Lukas

Predigthilfe vom 4.5.2003 – Lukas 17,11-19

Monatsthema: Jesu Blick des Erbarmens
Predigtthema: Erbarmen für Hoffnungslose

Bibelstelle: Lukas 17,11-19

Verfasser: Albrecht Wandel

1. Zusammenhang
Jesus befindet sich auf dem Weg nach Jerusalem, d.h. auf dem Weg ins Leiden und Sterben..
Dabei lehrt Jesus die Volksmenge (Lk. 14,25-18,34). Nach mehreren Gleichnissen folgen ab 17,1 „Lektionen“ über Vergebung (17,1-4), Treue (17,5-10), Dankbarkeit (17,11-19), Bereitsein (17,20-37). Vor der sogenannten „Leidenswoche“ (19,28-23,56) macht Jesus durch Anschauungen in Wort und Tat den Menschen deutlich, wer er ist und was Nachfolge bedeutet.

2. Biblische Parallelen
2.Kön. 5,10-15 Glaubensschritt und Dank Naemanns.
3.Mo. 13 Gesetz über Aussatz
3.Mo. 14 Gesetz über Reinigung von Aussatz

3. Der Aufbau des Textes
Jesu Erbarmen treibt ihn durch „unreine“ Gegend nach Jerusalem (17,1)
Jesus begegnet 10 erbarmungswürdigen „unreinen“ Männern (17,2)
Der Schrei um Jesu Erbarmen (17,13)
Die Gehorsamen erfahren Jesu Erbarmen ((17,14)
Ein gereinigter „unreiner“ Samaritaner kehrt dankbar zu Jesus zurück (17,15-16).
Drei schmerzvolle Fragen Jesu. (17,17-18)
Sein Glaube hat den Dankbaren gerettet (17,19)

4. Einzelerklärungen
V.11
„nach Jerusalem“: bedeutet, dass er auf dem „Weg zur Passion“ ist.
„durch das Grenzgebiet zwischen Samarien und Galiläa“ (Schlachter-Übersetzung): vermutlich ein Ort oder mehrere Orte in der Jesreel-Ebene.
Samaria gilt als Gebiet, das ein gläubiger Jude meidet. Es ist unreines Gebiet.

V.12
Bei den 10 Aussätzigen handelt es sich um Juden und (mindestens einem) Samaritaner: Gemeinsames Unglück lässt Schranken fallen zwischen denen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben wollen.
Sie bleiben, wie im Gesetz vorgeschrieben, auf Distanz zu Jesus (3.Mo.13,45.46).
„Aussatz“: bezeichnet verschiedene antike Hautkrankheiten (manche oberflächlich, andere ernsthaft). Evtl. gehörte auch die Leprakrankheit dazu.

John MacArthur schreibt dazu:
“ Sowohl atl. als auch ntl. Aussätzige gingen fast überall hin, was darauf schließen lässt, dass diese Krankheit nicht die heutige Leprakrankheit war, die ihre Opfer zu Krüppeln macht. Ein Aussätziger war unrein, solange die Infektion nur Teile seines Körpers befallen hatte. Doch sobald der Körper ganz von den schuppenartigen Symptomen befallen war, war er rein und konnte die Städte der Anbetung betreten). .. Wenn Aussätzige vom Herrn Jesus geheilt wurden, waren sie weder gelähmt noch deformiert. Sie wurden nie auf Tragen gebracht. … Ziel dieser Gesetzt (über den Aussatz) war es, das Volk vor Krankheit zu bewahren und – was noch wichtiger ist – ihnen eindrückliche Gegenstandslektionen einzuprägen, wie sehr Gott Reinheit und Heiligkeit unter seinem Volk wünscht.“

V.13
Aussätzige waren verpflichtet „unrein, unrein“ zu schreien (3.Mo.13,45), die 10 Aussätzigen rufen bei der Jesusbegegnung nach Erbarmen!
Sie bitten Jesus nicht direkt um Heilung, sondern überlassen es ihm, wie sein Erbarmen aussehen wird.
G.Maier beschreibt die Not, die der Aussatz
„Ausschluss aus der Familie, Ausschluss aus der Wohnung und aus dem Wohnort, Ausschluss aus Tempel und Synagoge, Unmöglichkeit, zu arbeiten und einen Markt zu besuchen, oft noch die Last, der damals unheilbaren Krankheit langsam aber unausweichlich zu erliegen (vgl. 3. Mo 13-14; 4. Mo 5,1ff.; 2. Kö 5,1ff.; 2. Kö 7,3; 2. Kö 15,5; Mt 8,1ff. und Lk 5,12ff.).“

V.14
Jesus sieht die am Rande Stehenden.
Jesus heilt nicht spontan, sondern gibt den Zehn sein Wort und „koppelt“ daran ihre Gehorsamsschritte.
„zeigt euch den Priestern“: siehe dazu 3.Mo.14 – Jesus setzt sich nicht über das Gesetz hinweg.
Das Wunder der Heilung vollzog sich fast verborgen im gehorsamen Gehen auf Jesu Wort hin.

V.15-16
90% der Geheilten stürzen sich in das wiedergewonnene Alltagsleben: Dankbarkeit, die zur Umkehr zu Jesus führt, hat einen Verzicht (in diesem Fall auf das „Stürzen ins Leben“) zur Folge!
Einer nimmt nicht nur die Heilung wahr, sondern erkennt, wer ihn geheilt hat: Gott („und pries Gott …“).
„mit lauter Stimme“: kein zurückhaltendes Bekenntnis, sondern laute und offene Dankbarkeit gegenüber Jesus.
„warf sich auf sein Angesicht vor Jesu Füßen“: Das Gotteslob des Geheilten findet seinen Ausdruck in der Erniedrigung vor Jesus. Der „Samaritaner“, dem der Zugang zu den Tempelgottesdiensten verwehrt war, weiß besser als die Juden, wie man Gott ehrt.

V.17-18
In den 3 „schmerzvollen Fragen Jesu“ leuchtet sein Leiden auf und wir werden wieder an den „Weg nach Jerusalem“ erinnert. Der, der sich über die „unreine Menschheit“ erbarmt hat, kann die fehlende Umkehr und die Vernachlässigung des Gotteslobs nicht verstehen. In den Fragen Jesu leuchtet das Paradoxon der Zurückweisung des Erbarmens Jesu am Kreuz auf. Das Erbarmen Jesu, das ins Leben eines Menschen eingreift, aber keine Umkehr zu Jesus und Lob Gottes zur Folge hat, kommt nicht zum eigentlichen Ziel.

V.19
Jesus richtet den auf, der sich vor ihm erniedrigt hat.
Jesus sendet den, der zu ihm umgekehrt ist: „Geh hin …“
„Dein Glaube hat dich gerettet.“: Geschieht nicht hier das eigentlich Wunder?! Gerettet im Kontext des NT bedeutet Vergebung der Sünden, Rettung vom Tod.
G. Maier schreibt:
“ Das also ist das Ziel aller messianischen Wunder: Dass Menschen zum Glauben an den Messias Jesus kommen und dadurch das ewige Leben gewinnen.“

5. Die Spitze des Textes
„Dein Glaube hat dich gerettet!“

6. Der Text heute
Mancher sehnt sich heute nach „spektakulären Jesus-Manifestationen“. Echte Heilung geschieht unerwartet und unspektakulär. Wer nur äußerliches Wohlbefinden bei Jesus abholt, steht in Gefahr, das Wichtigste zu verpassen: Rettung, echtes Heil!
Gesundheit ist wichtig, aber nicht „die Hauptsache“. Die Hauptsache ist die Rettung von Menschen und damit ist auch das größere Wunder beschrieben, das geschieht, wenn ein Mensch Jesus als den erkennt, der sich seiner Verlorenheit erbarmt hat und zu dem es umzukehren und ihm dafür die Ehre zu geben gilt.

Das Lob Gottes, das Jesus gebracht wird, hat einen unverzichtbaren Platz im Leben dessen, der das Wirken und Handeln Jesu erfahren hat. Der „Auslöser“ für das dankbare Lob ist das Erinnern an das Erbarmen Jesu: Mir ist Erbarmung widerfahren… (Ich will dir danken, Nr.254)

Interessant: Nicht das Lob oder der Dank haben den Geheilten gerettet, sondern der Glaube. Aber das Lob und der Dank waren Ausdruck seines Glaubens!

7. Beispiele und Verdeutlichungen
Dieser Predigttipp entstand auf einer Skifreizeit in Lech. Bei unserer Ankunft schauten Steine und Dreck aus der spärlichen Schneedecke. Jetzt hat es geschneit und die Landschaft sieht wieder harmonisch weiß und rein aus! Aber der Dreck ist nur zugedeckt!
Äußerlich sind die Aussätzigen rein geworden, aber das ist Jesus zu wenig. Sein Erbarmen will nicht nur gesund machen, sondern von der Macht des Todes retten.

Eine gute Anschauung bietet ein kurzes Lebensbild des württ. Liederdichters Philipp Friedrich Hiller (zu finden in : Scheffbuch, Beate & Winrich: Den Kummer sich vom Herzen singen, S.147ff.):
Als Pfarrer von Steinheim bei Heidenheim verlor er im Jahr 1751 die Stimme. Trotz intensiver Gebete wurde er nicht geheilt und behielt das Leiden 18 Jahre bis zu seinem Tod. In dieser Zeit entstanden viele Lieder, unter anderem das Lied „Mir ist Erbarmung widerfahren…“.

8. Gliederung der Predigt
1. In der Hoffnungslosigkeit zu Jesus schreien.
2. Im Gehorsam Jesu Erbarmen erfahren.
3. In Dankbarkeit zu Jesus umkehren.
4. Im Glauben die Rettung ergreifen.