Geschichte

Der Erste Weltkrieg und die Zeit der Weimarer Republik

Nach den Wirrungen mit der Pfingstbewegung erholte sich die Gemeinschaftsbewegung langsam wieder. In Württemberg war bis zu diesem Zeitpunkt noch kein fest organisierter Brüderbund vorhanden. „Als im Jahre 1910 in Calw die „Süddeutsche Vereinigung“ gegründet wurde, schloss sich ein gewisser Teil von Brüdern nicht an, die dann später den „Württembergischen Brüderbund“ Bildeten.“57 Lediglich im Schwarzwald gab es einen lose organisierten Brüderbund. Die damals anderen Gemeinschaften in Württemberg waren in „Auffassung und Gesinnung“ den „Brüdern aus dem Reichsbrüderbund sehr ähnlich“.58 Diese lose verbundenen Gemeinschaften Württembergs hatten eine besondere Verbindung zu den Brüderbundlern. Zum einen wollten sie sich ebenso wie diese, so wenig wie nur möglich organisieren. Dies trifft auf den heutigen Brüderbund in vielen Punkten auch noch zu. Andererseits hatten sie dieselben Überzeugungen, was Gemeindebildung und Entwicklung betraf. Zudem las man den Brüderboten und einige Brüder waren im Karmelverein. Die Beziehungen waren also recht eng.

Auf der Heidenheimer Konferenz der lose verbundenen Gemeinschaften und des losen Brüderbundes Ostern 1916 wurde die Notwendigkeit eines engeren Zusammenschlusses erkannt. Doch „waren sich alle Brüder einig, keine ausgesprochene Organisation zu schaffen.“59 Als Lösung schien den Brüdern die Bildung eines Ältestenrates geeignet. Der wurde schließlich aus folgenden Brüdern gebildet:

  • Abele  Schorndorf
  • Ernst Brillinger Heidenheim 60
  • Hermann Brillinger Tübingen
  • Graf Freudenstadt
  • Hummel Stuttgart
  • Klinck Neuweiler
  • Gotthold Staiger Ober-Sielmingen

Dem lockeren Zusammenschluss der nun durch den Ältestenrat enger zusammenrückte wurde zuerst keine Satzung gegeben. Die Aufgabe der leitenden Brüder bestand darin:61

  1. Die Einigkeit des Geistes in der brüderlichen Liebe festzuhalten.
  2. Zu wachen über sich selbst und über die ihnen anvertraute Herde. Ferner zu wachen über die Lehre.
  3. Dafür zu sorgen, dass die Versammlungen auf dem angetretenen Wege der Freiheit richtig gepflegt und weiter geführt werden,
  4. die verschiedenen Kreisversammlungen und Konferenzen zu bestimmen,
  5. die Brüder sollten in jedem Jahr zwei mal zusammenkommen, um die vorliegenden Fragen und Angelegenheiten zu besprechen.
  6. In den örtlichen Angelegenheiten der einzelnen Versammlungen sollte der Brüderrat seinen Einfluss mehr in beratender und ermahnender Weise geltend zu machen suchen.

Dieser Aufgabe kamen die Brüder drei Jahre lang nach. Dann im November 1920 schloss man sich mit den Gemeinschaften des Brüderbundes zu einem größeren Verband mit dem Namen Württembergischer Brüderbund zusammen. Die Doppelausgabe 47/48 des Brüderboten berichtet von der Bildung des neuen Brüderrates.62

Lange zeit lief die Arbeit des Brüderbundes gut, bis dann die Zeit der Rezession und der Arbeitslosigkeit kam. Plötzlich war das Geld knapp. Für den Bund war sparen angesagt. Es durften keine weiteren Schulden gemacht werden. Gemeinschaftspfleger wurden nicht mehr angestellt und das Predigergehalt eingefroren.63

Auch eineinhalb Jahre später sah es noch nicht besser aus. Der Schriftführer Br. Brillinger brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass „der weiter erforderliche Betrag von RM 6.000,-- am 1. Mai ebenfalls ermöglicht wird, damit ich meinen ins uferlose gehenden Verpflichtungen nachkommen kann.“64 Auch 1930 wurde die Situation nicht besser. Und zum Ende des selben Jahres kam beim Vorstand eine weiter Hiobsbotschaft an. Der Bezirk Tübingen sah es als von Gott geführt an, den Brüderbund zu verlassen und dem Altpietistischen Gemeinschaftsverband angeschlossen zu werden. Die Brüder äußerten den Wunsch der gesamte Bund möge doch den Altpietisten beitreten.65 Einen Monat später bestätigt der Altpietistische Gemeinschaftsverband die Aufnahme des Bezirks Tübingen einstimmig.66 Die finanzielle Lage des Bundes verschlechterte sich durch den Wegfall des Bezirks Tübingen. Die Brüder in Heidenheim überlegten nun, ob sie ihr Haus verkaufen sollten. „Wir können nur einen solchen Käufer als von Gott gegeben ansehen, der das Haus auch dem Wert entsprechend bezahlt und wir dadurch in die Lage versetzt werden, unsere Schulden zu begleichen.“67 Aus dem Sitzungsprotokoll des Vorstandes und des Ausschusses geht hervor, dass RM 18.000,-- die beschafft werden müssten weder von öffentlichen Mitteln und Kassen, noch über private Kontakte der Brüder aus Heidenheim zu beschaffen waren. Ein Tauschkauf mit der Evang. Gemeinschaft wurde vorgeschlagen.68 Am 18.04.1931 trafen sich Vorstand und Ausschuss. Die Sitzung hatte die folgenden Tagesordnungspunkte:

  1. Übergabe des Bezirks Heidenheim und Altheim an die Pilgermission
  2. Frage des Anschlusses von Bezirk Schorndorf
  3. Nochmalige Behandlung der gestellten Ansprüche von Herr und Frau Wünsche, Schorndorf
  4. Auflösung des Brüderbundes

Auch eine Übergabe von Heidenheim und Altheim an die Altpietisten wurde diskutiert. Dies wurde jedoch abgewiesen, da dies ungünstig für die Gemeinschaften gewesen wäre. Petri erläuterte, dass Br. Mössle, Br. Sautter und er in Chrischona gewesen seien und mit den Brüdern gesprochen haben. Die Chrischonabrüder hätten sich dann die Gemeinschaften angesehen und sich zu einer Übernahme bereit erklärt. Vorstand und Ausschuss, die von dem Vorgehen der Brüder nichts wussten, waren vor vollendete Tatsachen gestellt, da der Anschluss schon vollzogen war. Der Bezirk Schorndorf wehrte sich gegen einen Anschluss an Chrischona. Es wurde dem Bezirk freie Hand in dieser Frage gewährt. Er schloss sich vermutlich noch 1931 an die Süddeutsche Vereinigung an. Bezüglich der Auflösung des Bundes bestand die Möglichkeit des Anschlusses an Chrischona. Die Auflösung des Bundes wurde beschlossen, wobei „noch in beiden Fällen die Mitgliederversammlung zu bestimmen“ hatte.“69

Auf der Mitgliederversammlung sagte Br. Hartmann : „Brüder, der Brüderbund soll leben!“70 Auch Gotthold Staiger setzte sich für den Fortbestand ein. Aufgrund deren Einsatz stimmte die Versammlung für den Fortbestand.

(57) Adolf Krimmer, „Der Württ. Brüderbund 1900-1984“, Nachrichtenbote, Nr. 20. Vertrauliche Mitteilung von Bruder Hummel an die Brüder, 3 Seiten, S. 2 v. 06.01.1917

Alle im Folgenden zitierten Karten Briefe, Mitteilungen und Protokolle können eingesehen werden bei Werner Spieth, Schnellenstr.21, 73770 Denkendorf

(58) Vertrauliche Mitteilung von Bruder Hummel an die Brüder, 3 Seiten, S. 1 v. 06.01.1917

(59) Brillinger kam durch Vetter von der Zeltmission zum Glauben und gründete einen

(60) Blaukreuzverein, aus dem später der Württ. Brüderbund hervorgehen sollte.

(61) Vertrauliche Mitteilung von Bruder Hummel an die Brüder, 3 Seiten, S. 1 u. 2 v. 06.01.1917

(62) Brüderbote 47/48 v. 21. 11.1920

(63) vgl. Sitzungsprotokoll der 13. Sitzung des Bundes in Schorndorf V. 12.11.1927

(64) Brief von Brillinger an die Brüder v. 05.04.1929

(65) Brief von Brillinger an Petri und Sautter v. 31.12.1930

(66) Brief von Brillinger an die Brüder des Bezirks v. 31.01.1931

(67) Brief von Br. Saur an Petri v. 19.02.1931

(68) Protokoll vom 21.02.1931

(69) Protokoll vom 18.04.1931

(70) Zitiert von Friedrich Hänssler Sen. Beleg: MC in Händen Herr Werner Spieth