Geschichte

Johannes Seitz

Johannes Seitz (1922)

Johannes Seitz (1922)

Die Geschichte des Reichsbrüderbundes, der Karmelmission[2] und des Württembergischen Brüderbundes ist ohne Johannes Seitz nicht denkbar. Er ist ihr Vater. Daher ist jeder, der Geschichte und Selbstverständnis der beiden Verbände und der Karmelmission verstehen will gezwungen, sich zuvor mit Johannes Seitz auseinanderzusetzen. Dessen Bedeutung wird an einer Aussage von A. Münze deutlich: „Er war an dem Aufbruch der neueren Gemeinschaftsbewegung maßgeblich beteiligt.“[3] Seitz berichtet in seiner Autobiographie von den markanten Punkten, die die Grundlage für seine Bekehrung bildeten.[4] Sein Heimatdorf Neuweiler war in seinen jungen Jahren ein durch Trunksucht verarmtes Dorf. Diese Lage änderte sich erst durch Johann Chri-stoph Blumhardt. Obwohl 25 km entfernt, wanderten etliche aus Neuweiler zu ihm in den Gottesdienst, um seine Predigten zu hören. Nachdem durch Blumhardt eine Gastwirtin und ihr Mann geheilt wurden, war die Neugier bei Johannes´ Vater geweckt. Obwohl er als Witzbold und Spötter bekannt war, traf ihn die Predigt, „so dass er ernsthaft umkehrte und dann auch seine ganze Familie zu Jesus führte. Aus dem einstigen heruntergewirtschafteten Bauernhaus des Streitens und Fluchens, wurde jetzt ein Versammlungshaus, ein Bethaus, ja, so ein Mittelpunkt der Erweckungsbewegung in dieser Gegend.“[5] Diese Veränderung hinterließ bei dem jungen Johannes ihre Spuren. Auch die Beobachtung seiner Großmutter, die sich oft zu Tages- oder Nachtzeiten an ihren Gebetsplatz unter einem Baum im Garten zurückzog, wirkte sich bei ihm aus. Dies und die große Freude und der innere Friede der Großmutter bildeten einen Teil der Grundlage für seine Bekehrung. Seitz war auf dem Weg. Das Ziel, das er hatte, der Glaube, sollte durch eine Begegnung allein mit Gott erreicht werden. Durch Umstände, die er nicht schildert, schwoll der linke Arm samt der Hand an. Aus mehreren Öffnungen floss Eiter. Später eiterten sogar Knochensplitter heraus. Da nach Meinung der Ärzte der Arm nicht mehr zu retten war, sollte er amputiert werden. In seiner großen Not schrie er, als er allein zu Hause war, zu Gott, dass, wenn er ihm den Arm rettete, er ihm mit seinem ganzen Leben dienen würde. Gott beantwortete dieses Gebet durch einen Traum, bei dem Johannes sich Bäume fällen sah. Nach etwa einem halben Jahr war sein Arm wieder völlig gesund.[6] Das war für ihn der endgültige Anstoß zum Glauben. Mit einundzwanzig oder zweiundzwanzig Jahren wurde Seitz von Martin Blaich, einem Evangelisten der Tempelgesellschaft aufgefordert, eine vierjährige Ausbildung zum Prediger und Evangelisten auf der Missionsschule der Tempelgesellschaft, dem Kirschenhardthof, zu absolvieren. Zuerst wehrte er sich zwar, da er sah, dass einige Abgänger nicht viel zustande brachten und er selbst nicht genauso enden wollte, was für ihn eine Schande gewesen wäre. Doch durch viel Zureden und ein Gespräch mit seinem jüngeren Bruder konnte er zu dem Schulbesuch bewegt werden. Schon nach zweieinhalb Jahren verließ er die Schule. Auch hier wehrte er sich zuerst dagegen. Die Schule wollte er nicht verlassen, da er glaubte, dass er viel verpassen würde. Doch sein Lehrer Christoph Paulus bestätigte die Berufung Gottes zum Evangelisten und schickte ihn auf das Missionsfeld bei Murrhardt.[7]

[2] Die Karmelmission - früher Karmelverein – ist durch Abspaltung der Gemeinde in Haifa von den anderen Gemeinden, die durch den Deutschen Tempel gegründet wurden, entstanden. Diese Gemeinde trat dem Reichsbrüderbund bei. Durch das rege Interesse an der Mission wurde Haifa zuerst zu einer Außenstation, von der aus missioniert wurde. Später wurde daraus die heutige Karmelmission, die ausschließlich unter Muslimen arbeitet.

[3] Max Runge, Stimmen der Väter, S. 98

[4] Johannes Seitz, Erinnerungen und Erfahrungen, S. 9-12.

[5] Werner Spieth, „Johannes Seitz“. Gemeinschaftsbrief, Württembergischer Brüderbund, Bezirk Filder e.V.: 1989-1992 Nr. 31, S7.

[6] Seitz, Erinnerungen und Erfahrungen, S.24-26.

[7] Seitz, Erinnerungen und Erfahrungen, S.26-32.