Kolosser

Predigthilfe vom 4.3.2001 – Kolosser 2,8-15

Monatsthema: Christus – das Geheimnis Gottes
Predigtthema: Christus bei uns

Bibelstelle: Kolosser 2,8-15

Verfasser: Albrecht Wandel

1. Zusammenhang

War Kap.1 der lehrhafte Teil des Kolosserbriefes, so sind wir jetzt im ermahnenden Teil. Damit kommt Paulus auf den eigentlichen Anlass des Schreibens zu sprechen: Paulus hatte durch Epaphras und andere von den Verwirrungen erfahren, die einige Irrlehrer durch ihre Lehren stifteten. Nachdem Paulus in Kap.1 die Größe und Erhabenheit Christi ihnen vor Augen gestellt hat, weist er jetzt auf die Gefahren durch die Irrlehrer hin. Gleichzeitig versucht er die Gläubigen ganz nah bei Christus zu halten. „Die Irrlehre wird stillschweigend durch eine Darstellung des tatsächlichen Platzes und Werkes des Sohnes widerlegt. Kernsatz für das Folgende ist Kol.2,6-7: verwurzelt sein in Christus.

2. Biblische Parallelen

Apg.17,16-34 Auseinandersetzung des Paulus mit philosophischer Lehre.
Eph.1,20-22 Weltweisheit und „Torheit des Evangeliums“
Phil.2,9-11 Jesu Name steht über allen Namen.
Röm.6 In Jesu Tod getauft, mit ihm auferstanden und der Sünde abgestorben.

3. Der Aufbau des Textes.

V.8 Warnung vor der Irrlehre.
V.9-14 Mit Christus haben wir alles, was uns ein neues Leben ermöglicht.
V.15 Jesus hat die Mächte und Gewalten (der Irrlehrer) entlarvt.

4. Einzelerklärungen

V.8 Den Irrlehrern war Christus nicht genug. Sie vermischten den Glauben an Christus mit philosophischen Gedanken und jüdischen Traditionen und Ritualen. Das Gefährliche daran: Sie leugneten nicht Gott oder Christus, sondern brachten scheinbar gute und hohe Gedanken aus Heiden- und Judentum ein. Christus wurde dabei immer kleiner und unwichtiger gemacht.

„einfangen“ = „als Beute entführen“, „gekidnappt werden“.
„leere Verführung“ = hohl und aufgeblasen (wie ein Luftballon). Verführung = Erfindung, Täuschung
„Lehre“ = wörtl.: das was danebengegeben wurde. Etwas was der Lehre Christi hinzugefügt und dabei sogar darüber überhöht wird.
„Mächte der Welt (des Kosmos)“ = das was in Reih und Glied aufgereiht ist. Wird für die Gestirne, die auch als kosmische Elementargeister verehrt wurden, verwendet. Hier wird die Vermischung mit der Anbetung der Gestirne deutlich. Kosmos wird häufig verwendet für die gottfeindliche Welt.

V.9:
„wohnt“ = eine ständige, feste, unaufgebbare Wohnung haben.
„Fülle“ = alles ausfüllend, bis obenan gefüllt sein. Gott wohnt „komplett“ ihn Christus. Nichts, auch nicht das Kleinste fehlt. Nichts hat daneben Platz.
„Gottheit“ = Paulus verwendet diesen neutralen Begriff, um gegenüber den Philosophen zu zeigen, dass die Gläubigen nicht den Hauch einer anderen Religion oder Philosophie brauchen.
„leibhaftig“: in bewußter Unterscheidung zu einem symbolischen oder vergeistigten Sinn wohnt Gott material und körperlich in Christus, nicht nur als Idee.

V.10:
„Mächte und Gewalten“:
„Mächte“ = philosophischer Begriff, der ursprünglich den „Anfang alles Gewordenen“, das „ursächliche Prinzip einer Sache“ kennzeichnete. Paulus macht deutlich: Christus steht als „Haupt“ über diesem Prinzip!Christus ist der Anfang alles Geschaffenen.
Er hat diese Mächte erschaffen (Kol.1,16) und ist und bleibt ihr Haupt (vgl. auch Eph.1,21). Diese Mächte ziehen jedoch in Auflehnung gegen Christus die MEnschen in ihren Bann (und werden auch von den kolossischen Philosophen und Irrlehrern verehrt). Durch Jesus sind sie aber entkleidet und entlarvt (Kol.2,15).
Hier werden Begriffe verwendet, die stark philosophisch geprägt und besetzt sind, die aber von Paulus vollkommen auf Christus bezogen werden. Der Kern seiner Aussage: In Christus haben wir alles! Christus ist das Ende philosophischer und religiöser Spekultionen.
„Gewalten“ = griech. exousia: wörtl. das „Heraussein aus irgendwelchen Einschränkungen“. ungehinderte Möglichkeiten und Fähigkeiten. => Jesus hat alle exousia, die er auf seine Jünger überträgt: Mt.28,18. Er ist das Haupt der „Schein“-Gewalten.

Grundsätzliches zu V.11+12:

Der Schwerpunkt liegt hier gerade nicht auf der Begründung irgendwelcher rituellen Handlungen. Paulus widersetzt sich hier ja einer Theologie, die die Bedeutung Christi abschwächt und u.a. auf „äußere“ Handlungen wertlegt. Manche Ausleger versuchen hier die Praxis einer Säuglingstaufe zu begründen. Zum einen wurde diese zu diesem Zeitpunkt noch nicht praktiziert und zum anderen ist der Zielgedanke des Paulus ein völlig anderer. Könnte es eine Problematik der Säuglingstaufe sein, dass bei ihr (nicht nur zeitlich) getrennt wird, was eigentlich zusammengehört: Die Bindung an Jesus durch die bewußte und persönliche Entscheidung für ihn (das „Zusammenbinden mit ihm“), die einen Menschen teilhaben läßt an seinem Sterben, seinem Begrabensein und seiner Auferstehung.

Schwerpunkt des Paulus ist die Einheit des Gläubigen mit Christus, im Sterben, im Begrabenwerden und im Auferstehen. Mit Christus ist das alles für uns geschehen.

Die Reihenfolge in unseren Versen entspricht der, die wir auch an anderer Stelle antreffen: … für unsere Sünde gestorben … begraben … und auferweckt worden.“ (vgl. 1.Kor.15,3f.)

„Beschneidung“: hier wird betont, dass keine rituelle Handlung gemeint ist: „nicht mit Händen“. (vgl. Jer.4,4; 5.Mo.30,6 Beschneidung des Herzens). Beschneidung wird gleichgesetzt mit dem Sterben Jesu: wenn wir uns an ihn klammern, sind mit ihm gestorben und haben nicht nur ein Hautfetzen abgelegt, sondern unser ganzes fleischliches Wesen. Dazu Beasley-Murray: „Hier handelt es cih um eine Beschneidung, die nicht das Ablegen eines kleinen Stückes Fleisch, sondern des ganzen Leibes bedingte – ein grausiges Bild des Todes.“

Taufe: wörtl.: vollständig untertauchen, untergehen (z.B. eines Schiffes, das danach zerstört ist). Jesus verwendet diesen Begriff für sein eigens Sterben (Mk.10,38). Wenn wir uns an ihn klammern, dann ist „hineintauchen“ in das Grab, auch unser Hineintauchen in das Grab. Dann ist unser alter Mensch begraben mit dem Begräbnis Jesu.
Ganz bildhaft: Als wäre ich mit Jesus zusammengebunden bin ich mit ihm in seinen Tod und sein Grab „hineingetaucht“. Dazu ist aber das „Zusammenbinden“ mit Jesus notwendig.

„Glaube“ = wörtl.: das „Zusammengebundensein“. Durch das Zusammengebundensein mit Jesus habe ich Teil an seiner Auferstehung.

„Fleischlich“: die menschliche, irdische und gefallene Natur des Menschen, losgelöst (los-gebunden) vom Einfluß und Willen Gottes. Sitz aller sündiger Begierde (Mt.26,41; Röm.6,19; 7,25; 8,4)

„Wesen“: eigentlich „somatos“ = Leib. Anspielung auf die Philosophie, die den Leib als Gefängnis der Seele sah, die es z.B. durch Askese zu befreien galt (Selbsterlösung!). Durch die Anbindung an Christus brauchen wir keine Selbsterlösung mehr vorzunehmen.

V.13:
„Sünden“ = wörtl. „Danebenfallen“ (hier wird nicht das sonst übliche Wort für Sünde verwendet).

„lebendig gemacht“: wieder das „mit ihm“. Nur wer an Jesus gebunden ist, ist lebendig gemacht.

V.14:
„getilgt“ = wörtl. „ausgewischt, ausradiert“. Bildhafter Hintergrund: Ein Papyrusblatt war so wertvoll, dass es abgewaschen wurde, um wieder neu beschriftet zu werden. Durch Christus ist die Sünde aus unserem Leben ausradiert. Wir können wieder neu mit der Handschrift Jesu beschrieben werden.

„Schuldbrief“: jurist. Fachausdruck für einen Schuldschein, in dem die Höhe der Schuld und der Rückgabezeitpunkt genau festgehalten sind.

„Forderungen“ = griech. „dogma“ = wörtl.: Lehre, Erlass, Forderung, die nicht abgemildert oder zurückgenommen werden kann. Hier liegt evtl. wieder eine Anspielung auf die Lehren der Irrlehrer vor: sie stellten wieder „Dogmen“ auf, die die Menschen knechteten. Jesus hat aber von „Dogmen“, Forderungen, freigemacht, sie getilgt.

„ans Kreuz genagelt“: Das Urteil, das über einen Gekreuzigten ausgesprochen wurde, heftete man an das Kreuz. Das INRI am Kreuz Jesu ist eigentlich nicht der wahre Grund für seine Hinrichtung. Was dort hängen müßte, ist mein Schuldbrief, der dort getilgt worden ist.

V.15:
„öffentlich zur Schau gestellt“: die Mächte und Gewalten, die sich frech gegen Gott und die Gläubigen gestellt haben und aus dem Hinterhalt gewirkt haben, sind durch Jesus entlarvt und öffentlich zur Schande und zum Spott dargestellt.

„Triumph machen“: in einem Triumphzug führen, um den Sieg über sie zu demonstrieren. Jesu Tod und Auferstehung ist ein Sieges- und Triumphzug über die Mächte und Gewalten.

5. Die Spitze des Textes.

Mit Jesus haben wir alles! Voraussetzung: Uns binden an ihn!

6. Der Text heute.

a) Die Frage, ob Christus noch wichtig ist und ob er der einzige Weg ist, bewegt bis heute. Wir wollen festhalten am „Christus ist alles“, „Christus ist genug“ und „Christus allein“

b) Paulus geht nicht auf Konfrontation, sondern macht den Kolossern Jesus groß. Unsere Platzzuweisung ist nicht der Kampf gegen die Ideologien und Philosophien, sondern das „Jesus lieb und groß machen“.

c) Das „zusammen mit“ macht uns ganz deutlich, wie wichtig es ist, bei Jesus festzumachen. Haben wir den Mut, dies den Menschen so zu sagen, sie konkret zu einem „Festmachen bei Jesus“ einzuladen.

d) Auch unter Christen kann es zu einem „Ehrfurcht“-haben, ja sogar Angst-haben vor „Mächten und Gewalten“ kommen. Wir sollten die Zuversicht und die Gewissheit weitergeben: Jesus Christus ist der Sieger über Hölle, Tod und Teufel!

7. Beispiele und Verdeutlichungen.

Paulus liefert uns sehr anschauliche Bilder. Wir sollten sie verwenden:
a) leerer Betrug: Luftballon, der zwar großmächtig aussieht, aber leer ist und leicht platzt. So ist es mit menschlicher Weisheit und Philosophie.

b) Beschneidung: Nicht nur Ablegen eines Hautstückchens, sondern ablegen des ganzen fleischlichen Wesens.

c) Taufe: großartiges Zeichen für das Sterben und Begraben des alten Menschen und das Auftauchen des neuen Menschen.

d) Glaube als „festmachen, festgebunden sein“ an Jesus. Evtl. als Anschauung zwei Leute zusammenbinden. Einer gibt den Weg vor. Der andere muß nur mitgehen. Beide sind immer am gleichen Ort, usw.

c) Schuldschein: der ausradiert wird. ein leeres Blatt ermöglicht ein neues Beschreiben. Evtl. auf Folie mit auswaschbarem Stift einen Schuldschein malen. Auswischen!

d) Triumphzug: Sieger und Besiegte marschieren im gleichen Triumpfzug. Aber ihre „Position“ ist eine völlig andere!

8. Material und Gliederung zur Predigt.

Stichwort für die Predigt ist das „zusammen mit Jesus“, das unseren Text bestimmt.

1. Mit Jesus alles bekommen.

Jesus ist genug, wir brauchen keine weiteren „Selbsterlösungs-Mechanismen“. Mit Jesus haben wir neues Leben bekommen, was gibt es mehr. Grundlage für dieses neue Leben ist es, mit Jesus gestorben zu sein, mit Jesus begraben zu sein, mit ihm zu neuem Leben auferstehen. Voraussetzung für das neue Leben ist: Festmachen an Jesus. Dann entdecken wir: Mit Jesus ist alles vergeben.

2. Mit Jesus alles vergeben.

Nicht „Jesus und“ oder „Jesus aber“ führt zur Vergebung. Sondern: Jesus ist genug zur Vergebung. Was keinem Menschen gelingt, hat er vollbracht: mein mit Sünden beschriebenes Leben ausradiert und mir ein neues „Lebensblatt“ gegeben, das er „beschreiben“ will.

3. Mit Jesus alles besiegt.

Auch wenn die „wider-christlichen“ Mächte und Gewalten sich noch aufspielen, hat Jesus sie besiegt! Wir brauchen sie weder zu fürchten noch uns mit ihnen „gutzustellen“. Sie sind besiegt und wir werden keinen Nachteil haben, wenn wir uns auf die Seite des Siegers stellen, ganz im Gegenteil. Jesus hat alle Gewalt im Himmel und auf Erden und die stellt er uns zur Verfügung, damit wir Menschen einladen, festzumachen beim Sieger Jesus Christus.