Monatsthema: Rettung durch Hingabe
Predigtthema: Er gibt sich selbst
Bibelstelle: Lukas 9, 18-27
Verfasser: Markus Neumann
1. Zusammenhang
Die Wirksamkeit Jesu in Galiläa (Lk 4,14-9,50). Der nördlichste Punkt ist erreicht (Cäsarea Philippi) – ab jetzt führt der Weg nach Süden, nach Jerusalem zum Schau-platz des Leidens und Sterbens Jesu.
Diese Begebenheit ist (vor allem auch bei Mk) nicht nur ein geographischer sondern auch ein theologischer Wendepunkt.
Das Geheimnis der Person Jesu wird ab jetzt fortlaufend gelüftet, und es kommt das Geheimnis seines Leidens neu in den Blick.
2. Biblische Parallelen
Paralleltexte in Mt 16,13-21.24-28; Mk 8,27-31.34-38;
Vgl. Die Frage des Herodes in Lk 9,7-9
Bekenntnisse über die Identität Jesu: Mk 1,24; Lk 8,28; Joh 6,69
Das Kreuz aufnehmen: Lk 14,27
Die Wiederkunft Jesu: Lk 21,27
3. Der Aufbau des Textes
V.18-19 Die Frage Jesu an die Jünger nach seiner Identität in den Augen des Volkes
V.20-22 Die Frage Jesu an die Jünger nach seiner Identität in ihren Augen
V.23-27 Lehren Jesu über die Konsequenzen der jeweiligen Antwort für das Leben
4. Einzelerklärungen
V.18 Der folgende Bericht läßt sich bei Lk nicht datieren. Der Anschluß an das vorher Gesagte fehlt. Schauplatz ist nach Mt und Mk die Gegend/die umliegenden Dörfer von Cäsarea Philippi (Stadt im Quellgebiet des Nahr Banyas, eines der drei Quell-flüsse des Jordan im Norden Galiläas; nicht zu verwechseln mit der Küstenstadt Ce-sarea Maritima).
Hier findet sich die vorher vermißte Ruhe, um die Erlebnisse der Apostel auszutau-schen (Lk 9,1-6.10f), bzw. sie auf den bevorstehenden Leidensgang nach Jerusalem vorzubereiten.
Jesus betet in der Gemeinschaft mit den Jüngern. Es folgt die Frage nach der Ein-schätzung seiner Person im Volk.
V.19 vgl. Lk 9,7-9
1. Johannes, der Täufer: das glaubte nach Mt 14,2; Mk 6,16 u.a. auch Herodes Anti-pas, der ihn enthauptet hatte. Begründung: die Wunderkräfte, die in Jesus wirkten.
2. Elia: Als Vorläufer des Messias verheißen. Unter bestimmten Voraussetzungen mit Johannes, dem Täufer identifiziert (Mal 3,22f; Mt 11,14; 17,10f; 27,49; Mk 9,11f; 15,36).
3. Einer der Propheten (Jeremia, Mt 16,14), vgl. Lk 7,16.39; 13,33; 24,19
Fazit: Nicht der Messias, sondern lediglich einer seiner Vorläufer.
V.20 Dieselbe Frage nun an die Jünger. Petrus antwortet stellvertretend für die Zwölf: Der Christus Gottes (Mk: der Christus). Ausführlicher in Mt 16,16f: Der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Jesus führt die Antwort dort auf einen geistlichen Vor-gang zurück: eine Offenbarung des Vaters, die mit dem Heil des Betreffenden einher geht. Es ist der Kern des christlichen Glaubens (vgl. Joh 20,31; 1 Joh 5,1) und dient als Basis für den Bau der Gemeinde (vgl. Mt 16,18).
V.21 Vgl. den Unterschied im geistlichen Verständnis zwischen den Jüngern und der Volksmenge in Lk 8,10ff und den Grund dafür (vgl. Hes 12,2).
Den Menschen, die auf Distanz zu Jesus bleiben und ihn deshalb falsch einschätzen, fehlt das (Ein-)Verständnis für die Wahrheit, daß er Gott gleich ist. Diese Erkenntnis bedarf einer richtigen Herzenshaltung angesichts der Person/der Offenbarung Jesu und kann und soll daher nicht von außen herangetragen werden (redete ihnen ernst-lich zu, griech.: epitimao = zurechtweisen, bedrohen, schelten, strafen i.d.R. ohne Wirkung auf den Gescholtenen). Dies soll erst zum Inhalt der Verkündigung werden, nachdem der Heils- und Leidensweg Jesu als Mensch vollendet ist (Apg 2,36; 1 Kor 2,2).
V.22 Folgerichtig ist das Schweigegebot an die Leidensankündigung gekoppelt (in Mk 8,31 sprachlich durch ein Partizip: indem er sagte). In dieser ersten Leidensan-kündigung (vgl. Lk 9,31.44; 12,50; 17,25; 18,32ff) betont Jesus die Unausweichlich-keit seines Schicksals (er muß dies alles durchmachen – inkl. Auferstehung!), vgl. Lk 24,26; Apg 4,28; Hebr 9,22; vgl. auch Mt 16,22-23.
Die dafür verantwortlichen Personengruppen entsprechen dem Hohen Rat (griech.: Synedrion = Ratsversammlung des jüdischen Volkes, die Entscheidungen trifft, Ge-setze erläßt und Recht spricht; auch unter dem röm. Protektorat mit einer gewissen Selbständigkeit für alle inneren Angelegenheiten ausgestattet; Ausnahme: Todes-strafe).
Beachte: Der Sohn des Menschen (V.22) ist der Christus Gottes (V.20)!
V.23 vgl. Lk 9,20a; Mk 8,34: Jesus spricht ab hier nicht mehr nur mit den Jüngern, sondern auch zur Volksmenge.
Bedingungen der Nachfolge:
Sich selbst verleugnen, die eigenen Rechte abtreten, den Eigenwillen verabschieden
Sein Kreuz auf sich nehmen: Offenbar hat Jesus auch die Art seiner Hinrichtung er-wähnt und kommt hier darauf zurück. Wer ein Kreuz (Querbalken) trägt, geht dem sicheren qualvollen Tod entgegen. Wer wird hier gekreuzigt? Das Ego/Ich (s.o. selbst verleugnen; vgl. Röm 6,6). „Täglich“ zeigt einen Prozeß an, der immer wieder Zu-stimmung erfordert. Wer in Jesu Fußstapfen tritt, muß darüber hinaus mit derselben Behandlung von außen rechnen wie er (Joh 15,18-21; 1 Petr 2,21).
Mir nachfolgen: nicht vorauslaufen, nicht ausscheren; den von ihm vorgeschriebe-nen/vorgezeichneten Weg gehen; auf ihn schauen (2 Kor 3,18).
V.24 häufiges Stilmittel des hebr. Sprichwortes: die paradoxe Form (hier: der ge-wählte Weg führt jeweils zu gegenteiligen Ziel)
Lebensgefahr aber ewiges Leben mit Jesus – scheinbare Sicherheit aber ewige Verlorenheit ohne Jesus
V.25 vgl. Lk 4,5-8: die ganze Welt gewinnen. Der Teufel versucht Jesus genau mit diesem Angebot.
Der maximal denkbare Erfolg in einem Leben ohne Jesus ist auf Vergängliches be-grenzt und ändert nichts an der eigenen Verlorenheit/Hoffnungslosigkeit und deren Folgen.
V.26 Wer trotzdem nicht bereit ist, die Seite zu wechseln, aus Scheu vor Unannehm-lichkeiten, hat mit einer entsprechenden Beurteilung zu rechnen, wenn die wahren Kräfteverhältnisse sichtbar werden.
Die Wiederkunft Jesu: Lk 21,27 vgl. Mt 16,27; 2 Thes 1,3-10; 2 Tim 4,1
V.27 Ich sage euch in Wahrheit (griech.: alethos = wahrhaftig) entspricht dem Amen. Ein Ausdruck, der das Gesagte für rechtlich verbindlich erklärt. Dadurch wird die fol-gende Aussage sehr stark bekräftigt.
Der Vers markiert bei allen Synoptikern den Schluss der Rede und den Übergang zur Verklärung Jesu.
Wie ist die Aussage Jesu zu verstehen? Verschiedenartige Deutungen im Verlauf der Jahrhunderte:
1. Die Verklärung auf dem Berg als Vorgeschmack auf das zukünftige Reich Gottes. Vor allem vom Kontext her plausibel.
2. Die Himmelfahrt Christi, Pfingsten, der Beginn der Mission, die Verwirklichung des Gottesreiches in den Gläubigen.
3. Die Zerstörung Jerusalems.
Die beiden letzteren geschahen zu Lebzeiten einiger Apostel, sind aber kaum mit den AT-Vorstellungen über das Gottesreich zu vereinbaren.
4. Die Wiederkunft Christi (bzw. die lebendige Erwartung derselben als die Evange-lien geschrieben wurden). Sie steht jedoch noch aus.
5. Spitze des Textes
Wer ist Jesus und welche Konsequenzen hat meine Antwort/meine Entscheidung für mein Leben?
6. Der Text heute
6.1 Gebet: Wir beobachten, daß Jesus sich regelmäßig und besonders vor wichtigen Entscheidungen zum Austausch mit Gott zurückzog (V.18 vgl. 5,12; 6,12; 11,1; 22,41). Kommen wir mit weniger aus? Sorgen wir für geeignete Voraussetzungen (Rückzug, Stille)?
„Stille Zeit ist eine Audienz beim König“ (Heinz Weber).
Gebetsgemeinschaft: Offenbar sind die Jünger am Gebet beteiligt oder zumindest anwesend.
6.2 V.22: Gottes Plan erfüllt sich. Er macht seine Zusagen wahr, auch wenn die Um-stände dem zu widersprechen scheinen. Hier sind feindlich gesinnte Menschen dar-an beteiligt (und verantwortlich), wenn auch unbewußt (Ps 118,22; Lk 24,26; Apg 4,28).
6.3 Die Identität Jesu hat Konsequenzen und ist mit einem Auftrag verknüpft – unse-re Identität als seine Nachfolger ebenfalls:
Ein Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie mein Wort gehalten haben, werden sie auch das eure halten. (Joh 15,20 vgl. Joh 16,2; 2.Tim 3,12; 1.Petr 2,21)
6.4 Dennoch haben wir die richtige Entscheidung getroffen (V.25-26); s. Pkt. 7,3
6.5 Die Nachfolge Jesu gleicht einem Abschied vom eigenen Ich, vom Eigenwillen (selbst verleugnen; Dein Wille geschehe).
„Diese Kreuzigung des „Ich“ geht allmählich vor sich, nach dem von Gott für jeden einzelnen und für jede einzelne Lebensstufe bestimmten Maß. Dies liegt in den Worten „täglich“ und „sein Kreuz“. Wenn Lukas einfügt „täglich“, so kann er die For-derung nur so verstanden haben, daß in ihr von einem immer wiederholten dauern-den Handeln in Seiner Nachfolge die Rede sei.“ (G. Maier)
vgl.
Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit der Auferstehung sein, da wir dies erkennen, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, daß wir der Sünde nicht mehr dienen. (Röm 6,5-6 vgl. Gal 5,24-25)
6.6 den Tod nicht schmecken (V.27). Die Entrückung der Gemeinde wird mit jeder Minute wahrscheinlicher (Röm 13,11). Dies verheißt Trost und Verantwortung zugleich (2.Petr 3,9).
6.7 beachte die evangelistischen Möglichkeiten in diesem Text: Wer ist Jesus (für mich)?!
Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor den Jüngern getan, die nicht in diesem Buch geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, daß Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen. (Joh 20,30-31; vgl.1 Joh 5,1)
7. Beispiele und Verdeutlichungen
7.1 V.18: Umfragen zur Bundestagswahl (Was sagen die Leute?). Was sage/wähle ich? Meine Wahl hat Konsequenzen für die Zukunft/mein Leben. Viel direkter und gravierender wirkt sich das aber aus, wo es um meine Stimme für/gegen Jesus geht.
7.2 V.19.20: Jesus ist einzigartig, nicht einer von vielen, vgl. das Kinderlied „(Jesus ist die) Nummer eins“ von Daniel Kallauch.
7.3 V.25: die ganze Welt gewinnen, aber sich selbst verlieren: wie wenn einem eine Gemäldesammlung zufiele und man im selben Moment blind würde (G. Maier).
Weltherrschaft, das erstrebenswerteste irdische Ziel (vgl. viele Filme, Romane), ist viel minderwertiger als unser ewiger Reichtum (vgl. Lottogewinn u.ä.)!
8. Material und Gliederung zur Predigt
Einleitung: Erinnerung an das TV-Ratespiel „Was bin ich“ mit Robert Lemke
V.18-19 Was sagen die anderen?
V.20-22 Was sagst du?
V.23-27 Was sagt dir das (für dein Leben)?