deshalb sind sie auch für unsere Gemeinden sehr bedeutungsvoll.
Paulus hat diesen Brief vermutlich zwischen den beiden Haftzeiten in Rom verfasst (ca. 62- 64 n.Christus).
Empfänger ist Titus. Ein gebürtiger Grieche (Galater 2,3), der wohl während der ersten Missionsreise des Apostel Paulus zum lebendigen Glauben an Jesus Christus kam (Titus 1,4).
Dieser junge Mann hatte eine gewisse Zeit mit Paulus auf Kreta gewirkt und blieb ohne den Apostel auf der Insel zurück.
Sein Auftrag bestand darin, den Glauben der jungen Gemeinden zu festigen.
Das war dringend notwendig, denn die Gemeinden wurden erschüttert durch Irrlehre.
Eine Gruppe von Judaisten bestand darauf, dass alle Christen (unabhängig ihrer Nationalität), nach wie vor an Teile des mosaischen Gesetzes gebunden sind.
Titus war vertraut mit dieser Irrlehre, da er Paulus und Barnabas zu dem Apostelkonzil nach Jerusalem begleitete (Apg 15; Galater 2,1-5).
Der junge Mitarbeiter war ständigen Angriffen ausgesetzt.
Deshalb wollte Paulus ihn durch diesen Brief ermutigen, in einem schwierigen Umfeld (Titus 1,10-12) weiterhin Vorbild zu sein.
Das Lehren und Leben von Gottes Wort (Durch Titus und weitere treue Mitarbeiter), sollte die in das Wanken geratenen zurück auf den Weg Jesu führen (Titus 1,13.14).

Wir lernen aus dem Titusbrief, dass Jesus seine Gemeinde unter allen Umständen baut.
Das möchte uns Ermutigung sein, wenn wir an die vielen Widerstände denken, die auch uns vor Ort begegnen.

2.3 Hinweise für homiletische Überlegungen
„Geistlich leiten“.
Es geht um eine dienende Leiterschaft, nicht um Älteste die herrschen und beherrschen wollen.
Deshalb kann, u.a. nach Titus 1,5-9, nicht jeder „Ältester“ werden.
Jede Ortsgemeinde ist also herausgefordert, nicht nur irgendwelche „Lücken“ um jeden Preis zu füllen.
Das kann unvorhersehbare Folgen nach sich ziehen.
Als Gemeinde gilt es deshalb, die Leute vor Augen zu haben, die Gott uns (unter Gebet) auf das Herz legt.
Wichtigstes Kriterium:
Es geht um Personen, die sich immer wieder von Gott leiten lassen (Apg. 6,3) und sich ganz abhängig wissen von Jesus Christus (Johannes 15: Bild des Weinstocks).

Geistliche Leitung zeigt sich darin, dass ich der Gemeinde – in Jesu Liebe- voran gehe
(Hirtendienst).
Es ist ein seelsorgerlicher Dienst, in dem ich andere, auch gerade in schwierigen Zeiten, ermutigen darf.
Leitungskreise sind aber auch heraus gefordert unbequeme Dinge anzusprechen,
zu ermahnen und zurechtzuweisen wo es notwendig ist (V.9).
Daran erkennen wir: Es ist nicht einfach, der Gemeinde als Ältester zu dienen.
Und trotzdem ist es ein ganz großes Vorrecht.
Der erste Thessalonicherbrief (5,12) zeigt den unermüdlichen Einsatz, in dem Älteste stehen.
Dieser Dienst hat mit Mühe, Schweiß, Enttäuschungen und Tränen zu tun.

Deshalb braucht ein Ältestenkreis immer Unterstützung der Gesamtgemeinde (1. Thessalonicher 5,13ff).
 Die Gemeinde soll die Leitung wertschätzen / liebhaben. Nicht um der Person, sondern um des Dienstes Willen (V.7: sind von Gott berufen als Verwalter).
 für ihre Ältesten und ihre Familien beten.
 Eine Gemeinde muss es lernen, eine offene Kommunikation zu führen. Das bedeutet direkt nach zu fragen, wenn man etwas nicht versteht. Gerade das „Hintenherum“ ist es, was Gemeinden zerstört.
Wo eine anhaltende Spannung zwischen Gemeinde und Gemeindeleitung herrscht, ist es der „Tod im Topf“. Da ist Gemeinde nicht mehr gesund, nicht mehr anziehend.
3. Sagen, wo es hingeht

Zur Predigtvorbereitung hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Dr. Wolfgang Nestvogel mit den Titeln: „Eine Problemgemeinde soll gesund werden“ (Titus 1,1-5+10-16) und „Wodurch kann ich gesund werden im Glauben?“
(Titus 1,4-6;2,1+11-13). Diese Botschaften findet ihr unter www.beg-hannover.de/pages/Predigten/PredigtreiheTitus.htm

3.1 Predigtziel – warum halte ich diese Predigt?
Eine gesunde Gemeinde beginnt mit einer „Geistlichen Leitung“.
Aber auch mit einer geistlichen Haltung der Gemeinde – der Ältestenschaft gegenüber.

3.2 Predigtthema – was sage ich in dieser Predigt?
Der Apostel Paulus erkennt einen großen Mangel in den Gemeinden auf Kreta.
Es fehlt an Leitung, die der Gemeinde vorsteht (V.5).
Gerade in den angefochtenen Gemeinden vor Ort (falsche Lehre griff um sich) war es wichtig, dass jemand einen klaren Kurs vorgab.
Und dieser Kurs ist das festhalten an der gesunden Lehre.
Es handelt sich also um gottesfürchtige Leiter, die eingesetzt werden sollten.
Wir lesen hier von Ältesten (plural). Wenn die Bibel von Gemeindeleitung spricht, geht es immer um einen Ältestenkreis.
Älteste sollen sich untereinander immer wieder ermutigen, falls nötig auch ermahnen und gegenseitig korrigieren.
So ist einem Missbrauch ein entscheidender Riegel vorgeschoben.
Gottes Maßstäbe für einen Ältestendienst sind sehr hoch. Das zeigt unser Predigttext sehr deutlich.
Wir wissen wie herausfordernd allein der Punkt ist, der eigenen Familie gut vorzustehen (V.6).
Gottes Wort zeigt hier allen, die in der Verantwortung einer Gemeinde stehen:
Wo eine Familie unter einer Überarbeitung des Ehemannes / Vaters leidet,
da ist eine Grenze überschritten.
Auch was den Dienst in der Gemeindeleitung betrifft. So ist kein gesegneter Dienst möglich (1. Timotheus 3,4.5).

Ein Ältester muss „zu Hause“ sein in Gottes Wort (Titus 2,7.15).
Das zeigt sich in einer doppelten Ausrichtung (V.9):
 Er soll die Gemeinde im Glauben stärken (durch gesunde Lehre)
 und alle die sich der gesunden Lehre widersetzen zurechtweisen, damit diese auf den rechten Weg zurückkehren und nicht noch andere mit runter ziehen.

Denn nur aus einer gesunden Lehre, geht auch ein gesundes Leben hervor.
Dieses Prinzip gilt für den Einzelnen, aber auch für die Gesamtgemeinde.

Bei alldem gilt zu sagen:
Es ist ein Vorrecht Jesus zu dienen (in allen Aufgabenbereichen der Gemeinde), aber auch gerade als Ältester (1. Timotheus 3,1).
Jesus will immer wieder Kraft und Weisheit schenken und ich darf mich ganz in ihm festmachen.

3.3 Predigtentfaltung – wie sage ich es in dieser Predigt?

Nach Fritz Grünzweig:
a) Grundvoraussetzung für eine Berufung
b) Was eine Berufung ausschließt – wie die zu Berufenden nicht sein dürfen (V.7)
c) Was des weiteren die Voraussetzungen einer Berufung zum Gemeindeleiter sind
(V.6.8)
d) Ein Haupterfordernis einer Berufung zum Dienst ist der rechte Umgang mit dem Wort Gottes (V.9)
Nach Hans Bürki:
a) Jede Gemeinde braucht Älteste (V.5)
b) Das persönliche Leben der Ältesten und Vorsteher (V.6-8)
c) Ihr Dienst am Wort (V.9)

(Andreas Gerlach)