Johannes

Predigthilfe vom 24. Dezember 2012 – Johannes 1, 29-34

Monatsthema: Kraft zum Erwarten

Predigtthema: Wen sehen wir? Christus – das Lamm Gottes

Bibelstelle: Johannes 1,29-34

Verfasser: Thomas Richter

Eine Predigthilfe enthält Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext persönlich gehörten Beauftragung zur Botschaft. Unsere Predigt folgt dabei dem Grundsatz Jesu: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34b). Nur wo der Herr selbst uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)! „So sind wir nun Gesandte an Christi Statt“ (2Kor 5,20a). So suchen wir in der Predigtvorbereitung nach dem, was der Herr uns durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Deshalb hören wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verkündigen aber die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird! „Redet jemand im Auftrag Gottes, dann soll er sich bewusst sein, dass es Gottes Worte sind, die er weitergibt“ (1Petr 4,11a – NGÜ).

1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Neue Genfer Übersetzung / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes (Joh 1,29-34) bieten z.B.

* Walvoord / Zuck. Das Neue Testament erklärt Bd. 4. Hänssler (S. 347).

* Gerhard Maier. Johannes-Evangelium 1.Teil. Edition C Bibel-Kommentar Bd. 6. Hänssler (S. 50-57).

* Werner de Boor. Das Evangelium des Johannes 1. Teil. Wuppertaler Studienbibel. R. Brockhaus (S. 68-74).

* John Heading. Johannes. Was die Bibel lehrt 4. Christliche Verlagsgesellschaft (S. 44-46).

* Theodor Zahn. Das Evangelium des Johannes. Kommentar zum NT Bd. 4. (unter http://bitflow.dyndns.org/german/TheodorZahn/Kommentar_Zum_Neuen_Testament_Band_04_Buecher_43.pdf; S. 120-128).

Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Winrich Scheffbuch vom 09.01.1983 unter dem Thema „Jesus, das Lamm Gottes“ zu Joh 1,29-35 und vom 14.09.1975 zu Joh 1,29. Diese Predigten findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [Johannes 1] und „Autor“ [Scheffbuch, Winrich] ausfüllt.

Für die Textlesung bietet die „Neue Genfer Übersetzung“ eine gut verständliche, lesbare und zuverlässige Übersetzung unseres Predigttextes (http://www.ngue.info/online/lesen).

2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG

Unser Predigtanlass ist der Gottesdienst zu Heiligabend. Die Adventszeit erfährt nun ihre Erfüllung, weshalb wir nun auch das Predigtthema von der Frage „Wen erwarten wir?“ zu der Frage „Wen sehen wir?“ verändern. Im Rahmen des Weihnachtsgottesdienstes wird in der Regel die „traditionelle“ Weihnachtsgeschichte nach Lk 2 bzw. Mt 1 gelesen und ein „Krippenstil“ stattfinden. Aus diesem Grund verteilt sich die Verkündigung auf mehrere Elemente und die Predigt kann bzw. muss verkürzt werden und ist auf die anderen Gottesdienstelemente abzustimmen.

Christus ist in die Welt gekommen (= Advent als Realität), aber wen sehen wir in der Erscheinung Jesu? Diese Frage greifen wir auf dem Hintergrund des Gottesdienstanlasses (Weihnachten) und des Predigttextes (Joh 1,29-34) auf. Johannes deutet und erklärt was gesehen werden kann, aber nicht verstanden wird, weil hinter bzw. in der natürlichen Erscheinung eine geistliche Wirklichkeit liegt. Diesen Auftrag des Täufers übernehmen wir im Rahmen der Verkündigung an Weihnachten und beantworten die Frage, wer Jesus ist:

  • Der zur Vergebung Geopferte (V. 29)
  • Der präexistente Schöpfungsmittler (V. 30)
  • Der im Hl. Geist gegenwärtige Lebensspender (V. 31-33)
  • Der menschgewordene Sohn Gottes (V. 34)

3. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Beachtenswerte Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bietet die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/43-Das_Evangelium_Nach_Johannes.pdf; S. 1486).

Zum Predigttext macht Pastor Christian Wegert folgende Anmerkungen um den Titel „Lamm Gottes“ zu erklären: „Zunächst stellen wir fest, dass das Lamm nicht das Lamm eines Bauern oder Landwirts ist. Es ist nicht das gewöhnliche Lamm einer Familie oder eines Menschen, sondern es ist Gottes Lamm. ‚Siehe, das Lamm Gottes‘, sagt Johannes. Er hätte auch sagen können: ‚Siehe, das Lamm, das der Welt Sünde trägt‘. Der Gebrauch des Begriffes ‚Lamm‘ war den Juden vertraut. Denn im Laufe der Geschichte hatte Gott deutlich gemacht, dass Sünde und Trennung von Ihm nur durch ein Blutopfer weggenommen werden konnten. Und so forderte Er zur Sündenvergebung ein fehlerloses Lamm: ‚Will er aber ein Schaf zum Sündopfer bringen, so bringe er ein weibliches, das ohne Fehler ist, und lege seine Hand auf den Kopf des Sündopfers und schlachte es zum Sündopfer an der Stätte, wo man die Brandopfer schlachtet. Und der Priester soll mit seinem Finger etwas von dem Blut nehmen und an die Hörner des Brandopferaltars tun und alles andere Blut an den Fuß des Altars gießen. Aber all sein Fett soll er abheben, wie man das Fett vom Schaf des Dankopfers abhebt, und soll es auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen als Feueropfer für den HERRN. So soll der Priester die Sühnung für ihn vollziehen für die Sünde, die er getan hat, und ihm wird vergeben‘ (3Mose 4,32-35). Den Juden war also der Titel, mit dem Johannes der Täufer ihnen Jesus vorstellte, nicht unbekannt. Sie wussten, wofür ein Lamm notwendig war. Denn Vergebung der Sünde konnte nicht ohne einen für Gott akzeptablen Stellvertreter erlangt werden, der anstelle des Sünders starb. Aber jeder ernsthaft Gläubige wusste, dass das Blut eines Tieres, wie das eines Lammes, nicht wirklich die Sünde wegnehmen konnte. Das ganze Opfersystem war nur ein Hinweis auf das eine Lamm, das eines Tages kommen würde, um tatsächlich die Sünden ein für alle Mal wegzunehmen. Durch den Propheten Jesaja machte Gott dies deutlich: ‚Was soll mir die Menge eurer Opfer? spricht der HERR. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes von Mastkälbern und habe kein Gefallen am Blut der Stiere, der Lämmer und Böcke‘(Jes 1,11). Der Hebräerbrief drückt es so aus: ‚Denn es ist unmöglich, durch das Blut von Stieren und Böcken Sünden wegzunehmen‘ (Hebr 10,4). Alle Lämmer, die die Menschen brachten, um Sündenvergebung zu erlangen, reichten nicht aus. Deshalb mussten die Juden immer und immer wieder opfern. An einigen Festtagen wurden so viele Tiere geschlachtet, dass ein Rinnsaal von Blut von den Altären des Tempels hinab in das Tal floss. Die Opfer mussten Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr gebracht werden. Ein anderes Lamm, ein anderes Opfer musste her – und zwar ein Lamm mit anderen Qualitäten. Ein Lamm, das nur von Gott kommen konnte. Johannes sieht nun Jesus auf sich zukommen und ruft aus: ‚Schaut her! Da ist das Opfer, das ein für alle Mal unsere Sünden wegnimmt! Es ist da! Gott sendet Sein eigenes Lamm auf die Welt! Hier ist es! Der Vater selbst trägt Sorge dafür, dass euch vergeben werden kann‘. Deswegen sagt er ‚das Lamm Gottes‘. Es hat eine andere Qualität, es hat einen anderen Absender, es ist besser und höher und herrlicher als alle Opfer, die bisher gebracht worden waren. Es war nicht das erste Mal, dass Gott ein Opfer bereitstellte. Abraham hatte einen Sohn. Es war das verheißene Kind, das er sehr liebte. Gott prüfte nun den Glauben und das Vertrauen Abrahams. Er wollte kein Lamm und keine Ziege, Er wollte, dass Abraham ihm etwas viel Wertvolleres opfern sollte – nämlich seinen Sohn Isaak. Abraham war gehorsam und folgte der Stimme Gottes, er suchte Holz, Isaak trug es und Abraham ging mit ihm auf den Berg. Unterwegs fragte Isaak: ‚Wo ist denn das Opferlamm?‘ Abraham beruhigte ihn und antwortete: ‚Gott wird ein Schaf ausersehen‘. Er baute einen Altar, legte seinen Sohn darauf und band ihn fest. Isaak wehrte sich nicht. Alles war bereit. Abraham nahm das Messer, sein Herz schmerzte, er hob das Messer über seinen Sohn und Gott sprach: ‚Abraham, Abraham! Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deinen einzigen Sohn nicht verschont um meinetwillen‘ (1Mose 22,11f). Abraham entdeckte daraufhin einen Widder, der sich mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen hatte. Es war das Opfertier von Gott. Der Widder starb und Isaak durfte leben. Die ‚Gott hat dich lieb‘-Kinderbibel schreibt am Ende dieser Begebenheit Folgendes: ‚Und viele Jahre später würde ein anderer Sohn einen anderen Berg hinaufsteigen und Holz für eine Opferung auf seinem Rücken tragen. Wie Isaak würde auch er seinem Vater vertrauen und das tun, um was er ihn bat. Er würde sich nicht wehren und nicht weglaufen. Wer war er? Gottes Sohn, sein einziges Kind, das er so sehr liebte. Das Lamm Gottes‘. Die Opfertiere der Menschen reichen nicht aus, um Sündenvergebung zu erlangen. Sie sind lediglich ein Bild auf das einzige Lamm, nämlich das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt. Dass Gott ein Lamm bereitete und auf die Welt sandte, sagt sehr viel über Seinen Charakter aus. Einerseits sehen wir darin, dass Er treu und gerecht sich selbst gegenüber ist, denn Er hebelt Seine Forderung nach Sühnung unserer Schuld nicht aus. Und wir erkennen die große Liebe Gottes, denn Er versorgt uns mit dem Lamm, das wir brauchen, und gibt Seinen eigenen Sohn als Opfer für deine und meine Schuld. ‚Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen‘ (1Joh 4,9). ‚Darin besteht die Liebe, nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsre Sünden‘ (1Joh 1,10).

Johannes sagt: ‚Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!‘ (Joh 1,29). Das Lamm Gottes ist in der Lage, die Sünden der Welt zu tragen. Wenn es das kann, dann muss es auch Akzeptanz beim Vater haben. Wie muss ein Lamm beschaffen sein, damit es von Gott als Opfer angenommen wird? Es muss, wir haben es bereits anklingen lassen, ohne Fehler sein. Mehr als 45 Mal lesen wir im Alten Testament, dass das Opferlamm bzw. Opfertier fehlerlos sein musste, weil Gott heilig ist. ‚Du sollst dem HERRN, deinem Gott, kein Rind oder Schaf opfern, das einen Fehler oder irgend etwas Schlimmes an sich hat; denn das ist dem HERRN, deinem Gott, ein Greuel‘ (5Mose 17,1). Wenn aber Gott ein Lamm schickt, das von Ihm als Opfer akzeptiert wird, dann können wir sicher sein, dass dieses Lamm alle Seine Voraussetzungen erfüllt. Wie drückt sich die Fehlerlosigkeit des Lammes Gottes aus?

Petrus beschreibt, wie Christus uns freigekauft hat mit folgenden Worten: ‚Da ihr ja wisset, dass ihr nicht mit unmöglichen Dingen, mit Silber oder Gold, losgekauft worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes‘ (1Petr 1,18f). ‚Er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand‘ (1Petr 2,22). ‚Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mitleiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde‘ (Hebr 4,15). Jesus war ganz und gar ohne Sünde. Selbst als Er als Kind mit Seinen Geschwistern spielte, tat Er nichts, was gegen die Gebote verstieß. Er ließ sich in keinem Augenblick dazu verleiten, Sein Ego auf den Thron Seines Herzens zu setzen, sondern in allem, was Er tat, gab Er Gott die Ehre. Wie kann Er ohne Sünde sein? Er kann ohne Sünde sein, weil Er Gott ist. Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Das hat uns Johannes gleich zu Beginn in seinem Evangelium erklärt. ‚Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort [besser: das Wort war Gott]… Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit … Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn‘ (Joh 1,1+14+34). Weder du noch ich qualifizieren uns als Lamm. Wir können unser Opfer nicht selbst bringen, auch unsere guten Taten reichen nicht aus. Wir brauchen einen Stellvertreter, der für unsere Sünde stirbt. Welche Titel begehrst du? Welcher Name, meinst du, stünde dir gut zu Gesicht? Jesus hatte so viele Titel und Namen wie kein Zweiter auf dieser Welt. Aber Er füllte sie auch aus. Er hieß nicht nur Lamm Gottes, Sein Name war nicht Schall und Rauch, sondern Er war auch das Lamm Gottes. Er war von Gott gesandt und ohne Fehler. Und deshalb beten wir Ihn an.

Der Dienst von Johannes dem Täufer hatte nur ein Ziel: Er war ein Wegbereiter für den Herrn. Auf die Frage einer Delegation, bestehend aus Priestern und Leviten, wer er denn sei, antwortete er: ‚Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Ebnet den Weg des Herrn!‘ (Joh 1,23). Er verstand sich lediglich als jemand, der auf einen anderen hinwies. Der, auf den er deutete, war unvergleichlich höher als er selbst. Mit seiner Antwort zitierte er den Propheten Jesaja. Dort heißt es: ‚Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott!‘ (Jes 40,3). In Jes 40 ist HERR in Großbuchstaben geschrieben, was soviel heißt, dass Jahwe, Jehova, der Schöpfergott, der Herrscher der Welt kommt. Folgerichtig sagt Johannes: ‚Ich bin nicht wert, dass ich seine Schuhriemen löse‘ (Joh 1,26f). Und in Vers 30: ‚Dieser ist’s, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich‘. Johannes weiß, dass Jesus eine absolut höhere Stellung als er selbst hat. Christus war bereits vor Johannes da, Christus ist Gott. Weil Gott ihm offenbart hat, wer Jesus ist (Vers 33), kann er, als er Jesus auf sich zukommen sah, rufen: ‚Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!‘ Der Titel, mit dem Johannes uns Jesus hier vorstellt, beinhaltet zum einen, dass das Lamm von Gott kommt (Gottes Lamm) und nicht ein gewöhnliches Opfertier ist. Und zweitens, dass es ohne Fehler ist, denn ein angenehmes Opfer musste ohne Fehler sein. Und so ist es auch: Jesus war ohne Sünde. Eine weitere Eigenschaft des Lammes Gottes ist, dass es stellvertretend Sünde trägt.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass wir unsere Lieblingsmannschaft im Fußball bejubeln. Wenn uns das Ergebnis gefällt, sagen wir: ‚Wir haben gewonnen‘. Wir solidarisieren uns mit einem Team so sehr, dass wir uns fast selber den Sieg zuschreiben, wenn es gewinnt. […]. Interessant ist, dass sich eine eigenartige Wandlung unserer Sprache einstellt, wenn unsere Mannschaft verloren hat. Plötzlich sagen wir: ‚Sie haben verloren‘ oder ‚die Deutschen‘ haben verloren. Wir lassen die Spieler die Last der Niederlage tragen, aber am Erfolg und an der Ehre des Sieges wollen wir teilhaben. Wenn wir Menschen das Gefühl haben, ein Team oder eine Person vertritt unsere Stadt, unsere Schule, unser Land oder letztlich uns selbst, dann machen wir uns den Sieg oder Erfolg der Mannschaft zu eigen. Selbst wenn wir die Spieler nicht persönlich kennen, empfinden wir doch, dass sie etwas an unserer Stelle tun und uns vertreten. Deshalb freuen wir uns mit ihnen bei Erfolg und leiden bei Niederlagen. Wir sehen in ihnen unsere Stellvertreter. Und das ist das, was das Lamm Gottes für die Gläubigen ist: Es ist ihr Stellvertreter. Es repräsentiert die Gläubigen vor Gott. Das Lamm trägt stellvertretend ihre Sünde und die damit verbundene Strafe. Die Bibel erklärt uns, dass die Sünde der Menschen von Gott bestraft wird, weil Er gerecht ist. Die Erde ächzt unter der Last der Sünde. Ungerechtigkeit, Vertrauensbrüche, Unzucht und Missbrauch sind nur Teile des Ausdrucks der Sünde. Der Zorn Gottes liegt daher auf den Menschen. Alle sind betroffen, es gibt keine Ausnahme. Jetzt aber kommt Jesus Christus. Johannes sagt: ‚Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!‘ Das Lamm Gottes kam, um den Zorn Gottes an unserer Statt zu stillen – nicht für Seine eigene Sünde, die es ja gar nicht hatte. Jesus nahm die Rolle und Funktion eines Stellvertreters an, indem Er Sein sündiges Volk repräsentierte. Er ging für Seine Schafe zur Schlachtbank. ‚Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf‘ (Jes 53,5-7). Den Gedanken, dass Er stellvertretendes Sühnopfer ist, das die Forderung des Gesetzes Gottes befriedigt, verstand Jesus von Beginn Seines Wirkens auf der Erde. Er kam als ein Geschenk des Vaters für den ausdrücklichen Zweck, unsere Erlösung stellvertretend zu erwirken – etwas, was wir niemals von uns aus hätten erreichen können. Stellen wir uns die Szene vor, als Jesus zu Johannes kam, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes dachte bei sich: ‚Jeden, aber nicht den‘.Matthäus berichtet uns, dass Johannes Ihn überzeugen wollte, dass das nicht richtig sei: ‚Dann kommt Jesus aus Galiläa a an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wehrte ihm und sprach: Ich habe nötig, von dir getauft zu werden. Und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt so sein! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da lässt er ihn‘ (Mt 3,13-15). Johannes wusste, dass Jesus das Lamm Gottes ist, das stellvertretend die Sünde und Schuld derer auf sich nahm, die an Ihn glaubten. Er wusste auch, dass das Lamm rein und unbefleckt sein musste, also das ihm keine Sünde anhaften durfte. Und es war ihm klar, dass die Taufe, die er durchführte, eine Taufe der Buße und Reinigung war, dass das Lamm Gottes diese Taufe nicht benötigte. Indem Johannes Jesus wehrte, sagte er eigentlich: ‚Es ist vollkommen absurd, dass ich Dich taufe, denn Du bist das reine Lamm Gottes!‘ Und so machte er Ihm einen Alternativvorschlag: ‚Taufe doch mich!‘ ‚Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt so sein! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen‘. Die Worte, die Jesus hier findet, sind sehr interessant. Er sagt: ‚Lass es jetzt so sein!‘ Es scheint, als ob Jesus sagen wollte: ‚Ja, Johannes. Mir ist klar, dass du nicht verstehst, was hier jetzt vor sich geht. Und du hast recht: Ich brauche keine Taufe zur Buße, denn es gibt nichts, wofür ich Buße tun müsste‘. Aber Jesus wollte und sollte Stellvertreter Seines Volkes sein. Jesus erklärte auch, warum Er getauft werden wollte. Er sagte: ‚Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen‘. Mit anderen Worten sagte Er, dass es notwendig war, dass Er getauft wurde. Warum war es notwendig? Johannes der Täufer war ein Prophet Gottes. Gott hat nach den Zehn Geboten nicht aufgehört, Seinen Willen zu kommunizieren. Eine Vielzahl von Geboten wurde den Zehn Geboten hinzugefügt. Das Gebot, dass Gottes Volk sich durch die Taufe vorbereiten soll, dass das Königreich Gottes kommt, war lediglich der letzte Befehl Gottes. Bevor Jesus an das Kreuz ging, bevor Er die Funktion des Lammes Gottes erfüllen konnte, musste Er sich jedem Detail des Gesetzes, das Gott gegeben hatte, unterstellen. Er musste das Volk Gottes in jedem Detail repräsentieren. Da das Gesetz nun verlangte, getauft zu werden, musste auch Jesus sich taufen lassen. Er bat Johannes nicht um die Taufe, weil Er Reinigung benötigte, sondern weil Er dem Vater in jedem Detail gehorsam sein wollte. Jesus war das stellvertretende Opfer an unserer Statt. Seine Mission war, ein Repräsentant zu sein. Jesus wusste das und nahm es auch an. Er wusste von Beginn an, dass Er als ein Stellvertreter für Seine Schafe handelte.

Was ist damit gemeint, dass das Lamm Gottes die Sünden der Welt trägt? Mit ‚Welt‘ ist gemeint, dass Jesus nicht ausschließlich für Juden starb, sondern auch für Menschen aus allen Nationen, wie Johannes schreibt: „Er ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt‘ (1Joh 2,2). Das bedeutet nicht, dass der Tod Jesu am Kreuz alle Menschen universal errettet. Nein, die Bibel spricht vielmehr davon, dass die, die nicht an Jesus Christus glauben und Buße über ihre Sünde tun, die Ewigkeit in der Hölle verbringen werden. Jesus gab Sein Leben für Seine Schafe, wie Er es selbst sagt: ‚Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe‘ (Joh 10,14f). Als Johannes Jesus auf sich zukommen sah und sagte: „Siehe, das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt!“, meinte er nicht, dass jede Person auf dieser Welt gerettet würde. Er meinte, dass jede Person in der Welt, ob Jude oder Heide, gerettet wird, wenn sie an Jesus glaubt. Daher glaube an den Sohn Gottes, an Jesus Christus, das Lamm Gottes!

Zum Schluss: Wozu das Ganze? Worin liegt der praktische Aspekt, die Anwendung dieser Predigt für dich, der du ein Nachfolger Jesu bist? Die praktische Anwendung ist schlicht und ergreifend diese: Bete das Lamm an! Gib Jesus Christus alle Ehre! Sage Ihm Dank für Seine Stellvertretung. Preise Ihn dafür, dass Er deine Schuld und deine Strafe auf sich genommen hat! […]“ (aus Predigten zu Joh 1,19-36).

4. PREDIGTGLIEDERUNGEN

Wen sehen wir? Christus – das Lamm Gottes

Zum „Sehen“ braucht es:

a) Den rechten Botschafter

b) Die rechte Botschaft

c) Die rechte Annahme der Botschaft

(in Anlehnung an C.H. Spurgeon)

 

oder nach Ulrich Parzany:

a) Endlich ist alle Unsicherheit beseitigt

b) Endlich schafft es einer weg

c) Endlich wird das Rätsel gelöst

 

oder nach Gottfried Voigt:

Er ist es –

a) der Ewige

b) der Geopferte

c) der Geisttäufer