Monatsthema: Gott schafft Neues, indem er…
Predigtthema: …mit Zuversicht erfüllt
Bibelstelle: Philipper 1,3-11
Verfasser: Eckhard Löffler
Vorbemerkungen
Der Philipperbrief wird auch Freudenepistel genannt. „Die Freude ist die Summe des Briefes“ (J.A.Bengel).
In Philippi, Hauptstadt Mazedoniens und römische Kolonie mit italienischem Bürgerrecht (Apg 16, 37), entstand die erste Christengemeinde in Europa. Zum Text gehört auch der Bericht in Apg 16. Eine Synagoge gab es nicht, aber einen Gebetstreffplatz (Apg 16, 13), der wohl stadtbekannt war. (1) Frauen beteten hier treu. Besonders wichtige Begegnungen hatte Paulus mit Lydia, der Purpurhändlerin und dem Kerkermeister.
Texterklärungen
V 3-5 Danken setzt Denken voraus. Paulus hatte ein besonders enges Verhältnis zur Gemeinde in Philippi. (2) Seine Fürbitte war ihm hier Grund zum Freuen, sie war keine „Einbahnstraße“.
Daneben betete er für „alle“, die ihm bekannt waren (Rö 1, 8f; Kol 1, 3).
Grund für das gute Verhältnis war die „Gemeinschaft am Evangelium“. Nicht Sympathien oder Antipathien, weder Seilschaften noch Auseinandersetzungen prägten sein Verhältnis, sondern die Gemeinschaft am Wort Gottes. „Gemeinschaft mit Christus führt konsequenterweise zur Gemeinschaft der Christen untereinander“ (Dr. Paul Murdoch).
Die Gemeinschaft umfasst auch gegenseitige Unterstützung. Die Philipper sponserten Lebensunterhalt und Missionsreisen des Paulus.
V 6-7 ZUVERSICHT hat seine sprachliche Wurzel im Bemerken, Sehen, Verfolgen, hoffend erwarten, vertrauensvoll Schritte tun. (3)
„In guter Zuversicht“ oder „vertrauend“ hat zwei Gründe:
1. Gott ist allmächtig. Sein Wort setzt sich durch (Ps 33, 4; Beispiel: Jo 11, 43f).
2. Gemeinsames Teilhaben am Evangelium lässt unterschiedlichste Charaktere und Bildungsstufen zusammenwachsen. (4)
Paulus war Schriftgelehrter und stützt seine Sicht durch das AT. Irdisches Leben ist vorläufig, der Tag des Herrn wird die Wende bringen (s. Bibellexikon: Tag des Herrn).
Die Weltgeschichte hat ein Ziel, den „Tag Gottes“ (Offb 22, 12ff). Die Gemeinde wartet auf den „Tag des Christus“ (Offb 7, 13ff; 12, 10ff; 14, 13; 21).
„Gutes Werk“ hat mit der Wirkung Jesu zu tun (Jo 15, 5), kein Grund zur Einbildung. (5)
V 8 Paulus sehnt sich mit einem STARKEN VERLANGEN von Herzensgrund (Luther), einem Sehnen „mit der herzlichen Liebe Christi Jesu“, nach seinen Geschwistern. Man könnte auch übersetzen „in den Eingeweiden“, wobei hierdurch der Sitz aller Empfindungen, das Herz, beschrieben wurde. (6)
V 9 Nach der Fürbitte (V 4) folgt hier das gezielte Beten „damit, dass“. Paulus betet zuversichtlich und ist gewiss, dass der Herr eingreift (Mt 7, 7f; Jo 14, 14; 15, 7). (7)
Die Liebe unter Glaubensgeschwistern (agape) entsteht nicht durch sympathische Zuneigung, sondern hat ihren Grund allein im Verlassen auf Gottes Liebe in Jesus Christus (Jo 3, 16). Sie ist für Menschen ohne Christus nicht erlernbar, sondern wird durch Gott „ausgegossen in unser Herz“ (Rö 5, 5).
Wichtig: Was Christen miteinander verbindet, sind nicht die Beziehungen, die sie untereinander, von Mensch zu Mensch, entwickeln, sondern was Christus tat, wie ER sie vom Verlorenen zum Geretteten machte, vom Tod zum Leben brachte. DAS prägt alles Andere.
Statt „immer noch reicher“, genauer „noch mehr und mehr im Überfluss“, d. h. mehr als erwartet. (8)
Erkenntnis meint schon im AT mehr als einen optischen Vorgang. Schon „Adam erkannte seine Frau“ (1. Mo 4, 1). Einigkeit, Einssein, Ehe sind gemeint.
V 10 Es geht um den Weg zur Vollendung des Reiches Gottes. Das WESENTLICHE erkennen und umsetzen (Rö 12, 2). Bekehrung und Buße heißen im Griechischen Umdenken.
Rein und unanstößig dürfen Jesusnachfolger einmal vor dem Herrn stehen, weil ER alles Anstößige auf sich genommen hat (Jes 53, 5; 2. Ko 5, 21).
V 11 „Erfüllt mit“ meint randvoll und klammert andere Inhalte aus.
Frucht entsteht durch Gottes Wirken, nie durch eigene Anstrengungen. Bis zum Fruchtbringen sind Geduld, ungehinderter Anschluss an Gottes Nährstoffe notwendig, deshalb auch Kol 3, 16.
Das neue Leben hat einen GRUND: Jesus Christus und seinen SINN: das Ziel im Loben Gottes.
Predigttipps
Paulus DANKT. Das ist bis heute typisch für Briefanfänge, allerdings manchmal nur eine höfliche Redewendung ähnlich der Frage: „Na, wie geht´s?“. Kein Wort von seiner eigenen Situation. Er sitzt in leichter Haft, wahrscheinlich in Rom, kann Besuch empfangen, Nachrichten erhalten und verschicken.
Erste Missionserfolge bringen oft auch erste Konflikte (s. Kerkermeister, Apg 16, 16-40).
Paulus möchte die junge Gemeinde gewinnen für mehr Offenheit untereinander, mehr Kontakte, mehr „Tuchfühlung“, mehr Verständnis für Andere und Hilfeleistungen. Nur: Wir schaffen das NICHT aus eigener Kraft! Der Appell scheitert an dem Vielen, was wir gegeneinander haben. Gemeinschaft wird erst möglich, wenn wir uns auf einem ganz anderen Boden begegnen: „In Christus“. Ein Kurzschluss wäre, wenn wir versuchten, über gesellige und atemberaubende Programme das Miteinander in der Gemeinschaft zu stärken.
ER ist unser Friede (Eph 2, 14), der allein das Getrennte zusammenfügen kann. Wirklich verbunden sind wir nur durch den „außerhalb von uns“ (extra nos) geschehenen Friedensschluss durch den Sohn Gottes. Christen werden nicht schlagartig Liebenswertes am Anderen entdecken, aber können mit ihm „an der Gnade mitteilhaftig sein“. Weil sie selbst und ihre Geschwister von Christus geliebt, gehalten und begleitet werden, können sie sich auch untereinander tragen.
Was die bewegt, die in Christus sind, muss Christus selbst bewegen. Und das geht dem Paulus „durch und durch“ (s. oben V 8 „Eingeweide“).
Was Jesusleute bewegt, ist die Liebe, in der Christus lebt (Gal 2, 20).
Auch wenn zwischen Paulus´ Gefängnis und der Gemeinde in Philippi ein tiefes Meer liegt: Sie haben ihren „1. Wohnsitz“ in Christus, nicht in Philippi – und das verbindet. (9)
Die Philipper sind durch die Gnade mit Paulus verbunden, aber auch durch seine Fesseln (V13; 1. Ko 12, 26).
Trotzdem vertraut Paulus nicht auf die Philipper, sondern auf Gott. DER hat sein gutes Werk angefangen, nicht wir.
Es geht nicht darum, dass wir die in uns angelegten Fähigkeiten entwickeln, uns selbst verwirklichen, eine selbstgemachte Heiligkeit aufbauen. Unsträflich, untadelig zu sein schafft kein Mensch selbst. Paulus hat, was er hat, durch ChristusGNADE und auch nicht als Besitz: Er jagt ihm nach (Phil 3, 12).
So kann auch kein „perfekter“ Christ seinen vermeintlichen „Vorsprung“ im Heiligungsprozess durchblicken lassen. Allein „durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin!“ (1. Ko 15, 10)
Paulus hat auch nicht die quantitative Steigerung des Vorhandenen im Sinn.
Erinnerung an das Gleichnis vom Schalksknecht (Mt 18, 32): Seine Schuld war vergeben, aber er übte weiter Druck aus. Je deutlicher uns Christus vor Augen steht, desto reicher wird unsere Liebe sein.
„Fortschreiten in der Erkenntnis“ macht Mut, nicht im engen Horizont meiner eigenen Ansichten und Gewohnheiten zu bleiben. GEBET leitet Heilungsprozesse ein.
Der Herr wird die Philipper vorwärtsbringen – und nur so wird es bei ihnen vorwärtsgehen.
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Fußnoten
(1) Im „ausgegrabenen“ Philippi liegt der heute angenommene Gebetsplatz am Fluss echt abseits.
(2) „Wenn Paulus für Anderer Gemeinschaft am Evangelium dankt, wie viel mehr sollte ein Jeder für sich selbst für diese Gemeinschaft danken“ (J.A. Bengel, Gnomon).
(3) Ursprünglich wohl aus der Jägersprache: Der Jagdhund verfolgt eine Spur „zuversichtlich“, ohne zu sehen, aber im Wissen, dass sie zum Ziel führt.
(4) Wo sonst kann ein Professor von einem Sonderschüler, der mit Jesus lebt, ernsthaft was lernen?
Werner de Boor: „Eine Gemeinde umfasst, auch wenn sie zahlenmäßig klein ist, sehr verschiedene Menschen, starke und schwache, begabte und weniger begabte, junge und alte. Paulus liegt es offensichtlich daran, dass sie alle, auch die geringen, kümmerlichen und unbedeutenden, sich angesprochen und gemeint wissen.“
(5) und ist nie „auf eigener Mischte gewachsen“ (schwäb.).
(6) Eingeweide, Herz, Nieren waren im Altertum Sitz, Zentrum der seelischen und ethischen Regungen des Menschen.
(7) „Gebet ist in unserer Zeit die höchste Form von Energieentfaltung“ (Dekan Walter Tlach, gest. 2004).
(8) Christen und Gemeinden, die „mehr Liebe als erwartet“ vermitteln, bilden heute evtl. keine Mehrheit. (?)
(9) Paulus adressierte die meisten seiner Briefe an dieselben BriefEMPFÄNGER mit ZWEI Adressen. Praktisch: Die Briefe wurden zusammengerollt. Für den Briefträger, der die Adressen von außen lesen musste, war der ERSTE Wohnsitz „in Christus Jesus“, der ZWEITE „in Philippi“.