Lukas

Predigthilfe vom 27.10.2002 – Lukas 9, 44-56

Monatsthema: Rettung durch Hingabe
Predigtthema: Er gibt sich im Dienst

Bibelstelle: Lukas 9, 44-56

Verfasser: Markus Neumann

1. Zusammenhang
Die Wirksamkeit Jesu in Galiläa (Lk 4,14-9,50).
Jesus sendet seine Jünger aus; die Meinung im Volk: Er ist nicht der Messias.
Die Speisung der 5000, der Beweis: Er ist der Messias.
Das Bekenntnis des Petrus: Du bist der Messias.
Die Verklärung und Heilung eines Fallsüchtigen, die Bestätigung: Er ist der Messias.
Die Reise nach Jerusalem (Lk 9,51-19,27); der Anfang der Reise (Lk 9,51-13,21)

2. Biblische Parallelen
Zweite Leidensankündigung Mt 17,22-23; Mk 9,30-32
vgl. erste und dritte Leidensankündigung Lk 9,22; 18,31-34
vgl. Bestätigung im Rückblick Lk 24,6.25f.45
Nachfolge Mt 18,1-5; Mk 9,33-41
Richtung Jerusalem Mt 16,21; Mk 10,32-34; Lk 9,31; 13,22; 17,11; 18,31; 19,28

3. Der Aufbau des Textes
V.44-45 Zweite Leidensankündigung
V.46-50 Maßstäbe für wahre Größe und den Dienst im Reich Gottes
V.51-56 Aufbruch nach Jerusalem – Ablehnung bei Samaritern

4. Einzelerklärungen
V.44 acht Tage nach dem Bekenntnis des Petrus bei Cäsarea Philippi und einem weiteren Tag auf dem Berg der Verklärung ziehen Jesus und die Zwölf laut Mt und Mk jetzt weiter durch Galiläa und erreichen (in V.46) wieder Kapernaum.
V.44-45 spielen sich unterwegs ab.
Angesichts der Begeisterung im Volk sollten sich die Jünger nicht täuschen lassen über den weiteren Fortgang der Ereignisse.
Das Angekündigte geschieht unter der Kontrolle Gottes („überliefert… in die Hände der Menschen“), aber Menschen sind dafür verantwortlich (vgl. Lk 22,21-22!).

V.45 das Unverständnis der Jünger ist sehr stark betont durch die dreifache Beschreibung: verstan-den nicht; war ihnen verborgen; begriffen nicht.
Jesus erweist sich zunehmend als mächtig und göttlich – wie kann er einen solch erniedrigenden Tod sterben?
Die Reaktion der Menschen auf seine Wunder (vgl. V.43) läßt nichts von ihrer späteren Gesinnung gegenüber Jesus erahnen.
Warum wagen die Jünger nicht, zu fragen? Jesus hätte sie aufklären können (vgl. Lk 24,45f!).
Sie fürchteten sich, vgl. Mt 17,23: Sie wurden sehr betrübt durch die Aussage Jesu. Wollten sie diese Wahrheiten verdrängen?
Vgl. Lk 9,22 mit Lk 9,23ff: Wollten sie die Konsequenzen nicht sehen, die das für sie selbst hätte?
Vgl. Lk 24,25-26: Die „Emmaus-Jünger“ waren unverständig „und im Herzen zu träge, an alles zu glauben, was die Propheten geredet haben!“ Sonst wäre ihnen klar gewesen: „Mußte nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit hineingehen?“

V.46 „der Größte“ – die Motivation zeigt, warum sie offensichtlich nicht empfänglich waren für die In-formationen über einen bevorstehenden Leidensweg. Machten sie sich Gedanken über ihre Stellung in dem erhofften Gottesreich, das der Messias bringen würde (Beachte die Sonderrolle einiger Jün-ger, z.B. in Lk 8,51; 9,20.28)?

V.47.48 Der Größte will eine Spitzenposition einnehmen. Von allen anderen, die damit automatisch kleiner sind, will er sich unterscheiden/absetzen.
Jesus zeigt den umgekehrten Weg: Wer sich mit den Kleinsten abgibt und sich damit auf ihr Niveau begibt (sich klein macht) und sich dabei mit Jesus identifiziert (dem gerade die geringgeschätzten, offensichtlich sündigen Menschen am Herzen liegen, weil sie sich keine Illusionen machen über ihren verlorenen Zustand), der akzeptiert auch den erniedrigten Messias, seinen Leidensweg und damit den Plan des Vaters.
Vgl. Mt 10,40; Joh 13,20: Die Verheißung wird ausgeweitet auf diejenigen, die Jesus dienen, ihn ver-kündigen.
Vgl. Joh 1,11-13: Jesus aufnehmen bedeutet Rettung. Die Seinen (Israel) nahmen ihn nicht auf!
Vgl. Lk 9,5: Jesus nicht aufnehmen zieht Gericht nach sich.

V.49 Anfrage des Johannes. Wenn es in Jesu Namen gilt, sich zu erniedrigen, worin sogar die Zwölf korrigiert werden mußten, wieso darf dann jemand außerhalb dieses Kreises – wiederum in Jesu Namen – große Dinge tun (Dämonen austreiben – etwas, worin die Jünger zuletzt selbst versagt hatten, s. Lk 9,40)?
War es nicht richtig, das zu verbieten? Jemand, der nicht unter dem direkten Einfluß Jesu steht, könnte Irrtümer verbreiten und zuviel Ansehen gewinnen (und Konkurrenz bedeuten!).
Johannes ist offenbar noch nicht restlos bereit, auf Jesu Linie einzuschwenken. Sein Argument verrät nach wie vor egoistische Motive (vgl. Lk 9,54; Mt 20,20ff).

V.50 „Doch Jesu Antwort … legte die Annahme nahe, daß die Zwölf sich nicht als Gottes ausschließ-liche Vertreter verstehen durften. Sie sollten sich vielmehr freuen, daß Gottes Macht auf Erden sich auch in anderen manifestierte: Damit würden sie zeigen, daß es ihnen wirklich darum ging, dem Messias zu dienen, und nicht um ihren Status.“ (Hänssler)

V.51 Übergang zwischen Jesu Wirken in Galiläa (Lk 4,14-9,50) und der Reise nach Jerusalem (Lk 9,51-19,27).
Jesus nimmt Jerusalem ins Visier; Parallelen s. Mt 16,21; Mk 10,32-34; Lk 9,31; 13,22; 17,11; 18,31; 19,28
Der Zeitpunkt für die Neuorientierung ist nicht zufällig gewählt. Lk spricht von der Erfüllung eines Zeitplans: „die Tage seiner Aufnahme“ (griech. analempsis = Aufnahme, Hinaufnahme in bezug auf die Himmelfahrt; im NT nur hier, in Lk 9,51, verwendet) sind gezählt.
Das Ziel ist unmittelbar vorher in der Verklärung Jesu bestätigt worden (s. Lk 9,31).
Jesus ist fest entschlossen, diesen Weg zu gehen, im vollen Bewußtsein der Konsequenzen (s.o. Leidensankündigungen). Seine Perspektive reicht jedoch über Leiden und Sterben (und sogar über die Auferstehung) hinaus bis hin zur Himmelfahrt („Aufnahme“ durch Gott, den Vater) (vgl. Phil 2,8-9).

V.52 Um von Galiläa nach Judäa/Jerusalem zu gelangen, mußte man Samaria durchqueren oder umgehen. Die Galiläer taten i.d.R. ersteres, die Juden letzteres.
Die Samariter waren ein jüdisch-heidnisches Mischvolk das auf die assyrische Besatzungspolitik zu-rückging. Sie hatten den jüdischen Glauben erheblich verfremdet (s. Joh 4,20). Zwischen ihnen und den Juden bestand eine ausgeprägte Abneigung (s. Joh 4,9).
„Boten vor seinem Angesicht her“ ( = dem eigenen Auftreten vorausgehend)
vgl. Mt 11,10; Mal 3,1: mit den gleichen Worten war über Johannes den Täufer geweissagt worden.
Gott hatte den Messias angekündigt (gegenüber Israel), dieser kündigt nun sich selbst an (in Sama-ria).
Boten (griech. angelos) sollen eine Unterkunft organisieren, aber wahrscheinlich auch (Jesus) ver-kündigen (griech. angello): Man sieht, daß die Samariter im Voraus über die Absichten Jesu infor-miert waren (V.53).

V.53 Nicht sie würden in den Genuß des Heilungs- und Wunderhandelns Jesu kommen. Prompt verweigern sie sein Anliegen (und damit seinen Anspruch), offenbar, weil sie einen Heilsplan für ihr Feindbild Jerusalem nicht unterstützen wollen.
Zum dritten Mal innerhalb von drei Versen erwähnt Lk das „Angesicht“ (griech. prosopon) Jesu und betont damit sehr stark, wie unwiderruflich Jesus sein Ziel, Jerusalem, fixiert hatte.
Ebenfalls zum dritten Mal: das Thema „Jesus aufnehmen“ (vgl, V.48.51): Menschen haben dadurch Gelegenheit, Kinder Gottes zu werden (Joh 1,12), Gott tut es in der Himmelfahrt (V.51), die Samariter tun es nicht, die Juden („die Seinen“, Joh 1,11) auch nicht – Jesus hatte für diesen Fall Vorkehrun-gen getroffen (vgl. Lk 9,5; Mt 10,14-15) – eine Geste des Gerichts.

V.54 Die „Donnersöhne“ machen ihrem Namen alle Ehre; die Allüren von Johannes & Co. finden ihre Fortsetzung (vgl. V.46.49). Männer Gottes lassen in solchen Fällen nämlich Feuer vom Himmel fallen (vgl. 2 Kön 1,10f).

V.55 Die Empörung der Jünger ist berechtigt, die Mittel nicht. Jesus verwahrt sich dagegen („schel-ten“ – griech. epitimao = schelten, zurückweisen, bedrohen ohne Wirkung auf den Gescholtenen).
Grund und Inhalt der Schelte wird im ursprünglichen Text nicht mitgeteilt. Folgende Ableitungen aus dem engeren und weiteren Zusammenhang:
Die Motivation der Jünger rügt Jesus zum wiederholten Mal (Vg. V.46.49.54).
Die Samariter sollen nicht mehr und nicht weniger drastisch verurteilt werden als die Juden (vgl. Lk 9,5; Mt 10,14-15).
Der Weg des Messias ist vorerst nicht triumphal, sondern geprägt von Leiden und Erniedrigung (s.o.).
Die Wunder Jesu sind keine „Strafwunder“; seine Mission lautet anders (s. Lk 19,10).

V.56 Das Ziel ist fixiert, der Weg variabel.
Dem Wortlaut nach kein weiteres samaritisches, sondern ein „anderes“ (griech. heteros = anders, verschiedenartig, fremdartig, qualitativ anders), ein jüdisches Dorf.

5. Spitze des Textes
Nach dem Erweis seiner Identität durch das Bekenntnis des Petrus und der Verklärung gibt es für Jesus nur eine Konsequenz: Den Leidensweg, der erniedrigend ist, keinen Raum läßt für Großspu-rigkeit und Herrscherallüren und sein Ziel in Jerusalem hat.

6. Der Text heute
6.1 V.1: Nehmt diese Worte in eure Ohren (laßt sie in eure Ohren hineindringen, beherzigt diese Worte). Jesu Worte sollen bei uns ankommen, eindringen, Raum finden, Konsequenzen haben, zum Handeln führen. (vgl. Mt 7,24; Hebr 4,12)

6.2 Leidensankündigung:
Gedenkt des Wortes, das ich euch gesagt habe: Ein Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie mein Wort gehalten haben, werden sie auch das eure halten. (Joh 15,20, vgl. 13,16)
Die Gemeinde Jesu muß mit Verfolgung rechnen (vgl. 2 Tim 3,12), „leidensfit werden“. (Heiko Krim-mer)

6.3 Die Jünger hatten keinerlei Zugang zu diesem Verständnis (sehr deutlich in V.45). Ihr Denken und Verhalten im weiteren Fortgang bestätigt das.
„Sie stritten darüber, wer der Größere von ihnen sei. Während Jesus das Kreuz vor Augen hatte, hofften die Apostel auf die Königsherrschaft des Messias…“ (G. Maier)
Sie rechneten mit der Aufrichtung des messianischen Heilszeitalters durch Jesus (Mt 4,17). Die Ge-meinde war ein damals noch nicht geoffenbartes Geheimnis (Kol 1,24-27; Eph 3,1-11). Sie wurde erst als Programm Gottes erkennbar, nachdem die Zurückweisung des Messiasanspruchs Jesu durch sein Volk offensichtlich geworden war (Mt 12,31f; 16,18; 21,43; 23,37ff).
Unsere Predigt und unser Leben muß berücksichtigen, in welchem Heilszeitalter wir uns befinden. Welcher Auftrag, welche Verheißungen, welche Lebensregeln Gottes gelten unmittelbar uns? Wie vermeide ich dementsprechend falsche Erwartungen? Wie kann ich anwenden, was ich für heute nicht 1:1 übernehmen kann?

6.4 V.46: „der Größte“.
Hochmut kennzeichnet die innere Verdorbenheit des Menschen,
Denn von innen aus dem Herzen der Menschen kommen die bösen Gedanken hervor: … Hochmut, … (Mk 7,21f)
war der Anlaß, für den Fall Satans,
Ich will hinaufsteigen auf Wolkenhöhen, dem Höchsten mich gleichmachen. (Jes 14,14)
für den Sündenfall,
Da sagte die Schlange zur Frau: …Gott weiß, daß … ihr sein werdet wie Gott… (1.Mose 3,4-5)
ist nach wie vor das verlockende Ziel der Welt – und nie von Gott her motiviert,
… alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und der Hoch-mut des Lebens, ist nicht vom Vater, sondern ist von der Welt. (1.Joh 2,16)
sondern,
»Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.« (Jak 4,6)
daher,
Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und »ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen« (Mt 11,29)
und
Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit (1.Petr 5,6)
„Christsein bedeutet, Karriere nach unten machen“ (J. Fahle) (vgl. Phil 2,5-8; Mk 10,43ff)

6.5 V.49.50: Ich bin nicht der einzige Vertreter Gottes in Deutschland, im WBB, in meiner Gemeinde. Ich will mich freuen, daß Gott auch andere Geschwister für seine Ziele gebraucht – vielleicht sogar manchmal mehr als mich. Damit zeige ich, daß es mir wirklich darum geht, dem Herrn zu dienen, und nicht um meinen Status.
Beachte die biblische Lehre der Geistesgaben. Jedes Glied am Leib Jesu hat mindestens eine, kei-ner hat alle. Wir brauchen Ergänzung (s. z.B. Eph 4,11-16)!

6.6 V.54: Unsere Reaktion auf Ablehnung aufgrund unserer Botschaft und unserer Zugehörigkeit zu Jesus: Keine Aggression gegenüber geistlich Toten! Jesus tut keine Strafwunder (vgl. 19,10). Die Menschen stehen unter einem Gericht (Joh 3,18). Gott muß an ihnen handeln (6,44). Dazu ge-braucht er uns (2 Kor 5,20). Als vom Geist Gottes Beherrschte haben wir die Chance, Menschen in der Motivation Jesu zu begegnen (Gal 5,22f; Mt 5,44). Gott hat das grundsätzlich getan (Joh 3,16; Röm 5,8) – auch bei uns!

7. Beispiele und Verdeutlichungen
7.1 V.44: „Nehmt dieses Wort in eure Ohren…“. Herr Maile aus Beinstein ist schwerhörig. Er hört die Predigt über Kopfhörer mit.

7.2 V.46: vgl. der Teufel versucht Jesus in der Wüste mit einem verlockenden Angebot: Weltherr-schaft (Lk 4,5-6). Hätte er bei den Jüngern Erfolg gehabt?

7.3 in manchen Sportarten sind die Kleinsten die Größten (vgl. Jockey – Basketballer), je nach dem, wie das Ziel der Sportart definiert ist!

7.4 entferntes Ziel anvisieren mit einem Fernglas

8. Material und Gliederung zur Predigt
8.1 Einleitung: mit Dart-Pfeilen auf eine Zielscheibe werfen (Jesu Ziel ist Leiden und Sterben, die Vorbereitung der Jünger, Jerusalem)

8.2 Gliederung:
Thema: Mal angenommen, ich habe Jesus angenommen – was nun?
V.44-45 Nimm Jesu Worte an!
V.46-50 Nimm Jesu Maßstäbe an!
V.51-56 Nimm Jesu Pläne an!

8.3 Lied: „Laß mir das Ziel vor Augen bleiben.“