{"id":4286,"date":"2021-07-13T08:39:00","date_gmt":"2021-07-13T06:39:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/?p=4286"},"modified":"2021-10-14T09:45:32","modified_gmt":"2021-10-14T07:45:32","slug":"predigthilfe-vom-1-august-2021-roemer-5-1-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-1-august-2021-roemer-5-1-11\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 1. August 2021 &#8211; R\u00f6mer 5, 1-11"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Predigtthema: <\/strong>Allein die Gnade macht gerecht<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterst\u00fctzung enth\u00e4lt diese Predigthilfe deshalb Hinweise f\u00fcr eure Verk\u00fcndigung, ersetzt aber nicht euer eigenst\u00e4ndiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr \u00fcber den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verk\u00fcndigen nur die Botschaft, die uns pers\u00f6nlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gef\u00fcllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: \u201eWer euch h\u00f6rt, h\u00f6rt mich\u201c (Lk 10,16a)!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Sehen, was dasteht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verschiedene Bibel\u00fcbersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter <a href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/\">www.bibleserver.com<\/a> (Luther 1984 \/ Revidierte Elberfelder Bibel \/ Hoffnung f\u00fcr alle \/ Schlachter 2000 \/ Neue Genfer \u00dcbersetzung \/ Gute Nachricht Bibel \/ Einheits\u00fcbersetzung \/ Neues Leben Bibel \/ Neue Evangelistische \u00dcbersetzung).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit R\u00f6mer 5 beginnt ein neuer Abschnitt im R\u00f6merbrief. R\u00f6mer 1-4 beschreibt das <em>Wie<\/em> der Rechtfertigung. R\u00f6mer 5-8 das <em>Wozu <\/em>der Rechtfertigung, also die Folgen der Rechtfertigung: das Leben aus Glauben \u2013 \u201eHeiligung\u201c genannt. Wie in einem Gerichtsprozess zeigt Paulus in R\u00f6mer 1-4, dass ausnahmslos alle Menschen untauglich sind f\u00fcr Gottes Reich, sowohl Heiden als auch Juden. Gott aber rechtfertigt den S\u00fcnder allein aufgrund seiner Gnade durch das S\u00fchneopfer von Jesus Christus am Kreuz. Wer dieses Opfer im Glauben f\u00fcr sich annimmt, den spricht Gott gerecht, und zwar nicht aufgrund seiner guten Werke, sondern allein aus Glauben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Kapiteln 1-4 kommt das Wort \u201eglauben\u201c deshalb \u00fcber 25mal vor, das Wort \u201eleben\u201c aber nur 2mal. Dagegen behandeln die Kapitel 5-8 das Leben des aus Glauben Gerechten. Das Wort glauben erscheint nun fast nicht mehr, dagegen das Wort \u201eleben\u201c 25 mal!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1.2 Hilfen zum Verst\u00e4ndnis des Predigttextes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hilfen zur Auslegung bieten z.B.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Adolf Pohl, Der Brief des Paulus an die R\u00f6mer, Wuppertaler Studienbibel<\/li><li>Heiko Krimmer, R\u00f6merbrief, Edition C<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bitte studiert auch den hilfreichen Predigttipp von Eckhard L\u00f6ffler vom 04.09.2005 zu R\u00f6mer 5, 1-5 &nbsp;<a href=\"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-4-9-2005-romer-5-1-5\/\">https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-4-9-2005-romer-5-1-5\/<\/a> und von Mathias Koch vom 29.06.2014 zu R\u00f6mer 5, 1-11 unter <a href=\"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigttipp-vom-29-juni-2014-romer-5-1-11\/\">https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigttipp-vom-29-juni-2014-romer-5-1-11\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beachtenswerte Anmerkungen zum Predigttext bietet z.B. die MacArthur Studienbibel und div. andere Studienbibeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1.3 Anmerkungen zum Verst\u00e4ndnis des Predigttextes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vers 1<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eDa wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben\u201c<\/em>: Mit diesem Satz fasst Paulus noch einmal das Ergebnis seiner Ausf\u00fchrungen in Kap. 1-4 zusammen und leitet zum n\u00e4chsten Gedankengang \u00fcber: dem neuen Leben aus Glauben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paulus verwendet das Wort rechtfertigen fast ausschlie\u00dflich als T\u00e4tigkeit und Urteil Gottes, womit er den Glaubenden rechtfertigt (R\u00f6mer 3,26). Das macht deutlich, dass es allein Gott ist, der rechtfertigen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e\u2026<em>haben wir Frieden mit Gott\u201c<\/em>: Frieden mit Gott ist nun das Ergebnis der Rechtfertigung aus Glauben. Frieden ist ein Zustand, den der Mensch nicht selbst herbeif\u00fchren kann, sondern er ist nur durch Gottes Erbarmen m\u00f6glich. Deshalb kann die Botschaft des Evangeliums auch als Evangelium des Friedens bezeichnet werden, vgl. Epheser 2,17: \u201e<em>Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verk\u00fcndigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren<\/em>.\u201c Der Mensch, der Frieden mit Gott hat, kann auch Friedensstifter sein, vgl. R\u00f6mer 12, 17: \u201e<em>Vergeltet niemandem B\u00f6ses mit B\u00f6sem. Seid auf Gutes bedacht gegen\u00fcber jedermann. Ist&#8217;s m\u00f6glich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden<\/em>.\u201c Hier ist die Reihenfolge innerhalb des Briefes wichtig: zuerst Rechtfertigung und dann Aufforderung: Paulus fordert die aus Glauben Gerechten auf, mit allen Menschen Frieden zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vers 2:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201e&#8230;Zugang zu dieser Gnade\u201c: <\/em>Der S\u00fcnder hat keinen Zutritt zu Gottes Gegenwart. Ganz anschaulich wird diese Tatsache durch den Aufbau und die Ordnungen der Stiftsh\u00fctte, die Gott anordnete, bzw. sp\u00e4ter den Tempel: Das Allerheiligste war durch einen Scheidevorhang abgetrennt. In das Allerheiligste, die Gegenwart Gottes, durfte nur der Hohepriester und das auch nur einmal im Jahr, am gro\u00dfen Vers\u00f6hnungstag, unter genauen Anweisungen. Durch Jesus ist der Zugang zu Gottes Gegenwart nun frei: der Scheidevorhang im Tempel zerriss, als Jesus am Kreuz f\u00fcr die S\u00fcnden der Menschen starb (Mt 27,52). Es ist kein weiteres Opfer mehr n\u00f6tig, der Glaubende hat durch das Gebet Zugang zu Gottes Thron.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201e\u2026r\u00fchmen uns aufgrund der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes\u201c: <\/em>Frieden mit Gott spricht die Gegenwart des Glaubenden an, Herrlichkeit Gottes ist noch Zukunft und deshalb die Hoffnung des Glaubenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schloss Paulus in R\u00f6mer 3, 27 das R\u00fchmen noch aus (\u201e<em>Wo bleibt nun das R\u00fchmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens<\/em>.\u201c), so h\u00e4lt er es jetzt f\u00fcr n\u00f6tig, und es ist auch klar warum: in Bezug auf sich selbst bzw. auf den Menschen ist das R\u00fchmen ausgeschlossen: es wurde ja festgestellt, dass alle Menschen, ohne Ausnahme, S\u00fcnder sind. Nun r\u00fchmt Paulus doch, aber nicht sich selbst, sondern er r\u00fchmt die Herrlichkeit Gottes bzw. in Vers 11 Gott selbst. Das Wort R\u00fchmen hat in der Bibel eine negative Bedeutung, wenn es um den Menschen und seine Leistungen geht. Aber in Bezug auf Gott, bzw. auf das was er schenkt, ist es positiv, ja n\u00f6tig und Ausdruck lebendigen Glaubens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vers 3-5<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was Paulus nun ausf\u00fchrt, k\u00f6nnte wie eine kalte Dusche wirken. War eben noch von Herrlichkeit Gottes die Rede, geht es nun um Bedr\u00e4ngnisse. Das Wort Bedr\u00e4ngnis bedeutet w\u00f6rtlich <em>zusammendr\u00e4ngen<\/em>. Es bedeutet Bedr\u00fcckung, Drangsal, Tr\u00fcbsal und ist der zentrale Ausdruck im NT f\u00fcr das Leiden der Christen in der Welt, besonders unter der Verfolgung (vgl. Apg 14,22: \u201e<em>Sie st\u00e4rkten die Seelen der J\u00fcnger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und sagten, dass wir durch viele Bedr\u00e4ngnisse in das Reich Gottes hineingehen m\u00fcssen<\/em>\u201c). Warum also kann sich Paulus in Bedr\u00e4ngnis r\u00fchmen? Weil er das Ziel im Blick beh\u00e4lt: die Hoffnung darauf, einmal an Gottes Herrlichkeit teilhaben zu d\u00fcrfen (Vers 2). Bedr\u00e4ngnisse kann Paulus als etwas sehen, das Gott zul\u00e4sst, um Heiligung zu bewirken. Das f\u00fchrt er weiter aus:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum l\u00e4sst die Hoffnung auf die Herrlichkeit nicht zuschanden werden, warum entt\u00e4uscht sie nicht? \u201e\u2026<em>denn Gott hat uns mit dem Heiligen Geist, den er uns geschenkt hat, auch seine Liebe ins Herz ausgegossen<\/em>\u201c (Ne\u00dc). Nun kommt Paulus zum ersten Mal auf den Beistand zu sprechen, den Jesus seinen J\u00fcngern versprochen hat, den Heiligen Geist (Joh 14,16). Hier finden wir das Geheimnis, warum sich Paulus in Bedr\u00e4ngnissen r\u00fchmen kann: Gott r\u00fcstet den aus Glauben Gerechten mit seinem Geist aus, der hier vor allem als Geist der Liebe charakterisiert wird. In allen Bedr\u00e4ngnissen und Anfeindungen hilft der Geist, mit Liebe, statt mit Hass oder Verbitterung zu reagieren. Dass der Geist \u201e<em>ausgegossen\u201c <\/em>wurde, soll die Tatsache betonen, dass Gott den Glaubenden durch den Geist mit \u00fcberflie\u00dfender Liebe beschenkt. Liebe also, die durch den Glaubenden zu anderen Menschen \u201e\u00fcberschwappt\u201c. Ganz so, wie es Gottes Art ist, ganz so, wie Jesus das vorgelebt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Verse zeigen ganz eindringlich, dass es ein Christsein ohne Schwierigkeiten und Anfeindungen nicht gibt. Vielmehr gebraucht Gott Schwierigkeiten, damit der Glaube sich dadurch bew\u00e4hrt. Ein Leben ohne Leiden wird es erst am Ziel, in Gottes Herrlichkeit geben. Bis dahin muss der Gerechte aber nicht verzagen, weil der Geist Gottes seiner Schwachheit aufhilft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vers 6-10:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e\u2026als wir noch kraftlos waren\u201c: <em>kraftlos<\/em> hei\u00dft, ohne Kraft in Bezug auf geistliche Dinge. Der Mensch kann zu seiner Erl\u00f6sung nichts beitragen. Im Gegenteil: er ist durch und durch S\u00fcnder und damit Feind Gottes (Vers 11). Paulus macht sehr deutlich, dass S\u00fcnde kein kleines Problem, keine Lappalie ist, sondern nichts anderes als Feindschaft gegen Gott (vgl. R\u00f6mer 8,6f: <em>Was der Geist will, bringt Leben und Frieden, aber was die menschliche Natur will, bringt den Tod. Denn der menschliche Eigenwille steht dem Willen Gottes feindlich gegen\u00fcber; er unterstellt sich dem Gesetz Gottes nicht und ist dazu auch gar nicht f\u00e4hig).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun wird auch klar, warum Frieden mit Gott ein besonderes Geschenk ist: Es war allein Gottes Entscheidung, sich mit dem feindlich gesinnten Menschen zu vers\u00f6hnen und so Frieden zu stiften. Daf\u00fcr nahm Jesus Christus den Tod am Kreuz auf sich. Am Kreuz zeigt sich die Feindschaft des Menschen Gott gegen\u00fcber ganz unmaskiert: dass der Mensch n\u00e4mlich f\u00e4hig war (und immer noch ist), den hinzurichten, der sein Leben lang nur Gutes tat. Nachdem dies gesagt ist, f\u00fchrt Paulus den unfassbaren Gedanken aus, dass Christus f\u00fcr den ihm feindlich gesinnten Menschen freiwillig und aus Liebe starb. Das Kreuz zeigt also zweierlei: den abgrundtiefen Hass, der im Menschen steckt und der vor nichts und niemandem zur\u00fcckschreckt und die abgrundtiefe Liebe Gottes, die sich durch nichts und niemanden aufhalten l\u00e4sst und so Erl\u00f6sung f\u00fcr diejenigen schafft, die ihre gro\u00dfe Schuld eingestehen. Deutlicher kann man nicht darlegen, dass Errettung allein Gottes Werk ist: <strong>Allein die Gnade Gottes macht gerecht!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich wie in R\u00f6m 4,25 macht Paulus hier in Vers 10 deutlich, dass selbstverst\u00e4ndlich Tod und Auferstehung zusammenwirken und zusammengeh\u00f6ren. Ohne die Auferstehung w\u00fcrde das alles nichts bringen (1. Kor 15).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vers 11:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paulus schlie\u00dft den Gedankengang mit dem R\u00fchmen ab. Wer so mit Gott durch Jesus Christus vers\u00f6hnt wurde, kann nicht anders als Gott daf\u00fcr zu loben. Wieder ist jeglicher Eigenruhm ausgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Verstehen, worum es geht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2.1 Hinweise f\u00fcr hermeneutische \u00dcberlegungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir befinden uns im Zentrum des Heilsplanes Gottes. Nachdem Paulus deutlich gemacht hat, dass alle Menschen ohne Ausnahme S\u00fcnder sind (Kapitel 1-3) und dass bereits Abraham (Kapitel 4) ohne Werke gerechtfertigt wurde, gipfelt er in der Aussage, dass Gott uns Menschen bereits im Zustand S\u00fcnde und Verlorenheit geliebt hat, dass er f\u00fcr uns gestorben ist, als wir noch Feinde waren. \u201eAllein die Gnade macht gerecht\u201c das ist also kein theoretischer Glaubenssatz, sondern fasst beides zusammen: der verlorene Mensch kann nur durch das Sterben und Auferstehen von Jesus gerettet werden. Ohne Zutun von Werken. Das ist die reformatorische Erkenntnis, die in jede Zeit neu hineingesprochen werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2.2 Hinweise f\u00fcr situative \u00dcberlegungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr viele Menschen beginnt mit den Sommerferien der wohlverdiente Urlaub. Endlich, nach einem anstrengenden Jahr die F\u00fc\u00dfe hochlegen, sich ausstrecken und nichts tun, was an Arbeit erinnert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das, was wir genie\u00dfen, m\u00f6chten wir uns auch gerne verdienen. Sonst hat es einen Beigeschmack!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier kann man wunderbar an Gottes Gnade ankn\u00fcpfen. Gottes Gnade kann man sich nicht verdienen. K\u00f6nnen wir sie trotzdem annehmen und genie\u00dfen? Regt sich da in uns das schlechte Gewissen, wenn wir keine \u201egeistliche Leistung\u201c erbringen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2.3 Hinweise f\u00fcr homiletische \u00dcberlegungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Text deckt sehr viele Themen ab, die alle f\u00fcr sich schon eine Predigt ergeben w\u00fcrden: Glaube, Hoffnung, Liebe, Frieden, Vers\u00f6hnung, Gnade\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist deshalb wichtig, sich auf einen Kerngedanken zu fokussieren, den man dann in verschiedenen Aspekten darlegt!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Sagen, wo es hingeht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3.1 Predigtziel \u2013 warum halte ich diese Predigt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zuh\u00f6rer sollen erkennen, dass der Mensch von seinem Wesen her Feind Gottes ist. Gottes Wesen aber ist die Liebe. Er hat sich trotz dieser Feindschaft f\u00fcr den Menschen hingegeben. Seine Gnade allein rettet den Menschen aus seinem verlorenen Zustand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3.2 Predigtentfaltung \u2013 wie sage ich es in dieser Predigt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allein die Gnade macht gerecht!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gnade schenkt uns:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">a) einen freien Zugang zum Vater (Vers 1-2)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">b) eine Hoffnung mitten in Bedr\u00e4ngnis (Verse 2b-5)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">c) eine Liebe, die alle Feindschaft \u00fcberwindet (Verse 5b-11)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>4. Predigtveranschaulichungen \u2013 wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sola gratia \u2013 allein die Gnade<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was es hei\u00dft, in einer Leistungsgesellschaft zu leben, k\u00f6nnen besonders die nachvollziehen, die an den Anforderungen scheitern, denen man sich in einer solchen gegen\u00fcbersieht. Erfolg beruht auf Leistung, und wer keine Leistung erbringt, dem bleiben Erfolg und Anerkennung verwehrt. Das geht dann schnell einher mit sozialem Abstieg, Frustration, Ausgrenzung, Perspektivlosigkeit usw.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Deutschland im Mittelalter war eine religi\u00f6se Leistungsgesellschaft. Das Seelenheil (ewiges Leben) musste man sich durch allerlei religi\u00f6se Pflichten und Verbindlichkeiten m\u00fchsam erarbeiten. Trotzdem gab es keine letzte Sicherheit, ob diese Bem\u00fchungen auch wirklich ausreichten. Man starb in der Ungewissheit, ob es wirklich reichte, was man geleistet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Martin Luther aber hatte erkannt, dass nicht einmal das beste Bem\u00fchen ausreichte, um von Gott vorbehaltlos anerkannt zu werden. Es war wie das vergebliche Jagen nach einem unerreichbaren fernen Ziel. Der Erfolg musste aufgrund der S\u00fcndhaftigkeit des Menschen ausbleiben, ja, r\u00fcckte in immer weitere Ferne. Denn je mehr man Gottes Heiligkeit erkennt, desto tiefer blickt man auch in die eigene S\u00fcndhaftigkeit. Luther hat sehr unter dieser Einsicht gelitten, bis er aus dem Neuen Testament heraus erkennen durfte, dass die ewige Rettung nicht auf menschlicher Leistung, sondern allein auf Gnade beruht, durch die Gott das ewige Heil aus freien St\u00fccken denen schenkt, die auf das vollkommene Werk der Erl\u00f6sung in Jesus Christus vertrauen. Das Heil war ihm l\u00e4ngst geschenkt, begriff Luther. Durch diese Erkenntnis von einem ungeheuren Druck befreit, war er v\u00f6llig neu f\u00e4hig und motiviert zu einem kraftvollen Leben im Dienst f\u00fcr Gott und seine Mitmenschen. (von Joachim Pletsch)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Gnadengesuch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war im 19. Jahrhundert. Reichsgraf Prinz Karl von Salm-Horstmar besuchte des \u00f6fteren die Strafanstalten und Zuchth\u00e4user seines Landes, weil ihm die Straff\u00e4lligen am Herzen lagen. Aber unter all den Inhaftierten fand er keinen, bei dem er h\u00e4tte erkennen k\u00f6nnen, dass er aus seiner Straftat und dem Gerichtsurteil gelernt h\u00e4tte. Alle rechtfertigten sich und stellten ihr Urteil in Frage. Nur einer bekannte ihm, dass er zu Recht einsitze, weil er viele Straftaten begangen habe. Der Prinz setzte sich daraufhin bei K\u00f6nig Wilhelm von Preu\u00dfen daf\u00fcr ein, dass dieser Mann begnadigt w\u00fcrde. Diesem Gnadengesuch wurde erst stattgegeben, nachdem der Reichsgraf sich pers\u00f6nlich mit seinem Ehrenwort f\u00fcr den Gefangenen verb\u00fcrgt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist bis heute so: Nur wer sein Urteil anerkennt, kann auf Antrag begnadigt werden. Und: Begnadigung setzt ein rechtskr\u00e4ftiges Urteil voraus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott handelt mit uns Menschen nicht anders. Sein Urteil \u00fcber jeden von uns lautet: Schuldig vor Gott. Und im Grunde wei\u00df jeder, dass er den Geboten Gottes nicht entspricht. Und doch versuchen alle, sich zu rechtfertigen, die Schuld auf andere zu schieben, mildernde Umst\u00e4nde geltend zu machen oder die Schuld zu bagatellisieren. Viele versuchen durch gute Taten nach dem Waagschalenprinzip ihre schlechten aufzuwiegen. Doch jeder wei\u00df, dass man keine S\u00fcnde ungeschehen machen kann. Wir brauchen Begnadigung durch Gott! Und Gott kann sie uns gew\u00e4hren, weil sein Sohn Jesus Christus sich f\u00fcr uns verb\u00fcrgt hat, er nahm unsere Schuld auf sich und hat f\u00fcr sie ges\u00fchnt. Ob wir bereit sind, die Begnadigung Gottes anzunehmen? (von Eberhard Platte)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gnade, solange die Fackel brennt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von dem griechischen K\u00f6nig Alexander dem Gro\u00dfen wird erz\u00e4hlt, dass er jedes Mal, wenn er eine feindliche Stadt belagerte, vor den Stadttoren eine brennende Fackel in die Erde stecken lie\u00df. Das bedeutete, dass jeder, der herauskam, solang diese Fackel brannte, am Leben bleiben durfte. Der K\u00f6nig gew\u00e4hrte diesen Menschen seine Gnade. War dagegen die Fackel abgebrannt, wurde die Stadt gest\u00fcrmt und jeder get\u00f6tet, der sich noch innerhalb der Mauern befand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute noch bietet Gott uns seine Gnade an. Er will, dass wir leben. Wir Menschen m\u00fcssen uns jedoch entscheiden: zu ihm umzukehren oder ihn weiterhin zu ignorieren. Und das, solange wir leben, d.h. solange unsere Lebensfackel brennt. Wie lange noch, das wei\u00df niemand. Ein pl\u00f6tzlicher Sturm kann sie jederzeit ausblasen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ein Verurteilter vom Bundespr\u00e4sidenten begnadigt wird, so bedeutet das: Es wird auf die weitere Vollstreckung eines Urteils verzichtet. Und der Verurteilte wird in den Stand versetzt, als h\u00e4tte er nie eine Straftat begangen. Dadurch steht aber Gnade im Gegensatz zur Gerechtigkeit. Es ergeht Gnade vor Recht. Menschliche Gnade setzt die Gerechtigkeit au\u00dfer Kraft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Gott ist das anders. Seine Gnade gibt er nie auf Kosten der Gerechtigkeit. Er w\u00e4re sich sonst selbst untreu. Bei Gott stimmen Gnade und Gerechtigkeit \u00fcberein. Seine Gerechtigkeit fordert die Bestrafung der Menschen f\u00fcr ihre S\u00fcnden, aber in seiner Liebe und Gnade hat Gott seinen eigenen Sohn als \u00bbS\u00fchnung f\u00fcr unsere S\u00fcnden\u00ab gesandt. Am Kreuz auf Golgatha sind Gottes heilige und gerechte Forderungen durch den Herrn Jesus vollst\u00e4ndig erf\u00fcllt worden. Und zugleich leuchtet hell vom Kreuz die wunderbare Gnade. Auf dieser Grundlage bietet Gott uns seine Gnade an. Er will, dass wir leben sollen. (von Herbert Laupichler)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Karlheinz Deininger)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtthema: Allein die Gnade macht gerecht Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterst\u00fctzung enth\u00e4lt diese Predigthilfe deshalb Hinweise f\u00fcr eure Verk\u00fcndigung, ersetzt aber nicht euer eigenst\u00e4ndiges Erarbeiten des Bibeltextes. 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