{"id":4103,"date":"2020-11-30T11:48:46","date_gmt":"2020-11-30T10:48:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/?p=4103"},"modified":"2020-11-30T14:47:41","modified_gmt":"2020-11-30T13:47:41","slug":"predigthilfe-vom-3-januar-2021-esra-1-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-3-januar-2021-esra-1-2\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 3. Januar 2021 &#8211; Esra 1-2"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigtthema:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gott lenkt die Geschichte -und schenkt dem Volk ein Zuhause<\/strong><\/p>\n<p>Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterst\u00fctzung enth\u00e4lt diese Predigthilfe deshalb Hinweise f\u00fcr eure Verk\u00fcndigung, ersetzt aber nicht euer eigenst\u00e4ndiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr \u00fcber den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verk\u00fcndigen nur die Botschaft, die uns pers\u00f6nlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gef\u00fcllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: \u201eWer euch h\u00f6rt, h\u00f6rt mich\u201c (Lk 10,16a)!<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Sehen, was dasteht<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Verschiedene Bibel\u00fcbersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter <a href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/\">www.bibleserver.com<\/a> (Luther 1984 \/ Revidierte Elberfelder Bibel \/ Hoffnung f\u00fcr alle \/ Schlachter 2000 \/ Neue Genfer \u00dcbersetzung \/ Gute Nachricht Bibel \/ Einheits\u00fcbersetzung \/ Neues Leben Bibel \/ Neue Evangelistische \u00dcbersetzung).<\/p>\n<p><strong>1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext<\/strong><\/p>\n<p>Wir starten an diesem Sonntag in die Predigtreihe zu Esra. Zum Start der Predigtreihe ist es wichtig, sich als Prediger mit den Einleitungsfragen zu Esra zu besch\u00e4ftigen (auch wenn sicher nicht alles davon nachher f\u00fcr eine Predigt geeignet ist). Die historische Einordnung ist aber gerade auch f\u00fcr den Predigth\u00f6rer sehr hilfreich. Alle Einleitungsfragen behandele ich unter 1.2.<\/p>\n<p>Da wir einen langen Predigttext haben (Esra 1-2), kann dieser nur in Ausz\u00fcgen behandelt werden. Ein Schwerpunkt l\u00e4sst sich am besten auf Kapitel 1 legen, m\u00f6glicherweise kann man von Esra 2 die Verse 1-2 und den Schlussvers lesen.<\/p>\n<p>Die exegetischen Hauptfragen, die zu kl\u00e4ren sind, sind in diesen zwei Kapiteln zum einen: Wer ist Scheschbazar? Die gleiche Person wie Serubbabel, sein Onkel oder eine andere Person, die \u00e4hnliche Aufgaben wie Serubbabel hatte?<\/p>\n<p>Zum anderen: Wie sind die Unterschiede bei der Auflistung in Esra 2 und Nehemia 7 zu erkl\u00e4ren? Beide Fragen werden unter 1.3, der biblisch-theologischen Auslegung, behandelt.<\/p>\n<p><strong>1.2 Einleitung zum Buch Esra<\/strong><\/p>\n<p>Im Januar und Februar besch\u00e4ftigen wir uns in der Predigtreihe mit dem Buch Esra. Bevor ich mit der ersten Predigthilfe zu Esra starte, m\u00f6chte ich die Einleitungsfragen zum Buch darstellen. Als Grundlage daf\u00fcr nehme ich vor allem die Einleitung von Helmuth Egelkraut zum Alten Testament, aber auch die Einleitungen in unten aufgef\u00fchrten Kommentaren. Die Ergebnisse der Einleitungsfragen sollten dann beim Predigen und Auslegen entsprechend ber\u00fccksichtigt werden. Der Schwerpunkt liegt nat\u00fcrlich auf den Einleitungsfragen zum Buch Esra, aber da Esra und Nehemia h\u00f6chstwahrscheinlich urspr\u00fcnglich ein Werk waren, lassen sich die Fragen zu Nehemia nicht ganz trennen.<\/p>\n<p><u>Text und Versionen: Was ist das \u201eBuch Esra\u201c?<\/u><\/p>\n<ol>\n<li>Esra und Nehemia waren urspr\u00fcnglich ein Werk<\/li>\n<\/ol>\n<p>Gegen diese These k\u00f6nnte man anf\u00fchren, dass Neh 1,1 mit einer typischen Buch\u00fcberschrift anf\u00e4ngt: \u201eDies ist die Geschichte Nehemias, des Sohn Hachaljas.\u201c Es gibt allerdings einige Gr\u00fcnde, die f\u00fcr die Einheit der beiden B\u00fccher sprechen, die von den meisten angenommen wird:<\/p>\n<ul>\n<li>Inhaltlich: Die sogenannten Memoiren Esras, die in Esra 7-10 beginnen, werden in Neh 8-10 zu Ende gef\u00fchrt.<\/li>\n<li>Im Masoretischen Text, der Hauptquelle f\u00fcr die hebr\u00e4ischen Schriften im Alten Testament, werden die beiden B\u00fccher als eines angesehen. Zum einen fehlt dort die Schlussmasora am Ende von Esra, die normalerweise am Ende eines Buches gesetzt wird. Zum anderen wurde dort immer der Mittelvers des Buches markiert, der entsprechend in Neh 3,22 ist.<\/li>\n<li>Sowohl bei Josephus als auch im Talmud wird nur ein Buch Esra benannt, wo vermutlich Nehemia dazu geh\u00f6rte.<\/li>\n<li>In den fr\u00fchsten hebr\u00e4ischen und griechischen Schriften werden die beiden B\u00fccher als eines behandelt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Warum ist das Esra-Werk dann heute zerteilt?<\/p>\n<p>Der erste Beleg f\u00fcr eine Zweiteilung von Esra-Nehemia findet sich bei Origenes. In der Vulgata, der lateinischen \u00dcbersetzung, die im Mittelalter die meist verwendete Bibel war, sind beide aufgeteilt. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Aufteilung sind nicht ganz klar, vermutlich hat die erneute \u00dcberschrift in Neh 1,1 zu der Aufteilung gef\u00fchrt. Vielleicht hat auch einfach die Gr\u00f6\u00dfe der Schriftrolle die Teilung des langen Buches notwendig gemacht, wie beispielsweise auch bei 1. und 2. K\u00f6nige und 1. und 2. Samuel. Allerdings entstand so eine etwas seltsame Trennung, da Neh 8-10 wiederum von Esra handelt.<\/p>\n<p>Das ist zu beachten, auch wenn unsere Predigtreihe nur \u00fcber das Buch Esra geht \u2013 die Esra-Geschichte f\u00e4ngt nicht in Esra 1 an, sondern erst in Esra 7, und geht in Neh noch weiter. Wir behandeln also das Teilbuch Esra des gesamten Werkes, nicht aber die Person Esra als Ganzes.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Das Esra-Werk kn\u00fcpft an die Chroniken an, ist aber nicht als ein Werk zu sehen<\/li>\n<\/ol>\n<p>Einige Ausleger gehen einen Schritt weiter und sagen, dass es ein chronistisches Geschichtswerk gab: Die Chroniken, Esra und Nehemia. Es gibt einen klaren inhaltlichen Zusammenhang: Die letzten Verse in 2Chr 36,22-23 \u00e4hneln Esra 1,1-4, beide handeln von dem Kyrus-Edikt. Au\u00dferdem gibt es den 3.Esra, der Teile davon zusammenf\u00fchrt (siehe unten). Allerdings gibt es keine weiteren Hinweise, die f\u00fcr ein gemeinsames Werk sprechen (auch wenn gut m\u00f6glich ist, dass Esra auch bei den Chroniken als Autor beteiligt war), deshalb ist aus meiner Sicht nur von einer Ankn\u00fcpfung auszugehen, die die inhaltlichen Zusammenh\u00e4nge ausreichend erkl\u00e4ren: Der Autor des Esra-Werkes wollte aufzeigen, dass die Geschichte der Chroniken fortgef\u00fchrt wird.<\/p>\n<ul>\n<li>In keinen fr\u00fchen Schriften werden die Chroniken und Esra+Nehemia als ein Werk betrachtet.<\/li>\n<li>Im Gegenteil: Sie sind sogar meist anders angeordnet im Kanon. In der deutschen Bibel folgen Esra und Neh zwar direkt auf 1+2Chr, was inhaltlich Sinn ergibt. Im hebr\u00e4ischen Kanon hingegen sind Neh und Esra (meist) vor den Chroniken, da sie den \u201eSchriften\u201c zugeordnet sind.<\/li>\n<\/ul>\n<ol start=\"3\">\n<li>Die Bezeichnungen f\u00fcr das Buch Esra<\/li>\n<\/ol>\n<p>Aufpassen muss man etwas bei den Bezeichnungen f\u00fcr das Buch Esra. Zum einen ist teilweise von Esra, teilweise von Esdra (griechische Form des Namens, die auch in der Vulgata beibehalten wurde) die Rede \u2013 damit ist aber das Gleiche gemeint. Zum anderen gibt es noch weitere B\u00fccher, die Esra betitelt werden und teilweise unterschiedlich nummeriert sind:<\/p>\n<p>In der Vulgata wird unser Buch Esra 1. Esra genannt, unser Buch Nehemia 2. Esra, in der Septuaginta hingegen wird Esra+Nehmia als Esra II bezeichnet. Das 3. Buch Esra im Anhang der Vulgata ist Esra 1 in der Septuaginta. Dieses Buch ist relativ alt und wir zu den Apokryphen gez\u00e4hlt. In deutschen Bibeln, die die Apokryphen enthalten, fehlt es meist, in englischen Bibeln hingegen ist es meist bei den Apokryphen mit eingereiht. Das 3. Buch Esra besteht aus 2Chr 35-36; aus Esra (wo die Reihenfolge der Kapitel 1-4 vertauscht ist und zwei Geschichten eingef\u00fcgt sind, die in unserem Buch Esra fehlen), sowie aus Neh 7,73-8,12. Der Ursprung von 3. Esra ist nicht ganz gekl\u00e4rt, m\u00f6glicherweise wollte jemand schon sehr fr\u00fch die zerteilte Esra-Geschichte zusammenf\u00fchren.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich gibt es im Anhang der Vulgata noch ein 4. Esra-Buch, das apokalyptisch ist, Visionen enth\u00e4lt und vermutlich erst ca. 100 n. Chr. entstanden ist. Au\u00dferdem gibt es noch eine Esra-Apokalypse, die nicht mit dem 4. Buch Esra identisch ist, die im Westen nie eine Rolle spielte, aber die bis heute in der \u00e4thiopischen Bibel enthalten ist.<\/p>\n<p>Es ist wichtig zur Unterscheidung die unterschiedlichen Esra-B\u00fccher im Hinterkopf zu haben. Trotzdem ist wichtig zu betonen: Es ist ganz klar, dass Esra und Nehemia als kanonische Schriften anzusehen sind; die anderen B\u00fccher mit dem Titel Esra hingegen nicht.<\/p>\n<p><u>Verfasser und Abfassungszeit: Von wem und wann ist Esra geschrieben?<\/u><\/p>\n<ol>\n<li>Der Autor des Werks Esra\/Nehemia verwendet verschiedene Quellen<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ganz eindeutig gibt es im Werk Esr\/Neh verschiedene Quellen, die aufgegriffen werden. Zwei sind die Hauptquellen, die sogenannten \u201eEsra-Memoiren\u201c und \u201eNehemia-Memoiren\u201c. Dass es jeweils Memoiren sind, die von Esra und Nehemia geschrieben sind, wird vor allem durch die teilweise verwendete 1. Person deutlich (z.B. Esr 8,1ff, 9,1ff). Die Nehemia-Memoiren werden hier nicht n\u00e4her diskutiert, da es vor allem um das Buch Esra geht, aber meist werden Neh 1-7 und Teile von Neh 11-13 dazu gez\u00e4hlt. Die Esra-Memoiren sind Esra 7-10 und werden fortgef\u00fchrt in Neh 8 (vielleicht bis Kapitel 10).<\/p>\n<p>Also im Buch Esra haben wir Kapitel 7-10, die deutlich auf Esra zur\u00fcckgehen und wohl von ihm direkt aufgeschrieben wurde.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem gibt es mehrere Briefe und Erlasse, auf die der Autor sich beruft. Das wird zum einen inhaltlich deutlich, zum anderen gibt es im Buch Esra aram\u00e4ische Abschnitte, in denen die Sprache von Hebr\u00e4isch zu Aram\u00e4isch wechselt \u2013 was sonst im Alten Testament nur in Daniel in einem l\u00e4ngeren Abschnitt vorkommt. Esra 7,12-26 ist ein Erlass der K\u00f6nigs Artaxerxes, der vermutlich w\u00f6rtlich aufgenommen wurde, da f\u00fcr den Abschnitt zum Aram\u00e4ischen gewechselt wird \u2013 was damals eine der verwendeten Reichssprachen des K\u00f6nigs war. Au\u00dferdem ist der Abschnitt 4,8-6,18 aram\u00e4isch (in 4,7 wird sogar eingeleitet, dass jetzt ein aram\u00e4ischer Brief kommt). In diesen drei Kapitel werden mehrere Briefe und Nachrichten von K\u00f6nigen, Esra und den Widersachern der Israeliten aufgenommen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wird in Esra 1,1-4\/Esra 6,3-5 das Kyrusedikt noch zitiert. Gut m\u00f6glich ist auch, dass die Tempelger\u00e4te-Liste in Esra 1 oder die R\u00fcckkehrer-Liste in Esra 2 schon eine vorherige Quelle war, da der Autor \u2013 der ja mindestens 100 Jahre sp\u00e4ter war (Zeitablauf siehe unten) \u2013 die Namen sonst sicher nicht mehr alle zusammenbekommen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann man also sagen: Esra 7-10 geht auf eine Aufschrift Esras selbst zur\u00fcck. In Esra 7,12-26 und 4,18-6,18 wird auf verschiedene Quellen Bezug genommen, die nicht ins Hebr\u00e4ische \u00fcbersetzt wurden. Au\u00dferdem ist m\u00f6glich, dass Esra 1,1-4, 1,9-11 und Esra 2 auf Dokumente davor zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Der endg\u00fcltige Verfasser des Werks Esra\/Nehemia ist nicht sicher festzustellen, gut m\u00f6glich ist, dass es Esra war<\/li>\n<\/ol>\n<p>Da Esra und Nehemia als ein Werk zu sehen sind, muss beim Verfasser der beiden B\u00fccher nach einer Person gesucht werden. Klar ist, dass der endg\u00fcltige Verfasser Schriften sowohl von Esra als auch von Nehemia und weitere Quellen aufnahm \u2013 sodass er selbst gar nicht mehr so viel schrieb. Im Buch selbst findest sich kein direkter Hinweis auf den Verfasser. Im Talmud (Talmud B. Bat 15a) wird sp\u00e4ter das Werk Esra\/Nehemia (und auch die Chroniken) Esra als Verfasser zugeschrieben, genauso wird aber Nehemia erw\u00e4hnt, der das Werk abschloss. Welche Rolle genau ihnen dabei genau zukam, bleibt unklar. Gut m\u00f6glich ist also, dass Esra selbst das Werk Esra\/Nehemia verfasste und die verschiedenen Schriften zusammenf\u00fchrte, ganz sicher ist es aber nicht.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>Esra\/Nehemia wurde ca. 400 v. Chr. geschrieben<\/li>\n<\/ol>\n<p>Zur Datierung von Esra und Nehemia im n\u00e4chsten Abschnitt zum geschichtlichen Hintergrund genauer. Die Ereignisse in den B\u00fcchern gehen bis kurz vor 400, deshalb kann es fr\u00fchestens um ca. 400 v. Chr. geschrieben worden sein. Plausible Gr\u00fcnde, dass das Werk erst eindeutig sp\u00e4ter geschrieben wurde, gibt es nicht.<\/p>\n<p><u>Geschichtlicher Hintergrund: Wann und in welcher Umgebung spielen die Geschichte in Esra (und Nehemia)?<\/u><\/p>\n<ol>\n<li>Das Buch Esra handelt in Esra 1-6 von 539-515 v. Chr. und in 7-10 vom Jahr 458 v. Chr.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Der erste Teil von Esra 1-6 ist relativ einfach einzuordnen: Von dem Kyrus-Erlass 538 v. Chr. und der R\u00fcckkehr (Esra 1-4,5) bis zur Fertigstellung des Tempels 516\/515 v. Chr (Esra 5-6). Haggai war 520 als Prophet t\u00e4tig, Sacharja 519, beide werden in 5,1 erw\u00e4hnt (vgl. Hag 1,1, und Sach 1,1.) Nur Esra 4,6-23 spielt in sp\u00e4terer Zeit, in 4,5 sagt der Verfasser, dass die Widerst\u00e4nde der damaligen Zeit, die in 4,1-5 geschildert wurden, noch lange anhielten. In 4,6-23 werden dann Briefwechsel mit dem K\u00f6nig Ahasveros aus dem 5. Jahrhundert angef\u00fchrt als Beleg daf\u00fcr, dass die Widerst\u00e4nde gegen Tempel und Mauer (4,12) andauerten.<\/p>\n<p>Der zweite Teil von Esra, die 1. Esra-Memoiren, ist nicht ganz so leicht einzuordnen und umstritten. Esra 7,7 ist der entscheidende Vers: Im siebten Jahr von K\u00f6nig Artahsasta. Die klassische Auslegung ist, dass sich der Vers auf Artaxerxes I bezieht, dann w\u00e4re das 7. Jahr 458 v. Chr. Manche meinen, dass es sich auf Artaxerxes II bezieht, dann w\u00e4re Esra erst nach Nehemia nach Jerusalem gekommen, im Jahr 397 v. Chr. Diese \u201eSp\u00e4tdatierung\u201c passt aber nicht dazu, dass in Nehemia die Geschichte geschildert wird, als h\u00e4tten Esra und Nehemia gemeinsam in Jerusalem gewirkt. Manche gehen von einer \u201emittleren Datierung aus\u201c, allerdings m\u00fcssen sie dazu von einem Schreibfehler in Esr 7,7 ausgehen \u2013 f\u00fcr den es keinerlei Textbeleg in Handschriften gibt -, dass dort nicht von 7 Jahren, sondern von 17 die Rede ist, dann w\u00e4ren Esra und Nehemia gleichzeitig nach Jerusalem gekommen. Deshalb halte ich beide neueren Datierungsversuche nicht f\u00fcr sinnvoll und es ist davon auszugehen, dass Esra tats\u00e4chlich im Jahr 458 v. Chr. nach Jerusalem kam und Esra 7-10 in diesem Jahr spielen. In Esr 9,9 ist zwar schon von einem \u201eSchutzwall\u201c die Rede, der sich aber dann vermutlich nicht auf die Mauer bezieht, die erst unter Nehemia gebaut wurde, sondern auf einen kleineren Wall, der zum Schutz schon fr\u00fcher gebaut wurde. Zwischen Esra 7-10 und Neh 1-7 sind somit 13 Jahre vergangen (Neh 1,1- 445 v. Chr.), in denen nichts weiter aufgebaut wurde. Gut m\u00f6glich ist, dass Esra nochmal zur\u00fcckgereist ist zum K\u00f6nig Artaxerxes, was auch erkl\u00e4ren k\u00f6nnte, warum er in Neh 1-7 nicht auftaucht, sondern erst wieder in Neh 8, im Jahr 443 v. Chr.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Der geschichtliche Hintergrund zum Buch Esra<\/li>\n<\/ol>\n<p>586 v. Chr. hatte Israel seine Selbst\u00e4ndigkeit verloren bei der dritten Wegf\u00fchrung nach Babylon und der endg\u00fcltigen Zerst\u00f6rung Jerusalems.<\/p>\n<p>Der Perserk\u00f6nig Kyrus II (559-530 v. Chr.) arbeitete zuerst mit Babylonien zusammen, erweiterte sein Reich und wurde gr\u00f6\u00dfer und st\u00e4rker. Als die Unzufriedenheit im babylonischen Reich immer gr\u00f6\u00dfer wurde, wendete er sich 539 v. Chr. gegen Babylon und eroberte es, sodass ein riesiges Reich unter Kyrus II entstand. W\u00e4hrend die Babylonier durch rigorose Politik und Unterdr\u00fcckung den Frieden in ihrem Reich gehalten hatten, war der Ansatz des Perserreiches ein liberaler. Die Folge davon war, dass V\u00f6lkern \u2013 wie den Juden \u2013 erlaubt wurde, in ihr Gebiet zur\u00fcckzukehren. Dieser Erlass, der die R\u00fcckkehr der Juden erm\u00f6glichte, geschah im Jahr 538 v. Chr. (Esr 1,1). Er liegt in Esr 6,3-5 in aram\u00e4ischer Form vor, was vermutlich die Originalform war. Esra 1-2 berichtet von dieser ersten R\u00fcckkehr nach Jerusalem unter Jeschua und Serubbabel. In Esra 3 wird berichtet, dass wieder erste Brandopfer gelegt wurden und Bem\u00fchungen stattfanden, den Tempel wiederaufzubauen. Diese wurden aber durch samaritanische Widerst\u00e4nde zunichte gemacht (4,1-8).<\/p>\n<p>Unter Kambyses (529-522 v. Chr.) wurde durch seinen \u00c4gyptenfeldzug der Westteil des Reiches gesichert, sodass von nun an Israeliten noch leichter zur\u00fcck nach Jerusalem reisen konnten. So wurde zu der Zeit von Darius I (522-486 v. Chr.) der Tempel wiederaufgebaut, nachdem auch Haggai und Sacharja dazu aufgefordert hatten (Esra 5-6). In Esra 4,6f wird von den K\u00f6nigen Ahasveros und Artahsasta berichtet, unter denen es auch Widerstand gegen den Aufbau gab. Ahaveros ist vermutlich Xerxes I (486-465 v. Chr.), Artahsasta dann Artaxerxes (465-424 v. Chr.), unter dem auch die erste R\u00fcckkehr Esras (7,1) stattfand und unter dem die Kapitel 7-10 spielen.<\/p>\n<p><u>Theologische Bedeutung: Welche Relevanz hat das Buch Esra?<\/u><\/p>\n<p>(zusammengefasst von Klaus von Orde)<\/p>\n<ul>\n<li>Das \u201ezweite gro\u00dfe neue Heilsereignis\u201c nach dem Auszug aus \u00c4gypten. R\u00fcckkehr ins verhei\u00dfene Land und Wiederaufbau sind ein neues Kapitel der Heilsgeschichte Gottes mit Israel.<\/li>\n<li>In der Religionsgeschichte spricht man seit der R\u00fcckkehr vom Judentum und nicht mehr von Israel. Zum einen, weil nur das S\u00fcdreich (vor allem Juda, Benjamin und im S\u00fcdreich lebende Leviten) aus dem Exil zur\u00fcckkam. Zum anderen, weil sich der Glaube nachhaltig ver\u00e4ndert hat.<\/li>\n<li>F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des neutestamentlichen Judentums sind Esra (und Nehemia) zentral: Die politische Bedeutung der Priesterschaft oder die besondere Auspr\u00e4gung der Gesetzesfr\u00f6mmigkeit lassen sich nur von Esra her richtig bestimmen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Gliederung des Buches Esra:<\/u><\/p>\n<p>(Die Gliederung entspricht dann auch den Predigten)<\/p>\n<p>a) Esra 1-6: Die erste R\u00fcckkehr Israels unter Serubbabel und Jeschua<\/p>\n<ol>\n<li>Esra 1-2: Die erste R\u00fcckkehr und Verzeichnis der R\u00fcckkehrer<\/li>\n<li>Esra 3: Wiederaufnahme der Opfer und Beginn des Tempelbaus<\/li>\n<li>Esra 4-6,13: Der Tempelbau und Widerst\u00e4nde<\/li>\n<li>Esra 6,14-22: Tempeleinweihung und Passahfest<\/li>\n<\/ol>\n<p>b) Esra 7-10: Die zweite R\u00fcckkehr Israels unter Esra und seine Reform<\/p>\n<ol>\n<li>Esra 7: Die R\u00fcckkehr Esras wird mit einem Schutzbrief des K\u00f6nigs erlaubt<\/li>\n<li>Esra 8: Die Ankunft in Jerusalem und der Neuanfang dort<\/li>\n<li>Esra 9-10: Esra spricht die Mischehen-Problematik an und es kommt zur Aufhebung und Reform<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>1.3 Hilfen zum Verst\u00e4ndnis des Predigttextes<\/strong><\/p>\n<p>Hilfen zur Auslegung bieten z.B.<\/p>\n<ul>\n<li>Klaus vom Orde, Die B\u00fccher Esra und Nehemia, Wuppertaler Studienbibel<\/li>\n<li>Antonius H.J. Gunneweg, Esra<\/li>\n<li>G. M. Williamson, Esra. Nehemiah, Word Biblical Commentary<\/li>\n<li>J. Clines, Ezra. Nehemiah. Esther, The New Century Bible Commentary<\/li>\n<li>Charley Fensham, The Books of Ezra and Nehemiah<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>1.4 Anmerkungen zum Verst\u00e4ndnis des Predigttextes<\/strong><\/p>\n<p><strong><u>Kapitel 1:<\/u><\/strong><\/p>\n<p><u>Vers 1: Einleitung (der Vers ist fast identisch mit 2Chr 36,22)<\/u><\/p>\n<p>Wann war das erste Jahr des K\u00f6nigs Kyrus?<\/p>\n<ul>\n<li>Eigentlich w\u00e4re es das Jahr 558 v. Chr. Allerdings geht es hier ganz klar um das erste Jahr des K\u00f6nigs Kyrus nach der Eroberung Babylons, da davor ein Erlass von Kyrus den Israeliten nicht geholfen h\u00e4tte. Somit sind wir im Jahr 538 v. Chr., ein Jahr, nachdem Kyrus das Gro\u00dfreich Babylon besiegte. Esra beginnt hier mit der historischen Einordnung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Welches Wort des Herrn durch Jeremia wird hier erf\u00fcllt?<\/p>\n<ul>\n<li>Als zweites ordnet Esra den Text in die Schrift ein. Auf welchen Vers sich Esra (und genauso 2Chr 36,22) hier beziehen, ist nicht ganz klar. Jer 25,11-12, Jer 27,11 und Jer 29,10 sprechen davon, dass Babylon nach 70 Jahren zerst\u00f6rt wird und Israel wieder heimgef\u00fchrt wird. (70 Jahre k\u00f6nnen sich entweder auf die erste Wegf\u00fchrung bis zur Heimf\u00fchrung beziehen: 605-538 v. Chr, oder auf die Zerst\u00f6rung des Tempels bei der 3. Wegf\u00fchrung und den Wiederaufbau des Tempels: 586-515 v. Chr.) Explizit von Kyrus und dem Auftrag zum Tempel-Wiederaufbau ist allerdings nur in Jesaja die Rede: Jes 44,28 und 45,1, bildlich auch in Jes 41,2.25. Vermutlich hatte Esra beides im Ohr, ihm war aber die Heimf\u00fchrung nach 70 Jahren wichtiger, weshalb er Jeremia anf\u00fchrt. Durch diese Startverse wird ein neuer Hoffnungsklang angestimmt: Gottes Prophezeiungen erf\u00fcllen sich nach scheinbar endloser Zeit.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was hei\u00dft es, dass Gott den Geist von Kyrus erweckt, wie kann er so etwas tun?<\/p>\n<ul>\n<li>Das Wort erwecken kommen auch in Esra 1,5 vor, wo Gott die Israeliten erweckt. Es bedeutet: jemandem aus dem Schlaf erwecken, aufst\u00f6ren\/in Bewegung bringen, erregen, aufstacheln. Gott wirkt, indem er \u201eschl\u00e4frige\u201c Menschen (hier nat\u00fcrlich \u00fcbertragen gemeint) in Bewegung bringt und sie etwas machen l\u00e4sst, um seine Pl\u00e4ne zu erf\u00fcllen. Mit Geist ist parallel zum Herzen in der Bibel hier einfach das Aktionszentrum und der Mensch als Ganzes gemeint: Gott gab ihm die Gedanken und die Entscheidung ins Herz. Es wird deutlich: Gott lenkt die Geschichte und verwendet den K\u00f6nig als sein Werkzeug.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 2-4: Das Kyrusedikt<\/u><\/p>\n<p>Wie sind die Unterschiede zu den Formen des Kyrus-Erlasses in 2Chr 36,23 und Esra ,3-5 zu erkl\u00e4ren?<\/p>\n<ul>\n<li>In 2Chr 36,23 taucht eine Kurzform des Erlasses auf, in dem es nur hei\u00dft: Nach Befehl Gottes l\u00e4sst Kyrus die Israeliten zur\u00fcckziehen, um den Tempel wiederaufzubauen (entspricht inhaltlich Vers 2 und 3a hier in Esra 1). In Esra 6,3-5 (auf aram\u00e4isch \u2013 siehe Einleitung) fehlen hingegen die einleitenden Worte, die klare Beauftragung und Begr\u00fcndung durch Gottes Anweisung und die Finanzierung geschieht durch den K\u00f6nigshof und nicht auf Anordnung durch alle umliegenden Menschen. Daf\u00fcr wird in Esra 6,3-5 ausf\u00fchrlicher geschildert, wie der Tempel gebaut werden soll. Wie sind diese Unterschiede zu erkl\u00e4ren? Die Antworten fallen unterschiedlich aus in den Kommentaren: Es k\u00f6nnte ein gr\u00f6\u00dferes Edikt gewesen sein, aus dem verschiedene Teile zitiert werden. Esra 6,3-5 k\u00f6nnte das urspr\u00fcngliche Edikt sein, weil es auf aram\u00e4isch ist, und die anderen w\u00e4ren dann paraphrasierende \u00dcbersetzungen, die teilweise neue Inhalte aufnehmen. Die zus\u00e4tzliche Gottesbezeichnung als Himmelsgott und die Begr\u00fcndung durch Gott k\u00f6nnte zwar gut als j\u00fcdische Erg\u00e4nzung beim \u00dcbersetzen angesehen werden, allerdings ist die Anordnung der Finanzierung durch umliegende V\u00f6lker in Vers 4 nicht damit zu erkl\u00e4ren \u2013 diese Anordnung muss direkt von Kyrus gekommen sein, sonst w\u00e4ren die Bewohner von Israel dem wohl auf keinen Fall nachgekommen. Meine Tendenz ist deshalb, davon auszugehen, dass es ein l\u00e4ngeres Edikt war, das Kyrus erlassen hat und aus dem verschiedene Teile herausgegriffen werden. Die Formulierungen, die in Esra 1 so klingen, als sei es von Juden verfasst worden, lassen sich auch gut anders erkl\u00e4ren (siehe n\u00e4chste Frage). In Esra 6,4 hei\u00dft es, dass die Kosten vom Haus des K\u00f6nigs getragen werden. In Esra 1,4 hingegen, dass die umliegenden V\u00f6lker beisteuern sollen. Auch das ist am besten erg\u00e4nzend zu sehen: Kyrus lie\u00df einen Teil der Kosten \u00fcbernehmen auf seine Kosten, einen anderen Teil sollten die umliegenden V\u00f6lker beisteuern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>War Kyrus gl\u00e4ubig, wenn er sich als Werkzeug Gottes sieht und ihn Himmelsgott nennt?<\/p>\n<ul>\n<li>Kyrus selbst sieht sich als Werkzeug Gottes und begr\u00fcndet das Edikt mit einer Beauftragung durch Gott. Das wirft die Frage auf: Wie hat Gott zu ihm geredet, war Kyrus gl\u00e4ubig? Zuerst ist festzustellen: So eine Begr\u00fcndung war zur damaligen Zeit nicht un\u00fcblich. Kyrus schrieb oft anderen G\u00f6ttern eine gewisse Macht zu \u2013 so wird beispielsweise die Macht\u00fcbernahme Babylons von Kyrus als ein Werk des Gottes Marduk der Babylonier beschrieben (vom Orde, 39). Also es war nicht un\u00fcblich, einen Sieg \u00fcber ein Volk oder eine Beauftragung eines Volkes dem Gott dieses anderen Volkes zuzuschreiben. Au\u00dferdem gibt es mehrere Beispielschriften aus der Umwelt, die zeigen, dass es damals \u00fcblich war, Petitionen\/Anfragen an den K\u00f6nig zu stellen (Williamson, 15). M\u00f6glicherweise hattes es auch von den Juden offizielle Anfragen gegeben, ob man wieder zur\u00fcckreisen d\u00fcrfte \u2013 und wenn Kyrus an diese Anfragen ankn\u00fcpft, k\u00f6nnte das auch die Bezeichnung Himmelsgott erkl\u00e4ren. Es bleibt nat\u00fcrlich etwas spekulativ, wie genau Gott Kyrus als Werkzeug gebraucht hat und zu ihm gesprochen hat, aber die Texte aus der Umwelt zeigen, dass solche Formulierungen \u00fcblich waren und nicht hei\u00dfen, dass Kyrus gl\u00e4ubig war oder nur den Gott Israels als Gott ansah.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Bezeichnung als Himmelsgott taucht in Esra und Nehemia h\u00e4ufig auf (Esr 5,11; 6,9; 7,12.21.23; Neh 1,4f; 2.4.20) und ist wohl eine gel\u00e4ufige Bezeichnung Gottes gerade im Exil und von anderen V\u00f6lkern gewesen. W\u00e4hrend andere V\u00f6lker anhand ihrer Standbilder zeigen konnten: Das ist unser Gott, hatte Israel keine solche Standbilder und das k\u00f6nnte die Bezeichnung als Himmelsgott erkl\u00e4ren. Dass Kyrus damit dem israelitischen Gott einen Vorrang vor allen anderen G\u00f6ttern einr\u00e4umt, scheint mir der Text nicht herzugeben.<\/p>\n<p>Wer geh\u00f6rt zu seinem Volk, wer zog alles hinauf?<\/p>\n<ul>\n<li>Kyrus sagt: Jeder von euch, der zu seinem Volk geh\u00f6rt \u2013 wer ist damit alles gemeint? Die Geschichte des gesamten Nordreiches hatte sich mittlerweile verloren. Nachdem diese 722 v. Chr. von Assyrien besiegt wurde, wurden sie zum gro\u00dfen Teil deportiert oder mit anderen V\u00f6lkern vermischt. Somit geht es hier nur noch um die Israeliten des urspr\u00fcnglichen S\u00fcdreichs Juda, also die Leute aus dem Stamm Juda, aus dem kleineren Stamm Israeliten und die Leviten, die im S\u00fcdreich gewohnt haben (Esra 1,5).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer wohnte in Israel noch und warum sollen sie den Israeliten helfen?<\/p>\n<ul>\n<li>Zum einen war die Unterschicht im Land zur\u00fcckgeblieben, als sie von Babylon besiegt worden sind. Nur die Oberschicht, geschickte Handwerker, Bauarbeiter und Kriegsleute wurden weggef\u00fchrt (2K\u00f6n 24,10-16). Zum anderen hatte es in Israel Fremdbesiedelungsma\u00dfnahmen gegeben, dass andere V\u00f6lker dort angesiedelt wurden. In Esra 4,2 lesen wir von den Menschen aus anderen V\u00f6lkern, die angesiedelt worden sind unter Asarhaddon (680-669 v. Chr.), allerdings war das noch unter assyrischer Herrschaft, bevor das S\u00fcdreich eingenommen wurde.<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00c4hnlich wie beim Auszug aus \u00c4gypten von den Nachbarn materielle Unterst\u00fctzung mitgegeben werden \u201emusste\u201c, werden hier die dort wohnenden Nachbarn aufgefordert, den Israeliten beim Tempelaufbau zu helfen. M\u00f6glich ist, dass es sich vor allem auf die zur\u00fcckgebliebenen Israeliten bezieht, m\u00f6glicherweise sind aber auch ausl\u00e4ndische Nachbarn gemeint, die sich teilweise auch vermischt hatten. Nicht ganz klar ist die Umsetzung: Vermutlich war es kein Zwang, dass es abgegeben werden musste, sondern es wurde dazu aufgerufen, die R\u00fcckkehrer zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Wer sind die \u00dcbriggebliebenen?<\/p>\n<ul>\n<li>Die \u00dcbriggeblieben oder auch der Heilige Rest wird in der Bibel immer wieder f\u00fcr die verwendet, die noch an ihn glauben, die ihm treu geblieben sind und die durchstanden haben (z.B. Jer 23,3). Hier wird es f\u00fcr alle verwendet, die das Schwert und das Exil \u00fcberstanden haben und die immer noch dem Herrn treu sind und Israel wieder aufbauen wollen. Sie verstanden sich mittlerweile als die \u00dcbriggebliebenen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 5-6: Die Umsetzung des Edikts: R\u00fcckkehr und Unterst\u00fctzung durch die Nachbarn<\/u><\/p>\n<p>Warum musste Gott den Geist derer erwecken, die zur\u00fcck nach Israel gingen?<\/p>\n<ul>\n<li>Interessant ist, dass Gott den Geist der R\u00fcckkehrer auch erwecken mussten. Anscheinend hatten sich viele der Israeliten in Babylon niedergelassen, die meisten hatten sich wohl gef\u00fchlt und wollten nicht mehr zur\u00fcck. Gott hat sie erweckt, motiviert und es ihnen aufs Herz gelegt, dass doch einige zur\u00fcckgekehrt sind, um den Tempel aufzubauen (das musste Gott immer wieder tun \u2013 auch beim Tempelaufbau Hag 1,14). Anscheinend sind zuerst viele der Familienoberh\u00e4upter losgezogen, m\u00f6glicherweise kamen Familien teilweise erst sp\u00e4ter nach. Der Grund f\u00fcr den R\u00fcckgang war explizit der, den Tempel aufzubauen. Das ist interessant, da es ja noch fast 25 Jahre dauerte, bis nach dem Auftreten von Haggai und Sacharja der Tempel dann wirklich fertig aufgebaut wurde. Ganz klar ist: Dieser R\u00fcckf\u00fchrung spielt eine gro\u00dfe Rolle f\u00fcr Israel, es ist wie ein neuer, besserer Exodus \u2013 mit Unterst\u00fctzung des K\u00f6nigs.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wurden die V\u00f6lker teilweise zur Abgabe gezwungen oder was ist mit der Formulierung gemeint?<\/p>\n<ul>\n<li>Deutlich wird hier: Auch die Aufforderung zur Hilfe durch die neuen Nachbarn wurde umgesetzt. Die Formulierung: \u201ealle, die um sie her wohnten\u201c spricht daf\u00fcr, dass es nicht nur zur\u00fcckgebliebene Juden waren, die mithalfen, sondern teilweise wirklich auch Leute von anderen V\u00f6lkern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die zweite H\u00e4lfte des Satzes wirft eine Frage auf: \u201eabgesehen von allen freiwilligen Gaben.\u201c Hei\u00dft das, dass die Nachbarn zu dieser Hilfe gezwungen wurden, dass aber andere freiwillig geschehen sind? Der Kontext legt das nicht da, da sowohl der erste Teil des Verses als auch die Aufforderung in Vers 4 nicht nach einem Zwang, sondern nach einem Aufruf nach Hilfe klingt. Deshalb ist der Vers besser so zu verstehen: \u201eSie griffen ihnen mit [\u2026] unter die Arme, abgesehen von den freiwilligen Gaben f\u00fcr den Tempel.\u201c (So auch Klaus vom Orde, Williamson.) Zus\u00e4tzlich zu den freiwilligen Gaben f\u00fcr den Tempel gab es noch die Geschenke und die Hilfe direkt an die Zur\u00fcckgekommenen.<\/p>\n<p><u>Vers 7-11: Die Umsetzung des Edikts: Die R\u00fcckf\u00fchrung der Tempelger\u00e4te<\/u><\/p>\n<p>Wie lief die R\u00fcckf\u00fchrung der Tempelger\u00e4te?<\/p>\n<ul>\n<li>Die Tempelger\u00e4te waren von Nebukadnezar mitgenommen worden. Das Ganze lie\u00df er \u00fcber seinen Schatzmeister Mitredat regeln. Vermutlich hat dieser die Sch\u00e4tze aufgef\u00fchrt und gez\u00e4hlt und sie dann Scheschbazar gegeben \u2013 gemeinsam erstellten sie die genaue Liste, damit ja nichts vergessen wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer ist Scheschbazar, der F\u00fcrst Judas?<\/p>\n<ul>\n<li>Eine nicht ganz leicht zu beantwortende Frage ist: Wer ist dieser Scheschbazar, der F\u00fcrst von Juda, von dem hier die Rede ist? Die R\u00fcckf\u00fchrung geschah unter Serubbabel und Jeschua (siehe Kapitel 2), auch beim Aufbau wird Scheschbazar fast nicht erw\u00e4hnt. Von Scheschbazar ist hier in 1,8.11 die Rede, wo er f\u00fcr die \u00dcbergabe der Ger\u00e4te zust\u00e4ndig war. Au\u00dferdem wird er in 5,14.16, wo es hei\u00dft, dass er als Verwalter eingesetzt wurde vom K\u00f6nig und dass er den Grundstein f\u00fcr den Tempel legte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In Kommentaren werden verschiedene L\u00f6sungen vorgeschlagen: 1. Scheschbazar ist die gleiche Person wie Serubbabel, nur ein anderer Name. 2. Scheschbazar ist die gleiche Person wie Schenazzar (1Chr 3,18), der ein Onkel Serubbabels war. 3. Scheschbazar war wirklich eine eigenst\u00e4ndige Person. Bei dritter Erkl\u00e4rung gibt es wiederum verschiedene Theorien, teilweise wird von zwei Gruppen bei der R\u00fcckf\u00fchrung ausgegangen, eine unter Scheschbazar, eine unter Jeschua und Serubbabel. Teilweise wird Scheschbazar zwar der gleichen Gruppe wie Serubbabel zugeordnet, aber mit einer anderen Funktion \u2013 er war eingesetzter Kommissar vom K\u00f6nig Kyrus f\u00fcr die R\u00fcckgabe und R\u00fcckf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Erstere L\u00f6sung klingt auf den ersten Blick einleuchtend: Beide werden Verwalter genannt (Serubbabel in Hag 1,1), beide waren am Aufbau des Tempels beteiligt, beide hatten irgendwie eine F\u00fchrungsrolle bei der R\u00fcckf\u00fchrung unter Kyrus. Au\u00dferdem waren verschiedene Namen damals nicht un\u00fcblich \u2013 wie beispielsweise Daniel, der in Babylonien zu Beltschazar wurde. Allerdings sprechen doch gewichtige und meiner Meinung nach \u00fcberzeugende Argumente gegen diese L\u00f6sung: Zum einen sind sowohl Serubbael als auch Scheschbazar ganz klar babylonische Namen, also ein zweiter j\u00fcdischer Name ist keine Erkl\u00e4rung. Scheschbazar wird nirgends der K\u00f6nigsfamilie zugeordnet wie Serubbabel. Und es leuchtet einfach nicht ein, weshalb Esra zwischen den Namen hin- und her wechseln sollte, wenn es genau die gleiche Person ist. Gerade in Esra 5 scheint der Text von zwei Personen auszugehen \u2013 Serubbabel, der am Anfang erw\u00e4hnt wird, zu dem Tattenai kommt, und dann von dem unbekannten Scheschbazar, nach dem Tattenai fragt.<\/p>\n<p>Zweitere L\u00f6sung ist mittlerweile in den meisten Kommentaren abgelehnt: Scheschbazar und Schenazzar leiten sich von zwei unterschiedlichen babylonischen W\u00f6rtern ab. Auch wenn sie auf den ersten Blick \u00e4hnlich klingen, sind es einfach zwei verschiedene Namen (vgl. Williamson, 5) und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es die gleiche Person ist.<\/p>\n<p>Deshalb tendiere ich zu dritter Option: Es sind zwei verschiedene Personen mit unterschiedlichen Befugnissen. M\u00f6glicherweise sind sie wirklich mit zwei unterschiedlichen Gruppen nach Jerusalem gekommen \u2013 es ist davon auszugehen, dass nicht alle auf einmal gemeinsam dorthin reisten. Aber vor allem scheinen es mir zwei Personen zu sein, die verschiedene Aufgaben hatten. Scheschbazar war f\u00fcr die Tempelger\u00e4te zust\u00e4ndig, war wohl eine gewisse Zeit lang von Kyrus als Verwalter eingesetzt und wurde in dem Zusammenhang F\u00fcrst Judas genannt und hat bei der Grundlegung des Tempels mit angefangen. Serubbabel hingegen hat beim Tempelbau eine gr\u00f6\u00dfere Rolle gespielt, mit ihm ist vermutlich eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe zur\u00fcckgezogen, weil er als einer der Chefs der R\u00fcckf\u00fchrung in Esr 2,2 genannt wird (Scheschbazar nicht), au\u00dferdem war Serubbabel ganz eindeutig aus der k\u00f6niglichen Linie.<\/p>\n<p>Von welchen Ger\u00e4ten ist hier die Rede? Was meint in Vers 10 von der zweiten Art?<\/p>\n<ul>\n<li>Mehrere W\u00f6rter in der Liste sind unsicher, sowohl das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr \u201eBecken\u201c und f\u00fcr \u201eMesser\u201c als auch die Formulierung \u201evon zweiter Art\/Wahl\u201c findet sich sonst nicht in der Bibel. Gut m\u00f6glich ist, dass die Liste auf Aram\u00e4isch gemacht wurde bei der \u00dcbergabe der Ger\u00e4te, sodass bei der \u00dcbersetzung manche ungew\u00f6hnlichen W\u00f6rter beibehalten wurden. Deutlich ist nur, es wurden einige verschiedene Ger\u00e4te zur\u00fcckgebracht \u2013 andere wichtige aus der Zeit vor dem Exil fehlten aber sicher.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Warum ist die Summe der Ger\u00e4te deutlich h\u00f6her als die Zahlen davor zusammen?<\/p>\n<ul>\n<li>Es f\u00e4llt auf, dass die Summe in Vers 11 von 5400 deutlich h\u00f6her ist als die Summe der Zahlen in den Versen 9-10. Da sie so weit auseinanderliegen, muss man davon ausgehen, dass nur ein Teil der Liste \u00fcbersetzt\/zitiert wurde, aber die komplette Summe genannt wird. Warum das der Fall ist, bleibt spekulativ und unklar.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong><u>Kapitel 2:<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Warum gibt es die Liste von Esra 2 in Nehemia 7 noch einmal?<\/p>\n<ul>\n<li>Bei dieser Frage muss man ber\u00fccksichtigen, dass Esra-Nehemia urspr\u00fcnglich ein Buch war (siehe Einleitung), weshalb die Frage aufkommt: Warum taucht die fast identische Liste zweimal im Buch auf? Vermutlich hat es einen literarischen Wert: Zum einen zu Beginn, direkt nach der R\u00fcckf\u00fchrung wird die Liste der R\u00fcckf\u00fchrer genannt. Ein zweites Mal wird sie dann am Ende der Sicherung der Stadt (Neh 7,1-4) aufgef\u00fchrt, sozusagen als endg\u00fcltige Konstituierung der wahren Gemeinde, derer, die von Israel abstimmen. Nehemia verweist auch darauf, dass er die Liste, die bei der ersten R\u00fcckkehr erstellt wurde, gefunden hat und sich darauf bezieht (Neh 7,5).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie sind die Unterschiede der Listen in Esra 2 und Nehemia 7 zu erkl\u00e4ren?<\/p>\n<ul>\n<li>Da Nehemia sich explizit auf die erste Liste bezieht, verwundern die vielen Unterschiede, die in beiden Listen auftauchen. Eine ausf\u00fchrliche und gute Darstellung der Unterschiede findet sich auf:<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bibelkommentare.de\/index.php?page=qa&amp;answer_id=635\">https:\/\/www.bibelkommentare.de\/index.php?page=qa&amp;answer_id=635<\/a> (27.11.2020 abgerufen)<\/p>\n<p>19 Mal unterscheiden sich die angef\u00fchrten Zahlen, fast in der H\u00e4lfte der F\u00e4lle. Au\u00dferdem sind die Orts- und Familiennamen teilweise nicht identisch. An einzelnen Stellen ist die Zahl auch in Esra 2 textkritisch unsicher, beispielsweise in Vers 12, wo es mehrere Textvarianten gibt mit verschiedenen Zahlen (1222, 2322,1322, 2622, 3322).<\/p>\n<p>Zwei Erkl\u00e4rungsversuche gibt es f\u00fcr die Unterschiede:<\/p>\n<ol>\n<li>Nehemia hat die Liste ja erst 100 Jahre sp\u00e4ter geschrieben \u2013 er k\u00f6nnte m\u00f6glicherweise bei einigen Familien Kenntnisse gehabt haben, dass sp\u00e4ter noch mehr von der Sippe nachgezogen sind und deswegen die Zahlen erh\u00f6ht haben. Allerdings passt dazu nicht, dass auch 6 Mal Nehemia eine kleinere Zahl notiert als Esra. M\u00f6glicherweise hat er dort manche abgezogen, die fr\u00fch oder unterwegs verstorben sind? Gegen diese Theorie spricht aber, dass es oft eine Differenz einer runden Zahl ist, beispielweise 300, 100, 1100, 10 \u2013 und warum h\u00e4ufig genau ganz gerade Zahlen dazu gekommen sein sollen, ist nicht erkl\u00e4rlich.<\/li>\n<li>Es k\u00f6nnten Abschreibfehler sein, die sich in den Jahrhunderten der \u00dcberlieferung eingeschlichen haben. Gerade die Zahlen, bei denen es im Tausender oder Hunderter einen Dreher gibt, lie\u00dfen sich dadurch gut erkl\u00e4ren. Gegen diese Theorie spricht aber gerade die H\u00e4ufigkeit der Unterschiede \u2013 einzelne Abschreibfehler lie\u00dfen sich gut erkl\u00e4ren, so viele innerhalb eines Textes, den doch auch Abschreiber gut vergleichen konnten, leuchten hingegen nicht ein.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Man muss wohl festhalten, dass der Ursprung der Unterschiede nicht ganz gekl\u00e4rt werden kann nach heutigem Erkenntnisstand. Am wahrscheinlichsten scheint mir eine Mischung aus beiden Theorien: Nehemia hat manche Zahlen ver\u00e4ndert aufgrund seines Wissens, dazu kamen einige Abschreibfehler beim \u00dcberliefern.<\/p>\n<p>Wie ist die Liste gegliedert und aufgebaut?<\/p>\n<ul>\n<li>Es findet sich eine ziemlich klare Struktur in der Auflistung der Heimkehrer: Es geht um die Identifikation, wer alles zu Israel geh\u00f6rt \u2013 aufgrund des Familiennamens oder urspr\u00fcnglichen Ortes \u2013 und von wem die Abstammung nicht gesichert ist.<\/li>\n<\/ul>\n<ol>\n<li>In Vers 2 werden die 12 Anf\u00fchrer genannt, unter denen ein gro\u00dfer Teil der Leute vermutlich nach Israel kam.<\/li>\n<li>Von Vers 3-35 werden die Laien aufgez\u00e4hlt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>2.1 In Vers 3-19 werden die Sippennamen von Personen genannt, vermutlich bekannte Namen noch aus vorexilischer Zeit.<\/p>\n<p>2.2 In Vers 20-28 werden Personengruppen nach bekannten Ortsnamen aufgez\u00e4hlt.<\/p>\n<p>2.3 In Vers 29-35 ist bei einigen Worten nicht ganz klar, ob es Ortsnamen oder Familiennamen sind \u2013 es scheint aber beides vorzukommen.<\/p>\n<p>3. Von Vers 36-42 werden alle Priester und Leviten aufgez\u00e4hlt. S\u00e4nger und Torw\u00e4chter werden gesondert angef\u00fchrt.<\/p>\n<p>4. Von Vers 43-58 werden alle Knechte und Sklaven aufgef\u00fchrt, die aber mittlerweile ein gewisses Recht hatte, zu Israel dazu zu geh\u00f6ren<\/p>\n<p>4.1 In Vers 43-54 geht es um Gegebene, Knechte, die zum Dienst am Tempel von anderen V\u00f6lkern geschenkt wurden.<\/p>\n<p>4.2 In Vers 55-58 geht es speziell um Knechte, die auf Salomo zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p>5. Von Vers 59-63 geht es um Vertreter von Sippen, auch Priestern, die ihren israelitischen Ursprung nicht nachweisen konnten.<\/p>\n<p>6. Von Vers 64-65 wir die Zusammenfassung der Personen gemacht.<\/p>\n<p>7. Von Vers 66-67 wird das bewegliche Habe aufgez\u00e4hlt.<\/p>\n<p>8. Von Vers 68-69 noch eine Spendenliste.<\/p>\n<p>Von wann ist diese Liste?<\/p>\n<ul>\n<li>Es f\u00e4llt auf, dass eine Datierung fehlt, wann die Liste erstellt wurde, wie es sonst h\u00e4ufig zu Beginn von Listen gemacht wurde. Dies k\u00f6nnte daran liegen, dass nicht alle direkt auf einmal nach Israel gezogen sind. Gut vorstellbar ist, dass teilweise Familien erst nachgezogen sind, manche sp\u00e4ter erst dorthin gereist sind und die Liste eine gewisse Zeitspanne von Heimkehrern umschlie\u00dft.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 1: Einleitender Vers<\/u><\/p>\n<p>Von welcher Provinz ist in Vers 1 die Rede?<\/p>\n<ul>\n<li>In einigen deutschen \u00dcbersetzungen ist von der Provinz Juda die Rede. Im Text hei\u00dft es aber eigentlich nur: \u201eEinwohner der Provinz\u201c, weshalb Juda in manchen \u00dcbersetzungen kursiv gedruckt ist. Aus Neh 11,3 erg\u00e4nzen manche einfach Juda als Provinz. Es gibt eine gute Erkl\u00e4rung f\u00fcr das Fehlen des Namens der Provinz. Die Provinz Juda als eigenst\u00e4ndige Provinz mit Statthalter gab es vermutlich zur damaligen Zeit noch nicht, sondern entstand erst unter Nehemia. Somit geh\u00f6rten die R\u00fcckkehrer zur gr\u00f6\u00dferen Provinz Samaria \u2013 zu denen sie aber eigentlich nicht geh\u00f6ren wollten (vgl. auch die ganzen Streitigkeiten in Esra und Nehemia mit den umliegenden Gruppen). Deshalb durfte man vermutlich den Namen Provinz Juda noch nicht benutzen, wollte aber den Namen Provinz Samaria nicht benutzen \u2013 somit wurde nur von der Provinz gesprochen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 2: Das Leitungsgremium <\/u><\/p>\n<p>Wie viele Personen waren im Leitungsgremium der Heimkehrer?<\/p>\n<ul>\n<li>Auf den ersten Blick scheint die Antwort eindeutig: 11 Personen werden hier genannt. Aber der Vergleich mit Nehemia und 3Esra zeigt: In beiden anderen Listen werden 12 Personen genannt, zus\u00e4tzlich noch einer namens Nahamani. M\u00f6glich w\u00e4re, dass der zw\u00f6lfte Name in Esra von Abschreibern irgendwann vergessen wurde, weil der Name sehr \u00e4hnlich zu der anderen Person Nehemja klingt. Ganz sicher ist das nicht, aber da die 12-er-Zahl insgesamt besser ins Bild passt, tendiere ich dazu, dass ich von 12 Leitern bei der R\u00fcckkehr ausgehe und hier in der Liste der heutigen Bibel einer fehlt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer waren Serubbabel und Jeschua, die beiden Leiter der Truppe?<\/p>\n<ul>\n<li>An erster Stelle werden Serubbabel und Jeschua genannt, die auch danach noch \u00f6fters im Buch auftauchen. Sie sind die beiden, die die k\u00f6nigliche und priesterliche Linie fortf\u00fchren. Das passt auch zu Sacharja 4, wo von den beiden \u00d6lb\u00e4umen, den beiden Gesalbten die Rede ist \u2013 und auch ausdr\u00fccklich Serubbabel erw\u00e4hnt wird. Es war den Israeliten sehr wichtig, dass diese beiden Linien getreu fortgef\u00fchrt werden, um am Ende den Messias zu erkennen, der aus dieser Linie kommen muss.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer war Serubbabel? Serubbabel war wohl der politische Anf\u00fchrer. An mehreren Stellen in Esra wird er Sohn Schealtiels genannt (z.B. Esr 3,2), in 1Chr 3,17-19 hingegen Sohn Pedajas, der ein Bruder Schealtiels war. Am besten ist dieser Unterschied durch die Leviratsrehe zu erkl\u00e4ren: Vielleicht ist Schealtiel fr\u00fch gestorben, Pedaja hat seine Frau geheiratet und Kinder geboren, die dann aber Schealtiel zugerechnet wurden. Ganz klar wird in den genannten Listen aber: Serubbabel war ein Enkel des vorletzten K\u00f6nigs aus der davidischen Dynastie (vgl. 1Chr 3). Rechtm\u00e4\u00dfiger Vertreter, politisch verantwortlich f\u00fcr den ersten Abschnitt des Aufbaus.<\/p>\n<p>Wer war Jeschua? Jeschua oder auch Josua war der direkte Sohn des Hohepriesters, der zur Zeit der Wegf\u00fchrung nach Babel Hohepriester war \u2013 Jozadak (Esra 3,2; 1Chronik 5,41). Damit war er legitimer Hohepriester aus der priesterlichen Linie.<\/p>\n<p><u>Vers 3-35: Liste der heimgekehrten Laien<\/u><\/p>\n<p><u>Vers 36-42: Liste der heimgekehrten Priester, Leviten und am Tempel Arbeitenden<\/u><\/p>\n<p>Sind die heimgekehrten Priesterfamilien in Vers 36-39 bekannt?<\/p>\n<ul>\n<li>Unter David wurden die Priesterfamilien festgelegt und eingeteilt. Auch dort finden wir Jedaja, Immer und Harim (1Chr 24,7-13). Jeschua war wohl eine Seitenlinie vom Hause Jedajas, so wie es hier auch bezeichnet wird. Paschhur war auch ein Nachkomme Jedajas und vermutlich ebenso eine Seitenlinie von ihm (1Chr 9,12).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Warum sind es so wenige Leviten?<\/p>\n<ul>\n<li>Zuerst muss die Frage gekl\u00e4rt werden: Wer waren die Leviten? Zum Stamm Levi geh\u00f6rten nat\u00fcrlich genauso die Priester, ebenso die Tempels\u00e4nger und Torh\u00fcter. Leviten wurden vermutlich diejenigen genannt, die keine der speziellen Aufgaben als Priester im Tempel, als Tempels\u00e4nger oder Torh\u00fcter hatten. Die Leviten waren eher f\u00fcr die Reinigung, den \u00e4u\u00dferen Dienst um den Tempel herum zust\u00e4ndig. Ganz klar ist ihre Aufgabe nicht, aber vermutlich hatten sie alle anderen allgemeinen Aufgaben am Tempel, die nicht speziell den Untergruppen zufielen. W\u00e4hrend \u00fcber 4000 Priester dabei waren, gab es nur 74 Leviten. Das erkl\u00e4rt auch das Fehlen der Leviten sp\u00e4ter unter Esra (Esra 8,15-19).<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 43-58: Liste der heimgekehrten Sklaven<\/u><\/p>\n<p>Wer waren die Tempelsklaven?<\/p>\n<ul>\n<li>Die Tempelsklaven waren vermutlich Sklaven aus anderen V\u00f6lkern, Geschenkte oder Kriegsgefangene, die zu niedrigen Arbeiten wie Holz holen oder Wasser tragen am Tempel verwendet wurden. In Esra 8,20 ist auch von diesen Tempelsklaven die Rede. Es f\u00e4llt bei den Namen auf, dass es gro\u00dfteils ausl\u00e4ndische Namen sind, teilweise syrischen, \u00e4gyptischen, edomitischen oder ugaritischen Ursprungs. Das best\u00e4tigt die These, dass es Arbeiter\/Sklaven von anderen V\u00f6lkern waren \u00e4hnlich wie schon die Gibeoniter unter Josua (Jos 9).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer waren die Knechte Salomos?<\/p>\n<ul>\n<li>Vermutlich ist hier von Nachkommen der V\u00f6lker die Rede, die unter Salomo fronpflichtig wurden (1K\u00f6n 9,20f), Sklaven und Arbeiter, die nicht am Tempel, sonst allgemein im Volk eingesetzt wurden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 59-63: Liste der heimgekehrten Problemf\u00e4lle mit ungekl\u00e4rter Herkunft<\/u><\/p>\n<p>Warum war die Herkunft der Heimkehrer so wichtig?<\/p>\n<ul>\n<li>In Vers 59-63 werden diejenigen aufgef\u00fchrt, bei denen nicht gekl\u00e4rt werden konnte, ob ihr Name israelitischen Ursprungs ist. Deshalb wurde stattdessen ihr Familiennamen und der Wohnort im persischen Reich angegeben. Besonders bei den Priestern war die Herkunft wichtig: Gott hatte nur einem Volk (f\u00fcr Hohepriester nochmal eine spezielle Sippe) diese Aufgabe gegeben und man wollte sich sicher sein, hier keinen Fehler zu machen. Auch sonst war die Reinhaltung wichtig, um sich nicht mit anderen Religionen zu vermischen (was sp\u00e4ter bei Esra und Nehemia noch eine Rolle spielt). Es gab zwar die M\u00f6glichkeit, Israel beizutreten und diesen Gott anzunehmen. Andere V\u00f6lker aber hatten meist andere G\u00f6tzen und Kulturen, deswegen wollten man auf jeden Fall eine Vermischung vermeiden. Manche der hier aufgef\u00fchrten Familiennamen findet sich durchaus auch schon fr\u00fcher im AT, teilweise auch in Priesterlisten. Scheinbar war aber trotz des bekannten Familiennamens nicht klar, ob das ihre Abstammung ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer ist der Tirschata in Vers 63?<\/p>\n<ul>\n<li>In Neh 8,9 und 10,2 wird Nehemia als Tirschata bezeichnet. Vermutlich ist es eine Bezeichnung f\u00fcr Statthalter oder eine Art W\u00fcrdetitel wie Exzellenz. Wahrscheinlich war der Tirschata hier Serubbabel als politischer W\u00fcrdentr\u00e4ger.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was sind die Urim und Thummim und warum konnten sie nicht geworfen werden?<\/p>\n<ul>\n<li>Der Tirschata legte fest, dass diese Familien vom Priesterdienst ausgeschlossen werden sollten, bis man einen Priester f\u00fcr die Urim und Thummim zur Verf\u00fcgung habe. Die Urim und Thummim waren Lossteine, mit denen eine Antwort Gottes erfragt werden konnte (2Mos 28,30; 3Mos 8,8; 4Mos 27,21; 1Sam 14,41; 1Sam28,6). \u00dcber diese Steine sollte also erfragt werden, ob die Familien wirklich aus Israel stammten. Warum war das noch nicht m\u00f6glich \u2013 einen Priester gab es doch eigentlich mit Jeschua? Vermutlich konnten die Urim und Thummim nur benutzt werden von einem amtierenden Hohepriester. Dazu musste der Tempel erst aufgebaut werden, die Priesterkleidung hergestellt werden, in deren Brusttasche sich normalerweise die Urim und Thummim befanden und dann erst h\u00e4tten sie verwendet werden k\u00f6nnen. Ob es irgendwann dazu kam, bleibt hier unklar.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 64-65: Gesamtsumme der Personen<\/u><\/p>\n<p>Warum passt die Gesamtsumme nicht zu den vorher genannten Zahlen?<\/p>\n<ul>\n<li>Wenn man die vorherigen Verse zusammenz\u00e4hlt, kommt man auf 29818. Als Gesamtsumme wird hier nun aber 42360 angegeben. Interessant ist, dass diese Gesamtsumme sowohl in Esra 2, als auch in Neh 7 und 3Esr identisch ist \u2013 auch wenn die einzelnen Zahlen davor teilweise variieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Letztlich ist es spekulativ, aber es gibt verschiedene Erkl\u00e4rungsversuche: Vielleicht wurden bei der Einzelaufz\u00e4hlung nur Erwachsene \u00fcber 12 gez\u00e4hlt und die unter 12-j\u00e4hrigen nur bei der Gesamtsumme mitgez\u00e4hlt. Vielleicht wurde das einfache Volk, das in Israel geblieben war, bei der Gesamtsumme mitgez\u00e4hlt, aber unter den Heimkehrern nat\u00fcrlich nicht. Vielleicht wurden auch die Frauen teilweise nicht mitgez\u00e4hlt bei den oberen Zahlen, weil ihre M\u00e4nner zuerst vorzogen nach Israel und die Frauen und Kinder sp\u00e4ter erst nachholten. Eine Entscheidung kann man hier meiner Meinung nach nicht treffen, es gibt mehrere m\u00f6gliche Erkl\u00e4rungen. Jeder der genannten Erkl\u00e4rungen hat auch einen Haken: Eigentlich hat doch die Liste davor gerade den Grund, die Gesamtsumme der Bev\u00f6lkerung festzustellen. Wie entstand also diese Summe, gab es noch eine zweite Z\u00e4hlung, eine weitere Liste, die nicht aufgef\u00fchrt wird?<\/p>\n<p>Warum werden die Sklaven hier bei der Gesamtsumme ausgenommen, w\u00e4hrend sie doch davor mitgez\u00e4hlt wurden?<\/p>\n<ul>\n<li>Sklaven und Sklavinnen sowie S\u00e4nger und S\u00e4ngerinnen (nur solche, die Sklaven waren) z\u00e4hlten nicht zur Gemeinde. Vermutlich gab es unterschiedliche Anerkennungsstufen bei Sklaven. Die in den Versen davor aufgez\u00e4hlten geh\u00f6rten mittlerweile irgendwie zur Gemeinde und zu Israel dazu, weil sie lange genug dabei waren. Die nun aufgef\u00fchrten hingegen hatten noch keine Anerkennung als Israeliten und wurden deswegen bei der Gesamtz\u00e4hlung der Gemeinde nicht mitgez\u00e4hlt.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 66-67: Das mitgebrachte bewegliche Habe<\/u><\/p>\n<p>Warum wurde kein Kleinvieh wie Ziegen oder Schafe mitgebracht?<\/p>\n<ul>\n<li>Die lange Reise zur\u00fcck nach Jerusalem erkl\u00e4rt gut, warum nur wenig Kleinvieh, sondern vor allem Reittiere mitgebracht wurden, damit man auf dem Reitvieh schnell zur\u00fcck nach Israel kam.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 68-70: Die freiwillige Spende f\u00fcr das Haus Gottes<\/u><\/p>\n<p>Wer gab die freiwilligen Spenden?<\/p>\n<ul>\n<li>Einige Familienh\u00e4upter spendeten freiwillig, damit das Haus Gottes aufgebaut werden konnte \u2013 zus\u00e4tzlich zu der Unterst\u00fctzung durch den K\u00f6nig und durch die dort wohnenden Nachbarn. In Neh 7,69 in der parallelen Liste wird zus\u00e4tzlich erw\u00e4hnt, dass der Tirschata spendet, was sich vermutlich dort auf Nehemia bezieht, der eine Sonderspende machte und sich dort erg\u00e4nzte.<\/li>\n<\/ul>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Verstehen, worum es geht<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Hier geht es darum, die Auslegung aus Punkt 1 nun angemessen auf den heutigen H\u00f6rer zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p><strong>2.1 Hinweise f\u00fcr hermeneutische \u00dcberlegungen (Auslegung)<\/strong><\/p>\n<p>Wir befinden uns in Esra in der Zeit des Alten Bundes, der mit Israel geschlossen wurde in einer ganz speziellen Zeit, der R\u00fcckf\u00fchrung aus dem Exil. Hier ist die Bedeutung f\u00fcr den damaligen Israeliten und den Leser des Werkes zu beachten, f\u00fcr den die R\u00fcckf\u00fchrung wie ein zweiter Exodus, ein neues gro\u00dfes Heilsereignis dargestellt wird. F\u00fcr den heutigen H\u00f6rer sind die Hintergr\u00fcnde und die Besonderheit dieses Ereignis erst herauszuarbeiten. Das Heilsereignis der R\u00fcckkehr aus dem Exil ist aber ein Vorausbild auf das Heilsereignis im Neuen Testament, wo Gott durch Jesus alle Menschen aus dem Exil der Welt zur\u00fcckruft zu sich. Allerdings ist diese \u00dcbertragung zu machen, im Neuen Testament findet sich kein Aufruf an alle Christen, zum irdischen Israel zu pilgern oder zu ziehen.<\/p>\n<p>Die genaue Aufz\u00e4hlung der Tempelger\u00e4te und die Liste der Heimgekehrten zur Analyse der Abstammung sind f\u00fcr den heutigen H\u00f6rer nicht mehr direkt relevant. Es gilt zu zeigen, warum das f\u00fcr den Verlauf der Geschichte elementar war.<\/p>\n<p><strong>2.2 Hinweise f\u00fcr situative \u00dcberlegungen (Predigtanlass)<\/strong><\/p>\n<p>Wir starten in eine neue Predigtreihe zum ersten Sonntag des Jahres. Hier sollten einf\u00fchrende Grundlagen zum Buch Esra aufgezeigt werden und mit den Grundlinien Lust und Freude auf das Buch gemacht werden. Passend zum neuen Jahr kann hier vom Neustart in das Buch Esra und vom Neustart der Heimkehrer in Jerusalem gesprochen werden. Was k\u00f6nnen wir f\u00fcr den Neustart in dieses Jahr aus dem Bibeltext lernen?<\/p>\n<p>Da Esra 1 und 2 insgesamt sehr lange sind, empfiehlt es sich in der Predigt nur Esra 1 zu lesen. Von Esra 2 k\u00f6nnen m\u00f6glicherweise die ersten beiden und der letzte Vers gelesen werden, die Liste kann auch kurz zusammengefasst werden.<\/p>\n<p><strong>2.3 Hinweise f\u00fcr homiletische \u00dcberlegungen (Anwendung)<\/strong><\/p>\n<p>Ideen und Anst\u00f6\u00dfe f\u00fcr Anwendungen:<\/p>\n<p>Vers 1:<\/p>\n<ul>\n<li>Historische Einordnung und Schrifteinordnung: Gottes Wort erf\u00fcllt sich nach scheinbar endloser Zeit, es lohnt immer zu warten. Manchmal m\u00fcssen wir auch ewig warten auf die n\u00e4chste Ankunft Jesu (R\u00fcckblick auf Weihnachten) oder auf andere Verhei\u00dfungen Gottes. Aber Gott erf\u00fcllt!<\/li>\n<li>Gott lenkt und leitet die Geschichte und kann \u201eerwecken\u201c (auch Vers 6). Genauso lenkt Gott auch die Geschichte heute und kann Politiker gebrauchen und selbst Corona gebrauchen.<\/li>\n<li>\u00dcbertragen: Gott erm\u00f6glicht den verhei\u00dfenen Neustart, raus aus dem Exil, zur\u00fcck in sein Land. Genauso erm\u00f6glicht er uns den Neustart mit ihm durch seinen Sohn Jesus, die R\u00fcckkehr zu ihm.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vers 2-6:<\/p>\n<ul>\n<li>Die \u00dcbriggeblieben machten sich auf: Einige aus dem Volk machten sich auf \u2013 andere blieben zur\u00fcck.<\/li>\n<li>Sind wir wie diejenigen, die in Babylonien bleiben, denen das Risiko zu gro\u00df war? Haben wir die Haltung: \u201eNur f\u00fcr Gott gebe ich nicht alles auf, was ich hier aufgebaut habe.\u201c<\/li>\n<li>Wie frei sind wir f\u00fcr Gott? Was ist unser wunder Punkt, unsere S\u00fcnde, woran unser Herz h\u00e4ngt, der uns davon abh\u00e4lt, ihm zu dienen? Welchen Dienst hat er mir schon lange aufs Herz gelegt, den ich noch nicht wahrnehme?<\/li>\n<li>Gott erweckt, motiviert und legt aufs Herz: Er kann uns dazu bringen, das Richtige zu tun.<\/li>\n<li>Gott versorgt die Heimkehrer \u2013 er versorgt diejenigen, die nach seinem Gebot leben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vers 7-11:<\/p>\n<ul>\n<li>Gott versorgt die Heimkehrer auch mit geistlicher Grundlage \u2013 sie bekommen die Tempelger\u00e4te zur\u00fcck, was den Dienst am Tempel wieder erm\u00f6glicht. Gott versorgt auch uns geistlich, wenn wir auf ihn h\u00f6ren.<\/li>\n<\/ul>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Sagen, wo es hingeht<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>3.1 Predigtthema \u2013 was sage ich in dieser Predigt?<\/strong><\/p>\n<p>Gott lenkt die Geschichte und schenkt ein Zuhause.<\/p>\n<p>Gott erm\u00f6glicht das Ende des Exils und erweckt den Geist zur Heimkehr zu ihm.<\/p>\n<p>Mit Gott zur\u00fcck nach Hause<\/p>\n<p>Aufbruch in die Zukunft und ein neues Jahr \u2013 wer kommt mit?<\/p>\n<p><strong>3.2 Predigtentfaltung \u2013 wie sage ich es in dieser Predigt?<\/strong><\/p>\n<p><u>Textgliederung:<\/u><\/p>\n<p>Kapitel 1:<\/p>\n<p>Vers 1: historische Einordnung und Schrifteinordnung<\/p>\n<p>Vers 2-4: Kyrus-Erlass: Heimkehr und Unterst\u00fctzung zum Aufbau<\/p>\n<p>Vers 5-6: Umsetzung des Erlasses<\/p>\n<p>Vers 7-11: R\u00fcckbringung der Tempelger\u00e4te<\/p>\n<p>Kapitel 2: Die R\u00fcckkehrer-Liste<\/p>\n<p><u>M\u00f6gliche Predigtgliederungen:<\/u><\/p>\n<p>Gott lenkt die Geschichte und schenkt dem Volk ein zuhause<\/p>\n<ol>\n<li>Die verworrene Situation der Israeliten im Exil (historische Einordnung \u2013 Vers 1)<\/li>\n<li>Gott hat alles im Griff und bringt nach Hause (Vers 2-11)<\/li>\n<\/ol>\n<p>Aufbruch in die Zukunft und ein neues Jahr (orientiert an einer Predigt von Wolfgang Nestvogel)<\/p>\n<ol>\n<li>Gott ist souver\u00e4n (Vers 1-2)<\/li>\n<li>Wer zieht mit? (Vers 3-5; Kapitel 2)<\/li>\n<li>Versorgung ist inbegriffen (Vers 6-11)<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>3.3 Predigtveranschaulichungen \u2013 wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?<\/strong><\/p>\n<p>Man kann pers\u00f6nlich erz\u00e4hlen:<\/p>\n<p>Wenn man nach einer langen Reise, einem langen Urlaub oder einer Freizeit wieder zur\u00fcck nach Hause kommt \u2013 ein sehr sch\u00f6nes Gef\u00fchl. Gleichzeitig f\u00e4llt es manchmal schwer, wieder nach Hause zu gehen, weil man sich im neuen Umfeld so gut eingelebt hat.<\/p>\n<p>Prognosen in die Zukunft sind oft schwierig bei Menschen: Wetterbericht noch am ehesten. Aber was ist in 10, 30 oder 50 Jahren? Wie siehts mit Corona in Zukunft aus? Wer wird die n\u00e4chste Wahl gewinnen?<\/p>\n<p>Die Zukunft ist oft sicher und ungewiss.<\/p>\n<p>Bekannter Werbeslogan: Wir geben ihrer Zukunft ein sicheres Zuhause.<\/p>\n<ul>\n<li>Ganz anders bei Gott, bei ihm ist die die Zukunft sicher und gewiss, was er vorhersagt, passiert genau so!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Enkel verstehen nicht mehr, wovon die Gro\u00dfeltern berichten \u2013 beim 2. Weltkrieg \u2013 und \u00e4hnlich dort vermutlich bei der Heimkehr nach Babylon nach 70 Jahren.<\/p>\n<p>(Samuel Koser)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtthema:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gott lenkt die Geschichte -und schenkt dem Volk ein Zuhause Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterst\u00fctzung enth\u00e4lt diese Predigthilfe deshalb Hinweise f\u00fcr eure Verk\u00fcndigung, ersetzt aber nicht euer eigenst\u00e4ndiges Erarbeiten des Bibeltextes. 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