{"id":3962,"date":"2020-05-08T09:47:10","date_gmt":"2020-05-08T07:47:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/?p=3962"},"modified":"2020-05-08T09:47:11","modified_gmt":"2020-05-08T07:47:11","slug":"predigthilfe-vom-7-juni-2020-matthaeus-12-22-37","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-7-juni-2020-matthaeus-12-22-37\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 7. Juni 2020 &#8211; Matth\u00e4us 12, 22-37"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigtthema:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; An der Frucht erkennt man den Baum<\/strong><\/p>\n<p><strong>Predigttext:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Matth\u00e4us 12,22-37<\/strong><\/p>\n<p>Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterst\u00fctzung enth\u00e4lt diese Predigthilfe deshalb Hinweise f\u00fcr eure Verk\u00fcndigung, ersetzt aber nicht euer eigenst\u00e4ndiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei der Vorbereitung dieser Predigt suchen wir nach dem, was der Herr \u00fcber den Predigttext durch uns sagen will, denn wir verk\u00fcndigen nur die Botschaft, die uns pers\u00f6nlich auf der Basis des Predigttextes aufs Herz gelegt wird. Nur wo der Herr uns das Herz gef\u00fcllt hat, da haben wir etwas zu sagen, da nur dann gilt: \u201eWer euch h\u00f6rt, h\u00f6rt mich\u201c (Lk 10,16a)!<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Sehen, was dasteht<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Verschiedene Bibel\u00fcbersetzungen um mit dem Predigttext vertraut zu werden findet man z.B. unter <a href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/\">www.bibleserver.com<\/a> (Luther 1984 \/ Revidierte Elberfelder Bibel \/ Hoffnung f\u00fcr alle \/ Schlachter 2000 \/ Neue Genfer \u00dcbersetzung \/ Gute Nachricht Bibel \/ Einheits\u00fcbersetzung \/ Neues Leben Bibel \/ Neue Evangelistische \u00dcbersetzung).<\/p>\n<p><strong>1.1 Allgemeine Hinweise zum Predigttext<\/strong><\/p>\n<p>Wir f\u00fchren im Juni die Predigtreihe aus dem Matth\u00e4usevangelium fort. Wir sind immer noch in Kapitel 11-12, in denen es um besondere Zeichen und damit zusammenh\u00e4ngende Konflikte geht. Ende April haben wir uns als letztes die Streitfrage zur Heilung am Sabbat angeschaut in Matth\u00e4us 12,1-14. In Vers 15-21 gibt es eine kurze Zusammenfassung der Heilungen und eine Ankn\u00fcpfung an den Gottesknecht aus Jesaja. In der Predigt heute besch\u00e4ftigen wir uns in Matth\u00e4us 12,22-37 mit der Frage: Wie kann man auf die D\u00e4monenaustreibung Jesu reagieren? In diesem Abschnitt geht Jesus (anders als sonst h\u00e4ufig) sehr argumentativ vor. Er geht auf die Pharis\u00e4er ein, versucht ihnen zu begr\u00fcnden, weshalb er nicht durch den Teufel, sondern durch Gottes Geist Wunder tut, und warnt sie danach eindringlich, sich nicht gegen den Heiligen Geist zu stellen.<\/p>\n<p>Vor zwei besondere Herausforderungen in der Auslegung ist der Prediger in diesem Text gestellt:<\/p>\n<p>1.Was ist mit der L\u00e4sterung des Geistes gemeint? Hier ist vor allem seelsorgerliche Vorsicht und saubere Differenzierung n\u00f6tig.<\/p>\n<p>2.Was meint Jesus damit, dass unsere Worte uns rechtfertigen? Wie ist das Verh\u00e4ltnis von Wort\/Tat und Glauben?<\/p>\n<p>Allerdings muss der Prediger darauf achten, den gesamten Text zu predigen und sich nicht zu stark auf diese besonderen Fragen zu konzentrieren. In der Auslegung unter 1.3 werde ich aber versuchen, euch Hilfen zur L\u00f6sung dieser Fragen an die Hand zu geben.<\/p>\n<p><strong>1.2 Hilfen zum Verst\u00e4ndnis des Predigttextes<\/strong><\/p>\n<p>Hilfen zur Auslegung bieten z.B.<\/p>\n<p>* Gerhard Maier, Matth\u00e4us, Historisch-Theologische Auslegung: aktueller Kommentar, wissenschaftlich, verst\u00e4ndlich<\/p>\n<p>* D. A. Carson, Matthew, Expositor\u00b4s Bible Commentary: diskutiert ausf\u00fchrlich die exegetischen Herausforderungen im Text<\/p>\n<p>* Fritz Rienecker, Matth\u00e4us, Wuppertaler Studienbibel: gute Anwendungen und hilfreich zur Predigtvorbereitung<\/p>\n<p>* Gerhard Maier, Matth\u00e4us, C-Edition: konkrete Predigtvorschl\u00e4ge mit Gliederung<\/p>\n<p>* N. T. Wright, Matth\u00e4us f\u00fcr heute 1: dort finden sich vor allem hilfreiche Geschichten und Beispiele f\u00fcr Predigten<\/p>\n<p><strong>1.3 Anmerkungen zum Verst\u00e4ndnis des Predigttextes<\/strong><\/p>\n<p><u>Vers 22:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Was bedeutet das \u201edann\/damals\u201c am Anfang?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dieses Wort steht sehr h\u00e4ufig einfach an der Einleitung zu einem Abschnitt und hei\u00dft nicht, dass die Geschichte direkt nach der vorherigen geschah. Das zeigt sich daran, dass in den anderen Evangelien diese Geschichte an anderen Stellen erscheint (vgl. Mk 3,22-27; Lk 11, 14-23).<\/p>\n<ul>\n<li>Warum ordnet Matth\u00e4us die Geschichte hier ein?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zum einen sind in Matth\u00e4us Kapitel 11-12 verschiede Zeichen und Konflikte zusammengestellt. Zum anderen wollte Matth\u00e4us vermutlich den Lesern durch die Zusammenstellung von den Versen 15-21 und 22ff ganz klar machen: Der Gottesknecht (V.18), der nach Jesaja f\u00fcr sein Volk leiden wird, ist die gleiche Person wie der Sohn Davids (V.23) der als Thronfolger Davids K\u00f6nig wird und Macht \u00fcber D\u00e4monen hat. Beides wird durch Jesus erf\u00fcllt.<\/p>\n<ul>\n<li>Was ist ein Besessener, gibt es das auch noch heute?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir lesen in den Evangelien immer wieder, dass Menschen von b\u00f6sen Geistern gef\u00fcllt und in Besitz genommen sind \u2013 so zum Beispiel auch im Abschnitt der Jahreslosung in Mk 9,14-29. Was lernen wir in diesen Geschichten \u00fcber Besessene? Vgl. dazu:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bibelwissenschaft.de\/wibilex\/das-bibellexikon\/lexikon\/sachwort\/anzeigen\/details\/besessenheit-nt\/ch\/98e0f486b111d4cd90276c9eafc38b38\/\">https:\/\/www.bibelwissenschaft.de\/wibilex\/das-bibellexikon\/lexikon\/sachwort\/anzeigen\/details\/besessenheit-nt\/ch\/98e0f486b111d4cd90276c9eafc38b38\/<\/a><\/p>\n<ul>\n<li>Konkrete Besessenheit wird als gewaltt\u00e4tiges Handeln des b\u00f6sen Geistes in Zusammenhang mit k\u00f6rperlichen Leiden beschrieben.<\/li>\n<li>Besessenes Verhalten bedingt meist soziale Isolation.<\/li>\n<li>Wie die Menschen zu Besessenen werden und von den b\u00f6sen Geistern befallen werden, wird nicht thematisiert.<\/li>\n<li>Krankheit wird explizit nicht mit Besessenheit gleichgesetzt. Auch wenn Besessene meist krank sind, wird ganz klar: Krankheiten treten h\u00e4ufig auch ohne b\u00f6sen Geist auf. Das zeigt sich allein schon darin, dass Heilungen und D\u00e4monenaustreibungen immer gesondert aufgez\u00e4hlt werden (z.B. Mk 1,34). Also von einer Krankheit kann man keinen R\u00fcckschluss auf die Besessenheit ziehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine interessante Bemerkung ist, dass es zu der Zeit Jesu besonders viele Besessene gab \u2013 zumindest, wenn wir uns auf die Geschichten beschr\u00e4nken, die in der Bibel \u00fcberliefert und best\u00e4tigt sind. Im Alten Testament und in den Briefen gibt es zwar auch immer wieder F\u00e4lle von b\u00f6sen Geistern, die von Menschen Besitz ergreifen, allerdings nur vereinzelt. M\u00f6glicherweise waren die b\u00f6sen Geister zu der Zeit, als Jesus auf der Erde war, besonders aktiv.<\/p>\n<p>Gerhard Maier legt in seinem Kommentar (HTA) auf 490f gut dar, wie sich in der Geschichte der Umgang mit diesen biblischen Berichten gewandelt hat. Im 19. Jahrhundert meinten viele, dass es Besessene doch nicht geben k\u00f6nnte. Aber schon nach dem 2. Weltkrieg begann hier auch in der Theologie wieder ein Umdenken: Nach den vielen schlimmen Erlebnissen glaubten auf einmal doch wieder mehr Menschen an b\u00f6se Geister \u2013 wie es uns die Bibel lehrt. Hier zeigt sich: Der Teufel kann verschiedene Strategien verfolgen: Manchmal zeigt er sich besonders wenig, weil die Menschen dadurch nicht glauben, dass es b\u00f6se Geister gibt, aber auch nicht an Gott glauben. Manchmal handelt er verst\u00e4rkt und tut den Menschen Schlimmes, um sie sich zu unterwerfen. Interessant ist: Die Juden damals haben gemerkt: Wir m\u00fcssen Kranke und Besessene zu Jesus bringen. Sie haben gemerkt: Nur Jesus hat die Macht zu helfen! Es gab anonyme Helfer, die diesen Menschen zu Jesus brachten. Und es steht auch nur ganz simpel da: \u201eEr heilte ihn.\u201c Jesus vertrieb den b\u00f6sen Geist und gleichzeitig wurde der Mensch auch gesund.<\/p>\n<p>Sonstige Bemerkungen zu Vers 22:<\/p>\n<ul>\n<li>Interessant ist, dass in diesem Abschnitt im Griechischen Jesus (in der Elberfelder zeigt sich das) nie explizit erw\u00e4hnt wird. Aber nat\u00fcrlich wird durch die Pronomen \u201ezu ihm\u201c und im Kontext ganz klar, dass es um Jesus geht. M\u00f6glicherweise will Matth\u00e4us dadurch zeigen: Es gibt eigentlich nur einen, zu dem man Besessene bringen kann, selbst wenn der Namen nicht genannt wird, ist klar, um wen es geht!<\/li>\n<li>Matth\u00e4us erw\u00e4hnt nur, dass der Kranke gesund wird. Aber dadurch wird nat\u00fcrlich sofort klar: Auch der b\u00f6se Geist ist ausgefahren. Lukas erw\u00e4hnt extra, dass der D\u00e4mon auch wirklich ausgefahren ist (Lk 11,14).<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 23:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Was bedeutet erstaunen und warum erstaunte die ganze Volksmenge?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn Kranke zu Jesus gebracht wurden, standen anscheinend viele Menschen dabei. Vermutlich waren sie begeistert und es war fast wie eine Show: Sie wollten sehen, was dieser Jesus noch tun kann. Das Wort Erstaunen kann hier negativ oder positiv gemeint sein: Sie wunderten sich und staunten; oder: Sie waren entsetzt und fassungslos. Es wird hier nicht ganz klar, was gemeint ist. Gut m\u00f6glich ist, dass es beide Reaktionen im Volk gab. Das Erstaunen macht aber auch klar: Das Volk war \u00fcberrascht davon, dass Jesus den Kranken heilen und den D\u00e4mon austreiben konnte. Auch damals, selbst nachdem Jesus schon einige Wunder getan hatte, war das nichts Normales und wie heute rechneten Menschen nicht damit, dass dies wirklich m\u00f6glich ist.<\/p>\n<ul>\n<li>Was bedeutet Sohn Davids und warum nannte das Volk Jesus nach der Heilung so?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Interessant ist erstmal, dass in den beiden parallelen Erz\u00e4hlungen in Lukas und Markus diese Frage fehlt. Das l\u00e4sst sich am besten damit erkl\u00e4ren, dass Matth\u00e4us sich st\u00e4rker an Juden und Judenchristen richtete \u2013 f\u00fcr die war nat\u00fcrlich wichtig und klar, was mit Sohn Davids gemeint ist. Lukas und Markus hatten vermutlich eher eine nichtj\u00fcdische Leserschaft im Blick und lie\u00dfen m\u00f6glicherweise deshalb in dieser Geschichte diesen Vers weg, da er f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Geschichte nicht notwendig ist.<\/p>\n<p>Ankn\u00fcpfend an 2Sam 7,16, Jesaja 9,5-6 und Jesaja 11,1-10 erwarteten die Juden damals einen neuen K\u00f6nig aus der Linie Davids \u2013 der gleichzeitig der Heilsbringer sein sollte. Immer wieder im Neuen Testament zeigt sich, dass Juden aus den Wunder Jesu schlossen, dass er dieser verhei\u00dfene neue K\u00f6nig, der Sohn Davids, sein k\u00f6nnte (z.B. Mt 9,27; 15,22; 20,30; 21,9). Sohn Davids war also ein Titel f\u00fcr den Retter, der erwartet wurde, und wegen des Wunders stellten sich nun einige die Frage: Ist dieser es?<\/p>\n<p>Die Frage ist aber im Griechischen mit einem Wort formuliert, das impliziert, dass sie eigentlich ein Nein als Antwort erwarten. In der Elberfelder wird das gut wiedergegeben: \u201eDieser ist doch nicht etwa\u2026?\u201c Die Frage kam beim Volk auf, aber eigentlich konnten sie es nicht glauben. Spannend ist trotzdem, dass das ungelehrte Volk sich diese Frage stellt, w\u00e4hrend die gelehrten und schriftkundigen Pharis\u00e4er sich eine andere Frage stellen: Ist dieser ein b\u00f6ser Zauberer, durch den der Teufel wirkt? Manchmal f\u00e4llt es einem \u201eeinfachen\u201c Menschen leichter zu glauben und zu verstehen; Wissenschaftler und Schriftkundige k\u00f6nnen in der Gefahr stehen, das eigentlich Offensichtliche zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Sonstige Bemerkungen zu Vers 23:<\/p>\n<ul>\n<li>Man k\u00f6nnte sich die Frage stellen: Wie sprach denn \u201edas Volk\u201c? Ganz klar wird das nicht, m\u00f6glicherweise schrien einige die Frage laut heraus, andere tuschelten und redeten in kleinen Gruppen miteinander.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 24:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Warum kommen die Pharis\u00e4er zum Ergebnis, dass Jesus durch den Beelzebul wirkt?<\/li>\n<\/ul>\n<p>In den Parallelstellen sind es in Markus die Schriftgelehrten, die diese Frage stellen, in Lukas einfach nur \u201eeinige\u201c. Es wird klar: Einige \u2013 vor allem die Gelehrten \u2013 kamen zum Ergebnis, dass es der Sohn Davids ist, andere wiederum, dass dieser nicht von Gott sein kann. Zu denen, die diese provokante Aussage treffen, geh\u00f6rten aber anscheinend besonders die Schriftgelehrten und die Pharis\u00e4er. Wie konnten diese aber zum Ergebnis kommen, dass Jesus durch die Macht des B\u00f6sen wirkt? Ich finde den Gedankengang der Pharis\u00e4er hier durchaus nachvollziehbar. Sie sahen, dass unglaubliche Dinge geschehen. Aber irgendwie passt es gar nicht zu dem Bild, was sie nach ihrem Schriftstudium von dem Retter hatten. Jesus war ja weder legitimer K\u00f6nig noch Priester in Israel. Vielleicht schwang aber auch etwas Eifersucht mit: Wie meint dieser einfache Zimmermann, dass Gott durch ihn mehr tun kann als durch uns? Auf jeden Fall war diesen Leuten klar: Jesus kann nicht von Gott sein, das kann nicht dem Alten Testament entsprechen, was hier geschieht. Aber das ein Wunder geschah, konnten sie nicht leugnen. Wie kann das also geschehen? Die einzige Antwort, die ihnen einleuchtete, ist die: Er muss durch den Beelzebul, durch die Macht des Teufels selbst, diese Wunder tun! Sie reden dabei nicht mal mit dem Namen \u00fcber Jesus, sondern sagen nur abf\u00e4llig: \u201eDieser \u2026\u201c. Das macht deutlich: Unsere Theologie kann uns fehlleiten, wenn wir sie nicht immer wieder von Gott und seinem Wort korrigieren lassen.<\/p>\n<p>Ganz deutlich wird durch die Pharis\u00e4er aber: Wer sich der Realit\u00e4t in dieser Welt stellt; wer sich der historischen Realit\u00e4t der Wunder Gottes stellt, der muss entweder sagen: Jesus war wirklich Gottes Sohn, der von Gott gesandte Retter. Oder: Jesus hat durch die b\u00f6sen M\u00e4chte gewirkt. Eine andere M\u00f6glichkeit gab es damals nicht und gibt es, denke ich, auch heute nicht.<\/p>\n<ul>\n<li>Wer ist Beelzebul, der Oberste der D\u00e4monen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was genau mit dem Beelzebul gemeint ist, ist nicht klar. Es gibt verschiedene Thesen, woher dieses Wort kommt, die aber alle auf eher wackligen F\u00fc\u00dfen stehen. Baal kommt eindeutig vom Hebr\u00e4ischen und hei\u00dft \u201eHerr.\u201c Der zweite Teil des Wortes hingegen ist unklar. In der j\u00fcdischen Literatur begegnet dieser Name sonst nirgends (vgl. Maier, 681). Wen die verschiedenen Theorien interessieren, findet entweder bei Carson (285) oder bei Maier (681) Ausf\u00fchrungen dazu. Beide kommen aber zum Ergebnis, dass die Grundlage f\u00fcr eine Entscheidung hier zu gering ist. Es l\u00e4sst sich nur sagen, dass es ein Name f\u00fcr den Teufel ist, der hier im Text auch als Oberster der D\u00e4monen bezeichnet wird. Auch schon in den fr\u00fchen Abschriften des Textes in den alten Handschriften wurde dieser Name unterschiedlich abgeschrieben (Beelzebul, Beezebul, Beelzebub), was ein Hinweis sein k\u00f6nnte, dass schon damals sich die Schreiber uneinig waren, von welchen hebr\u00e4ischen Worten sich dieser Eigenname ableitet.<\/p>\n<p>Das ist letztlich die j\u00fcdische Sicht auf Jesus bis heute. So lesen wir beispielsweise im babylonischen Talmud (Sanhedrin 43ab): \u201eAm Vorabend des Pesahfestes h\u00e4ngte man Jeschu. Vierzig Tage zuvor hatte der Herold ausgerufen: Er wird zur Steinigung hinausgef\u00fchrt, weil er Zauberei getrieben und Jisrael verf\u00fchrt und abtr\u00fcnnig gemacht hat; wer etwas zu seiner Verteidigung zu sagen hat, der komme und sage es. Da aber nichts zu seiner Verteidigung vorgebracht wurde, so h\u00e4ngte man ihn am Vorabend des Pesahfestes.\u201c<\/p>\n<p>Sonstige Bemerkungen zu Vers 24:<\/p>\n<ul>\n<li>Es ist nicht ganz eindeutig, ob die Aussage der Pharis\u00e4er hier sofort danach kam, oder m\u00f6glicherweise erst einige Zeit sp\u00e4ter. Matth\u00e4us schreibt nur: \u201eAls die Pharis\u00e4er es h\u00f6rten.\u201c<\/li>\n<li>Es ist auch gut m\u00f6glich, dass sie den Vorwurf gar nicht laut \u00e4u\u00dferten. Da es in Vers 25 hei\u00dft, dass Jesus ihre Gedanken wusste, gehe ich eher davon aus, dass die Pharis\u00e4er in kleinen Gruppen diese Aussage diskutierten.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 25:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Wie kann Jesus ihre Gedanken wissen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es ist hier nicht ganz klar, woher Jesus von den Pharis\u00e4ern wusste. M\u00f6glicherweise haben die J\u00fcnger oder jemand von den Pharis\u00e4ern selbst es ihm gesagt. Wir sehen aber in anderen Stellen, dass Jesus die Gedanken von Leuten, die nur bei sich selbst etwas dachten, wussten und kannte (vgl. Mt 9,4). Hier wird \u00e4hnlich formuliert, deshalb halte ich es f\u00fcr wahrscheinlich, dass Jesus durch seine g\u00f6ttliche Macht die Gedanken und die Besprechung der Pharis\u00e4er kannte.<\/p>\n<ul>\n<li>Woran kn\u00fcpft Jesus bei dem Beispiel mit dem gespaltenen Haus an?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bevor Jesus das erste Argument nennt, warum er nicht durch den Teufel wirkt, startet er mit einem Beispiel aus der Lebenswelt der H\u00f6rer. Es ist erstaunlich, dass Jesus trotz dieser heftigen Anklage so rational, sachlich und fast schon liebevoll den Pharis\u00e4ern erkl\u00e4rt, warum ihre Gedanken keinen Sinn ergeben. Es scheint so, als lie\u00dfe sich Jesus auf die Gedankenwelt der Gelehrten ein und versucht sie auf ihre Art und Weise \u2013 mit Argumenten und Gr\u00fcnden \u2013 zu gewinnen.<\/p>\n<p>Jesus beginnt mit dem Bild eines Reiches: Ein Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird zugrundgehen und zerst\u00f6rt werden. Hier erinnerten sich damals sicherlich viele an das riesige Alexanderreich, dessen Zerfall ber\u00fchmt wurde. Nachdem Alexander der Gro\u00dfe 323 v. Chr. unerwartet gestorben ist, entstanden Streitigkeiten \u00fcber die Nachfolge. Nach jahrelangem Hin und Her und vielen K\u00e4mpfen wurden aus dem einen gro\u00dfen Reich drei Nachfolge-Reiche (und einige kleinere Abspaltungen): Die Ptolem\u00e4er in \u00c4gypten, die Seleukiden in Asien und die Antigoniden in Griechenland. F\u00fcr die Geschichte der Israeliten war das sehr wichtig \u2013 zuvor waren sie mitten im Gro\u00dfreich Alexanders. Nach dieser Aufteilung waren sie bis zur Ausbreitung des r\u00f6mischen Reiches zwischen dem Seleukidenreich und dem Ptolem\u00e4erreich und dadurch immer wieder Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen der beiden Teilreiche. Das war sicher das erste, was den Juden bei dem Beispiel Jesu einfiel: Ganz klar, ein Reich, das mit sich selbst uneins ist und keinen klaren Anf\u00fchrer hat, auf den alle h\u00f6ren, das zerf\u00e4llt!<\/p>\n<p>Ein zweites, woran sich die Juden hier erinnerten, waren die st\u00e4ndigen Streitigkeiten der Herrscher in Israel. Schon unter Antipatros (dem Vater von Herodes dem Gro\u00dfen) gab es immer wieder kriegerische Auseinandersetzung und Herrschaftsstreitigkeiten. Unter Herodes dem Gro\u00dfen ging das weiter. Beispielsweise lie\u00df Herodes der Gro\u00dfe zwei seiner S\u00f6hne hinrichten, weil sie ihm anscheinend nach dem Leben trachteten, um an die Herrschaft zu kommen. Am Ende wurde das Reich in Israel unter einige der Kinder von Herodes dem Gro\u00dfen aufgeteilt, sein Sohn Herodes Antipas regierte unter anderem in Galil\u00e4a, sein Sohn Herodes Archelaus regierte in Jud\u00e4a und sein Sohn Herodes Philippos bekam das Zehnst\u00e4dtegebiet \u00f6stlich vom See Genezareth. Auch die Tochter Salomo bekam einige St\u00e4dte in Israel zugesprochen.<\/p>\n<p>Also es wird klar: Dieses Beispiel leuchtete den Juden damals zu 100% ein. Ein Reich, eine Familie, die zerstritten ist, das funktioniert nicht. Das sorgt f\u00fcr Verw\u00fcstung, Zerspaltung. Sicherlich kannten das viele nicht nur aus dem politischen Bereich, sondern genauso aus ihrer pers\u00f6nlichen Familie, wo auch damals Erbstreitigkeiten und zerstrittene Familien nicht ungew\u00f6hnlich waren \u2013 das gab es wohl schon \u00e4hnlich wie heute.<\/p>\n<p>Sonstige Bemerkungen zu Vers 26:<\/p>\n<ul>\n<li>In Lukas 11,17, im Paralleltext, wird dieser Vers noch drastischer wiedergegeben und erg\u00e4nzt: \u201eEin Haus f\u00e4llt \u00fcber das andere her.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 26:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Ist das Argument von Jesus \u00fcberzeugend? Kann der Satan sich selbst nicht austreiben?<\/li>\n<\/ul>\n<p>In diesem Vers nennt Jesus jetzt das erste Argument, das die These der Pharis\u00e4er widerlegen soll, er sei vom Teufel. Ausgehend von dem Beispiel in Vers 25 ist das Argument besonders \u00fcberzeugend: Wenn es so eindeutig ist, das zerspaltene und zerstrittene Reiche und H\u00e4user kaputtgehen und keinen Bestand haben \u2013 gilt das nicht auch f\u00fcr das Reich des Satans? Jesus nennt den B\u00f6sen hier Satan, der von den Pharis\u00e4ern vorhin Beelzebul genannt wurde. Satan und Teufel sind die beiden h\u00e4ufigsten Begriffe f\u00fcr den B\u00f6sen \u2013 Satan kommt vom hebr\u00e4ischen Wort, das einfach Gegner\/Gegenspieler bedeutet. Im Griechischen wird dieses Wort mit Diabolos \u00fcbersetzt \u2013 woher das deutsche Wort Teufel sich ableitet und was auch Gegner, Widersacher oder Durcheinanderbringer bedeuten kann. Jesus sagt also: Wenn ich wirklich vom Teufel w\u00e4re und gegen meine eigenen Mitspieler, die D\u00e4monen arbeiten w\u00fcrde, indem ich sie austreibe \u2013 dann w\u00e4re das Reich des Teufels zerspalten. Dann k\u00f6nntet ihr letztlich sogar fr\u00f6hlich sein, weil das Reich des Teufels untergehen w\u00fcrde. Jesus arbeitet hier mit rhetorischen Fragen, deren Antwort eigentlich klar ist. Jesus impliziert: Der Teufel hat auch Macht. Er hat sein eigenes Reich, seine eigenen Untertanen, gegen die er sich nicht wendet. Im Paralleltext in Mk 3,26 zieht Markus explizit die Schlussfolgerung aus der Frage: \u201eUnd wenn der Satan gegen sich selbst aufgestanden und <em>mit sich <\/em>entzweit ist, kann er nicht bestehen, sondern er hat ein Ende.\u201d<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte hier die Frage stellen: Kann der Teufel nicht einen D\u00e4mon von sich sto\u00dfen, ohne dass dadurch sofort sein Reich zugrunde geht? Ist das Argument wirklich so \u00fcberzeugend? Aber gerade das Beispiel von Jesus im Vers zuvor macht sehr anschaulich: Wenn der Teufel sich gegen einen eigenen Anh\u00e4nger wenden w\u00fcrde, w\u00fcrden sich alle anderen gegen ihn auflehnen und eine Rebellion starten. Deshalb finde ich das Argument von Jesus hier sehr \u00fcberzeugend.<\/p>\n<p><u>Vers 27:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Wer ist mit \u201eeure S\u00f6hne\u201c gemeint?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Begriff S\u00f6hne bezeichnet nicht nur direkt Kinder, sondern kann auch f\u00fcr Gruppen, V\u00f6lker, Sch\u00fcler oder Nachfolger stehen (vgl. dazu z.B. Mt 13,38 oder Mt 9,15, wo die Hochzeitsg\u00e4ste im griechischen als \u201eS\u00f6hne des Br\u00e4utigams\u201c benannt werden). Es ist nicht ganz eindeutig, um welche Gruppe es sich hier handelt, um die Sch\u00fcler der Pharis\u00e4er? Um alle Pharis\u00e4er als Gruppe? Um das ganze Volk Israel? Am naheliegendsten scheint mir dritte M\u00f6glichkeit, da es Jesus hier nur allgemein darauf ankommt, zu sagen: Es gibt andere unter euch Israeliten, die auch D\u00e4monen ausgetrieben haben. Denen werft ihr auch nicht vor, dass sie vom Teufel seien. Ob es speziell Anh\u00e4nger der Pharis\u00e4er sind, ist hierf\u00fcr nicht relevant. Deshalb denke ich, dass Jesus mit \u201eS\u00f6hne\u201c alle vom Volk der Pharis\u00e4er \u2013 also alle Israeliten \u2013 meint.<\/p>\n<ul>\n<li>Auf welche Begebenheit spielt Jesus hier an \u2013 wer konnte sonst D\u00e4monen austreiben und wie haben das die Pharis\u00e4er bewertet?<\/li>\n<\/ul>\n<p>In den fr\u00fchj\u00fcdischen Schriften gibt es immer wieder einzelne F\u00e4lle, in denen von D\u00e4monenaustreibung berichtet wird. Zwar war es nie so geh\u00e4uft wie bei Jesus, total ungew\u00f6hnlich war es andererseits aber auch nicht. Carson z\u00e4hlt in seinem Kommentar mehrere Beispiele auf:<\/p>\n<ul>\n<li>Bei Flavius Josephus in dem Werk \u201ej\u00fcdischen Altert\u00fcmer\u201c, Band 8, Kapitel 2, Abschnitt 5<\/li>\n<li>Bei Flavius Josephus in dem Werk \u201ej\u00fcdischer Krieg\u201c, Band 7, Kapitel 6, Abschnitt 3<\/li>\n<li>Tobit 8,2-3 (in den Apokryphen)<\/li>\n<li>Bei Justin dem M\u00e4rtyrer in dem Werk \u201eDialog mit dem Juden Trypho\u201c, Abschnitt 85<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Schriften sind alle kostenlos online als pdf lesbar, es lohnt sich zu Vorbereitung mal hineinzuschauen, um besser zu verstehen, worauf Jesus anspielt. Auch im Neuen Testament wird an einzelnen Stellen klar, dass D\u00e4monenaustreibung \u2013 auch von anderen Israeliten \u2013 durchaus als m\u00f6glich angesehen wurde, vgl. dazu Markus 9,38, Apg 19,13. Bei anderen Juden, die D\u00e4monen austrieben, beurteilen die Pharis\u00e4er dies wohl positiv. Und das ist hier das zweite starke Argument von Jesus gegen die These von den Pharis\u00e4ern: Warum soll ich vom Teufel bevollm\u00e4chtigt sein, wenn ihr sonst von allen Juden, die so etwas tun k\u00f6nnen, das nicht sagt? Jesus stach nat\u00fcrlich dadurch hervor, dass er die Austreibungen und Heilungen in einer Vollmacht und in einem Ausma\u00df machte, wie es sonst keinem m\u00f6glich war. Aber wenn sie bei kleinen Wundern durch andere ausgingen, dass es durch Gott geschah \u2013 warum nicht auch bei Jesus?<\/p>\n<ul>\n<li>Wer wird wen richten? Warum erw\u00e4hnt Jesus diesen Beisatz hier?<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u201eSie\u201c ist hier im Kontext des Verses nur auf \u201eS\u00f6hne\u201c zu beziehen. Also es wird Juden geben, die wiederum \u00fcber die Pharis\u00e4er und die anderen Juden richten werden und Zeugnis gegen sie ablegen werden. Dieses Motiv findet sich auch einige Verse weiter in Mt 12,41f, wo es hei\u00dft, dass die Leute aus Ninive und die K\u00f6nigin von Saba Zeugnis ablegen und richten werden. Die Gl\u00e4ubigen werden als Mitrichter Jesu gegen die Ungl\u00e4ubigen auftreten. Jesus betont damit nochmal den \u00f6ffentlichen Charakter der Situation: Ihr sagt dem Volk, ich w\u00fcrde durch den Teufel wirken. Sie alle k\u00f6nnen einmal Zeugnis gegen euch ablegen, \u00fcberlegt euch doch nach den beiden Argumenten nochmal gut: Wollt ihr das wirklich so sehen und vertreten?<\/p>\n<p><u>Vers 28:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Was ist die Gegenthese Jesu?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nachdem Jesus von V.25-27 die These der Pharis\u00e4er aus Vers 24 widerlegt hat, stellt er in diesem Vers seine eigene These auf, die letztlich die Frage des Volkes aus Vers 23 best\u00e4tigt. Es sollte jedem, der seinen Verstand gebraucht und sich auf die Argumente Jesu einl\u00e4sst, nun klar sein: Jesus kann dieses Wunder nicht durch den Teufel gewirkt haben. Was bleibt dann \u00fcbrig? Die einzige andere M\u00f6glichkeit ist, dass Jesus durch den Geist Gottes austreibt, was er in Vers 29 dann auch begr\u00fcndet. Matth\u00e4us fordert die Leser dazu auf, mitzudenken: M\u00fcssen wir jetzt nicht alle zu dem Schluss kommen, dass dieser Jesus ein von Gott Gesandter war, dass das Reich Gottes in ihm nahegekommen ist?<\/p>\n<ul>\n<li>Welche Rolle spielt der Geist Gottes bei der Austreibung?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Spannend ist, dass in Lukas 11,20 im Paralleltext stattdessen vom \u201eFinger Gottes\u201c die Rede ist, durch den Jesus den D\u00e4mon austrieb. Der Finger Gottes und der Geist Gottes sind hier aber parallel zu verstehen als die Person der Dreieinigkeit, die f\u00fcr die Wirkmacht in dieser Welt steht. Der Geist Gottes ist wie ein Finger Gottes, durch den Gott auf dieser Welt wirkt (vgl. Ps 8,4; 2Mose 8,15). Die g\u00f6ttliche Dreieinigkeit l\u00e4sst sich von uns immer nur bruchst\u00fcckhaft begreifen. Aber in solchen Versen erkennen wir, dass trotz der v\u00f6lligen Einheit in den Aufgaben doch eine gewisse Aufteilung besteht. Jesus tut das Wunder nicht einfach selbst, sondern durch und im Heiligen Geist.<\/p>\n<ul>\n<li>Was ist mit Reich Gottes gemeint und inwieweit ist es schon da?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jesus zieht hier eine Schlussfolgerung: Wenn ich wirklich durch Gottes Geist austreibe, dann muss das Reich Gottes zu euch gekommen sein. W\u00e4hrend Jesus in Mt 4,17 noch predigt: \u201eDas Reich der Himmel ist nahegekommen\u201c, sagt er nun: \u201eEs ist da!\u201c &nbsp;Was bedeutet das? In der Gestalt und in dem Wirken Jesu durften die Juden Anteil am Reich Gottes erleben. Sie konnten sehen und erleben, was Gottes Reich f\u00fcr Auswirkungen hat: Das B\u00f6se muss fliehen. In dieser Welt leben wir immer noch in dieser Verschr\u00e4nkung, dass das Reich Gottes in Jesus schon in uns wohnt, regiert und die Welt ver\u00e4ndert, dass wir aber gleichzeitig in einer Welt leben, die das Reich des Teufels ist. Wir warten noch, dass auch die Welt erl\u00f6st wird und das Reich Gottes auf diese andere Weise vollends anbricht.<\/p>\n<p><u>Vers 29:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Wie begr\u00fcndet Jesus seine Gegenthese, die er in Vers 28 aufgestellt hat?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die erste Begr\u00fcndung hierf\u00fcr war schon die, dass die These der Pharis\u00e4er, er sei vom Teufel, nicht haltbar ist. Also gibt es eigentlich nur noch eine andere L\u00f6sung. Trotzdem begr\u00fcndet Jesus f\u00fcr die Pharis\u00e4er nochmals mit einem Argument, warum er nur durch Gottes Geist das Wunder tun kann: Weil er bewiesen hat, dass er st\u00e4rker als der Teufel und die D\u00e4monen ist. Und st\u00e4rker als der Starke und B\u00f6se kann nur ein noch St\u00e4rkerer sein, das kann nur durch Gott m\u00f6glich sein! Jesus spricht wieder sowohl in einer rhetorischen Frage als auch in einem Bild. Er verwendet hier jede Argumentationsstrategie, die es gibt, weil er es dadurch den Juden leichter machen will, ihm zu glauben. Das Bild ist in dem Kontext klar zu verstehen: Das Haus des Teufels bzw. des D\u00e4mons war dieser Kranke. Der Hausrat ist der Geist bzw. die Seele des Menschen. Und Jesus ist derjenige, der noch st\u00e4rker war, in das Haus eingedrungen ist und den Menschen geraubt bzw. vom Teufel befreit hat. Auch dieses Beispiel ist sehr \u00fcberzeugend: Wenn jemand einen Starken besiegen will, muss er noch st\u00e4rker sein. Wer ist noch st\u00e4rker als der Teufel? Das kann nur Gott selbst sein!<\/p>\n<ul>\n<li>Warum nennt Jesus den Teufel einen Starken?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Bibel weis uns immer wieder daraufhin: Der Teufel ist stark und hat eine gro\u00dfe Macht in dieser Welt. Er ist wie ein br\u00fcllender L\u00f6we (1Petr 5,8). Das ist ein Grund zum Angsthaben. Au\u00dfer man kennt einen, der noch st\u00e4rker ist, der gekommen ist, um die Werke des Teufels zu vernichten (1Joh 3,8). Jesus hat bewiesen, dass er st\u00e4rker als der Teufel ist: Als er der Versuchung zu Beginn seines Wirkens widerstand, als er den Weg bis in den Tod trotz Anfechtungen ging und als er dann den Tod besiegte und ihm den Stachel zog (1Kor 15,55ff).<\/p>\n<p>Sonstige Anmerkungen zu Vers 29:<\/p>\n<ul>\n<li>Jesus nimmt das Bild in diesem Vers aus Jesaja 49,24f auf, wo in \u00e4hnlicher Weise Gottes Macht \u00fcber alle Starken der Welt aber auch \u00fcber die geistlichen M\u00e4chte beschrieben wird.<\/li>\n<li>Lukas verwendet im Paralleltext ein anderes Bild. Gut m\u00f6glich ist, dass Jesus l\u00e4nger predigte, mehrere Bilder verwendete und deshalb die Evangelisten unterschiedliche wiedergeben. Bei Lukas wird von einem starken Palastw\u00e4chter berichtet, der nur von einem noch st\u00e4rkeren K\u00e4mpfer \u00fcberw\u00e4ltigt werden kann (Lk 11,21f).<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 30:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Wie ist dieser Vers nach der Argumentation zu verstehen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nach der gr\u00fcndlichen Argumentation Jesu ist dieser Vers als Entscheidungsruf an die Pharis\u00e4er und alle Zuh\u00f6rer zu verstehen. Sie m\u00fcssen jetzt entscheiden: Leuchten ihnen die Argumente ein? Entscheiden sie sich f\u00fcr oder gegen diesen Jesus? In dem Vers kommen aber Werbung und Warnung zusammen (vgl. Maier, 687). Jesus wirbt darum, dass sie sich ihm anschlie\u00dfen. Gleichzeitig warnt er: Wenn ihr nicht zu mir geh\u00f6rt, dann werdet ihr meine Gegner sein!<\/p>\n<ul>\n<li>Was ist mit dem Sammeln und Zerstreuen in der zweiten H\u00e4lfte gemeint?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der erste Teil der Aussage ist klar: Es gibt Leute, die Jesus nachfolgen, und solche, die gegen ihn sind. Aber was meint dieser zweite Teil? Was ist mit Sammeln und Zerstreuen gemeint? Hier muss an das Bild eines Hirten und einer Schafherde denken \u00e4hnlich wie in Johannes 10,12 (vgl. Rienecker, 224). Das Anliegen Gottes durch die ganze Bibel ist es, seine Leute zu sammeln. Ob dies der Rest der Gl\u00e4ubigen seines Volkes ist, oder ob das alle Gl\u00e4ubigen in der Welt sind. Die Lebensaufgabe Jesu war es, zu sammeln: Er wollte die Schafe sammeln, den verlorenen Schafen nachgehen, damit m\u00f6glichst viele Menschen errettet werden und nicht zerstreut werden. Sammeln bezeichnet hier also das Zu-Gott-F\u00fchren, w\u00e4hrend Zerstreuen das Von-Gott-Wegbringen ist. Wer Menschen nicht zu dem Hirten f\u00fchrt, der f\u00fchrt sie letztlich von ihm weg, weil er seinem Auftrag nicht nachkommt. Wer zu Jesus geh\u00f6rt, der ist automatisch auch ein \u201eMitsammler\u201c, der Schafe zu ihm, dem guten Hirten, bringt. Bei dem Wort \u201eZerstreuen\u201c l\u00e4sst sich noch eine interessante Parallele entdecken. Schon einige sehr alte Handschriften haben nach dem Wort ein \u201emich\u201c erg\u00e4nzt. Das Wort zerstreuen kann auch zerteilen bedeuten. Und diese fr\u00fchen Abschreiber haben hier also eine Parallele zu Jesu Tod gesehen und den Text wie folgt verstanden: Wenn ihr mich nicht sammelt, \u201ezerteilt ihr mich\u201c. Da die Gemeinde der Leib Jesu ist, kommt ein Zerstreuen der Gl\u00e4ubigen einem Zerteilen des Leibes Jesu gleich und so l\u00e4sst sich hier eine kleine Verbindung zum Tod Jesu entdecken.<\/p>\n<ul>\n<li>Gibt es wirklich nur Leute, die dagegen sind und Leute die daf\u00fcr sind? Ist das nicht ein zu starker Kontrast?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei diesem Vers kam bei mir die Erinnerung an einen \u00e4hnlichen Vers, der scheinbar etwas anderes aussagt, aus Mk 9,40: \u201eDenn wer nicht gegen uns ist, der ist f\u00fcr uns.\u201c Allerdings muss man den Unterschied beachten: In Markus 9 geht es Jesus darum, ob man sich gegen etwas wehren muss, was ein fremder Wundert\u00e4ter tut. Da sagt Jesus: Solange er Gutes tut, handelt er doch in unserem Sinn und hilft Menschen, das m\u00fcssen wir nicht unterbinden! Hier in Mt 12 geht es hingegen um die Frage der Errettung: Wer geh\u00f6rt zu Jesus und wer nicht? Hier gibt es nat\u00fcrlich nur einen ganz klaren Kontrast: Entweder man ist errettet oder man geht verloren. Hier gibt es keine Neutralit\u00e4t. Wer sich nicht auf Jesus einl\u00e4sst, der geh\u00f6rt auch nicht zu Jesus, sondern ist sein Gegner. Wer nicht mit ihm sammelt, der wird ein Zerstreuer sein.<\/p>\n<p><u>Vers 31-32:<\/u><\/p>\n<p>Diese beiden Verse und ihre exakte Bedeutung ist auch unter bibeltreuen Schriftauslegern teilweise umstritten. In der groben Richtung werden sie aber gleich verstanden: Das zentrale Anliegen Jesu ist es, Gottes umfassende Vergebung aufzuzeigen und davor zu warnen, dieses Vergebungsangebot nicht anzunehmen. In der Detailauslegung lege ich euch meinen bisherigen Erkenntnisstand dar, aber pr\u00fcft das bitte sorgf\u00e4ltig an der Schrift.<\/p>\n<ul>\n<li>Wie h\u00e4ngt das Vergeben und L\u00e4stern mit den vorherigen Versen zusammen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das \u201edeshalb\u201c am Satzanfang macht klar, dass die folgenden Verse eine Folgerung aus dem davor sind. Es ist am besten direkt auf Vers 30 zu beziehen: Weil es nur die Jesus-Zugeh\u00f6rigen und die Jesus-Gegner gibt, deshalb spricht er jetzt nochmal eine ganz besonders Vergebungszusicherung aus, f\u00fcr diejenigen, die umkehren, verbunden mit einer deutlichen Warnung. Er macht klar, dass das Reden der Pharis\u00e4er Konsequenzen hat und sie daf\u00fcr gerichtet werden (Vers 36-37) und wenn sie sogar gegen den Heiligen Geist reden, wird dies auf keinen Fall vergeben werden.<\/p>\n<p>Spannend ist, dass in Lukas die Aussage zur L\u00e4sterung des Heiligen Geistes nicht in dieser Geschichte, sondern in einer anderen auftaucht: In Lukas 12,8-10 steht:<\/p>\n<p>\u201eIch sage euch aber: Wer mich bekennt vor den Menschen, zu dem wird sich auch der Menschensohn bekennen vor den Engeln Gottes. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, der wird verleugnet werden vor den Engeln Gottes. Und wer ein Wort gegen den Menschensohn sagt, dem soll es vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist l\u00e4stert, dem soll es nicht vergeben werden.\u201c Zwei m\u00f6gliche Erkl\u00e4rungen gibt es: Entweder Jesus hat nur in einem der beiden Zusammenh\u00e4nge diese Aussage get\u00e4tigt und einer der Evangelisten hat als Autor bewusst die Warnung vor dieser S\u00fcnde an der Stelle eingef\u00fcgt. Oder Jesus hat einfach \u00f6fters diese Warnung gesagt in mehreren Zusammenh\u00e4ngen. Zweitere Erkl\u00e4rung scheint mir wahrscheinlicher: Jesus redete sicherlich \u00f6fters und h\u00e4ufiger \u00fcber dasselbe Thema und griff auch immer wieder \u00e4hnliche Formulierung und S\u00e4tze auf. Gerade in einer m\u00fcndlichen Kultur war das noch h\u00e4ufiger als heutzutage der Fall, da ein Grundsatz des Lehrens war, dass die H\u00f6rer sich wichtige und zentrale S\u00e4tze im Kopf merken k\u00f6nnen. Deshalb ist gut m\u00f6glich, dass Jesus auch \u00f6fters von der L\u00e4sterung gegen den Heiligen Geist sprach.<\/p>\n<ul>\n<li>Was hei\u00dft die grunds\u00e4tzliche Aussage: Jede S\u00fcnde und L\u00e4sterung wird vergeben? War das f\u00fcr Juden eine \u00fcberraschende Aussage?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei dieser Frage ist man als Christ heutzutage vielleicht nicht verwundert \u2013 es ist doch klar, dass alles vergeben werden kann. Aber um richtig zu verstehen, worum es bei der L\u00e4sterung gegen den Heiligen Geist geht, ist diese Frage wichtig: Wie verstanden Juden die Vergebungsm\u00f6glichkeit? Was sagt das Alte Testament dazu? Rechneten die Juden damit, dass alle S\u00fcnden vergeben werden k\u00f6nnen? Zu der Zeit Jesu wurde h\u00e4ufig diskutiert, welche S\u00fcnden vergeben werden konnten und welche nicht. Wer dazu Stellenangaben sucht, findet die bei Maier, 689 oder noch ausf\u00fchrlicher im Theologischen W\u00f6rterbuch zum Neuen Testament beim Artikel zu \u03b2\u03bb\u03b1\u03c3\u03c6\u03b7\u03bc\u1f77\u03b1 (L\u00e4sterung) [THWNT, Bd1, 621]. Die Juden diskutierten dabei vor allem die Stelle aus 3Mose 24,10-16, wo es um L\u00e4sterung gegen den Namen Gottes geht. Hier wird bis heute unter Juden diskutiert, wie das genau zu verstehen ist: ob es nur bei deutlicher Aussprache eine L\u00e4sterung sein kann, ob der Gottesname explizit genannt werden muss, ob es ein konkretes mit einem Fluch-Belegen ben\u00f6tigt, ob es ein langfristiges L\u00e4stern und Ablehnen Gottes bedeutet oder viel Weiteres. Beispielsweise der Rabbiner Jacob Milgrom schreibt in seinem Kommentar zum 3Mose ausf\u00fchrlich \u00fcber diese Fragen. Eine zweite Stelle, die hierbei oft in der Diskussion ist ist 4Mose 15,22-31, wo es hei\u00dft, dass eine Person, die mit voller Absicht und in vollem Wissen s\u00fcndigt, ihre Schuld tragen muss und keine Vergebung bekommt im Gegensatz zu \u201enormalen\u201c S\u00fcndern.<\/p>\n<p>Ganz klar wird bei der Auslegung, dass die Todesstrafe eine weltliche Strafe ist und nicht zwingend hei\u00dft, dass einer Person nicht von Gott vergeben wird. Nach dem guten rechtlichen Prinzip: Gleiches mit Gleichem vergelten wurde deshalb beispielsweise Mord mit Todesstrafe geahndet (2Mose 21,12), was aber kein Verloren-Sein f\u00fcr ewig bedingt. Das zeigt sich auch daran, dass Jesus sagt, dass sogar L\u00e4sterung gegen ihn vergeben wird, obwohl im Alten Testament auf L\u00e4sterung Gottes die Todesstrafe steht.<\/p>\n<p>Also wenn Jesus hier anf\u00e4ngt: Jede S\u00fcnde und jede L\u00e4sterung wird grunds\u00e4tzlich vergeben \u2013 gemeint ist nat\u00fcrlich von Gott vergeben \u2013 stellt er damit schon eine provokante These auf. Er sagt: Gott ist so unglaublich gn\u00e4dig, dass alles vergeben wird. Ihr k\u00f6nnt aufh\u00f6ren zu diskutieren, was nicht vergeben wird. Dieser erste Teil des Verses wird manchmal ganz vergessen \u2013 aber war f\u00fcr die Juden damals wahrscheinlich der gr\u00f6\u00dfere Hammer als die zweite H\u00e4lfte!<\/p>\n<ul>\n<li>Was ist mit der L\u00e4sterung des Heiligen Geistes gemeint?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Formulierung von dem Reden gegen den Heiligen Geist war nicht ganz unbekannt. So finden wir in der Damaskusschrift (eine Schrift aus den Qumranh\u00f6hlen, die ca. 100 v. Chr. entstanden ist) in einer Aufz\u00e4hlung von besonders schlimmen S\u00fcnden folgenden Satz: \u201eUnd auch ihren heiligen Geist haben sie verunreinigt und mit L\u00e4sterzunge den Mund ge\u00f6ffnet gegen die Satzungen des Bundes Gottes und sprechen: Sie stehen nicht fest gegr\u00fcndet! Und Greuel reden sie da gegen sie\u201c (\u00dcbersetzung aus Eduard Lohse, Hrsg., die Texte aus Qumran, 73). Die besondere Betonung des Geistes Gottes im Menschen war damals weit verbreitet, der Heilige Geist wurde im damaligen eschatologischen Schrifttum zunehmend wichtig (vgl. Maier, 689).<\/p>\n<p>Es gibt mehrere Fragen und Entscheidungen, von denen das Ergebnis abh\u00e4ngt, wie man diese S\u00fcnde versteht und die teilweise unterschiedlich beantwortet werden:<\/p>\n<p>Die erste Frage, die man sich stellen muss: Auf welche Weise greift Jesus auf das Alte Testament zur\u00fcck? Will er eine Neuerung sagen, in dem Sinn, dass es nun anders ist als im Alten Bund? Oder will er die beiden h\u00e4ufig diskutierten Stellen im Judentum auslegen, sowie sie von Gott gemeint waren? Ich halte zweiteres f\u00fcr einleuchtender. Zum einen, weil Jesus schon in der Bergpredigt immer wieder so vorgeht, dass er den Juden erkl\u00e4rt und auslegt, wie das Alte Testament eigentlich gemeint ist im Gegensatz zu dem, wie sie es auslegten. Zum anderen, weil ich keinen Grund sehe, hier eine Diskontinuit\u00e4t zu sehen. Inhaltlich sehe ich keinen Widerspruch zu alttestamentlichen Aussagen. Sowohl im Alten wie auch im Neuen Bund werden die Menschen durch das Blut Jesu errettet \u2013 denn das Blut von B\u00f6cken und Stieren kann niemals S\u00fcnde wegnehmen (Hebr 10,4), sondern war nur ein Vorausbild auf Jesus. Wenn also allen Menschen durch Jesu Kreuzestod vergeben wird, warum sollte den Menschen im Alten Bund weniger vergeben werden k\u00f6nnen? Au\u00dferdem scheint mir Hebr 10,26 eine eindeutige Anlehnung an die alttestamentlichen Stellen zu sein, wodurch auch deutlich wird, dass diese in gleicher Form noch gelten (siehe unten). Gottes Anliegen ist es doch zu jeder Zeit, so viele Menschen wie m\u00f6glich zu erretten durch seine gro\u00dfe Gnade! &nbsp;Also ich sehe in diesem Vers eine von Jesus vorgegebene Auslegung der alttestamentlichen Stellen, die das L\u00e4stern Gottes und die wissentliche Auflehnung gegen Gott als unverzeihlich darstellen. Was ist aber mit der Aussage Jesu und damit mit den alttestamentlichen Stellen konkret gemeint?<\/p>\n<p>Die zweite Frage, die man sich stellen muss: Haben die Pharis\u00e4er die S\u00fcnde schon begangen in den vorherigen Versen? Ich denke, nein. Warum nicht? Zum einen k\u00e4me die Warnung Jesu dann schon zu sp\u00e4t. Zum andern haben die Pharis\u00e4er ja in erster Linie Jesus gel\u00e4stert und Jesus sagt explizit, dass einem vergeben wird, wenn man ihn l\u00e4stert. Zum dritten spricht dagegen, dass Jesus diesen Vers wohl auch in anderen Zusammenh\u00e4ngen gesagt hat (vgl. die Parallelstelle in Lukas). Viertens geht es hier nicht darum, dass man einmalig ausversehen etwas falsch sagt oder falsch einsch\u00e4tzt, wie es die Pharis\u00e4er hier tun (siehe dazu weiter unten). Deshalb denke ich nicht, dass die vorherigen Verse ein Beispiel f\u00fcr eine L\u00e4sterung des Heiligen Geistes sind.<\/p>\n<p>Als drittes muss man sich die Frage nach dem Zusammenhang in Lukas stellen: In Lukas 12,8-10 wird die L\u00e4sterung gegen den Heiligen Geist in demselben Zusammenhang wie das Verleugnen Jesu vor den Menschen genannt. Was ist mit dem Verleugnen Jesu dort (und an mehreren anderen Stellen) im NT gemeint? Es geht nicht darum, dass man sich aus Angst einmal nicht zu Jesus klar bekennt, das sehen wir daran, dass auch dem Verleugner Petrus vergeben wird, als er seine Schuld bereut. Sondern es geht darum, dass Jesus seine J\u00fcnger ermutigen will: Stellt euch voll und ganz zu mir, bekennt euch zu mir \u2013 wenn ihr euch gegen mich entscheidet und mich verleugnet, werde auch ich euch verleugnen. Es geht also um ein prinzipielles Verleugnen und nicht zu Jesus stellen und nicht um das einmalige Nicht-Bekennen, das man danach bereut.<\/p>\n<p>Die vierte Frage, die man sich bei der L\u00e4sterung des Heiligen Geistes stellen muss: Habe ich den Heiligen Geist gel\u00e4stert, wenn ich einmal etwas gegen ihn sage oder gar denke? Diese Frage finde ich am schwierigsten zu beantworten. Gibt es die M\u00f6glichkeit, einmal so klar gegen Gott zu reden, nachdem dieser sich einem offenbart und zeigt, dass danach Vergebung nicht mehr m\u00f6glich ist? Mir scheint die L\u00f6sung hier nicht ganz eindeutig zu sein. Aber ich tendiere dazu, dass es Jesus nicht um ein einmaliges L\u00e4stern oder Ablehnen von Gottes Geist geht. Zum einen leite ich das aus dem Zusammenhang in Lukas ab, wo es auch beim Verleugnen sicherlich nicht um ein einmaliges Verleugnen geht. Zum anderen leite ich das aus meiner Antwort bei Frage zwei ab, weil ich nicht davon ausgehe, dass die Pharis\u00e4er die S\u00fcnde schon begangen haben. Au\u00dferdem scheint mir das insgesamt zum biblischen Konzept von Vergebung besser zu passen, was ich aber noch konkret belegen kann. Aber deshalb tendiere ich hier dazu, dass es darum geht, ob man sich grunds\u00e4tzlich und dauerhaft vor dem Heiligen Geist verschlie\u00dft und ihn als nicht g\u00f6ttlich annimmt, weil man ihn dadurch l\u00e4stert.<\/p>\n<p>Eine f\u00fcnfte Frage ist, ob diese S\u00fcnde nur zu der Zeit, als Jesus auf der Erde war, m\u00f6glich war. So sagen es manche, mit der Begr\u00fcndung, dass nach Pfingsten ein neues Zeitalter anbricht und daf\u00fcr diese Verse nicht mehr gelten. Das ist schon nach meiner Beantwortung der anderen Fragen nicht mehr einleuchtend. Au\u00dferdem scheint mir das Auftauchen derselben Thematik in den Briefen (siehe unten) ein klarer Beleg daf\u00fcr zu sein, dass die Verse heute noch auf die gleiche Weise gelten.<\/p>\n<p>Was meint also die L\u00e4sterung des Heiligen Geistes bzw. das Reden gegen den Heiligen Geist? <em>Es bedeutet in Fortf\u00fchrung des Alten Testamentes das langfristige, bewusste Ablehnen Gottes, der sich dem Menschen im Heiligen Geist offenbart hat und seine Rettung anbietet.<\/em> Dieses Auflehnen zeigt sich in den Worten. Deshalb redet Jesus hier vom L\u00e4stern und sagt in den n\u00e4chsten Versen, dass man auf seine Worte achten soll. Rienecker bringt auch gut auf den Punkt, was mit der S\u00fcnde gemeint ist: \u201eDie wahrhaft unverzeihliche S\u00fcnde ist nicht die Verwerfung der Wahrheit infolge eines Missverst\u00e4ndnisses, sondern es ist der Hass gegen Gott \u00fcberhaupt, der dahin f\u00fchrt, dass man den Ursprung des Evangeliums auf Betrug, mit einem Wort, auf den b\u00f6sen Geist zur\u00fcckf\u00fchrt, es ist der Hass gegen das Heilige als solches\u201c (Rienecker 226). Jesus macht hier vor allem ein Angebot. Er sagt: Gottes Anliegen ist die Gnade und die Errettung, alles wird euch vergeben, au\u00dfer wenn ihr gegen den Heiligen Geist redet und euch ihm verschlie\u00dft! Nehmt diese gro\u00dfe Gnade doch an!<\/p>\n<ul>\n<li>Was sagt das Neue Testament sonst zu unvergebbarer S\u00fcnde? (Das ist f\u00fcr die Predigt und die Auslegung des Textes nicht direkt relevant, aber hilfreich, um diese Verse theologisch einzuordnen.)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hebr 10,26f: \u201eDenn wenn wir mutwillig s\u00fcndigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer f\u00fcr S\u00fcnden mehr \u00fcbrig,&nbsp;sondern ein furchtbares Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird.\u201c<\/p>\n<p>Hebr 6,4-6: \u201eDenn es ist unm\u00f6glich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind&nbsp;und das gute Wort Gottes und die Kr\u00e4fte des zuk\u00fcnftigen Zeitalters geschmeckt haben und doch abgefallen sind, wieder zur Bu\u00dfe zu erneuern, da sie f\u00fcr sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen.\u201c<\/p>\n<p>Joh 9,41: \u201eJesus sprach zu ihnen: Wenn ihr blind w\u00e4ret, so h\u00e4ttet ihr keine S\u00fcnde. Nun aber sagt ihr: Wir sehen. Daher bleibt eure S\u00fcnde.\u201c<\/p>\n<p>1Joh 5,16f: \u201eWenn jemand seinen Bruder s\u00fcndigen sieht, eine S\u00fcnde nicht zum Tod, soll er bitten, und er wird ihm das Leben geben, denen, die nicht zum Tod s\u00fcndigen. Es gibt S\u00fcnde zum Tod; nicht im Hinblick auf sie sage ich, dass er bitten solle. Jede Ungerechtigkeit ist S\u00fcnde; und es gibt S\u00fcnde, die nicht zum Tod ist.\u201c<\/p>\n<p>Woran erkennt man diese S\u00fcnde? In Hebr\u00e4er 10 kn\u00fcpft der Schreiber des Briefes eindeutig ans Alte Testament an: Wer sich mutwillig gegen Gott auflehnt, f\u00fcr den bleibt kein Opfer \u00fcbrig. Warum ist das so? Weil das mutwillige Auflehnen wie auch das L\u00e4stern und die Worte, von denen Jesus in unserem Predigttext Mt 12 spricht, ein Zeichen daf\u00fcr sind, dass man das rettende Angebot Jesu, dass er uns durch den Heiligen Geist zeigt, nicht annimmt. In diesen Zusammenhang lassen sich meiner Erkenntnis nach auch andere Bibelstellen wie beispielsweise das Gleichnis vom Schalksknecht einordnen (Mt 18): Wer Jesu unglaubliche gro\u00dfe Vergebung annimmt und ihn als seinen Herrn anerkennt, aber danach v\u00f6llig lieblos anderen gar nicht vergeben will, der zeigt durch sein Handeln, dass er eigentlich gar nicht Jesus angenommen hat, sondern steht in der Gefahr, trotz der Erleuchtung sich gegen den Heiligen Geist aufzulehnen.<\/p>\n<p>Wen kann diese S\u00fcnde betreffen? Der Schreiber des Hebr\u00e4erbrief betont: Das betrifft nur diejenigen, die eigentlich schon erleuchtet wurden, also denen Gott sich durch den Heiligen Geist schon offenbart hat und die dadurch ein st\u00fcckweit schon Christen geworden sind (\u201edie himmlische Gabe geschmeckt und des heiligen Geistes teilhaftig geworden sind\u201c), aber die es eben doch nicht in vollem Umfang bzw. langfristig ergriffen haben. Der Hebr\u00e4erbrief bezieht sich meiner Erkenntnis nach deshalb auch nicht auf jemanden, der \u00e4u\u00dferlich gesehen einmal in einer christlichen Gemeinschaft war und sie dann wieder verlassen hat. Sondern auf solche, die sich in vollem Bewusstsein und langfristig gegen Gott entscheiden, obwohl er sich ihnen gezeigt hat. Dasselbe trifft in Joh 9,41 zu, wo sie \u201esehen\u201c, aber trotzdem nicht annehmen. Wir sehen auch am Beispiel von Paulus ganz krass, dass es nicht darum geht, wie schlimme Dinge jemand anstellt, als er noch nicht \u201esehen\u201c durfte. Selbst Paulus, der der ein L\u00e4sterer und Verfolger war, wurde vergeben, weil er es unwissend im Unglauben tat (1Tim 1,13f) und nicht dann noch, nachdem Gott ihn Jesus erkennen lassen hat.<\/p>\n<p>Auch in 1Joh 5,16f geht es, so denke ich, um die unvergebbare S\u00fcnde, dort als \u201eS\u00fcnde zum Tod\u201c bezeichnet. Alle anderen S\u00fcnden werden vergeben, wenn wir sie bekennen nach 1Joh 1,9 und f\u00fcr Vergebung beten (das kann auch der Bruder oder die Schwester f\u00fcr mich tun! Vgl. Joh 20,23). Die S\u00fcnde zum Tod meint die S\u00fcnde zum geistlichen Tod: Wenn sich jemand wirklich gegen Gott auflehnt und sich nichts vom Heiligen Geist sagen l\u00e4sst, da hilft es auch nichts, wenn jemand anders f\u00fcr ihn betet. Die rettende Gabe in Jesus muss er selbst annehmen.<\/p>\n<p>Ein wichtiger seelsorgerlicher Hinweis: In allen Stellen im Neuen Testament zum Thema unvergebbare S\u00fcnde wir klar: Es soll als Warnung dienen, dass wir die Rettung in Jesus annehmen und uns vergeben lassen. Es soll als Warnung dienen, dass wir beim Herrn bleiben. Aber ganz eindeutig ist: Wer Angst hat, diese S\u00fcnde begangen zu haben und deshalb keine Vergebung mehr zu bekommen oder kein Christ mehr werden zu k\u00f6nnen, dem kann man zusagen: Nein, du hast es nicht getan! Die bewusste und langfristige Auflehnung gegen Gott zeigt sich ja gerade darin, dass man die Vergebung nicht annehmen will und kein S\u00fcndenbewusstsein mehr hat.<\/p>\n<ul>\n<li>Was ist der Unterschied zwischen L\u00e4sterung des Menschensohnes und L\u00e4sterung des Heiligen Geistes?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jesus ist als Mensch aufgetreten und wurde dadurch menschlich verwechselbar. Das machte es f\u00fcr Menschen leichter, Jesus abzulehnen, wenn sie ihn als Person sahen. Au\u00dferdem wird in dieser Aussage deutlich: Es geht Jesus nicht darum, dass er irgendwie durch die L\u00e4sterung der Pharis\u00e4er gekr\u00e4nkt ist. Sondern es geht ihm darum, dass die Zuh\u00f6rer, wenn der Heilige Geist ihnen Gott und Jesus als Herrn offenbart, zuh\u00f6ren und diese Gnade annehmen! Im Gegensatz zu Jesus kann der Heilige Geist nat\u00fcrlich nur von denen gel\u00e4stert und abgelehnt werden, denen er sich offenbart hat und die ihn dadurch eigentlich kennen und sehend sind. Bei Jesus als Mensch auf dieser Erde war das deshalb anders.<\/p>\n<p>Sonstige Anmerkungen zu Vers 31-32:<\/p>\n<ul>\n<li>Spannend ist, dass Paulus, als er noch ein Christenverfolger war, die Christen versuchte, zur L\u00e4sterung Jesu zu bringen (Apg 26,11). Er verstand das Alte Testament wohl so, dass diese einmalige L\u00e4sterung\/Leugnung niemals vergeben wird und damit enger als Jesus sie uns erkl\u00e4rt.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 33:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Warum kommt Jesus nach der Zusicherung der Vergebung und der deutlichen Warnung nun zum Bild mit den B\u00e4umen und Fr\u00fcchten?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nachdem Jesus den Pharis\u00e4ern begr\u00fcndet hat, weshalb er durch Gottes Geist handelt, hat er ihnen deutlich gemacht, dass sie eine Entscheidung treffen m\u00fcssen. Gott vergibt ihnen zwar jede S\u00fcnde, wenn sie zu ihm umkehren, aber wenn sie sich gegen den Heiligen Geist stellen und Gott nicht annehmen, werden sie gewiss nicht errettet werden. In den letzten 5 Versen des Abschnitts macht Jesus nochmal ganz klar: Man erkennt an den Worten der Pharis\u00e4er, dass sie die Vergebung Gottes noch nicht angenommen haben und noch nicht errettet sind. Auch diese Verse sind damit ein Aufruf: Verstockt euch nicht weiter gegen Gott, lasst euch von ihm vergeben und damit auch euer Leben und euer Reden ver\u00e4ndern.<\/p>\n<ul>\n<li>Wie ist das Bild zu verstehen: Was sind gute und schlechte B\u00e4ume und Fr\u00fcchte?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Matth\u00e4us hat dasselbe Bild schon mal in Mt 7,16ff verwendet. Er macht deutlich: Euer Handeln und auch euer Reden (die Frucht) ist ein Ausdruck eures Wesens und dessen, was in eurem Herzen ist (der Baum). Deshalb erkennt man an der Frucht den Baum. Auch das l\u00e4sst sich nie an einer einmaligen falschen Handlung oder Tat festmachen \u2013 auch ein guter Baum bringt ja manchmal Fr\u00fcchte, die nicht gut sind. Aber langfristig gesehen wir immer an dem Leben deutlich, ob jemand Jesus in seinem Herzen hat und errettet ist. Nachdem die Pharis\u00e4er versucht hatten, die Fr\u00fcchte von Jesus zu beurteilen, kehrt Jesus den Spie\u00df jetzt um und zeigt den Pharis\u00e4ern sich selbst auf.<\/p>\n<ul>\n<li>Inwieweit k\u00f6nnen wir einen Baum \u201emachen\u201c?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Formulierung \u201emacht\u201c einen guten Baum ist hier ein Hinweis darauf: Wir k\u00f6nnen die Entscheidung treffen. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir das Wesen, den Baum, nicht gut machen. Aber Jesus macht seinen Zuh\u00f6rern klar: Ihr m\u00fcsst eine Entscheidung treffen, wovon ihr euer Herz f\u00fcllen lasst und davon h\u00e4ngen nachher auch die Fr\u00fcchte ab.<\/p>\n<p><u>Vers 34:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Was bedeutet Schlangenbrut? Ist das nicht eine Beleidigung?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Schlangenbrut verwendet auch schon Johannes in Mt 3,7. Man k\u00f6nnte auch sagen: Ihr seid Kinder von Giftschlagen. Schlange ist immer wieder ein Bild f\u00fcr den Teufel, in Verkn\u00fcpfung mit dem Gift besonders f\u00fcr die heimt\u00fcckische und heuchlerische Vorgehensweise des Teufels. Schon in den Qumranschriften lesen wir immer wieder die Einteilung in Kinder Gottes und Kinder des Teufels\/der Schlange (vgl. auch 1Joh 3,10). Jesus macht seinen Zuh\u00f6rern, besonders den Pharis\u00e4ern, klar: Wenn ihr keine Kinder Gottes seid, seid ihr Kinder des Teufels. Der Teufel wirkt dann durch euch und versucht Menschen zu verwirren. Sie tun so, als w\u00fcrden sie Gutes reden, aber eigentlich sind sie b\u00f6se.<\/p>\n<ul>\n<li>Worauf bezieht sich Jesus hier, wenn er meint, dass sie Gutes reden, obwohl sie b\u00f6se sind?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Am besten l\u00e4sst sich diese Aussage direkt auf den Kontext beziehen: Die Pharis\u00e4er tun so, als w\u00fcrden sie es gut meinen. Sie versuchen die Geister zu scheiden, indem sie behaupten, dass Jesus nicht von Gott kommt. Manchmal gibt es dieses heuchlerische Reden, bei dem es so scheint, als sei die Absicht des Gesagten gut. Aber Jesus entlarvt es hier: Weil er nat\u00fcrlich selbst wei\u00df, dass die Behauptung der Pharis\u00e4er Quatsch ist (er hat es ja ausf\u00fchrlich widerlegt), ist klar: Sie sind eigentlich b\u00f6se. B\u00f6se bedeutet hier: Sie haben nicht Gott in ihrem Herzen und lassen sich nicht von ihm regieren, deshalb sind sie b\u00f6se. Dieser Vers macht deutlich: Man darf nicht vorschnell von guten Fr\u00fcchten auf den guten Baum schlie\u00dfen. Manchmal k\u00f6nnen Menschen so tun, als w\u00fcrden sie Gutes reden, aber eigentlich sind sie im Herzen gar nicht gut.<\/p>\n<ul>\n<li>Redet der Mund wirklich immer, wovon das Herz voll ist?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dieser bekannte Vers ist die direkte \u00dcbertragung des Bildes in Vers 33 auf uns Menschen: Was man im Herz hat, das wird sich im Reden eines Menschen zeigen. Das gilt nicht f\u00fcr jedes einzelne Wort, manchmal scheint ein Wort gut oder schlecht zu sein. Aber grunds\u00e4tzlich stimmt: Am Reden merkt man, was im Herzen eines Menschen ist, was sein Anliegen ist. Am Reden merkt man, ob Jesus im Herzen wohnt oder nicht. Unsere Worte zeigen, wer wir sind. Heute wird manchmal nur noch auf die Taten geschaut und schlechte Worte und Worts\u00fcnden als nicht so schlimm angesehen. Aber die Bibel zeigt uns die Bedeutung auch des Redens ganz deutlich auf: Am Reden erkennt man, wovon das Herz gef\u00fcllt ist.<\/p>\n<p>Sonstige Anmerkungen zu Vers 34:<\/p>\n<ul>\n<li>Jesus kn\u00fcpft hier vermutlich an Sirach 27,6 an, eine apokryphe Weisheitsschrift, die damals im Umlauf war. Das Bild vom Baum war zwar sicher gebr\u00e4uchlich und verbreitet, aber die \u00c4hnlichkeit in der Formulierung gerade hier in Vers 34 f\u00e4llt auf. Jesus hatte kein Problem damit, an au\u00dferbiblische S\u00e4tze anzukn\u00fcpfen und sie aufzunehmen, wenn sie dem biblischen Inhalt entsprechen und stimmen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 35:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Was ist hier mit dem guten Schatz und b\u00f6sen Schatz gemeint?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dieser Vers ist eine weitere Ausf\u00fchrung und Begr\u00fcndung der Aussage im vorherigen Vers, dass Herz und Reden sich entsprechen. Der Schatz steht f\u00fcr das, was in unserem Herzen ist. Schon mehrere alte Handschriften f\u00fcgen hier hinter dem guten Schatz \u201eseines Herzens\u201c hinzu, um deutlich zu machen, dass es darum geht, was in unserem Herzen ist (vgl. auch die Parallelstelle in Lukas 6,45). Matth\u00e4us sagt also: Entweder der gute heilige Geist f\u00fcllt unser Herz oder der b\u00f6se Geist des Teufels wird unser Herz f\u00fcllen. Und je nachdem, was in unserem Herzen ist, werden wir reden. Spannend finde ich, dass sowohl der Gute als auch der B\u00f6se hier als \u201eSchatz\u201c bezeichnet werden. Manchmal scheint der Teufel ein Schatz zu sein, der uns vieles verspricht, wenn wir unser Herz von ihm f\u00fcllen lassen. Aber ganz klar ist: Der viel gr\u00f6\u00dfere und bessere Schatz im Herzen ist der Heilige Geist, Gott selbst.<\/p>\n<p>Sonstige Anmerkung zu Vers 35:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine lustige Bemerkung ist, dass das \u201eHervorbringen\u201c hier in Vers 35 im Griechischen dasselbe Wort ist wie &#8222;Austreiben\u201c in den vorherigen Versen. Jesus bringt also sozusagen den b\u00f6sen Geist hervor. Dem H\u00f6rer im Griechischen ist diese Verbindung sicher aufgefallen: Beides Mal wird etwas an die Oberfl\u00e4che gebracht. Beim Besessenen der D\u00e4mon. Bei den Pharis\u00e4ern, was in ihrem Herzen ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Vers 36:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Was ist mit unn\u00fctzen Worten gemeint? Darf ich keine Witze oder Smalltalk mehr machen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Wort, das hier verwendet wird, findet sich nur selten im Neuen Testament. Es bedeutet \u201efaul, tr\u00e4ge\u201c und in Zusammenhang damit kann es auch als \u201eertragslos, arbeitslos\u201c verwendet werden (Mt 20,3.6). Hier ist das Wort am besten so zu verstehen, dass es um Worte geht, die zu nichts nutzen, die zu nichts f\u00fchren und keinen guten Ertrag haben (vgl. das Wort in Jak 2,20 und 1Tim 5,13). Hier sieht man auch die Verbindung zum Bild von dem Baum und den Fr\u00fcchten: Wenn Worte ertragslos und fruchtlos sind, zeigen sie, was im Herzen ist. Hei\u00dft das, dass man keine Witze oder Smalltalk f\u00fchren soll? Nat\u00fcrlich nicht, auch Witze und Smalltalk k\u00f6nnen gute und n\u00fctzliche Worte sein. Aber \u00e4hnlich wie Jakobus 3 macht es uns deutlich: Worte haben gro\u00dfe Auswirkungen oder sind eben sehr nutzlos, wir sollten gut \u00fcberlegen, was wir sagen.<\/p>\n<ul>\n<li>Was hei\u00dft es, dass wir Rechenschaft ablegen m\u00fcssen am Tag des Gerichts? Gilt das auch f\u00fcr Christen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Bibel macht ganz deutlich, dass wir nicht nur von unseren Taten, sondern auch von jedem Wort Rechenschaft ablegen m\u00fcssen (vgl. Jud 15; Jak 3,1f; Spr\u00fcche 12,6; Mt 15,18). Die Parallelstellen machen deutlich, dass es durchaus auch f\u00fcr Christen gilt. Aber nur in dem Sinn, dass Gott an unseren Worten und Taten erkennt, was in unserem Herzen ist \u2013 ob wir zu Jesus geh\u00f6ren oder nicht. N\u00e4heres dazu im Kommentar zu Vers 37.<\/p>\n<p><u>Vers 37:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Inwieweit k\u00f6nnen Worte rechtfertigen und verdammen, gilt das auch f\u00fcr uns heute?<\/li>\n<\/ul>\n<p>In Vers 37 spitzt Jesus die Aussage aus Vers 36 nochmal zu: Die Menschen m\u00fcssen Rechenschaft ablegen von jedem Wort. Wir werden nach den Worten gerechtfertigt und verdammt werden! Wie passt das zu der Botschaft: Allein aus Gnade?<\/p>\n<p>Es gibt meiner Erkenntnis nach drei Auslegungen, die unter Bibeltreuen diskutiert werden. 1. Es geht in Vers 36 und 37 noch um den Alten Bund, in dem Worte und Taten rechtfertigen. Jesus ist hier ja noch nicht gestorben. 2. Jesus sagt diese deutlichen Worte nur, um aufzuzeigen, dass jeder Mensch verdammt wird und verloren geht und seine Gnade braucht \u2013 \u00e4hnlich wie in der Bergpredigt die zugespitzten moralischen Gebote. 3. Jesus will zeigen, dass sich an den Worten (sowie an den Taten) zeigt, was in unserem Herzen ist. Hier k\u00f6nnte man von einer indirekten Rechtfertigung sprechen, wobei Jesus sich nicht scheut, es zugespitzt zu sagen: Sie rechtfertigen uns.<\/p>\n<p>Zur ersten Auslegung: Das scheint auf den ersten Blick einleuchtend, weil wir noch vor Jesu Auferstehung und Tod sind. Au\u00dferdem f\u00fchrt es dazu, dass man eine ganz klare Unterscheidung treffen kann: Nur der Glaube im Herzen rechtfertigt, Werke und Worte sind nur eine Folge davon und spielen gar keine Rolle zur Errettung. Trotzdem scheint mir das aus mehreren Gr\u00fcnden nicht dem Wort Gottes angemessen: Erstens m\u00fcsste man dann sehr vieles in den Evangelien dem Alten Bund zuordnen \u2013 das wird schon deutlich, wenn man sich meine Auslegung speziell zu Vers 31-32 durchliest. Aber ist Jesus nicht gekommen, um den neuen Bund zu verk\u00fcndigen? Das zweite Argument gegen diese Auslegung scheint mir der Rest des Neuen Testaments zu sein. Die Briefe verstehen sich eindeutig als Auslegung der Worte Jesu in Blick auf die Gemeinde. Das l\u00e4sst sich an vielen anderen Stellen noch deutlicher zeigen, aber auch diese beiden Verse scheinen mir nicht gegen das neutestamentliche Denken zu sprechen. \u00c4hnlich wie Jesus hier spricht Jakobus in Jak 2,24 von einem \u201erechtfertigen durch Werke\u201c und egal wie man diese Verse genau auslegt, es legt doch nahe, dass auch die Formulierung \u201erechtfertigen durch Worte\u201c im Neuen Bund nicht unm\u00f6glich ist, nat\u00fcrlich nur, solange sie richtig und nicht falsch verstanden wird! Drittens m\u00fcsste man innerhalb von Textabschnitten sehr scharf trennen: Beispielsweise in diesem Abschnitt w\u00fcrde sich die Frage stellen: Muss Vers 33-35 dann nicht auch dem Alten Bund zugeordnet werden? Aber ist die Aussage in Vers 31 (bei dieser Auslegungsmethode) nicht schon eine eindeutige Aussage im Neuen Bund, dass einem alles vergeben wird? Wechselt Jesus dann in diesem Abschnitt zwischen Altem und Neuem Bund hin und her? So widerlegt schon dieser Abschnitt in sich selbst, dass man hier versucht, diese Verse dem Alten Bund zuzuordnen.<\/p>\n<p>Zur zweiten Auslegung: Die Absicht Jesu ist sicherlich, mit diesen Worten das Schuldbewusstsein der Menschen anzuregen, damit sie merken, dass sie Vergebung brauchen. Das ist bei den moralischen Geboten aber auch bei solchen klaren Aussagen \u00fcbers Gericht der Fall. Allerdings halte ich es hier nicht f\u00fcr das Hauptmotiv oder den einzigen Grund, weshalb Jesus diese deutliche Aussage trifft. Warum? Erstens wird hier im Zusammenhang ganz klar: Man soll an den Fr\u00fcchten den Baum erkennen und das Reden zeigt, was im Herzen ist. Also ist der Hinweis auf das Rechtfertigen durch die Worte nicht nur ein Hinweis, dass wir verloren gehen, sondern auch eine Aufforderung, das Herz und damit das Reden durch Jesus zu \u00e4ndern. Zweitens spricht Jesus nicht nur davon, dass Menschen durch Worte verdammt werden. Sondern explizit auch davon, dass Menschen aus ihren Worten gerechtfertigt werden. Somit ist deutlich, dass es Jesus ganz klar nicht nur darum geht, dass alle wegen ihrer schlechten Worte verdammt werden.<\/p>\n<p>Zur dritten Auslegung: Hier scheint mir der richtige Ansatz zum Verst\u00e4ndnis des Textes vorzuliegen. In diesem Abschnitt wird klar: Meine Worte zeigen, was in meinem Herzen ist. Somit zeigen meine Worte, ob Jesus bzw. der Heilige Geist in meinem Herzen Wohnung hat. Insofern zeigen Worte, ob ich errettet bin und das meint Jesus, wenn er von einer Rechtfertigung durch Worte spricht. Mir hilft hier zum Verst\u00e4ndnis die Unterscheidung einer indirekten Rechtfertigung und einer direkten Rechtfertigung, damit deutlich wird, dass Jesus nicht sagt, dass man allein wegen seiner guten Worte (oder Werke) gerecht werden kann. Sondern die Worte zeigen gerade den rettenden Glauben und das, was unser Herz f\u00fcllt. Trotzdem scheut Jesus sich nicht, auch die provokante Formulierung zu w\u00e4hlen, dass uns unsere Worte rechtfertigen. \u00c4hnlich sieht es auch Fritz Rienecker in seinem Kommentar: \u201eEr stellt die ungeheuerliche Behauptung auf, dass Menschen aus ihren Worten gerechtfertigt und aus ihren Worten gerichtet werden k\u00f6nnen. Wort und Wesen, Wort und Glaube h\u00e4ngen auf das engste zusammen. Es war f\u00fcr Paulus selbstverst\u00e4ndlich, dass der Glaube an Jesus Christus, den Herrn, sich auch vor der Welt in Worten kundtun m\u00fcsste: R\u00f6m 10,9 (Rienecker, 228).<\/p>\n<p>Sonstige Anmerkungen zu Vers 37:<\/p>\n<ul>\n<li>Spannend ist noch der Wechsel von dem \u201eihr\u201c in Vers 36 zu dem \u201edu\u201c in Vers 37. Jesus spricht nochmal jeden einzelnen H\u00f6rer ganz bewusst an und zieht ihn in die Verantwortung: Pr\u00fcfe dich, wirst du gerechtfertigt oder verdammt werden?<\/li>\n<\/ul>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Verstehen, worum es geht<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>2.1 Hinweise f\u00fcr hermeneutische \u00dcberlegungen (Auslegung)<\/strong><\/p>\n<p>Die entscheidenden hermeneutischen Fragen wurden schon in der Textauslegung besprochen (siehe Vers 37). Es ist wichtig, sich als Prediger im Klaren zu sein, wie man die Texte aus den Evangelien allgemein einordnet, ob Jesus schon vor allem den Neuen Bund predigt oder ob die Aussagen zuerst dem Alten Bund zuzuordnen sind und wie man das Verh\u00e4ltnis von Alten und Neuem Bund ansieht. Es ist wichtig zu beachten, dass Jesus vor Pfingsten predigt, also dass der Heilige Geist noch nicht wie f\u00fcr den Neuen Bund verhei\u00dfen fest Wohnung genommen hat in den Gl\u00e4ubigen.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich l\u00e4sst sich der Text sehr gut auf heute \u00fcbertragen. Man kann sich als Prediger ein st\u00fcckweit in Jesus hineinversetzen. \u00c4hnlich wie Jesus J\u00fcnger, sonstiges Volk und Pharis\u00e4er vor sich hatte, haben wir heute in Deutschland und vielleicht auch im Gottesdienst \u2013 gerade bei Online-Angeboten \u2013 mit klaren Gegnern des Glaubens, Interessierten und Christen zu rechnen (und es dient auch den Christen f\u00fcr ihren Umgang und ihr Gespr\u00e4ch mit Noch-Nicht-Christen, wenn wir alle Gruppen ber\u00fccksichtigen). So k\u00f6nnen wir mit Jesus in diesem Predigttext die Frage stellen und diskutieren: Ist er nun der Messias und Retter f\u00fcr dich, oder kommt er vom Teufel (Vers 22-29)? Au\u00dferdem k\u00f6nnen wir die H\u00f6rer mit Jesus zur Entscheidung aufrufen (Vers 30). Wir k\u00f6nnen mit Jesus das Angebot der Vergebung aussprechen, aber auch die Warnung davor, sich gegen den Heiligen Geist zu stellen (Vers 31-32). Und wir k\u00f6nnen sie herausfordern sich zu pr\u00fcfen: Lasse ich Jesus in meinem Herzen regieren, sodass Leute an meinen Worten merken, wovon mein Herz erf\u00fcllt ist (Vers 33-37)?<\/p>\n<p><strong>2.2 Hinweise f\u00fcr situative \u00dcberlegungen (Predigtanlass)<\/strong><\/p>\n<p>Wir predigen den Text eine Woche nach Pfingsten. Von Pfingsten ausgehend k\u00f6nnen wir ankn\u00fcpfen an den Schatz, den wir im Heiligen Geist bekommen haben. Durch den Heiligen Geist k\u00f6nnen wir erkennen und verstehen, wer Jesus ist. Und durch den Heiligen Geist, der in unserem Herzen Jesus repr\u00e4sentiert, werden wir ver\u00e4ndert, sodass auch unser Reden und Handeln ver\u00e4ndert wird.<\/p>\n<p>Je nachdem, ob ihr in euren Gemeinden und Kreisen Online-Angebote oder schon wieder vorsichtige Gottesdienste habt, m\u00fcsst ihr mit verschiedenen Zuh\u00f6rergruppen rechnen. (Das l\u00e4sst sich beim Schreiben der Predigthilfe noch schwer absch\u00e4tzen, wie das in einem Monat ist.) Da seid ihr herausgefordert, wenn ihr diesen Text in einer Predigt verk\u00fcndigt, euch wie Jesus damals in der Situation zu fragen: Wer h\u00f6rt mir alles zu, auf wen sollte ich eingehen?<\/p>\n<p>Corona wird vermutlich nach wie vor ein aktuelles Thema sein, es wird \u00fcber Lockerungen etc. diskutiert werden. Hier kann man beispielsweise ankn\u00fcpfen, indem man deutlich macht: Unsere Hoffnung f\u00fcr das Leben und das Sterben liegt in Jesus. Bei Gott gelten auch Kontaktbeschr\u00e4nkungen: Wir d\u00fcrfen ihm nicht nahekommen, weil wir krank und s\u00fcndig sind. Aber in Jesus will er uns alles vergeben, deshalb gibt es nichts Wichtigeres, als zu ihm zu kommen (Vers 30-31).<\/p>\n<p><strong>2.3 Hinweise f\u00fcr homiletische \u00dcberlegungen (Anwendung)<\/strong><\/p>\n<p>Bei diesem Text gibt es vielf\u00e4ltige Anwendungsm\u00f6glichkeiten. Ich m\u00f6chte nur ein paar Ideen geben und Anwendungsm\u00f6glichkeiten aufzeigen:<\/p>\n<p>Vers 22: Die Heilung des Besessenen, Tauben und Stummen steht symbolisch daf\u00fcr, dass Jesus die entscheidenden Probleme in unserem Leben l\u00f6sen kann. Jesus kann uns aus der Macht des Teufels befreien, er kann unsere Schuld vergeben. Bringt alles zu ihm.<\/p>\n<p>Vers 23: Kommen wir noch ins Staunen wie das Volk, wenn wir sehen, was Jesus getan hat und immer noch tut? Staunst du \u00fcber das, was Jesus getan hat und fragst dich, ob er vielleicht der Retter ist? Bei genialen Bauwerken oder genialen Musikst\u00fccken fragt man sich manchmal: Wer hat das gemacht? Noch viel mehr sollten wir doch bei Jesu Taten ins Staunen kommen!<\/p>\n<p>Vers 24: Fr\u00fche christliche Ausleger waren von diesem Vorwurf zutiefst betroffen und verletzt. Trifft es uns noch, wenn andere unseren Herrn l\u00e4stern und gegen ihn reden? Sind wir auch bereit, liebevoll und deutlich zu argumentieren, wenn es andere hilft?<\/p>\n<p>Geht es vielleicht einem der Zuh\u00f6rer so, dass er sich fragt: Wer ist dieser Jesus? Dann k\u00f6nnen wir ihn einladen, sich zu entscheiden: Entweder er ist der Retter (Vers 23), oder er ist vom Teufel (Vers 24). Wir k\u00f6nnen ihn einladen, sich auf die Argumente von Jesus einzulassen und ehrlich selbstkritisch \u00fcber seine Haltung nachzudenken. Woran lag es, dass die Pharis\u00e4er nicht glaubten? Jesus hat es super gut erkl\u00e4rt, aber sie wollten es anscheinend nicht erkennen. Bist du ehrlich mit dir selbst und offen daf\u00fcr, dich hinterfragen zu lassen?<\/p>\n<p>Vers 25-29: Wir k\u00f6nnen die Argumente auf heute \u00fcbertragen und Zuh\u00f6rer, die Jesus nicht glauben, vor die Herausforderung stellen: Ist das, was sie glauben, \u00fcberhaupt begr\u00fcndbar und logisch? Gleichzeitig k\u00f6nnen wir hier den Christen gute Argumente an die Hand geben, wie sie mit Bekannten \u00fcber Jesus reden k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen auch deutlich machen: Wir d\u00fcrfen gute Rhetorik verwenden wie Jesus hier (Bilder, rhetorische Fragen). Das ist nicht manipulativ, solange es uns darum geht, den anderen von sinnvollen Inhalten zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Vers 30: Hier bietet es sich an, ganz klar zur Entscheidung aufzurufen: Zu welcher Seite geh\u00f6rst du? Ein Aspekt ist auch: Wer zu Jesus geh\u00f6rt, ist automatisch einer, der mit ihm sammelt, also ein Zeuge von ihm! Sind wir Mitsammler?<\/p>\n<p>Vers 31-32: Wichtig ist den ersten Satz von Vers 31 hervorzuheben: Gott vergibt alle S\u00fcnde und L\u00e4sterung (mit der einen Ausnahme). Ihr m\u00fcsst euch keine Sorgen machen, dass ihr zu schlecht f\u00fcr ihn seid, zu viele S\u00fcnden begangen habt, das Leben zu sehr an die Wand gefahren habt. Wir m\u00fcssen nicht wie die Pharis\u00e4er damals \u00fcberlegen und diskutieren, was nun vergeben wird und was nicht. Gott vergibt alles. Nur bei einem m\u00fcssen wir eine Warnung aussprechen: Wenn wir gegen den Heiligen Geist l\u00e4stern, das hei\u00dft, uns langfristig vor dem Heiligen Geist verschlie\u00dfen, der uns Gott nahebringen will, dann wird Gott uns nicht vergeben!<\/p>\n<p>Vers 33-35: In diesen Versen fordert Jesus die Pharis\u00e4er heraus. Sie halten sich f\u00fcr Gottgl\u00e4ubige, aber Jesus sagt, dass ihr Reden und Handeln zeigt, dass es gerade nicht so ist. Wir d\u00fcrfen unsere Zuh\u00f6rer herausfordern: Erkennt man an unsren Fr\u00fcchten, besonders an unserem Reden, das Jesus in unserem Herzen ist? Viele Noch-Nicht-Christen versuchen wie die Pharis\u00e4er, Jesus aufzuzeigen, dass seine Fr\u00fcchte und sein Handeln falsch sind. Aber Jesus widerlegt das hier und kehrt es um: Pr\u00fcft doch mal euch selbst, was sind denn eure Fr\u00fcchte?<\/p>\n<p>Vers 36-37:<\/p>\n<p>Die wichtige Rolle von Worte, die uns nach Jesu Worten sogar rechtfertigen (wenn auch nur indirekt), kann hervorgehoben werden. Heutzutage wird oft das Reden als nicht so wichtig angesehen. Schlecht \u00fcber andere reden ist fast schon normal. Jesus sagt hier: Unsere Worte sind wichtig. An unseren Worten, die wir im Glauben reden, merkt man, ob wir zu Jesus geh\u00f6ren.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Sagen, wo es hingeht<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>3.1 Predigtziel \u2013 warum halte ich diese Predigt?<\/strong><\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen den Text aus zwei Blickwinkeln betrachten, aus denen sich zwei Ziele ergeben:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie geht Jesus in dem Abschnitt vor, um die Ungl\u00e4ubigen (die Pharis\u00e4er wie das Volk) zu gewinnen? So sollten wir in der Predigt vorgehen, wenn wir textgem\u00e4\u00df predigen.<\/li>\n<li>Was kann ich an dem Umgang Jesu mit seinen Gegnern f\u00fcr meinen Umgang mit Noch-Nicht-Christen lernen? Wir k\u00f6nnen hier in die Sicht der J\u00fcnger in der Geschichte eintauchen, die dabeistanden und von Jesus lernten, wie er vorgeht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Daraus ergeben sich die beiden Ziele:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Nichtchrist soll erkennen, dass alle Gr\u00fcnde daf\u00fcrsprechen, Jesus als den Retter anzunehmen. Jesus bietet ihm die Vergebung an, egal was er schon f\u00fcr Mist in seinem Leben getan hat. Aber er selbst muss jetzt eine Entscheidung treffen.<\/li>\n<li>Der Christ soll erkennen, dass Jesus sich liebevoll auf die Gegner einl\u00e4sst und auf ihre Weise (hier das Argumentieren) versucht, sie zu \u00fcberzeugen und zu gewinnen. Gleichzeitig wird der Christ herausgefordert, sich zu pr\u00fcfen: Halte ich mich nur f\u00fcr gl\u00e4ubig, wie es bei den Pharis\u00e4ern der Fall war und wie Jesus es ihnen aufzeigt, oder ist mein Herz vom Heiligen Geist erf\u00fcllt?<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>3.2 Predigtentfaltung \u2013 wie sage ich es in dieser Predigt?<\/strong><\/p>\n<p>Thema: Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich (nach Vers 30)<\/p>\n<ol>\n<li>Die Frage: Wer ist Jesus? Ist er vom Gott oder vom Teufel? (Vers 22-24)<\/li>\n<li>Die einzige logische Antwort: Jesus ist von Gott gesandt! (Vers 25-29)<\/li>\n<li>Die Entscheidung: Wo geh\u00f6rst du dazu? (Vers 30)<\/li>\n<li>Die Hoffnung: In Jesus kann dir alles vergeben werden, wenn du dich nicht vor dem Heiligen Geist verschlie\u00dft! (Vers 31-32)<\/li>\n<li>Die Warnung: An euren Worten merkt man, ob ich in eurem Herzen wohne (Vers 33-37)<\/li>\n<\/ol>\n<p><u>oder nach Maier, C-Edition:&nbsp;&nbsp; <\/u><\/p>\n<p>Thema: F\u00fcr oder gegen Jesus? Jesu Vollmacht \u00fcber die D\u00e4monen<\/p>\n<ol>\n<li>Menschen, die zu Jesus Vertrauen haben<\/li>\n<li>Unter schwerster Anklage<\/li>\n<li>Jesu Hilfestellung f\u00fcr seine Ankl\u00e4ger<\/li>\n<\/ol>\n<p>Thema: Unvergebbare S\u00fcnde:<\/p>\n<ol>\n<li>In unseren Worten liegt die Macht, zu verletzen oder zu helfen<\/li>\n<li>Worte, die nicht vergeben werden k\u00f6nnen: bei Menschen oft der Fall, bei Gott nur einen einzigen Fall<\/li>\n<\/ol>\n<p><u>Nach Carson:<\/u><\/p>\n<ol>\n<li>Umst\u00e4nde und Anklage<\/li>\n<li>Jesu Antwort<\/li>\n<\/ol>\n<ul>\n<li>Das zerteilte K\u00f6nigreich<\/li>\n<li>Das Haus des starken Mannes<\/li>\n<li>L\u00e4sterung des Heiligen Geistes<\/li>\n<li>Natur und Fr\u00fcchte<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>3.3 Predigtveranschaulichungen \u2013 wie verdeutliche ich es in dieser Predigt?<\/strong><\/p>\n<p>Einige Bilder sind hier von Jesus direkt im Text angelegt, die man n\u00e4her ausf\u00fchren kann:<\/p>\n<ul>\n<li>Das Reich\/das Haus, das mit sich selbst uneins ist \u2013 da findet man auch heute viele Beispiele.<\/li>\n<li>Das Haus eines Starken, in das man versucht einzudringen.<\/li>\n<li>Die Frucht, an dem man den guten oder schlechten Baum erkennt.<\/li>\n<li>Der gute und der b\u00f6se Schatz im Herzen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gute Bilder von Wright:<\/p>\n<p>Zu Vers 25: \u201eWenn ich ein versuche, ein Haus zu bauen, werde ich wahrscheinlich nicht gleichzeitig einen anderen Bauunternehmer beauftragen, Teile des Hauses wieder einzurei\u00dfen.\u201c (Wright, 172)<\/p>\n<p>Zu Vers 31: \u201eSobald man erkl\u00e4rt, dass die einzig noch verbliebene Wasserflasche vergiftet ist, verdammt man sich zum Tod durch Verdursten.\u201c (Wright, 173)<\/p>\n<p>Die dritte Strophe von dem Lied \u201eJesus ist kommen\u201c ist eine gute Beschreibung des Bildes in Vers 29:<\/p>\n<p>\u201eJesus ist kommen, der starke Erl\u00f6ser,<br \/>\nbricht dem gewappneten Starken ins Haus,<br \/>\nsprenget des Feindes befestigte Schl\u00f6sser,<br \/>\nf\u00fchrt die Gefangenen siegend heraus.<br \/>\nF\u00fchlst du den St\u00e4rkeren, Satan, du B\u00f6ser?<br \/>\nJesus ist kommen, der starke Erl\u00f6ser.\u201c<\/p>\n<p>(Samuel Koser)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtthema:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; An der Frucht erkennt man den Baum Predigttext:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Matth\u00e4us 12,22-37 Die Erarbeitung dieser Predigt erfordert etliche Stunden an Vorbereitung. Zu eurer Unterst\u00fctzung enth\u00e4lt diese Predigthilfe deshalb Hinweise f\u00fcr eure Verk\u00fcndigung, ersetzt aber nicht euer eigenst\u00e4ndiges Erarbeiten des Bibeltextes. Bei [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-3962","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-matthaus"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-06-28 21:06:12","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3962","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3962"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3962\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3965,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3962\/revisions\/3965"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3962"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3962"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3962"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}