Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er herausfordert…
Predigtthema: … zu einer besonderen Lebenserfahrung
Bibelstelle: 2.Korinther 1, 3-11
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen:
Paulus hatte es mit den Korinthern nicht leicht. Paulus musste einen Besuch abbrechen (10, 1.10). Der anschließende „Tränenbrief“ (2, 4; 7, 8ff) ist leider nicht erhalten. Ist deshalb 2. Ko der persönlichste Paulusbrief?
Erklärungen und Tipps:
V 3ff Gott, der „Vater unseres Herrn“, ist weder für Juden (allerdings nur vorläufig: Rö 10, 2f. 28ff)) noch Allah-Anhänger verständlich, denen eine „Gottesvaterschaft“ einer Gotteslästerung gleichkommt.
Zwei Begriffe fallen auf: Barmherzigkeit (wörtl.: Erbarmungen) und Trost. (V 3f ist als Luthertext allerdings geläufig).
1. Barmherzigkeit, die Gott schenkt, ist kein Gefühl sondern drängt zum Handeln! Der Gott der Bibel kennt und versteht ein „Zugeneigt sein“. Korinthische Griechen hatten ihre Götter als unnahbare, unveränderliche Größen kennen gelernt. (1) Der „Vater Jesu Christi“ ist dagegen lebendig, bewegt sich und lässt sich z.B. durch Gebet bewegen.
Seine Barmherzigkeit hat im AT viele Beispiele, ist aber am deutlichsten auf Golgatha zu erkennen.
Barmherzigkeit packt an, wo Kaputtes deutlich wird (Lk 10, 33) und heil werden sollte.
2. Trost ist nur echt, wenn er Vergangenes „erklären“ und für Kommendes verlässliche Hilfen bieten kann. (2)
Das Wort „TROST“ hängt im Deutschen mit VerTRAUen zusammen, mit „TRAUUNG“ und VerTRAG.
Das griechische Wort kann Folgendes bedeuten:
1. Herbeirufen, einladen, zu Hilfe rufen. Vorbedingung für Trost ist also: Den Herrn um Hilfe bitten. Gott will eingeladen sein. Aber er bleibt dann auch nicht weg (Jer 29, 13).
2. Aufrufen, auffordern, ermahnen, anrufen, bitten, ersuchen. Gebet ist keine Einbahnstraße. Gott gibt seinen Leuten, die ja auch seine Mitarbeiter sind, auch zu verstehen, was anderen hilft. Und wenn dabei dann noch die „Barmherzigkeit“ das Sagen hat, kommen sogar Ermahnungen an. (3)
3. Ermuntern, freundlich zusprechen, trösten. Glaubwürdig trösten kann aber nur, wer selbst Trost erlebte. Wer erfahren hat, dass Gott ihn liebt und ihn bei sich haben will (Jo 17, 24), wird Anderen echten Trost (im Blick auf den Gott, dem unser VerTRAUen gehört) vermitteln (!) können.
Wir bedauern Menschen in Not, Traurigkeiten, Trübsalen. (4) Gott sieht das anders. Jesus: „Glücklich sind die Traurigen, denn Gott wird sie trösten“ (Mt 5, 4).
Niemand wünscht Anderen Probleme, aber Leiden können auch weiterhelfen (Jak 1, 12). Und wer sie mit Gottes Hilfe bewältigt, kann Anderen erprobte Ratschläge geben.
Letztlich ist DER Trost eine Person, Gott selbst im AT (Ps 73, 26), im NT Jesus Christus (Lk 2, 25; Jo 14, 26). (5)
V 5 „Wer Leiden, Verfolgung und Hass der Welt flieht, geht von Jesus weg.“ (H. Krimmer)
V 6 Nur wer selbst getröstet ist, kann Trost glaubwürdig weitergeben. Leidende Christuszeugen sind auch deshalb nötig, um der Welt zu zeigen, wie Leben aussehen kann (Beispiele genug).
Dieser Trost festigt die Hoffnung. Durchgestandenes hat bleibende Frucht für das Leben.
Die Korinther lernen an Paulus auch Geduld (wörtl.: Darunterbleiben, Ausharren).
V 8 Paulus nennt seine Probleme beim Namen und bei der RICHTIGEN Adresse (s. Vorbemerkungen).
„Im Übermaß“, wörtl.: „im Überwurf“ erinnert an die Rüstung Sauls, die David zu groß und schwer war (1. Sam 17, 38f).
V 9f „Am Leben verzweifeln“ ist der Grund für fast jeden „Freitod“ (Selbstmord). Begleiten Christen ihre Geschwister so, dass es so weit nicht kommen kann?
Der Gott, der Tote auferwecken kann, wird sämtliche geringfügigeren Schwierigkeiten bewältigen können.
Die HOFFNUNG der Christen gründet sich deshalb auf Tatsachen. (6) Glaube beruht nicht auf eigenen Eisichten und Kräften. (7)
Vertrauen hängt mit Trost zusammen (s. o. V3ff).
Wer Gottes Trost erfahren hat, kann selbst sagen: V3f.
1. Gliederungsvorschlag 1 (nach Dr. H. Krimmer)
Durch Leiden zur Anbetung
1. Leiden wirkt Bewährung
2. Leiden gründet Vertrauen
3. Leiden führt zur Anbetung
2. Gliederungsvorschlag 2 (nach Wilhelm Wagner)
1. GRENZerfahrung
1.1. Umgang mit der Grenzerfahrung
1.2. Vorgang der Grenzerfahrung
1.3. Ausgang der Grenzerfahrung
2. GOTTESerfahrung
2.1. Zuwendung
2.2. Zuspruch
2.3. Zuflucht
3. GLAUBENSerfahrung
3.1. Persönlicher Aspekt
3.2. Seelsorgerlicher Aspekt
3.3. Fürbittender Aspekt
Gliederungsvorschlag 3 (nach Gottfried Voigt)
1. Gott sei gelobt
1.1. Wir können andere trösten
1.2. Wir können für andere leiden
1.3. Wir können für sie hoffen
2. Unser Trost: Wir haben einen verlässlichen Gott
2.1. auch im äußersten Fall: Hoffnung
2.2. in zahllosen Fällen: Erfahrung
2.3. in jedem Fall: Zuversicht
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Fußnoten
(1) Leider auch neuzeitlichere Theologen: In den 60er Jahren machte ein englischer Bischof Robinson Eindruck mit seinem Buch: Honest to God / Gott ist anders. Er schreibt: Gott ist kein Gott, wie sich die Frommen ihn vorstellen, er „ist viel mehr die mythologische Tiefe des Daseins“. – Weitere abstruse Gottesbilder existieren mehr als genug.
(2) Trost an Krankenbetten: „Wird schon wieder! Man muss nur durchhalten! Kopf hoch, wir kennen das auch!“. Ein Sammelsurium von Hilflosigkeiten. Trostworte wie Schneeflocken in der Sommersonne.
Trostpflaster sollen Wundes verdecken.
(3) Heute ein Notstandsgebiet? Man LÄSST dem Anderen alle Freiheiten, möchte selbst auch nicht kritisiert werden, hält Toleranz allgemein für wichtig und lässt das tröstende ERMAHNEN den Mutigeren.
(4) Leben wir in einer LEIDENSSCHEUEN Zeit?
(5) „Sind Sie noch ganz bei Trost?“ ist eine bekannte Redenswendung, wenn jemand seinen inneren Halt verliert und Unsinniges anstellt. Wer Jesus hat, hat DEN Trost für Leben und Sterben.
(6) Hoffnung im zwischenmenschlichen Bereich ist etwas völlig anderes: Man „hofft“, dass sich die Gegebenheiten, die sich noch im eigenen Blick- oder Denkbereich befinden, zum „Guten“ entwickeln.
Beispiel: Das Fährschiff Estonia sank am 28.09.94. Die Passagiere „hofften“, dass sie am nächsten Morgen am Ziel sein würden, dass der angesagte Sturm sich in Grenzen halten würde, dass die Wellen nicht zu gefährlich wären, dass das Schiff kein Loch hätte, dass sie im Wasser Schwimmhilfen erwischen könnten, dass die Rettung wegen der Kälte bald käme, dass ihre Verwandten auch bei den Geretteten…
HOFFNUNG hängt in dieser Welt mit denkbaren Hilfen zusammen, bei Gott nicht.
(7) Abraham (1. Mo 22), Joseph (1. Mo 50, 20, Hiob (Hi 2, 9f) und Jesus (Hebr 5, 8; 2, 17: 4, 15; 12, 6) glaubten beispielhaft.