{"id":3967,"date":"2020-05-18T16:29:05","date_gmt":"2020-05-18T14:29:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/?p=3967"},"modified":"2020-05-18T16:29:06","modified_gmt":"2020-05-18T14:29:06","slug":"predigthilfe-vom-14-juni-2020-matthaeus-12-38-50","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-14-juni-2020-matthaeus-12-38-50\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 14. Juni 2020 &#8211; Matth\u00e4us 12, 38-50"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigtthema:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; In der Schrift findet man das Zeichen<\/strong><\/p>\n<p>Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterst\u00fctzung enth\u00e4lt diese Predigthilfe deshalb Hinweise f\u00fcr eure Verk\u00fcndigung, ersetzt aber nicht euer eigenst\u00e4ndiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr \u00fcber den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verk\u00fcndigen nur die Botschaft, die uns pers\u00f6nlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gef\u00fcllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: \u201eWer euch h\u00f6rt, h\u00f6rt mich\u201c (Lk 10,16a)!<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Sehen, was dasteht<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Verschiedene Bibel\u00fcbersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter <a href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/\">www.bibleserver.com<\/a> (Luther 1984 \/ Revidierte Elberfelder Bibel \/ Hoffnung f\u00fcr alle \/ Schlachter 2000 \/ Neue Genfer \u00dcbersetzung \/ Gute Nachricht Bibel \/ Einheits\u00fcbersetzung \/ Neues Leben Bibel \/ Neue Evangelistische \u00dcbersetzung).<\/p>\n<p><strong>1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind im Juni in der Predigtreihe zu Matth\u00e4us. Der heutige Abschnitt besteht aus drei Bl\u00f6cken, deren Zusammenhang etwas umstritten ist: Vers 38-42, Vers 43-45 und Vers 46-50. Die Verkn\u00fcpfung dieser drei Bl\u00f6cke zu einer zusammenh\u00e4ngenden Predigt ist sicherlich eine Herausforderung bei diesem Text. Wir werden uns in der Auslegung unter 1.3. fragen, warum Matth\u00e4us diese Abschnitte zusammenstellt und ich werde versuchen aufzuzeigen, wie man aus den Teilen eine zusammenh\u00e4ngende Predigt machen kann. Unser heutiger Text kn\u00fcpft sehr eng an den Predigttext der letzten Woche an (Vers 22-37): Zum einen durch die Thematik der b\u00f6sen Geister, die wieder aufgegriffen wird. Zum andern aber darin, dass Jesus weiterhin die Frage stellt: Wer bin ich eigentlich? Wie im Abschnitt letzte Woche legt Jesus seinen H\u00f6rern und besonders den Pharis\u00e4ern wieder dar: Wenn ihr vern\u00fcnftig denkt und euren Verstand gebraucht, m\u00fcsst ihr an mich glauben!<\/p>\n<p>In diesem Text gibt es keine gro\u00dfen exegetischen Schwierigkeiten; der Inhalt ist im Gro\u00dfen und Ganzen klar. Die Verse \u00fcber die unreinen Geister (43-45) sind bieten in der Auslegung wahrscheinlich die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung. Einfach aus dem Grund, weil diese Welt uns heutzutage meist eher fremd ist. Hier hilft es m\u00f6glicherweise, in einer Dogmatik kurz eine Zusammenfassung zur Lehre von den guten und b\u00f6sen Geistern zu lesen, um diese Verse richtig aufzufassen. In der Texterkl\u00e4rung versuche ich aber auch knapp darzulegen, wie man die Verse einordnen kann.<\/p>\n<p><strong>1.2 Hilfen zum Verst\u00e4ndnis des Predigttextes<\/strong><\/p>\n<p>Hilfen zur Auslegung bieten z.B.<\/p>\n<p>* Gerhard Maier, Matth\u00e4us, Historisch-Theologische Auslegung: aktueller Kommentar, wissenschaftlich, verst\u00e4ndlich<\/p>\n<p>* D. A. Carson, Matthew, Expositor\u00b4s Bible Commentary: diskutiert ausf\u00fchrlich die exegetischen Herausforderungen im Text<\/p>\n<p>* Fritz Rienecker, Matth\u00e4us, Wuppertaler Studienbibel: gute Anwendungen und hilfreich zur Predigtvorbereitung<\/p>\n<p>* Gerhard Maier, Matth\u00e4us, C-Edition: konkrete Predigtvorschl\u00e4ge mit Gliederung<\/p>\n<p>* N. T. Wright, Matth\u00e4us f\u00fcr heute 1: dort finden sich vor allem hilfreiche Geschichten und Beispiele f\u00fcr Predigten<\/p>\n<p><strong>1.3 Anmerkungen zum Verst\u00e4ndnis des Predigttextes<\/strong><\/p>\n<p><u>Vers 38:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Worauf antworteten die Pharis\u00e4er?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Wort \u201eantworten\u201c kann auch bedeuten \u201eanfangen zu reden\u201c (so z.B. Mt 11,25). So argumentiert beispielsweise Maier, dass hier ein neuer Abschnitt beginnt, der nicht direkt mit dem vorherigen verkn\u00fcpft ist (697). Ich sehe hier aber durchaus eine direkte Antwort: Zum einen passt es inhaltlich gut. Jesus hat im vorherigen Abschnitt den H\u00f6rern deutlich gemacht, dass er D\u00e4monen austreiben kann und dass er deshalb Gottes Sohn und der Messias ist. Er fordert sie auf zu glauben und warnt sie davor, nicht zu glauben \u2013 was man an ihren Fr\u00fcchten erkennt. Hier passt die Frage der Pharis\u00e4er sehr gut dazu, wenn sie daraufhin antworten und sagen: Wir wollen ein wirkliches Zeichen sehen, dass uns beweist, dass du der Retter bist! Au\u00dferdem greift sp\u00e4testens Vers 43-45 wieder ganz deutlich die Geistthematik aus den vorherigen Versen auf. Es ist zwar nicht ganz klar, ob die Abschnitte 22-37 und 38-50 historisch gesehen direkt nacheinander abliefen; denn in Mk 8,10-12 ist die Zeichenforderung in einem ganz anderen Kontext eingeordnet und in Lk 11,29-32 ist sie nicht als Antwort auf den vorherigen Abschnitt formuliert und es sind einige Verse dazwischen eingeschoben. Aber weil das \u201eAntworten\u201c nur bei Matth\u00e4us auftaucht, scheint mir Matth\u00e4us ganz bewusst diese Begebenheiten zusammengestellt zu haben (ob sie urspr\u00fcnglich direkt nacheinander waren, ob Jesus dazwischen noch mehr sagte oder nicht, wissen wir nicht) \u2013 gerade, weil es inhaltlich so gut zusammenpasst. Mit Rienecker (228) denke ich also, dass Matth\u00e4us hier zeigen will: Die Pharis\u00e4er waren echt erschrocken nach den vorherigen Worten und wollen es nun ganz genau wissen: Bist du es wirklich? Beweise es uns noch deutlicher!<\/p>\n<ul>\n<li>Wer sind die Pharis\u00e4er und die Schriftgelehrten?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Pharis\u00e4er waren eine theologische, philosophische und politische Richtung. Sie besch\u00e4ftigten sich besonders intensiv mit der Schrift und vertraten einige Sonder-Lehren im Gegensatz zu anderen Gruppierungen wie den Sadduz\u00e4ern oder den Essenern. Wer n\u00e4here Infos zu den Pharis\u00e4ern lesen will, findet online gute Zusammenfassungen dazu. Hier stellt sich aber die Frage: Wer sind die Schriftgelehrten? Schriftgelehrte war ein allgemeiner Begriff, der sowohl f\u00fcr Pharis\u00e4er aber auch f\u00fcr Schriftgelehrten aus anderen Gruppen stehen konnte. Es gibt zwei Theorien, was hier mit \u201ePharis\u00e4er und Schriftgelehrte\u201c gemeint ist: Entweder es sind einige Schriftgelehrte aus der Gruppe der Pharis\u00e4er. Oder es sind einige Pharis\u00e4er und zus\u00e4tzlich einige Schriftgelehrte aus anderen Gruppen. Ich denke, dass man es nicht genau sagen kann und vielleicht sogar Matth\u00e4us selbst es nicht genau wusste. Wenn teilweise hunderte oder tausende von Leuten Jesus zuh\u00f6rten, kannten die J\u00fcnger sicher nicht alle. Wenn nun einige Schriftgelehrte kamen, um Jesus eine Frage zu stellen, muss man nicht davon ausgehen, dass man alle sofort genau zuordnen konnte. Vielleicht wussten die J\u00fcnger: Einige von diesen, die die Frage stellen, geh\u00f6ren ganz sicher zu den Pharis\u00e4ern. Und deshalb schreibt beispielsweise Markus in dieser Geschichte (8,11) nur von Pharis\u00e4ern, w\u00e4hrend Matth\u00e4us von Pharis\u00e4ern und Schriftgelehrten schreibt.<\/p>\n<p>Eine wichtige Bemerkung hier ist: Matth\u00e4us spricht explizit davon, dass \u201eeinige\u201c von ihnen diese Frage stellten. Ich denke, er will deutlich machen, dass es auch andere Schriftgelehrte und Pharis\u00e4er gab, die die Frage nicht stellten. Das kann positiv oder negativ verstanden werden: Es gab andere, die sich nicht fragten, ob Jesus wirklich der Messias ist. Oder: Es gab andere, die schon \u00fcberzeugt waren, dass Jesus ihr Retter ist und die deshalb nicht weiter nachfragten.<\/p>\n<ul>\n<li>Warum sprechen sie ihn als \u201eLehrer\u201c an?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die respektvolle Anrede als \u201eLehrer\u201c f\u00e4llt hier auf. Die Schriftgelehrten hatten gemerkt, dass Jesus ein Lehrer ist, der gut unterrichtet und redet. So reden sie ihn als Lehrer an \u2013 aber gleichzeitig schwingt die Frage mit: Bist du denn wirklich ein guter Lehrer? Hast du wirklich gute Antworten, hast du einen Beweis, dass du von Gott gesandt bist?<\/p>\n<ul>\n<li>Was f\u00fcr ein Zeichen wollen die Pharis\u00e4er sehen? Haben sie nicht gerade ein Zeichen gesehen? Und weshalb wollen sie ein Zeichen sehen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die erste Frage, die ich mir hier gestellt habe ist: Warum stellen die Pharis\u00e4er diese Frage? Sie haben doch gerade ein Zeichen gesehen, als die D\u00e4monenausreibung geschehen ist. Au\u00dferdem hat Jesus auch schon in den vorherigen Kapiteln Zeichen und Wunder getan. Was also soll diese Frage? Es ist ganz klar: Sie wollten nicht von Jesus, dass er einfach noch jemanden heilt oder einen D\u00e4mon austreibt. Das hatte sie nicht \u00fcberzeugt, denn sie fragten sich immer noch: Macht er das Ganze nicht vielleicht auch durch b\u00f6se M\u00e4chte? Deshalb ist klar: Sie hoffen, dass Jesus ein Zeichen macht, das sich von allen bisherigen Wundern unterscheidet. Ein Legitimationszeichen, das ganz eindeutig best\u00e4tigt, dass er von Gott gesandt ist. Eine unzweideutige Kundgebung Gottes. Die Frage bleibt aber: Wie sollte dieses Zeichen denn aussehen? Vielleicht erhofften sich die Pharis\u00e4er eine Stimme aus dem Himmel? Das war schon geschehen, als Gott in Mt 3,17 bei der Taufe Jesu aus dem Himmel redete und Jesus bezeugte. Vielleicht erhofften sie sich, dass noch gr\u00f6\u00dfere Wunder geschehen sollten, vielleicht Totenauferweckungen? Auch Tote hat Jeus auferweckt, beispielsweise die Tochter des Jairus, auch wenn das vielleicht erst nach dieser Begebenheit geschah. Vielleicht erhofften sie sich, dass Jesus ganz klar alttestamentliche Prophetien erf\u00fcllen w\u00fcrde? Auch das hatte Jesus mit seinen Heilungen und Wundern schon getan. Was also forderten die Pharis\u00e4er? Vielleicht erhofften sie sich, dass Jesus genau die Wunder tun w\u00fcrde, die sie sich w\u00fcnschen. Dass er sozusagen auf ihren Befehl handelt, dann m\u00fcsste er ja ihr Gott sein. Aber ich denke der entscheidende Punkt hier ist, dass sie es einfach nicht glauben wollten. Sie hofften auf immer noch gr\u00f6\u00dfere Zeichen und Wunder zur Best\u00e4tigung Jesu \u2013 aber ihnen war nicht klar, dass sie, wenn sie wollen, jedes Zeichen und jede Best\u00e4tigung verdrehen k\u00f6nnen. Das zeigt sich auch daran, dass sie die Zeichenforderung wiederholten, beispielsweise in Mt 16,1ff. Erstmal ist das zwar ein positives Ringen darum, die Wahrheit \u00fcber Jesus herauszufinden. Es ist super, wenn Leute die Frage stellen: Woran erkennen wir denn, dass Jesus Gott ist? Aber sie m\u00fcssen auch bereit sein, auf die Zeichen zu sehen, die schon da sind \u2013 wenn man will, kann man alles umdeuten! Das macht auch die Formulierung \u201ewir wollen\u201c deutlich. Die Pharis\u00e4er wollten noch mehr sehen, es ging ihnen nur darum, was sie wollen, aber dadurch sahen viele von ihnen auch nur das, was sie sehen wollten, weil sie nicht genauer hinschauten.<\/p>\n<p><u>Vers 39:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Warum antwortet Jesus so hart: Zeichen fordern hei\u00dft ehebrecherisch und b\u00f6ses Geschlecht? Was ist am Zeichenfordern falsch?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jesus antwortet auf diese Frage sehr harsch und direkt: Ihr seid b\u00f6se und ehebrecherisch. B\u00f6se bedeutet, dass sie Gegner Gottes sind. Ehebrecherisch bedeutet, dass sie den Bund mit Gott verlassen haben und ihm als ihrem \u201eEhepartner\u201c untreu waren. Das Bild vom Ehepaar f\u00fcr den Bund Gottes mit den Menschen wir in der ganzen Bibel immer wieder verwendet (z.B. Hosea 1-2; Hes 16,23ff). Warum antwortet Jesus so deutlich? Nachdem er ihnen liebevoll gezeigt hat, dass alle Argumente daf\u00fcrsprechen, dass er der Retter ist (Vers 22-30), merkt er jetzt: Sie wollen eigentlich gar keine Argumente mehr. Sie wollen mich nur herausfordern und auf die Probe stellen, wie der Teufel es bei der Versuchung Jesu tat (Mt 4,7). Sie wollen ihn dazu bringen, dass er genau das tut, was sie wollen \u2013 und sich damit gegen Gottes Plan und Willen erhebt. Denn eine Sache ist klar: Es gibt keine Zeichen und Wunder, die nicht zweideutig sind. Es gibt keine unzweideutige Kundgebung. Das liegt nicht an Gott, sondern an unserem s\u00fcndhaften Verstand. Unser Verstand ist wie unser ganzer K\u00f6rper seit dem S\u00fcndenfall eingeschr\u00e4nkt. Und deshalb k\u00f6nnen wir egal was geschieht, danach entweder sagen: Das war ein Zeichen von Gott, oder irgendeine andere Erkl\u00e4rung finden (indem wir es rationalistisch erkl\u00e4ren, anderen b\u00f6sen M\u00e4chten zuschreiben oder \u00c4hnliches), egal wie unvern\u00fcnftig diese Erkl\u00e4rung eigentlich ist. Ich denke also, es gibt zwei Gr\u00fcnde f\u00fcr die harte Zurechtweisung: Erstens wurde Jesus wie schon vom Teufel jetzt versucht, nach seinem eigenen Willen und Geschmack Zeichen zu tun, die gar nicht Gottes Willen sind. Und zweitens war Jesus klar: Ich habe schon so viele Zeichen getan: Euer Problem liegt nicht an den fehlenden Zeichen, sondern an eurem Unglauben! Ihr seid Gegner Gottes und habt den Bund mit ihm gebrochen, deshalb seht ihr die Zeichen nicht!<\/p>\n<p>Die Frage, die man sich hier im Anschluss an diese Aussage stellen kann: Ist es also falsch, Zeichen von Gott zu fordern? Ist es nicht so, dass manche Menschen Gott glauben, weil sie erlebt haben, dass Gott Wunder tut und ist es dann nicht verst\u00e4ndlich, dass jemand anders auch solche Wunder erleben will? Die Bibel macht ganz klar: Gott tut Zeichen und Wunder. Zum Beispiel die Israeliten haben immer wieder durch die gro\u00dfen Zeichen Gottes gesehen, wie m\u00e4chtig und herrlich er ist (2Mose 3,20; 15,6). Au\u00dferdem lesen wir Geschichten, in denen Menschen explizit ein Zeichen von Gott forderten und Gott sich darauf einl\u00e4sst. In Ri 6,17ff fordert Gideon ein Zeichen und ein Wunder, weil er sich nicht sicher ist, ob Gott das wirklich zu ihm gesagt hat. In 2K\u00f6n 20,8ff fordert Hiskia ein Zeichen daf\u00fcr, dass er wirklich wieder gesund wird. Und auch im Neuen Testament wird explizit gesagt, dass Menschen glaubten, weil sie die Zeichen sahen, die Jesus tat (Joh 2,23). Also es wird klar: Wir d\u00fcrfen in der Not Zeichen von Gott erbitten. Manchmal schenkt Gott uns Zeichen und Wunder, die uns st\u00e4rken. Aber die entscheidende Frage ist: Will ich Gott nur versuchen \u2013 was ich ja nicht soll? Habe ich offene Augen und will Gott glauben? Sehe ich die vielen Wunder und Zeichen, die Gott schon getan hat? Das gr\u00f6\u00dfte Wunder \u00fcberhaupt hat Gott ja schon getan, dass er Jesus auf den Toten auferweckt hat. Das ist auch au\u00dferordentlich gut belegt. Also wenn man allgemein Zeichen von Gott fordert, muss man sich wie die Pharis\u00e4er die Frage stellen lassen: Willst du vielleicht einfach ein Gegner Gottes sein und willst ihm gar nicht glauben, egal was passiert? Gott will uns Menschen nat\u00fcrlich auch nicht zwingen, an ihn zu glauben, denn er will eine freiwillige Liebesbeziehung zu uns, f\u00fcr aber auch gegen die wir uns frei entscheiden d\u00fcrfen.<\/p>\n<ul>\n<li>Warum verallgemeinert Jesus auf das ganze Geschlecht?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie kann Jesus das ganze Geschlecht, die ganze damalige Generation, als b\u00f6se beschreiben, nur weil ein paar diese Frage stellen? Zum einen ist wichtig: \u201eDas ganze\u201c bedeutet nicht zwingend jeder einzelne, sondern ist eine Verallgemeinerung. Wenn ich sage: \u201eDeutsche sind p\u00fcnktlich\u201c, hei\u00dft das auch nicht, dass jeder einzelne Deutsche p\u00fcnktlich ist, sondern nur, dass ein gro\u00dfer Teil der Deutschen oft p\u00fcnktlich ist im Vergleich zu anderen Kulturen. Also: Jesus spricht dieses Wort gegen einen gro\u00dfen Teil der damals lebenden Menschen und das kann er, weil er selbst miterlebt, wie viele aus seinem Volk ihn ablehnten. Weil er selbst schon wusste, dass sein eigenes Volk sich gegen Gott stellen wird und ihn kreuzigen wird. Auch wenn einige ihm glaubten, so brachen viele den Bund mit Gott und glaubten nicht an den Messias, den er gesandt hatte.<\/p>\n<ul>\n<li>Was meint Jesus mit: Kein anderes Zeichen wird gegeben? Es gab doch schon ganz viele? Warum bezieht er sich gerade auf Jona?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jesus macht den H\u00f6rern mit den Worten klar: Ich bin kein Automat, ihr k\u00f6nnt nicht irgendetwas fordern und genau das tue ich dann f\u00fcr euch. Ihr werdet nicht das Zeichen bekommen, das ihr euch erhofft. Aber gleichzeitig zeigt er ihnen durch den Vergleich mit Jona auf: Das gr\u00f6\u00dfte Zeichen \u00fcberhaupt wird geschehen: Ich werde aus den Toten auferstehen. Ich werde zeigen, dass ich m\u00e4chtiger bin als der Tod. Und dann wird es wirklich keinen Grund mehr zu geben, nicht zu glauben. Obwohl Jesus erkannt hat, dass diese Gruppe der Schriftgelehrten nach den vern\u00fcnftigen Gr\u00fcnden einfach nicht glauben will, ringt er noch um sie und macht ihnen nochmal klar: Es wird ein Zeichen kommen, aber ihr m\u00fcsst hinschauen und glauben! Wenn ihr es nicht sehen wollt, werdet ihr es auch nicht sehen!<\/p>\n<p><u>Vers 40:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Was ist das f\u00fcr ein \u201eBeleg\u201c aus Jona? Was soll das f\u00fcr ein Zeichen sein?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nat\u00fcrlich sind die Verse aus Jona keine Vorhersage auf Jesu Sterben und Leiden. Allerdings sehen wir immer wieder in der Bibel, das Gott in verschiedenen Zeiten auf dieselbe Weise handelt, und man ihn so \u201ewiedererkennen\u201c kann. Gott hat durch sein Handeln im Alten Testament Bilder geschaffen, die sich im Nachhinein auch auf Jesus \u00fcbertragen lassen (vgl. Kol 3,17). Das Alte Testament ist wie ein Bilderbuch, dessen Bilder uns teilweise erst in Jesus erkl\u00e4rt werden. Manche sprechen bei solchen Vergleichen von Typologie, andere nennen es Allegorie. Die Bibel nennt solche Vergleiche auch mit dem griechischen Wort \u201eProphetie\u201c (z.B. Mt 13,35), womit man aber vorsichtig sein muss; heute wird unter Prophetie meist nur eine konkrete Vorhersage verstanden, manche biblische Autoren fassen den Begriff der Prophetie hingegen weiter und z\u00e4hlen auch solche Typologien\/Allegorien hinzu. Es gibt mehrere Parallelen zwischen Jesus und Jona, mindestens zwei werden hier explizit erw\u00e4hnt: Jesus war drei Tage im Bauch des Fisches und ist dann sozusagen \u201eauferstanden\u201c \u2013 Jesus ist drei Tage tot und wird aus den Toten auferweckt. In Vers 41 wird dann noch erw\u00e4hnt: Die Leute aus Ninive kehrten um und taten Bu\u00dfe auf die Predigt von Jona hin, obwohl sie kein Zeichen hatten oder wenn dann nur die Geschichte von Jona als Zeichen hatten. Auch Jesus ruft zur Umkehr auf und predigt noch auf viel gr\u00f6\u00dfere Weise als Jona und er stellt die Frage: Kehrt ihr auch um? Es gibt noch mehr interessante Parallelen, die beispielsweise Maier aufz\u00e4hlt, die hier im Text nicht explizit erw\u00e4hnt werden (700): Zum Beispiel hatte Ninive 40 Tage Bu\u00dffrist, nachdem Jona gepredigt hat (Jona 3,4). Die Israeliten hatten noch 40 Jahre nach Jesu Tod Bu\u00dffrist, bevor ihr Land 70 n. Chr. vollends zerst\u00f6rt und eingenommen wurde. Also: Jesus will hier nicht nur sagen, dass die Juden doch schon Zeichen im Alten Testament bei Jona hatten, sondern er macht ihnen auch nochmal Hoffnung: Das gr\u00f6\u00dfte Zeichen seht ihr in mir und werdet ihr in meinem Sterben und Auferstehen sehen \u2013 ein eindeutigeres Zeichen gibt es wohl nicht (vgl. R\u00f6m 1,4).<\/p>\n<ul>\n<li>Was bedeutet Herzen der Erde?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jona war drei Tage im Bauch des gro\u00dfen Fisches. Hier zieht Jesus nun die Parallele: Auch er (der Menschensohn) werde drei Tage im Herzen der Erde sein. Herz der Erde steht hier vermutlich f\u00fcr das Grab, dass Jesus drei Tage lang im Felsen, im Innern der Erde und tot sein wird. M\u00f6glicherweise spielt es auch \u00fcber das Grab hinaus darauf an, dass Jesus im Totenreich war, wie wir beispielsweise in Eph 4,9, R\u00f6m 10,7 und 1Petr 4,6 lesen.<\/p>\n<ul>\n<li>Bei Jona waren es wirklich drei Tage und drei N\u00e4chte, bei Jesus aber nicht, oder?<\/li>\n<\/ul>\n<p>In Jona 2,1 lesen wir, dass Jona drei Tage und drei N\u00e4chte in dem Fisch gefangen war. Hierauf bezieht sich Jesu. Es f\u00e4llt aber schnell auf: Bei Jesus waren es doch keine drei Tage und drei N\u00e4chte! Jesus ist freitags um 15 Uhr gestorben und am Sonntagmorgen war er schon auferstanden, also k\u00f6nnen es maximal zwei N\u00e4chte gewesen sein und es waren genau genommen insgesamt 35-40 Stunden, die Jesus tot war. Da scheinen doch die drei Tage und drei N\u00e4chte nicht ganz zu passen. Wir lesen zwar h\u00e4ufig, dass Jesus am dritten Tage auferstanden ist bzw. drei Tage tot war (z.B. 1Kor 15,4), aber das liegt an der j\u00fcdischen Z\u00e4hlweise. Damals wurden angefangene Tage ganz mitgez\u00e4hlt, also Jesus war am Freitag, Samstag und Sonntag tot \u2013 damit war er drei Tage tot und ist am dritten Tage auferstanden. Wie passt das hier nur? Die wohl beste Erkl\u00e4rung ist, dass \u201edrei Tage und drei N\u00e4chte\u201c einfach eine weitere Formulierung f\u00fcr \u201edrei Tage\u201c ist und das deshalb der Vergleich passt (Maier, 701). M\u00f6glicherweise war Jesus aber auch einfach nicht so wichtig, dass es exakt gleichlang ist. Auf jeden Fall wird hier klar: Jesus wird sterben und auferstehen, er ist der verhei\u00dfene Menschensohn und Messias.<\/p>\n<p><u>Vers 41:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Wie kann man von dem Kollektiv der Leute aus Ninive sprechen, dass sie alle umgekehrt sind?<\/li>\n<\/ul>\n<p>In Jona 3 kann man nachlesen, wie der K\u00f6nig aus Ninive umkehrte und alle dazu aufrief, Bu\u00dfe zu tun. Das hei\u00dft zwar (wie oben) nicht zwingend, dass jeder Einzelne dabei war, aber der Gro\u00dfteil von Ninive tat wirklich Bu\u00dfe, bereute seine Schuld und kehrte um zu Gott. Daraufhin strafte sie Gott nicht, wie angek\u00fcndigt, sondern war ihnen gn\u00e4dig.<\/p>\n<ul>\n<li>Was war die \u201ePredigt\u201c des Jona?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir lesen in Jona 3 nur sehr knapp, was Jona gepredigt hat: \u201eEs sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen\u201c (Jona 3,4). Da Ninive daraufhin umkehrte und Bu\u00dfe tat, ist davon auszugehen, dass Jona sie \u00e4hnlich wie Jesus zur Umkehr aufrief. M\u00f6glicherweise erz\u00e4hlte Jona ihnen auch seine Geschichte, wie Gott ich zu ihnen gef\u00fchrt hat \u2013 dann h\u00e4tten die Leute aus Ninive dadurch auch ein kleines Zeichen gehabt. Das viel gr\u00f6\u00dfere Zeichen geschah dann nat\u00fcrlich in Jesus.<\/p>\n<ul>\n<li>Inwieweit werden die Leute aus Ninive richten k\u00f6nnen? Wird jeder Christ andere richten?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jesus sagt zuerst, dass die Leute aus Ninive auferstehen werden \u2013 da stimmten die Pharis\u00e4er ihm zu, da sie auch an die Auferstehung der Toten glaubten. Wie schon in Matth\u00e4us 12,27 (vgl. dazu die Predigthilfe letzte Woche) geht Jesus davon aus, dass sie Gericht \u00fcben werden. Dadurch, dass die Leute aus Ninive umgekehrt sind, obwohl sie viel weniger Zeichen sahen als die Juden zurzeit Jesu, agieren sie indirekt als Zeugen und klagen die Juden an, die Jesus nicht geglaubt haben. Jeder, der nach Jesu Tod und Auferstehung lebt, hat letztlich dieses viel gr\u00f6\u00dfere Zeichen und wird deshalb, wenn er nicht glaubt, angeklagt von denen, die schon vor Jesu Zeit an Gott glaubten. M\u00f6glicherweise hatte Jesus auch eine g\u00e4ngige Auslegung im Kopf, wie die Rabbiner die Flucht von Jona aus Ninive deuteten (vgl. Maier, 702): Sie meinten, er sei geflohen, weil er Angst vor der Bu\u00dfe Ninives hatte. Denn diese Bu\u00dfe w\u00fcrde zur Anklage Israels f\u00fchren, weil das Volk Gottes nicht umgekehrt war wie die Leute aus Ninive.<\/p>\n<ul>\n<li>Warum ist Jesus mehr\/gr\u00f6\u00dfer als Jona?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jesus nimmt hier wie so h\u00e4ufig und gern historische Beispiele aus der Bibel, die zeigen, dass er der Sohn Gottes und der Messias ist. Und Jesus provoziert damit seine H\u00f6rer: Wenn schon die Leute aus Ninive aufgrund der Predigt von Jona und dem Zeichen, dass Gott ihn errettet hat, umgekehrt sind, wie viel gr\u00f6\u00dfer ist nicht meine Predigt in Vollmacht, die ihr merkt (vgl. Mt 7,28f)? Wie viel gr\u00f6\u00dfer ist nicht das Wunder meiner Auferstehung? Jesus macht dadurch klar: Es gibt genug Zeichen und das gr\u00f6\u00dfte Zeichen wird noch kommen. Ihr habt keinen Grund, nicht zu glauben!<\/p>\n<p><u>Vers 42:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Was ist die Geschichte der K\u00f6nigin von S\u00fcden?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Geschichte der K\u00f6nigin von Saba, deren Namen wir nicht kennen, ist in 1K\u00f6n 10,1ff und 2Chr 9,1ff nachzulesen. Dort lesen wir, dass die K\u00f6nigin von Salomos Weisheit geh\u00f6rt hatte. Sie kam von Ferne her mit vielen wertvollen Geschenken. Und als sie mit ihm redete und ihm Fragen stellte, war sie noch begeisterter von seiner Weisheit. Sie beschenkte Salomo reich und er gab wiederum ihr alles, was ihr gefiel. Au\u00dferdem lobte sie Salomos Gott. Dass Salomo besonders viel Weisheit hatte, lesen wir immer wieder (1K\u00f6n 3,5ff). Er hat beispielsweise einen gro\u00dfen Teil der Spr\u00fcche und das Buch Prediger geschrieben.<\/p>\n<ul>\n<li>Woher kam die K\u00f6nigin?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die K\u00f6nigin kam laut dem alttestamentlichen Bericht aus Saba, das wahrscheinlich im heutigen Jemen liegt \u2013 also im S\u00fcden Israels. Aus der damaligen Sicht war das am \u201eEnde der Erde\u201c, weil es kurz vor dem Meer und damit ganz weit weg war. Das meint nat\u00fcrlich nicht, dass es wirklich das Ende der Erde war, sondern einfach ganz weit weg \u2013 \u00e4hnlich wie man heute manchmal noch sagt, dass Neuseeland beispielsweise am Ende der Erde liegt.<\/p>\n<ul>\n<li>Ist die K\u00f6nigin errettet, nur weil sie die Weisheit Salomos gesucht hat?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es wird im AT nicht ganz klar, ob sie an Gott geglaubt hat und gerettet ist. Auf jeden Fall lobte sie Gott und war darin ein Vorbild. Weil Jesus sie als Vorbild f\u00fcr seine H\u00f6rer benutzt, tendiere ich eher dazu, dass sie wirklich gl\u00e4ubig geworden ist, ganz sicher wird das aber auch bei Jesu Erz\u00e4hlung nicht. Auf jeden Fall zeigt sich in dem, wie sie die Weisheit Salomos erkannt und dadurch nach Gott gefragt hat, dass sie auf dieses \u201eZeichen\u201c geachtet hatte, das Gott durch Salomo gegeben hat.<\/p>\n<ul>\n<li>Was meint Jesus damit, dass hier mehr ist als Salomo? Worauf spielt er an?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jesus vergleich sich mit Salomo. Salomo war sehr weise, weil Gott ihm Weisheit geschenkt hat \u2013 und das war genug, um die K\u00f6nigin von Saba auf Gott aufmerksam zu machen. Jesus ist aber eindeutig noch weiser als Salomo, das sollten selbst schon die Juden gemerkt haben. Mehr Grund gibt es doch nicht, an ihn zu glauben, oder? Warum glauben sie nicht allein schon wegen der Weisheit Jesu an ihn und wollen noch mehr sehen? Vielleicht spielt Jesus hier auch auf Spr\u00fcche 8 an, wo Salomo die Weisheit personifiziert und beschreibt und wo sich erstaunliche viele Parallelen zu Jesus finden: Jesus ist letztlich die Weisheit in Person.<\/p>\n<ul>\n<li>Warum nimmt Jesus gerade Beispiele von Heiden?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jesus bringt immer wieder Beispiele von Leuten, die nicht zu den Juden zu geh\u00f6ren \u2013 um die Juden zum Nachahmen zu reizen. Er will ihnen deutlich machen: Selbst solche Leute aus anderen V\u00f6lkern glauben an Gott. Wie viel mehr solltet dann nicht auch ihr mir glauben?<\/p>\n<p><u>Vers 43:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Wie kommt Jesus jetzt auf einmal auf den unreinen Geist, wie ist das hier im Zusammenhang zu verstehen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zuerst f\u00e4llt auf, dass in Lukas die Verse, die in Matth\u00e4us 12,43-45 sind, direkt an die Verse ankn\u00fcpfen, die hier in Matth\u00e4us in die Verse 22-30 sind. Die Abschnitte von 31-37 und von 38-42 erscheinen in Lukas (in etwas anderer Form) erst weiter hinten. In Matth\u00e4us passt die Thematik vom Geist hier in Vers 43-45 auf den ersten Blick gut zu den Verse 22-37, wo es auch um den Geist geht. Deshalb meinen manche, die Verse von 38-42 w\u00e4ren nur ein Einschub. Allerdings setzt Matth\u00e4us hier ganz bewusst eine Verbindung durch den Beisatz am Ende von Vers 45, der im Paralleltext in Lukas nicht erscheint: \u201eSo wird es auch diesem b\u00f6sen Geschlecht ergehen.\u201c Matth\u00e4us will also, dass wir einen Zusammenhang erkennen zwischen dem b\u00f6sen Geschlecht in Vers 39 und in Vers 45. Au\u00dferdem bezieht Matth\u00e4us die Verse in 43-45 damit eindeutig nicht nur auf einen einzelnen Menschen, sondern genauso auch auf ein ganzes Geschlecht bzw. ein ganzes Volk. Am besten ist dann der Zusammenhang zwischen 38-42 und 43-45 wie folgt zu verstehen: Jesus hat zuerst gesagt: Das gr\u00f6\u00dfte Zeichen der Auferstehung werdet ihr noch sehen. Diese Verse sind nun als Warnung zu verstehen: Neutralit\u00e4t ist nicht m\u00f6glich (vgl. Carson, 298). Er macht den Pharis\u00e4ern und allen Juden klar: Wenn du als Einzelner aber auch ihr als Volk nicht an mich glaubt, dann werden andere euch stattdessen f\u00fcllen und beherrschen!<\/p>\n<ul>\n<li>Worauf bezieht sich Jesus hier mit dem unreinen Geist, der ausgefahren ist?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zum einen bezieht sich Jesus sicher auf die Exorzismen, die er schon durchgef\u00fchrt hat. Unreiner Geist ist einfach eine andere Bezeichnung f\u00fcr einen D\u00e4mon bzw. b\u00f6se Geister (Mk 5,8). Jesus greift also darauf zur\u00fcck, dass Menschen von den b\u00f6sen Geistern verlassen werden und stellt nun die Frage: Was passiert nun mit dem Menschen? Da Matth\u00e4us hier diese Verse auch auf das ganze Geschlecht bezieht, ist die Frage gleichzeitig: Wenn ihr als Volk erkennt, dass ihr auf einem falschen Weg seid, dann ist die Frage: Kehrt ihr um und glaubt an mich oder nicht?<\/p>\n<ul>\n<li>Warum geht ein unreiner Geist gerade durch wasserlose St\u00e4tten?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wasserlos ist in der Bibel immer auch ein Bild f\u00fcr eine Stelle, wo Gott nicht ist, weil er das lebendige Wasser ist (z.B. Jes 44,3ff) \u2013 weil Jesus das lebendige Wasser ist und Gott Wasserstr\u00f6me und Leben schafft. Wasserlos ist hier also am besten \u00fcbertragen als Bild zu verstehen, f\u00fcr Stellen, an denen Gott nicht ist, an denen kein wirkliches Leben ist. Spannend ist, dass die Schweine, in die Jesus den D\u00e4monen erlaubte zu fahren, sich danach in das Wasser st\u00fcrzten und starben (Mt 8,28ff). M\u00f6glicherweise wird auch da dieses Bild gebraucht: Die D\u00e4monen halten es im Wasser nicht aus \u2013 die Schweine rennen dorthinein und sterben und die D\u00e4monen verlieren dadurch ihren Ruheplatz.<\/p>\n<ul>\n<li>Warum sucht der unreine Geist Ruhe \u2013 inwieweit braucht der Ruhe? Und warum findet er sie nicht? K\u00f6nnte der Geist nicht in jeden beliebigen Menschen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Da die Absicht der unreinen und b\u00f6sen Geister immer ist, gegen Gott zu arbeiten, k\u00f6nnen sie keine Ruhe finden, wenn sie nicht Menschen von Gott wegbringen. Deshalb suchen die b\u00f6sen Geister immer wieder einen Ruheplatz, einen Menschen, den sie beeinflussen k\u00f6nnen. Es gibt verschiedene Grade von Beeinflussung durch b\u00f6se Geister; das deutsche Wort \u201ebesessen\u201c, welches es im Griechischen nicht so gibt (dort hei\u00dft es einfach: er hat einen D\u00e4mon), assoziiert manchmal zu schnell, dass man im Besitz des D\u00e4mons ist. Das zeigt sich auch daran, dass Matth\u00e4us dieses Bild von einem Menschen auch auf ein ganzes Volk \u00fcbertr\u00e4gt, das sich von b\u00f6sen Geistern beeinflussen l\u00e4sst. D\u00e4monen haben zwar viel Macht, aber wichtig ist auch: Er kann nicht einfach so in einen Menschen gehen, sodass er einen D\u00e4mon hat. Ein D\u00e4mon kann nicht einfach so jeden Menschen beeinflussen. Au\u00dferdem sind D\u00e4monen ein st\u00fcckweit an einen Ort gebunden und sind nicht \u00fcberall gleichzeitig wie Gott. Die b\u00f6sen Geister k\u00f6nnen nur das tun, was Gott ihnen erlaubt zu tun \u2013 das wird beispielsweise in der Geschichte von Hiob aber auch in Mt 8,28ff deutlich, wo Jesus den D\u00e4monen erlauben muss, in die Schweine zu fahren. Auch in dieser Geschichte sieht man, dass ein D\u00e4mon nicht einfach nur ein Schwein besetzt, da es dort um eine ganze Schweineherde geht, die von D\u00e4monen beeinflusst wird. Allerdings haben die Geister eine Macht und Jesus macht ja im folgenden Vers auch klar: Wer sich nicht auf Gott einl\u00e4sst und sich von ihm f\u00fcllen l\u00e4sst, bei dem haben D\u00e4monen sehr viel mehr Macht und k\u00f6nnen sich leichter niederlassen.<\/p>\n<p><u>Vers 44:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Worauf bezieht sich das Haus hier?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Haus ist hier ein Bild f\u00fcr den menschlichen Leib wie z.B. auch in Joh 2,21. Gleichzeitig kann das Haus aber auch ein Bild f\u00fcr eine ganze Gruppe oder ein ganzes Volk sein, die der b\u00f6se Geist beeinflussen will.<\/p>\n<ul>\n<li>Was hei\u00dft es, dass das Haus leer, ges\u00e4ubert und geschm\u00fcckt ist? Was bedeuten die Worte? Vor was will Jesus damit warnen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>In den meisten deutschen Bibel\u00fcbersetzungen steht hier: \u201eWenn er kommt, findet er es\u201c. Man kann aber auch \u00fcbersetzen mit: \u201eEr kommt und wenn er es \u2026 findet\u201c. Zweites scheint mir besser zu passen, da nur in dem Fall, dass er es so vorfindet, die Folge in Vers 45 eintrifft (vgl. Maier, 706). Au\u00dferdem wird dadurch nochmal deutlich: Es sollte nicht der Normalfall sein, dass jemand nach einem Exorzismus noch immer \u201eleer\u201c ist. Gleichzeitig verst\u00e4rkt das die Warnung nochmal: Ist es bei euch so?<\/p>\n<p>Jesus beschreibt das Haus als \u201eleer, ges\u00e4ubert und geschm\u00fcckt\u201c. Das ist hier eine Steigerung: Leer meint noch, dass niemand anders den Menschen oder die Gruppe von Menschen ausf\u00fcllt und ihr Leben bestimmt. Ges\u00e4ubert steht daf\u00fcr, dass es sogar sauber und ordentlich ist (vielleicht auch eine Anspielung auf die Vergebung und Reinigung durch Gott?): Der Mensch wartet schon fast darauf, dass er neue Ma\u00dfst\u00e4be und Werte bekommt von irgendeinem Geist. Geschm\u00fcckt ist dann noch eine Stufe mehr: Es ist extra sch\u00f6n hergerichtet, damit der Geist zur\u00fcckkommt.<\/p>\n<p>Die Warnung von Jesus ist also: Wenn ihr nicht mehr vom b\u00f6sen Geist bestimmt werdet, lasst euch von etwas Anderem, Besserem f\u00fcllen: Vom Heiligen Geist. Denn von irgendwas wird ein Mensch langfristig immer gef\u00fcllt. An irgendwelche Werte, Regeln, Ethiken, Weltbilder etc. h\u00e4lt sich ein Mensch immer und die Frage ist, von welchem Geist man sich pr\u00e4gen l\u00e4sst: Es gibt nur Gottes Geist oder b\u00f6se Geister zur Auswahl.<\/p>\n<p><u>Vers 45:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Warum spricht Jesus von sieben anderen Geistern?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Sieben ist hier wohl einfach als Gleichniszahl zu verstehen: Sieben steht f\u00fcr die F\u00fclle und Totalit\u00e4t, also das ganze B\u00f6se zieht dann in den Menschen ein.<\/p>\n<ul>\n<li>Gibt es Geister, die b\u00f6ser sind als andere?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es gibt wahrscheinlich gewisse Abstufungen bei b\u00f6sen Geistern, \u00e4hnlich wie bei Engeln, \u00fcber die wir aber nichts Genaueres wissen. Jesus meint hier allerdings auch noch etwas anderes, wenn er von \u201eb\u00f6ser\u201c spricht: Die b\u00f6sen Geister werden den Menschen noch mehr beeinflussen als vorher. Sie werden noch mehr Auswirkungen und Zugriff haben als zuvor. Matth\u00e4us geht es um die ganze Nation: Wenn ihr als Nation nicht umkehrt zu Gott, nachdem Jesus zu euch gekommen ist, dann wird es mit eurer Nation danach noch schlimmer werden als davor (vgl. Carson 298). Das passt biblisch-theologisch auch zu dem Denken, dass es einer, dem sich Gott offenbart hat und den er befreit hat, der es aber abgelehnt hat, danach noch schwerer hat, zu Gott zu kommen, weil er unter einem noch st\u00e4rkeren Einfluss des B\u00f6sen steht (vgl. Hebr 6,4).<\/p>\n<ul>\n<li>K\u00f6nnen mehrere Geister auf einmal in einem Menschen wohnen? Ist das schlimmer als nur einer?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es k\u00f6nnen mehrere Geister auf einmal einen Menschen beeinflussen und auf ihn einwirken. Immer wenn wir davon lesen, scheint das ein Ausdruck daf\u00fcr zu sein, dass es noch schlimmer ist als nur mit einem. In Mk 5,9 lesen wir von der Legion, viele Geister. In Lk 8,2 lesen wir von sieben b\u00f6sen Geistern, die in Maria waren.<\/p>\n<ul>\n<li>Was wird mit diesem Geschlecht passieren, was meint Jesus hier?<\/li>\n<\/ul>\n<p>In diesem letzten Satz wird ganz klar: Matth\u00e4us will, dass wir diese Verse nicht nur auf eine einzelne Person, sondern auch auf das ganze Volk der Juden beziehen. Es wird damit zur Warnung f\u00fcr alle: Wenn Jesus sich euch offenbart und zu euch spricht und euch damit ein st\u00fcckweit von unreinen Geistern befreit hat, die gerade das Reden Gottes verhindern wollen, dann lasst euch von Gott f\u00fcllen! Lehnt es nicht ab! Umso \u00f6fters ihr euch gegen Gott stellt, umso schwerer wird es, zu ihm zu kommen, weil die b\u00f6sen Geister immer mehr Einfluss auf euch bekommen. Die Verse sind damit ein ganz deutlicher Aufruf an das ganze Volk damals: Kehrt um! Wenn ihr nicht umkehrt, wird es euch und dem Volk danach noch schlechter gehen als bevor Jesus zu euch kam und redete. Diese Aussage macht auch deutlich: Die Verse hier sind in erster Linie eine p\u00e4dagogische Mahnung: Lasst euer Haus nicht leer stehen, dadurch ladet ihr den B\u00f6sen ein. Lasst euren Geist vom Geist Gottes f\u00fcllen.<\/p>\n<p><u>Vers 46:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Wie h\u00e4ngen die Verse \u00fcber Geschwister und Mutter mit den Versen davor zusammen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gibt es einen chronologischen oder thematischen Zusammenhang dieser Verse zu den Versen davor? Auf den ersten Blick scheint das Thema zu wechseln. Das \u201eals er noch redete\u201c k\u00f6nnte ein Hinweis darauf sein, dass die Situation aber noch dieselbe ist. Maier pl\u00e4diert daf\u00fcr, dass dies nicht so ist (710). Das begr\u00fcndet er damit, dass bei Matth\u00e4us h\u00e4ufig \u00dcberleitungsw\u00f6rter als Einleitungsw\u00f6rter verwendet werden und nicht zwingend einen zeitlichen Zusammenhang herstellen. Beispielsweise das Wort \u201edann\u201c und \u201edarauf\u201c wird ganz klar als Einleitungswort f\u00fcr einen neuen Abschnitt verwendet, genauso k\u00f6nnte es hier mit dem Wort \u201enoch\u201c sein. Au\u00dferdem erscheint die Geschichte in Lukas an einer anderen Stelle, weshalb entweder Lukas oder Matth\u00e4us hier nicht chronologisch sein k\u00f6nnen. Das ist zwar m\u00f6glich, ich tendiere aber eher dazu, hier einen zeitlichen Anschluss zu sehen. Denn beide Parallelstellen in Mk und Lk leiten den Abschnitt nur mit \u201esie kamen\u201c ein. Matth\u00e4us hingegen beginnt mit den Worten: \u201eAls er noch redete.\u201c Au\u00dferdem erscheint in Mk und Mt dieser Abschnitt im gleichen Zusammenhang, nur in Lukas an anderer Stelle. Deshalb tendiere ich eher dazu, bei Matth\u00e4us hier einen zeitlichen Anschluss zu sehen. Man kann sich vorstellen, dass Jesus den ganzen Tag lehrte und unterrichte. Irgendwann im Laufe des Tages predigte er die Worte, die wir in den vorherigen Versen lesen. Und w\u00e4hrend er predigte (m\u00f6glicherweise nicht direkt nach den vorherigen Versen), erschien irgendwann seine Familie. Auch thematisch scheinen mir die Verse in 46-50, wenn man genauer hinschaut, gut in den Zusammenhang zu passen. Sie sind ein Abschluss der Kapitel 11 und 12, in denen es im Schwerpunkt um \u201eKonflikte und Zeichen\u201c geht (Matth\u00e4us stellt in diesem Abschnitt sicher auch einiges thematisch zusammen, was nicht zeitlich gesehen beisammen war). Au\u00dferdem kn\u00fcpft es gut an die vorherigen S\u00e4tze an: Nach der Warnung, sich nicht \u201eunbewohnt\u201c zu lassen, weil dann b\u00f6se Geister einen f\u00fcllen, kn\u00fcpft Jesus an der Begebenheit seiner Familie an und erkl\u00e4rt den H\u00f6rern, wie sie sich von Gott f\u00fcllen lassen k\u00f6nnen, wie sie zur Familie Gottes geh\u00f6ren und seine Kinder werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<ul>\n<li>Hatte Jesus Br\u00fcder?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Frage scheint auf den ersten Blick selbsterkl\u00e4rend. Hier ist doch von Br\u00fcdern Jesu die Rede, das ist doch ganz klar, oder? Allerdings st\u00f6\u00dft man auch ganz schnell darauf, dass sowohl die katholische Kirche als auch die orthodoxe Kirche davon \u00fcberzeugt sind, dass Maria ihr Leben lang Jungfrau war und Jesus keine Halbgeschwister hatte. Wie k\u00f6nnen sie das vertreten? Diese These geht schon auf die alte Kirche zur\u00fcck, schon Ambrosius von Mailand legte Jes 7,14 so aus, dass Maria ihr Leben lang Jungfrau gewesen sein muss. Daher kommt auch der Begriff der \u201eJosefsehe\u201c, der daf\u00fcr steht, dass Josef und Maria zwar verheiratet waren, aber keine Sexualit\u00e4t gelebt h\u00e4tten. Der Begriff \u201eBr\u00fcder\u201c kann eindeutig auch f\u00fcr weitere Verwandte stehen und muss nicht immer nur den direkten Bruder bezeichnen. Zwei Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze werden in diesen Traditionen f\u00fcr die vielen Verse in der Bibel von \u201eBr\u00fcdern Jesu\u201c verwendet: Zum einen gehen einige davon aus, dass Josef Witwer war und vor seiner Ehe mit Maria schon mit seiner ersten Frau Kinder hatte. Das scheint zwar etwas spekulativ, allerdings lesen wir schon in einer apokryphen Schrift aus dem 2. Jahrhundert davon (apokryphes Protoevangelium des Jakobus), dass genau das der Fall gewesen sei: Josef war Witwer und brachte Kinder mit in die Ehe mit Maria. Andere vertreten die These, dass die Br\u00fcder Jesu nur seine Cousins waren. Die Schwester von Maria hie\u00df auch Maria (Joh 19,25) und so k\u00f6nnte es sein, dass ihre Kinder, also Jesus Cousins, auch Kinder von Maria waren (so werden die Br\u00fcder Jesu bezeichnet), aber eben nicht von Maria, der Mutter Jesu. Da es schon sehr fr\u00fche Belege f\u00fcr diese Auslegung gibt, halte ich sie f\u00fcr nicht komplett abwegig und man sollte die Auslegung zweier Gro\u00dfkirchen nicht vorschnell als \u201eSchwachsinn\u201c abtun. Trotzdem w\u00fcrde ich aus folgenden Gr\u00fcnden daf\u00fcr pl\u00e4dieren, dass Jesus wirklich Halbgeschwister hatte, also dass Maria und Josef weitere Kinder hatten: 1. Gibt es in der Bibel keinen Hinweis daf\u00fcr, dass Josef Kinder mit in die Ehe mit Maria brachte und es gibt keine Stelle, die ausdr\u00fccklich sagt, dass Maria ihr Leben lang Jungfrau war und sie mit Josef keine Kinder hatte. 2. Stellen wir Mk 6,3 sprechen in einem Zug von der Mutter Jesu und seinen Br\u00fcdern und implizieren dadurch, dass es wirklich seine leiblichen Halbbr\u00fcder, also Kinder von Maria und Josef sind: \u201eIst der nicht der Zimmermann, Marias Sohn und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Sind nicht auch seine Schwestern hier bei uns?\u201c 3. Dass mit \u201eBr\u00fcder\u201c beispielsweise in diesem Abschnitt weitere Verwandte bezeichnet werden, scheint nicht einleuchtend: Denn es waren sogar J\u00fcnger Jesu seine Cousins (Johannes und Jakobus auf jeden Fall), vermutlich sind sie sogar zusammen aufgewachsen. Trotzdem werden diese beiden Cousins Jesu nicht als seine Br\u00fcder bezeichnet, wir wissen noch nicht mal von Berichten aus der fr\u00fchen Kirche (meines Wissens), in denen mit diesem Verwandtschaftsverh\u00e4ltnis begr\u00fcndet w\u00fcrde, dass sie mehr Gewicht hatten. Allerdings bei Jakobus und Judas, die Br\u00fcder des Herrn genannt werden, lesen wir immer wieder davon, dass sie Br\u00fcder Jesu waren.<\/p>\n<ul>\n<li>Warum kamen nur Br\u00fcder und die Mutter Jesu? Was war mit Schwestern oder mit Josef?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jesus wird in den Evangelien einige Male als Sohn Josefs bezeichnet (z.B. Joh 1,45). Allerdings f\u00e4llt auf, dass er abgesehen von den Startkapiteln nirgends in den Evangelien eine Rolle spielt, dabei ist oder handelt. Deshalb gingen schon in der fr\u00fchen Kirche viele davon aus, dass Josef vor dem aktiven Auftreten Jesu gestorben ist (so zum Beispiel Hieronymus). Ganz sicher ist das zwar nicht, allerdings ist es gut m\u00f6glich, da Josef sicher schon alt war, als Jesus knapp 30 war und zu predigen begann. Das w\u00e4re auch eine gute Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, warum hier beispielsweise nur die Mutter und die Br\u00fcder kommen.<\/p>\n<p>Schwestern hatte Jesus auch (z.B. Mk 6,3), allerdings wird nie eine namentlich erw\u00e4hnt. Warum sie hier nicht dabei sind, ist nicht ganz klar.<\/p>\n<ul>\n<li>Warum kommt Jesu Familie extra zu ihm zum Reden? Sahen sie sich sonst nicht?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jesus scheint w\u00e4hrend der 3 Jahre seines Dienstes kaum bei seiner Familie gewesen zu sein. Vielleicht verstand er sich in Anschluss an Johannes den T\u00e4ufer ein st\u00fcckweit als Nasir\u00e4er, Gottgeweihter, der sich ganz besonders seinem Dienst hingab (vgl. Maier, 710). W\u00e4hrend Jesus die ersten Jahre ganz normal bei seiner Familie aufwuchs, verlie\u00df er sie wohl f\u00fcr den Dienst, um seiner Berufung zu folgen und das Reich Gottes zu verk\u00fcndigen. Es scheint so, dass die Br\u00fcder und vielleicht auch die Mutter Jesu w\u00e4hrend des Dienstes nicht ganz von Jesus \u00fcberzeugt waren, sie hielten ihn teilweise f\u00fcr nicht zurechnungsf\u00e4hig (Mk 3,21) und glaubten nicht an ihn (Joh 7,5). Wohl erst gegen Ende seines Dienstes oder mit der Kreuzigung und Auferstehung Jesu, wurden auch einige seiner Br\u00fcder \u00fcberzeugte Nachfolger Jesu. In Apg 1,14 lesen wir, dass sie bei einer Gebetsgemeinschaft dabei waren. Von Judas und Jakobus wissen wir, dass sie in der fr\u00fchen Gemeinde angesehen waren (Apg 15,13; und vgl. die Briefe der beiden). Aber als sie hier zu Jesus kommen, kamen sie wohl eher noch anklagend und wollten ihn zur Rede stellen.<\/p>\n<p><u>Vers 47:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Warum musste ein Informant Jesus mitteilen, dass seine Familie drau\u00dfen steht?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hier wird deutlich, dass Jesus in diesen Versen in einem Haus oder im Hof eines Hauses lehrte. Anscheinend war das Haus so voll, dass seine Familie von drau\u00dfen nicht rein konnte, um mit ihm zu reden. Vielleicht w\u00e4re es der Familie auch unangenehm gewesen, sich gemeinsam nach vorne zu dr\u00e4ngen, um Jesus dort von der \u201eB\u00fchne\u201c zu ziehen. Deshalb beauftragten sie einen, es Jesus auszurichten. Vielleicht sprach es sich auch irgendwie durch die Menge herum und einer teilte es Jesus mit.<\/p>\n<ul>\n<li>Geh\u00f6rt der Vers 47 \u00fcberhaupt dazu?<\/li>\n<\/ul>\n<p>In Vers 47 sto\u00dfen wir auf ein textkritisches Problem. In vielen alten Handschriften ist dieser Vers gar nicht enthalten. Im Paralleltext in Mk 3,33 geht es auch direkt weiter mit: \u201eJesus antworte ihnen und spricht.\u201c In einigen alten Abschriften, die relativ gut sind, fehlt dieser Satz. In teilweise noch \u00e4lteren Handschriften ist er aber enthalten; von der Menge und Qualit\u00e4t der Handschriften her sprechen mehr daf\u00fcr, dass dieser Vers zum Text geh\u00f6rt. Allerdings l\u00e4sst sich sehr schwer erkl\u00e4ren: Warum sollte dieser Vers weggelassen worden sein von Abschreibern? Auf der anderen Seite lie\u00dfe sich eher erkl\u00e4ren, dass er hinzugef\u00fcgt wurde. In Vers 48 hei\u00dft es am Anfang, dass Jesus zu dem sprach, der es ihm mitteilte. Hier w\u00fcrde davor der erkl\u00e4rende Einschub Sinn ergeben, dass es ihm jemand mitteilt. Man sieht, dass auch mit dem Beginn von Vers 48 die Abschreiber Schwierigkeiten hatten; in einer alten Handschrift fehlt dieser Teil \u201ezu dem, der ihm es sagte\u201c. In anderen Handschriften gibt es unterschiedliche Formen davon. Deshalb tendiere ich dazu, dass der Anfang in Vers 48 so dastand, dass aber manche Abschreiber sich gesagt haben: Wir erg\u00e4nzen hier einen kleinen Satz (Vers 47), damit klar wird, dass es ihm einer mitteilte. Andere hingegen versuchten den Anfang von Vers 48 anzupassen, damit es nicht aus dem nichts kommt, dass Jesus einer Person antwortet. Ganz sicher l\u00e4sst sich nicht sagen, ob der Vers urspr\u00fcnglich ist; aber auch wenn er eine Erg\u00e4nzung ist, wovon ich ausgehe, ist es ja eine sinnvolle Erg\u00e4nzung, die erkl\u00e4rt, wie es abgelaufen ist und wie der Text gemeint ist. Jesus antwortet auf jeden Fall speziell dem Boten, der es ihm mitgeteilt hatte, spricht es aber gleichzeitig auch zur ganzen Menge.<\/p>\n<p><u>Vers 48:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Was bezweckt Jesus mit der Frage: Wer sind meine Mutter und meine Br\u00fcder?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jesus stellt die Frage, um die Zuh\u00f6rer zum Nachdenken zu bewegen. Nat\u00fcrlich war allen klar, wer die leibliche Mutter und die leiblichen Geschwister Jesu waren. Aber vielleicht erinnerten sich manche der H\u00f6rer auch schon an 5Mose 33,8f, wo schon angedeutet wird, dass f\u00fcr Leviten und Priester die geistliche Familie und Verantwortung eine besondere Rolle spielt im Vergleich zur leiblichen Familie. F\u00fcr Priester war immer klar, dass sie f\u00fcr ihre Aufgabe und Verantwortung ein st\u00fcckweit \u201enormale Familie\u201c opferten (vgl. Maier, 712).<\/p>\n<p><u>Vers 49:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Was meint Jesus damit, dass die J\u00fcnger seine Mutter und seine Br\u00fcder sind?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mir schien es auf den ersten Blick etwas seltsam, dass Jesus seine Nachfolger auch als seine M\u00fctter bezeichnet. Aber es wird deutlich: Jesus verwendet hier ein Bild und \u00fcbertr\u00e4gt es: \u00c4hnlich wie man in dieser Welt besonders eng mit der Familie verkn\u00fcpft ist, verbunden ist und besondere Verantwortung tr\u00e4gt, so sind wir in der geistlichen Realit\u00e4t eine Familie, wenn wir zu ihm geh\u00f6ren. Dabei geht es nicht um die genaue Differenzierung zwischen Bruder, Mutter, Vater, Schwester. Sondern darum: Wir sind geistliche Verwandte. So wie im Reich der Welt keine Verbindung so eng ist wie die der Familie, so eng ist in Gottes Reich die Verbindung zwischen allen Gl\u00e4ubigen. Jeder, der zu Jesus geh\u00f6rt, ist Teil dieser Familie. Damit zeigt er in Anschluss an Vers 43-45 auf, mit was man sich f\u00fcllen lassen muss, damit das B\u00f6se einen nicht immer wieder ruft: Mit Gottes Geist, der uns zu Kindern Gottes macht (R\u00f6m 8,14) und der uns zur Familie Jesu zugeh\u00f6rig macht und uns mit allen Gl\u00e4ubigen verbindet. Das Bild des Vaters wird in der Bibel fast ausschlie\u00dflich auf Gott hin verwendet, weshalb Gott hier die Nachfolger nicht seinen Vater nennt, das ist in Vers 50 dann Gott.<\/p>\n<ul>\n<li>Wie verhalten sich geistliche Familie und irdische Familie? Verletzt Jesus hier nicht das vierte Gebote, dass man die Eltern ehren soll? Ist die geistliche oder die irdische Familie \u201ewichtiger\u201c?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jesus war ohne Schuld, also ist ganz klar, dass er auch das vierte Gebot, das Ehren der Eltern, total ernst nahm. Das zeigt sich auch darin, dass er es selbst predigte: Mt 15,3ff. Deshalb redet er auch nicht schlecht \u00fcber seine Familie, obwohl sie wohl noch nicht an ihn glaubten. Aber er will hier zwei Dinge klarstellen: Sein Auftrag, seine Berufung steht \u00fcber seiner Familie. Er l\u00e4sst sich nicht einfach so vom Predigen wegrufen, weil seine Familie mit ihm reden m\u00f6chte (bei einem Notfall w\u00e4re das vielleicht etwas anderes gewesen). Au\u00dferdem stellt Jesus hier ganz klar: Ich will keine Dynastie aufbauen. Jesu Ziel war es nicht, dass seine Br\u00fcder und Geschwister nach ihm seine J\u00fcnger weiter anleiteten und f\u00fchrten. Sein Ziel war es nicht, seine Familie als Herrscher einzusetzen. Sondern im Reich Jesu gilt: Jeder Gl\u00e4ubige darf ganz mitarbeiten und hat dieselben Rechte. Nach Jesu Tod arbeiteten auch Br\u00fcder Jesu im Reich Gottes und in der Gemeinde mit (1Kor 9,5; 1Kor 15,7). Aber das taten sie nicht mit einer gr\u00f6\u00dferen Autorit\u00e4t, nur weil sie Geschwister Jesu waren. Deshalb ist Jesus hier wichtig zu sagen: In meinem Reich gilt nicht die leibliche Familie, sondern die geistliche Familie! Das scheint uns Christen vielleicht selbstverst\u00e4ndlich, aber ist im Islam beispielsweise ganz andres. \u201eDort entsteht durch Mohammeds Verwandte das System des Kalifats. Dort entstehen Machtk\u00e4mpfe, Dynastien und bis zum heutigen Tag schwere Gegnerschaften durch Berufung auf Familienmitglieder Mohammeds, zum Beispiel unter Sunniten und Schiiten\u201c (vgl. Maier, 712).<\/p>\n<p>Es wurde deutlich, weshalb Jesus hier so deutlich reagiert und was er damit klarstellen will. Wir sind heutzutage in der Spannung, dass wir noch sowohl in der Welt leben als auch in der Gemeinde und in Gottes Reich. Damit haben wir sowohl eine Verantwortung gegen\u00fcber unserer leiblichen und gegen\u00fcber unserer geistlichen Familie, die man nicht gegeneinander ausspielen darf; beides sind Verantwortungen, in die Gott uns von der Bibel her hineinstellt. Deshalb w\u00e4re es auf der einen Seite nat\u00fcrlich falsch, den Ehegatten davonzulaufen, wie es in der Geschichte manche extremen Christen gemacht haben (vgl. Maier, 713) und es w\u00e4re nat\u00fcrlich falsch, die leibliche Familie zu vernachl\u00e4ssigen und sich in Notsituation nicht um sie zu k\u00fcmmern. Auf der anderen Seite w\u00e4re es nat\u00fcrlich falsch, sein ganzes Leben nur dem K\u00fcmmern um die Kinder oder die Eltern zu widmen und deshalb keine&nbsp; Zeit f\u00fcr die geistliche Familie zu haben, um die man sich genauso k\u00fcmmern muss und die man nicht vernachl\u00e4ssigen sollte. Nat\u00fcrlich sollte Gott die erste Priorit\u00e4t im Leben haben \u2013 \u00fcber der Familie. Je nach Familienkonstellation kann diese erste Priorit\u00e4t Gottes im Leben zu Differenzen und Streit f\u00fchren, wie es besonders in muslimischen Familien h\u00e4ufig vorkommt. Aber es muss ber\u00fccksichtigt werden: Gott gibt jedem Christen sowohl den Auftrag, f\u00fcr die leibliche Familie (1Tim 3,4) als auch f\u00fcr die geistliche Familie zu sorgen (Jak 2,15f). Je nach Situation kann hier die Arbeit in der Familie oder aber die in der Gemeinde intensiver sein und mehr Zeit fordern, wenn man beispielsweise in der Familie besonders pflegebed\u00fcrfte Familienmitglieder hat oder wenn man in der Gemeinde besonders pflegebed\u00fcrftige geistliche Geschwister hat. Spannend ist auch, dass schon vom Alten Testament her deutlich wird: Im Dienst f\u00fcr den Herrn stehende und Leiter haben eine besonders starke Verantwortung f\u00fcr die geistliche Familie und k\u00f6nnen deshalb umso mehr in der Spannung dieser \u201ebeiden Familien\u201c stehen (1Kor 7,7).<\/p>\n<p><u>Vers 50:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Warum erg\u00e4nzt und erw\u00e4hnt Jesus hier auf einmal auch die \u201eSchwester\u201c?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es f\u00e4llt auf, dass Jesus in der Zusammenfassung erg\u00e4nzt, dass man nicht nur Bruder und Mutter, sondern auch Schwester sein kann. Vielleicht wollte er damit nochmal ganz klar zeigen: Egal ob Mann oder Frau, jeder, der den Willen des Vaters tut und zu mir geh\u00f6rt, der geh\u00f6rt zu unserer Familie!<\/p>\n<ul>\n<li>Was hei\u00dft es, den Willen des Vaters im Himmel zu tun? Warum sind nur diejenigen Jesu Geschwister und Mutter?<\/li>\n<\/ul>\n<p>In Vers 38-42 hat Jesus deutlich gemacht: Es gibt Zeichen und Belege, ich bin der Retter! In Vers 43-45 hat er davor gewarnt: Bleibt nicht leer, wenn ihr befreit wurde, lasst euch vom guten Geist f\u00fcllen! In diesen letzten Versen verkn\u00fcpft er nun mit der Begebenheit seinen Eltern die Aufforderung und sagt: Das F\u00fcllen-Lassen funktioniert, indem ihr Gottes Willen tut und mir nachfolgt, dann wird Gott euch ausf\u00fcllen. In Lukas 8,21 ist die Formulierung in diesem Text etwas anders, dort hei\u00dft es: \u201edie Gottes Wort h\u00f6ren und tun\u201c. Hier in Matth\u00e4us lesen wir: \u201edie den Willen des Vaters tun\u201c. Das bedeutet: Das Entscheidende ist das Tun, nicht das Wertsch\u00e4tzen, Diskutieren, \u00dcberlegen. Dieselbe Aussage wie hier lesen wir immer wieder in der Bibel: Mt 7,21.24; Dtn 30,15; Gal 5,6; Jak 1,22. Den Willen Gottes tun beinhaltet hier meiner Ansicht nach zwei Aspekte: Zum einen: Das Tun, wie Gott uns gesagt hat, dass wir ihm nahekommen k\u00f6nnen. Das war zu jeder Zeit der Heilsgeschichte nat\u00fcrlich etwas anderes, aber immer war es das Tun dessen, was Gott uns aufgetragen hat. W\u00e4hrend im Alten Bund der Wille Gottes war, dass die Israeliten Opfer bringen und dadurch ihre Schuld bekennen und seine Vergebung annehmen, ist im Neuen Bund der Wille Gottes, dass wir an Jesus Christus glauben, weil er f\u00fcr uns am Kreuz gestorben ist. Wenn wir diesem Willen Gottes folgen, dann geh\u00f6ren wir zur geistlichen Familie und sind errettet. Ein zweiter Aspekt ist: Darin, dass wir den Willen Gottes tun beispielsweise in der Aus\u00fcbung von Liebe, zeigt sich, dass der Heilige Geist uns ausf\u00fcllt und wir nicht mehr vom B\u00f6sen bestimmt werden (Gal 5,6; Jak 2,14ff).<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Verstehen, worum es geht<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>2.1 Hinweise f\u00fcr hermeneutische \u00dcberlegungen (Auslegung)<\/strong><\/p>\n<p>Vers 38-42 steht in einem etwas anderen Verh\u00e4ltnis zum heutigen H\u00f6rer wie zum damaligen H\u00f6rer. W\u00e4hrend die H\u00f6rer damals noch auf das letzte Zeichen warteten, dass Jesus stirbt und aufersteht, leben wir schon nach dieser letzten Best\u00e4tigung Gottes, dass Jesus der Retter ist. Deshalb k\u00f6nnen wir schon darauf zur\u00fcckblicken, m\u00fcssen aber auf historische Quellen Bezug nehmen, die uns davon berichten und es belegen.<\/p>\n<p>In Vers 43-45 ist zu ber\u00fccksichtigen, dass der Text noch vor Pfingsten spielt, man also nicht vorschnell auf die Versiegelung eines Christen mit dem Heiligen Geistes eingehen sollte. Allerdings verk\u00fcndigt Jesus den Neuen Bund, weshalb ich davon ausgehe, dass sich hier auf jeden Fall eine Verbindung ziehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das Angebot in Vers 46-50, dass man Teil der geistlichen Familie, der Familie Gottes, werden kann, ist eine Einladung, die wir ganz direkt heute an die H\u00f6rer ausspreche k\u00f6nnen verkn\u00fcpft mit der Begr\u00fcndung Jesu Gottessohnschaft in Vers 38-42 und der Warnung vor Neutralit\u00e4t in Vers 43-45.<\/p>\n<p><strong>2.2 Hinweise f\u00fcr situative \u00dcberlegungen (Predigtanlass)<\/strong><\/p>\n<p>Wir predigen den Text zwei Wochen nach Pfingsten, zusammen mit dem Predigttext letzte Woche k\u00f6nnen wir hier sehr gut an die Geistthematik ankn\u00fcpfen. Wir k\u00f6nnen von Pfingsten her aufzeigen, wie wichtig es ist, dass man von Gottes Geist erf\u00fcllt ist.<\/p>\n<p>Zu ber\u00fccksichtigen ist die Situation vor Ort, die vermutlich durch Corona eingeschr\u00e4nkt ist und wodurch m\u00f6glicherweise ein anderer Zuh\u00f6rerkreis entsteht. Ankn\u00fcpfen kann man hier beispielsweise thematisch, indem man aufzeigt: Durch Corona sind viele Familien wieder enger zusammenger\u00fcckt, weil die Kinder oder auch die Eltern auf einmal viel mehr zuhause waren. Wie sieht es da mit der geistlichen Familie aus, r\u00fccken wir in Notsituationen auch als Familie enger zusammen?<\/p>\n<p><strong>2.3 Hinweise f\u00fcr homiletische \u00dcberlegungen (Anwendung)<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt verschiedene Anwendungsm\u00f6glichkeiten des Textes, ich m\u00f6chte hier nur einige Linie aufzeigen:<\/p>\n<p><u>Vers 38-42:<\/u><\/p>\n<p>&gt; Man kann die H\u00f6rer herausfordern: Zu welcher Gruppe geh\u00f6rt ihr? Seid ihr die fragenden und zweifelnden Schrift-Gelehrten? Geh\u00f6rt ihr zu den anderen Schriftgelehrten? Seid ihr die, die schon den ganzen Tag dabeisitzen und zuh\u00f6ren, trotz der vielen Konflikte \u2013 die vielleicht keine Ahnung von der Schrift hatten und einfach gespannt zuh\u00f6rten?<\/p>\n<p>&gt; W\u00fcrden wir auch manchmal gerne Zeichen von Gott als Best\u00e4tigung? Warum fordern wir solche Zeichen, um Gott zu versuchen? Sind wir bereit, hinzuschauen f\u00fcr die vielen Zeichen, die es eigentlich schon gibt? Bist du bereit, dich ehrlich nach Gott auf die Suche zu machen und dich von Zeichen auch \u00fcberzeugen zu lassen? Unser Verstand kann immer zweideutig deuten, die Frage ist, ob du bereit bist, das eigentlich Offensichtliche zu erkennen! Hier kann man Nichtchristen gut hinterfragen: Woran liegt es, dass du nicht glaubst? Willst du nicht hinschauen und deutest alles so, dass es eben nicht zu Gott passt? Man kann auch herausfordern wie Jesus: Haben andere nicht schon wegen viel weniger Gott vertraut und an ihn geglaubt und werden damit Zeugnis gegen euch ablegen, wenn ihr nicht glaubt?<\/p>\n<p>&gt; Jesus spricht die ganze Generation an: Wir k\u00f6nnen uns bewusst sein: Wir geh\u00f6ren immer zu einer Gruppe, zu einer Generation, von der unsere Einstellungen gepr\u00e4gt sind. Aber nat\u00fcrlich gab es auch in der j\u00fcdischen Generation, einzelne, die doch geglaubt haben. Was w\u00fcrde Jesus wohl \u00fcber unser Volk, unsere Stadt sagen? Was w\u00fcrde er zu dir pers\u00f6nlich sagen?<\/p>\n<p>&gt; Jesus nennt zwei Zeichen, die uns gegeben sind. Hier k\u00f6nnen wir in einer Predigt darauf eingehen: Was ist das Zeichen der Auferstehung das Zeichen der Weisheit Jesu? \u00dcberzeugen uns diese Zeichen? Man kann sich auch gerne auf die Suche nach Belegen machen: Ist die Auferstehung historisch und wissenschaftlich gesehen nicht sehr wahrscheinlich und nach wie vor ein gutes Zeichen und ein Beleg f\u00fcr Jesu G\u00f6ttlichkeit? Sind die weisen Aussagen und S\u00e4tze, die sich \u00fcber Jahrtausende gehalten und verbreitet haben, ein Beleg f\u00fcr Jesu G\u00f6ttlichkeit? Man kann sich hier auch weiter austauschen oder weitere Gr\u00fcnde zusammensuchen, weshalb Jesus Gott ist.<\/p>\n<p><u>Vers 43-45:<\/u><\/p>\n<p>&gt; In diesen Versen steht sicher die Frage im Fokus: Wovon bist du gef\u00fcllt? Es gibt keine Neutralit\u00e4t. Wenn du nicht vom Geist Gottes erf\u00fcllt bist, wird der B\u00f6se dich immer wieder zu sich ziehen. Das kann als Warnung gepredigt werden, aber gleichzeitig als Angebot: Mache dich auf die Suche, wovon du dich f\u00fcllen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&gt; Man kann hier auch ganz provokant sein: Wer sein Leben nur sch\u00f6n herrichtet und ordentlich pflegt, bei dem nisten sich die b\u00f6sen Geister umso lieber ein. Was hei\u00dft das konkret? Der Teufel gebraucht Menschen zum B\u00f6sen, auch wenn das m\u00f6glicherweise im ersten Augenblick nicht b\u00f6se scheint. Am Ende geh\u00f6rt jeder jemandem. Das kann man gut an Werten und an der Lebenseinstellung deutlich machen. Wovon lasse ich mich pr\u00e4gen und f\u00fcllen? Ist es die Liebe Gottes, die ich anderen weitergeben will und kann? Sind es Werte und Ma\u00dfst\u00e4be Gottes? Oder wovon werde ich bestimmt und gepr\u00e4gt?<\/p>\n<p>&gt; Hier kann man auch \u00fcbertragen anwenden: Wovon lass ich mich f\u00fcllen? Wenn es um die Errettung geht, gibt es nat\u00fcrlich nur ein ganz oder gar nicht, entweder man hat den Heiligen Geist oder nicht. Aber dar\u00fcber hinaus kann es Abstufungen geben: Ob als Christ oder als Nichtchrist: Womit verbringe ich meine Zeit? Was f\u00fcllt mich? Ich denke jeder kennt es: Wenn man eine Zeit lang \u201enichts\u201c tut, steht man umso mehr in der Gefahr, dass der Teufel einen dazu verf\u00fchrt, etwas B\u00f6ses zu tun. Womit verbringe ich also meine Zeit, was pr\u00e4gt mich? Hier kann man in der Predigt konkret \u00fcberlegen, wie man verschiedene Bereiche mit Gott leben kann \u2013 oder eben ohne Gott. Beispielsweise wenn ich Filme schaue: Tue ich das mit Gott? Oder ohne Gott und komme in die Gefahr, falsche Filme zu schauen? Eine Idee f\u00fcr eine konkrete Anwendung w\u00e4re: Vor jedem Film, den man anschaut, ein kurzes Gebet sprechen: \u201eJesus, ich will jetzt mit dir zusammen diesen Film anschauen und genie\u00dfen.\u201c Dadurch hinterfragt man sich automatisch, ob der Film einen in Jesu Sinn pr\u00e4gt oder ob er einem nicht guttut; ob Jesus mitschauen w\u00fcrde oder nicht.<\/p>\n<p><u>Vers 46-50:<\/u><\/p>\n<p>&gt; Nach den vorherigen Versen sind diese hier als Antwort zu verstehen: Wie kann ich mich gut f\u00fcllen lassen? Wie kann ich zur Familie Gottes kommen? Jeder Mensch hat eine Sehnsucht nach einer wirklichen Familie. Manche haben ihre Familie positiv erlebt, andere negativ. Jeder wei\u00df, wie schmerzhaft es ist, Familienmitglieder zu verlieren. Aber es gibt eine Familie, die im Gegensatz zur weltlichen Familie ewig gilt: Die Familie Gottes. Wer m\u00f6chte da nicht gern dazugeh\u00f6ren?<\/p>\n<p>&gt; In diesen Versen kann man f\u00fcr den Christen diskutieren: Wie verhalten sich geistliche und leibliche Familie? Schmerzt es dich genauso, wenn ein geistlicher Bruder verletzt ist oder vom Weg abkommt, wie bei einem leiblichen Bruder? Stehen wir in der Gefahr, auf der einen oder anderen Seite vom Pferd zu fallen, und die weltliche oder die geistliche Familie dadurch zu vernachl\u00e4ssigen?<\/p>\n<p>&gt; Das geniale Angebot und die Zusage sollte hier auf jeden Fall sein: Wir k\u00f6nnen Kinder Gottes, Geschwister Jesu werden. Wer den Willen Gottes tut und an Jesus glaubt, der ist errettet!<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Sagen, wo es hingeht<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>3.1 Predigtziel \u2013 warum halte ich diese Predigt?<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie die Predigt am letzten Sonntag ist dieser Abschnitt von Jesus sehr evangelistisch. Der Zuh\u00f6rer soll erkennen, dass die einzige vern\u00fcnftige Schlussfolgerung besonders nach der Auferstehung ist: Jesus ist der Sohn Gottes und der Retter. Durch Jesus d\u00fcrfen wir zur geistlichen Familie geh\u00f6ren!<\/p>\n<p>Das kann einerseits Christen helfen, ihren Glauben weiterzugeben und zu verteidigen und andererseits Nichtchristen konkret zum Glauben einladen<\/p>\n<p><strong>3.2 Predigtentfaltung \u2013 wie sage ich es in dieser Predigt?<\/strong><\/p>\n<p>Thema: Die Auferstehung Jesu ein Beweis seiner G\u00f6ttlichkeit: Tut Gottes Willen und glaubt an Jesus!<\/p>\n<ol>\n<li>Das gr\u00f6\u00dfte Zeichen ist Jesus und seine Auferstehung: seid ihr bereit, genau hinzuschauen? (38-42)<\/li>\n<li>Neutralit\u00e4t ist nicht m\u00f6glich: Entscheidet euch und glaubt, sonst wird der B\u00f6se euch ausf\u00fcllen. (43-45)<\/li>\n<li>Du kannst zu Gottes Familie geh\u00f6ren, tu seinen Willen! (46-50)<\/li>\n<\/ol>\n<p>Thema: Das Zeichen ist Jesus und in ihm k\u00f6nnen wir zu Gottes Familie geh\u00f6ren<\/p>\n<ul>\n<li>Welche Zeichen bekommen wir? (38-42)<\/li>\n<li>Befreiung allein reicht nicht, lasst euch f\u00fcllen! (43-45)<\/li>\n<li>Ihr werdet zu Gotte Familie geh\u00f6ren (46-50)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Man k\u00f6nnte die Predigt gut gliedern und entfalten ausgehend vom Bild des Detektives (siehe unten):<\/p>\n<p>Thema: Wer ist Jesus? \/ Von der Suche zur L\u00f6sung<\/p>\n<ol>\n<li>Wir gehen auf Indiziensuche (38)<\/li>\n<li>Es gibt einige wichtige Indizien, die zeigen, wer Jesus ist: Schau genau hin (39-42)<\/li>\n<li>Wer den Fall nicht l\u00f6st, kommt in Gefahr (43-45)<\/li>\n<li>Die Belohnung: Wer den Fall l\u00f6st, geh\u00f6rt zu Gottes Familie (46-50)<\/li>\n<\/ol>\n<p><u>Nach Maier (C-Edition):<\/u><\/p>\n<p>38-45:<\/p>\n<p>Thema:<\/p>\n<p>Gottes Zeichen; Gnade sollte man besser nicht ausschlagen<\/p>\n<ol>\n<li>Eine vergebliche Bitte<\/li>\n<li>Gottes Zeichen wird gesetzt<\/li>\n<li>Jesus warnt, die Gnade auszuschlagen<\/li>\n<\/ol>\n<p>46-50:<\/p>\n<p>Thema: Jesu nahestehend und doch fern<\/p>\n<ol>\n<li>Jesu nahestehend<\/li>\n<li>Und doch fern<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>3.3 Predigtveranschaulichungen \u2013 wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?<\/strong><\/p>\n<p>Aus dem Text kann man das Bild des Ehebrechers (Veres 39) ausf\u00fchren. Wie verletzt muss Gott nicht sein, wenn wir die Ehe immer wieder brechen? Er will uns aber trotzdem zur\u00fcck in seine Familie holen.<\/p>\n<p>Wright vergleicht in seinem Kommentar diese Verse mit Detektiven in einem Krimi \u2013 wir sind doch alle gerne Amateurdetektive. Die Pharis\u00e4er verhalten sich \u201ewie Krimileser, die die Indizien nicht erkennen k\u00f6nnen, weil sie zu sehr mit ihren eigenen Vorhaben besch\u00e4ftigt sind\u201c (177).<\/p>\n<p>Der Film \u201eder Fall Jesus\u201c passt gut zu diesem Abschnitt und kann nacherz\u00e4hlt oder empfohlen werden. Der Film ist an einer wahren Geschichte orientiert: Ein Journalist ist davon \u00fcberzeugt: Gott gibt es nicht, die Auferstehung, das ist Humbug. Nachdem seine Frau zu seinem \u00c4rger gl\u00e4ubig wird, macht er sich an die Suche, um einen Artikel zu schreiben, indem er widerlegt, dass Jesus auferstanden ist. Er geht von Wissenschaftler zu Wissenschaftler, tr\u00e4gt alles zusammen. Und wie sehr er sucht, er muss sich doch eingestehen: Alles weist darauf hin, dass Jesus wirklich auferstanden ist. Und was bedeutet da? Erst will er sich das nicht eingestehen, weil er sich eigentlich sicher gewesen war, welches Ergebnis herauskommt. Am Ende erkennt er Jesus doch.<\/p>\n<p>An dem Film kann man gut ankn\u00fcpfen: Sind wir bereit uns ernsthaft auf die Suche zu machen und zu \u00fcberpr\u00fcfen?<\/p>\n<p>(Samuel Koser)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtthema:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; In der Schrift findet man das Zeichen Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterst\u00fctzung enth\u00e4lt diese Predigthilfe deshalb Hinweise f\u00fcr eure Verk\u00fcndigung, ersetzt aber nicht euer eigenst\u00e4ndiges Erarbeiten des Bibeltextes. 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