1.Samuel

Predigthilfe vom 14. August 2011 – 1. Samuel 23, 1-18

Monatsthema: Gottes Führung vertrauen

Predigtthema: Verfolgt, aber nicht verlassen

Bibelstelle: 1. Samuel 23,1-18

Verfasser: Thomas Richter

Eine Predigthilfe enthält nur Hinweise für die Verkündigung und ersetzt deshalb nicht das eigenständige Erarbeiten des Bibeltextes und das Studieren von Bibelkommentaren.

1. TEXT- UND PREDIGTSCHWERPUNKT

David ist als König gesalbt, aber noch nicht als König eingesetzt. Somit lebt David im Spannungsfeld von Verheißung und Erfüllung, voraus sich das Monatsthema „Gottes Führung vertrauen“ ergibt. Im Rahmen der Verkündigung wollen wir aufzeigen, wie auch wir mit einem Berufungs- bzw. Verheißungswort Gottes leben können, dass noch nicht in Erfüllung gegangen ist, sondern dessen Erfüllung wir im Glauben erwarten müssen. In dieser „Zwischenzeit“ gilt es der Führung Gottes zu vertrauen, auch wenn die aktuelle Lebenssituation äußerst beschwerlich wird, gerade auf Grund der Berufung Gottes. Aber Gott weiß, was er tut und seiner Führung gilt es sich anzuvertrauen.

Die Frage wie so ein Leben konkret aussehen kann, beantwortet der Predigttext (1Sam 23,1-18), womit sich folgendes Predigtthema ergibt: „Verfolgt, aber nicht verlassen“ (V. 14b). David erfährt durch Menschen sowohl Enttäuschung (V. 1-13), als auch Stärkung (V. 14-18). Orientierungspunkt im Alltag ist für David aber immer der Wille Gottes (V. 2.4.9b.12).

2. TEXT- UND PREDIGTANMERKUNGEN

Hilfen zur Auslegung und Anwendung bieten z.B.

* Martin Holland. Das erste Buch Samuel. Wuppertaler Studienbibel AT. R.Brockhaus Verlag (S. 242-250).

* Warren W. Wiersbe. Sei erfolgreich: Reichtum gewinnen, den man nicht mit Geld kaufen kann. Studien zum AT: 1. Samuel 1-31. Christliche Verlagsanstalt (S. 141-146).

* Karl Gutbrod. Das Buch vom König: Das erste Buch Samuel. Die Botschaft des Alten Testaments 11,1. Calwer Verlag (S. 189-195).

* David Jaffin. Saul und David: Die große Verfolgung. Verlag der Liebenzeller Mission (S. 66-73; http://bitflow.dyndns.org/german/DavidJaffin/Saul_Und_David_1999.pdf).

Weitere erläuternde Textanmerkungen und Parallelstellen zum Predigttext bieten z.B. die MacArthur Studienbibel (http://bitflow.dyndns.org/german/JohnMacArthurStudienbibel/09-Das_Erste_Buch_Samuels.pdf; S. 431-432).

3. TEXT- UND PREDIGTVERANSCHAULICHUNGEN

Alfred Christlieb entdeckt folgende selige Gewohnheiten bei David:

„In unserer Geschichte kommt wiederholt der Ausdruck vor: »David fragte den Herrn«. Dieser Mann nach dem Herzen Gottes (1Sam 13,14; Apg 13,22) kam in die mannigfaltigsten Notlagen. Aber immer ging er denselben Weg. Er eilte mit allem, was ihm unklar war, zum Herrn selbst, um Licht und Leitung zu erbitten. Er tat dies in der damals üblichen, alttestamentlichen Weise, wobei das hohepriesterliche Gewand mit den Edelsteinen »Licht und Recht« auf eine uns nicht näher bekannte Weise zur Verwendung kam. Jene äußere Form der Befragung Gottes war nur vorübergehend. Die Sache selbst aber bleibt für alle Zeiten bestehen. Für alle, die Gottes Wege gehen wollen, gilt es, wie David zur rechten Quelle des Lichtes zu eilen und bei Gott Rat und Licht zu erbitten. Eine nähere Betrachtung unserer Geschichte zeigt uns, dass diese selige Gewohnheit gar manchen Gewinn nach sich zieht. Lasst uns auf einen dreifachen Segen achten, den David dadurch bekam!

* Er wusste sich auf Gottes Wegen: Der erste Segen bestand darin, dass David bei seinen Unternehmungen das beruhigende Bewusstsein hatte, sich auf Gottes und nicht auf eigenen Wegen zu befinden. Vergegenwärtigen wir uns Davids Lage! Er war damals noch nicht König, sondern hielt sich mit einer Anzahl von Männern, die sich um ihn gesammelt hatten, an verborgenen Orten auf, um Sauls Verfolgungen zu entgehen. In jener Zeit wurde ihm eines Tages die Nachricht gebracht, die Grenzstadt Kegila sei von den Philistern überfallen worden und die Plünderung der Getreidevorräte habe bereits begonnen. In jener Nachricht lag für David die stille Bitte, wenn möglich mit seinen Streitern Hilfe zu bringen. Zuallererst suchte David jetzt Gottes Angesicht. Er bat um Klarheit, ob er der Bitte um Hilfe entsprechen soll. Mancher würde das Gebet um Leitung überflüssig gehalten und die Frage selbst entschieden haben. David aber hielt es mit Recht für nötig, Gott zu fragen. Er wollte bei einem etwaigen Kriegszug vor allen Dingen die Gewissheit haben, dass dieses Unternehmen von Gott gewollt sei. Besaß er diese Klarheit, so war er des glücklichen Ausgangs gewiss. David blieb nicht ohne göttliche Antwort. Der Herr gab ihm volle Klarheit darüber, dass der Weg nach Kegila der rechte sei. Jetzt konnte er getrost und zuversichtlich dorthin gehen (V. 2b). Auch bei all unseren Plänen kommt alles darauf an, ob diese mit Gottes Willen übereinstimmen. Ist das der Fall, so wird kein Hindernis uns aufhalten können. Viele Aufforderungen zu allerlei Mithilfe treten in unserer Zeit an die gläubigen Christen heran. Dadurch entsteht die Gefahr, dass sie ihre Kräfte zersplittern, für Aufgaben verwenden, zu denen sie nicht von Gott berufen sind. Wohl uns, wenn wir nichts nach eigener Wahl und eigenem Gutdünken unternehmen, sondern immer zuerst des Willens Gottes gewiss zu werden versuchen!

* Sein Gang war stetig und gewiss: Der zweite Segen bestand darin, dass David ein stetiger, fester Charakter wurde, der kein Hin- und Herschwanken kannte. Als David der göttlichen Weisung folgen und nach Kegila ziehen wollte, stieß er auf den Widerstand in seiner Umgebung. Seine Männer wiesen darauf hin, dass sie mit ihrer eigenen Sicherheit genug zu tun hätten. Sie sahen in dem Weg nach Kegila eine Vermehrung der ihnen durch Saul drohenden Gefahr. Der spätere Versuch Sauls, David in Kegila gefangen zu nehmen (V. 7f), zeigt, dass ihre Bedenken nicht unbegründet waren. Davids Streiter meinten, man dürfe ihnen, den sehr Gefährdeten, nicht zumuten, sich um anderer willen noch mehr in Gefahr zu bringen. Sie handelten nach dem Grundsatz: Jeder ist sich selbst der Nächste. David geriet durch den Widerspruch der Männer in eine schwierige Lage. Auf der einen Seite hatte er die klare göttliche Weisung, nach Kegila zu ziehen. Auf der anderen Seite widersetzte sich die Gesamtheit seiner Umgebung diesem Plan. Was tat David in dieser Notlage? Ließ er sich durch seine Umgebung umstimmen und verzichtete er auf den Marsch nach Kegila? Das wäre Schwäche gewesen. David wusste, dass er unter einer höheren Leitung stand und dass diese in allen Fragen den letzten Ausschlag geben sollte. Als nun seine Männer ihn durch ihren Widerstand aus der göttlichen Führung heraus zu drängen versuchten, ließ er sich durch sie nicht unsicher machen, sondern suchte aufs neue Klarheit bei dem Herrn selbst. Er fragte den Herrn zum zweiten Mal. Und zum zweitenmal gab ihm der Herr den Befehl, nach Kegila zu ziehen. Durch diese erneute Bestätigung des göttlichen Willens wurde Davids Gang fest und unerschütterlich. Jetzt konnte und durfte auch der Widerstand aller seiner Männer ihn nicht ins Wanken bringen. Durch Davids Festigkeit wurde vielmehr der Widerstand seiner Männer überwunden, so dass sie David folgten (V. 5). Viele Menschen lassen sich in ihrem Tun nur durch Einflüsse ihrer Umgebung bestimmen. Dadurch wird ihr Gang schwankend und unzuverlässig. Sie sind Wetterfahnen. Wer aus dieser verkehrten Art herausgehen möchte, der lerne aus Davids seliger Gewohnheit! Sie macht unseren Gang stetig und gewiss. Wie nötig sind in unserer Zeit solche Leute, deren Gang von Gott festgemacht ist!

* Er nahm auch unangenehme Erfahrungen aus Gottes Hand: Der dritte Segen bestand darin, dass David über schmerzliche Erfahrung menschlicher Undankbarkeit leichter hinwegkam. Davids Rettungsversuch gelang. Er brachte den Philistern eine große Niederlage bei und befreite die Stadt Kegila. »David tat eine große Schlacht; so errettete er die zu Kegila« (V. 5). Nach dieser Rettungstat, die David trotz des Widerspruchs seiner Männer ausgeführt hatte, durfte er doch sicherlich auf die Dankbarkeit und Treue der Bewohner rechnen. Leider musste er das Gegenteil erleben. Er, der die Stadt aus großer Gefahr befreit hatte, geriet gleich darauf selbst in Gefahr. Saul hatte den Aufenthalt Davids in Kegila erfahren und zog aus, um ihn dort gefangen zu nehmen. Jetzt musste es sich zeigen, ob die Einwohner Kegilas ihrem Erretter Treue und Dankbarkeit beweisen oder nur an ihre eigene Sicherheit denken würden. Gewiss hätte David von den durch ihn befreiten Einwohnern Gegenliebe erwarten können. Aber er musste die Wahrheit des Wortes erfahren: Undank ist der Welt Lohn. Als er die neue, durch Sauls Plan entstehende Gefahr vor Gott brachte, auch Gott um Licht über die Zuverlässigkeit der Bewohner Kegilas bat, musste er die betrübende Antwort vernehmen, dass er auf irgendwelchen Schutz seitens dieser Leute nicht rechnen dürfe. Sie dachten weniger an ihre Dankespflicht als an die eigene Sicherheit. Durch solche Erfahrung menschlichen Undankes hätte David in Groll und Bitterkeit geraten und die Lust zu weiteren Taten der Liebe und Barmherzigkeit verlieren können. Da ihm aber dieses betrübende Licht über die Bewohner Kegilas durch göttliche Antwort zuteilwurde, konnte er leichter, ohne innerlich Schaden zu nehmen, über die schmerzliche Erfahrung menschlichen Undanks hinwegkommen. Wie oft nehmen Menschen dadurch an ihrer Seele Schaden, dass sie über diese und jene Erfahrung menschlichen Undanks und menschlicher Untreue nicht hinwegkommen können, sondern in bleibende Verstimmung und Verbitterung hineingeraten! Wer wie David mit allen Fragen und Schwierigkeiten zum Gnadenthron eilt, der lernt auch alle unangenehmen Erfahrungen aus Gottes Hand hinnehmen. Ihm wird es leichter, auch bei schmerzlichen Erlebnissen im inneren Gleichgewicht zu bleiben. So sehen wir, wie Davids Gewohnheit mancherlei köstlichen Gewinn mit sich brachte. Lasst uns seine Gewohnheit zur unsrigen machen“!

V. 2: „David, der Mann nach dem Herzen Gottes, ist in mancherlei Notlagen gekommen. Aber immer ging er denselben Weg. Er eilte mit allem, was ihm unklar war, zum Herrn selber, um Licht und Leitung zu erflehen. Aus dieser heiligen Gewohnheit erwuchs dem David mannigfaltiger Segen. Zunächst blieb ihm die Gewissheit erhalten, dass er auf Gottes Wegen und nicht auf eigenen Wegen wandelte. Das war besonders bedeutsam in der Lage, die in 1Sam. 23 geschildert wird. David lebte damals noch in der Verfolgungszeit durch Saul. Da wurde ihm die Nachricht gebracht, die Philister hätten die Grenzstadt Kegila überfallen und seien dabei, die Getreidevorräte abzuschleppen. Darin lag die unausgesprochene Bitte um Hilfe. David aber brach daraufhin nicht sofort auf, sondern suchte Gottes Angesicht und fragte: „Soll ich hingehen und die Philister schlagen?“ Manch einer würde in diesem Falle das Gebet um Leitung für überflüssig gehalten und die Frage selber entschieden haben. David aber hielt es mit Recht für notwendig, Gott zu fragen. Er wollte bei einem etwaigen Kriegszug vor allen Dingen die Gewissheit haben, dass dies Unternehmen von Gott gewollt sei. Besaß er diese Klarheit, so war er des glücklichen Ausganges gewiss. – Und David blieb nicht ohne göttliche Antwort. Der Herr gab ihm volle Klarheit darüber, dass der Weg nach Kegila der rechte sei. Jetzt konnte er getrost und zuversichtlich dorthin gehen. – Auch bei all unseren Plänen kommt es darauf an, ob dieselben mit Gottes Willen übereinstimmen. Ist das der Fall, so wird kein Hindernis uns aufhalten können. – Viele Aufforderungen zu allerlei Mithilfe treten in unserer Zeit an den gläubigen Christen heran. Dadurch entsteht die Gefahr, dass sie ihre Kräfte zersplittern und für Aufgaben verwenden, zu denen sie nicht von Gott berufen sind. Wohl uns, wenn wir uns nicht vom eigenen Gutdünken, sondern von Gottes Willen leiten lassen“ (Alfred Christlieb).

V. 4: „Für alle, die auf Gottes Wegen wandeln wollen, gilt es, nach Davids Vorbild den Herrn immer wieder um Rat und Licht zu bitten. Mit einer Befragung ist es nicht immer getan. Unser Geschick wechselt oft in überraschend kurzer Zeit. Dann steht man wieder da und weiß nicht, was man tun soll. Davids Beispiel zeigt uns das richtige Verhalten in solchem Falle: Er fragte Gott ein zweites Mal! Ihm war die Weisung zuteil geworden: ‚Zieh gen Kegila‘! Bei seinen Männern aber stieß er auf Widerstand. Sie sahen in diesem Kriegszug nach Kegila eine Vermehrung der Gefahr die ihnen durch Saul drohte, denn Kegila lag in dessen Herrschaftsbereich. Der spätere Versuch Sauls, David in Kegila gefangenzunehmen (V. 7ff), zeigt, dass ihre Bedenken nicht unbegründet waren. Davids Männer handelten nach dem Grundsatz: Jeder ist sich selbst der Nächste. – Was sollte David nun tun? Einerseits hatte er die klare, göttliche Weisung, nach Kegila zu ziehen. Auf der anderen Seite widersetzten sich seine Leute diesem Plan. Ließ David sich nun einfach umstimmen? Das wäre Schwäche gewesen. David stand unter göttlicher Leitung. Gott sollte in allen Dingen den letzten Ausschlag geben. So fragte David den Herrn ein zweites Mal. Und wieder gab der Herr ihm den Befehl: ‚Zieh gen Kegila‘! Durch die erneute Bestätigung des göttlichen Befehls wurde Davids Gang fest und unerschütterlich. Seine Männer vermochten ihn nicht wankend zu machen, vielmehr vermochte er sie umzustimmen, dass sie willig mit ihm gingen. – Viele Menschen lassen sich schnell durch ihre Umgebung beeinflussen. Dadurch wird ihr Gang schwankend und unzuverlässig. Sie sind Wetterfahnen. Wer aus dieser verkehrten Art heraus will, der lerne von Davids seliger Gewohnheit. Sie macht unsern Gang stetig und gewiss. – Wie nötig sind in unserer Zeit Leute, deren Gang Gott fest gemacht hat!“ (Alfred Christlieb).

V. 5: „Davids Rettungsversuch gelang. Er brachte den Philistern eine schwere Niederlage bei und befreite die Stadt Kegila. – Man hätte annehmen dürfen, dass die Einwohner der aus so großer Not befreiten Stadt dem David für diese Tat rechte Dankbarkeit bewiesen hätten. Leider musste David das Gegenteil erleben. Saul erfuhr, dass David sich in Kegila aufhalte. Er sprach: ‚Nun hat Gott ihn in meine Hände gegeben, dass er eingeschlossen ist‘. Er ließ das ganze Volk aufbieten zur Belagerung von Kegila. Als David von diesem Plan Kunde erhielt, fragte er Gott: ‚Wird Saul herabkommen‘? – Der Herr antwortete: ‚Ja‘! – ‚Werden die Bürger zu Kegila mich dem Saul überantworten‘? – Der Herr antwortete: ‚Ja‘! – David musste die Wahrheit des Wortes erleben: Undank ist der Welt Lohn. Die Leute von Kegila dachten mehr an ihre Sicherheit als an ihre Dankespflicht. – Durch diese Erfahrung menschlichen Undanks hätte David in Groll und Bitterkeit geraten und die Lust zu weiteren Taten der Liebe und Barmherzigkeit verlieren können. Nun ihm aber dieser betrübende Aufschluss über die Gesinnung der Leute in Kegila durch göttliche Antwort zuteil geworden war, konnte er über diese schmerzliche Erfahrung wegkommen, ohne sich schlimm zu ärgern. – Wie oft nehmen Menschen an ihrer Seele Schaden, wenn sie menschliche Untreue und menschliche Undankbarkeit erleiden müssen. Sie werden krank vor Zorn und Erbitterung. Wer aber wie David mit allen Fragen und Schwierigkeiten zum Gnadenthron eilt, der lernt auch die unangenehmen Erfahrungen aus Gottes Hand hinzunehmen. Ihm wird es leichter, auch bei schmerzlichen Erlebnissen im inneren Gleichgewicht zu bleiben. – So haben wir gesehen, wie Davids heilige Gewohnheit, den Herrn in jeder Lage um Rat zu fragen, ihm köstlichen Gewinn brachte. – Wollen wir nicht auch also tun?“ (Alfred Christlieb).

Unter dem Stichwort „Frommes Geschwätz und frommer Wandel“ entdeckt Alfred Christlieb folgende Unterschiede zwischen David und Saul: „In diesem Kapitel [1Sam 23] wird mehrmals fromm geredet, ohne dass die Worte aus einem frommen Herzen fließen. Als Saul die Nachricht erhält, dass David in Kegila ist, sagt er: ‚Gott hat ihn in meine Hände übergeben, daß er eingeschlossen ist‘ (V. 7). Desgleichen sagt Saul zu den Siphitern, die David an ihn verraten wollen: ‚Gesegnet seid ihr dem Herrn, dass ihr euch meiner erbarmt habt‘ (V. 21). Das sind fromme, hohle Worte, denen kein Wandel entspricht, der Gott gefällt. Bei David hören wir solche Worte nicht, sehen aber einen frommen Wandel. Wir wollen drei Unterschiede betrachten zwischen solchen, die nur fromm schwätzen, und solchen, die wahrhaft fromm sind:

* Der fromme David fragt bei seinen Wegen den Herrn nach seinem Willen. Der fromme Schwätzer Saul geht beständig Wege, bei denen er unmöglich den Herrn gefragt haben kann; denn diese Wege sind ungöttlich. Bevor David nach Kegila zieht und ehe er Kegila wieder verlässt, fragt er den Herrn. Saul aber zieht zur Verfolgung Davids hasserfüllt hinaus, ohne zu fragen, ob dieser Weg gottgewollt ist.

* Der fromme David sucht Gemeinschaft mit treuen Leuten und verbindet sich aufs neue mit dem trefflichen Jonathan (V. 18). Der fromme Schwätzer Saul aber verbindet sich mit höchst fragwürdigen Menschen, mit den schändlichen Verrätern von Siph. Diese geben den Aufenthalt des verfolgten David an, um sich dadurch die Gunst des Königs zu erwerben (V. 19f). – Sage mir, mit wem du umgehst, und ich will dir sagen, wer du bist!

* Der fromme David lebt für andere. Er wagt sein Leben für die bedrängten Einwohner von Kegila. Der fromm schwätzende Saul lebt nur für sich, für seine persönlichen Ziele und Wünsche. Seine vielen Wege und Verfolgungszüge bringen niemandem im Land Nutzen. Es geht dabei immer nur darum, die eigene Herrschaft gegen David zu behaupten, den Gott doch für den Thron bestimmt hat. Gott helfe uns, dass wir nicht fromm reden, sondern fromm wandeln! Fromme Schwätzer wie Saul träumen zwar von Erfolgen (V. 7), aber sie erlangen sie nicht (V. 14). Wahrhaft Fromme wie David bekommen Sieg und Bewahrung von Gott, auch wenn ihre Wege durch Leiden führen“ (Alfred Christlieb. Licht von Oben. Bd. 2).

V. 16-18: „Die Kunde, dass David von Kegila aus weiter geflüchtet ist, dringt zu Saul. Dieser sieht zunächst von dem bereits beschlossenen Kriegszug gegen David ab (23,13). Jonathan aber, der den Freund David in der Nähe weiß, macht sich auf, ihn zu suchen, und erfindet ihn auch: ‚Er ging hin zu David in die Heide und stärkte seine Hand in Gott und sprach zu ihm: Fürchte dich nicht! Meines Vaters Saul Hand wird dich nicht finden, und du wirst König werden über Israel, so will ich der Nächste um dich sein‘. Zukunftsschlösser! Wie in einem Bergwerk edles Metall und wertloses Gestein nebeneinander lagern, so kann auch in einem Satz eine göttliche Wahrheit und ein menschlicher Irrtum ausgesprochen werden. Das ist hier der Fall: ‚Du wirst König werden … ich will der Nächste um dich sein‘. Gibt es klare biblische Kennzeichen, an denen wir gediegene göttliche Überzeugungen von menschlichen Phantasiegebilden unterscheiden können? – Ja!

* Die göttliche Wahrheit: Für den ersten Teil seines Trostes hatte Jonathan ein klares göttliches Wort als Grundlage. Gott hatte dem Samuel den Befehl gegeben, David zum König und Nachfolger Sauls zu salben (1Sam 16,1+12f). Kein Toben und Wüten und Verfolgen konnte daran etwas ändern. Es war und blieb göttliche Verheißungswahrheit: ‚Du wirst König werden‘!

* Der menschliche Irrtum: Anders ist es bei dem zweiten Teil: ‚Ich will der Nächste um dich sein‘? Dafür hatte Jonathan keine göttliche Zusage. Es war verständlich, dass er sich eine helle Zukunft zusammen mit dem Freund ausmalte. Wie schön wäre das gewesen, wenn die beiden ihre treue Freundschaft zusammen in der Regierung des Volkes bewährt hätten! Das wäre sicherlich eine glückliche Zeit geworden. Aber menschliche Zukunftsschlösser – nicht göttlicher Plan! Wir wollen es uns gesagt sein lassen: Zuverlässiges Wissen über die Zukunft hat Gottes Wort zur Grundlage; schöne menschliche Pläne sind in die Luft gebaut. Wie viele solcher Luftschlösser sind schon zusammengebrochen zum Entsetzen derer, die darin wohnen wollten“ (Alfred Christlieb. Licht von Oben. Bd. 2)!

4. PREDIGTGLIEDERUNG

Verfolgt, aber nicht verlassen, den

a) Gott bestimmt den Wendepunkt

b) Gott hilft auf dem Tiefpunkt

c) Gott stärkt zum richtigen Zeitpunkt

(nach Wilhelm Wagner)

 

oder nach Wilhelm Wagner:

a) Siegesweg (V. 1-6)

* nie der eigene Weg

* immer der göttliche Weg

* möglichst der gemeinsame Weg

b) Holzweg (V. 7f)

* Selbstherrlichkeit

* Selbstmächtigkeit

* Selbstsicherheit

c) Fluchtweg (V. 9-14)

* informiert, aber eigenverantwortlich

* enttäuscht, aber nicht bitter

* heimatlos, aber geborgen

d) Ausweg (V. 15-18)

* erlebte Gemeinschaft

* überwundene Mutlosigkeit

* begründete Festigkeit

 

oder nach Fritz Grünzweig:

a) Die Treue des Gesalbten

b) Die Untreue dem Gesalbten gegenüber

c) Die Treue gegenüber dem Gesalbten

d) Gottes Treue