Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: … im Gerechten kommt
Bibelstelle: Jesaja 42, 1-9
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
Jesaja wurde der „König der Propheten“ genannt, auch „der Evangelist unter den Propheten“. Wie kein zweiter hat er die Leiden und das Sterben des Gottessohns beschrieben. Wahrscheinlich in Jerusalem geboren, war er vornehmer Herkunft und arbeitete als Archivar, Biograph, Sekretär, Erzieher des Prinzen Hiskia und wahrscheinlich auch als Arzt am Königshof (2. Kö 20, 7). ER prophezeite ca. 50 Jahre (758-700 vChr). Seine Aufgabe war es, zu warnen, Gericht anzukündigen und Trost zu sprechen.
Erklärungen und Tipps:
V 1 Die Lutherübersetzung überschreibt: Der Knecht Gottes, das Licht der Welt. Manche Ausleger meinen, dass „mein Knecht“ sich auf Israel bezieht, wie z.B. in V 19. Tatsächlich wurde Israel von Gott erwählt, erhalten und war sein Wohlgefallen. Aber V 1b-4 deuten doch eher auf den Messias. Dieser EINE hat den Geist Gottes in sich (vgl. 11, 2) und wird den Völkern Gerechtigkeit bringen (vgl. 9, 6; 11, 3f; 16, 5). Er wird SANFT sein (Menschen zerbrechen schwache, nutzlose Rohre, er nicht) und TREU, und selbst nicht zerbrechen (V 4). Er bringt die gerechte Weisung, auf die letztlich auch die Entferntesten (Inseln) gewartet haben. Als Knecht tat Jesus, was Israel nie gekonnt hätte.
V 1 Die Götter halten samt ihren Anhängern nicht stand. Das Entlarven falscher Götter war EIN Anliegen der Propheten (1. Kö 19) bis heute. (1)
ER hält seine Beauftragten fest, nicht umgekehrt! (2) Das Wohlgefallen drückt die Zuneigung Gottes aus und sein Versprechen, ihn zu halten. Knechte bleiben allerdings Diener.
Das RECHT ist der Entscheid Gottes, die Unrechtmäßigkeit und Unfähigkeit aller anderen Götter und Idole zu publizieren. Gott ist im Wort seines Knechtes präsent und verbürgt seine Nähe (Bund), bis alle Völker auf Erden von seinem Recht erfahren haben.
V 2 Herolde machten für gewöhnlich die Entscheidungen der Herren bekannt, laut und deutlich, meist auf Marktplätzen. Der Knecht Gottes schreit nicht. (3) Gott redet in unserer Zeit eher im Stillen. (4)
V 3 Nicht OBWOHL, sondern WEIL er der Herr ist, löscht er nicht aus und wählt den Weg der Niedrigkeit.
Israel war während der babylonischen Gefangenschaft mächtig angeknackst und fast erloschen (Ps 137).
Gottes Treue wird trotzdem gegenüber aller Welt verkündigt: Er hält zu seinen Leuten. Besonders die Schwachen sind Gott wichtig (Mk 2, 17). Nun wird aber nicht das angeknickte Rohr zu einem Riesenbaum und das glimmende Licht zur großen Fackel. Gott kann aber das Kleinste vor der Vernichtung bewahren.
Paulus wurde in der Schwachheit stark (2. Ko 12, 10).
V 4 Vers 3 bezeugt schon, dass die Botschaft des Knechtes Recht und Wahrheit ist. Dabei dürfen von der Niedrigkeit des Boten und der Behutsamkeit seiner Verkündigung nicht auf Schwäche und Erfolglosigkeit geschlossen werden.
Gott, der Israel erwählt hat, findet auch unter den übrigen Völkern erlösungsbedürftige Zustände und möchte seine Geschöpfe wieder zu seinen Kindern machen (1. Tim 2, 4).
Auch die Entferntesten ahnen, DASS Gott ist, sie wissen nur nicht WER Gott ist (Rö 1, 19ff).
Gemeinden ohne einen „aktiven Draht“ zur Mission leiden bald an geistlichen Herzrhythmusstörungen.
V 5 „Volk“ meint Israel als auserwähltes Volk und gleichzeitig die ganze Menschheit, die Gott schuf und die ihm auch nach 1. Mo 3 nie gleichgültig wurde.
V 6 „Ich, der HERR“ rufe, halte, behüte und mache… Rufen setzt ein Gegenüber voraus und ist mehr als Erschaffen. Nicht Erschaffenes lässt sich nicht rufen, wobei der Schöpfer auch hier souverän handeln kann (1. Mo 2, 7.19; Mt 3, 9; Lk 19, 40).
Israel bleibt Gottes Knecht. Aber Gott erlaubt es sich, aus SEINEN Geschöpfen Knechte besonders zu beauftragen. Israels Nähe zu Gott wird dadurch nicht beschnitten. Auch Jesus hat nie seinen jüdischen Personalausweis abgegeben und immer noch ein besonderes Auge für dieses Volk. Dort, auf dem Ölberg, fuhr er zum Himmel (Apg 1, 9-12) und dort wird er wieder erscheinen (Sach 14, 4).
Gott ruft und beruft seine Boten. So wurde auch Paulus „ein Knecht“ (Rö 1,1,; 2. Ko 4, 5).
Eine Besonderheit dieses Textes: Der BUND wird nicht auf das Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk insgesamt verwendet, sondern auf Einzelpersonen.
V 7 „Blinde Augen öffnen“ kann nur der Schöpfer. Schwieriger ist, dass die Menschheit zwar mit den Blinden leidet, die Blindheit der HERZEN aber viel größere Schäden verursacht. Noch schlimmer: Die Blindheit der Herzen steckt an.
Blind ist erst einmal Israel selbst. Sie erkennen ihren Heiland nicht (2. Ko 3, 15f).
Gott befreit von Verzweiflung und Finsternis. Die Erneuerung für die innerlichen und äußerlichen Zustände wird angekündigt.
V 8 Das Siegel Gottes. Sein Name ist heilig. (5) Und „wer den Namen des Herrn anruft…“ (Joel 3, 5a; Apg 2, 21; Rö 10, 13).
Nur einer kann um seine Ehre und seinen Ruhm eifern: Gott selbst. Dabei geht es ihm aber um das Heil der Menschen, die weithin anderen, toten Göttern nachlaufen.
„Gott handelt um seiner selbst willen und nimmt uns in dieses Handeln um seiner selbst willen mit hinein.“ (Dieter Schneider)
V 9 Das Frühere, das von Propheten angesagte Gericht, das Unglück der Gefangenschaft, ist eingetreten.
Das Neue zeigt sich in der Befreiung. Neuschöpfung. Was Gott neu macht, ist neu (2. Ko 5, 17; Offb 21, 5).
Diese Befreiung ist mehr als der Auszug aus Ägypten. Anders als sämtliche anderen Götter SCHAFFT Gott Neues. Sein Wort ist nie dahergeredet, es „geschieht“ (Ps 33, 9; z. B. Jona 1, 1).
Vor der Durchführung kommt aber die Ansage (z. B. Offenbarung). Die Tat „wächst“ aus dem Wort heraus.
Jahreslosung 2007 = Jes 43, 19.
Das kann keine sogenannte Gottheit nachmachen.
Gliederungsvorschlag
1. ER sendet seinen Knecht
2. ER heilt durch seinen Sohn
3. ER verspricht in seinem Wort
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Fußnoten
(1) Luther: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“
(2) In der Kirche eines Gemeinschaftsverbandes in den neuen Bundesländern heißt der Altarspruch: „Ich halte ihn, – er hält mich!“ Wenn ER uns nicht zuerst hält, gibt es von uns aus nichts zu halten.
Im Mittelalter war das Goldene Legendenbuch weit verbreitet. Der Mönch Jacobus de Voragine entfaltete u. a. apokryphe Bilder aus der Kindheit von Jesus. Weil dieser durch den „heiligen Christopherus“ über einen Fluss getragen wurde, taufte er ihn dort.
Menschen waren immer daran interessiert, SELBST etwas zu leisten (Lk 9, 54f; Joh 13, 6ff; 18, 10).
(3) Jeder Weihnachtsmarkt, jede pompöse Weihnachtsstadtbeleuchtung, jede aufdringlich betörende Werbung für Saitenbacher ist heute effektvoller als das Wort vom Herrn der Welt.
(4) Taschenbuch von Peter Strauch: „Entdeckungen in der Einsamkeit“.
(5) HERR in Großbuchstaben bezeichnet den Gottesnamen JAHWE. Deshalb steht in manchen alten Übersetzungen „Herr HERR“ (HERR = Jahwe)
Gläubige Juden sprechen den Namen Gottes im Blick auf das 2. Gebot nicht aus. Sie ersetzen beim BibelLESEN das Textwort „Jahwe“ durch ein anderes: „adonai“ (= Herr). Martin Buber (jüd. Theologe und Übersetzer des AT) überträgt den Jahwe-Namen mit „Ich bin doch da!“