{"id":4600,"date":"2022-11-07T15:30:47","date_gmt":"2022-11-07T14:30:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/?p=4600"},"modified":"2022-11-07T15:30:47","modified_gmt":"2022-11-07T14:30:47","slug":"predigthilfe-vom-20-november-2022-matthaeus-25-14-46","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-20-november-2022-matthaeus-25-14-46\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 20. November 2022 &#8211; Matth\u00e4us 25, 14-46"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Predigtthema: Jesus kommt und bringt alles zurecht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterst\u00fctzung enth\u00e4lt diese Predigthilfe deshalb Hinweise f\u00fcr eure Verk\u00fcndigung, ersetzt aber nicht euer eigenst\u00e4ndiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr \u00fcber den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verk\u00fcndigen nur die Botschaft, die uns pers\u00f6nlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gef\u00fcllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: \u201eWer euch h\u00f6rt, h\u00f6rt mich\u201c (Lk 10,16a)!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Sehen, was dasteht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verschiedene Bibel\u00fcbersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter <a href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/\">www.bibleserver.com<\/a> (Luther 1984 \/ Revidierte Elberfelder Bibel \/ Hoffnung f\u00fcr alle \/ Schlachter 2000 \/ Neue Genfer \u00dcbersetzung \/ Gute Nachricht Bibel \/ Einheits\u00fcbersetzung \/ Neues Leben Bibel \/ Neue Evangelistische \u00dcbersetzung).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1.1 Hilfen zum Verst\u00e4ndnis des Predigttextes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hilfen zur Auslegung bieten z.B.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Gerhard Maier: Matth\u00e4usevangelium (Edition C Band 2)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li> Fritz Rienecker: Das Evangelium des Matth\u00e4us (Wuppertaler Studienbibel)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Gerhard Maier: Das Evangelium des Matth\u00e4us. (HTA)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Adolf Schlatter: Das Evangelium nach Matth\u00e4us. (Erl\u00e4uterungen zum Neuen Testament 1)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beachtenswerte Anmerkungen zum Predigttext bieten viele Studienbibeln, z.B. die MacArthur Studienbibel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1.2 Anmerkungen zum Verst\u00e4ndnis des Predigttextes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">V. 14: In der Antike war es \u00fcblich, dass Gro\u00dfgrundbesitzer ihren Besitz von einem Verwalter betreuen lie\u00dfen, wenn sie z. B. auf Auslandsreisen gingen (vgl. 24,45). Der Mensch ist der Menschensohn Jesus, die Knechte seine J\u00fcnger, das Verreisen meint seine Himmelfahrt und das \u00dcbergeben des Besitzes die Verantwortung, die er seinen J\u00fcngern \u00fcbertr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">V. 15: Das Talent war die gr\u00f6\u00dfte damalige Geldeinheit. Ein Talent betrug 10000 Denare, 1 Denar war der Tagelohn eines Arbeiters (vgl. Matth 20,13). Somit war bei allen drei Knechten der anvertraute Geldbetrag sehr hoch. Der Herr verteilt den Geldbetrag und reist dann ab. Jesus hat seine J\u00fcnger vor seiner Himmelfahrt damit beauftragt, das Evangelium in alle Welt zu tragen (Matth 28,18-20). Das Talent ist also im \u00fcbertragenen Sinne Gottes Gnadengabe: das ewige Leben. Der Auftrag an die J\u00fcnger lautet, die Botschaft von der unverdienten Gnade weiterzusagen und somit zu vermehren. F\u00fcr die Gnade Gottes muss niemand arbeiten, sie ist eine unverdiente Gabe Gottes. Aber gerade deshalb nimmt sie auch in die Pflicht: <em>wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern<\/em> (Lukas 12,48).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass der Herr die Talente nach den jeweiligen F\u00e4higkeiten der Knechte verteilt zeigt, dass Jesus nicht mehr auftr\u00e4gt, als jeder nach seinen Begabungen zu leisten f\u00e4hig ist (vgl. auch R\u00f6mer 12,3). Zu beachten ist sicher auch, dass die Gnade selbst zum Dienst ausr\u00fcstet. Gnadengabe und Gnade geh\u00f6ren zusammen: Gott schenkt Gnade und mit seiner Gnade viele Gnadengaben, die zum Dienst bef\u00e4higen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">V. 16 \u2013 17: Die ersten zwei Knechte gehen unverz\u00fcglich ans Werk und verlieren keine Zeit. Sie wissen, dass ihre Zeit wertvoll ist und der Herr von ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit den anvertrauten Talenten erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gewinnen ist ein typischer Begriff aus der Wirtschaftssprache (vgl. Jak 4,13). Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Knechte ihr Geld eingesetzt haben und damit auf unterschiedliche Weise Gesch\u00e4fte machten (z. B. Grundst\u00fccksgesch\u00e4fte, Ankauf\/ Verkauf, Viehhandel, Gesch\u00e4fte mit Schmuck etc.). Daf\u00fcr stand ihnen ausreichend Zeit zur Verf\u00fcgung. Im Neuen Testament erinnert <em>gewinnen<\/em> aber gleichzeitig an den Missionsauftrag der J\u00fcnger, vgl. 1. Kor 9,19: <em>Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, auf dass ich m\u00f6glichst viele gewinne.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">V. 18: Nach talmudischer Lehre ist das Vergraben eines Schatzes die sicherste Art der Aufbewahrung. Der dritte Knecht hat zwar kein Geld verloren, aber entgegen dem Auftrag seines Herrn gehandelt. Auff\u00e4llig ist, dass dieser Knecht sich nicht seinen Mitknechten anschloss und mit ihnen das Geld vermehrte. Er sondert sich von ihnen ab, bleibt passiv und tut nichts. Er verkennt damit die gro\u00dfe Gabe, die ihm v\u00f6llig unverdient anvertraut wurde. Er geht auf Abstand zu den Mitknechten und zu den Talenten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">V. 19: Wie in den Gleichnissen vorher liegt auch hier das Zentrum in der Aussage: Jesus kommt wieder und h\u00e4lt Gericht. Wie in den Gleichnissen vorher macht Jesus auch hier deutlich, dass eine lange Zeit bis zu seiner Wiederkunft verstreichen wird. Es ist also viel Zeit, um den Auftrag auszuf\u00fchren. Auch Christen werden sich vor Gericht verantworten m\u00fcssen f\u00fcr das, was sie mit der ihr anvertrauten Gabe Gottes gemacht haben, vgl. 2Kor 5,10: <em>Denn wir m\u00fcssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeder empfange nach dem, was er getan hat im Leib, es sei gut oder b\u00f6se.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">V. 20 \u2013 23: Die ersten beiden verdoppeln den Geldbetrag und handeln somit sehr erfolgreich und gewissenhaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Lob kann mit den Worten <em>recht so!, vortrefflich!, bravo!<\/em> \u00dcbersetzt werden. Es ist ein ermutigendes Lob. Dazu kommt noch die Bezeichnung <em>guter und treuer Knecht!<\/em> Das Augenmerk liegt bei diesem Lob auf der Treue des Knechts. Entscheidend ist der innere Beweggrund, nicht die Qualit\u00e4t dessen, was der Knecht zustande gebracht hat, vgl. 1. Kor 4,2: <em>Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie f\u00fcr treu befunden werden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u00dcber weniges warst du treu<\/em> k\u00f6nnte zum einen den Geldbetrag meinen, der ihm anvertraut wurde. Da 5 Talente aber ein sehr hoher Geldbetrag war, macht es Sinn, das Wenige auf den Auftrag des Knechtes zu beziehen: Er war \u00fcber einen kleinen Auftrag treu. Es geht hier um die Treue zu seinem Herrn, also seine innere Einstellung, die hier gelobt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun besteht die Belohnung zum einen in einem gr\u00f6\u00dferen Auftrag. Auch im Himmel werden Nachfolger Jesu nicht unt\u00e4tig sein, vgl. Offb 22,3: \u2026<em>und der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein; und seine Knechte werden ihm dienen<\/em>. Zum anderen in einem Freudenmahl. Das <em>geh hinein\/ komm <\/em>legt nahe, dass es nicht nur um Freude an sich, sondern eben um ein Freudenfest\/ Freudenmahl im Himmelreich handelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Knecht, der 2 Talente verdoppelt hat, bekommt exakt das gleiche Lob. Auch hier zeigt sich, dass es dem Herrn nicht um den Erfolg geht, sondern um die Treue zum ihm und seinem Auftrag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">V. 24 \u2013 25: Die Beschreibung des dritten Knechtes ist l\u00e4nger als die der ersten zwei. Hier ist der H\u00f6hepunkt des Gleichnisses, wegen dieses dritten Knechts erz\u00e4hlt Jesus das Gleichnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur der dritte Knecht macht eine Aussage \u00fcber seinen Herrn. Daf\u00fcr, dass er nichts getan hat, tritt er sehr forsch auf. Die anderen handeln einfach in Treue und dr\u00fccken ihre Verbundenheit mit ihren Taten aus. Dieser Knecht dagegen fasst die innere Distanz zu seinem Herrn, die sich schon vorher in seiner Verweigerung zeigte, dem Auftrag zu gehorchen, nun in Worte. Er kennzeichnet seinen Herrn als hart. Damit zeichnet Jesus mit diesem Knecht einen Menschen, der seinen Herrn, also Jesus, in einen v\u00f6lligen Gegensatz zu seinem wahren Charakter setzt: <em>hart<\/em>, oder anders \u00fcbersetzt: <em>schroff, grausam, streng, unbarmherzig<\/em>. In 2Mo 34,2 <em>bezeichnet sich Gott als barmherzig und gn\u00e4dig, langsam zum Zorn und reich an Gnade und Treue.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Knecht wirft ihm vor, Dinge von ihm zu fordern, die ihm nicht zustehen, andere f\u00fcr sich arbeiten zu lassen und ungerechtfertigt die Fr\u00fcchte ihrer Arbeit zu genie\u00dfen. Jesus sagt aber von sich in Mk 10,45: <em>Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als L\u00f6segeld f\u00fcr viele. <\/em>Jesus ist ja gerade nicht wie die Religionsstifter, die von ihren Anh\u00e4nger Opfer verlangen, ohne ihnen dabei irgendetwas zu schenken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass diese Aussage v\u00f6llig ungerechtfertigt ist, zeigt sich auch daran, dass der Herr gerade diesen Knecht nicht \u00fcberfordert hatte, denn er gab ihm nur ein Talent, also weniger Verantwortung als den anderen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Furcht ist folglich ein Zeichen seines Misstrauens. Die Worte erinnern an 1Joh 4, 18: <em>Furcht ist nicht in der Liebe.<\/em> In den Worten <em>siehe, da hast du das Deine <\/em>dr\u00fcckt sich auch Selbstgerechtigkeit aus: \u201eIch habe nichts Falsches gemacht!\u201c, \u201eIch habe recht gehandelt!\u201c. Und damit dr\u00fcckt er seine Verachtung gegen\u00fcber der Gabe Gottes aus, der unverdienten Gnade.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">V. 26 \u2013 27: Die Antwort ist ebenfalls l\u00e4nger als bei den zwei ersten. <em>Du b\u00f6ser und fauler Knecht <\/em>ist genau der Gegensatz zum guten und treuen Knecht. Die Antwort entlarvt seine innere Einstellung. Er ist ein fauler Knecht, der allerlei Gr\u00fcnde vorschiebt, warum er den Auftrag nicht ausgef\u00fchrt hat und warum er sich nicht zur Tat durchringen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antwort zeigt aber auch, dass der Knecht, wenn er schon nicht bereit war, etwas f\u00fcr seinen Herrn zu tun, durchaus eine bessere Option gehabt h\u00e4tte, als das Geld zu vergraben: Er h\u00e4tte es <em>den Wechslern <\/em>geben k\u00f6nnen, dann h\u00e4tte das Geld wenigstens Zinsen abgeworfen und er h\u00e4tte sich nicht vor seinem Herrn f\u00fcrchten m\u00fcssen, wenn dieser sein Geld zur\u00fcckfordert. Bei dem Wort <em>Wechsler<\/em> ist an Gesch\u00e4ftsleute zu denken, die Bankgesch\u00e4fte durchf\u00fchrten und dabei auch Zinsen vergaben. Aber nicht einmal das hatte er getan. Er war nicht bereit, irgendetwas f\u00fcr seinen Herrn zu tun, auch nicht das Kleinste. So offenbart sich hier, dass er seinem Herrn nicht nur nicht treu und loyal war, sondern dass er ihm feindlich gesinnt war. Er projiziert seine eigene b\u00f6sartige Gesinnung auf seinen Herrn und gibt ihm die Schuld f\u00fcr sein eigenes schuldhaftes Verhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">V. 28 \u2013 30: Die Anweisung ist kurz, aber klar: dem Knecht wird das eine Talent abgenommen, f\u00fcr das er keinen Finger anger\u00fchrt hat. Es wird dem gegeben, der aus 10 Talenten 10 weitere hinzugewonnen hatte. Es wird also dem gegeben, der seinem Auftrag treu war, weil es bei ihm gut aufgehoben ist. Wieder geht es nicht in erster Linie um die Qualit\u00e4t des Auftrages, sondern um Treue. Derjenige, der 10 Talente dazu gewann, bewies seine Treue, ihm kann man auch noch mehr anvertrauen. Derjenige, der nichts dazu gewann, zeigte seine Ablehnung des Herrn, er wird am Ende alles verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der \u00e4u\u00dferen Finsternis ist nun das Gerichtsurteil im Endgericht angesprochen. Die Diener, die hier angesprochen sind, sind die Gerichtsengel. Jesus warnt mit diesem Gleichnis in eindringlichen Worten davor, ihn, und damit seine Gnade und seinen Auftrag abzulehnen. Aber gleichzeitig wird auch klar, dass eine reiche Belohnung auf denjenigen wartet, der sich treu seinem Herrn zur Verf\u00fcgung stellt und nach seinen F\u00e4higkeiten seinem Herrn dient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Ausgang des Gleichnisses erinnert an Mat 7, <em>26&nbsp;Und jeder, der diese meine Worte h\u00f6rt und sie nicht tut, der wird mit einem t\u00f6richten Mann zu vergleichen sein, der sein Haus auf den Sand baute; und der Platzregen fiel herab, und die Str\u00f6me kamen, und die Winde wehten und stie\u00dfen an jenes Haus; und es fiel, und sein Fall war gro\u00df.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht<br>V. 31 \u2013 34: Nachdem Jesus 6 Gleichnisse \u00fcber seine Wiederkunft erz\u00e4hlt hat, spricht er hier wieder, ohne ein Bild zu verwenden. Jedenfalls f\u00fchrt er hier kein neues Bild ein, sondern spricht nun ganz direkt von seiner Wiederkunft. Das Gericht, das hier dargestellt wird, unterscheidet sich von dem im vorhergehenden Gleichnis: W\u00e4hrend dort von Christen die Rede ist, die anhand ihrer Treue zu ihrem Auftrag gerichtet werden, werden hier die V\u00f6lker gerichtet. Jesus erscheint als der von Daniel angek\u00fcndigte Menschensohn (Dan 7,13) und tritt seine Herrschaft an, indem er sich auf den Thron der Herrlichkeit setzt, vgl. Sacharja 14,9: <em>Und der HERR wird K\u00f6nig sein \u00fcber alle Lande. An jenem Tag wird der HERR der einzige sein und sein Name der einzige.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Vers 34 ist dann nicht mehr vom Menschensohn, sondern vom K\u00f6nig die Rede, der als Richter Recht spricht. Nun m\u00fcssen alle Menschen aus allen V\u00f6lkern Rechenschaft vor ihm ablegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir werden erinnert an Offenbarung 1,7: <em>Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, welche ihn durchstochen haben, und wehklagen werden seinetwegen alle St\u00e4mme der Erde. Ja, Amen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Weltenrichter wird die Schafe von den B\u00f6cken scheiden. Die Schafe sind schon im Alten Testament oft ein Bild f\u00fcr das Volk Gottes bzw. Israel (vgl. z. B. Hes 34, 5.15). Jesus greift dieses Bild dann in Johannes 10 auf und bezeichnet diejenigen, die ihm folgen als Schafe und sich als den guten Hirten. Die B\u00f6cke sind demnach das Gegenteil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gericht ist im Wesentlichen ein Scheidungsvorgang. Endlich wird die schlimme Vermischung von Gut und B\u00f6se aufgehoben, die f\u00fcr so viel Leid gesorgt hat. Der rechte Platz ist seit jeher der Ehrenplatz, der linke ist dann wieder das Gegenteil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier handelt der Menschensohn und K\u00f6nig als der gute Hirte, wie es schon in Hesekiel 34,17 angesagt wurde: <em>Und ihr, meine Herde, so spricht der HERR: Siehe, ich werde richten zwischen Schaf und Schaf, den Widdern und den B\u00f6cken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Richter l\u00e4dt die Gesegneten in das von Gott bereitete Reich ein. Damit wird der von Gott schon mit der Sch\u00f6pfung gefasste Plan zur Rettung der Welt nach dem S\u00fcndenfall verwirklicht und vollendet, vgl. Mt 13,35: <em>Ich werde meinen Mund \u00f6ffnen in Gleichnissen; ich werde aussprechen, was von Grundlegung der Welt an verborgen war.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">V. 35 \u2013 40: Es stellen sich hier 2 wichtige Fragen: Wer sind die Gerechten und wer die geringsten Br\u00fcder? Im vorherigen Gleichnis ging es um Christen. Hier erw\u00e4hnt Jesus alle Nationen der Erde, die ihm Rechenschaft geben m\u00fcssen, wenn er wiederkommt. Es sind wohl Menschen aus allen Nationen, die nichts von Jesus geh\u00f6rt haben, die hier an ihrem Verhalten gemessen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Vers 40 kommt Jesus zu einem verbl\u00fcffenden H\u00f6hepunkt: Er selbst war der Durstige, der Fremdling, der Nackte\u2026! Jesus ist in seinen Nachfolgern in dieser Welt immer pr\u00e4sent! Die geringsten Br\u00fcder sind also nicht die Armen dieser Welt, sondern die Nachfolger Jesu: Mt 12,49 <em>Und er streckte seine Hand aus \u00fcber seine J\u00fcnger und sprach: Siehe da, meine Mutter und meine Br\u00fcder!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem erinnert das Wort <em>geringste an <\/em>5. Mose 7,7: <em>Nicht weil ihr mehr w\u00e4ret als alle V\u00f6lker, hat der HERR sich euch zugeneigt und euch erw\u00e4hlt \u2013 ihr seid ja das geringste unter allen V\u00f6lkern. <\/em>Es ist an die Jesus- Gl\u00e4ubigen Israeliten zu denken, die in der Endzeit Verfolgung erleiden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die barmherzigen Werke, die hier beschrieben werden, tun Menschen aus allen Nationen an den verfolgten messianischen Juden, denen es an allem mangelt. Jesus hatte diese Verfolgung in der Endzeitrede angek\u00fcndigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gesegneten\/ Gerechten waren sich nicht bewusst, dass sie in Wirklichkeit Jesus gedient haben (vgl. Mt 10,40)! In ihrem Verhalten zeigen sie, dass sie sich ganz im Willen und Wesen Gottes bewegt haben, der barmherzig und gn\u00e4dig und von gro\u00dfer G\u00fcte ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die barmherzigen Taten, die Jesus hier auff\u00fchrt, erinnern z. B. an Jesaja 5,7: <em>Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, f\u00fchre ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">V. 41 \u2013 46: Die Verfluchten zur Linken waren sich ebenfalls nicht bewusst, wem sie in Wirklichkeit nicht geholfen haben. Aber das entschuldigt ihr Verhalten nicht. Die ausgef\u00fchrte Tat bringt zum Vorschein, was im Herzen ist. Deshalb ist auch dieses Gericht nicht allein ein Gericht nach den Werken, sondern nach der Gesinnung, dem, was der Mensch geglaubt und wonach er sein Handeln ausgerichtet hat. Der gerechte Richter sieht das Herz und kennt die Gesinnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Verstehen, worum es geht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2.1 Hinweise f\u00fcr hermeneutische \u00dcberlegungen (Auslegung)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Abschnitt vom Gericht (31 \u2013 46) beinhaltet einige schwierige Fragen, z.B. ob es m\u00f6glich ist, auch ohne Glauben durch Werke der Barmherzigkeit gerecht zu werden. Der Text scheint dies zu bejahen. Da aber nirgends davon die Rede ist, dass es Werke um Jesu Willen sind und Heidenv\u00f6lker angesprochen sind, wird man davon ausgehen k\u00f6nnen, dass es sich um Menschen handelt, die keine Gelegenheit hatten, Jesus Christus kennen zu lernen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wird der Abschnitt von Auslegern heilsgeschichtlich unterschiedlich eingeordnet, je nach Endzeitlehre. Es geht um die Frage, ob es sich um das letzte Gericht im Himmel handelt (Offb 20,11) oder aber ob das Gericht auf der Erde stattfindet und sich daran das Friedensreich des Messias anschlie\u00dft (Offb 20,4).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eines darf aber mit Sicherheit festgehalten werden: Gottes Gericht wird f\u00fcr jeden gerecht sein. Zu denken ist an Matth\u00e4us 16, 27&nbsp;<em>Denn es wird geschehen, dass der Menschensohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Des Weiteren auch R\u00f6mer 2, 11-16:&nbsp;<em>Denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott. Denn so viele ohne Gesetz ges\u00fcndigt haben, werden auch ohne Gesetz verloren gehen; und so viele unter Gesetz ges\u00fcndigt haben, werden durch Gesetz gerichtet werden&nbsp;\u2013 es sind n\u00e4mlich nicht die H\u00f6rer des Gesetzes gerecht vor Gott, sondern die T\u00e4ter des Gesetzes werden gerechtfertigt werden.&nbsp;Denn wenn Nationen, die kein Gesetz haben, von Natur dem Gesetz entsprechend handeln, so sind diese, die kein Gesetz haben, sich selbst ein Gesetz. Sie beweisen, dass das Werk des Gesetzes in ihren Herzen geschrieben ist, indem ihr Gewissen mit Zeugnis gibt und ihre Gedanken sich untereinander anklagen oder auch entschuldigen \u2013 an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen richtet nach meinem Evangelium durch Christus Jesus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Handeln eines Menschen ist der sichtbare Ausdruck seiner innersten Gedanken und Motive. Insofern gleichen sich die beiden Gerichte, da bei beiden Jesus nach der Treue\/Liebe eines Menschen richtet, die sich in den Taten sichtbar ausdr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht Jesu ist also absolut gerecht! Jesus sieht selbst die kleinste Tat, die aus der Liebe heraus geschieht. Dabei geht es nicht um Leistung, sondern um die Herzenshaltung. Im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg sagt Jesus zu demjenigen, der glaubt, dass jeder entsprechend seiner Arbeitsleistung entlohnt werden m\u00fcsste: <em>Darf ich mit dem, was mir geh\u00f6rt, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge b\u00f6se, weil ich gut bin?&nbsp;So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte <\/em>(Matth\u00e4us 20,15f).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2.2 Hinweise f\u00fcr situative \u00dcberlegungen (Predigtanlass)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 20.11. ist im Kirchenjahr der letzte Sonntag, der Ewigkeitssonntag oder auch Totensonntag. Beide Worte bezeichnen den gleichen Sonntag, zeigen aber unterschiedliche Perspektiven auf, an die man ankn\u00fcpfen kann: Die Bezeichnung Totensonntag ist ein Wort aus dem Volksmund und meint allgemein das Gedenken an die Toten, womit oft ein Besuch auf dem Friedhof verbunden ist. Der Blick richtet sich zur\u00fcck auf das Vergangene. Die Bezeichnung Ewigkeitssonntag ist ein christliches Wort und weist in eine andere Richtung: nach vorne, auf die Ewigkeit. Der Tod ist nicht das letzte, sondern als Christen glauben wir an die Ewigkeit bei Gott, die schon hier und heute beginnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bibeltext l\u00e4dt dazu ein, dankbar auf das eigene Leben mit all dem zu sehen, was Gott uns anvertraut hat und die verbliebene Lebenszeit mit allem was wir haben f\u00fcr Gottes Reich zu einzusetzen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2.3 Hinweise f\u00fcr homiletische \u00dcberlegungen (Anwendung)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch im Deutschen ist mit dem Wort <em>richten<\/em> nicht nur eine Verurteilung des T\u00e4ters verbunden. Der Gedanke des (Wieder-)Herstellens einer Ordnung\/ eines Geb\u00e4udes etc. ist fest in unserem Sprachgebrauch verankert in Worten wie: errichten, aufrichten, herrichten, einrichten, anrichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Bauhandwerk gibt es sogar ein Werkzeug, das als Ma\u00dfstab dient: mit dem Richtscheit kann z.B. festgestellt werden, ob etwas in Schieflage ist und korrigiert werden muss. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So ist die Aussicht darauf, dass Gott Recht schaffen wird f\u00fcr diejenigen eine gro\u00dfe Ermutigung, die Unrecht leiden, f\u00fcr die anderen aber eine Warnung, umzukehren. F\u00fcr alle aber eine Aufforderung, sich mit allem, was wir haben, Gott zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerhard Maier schreibt in seinem Kommentar: \u201eEine Frage, die in den Kommentaren kaum gestellt wird, ist die: Was bedeutet es f\u00fcr Christen praktisch, ihr \u201eGeld den Wechslern zur Verf\u00fcgung zu stellen\u201c? Vielleicht l\u00e4sst sich die Antwort so zusammenfassen: Andere Christen in ihren Auftr\u00e4gen, z.B. der Verk\u00fcndigung, der Diakonie und der Mission, zu unterst\u00fctzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Sagen, wo es hingeht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3.1 Predigtziel \u2013 warum halte ich diese Predigt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Zuh\u00f6rer soll erkennen, dass Gottes unverdiente Gnade zum Handeln motiviert, bef\u00e4higt und verpflichtet. Wenn Jesus Christus seine Nachfolger beauftragt, dass sie ihm mit den anvertrauten Talenten dienen und andere f\u00fcr sein Reich gewinnen, ist das eine Ehre: Wir dienen dem h\u00f6chsten Herrn, der wiederkommen wird. Es ist ein Auftrag, der deshalb machbar ist, weil Gott alles schenkt, was wir dazu brauchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb ist die Antwort des b\u00f6sen und faulen Knechts nichts als eine faule Ausrede.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch ist Zeit umzukehren. Aber wenn Jesus wiederkommen wird, wird es zu einer Scheidung kommen: dann werden diejenigen, die sich als Christen bezeichnen, aber nie danach gehandelt haben und seine Gnade nicht angenommen haben, alles verlieren. Und Jesus wird diejenigen noch viel reicher beschenken, die seinem Auftrag treu waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3.2 Predigtentfaltung \u2013 wie sage ich es in dieser Predigt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesus kommt und bringt alles zurecht:<br>a) Reich beschenkt und beauftragt (V. 14-23)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<br>b) Reichlich viele Ausreden (V. 24-27)<br>c) Reich entlohnt oder alles weg? (V. 28-30)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Karlheinz Deininger)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtthema: Jesus kommt und bringt alles zurecht Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterst\u00fctzung enth\u00e4lt diese Predigthilfe deshalb Hinweise f\u00fcr eure Verk\u00fcndigung, ersetzt aber nicht euer eigenst\u00e4ndiges Erarbeiten des Bibeltextes. 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