1.Mose

Predigthilfe vom 28. Oktober 2012 – 1. Mose 19, 1-29

Monatsthema: Kraft zum Standhalten

Predigtthema: Fliehen lernen

Bibelstelle: 1Mose 19,1-29

Verfasser: Thomas Richter

Eine Predigthilfe enthält Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Weitergeben der vom Herrn aus dem Predigttext persönlich gehörten Beauftragung zur Botschaft. Unsere Predigt folgt dabei dem Grundsatz Jesu: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34b). Nur wo der Herr selbst uns das Herz gefüllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10,16a)! „So sind wir nun Gesandte an Christi Statt“ (2Kor 5,20a). So suchen wir in der Predigtvorbereitung nach dem, was der Herr uns durch das Wort des Predigttextes sagen will. Es geht um seine Botschaft und wir sind seine Botschafter. Deshalb hören wir zwar auch auf andere Botschafter, z.B. durch die Hinweise der Predigthilfe, verkündigen aber die Botschaft, die uns persönlich auf der Basis des Predigttextes aufgetragen wird! „Redet jemand im Auftrag Gottes, dann soll er sich bewusst sein, dass es Gottes Worte sind, die er weitergibt“ (1Petr 4,11a – NGÜ).

1. TEXT- UND PREDIGTHILFSMITTEL

Verschiedene Bibelübersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter www.bibleserver.com (Luther 1984 / Revidierte Elberfelder Bibel / Hoffnung für alle / Schlachter 2000 / Gute Nachricht Bibel / Einheitsübersetzung / Neues Leben Bibel / Neue Evangelistische Übersetzung).

Hilfen zur Auslegung und Anwendung des Predigttextes (1Mose 19,1-29) bieten z.B.

* Hansjörg Bräumer: Das erst Buch Mose (Kapitel 12-36). Wuppertaler Studienbibel AT. R. Brockhaus (S. 159-167).

* Hellmuth Frey. Das Buch des Glaubens: Kapitel 12-25 des ersten Buches Mose. Die Botschaft des AT 2. Calwer Verlag (S. 111-132).

* Walvoord / Zuck (Hg.): Das Alte Testament erklärt und ausgelegt Bd. 1: 1.Mose-2.Samuel. Hänssler (S. 60f).

* Jakob Kroeker: Das lebendige Wort Bd. 2: Abraham – Isaak – Jakob (1Mose 12-50) (http://bitflow.dyndns.org/german/JakobKroeker/Das_Lebendige_Wort_Band_02_Abraham_Isaak_Jakob_1989.pdf; S. 126-135).

* Carl Friedrich Keil: Biblischer Commentar Bd. 1: Genesis und Exodus (unter http://bitflow.dyndns.org/german/KeilDelitzsch/Biblischer_Kommentar_Ueber_Das_Alte_Testament_Band_01_Buecher_01_02_1878.pdf; S. 196-202).

Zur Beschäftigung mit dem Predigttext hilft das Anhören (im Sinne von Apg 17,11b) der Predigten von Konrad Eißler vom 22.02.1994 mit dem Titel „Fliehen lernen“ (1Mose 19,1-36) und von Winrich Scheffbuch vom 26.08.1990 mit dem Titel „Es gibt ein zu spät!“ (1Mose 19,1-38). Diese Botschaften (und viele weitere) findet ihr unter www.sermon-online.de, wenn ihr unter „erweiterte Suche“ die Felder „Bibelstelle“ [z.B. 1. Mose 19] und „Autor“ [z.B. Eißler, Konrad bzw. Scheffbuch, Winrich bzw. Lehmann, Theo] ausfüllt.

2. TEXT- UND PREDIGTZUSAMMENHANG

In den Monaten August bis November steht der Glaube und das Leben von Abraham unter dem Leitwort „Lernen“ im Zentrum unserer Verkündigung. Bei der Auslegung der alttestamentlichen Predigttexte (1Mose 12-25) beachten wir Röm 15,4: „Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch die Geduld und den Trost [= Seelsorge] der Schrift Hoffnung haben“.

Nach den Schwerpunkten „Neuanfangen“ (August) und „Weitergehen“ (September) geht es im Oktober um das Thema „Kraft zum Standhalten“, die wir z.B. auch dadurch erhalten bzw. bewahren, indem wir „Fliehen lernen“ (1Mose 19,1-29). Nach der intensiven Fürbitte von Abraham für die Stadt beleuchten wir in dieser Predigt nun die Rettungs-Reaktion Gottes auf die Gebets-Aktion Abrahams. Standhalten bedeutet nicht nur „Widerstand“, sondern kann auch „Flucht“ bedeuten, je nachdem was im konkreten Fall dem Willen Gottes entspricht. Zum Thema Flucht beachtet bitte auch 1Mose 39,7-12; 1Kor 6,17; 10,14; 1Tim 6,11; 2Tim 2,22. Allerdings geht es dabei nicht zuerst um eine Flucht von etwas weg, sondern zuerst um eine Flucht zu etwas hin: Nichts wie hin zum Herrn! Und damit natürlich auch um Flucht von etwas, aber dies steht erst an zweiter Stelle. Zentral bei einer Flucht ist das Ziel! Es geht um eine Bewegung, die uns dahin führt, wo der Herr uns haben will und das hat natürlich auch mit einer Abwendung zu tun, damit die Hinwendung klar bleibt bzw. wieder entsteht. Aus dieser Perspektive kann auch eine Flucht Ausdruck einer Bekehrung sein, denn Bekehrung ist Umkehr, die als Abkehr beginnt und so zu einer Heimkehr wird. Mit dieser Perspektive können wir Jes 28,16 verstehen: „Darum spricht Gott der HERR: Siehe ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der fest gegründet ist. Wer glaubt, der flieht nicht“ (LU 84). Wir fliehen nie von Jesus, aber immer hin zu ihm. Weg von der Sünde und hin zur Rettung. Diese Botschaft verkündigen wir am (positiven und negativen) Beispiel von Lots Familie. Rettung heißt: Nichts wie hin zu Jesus! Deshalb: „Fliehen lernen“, damit auch wir dahin kommen bzw. bleiben, wo Abraham schon ist und Lot erst noch hinkommen muss! Dazu laden wir mit unserer Verkündigung auf der Grundlage von 1Mose 19,1-19 ein! Zum Ernst unseres Predigttextes beachtet bitte auch Mt 10,14f; Lk 9,61f; 17,28-32; 2Petr 2,6-16; Judas 7.

3. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Beachtenswerte Textanmerkungen und Parallelstellen zu 1Mose 19,1-29 findet Ihr in der MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/01-Das_Erste_Buch_Mose_Genesis.pdf; S. 74f) und unter der Überschrift „Das nicht erhörte Gebet“ (1Mose 18,20-33; 19,27f) bei Wilhelm Busch. In der Seelsorge Gottes: Angefochtene Gottesknechte. Wilhelm Busch Bibliothek 7. Neukirchen-Vluyn: Aussaat, 2006 (unter http://clv-server.de/pdf/255681-07.pdf; S. 31-40).

Unter dem Aspekt „Falsches Zuhören“ (1Mose 19,14) macht Alfred Christlieb hilfreiche Anmerkungen in seinem Buch „Vollmacht von oben“ (z.B. unter http://karker.de/download/vaeter/christ/Vollmacht.pdf; S. 57-59).

Im Hinblick auf 1Mose 19,15 merkt Charles H. Spurgeon an (Spurgeon: Predigt-Entwürfe – Erster Teil: Altes Testament; S. 10f):

* Die Gerechten haben es nötig, zur Eile angespornt zu werden.

* Die Sünder bedürfen es, zur Eile aufgefordert zu werden.

Spurgeon illustriert dies u.a. mit folgender Geschichte: „Bruder, sagte ein Sterbender, warum bist du hinsichtlich meiner Seele nicht mehr in mich gedrungen? Lieber Jakob, erwiderte der Bruder, ich habe doch verschiedene Male darüber mit dir gesprochen. Ja, war die Antwort, ich kann dich nicht tadeln; aber du hast stets so ruhig geredet, ich wünschte, du wärest auf deinen Knieen zu mir gekommen oder hättest mich beim Genick erfasst und mich geschüttelt, denn ich habe mich beinahe in die Hölle geschlafen“.

Dekan Kurt Hennig merkt zu 1Mose 19 folgendes an: „Aus der Ferne ist Abraham gekommen und sieht nun den abziehenden Rauch des Gerichts Gottes über die Schuld der Menschen. Abraham aber ist jene andere Kirche, die Kirche die geblieben war und sich nicht in diese Welt integriert hatte. „Da gedachte Gott an Abraham“, das heißt: an die Kirche, die sich nicht mit Kanaan, nicht mit der Gesellschaft der Ideologien und Idole verbrüdert, nicht mit der Welt solidarisiert hatte. Um ihretwillen lässt Gott manchmal auch die Lot-Kirche überleben, damit sie heimfindet zu der Abraham-Kirche, die ihre Knie nicht gebeugt hat vor den Idolen der Zeit. Er lässt dem Lot, der Lot-Kirche noch einmal Frist zur Umkehr, lässt sie trotzdem überleben – zur Wanderung in die »Berge, von welchen uns Hilfe kommt«. Aber in der Zwischenzeit war das Gericht hereingebrochen, das Gericht Gottes über eine gottfrei gewordene, von Gott emanzipierte, losgesagte Welt. Das sollte man ja nicht übergehen: »Da ließ der Herr Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorra und vernichtete die Städte und die ganze Gegend und alle Einwohner der Städte«. So kann Gott sein! Wir dürfen nicht darum herumreden. Es gibt die Strafgerichte Gottes, in der Völkerwelt und im einzelnen Menschenleben. Gott steht gegen die Menschen und gegen die Welt, die den Menschen zum Maß aller Dinge macht, in Sodom, Esslingen und überall. Was damals im Bereich des heutigen Toten Meeres geschah, wissen wir gar nicht. Eine Erdgaskatastrophe wäre geologisch denkbar. Aber das ist ganz nebensächlich. Von Bedeutung ist nur, dass Gottes Gericht wieder und wieder schon mitten in dieser Welt stattfindet, in »Krieg und großen Schrecken, die alle Welt bedecken«. Auch wenn gewiss nur der Glaube begreift, dass es Gottes Gericht war, das im Gewand einer diesseitigen Katastrophe geschah. Der Unglaube wird das nie einsehen; er wird höchstens empört sein, dass dieser Gott wieder so viele Unschuldige habe leiden lassen. Ich möchte dazu eine Frage stellen: Kennen Sie persönlich einen Unschuldigen, einen vor Gott Unschuldigen, mit Namen und Adresse? Dies zu erfahren wäre mir sehr wichtig. Meine Adresse jedenfalls könnten Sie da nicht angeben. Für Schuldige aber gibt es ein Ende der langen Geduld Gottes. Dann erfüllt sich sein Gericht ohne Aufhalten, wenn wir die Zeit der Chance zur Umkehr vertan haben.

Ja, und jetzt muss noch die Sache mit Lots Frau berichtet werden, die hinter sich sah und angesichts der Furchtbarkeit des Strafgerichts zur Salzsäule erstarrte. Was ist der Sinn dieser unheimlichen Geschichte? Die zurückschauende Frau ist der Inbegriff für die ernste Wahrheit, die Jesus einmal so ausdrückte: »Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes.« Lots Frau steht für den Menschen, der von Gott schon an die Hand genommen war, der das schreckliche Sünden-Sodom schon hinter sich hatte und der dennoch zurücksah auf die böse, verlockende Zeit ohne Gott und ihr doch nachtrauerte. Aber Gottes Hand ist nicht der Griff eines stählernen Roboters, Gottes Hand kann auch wieder loslassen, wenn wir unsere Hand ihm wieder zu entziehen beginnen. Auch unter denen, die schon auf dem Weg der Rettung, das aber heißt: auf dem Weg zum Kreuz Jesu Christi, sind, vollziehen sich immer wieder noch Scheidungen. Und noch etwas sagt die Sache mit Lots Frau: dass es uns nichts hilft, auf das Totenfeld Gomorra zurückzublicken, auf die Gräber der Toten überhaupt. Jetzt, im November, häufen sich die Gedenktage für unsere Toten: Allerseelen, Volkstrauertag, Totensonntag. Bei allem Recht und aller Pflicht zur Pietät: Das Zurückschauen auf das, was war und auf die, die waren, hilft nicht aus dem Tod. Aus dem Tod hilft uns nur Jesus Christus, der Auferstandene – aus dem Tod der Sünde, aus der Todesstarre der Kirche, aus dem leiblichen Tod als dem letzten Feind. Darum – o Wunder! – » zog Lot weg von Zoar und blieb auf dem Gebirge«. Jetzt endlich war die Entscheidung klar gefallen, wo Lot, wo die Kirche hingehört: weg von allen Verflechtungen mit der Welt, hin zur Gemeinde Gottes. Jetzt hatte er sie gefunden, »die Berge, von welchen mir Hilfe kommt«. Wir müssen den Berg finden, den Hügel Golgatha, wo der Tod besiegt wurde. Aber dazu müssen wir weg von Sodom und weg von Zoar, weg von den Restbindungen an Restidole. Wir müssen ganz zu Jesus. »Wenn der nicht in mir wäre, so dürft und könnt ich nicht vor Gottes Augen stehen und vor dem Sternensitz; ich müsste stracks vergehen wie Wachs in Feuershitz … Wollen wir damit im Blick auf unsere Toten und auf unseren eigenen Tod wieder einmal auf das Jenseits vertrösten? Ja, das wollen wir, ganz sicher! Uns trösten mit der Gewissheit. der neuen, kommenden, sodomfreien, todfreien Welt Gottes, uns trösten mit dem Sieg Jesu Christi über den Tod. »Sein Auge hat uns stets bewacht, ihm sei Anbetung, Ehr und Macht! Gelobt sei Gott! Ja, Amen.«“ (entnommen aus Kurt Hennig. Esslinger Predigten über Gott und die Welt. Neuhausen: Hänssler, 1981. S. 126-129).

Walter Tlach merkt unter dem Stichwort „Ein Vorschatten der letzten Katastrophe“ an, dass in unserem Predigttext drei „Menschengruppen“ vorgestellt werden und deshalb die Frage für uns lautet: „Zu welcher Gruppe gehöre ich?“

* Zu den Bürgern Sodoms?

* Zur Familie von Lot?

* Zu Abraham?

4. PREDIGTGLIEDERUNGEN

In Anlehnung an Konrad Eißler:

a) Nicht nach vorne schauen!

b) Nicht nach hinten schauen!

c) Sondern: Nach oben schauen!

 

oder nach Wilhelm Wagner:

a) Ein Exempel der Aktion des Gericht

b) Ein Exempel der Aktion der Geduld

c) Ein Exempel der Aktion der Errettung