{"id":3688,"date":"2019-04-16T14:01:57","date_gmt":"2019-04-16T12:01:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/?p=3688"},"modified":"2019-04-16T14:01:58","modified_gmt":"2019-04-16T12:01:58","slug":"predigthilfe-vom-12-mai-2019-galater-1-6-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-12-mai-2019-galater-1-6-24\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 12. Mai 2019 &#8211; Galater 1, 6-24"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigtthema: Glauben hei\u00dft, das reine Evangelium bewahren<\/strong><\/p>\n<h1>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Erl\u00e4uterungen zum Text<\/h1>\n<p>Der Predigttext l\u00e4sst sich in zwei Teile untergliedern:<\/p>\n<ul>\n<li>1,6-10: Einf\u00fchrung: Das Evangelium von Christus und das \u201eandere Evangelium\u201c.<\/li>\n<li>1,11-24: Begr\u00fcndung: Der g\u00f6ttliche Ursprung des Evangeliums.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Einf\u00fchrung (1,6-10)<\/strong>: Im Brief an die Galater kommt Paulus sofort und direkt zu Sache. Das zeigt, wie dramatisch er die Situation der galatischen Gemeinden einsch\u00e4tzt und wie dringlich er darauf reagieren muss. Zun\u00e4chst benennt Paulus in einem kurzen einf\u00fchrenden Teil das Kernproblem der Gemeinden in Galatien (1,6):<\/p>\n<ul>\n<li>Abwendung von Gott, der in die Gnade von Christus berufen hat.<\/li>\n<li>Hinwendung zu einem \u201eanderen\u201c Evangelium.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Reaktion von Paulus l\u00e4sst folgendes erkennen:<\/p>\n<ul>\n<li>Es gibt nur <strong>ein<\/strong> Evangelium, wie es Paulus verk\u00fcndigt hat und durch das Gott die Galater in die Gnade von Christus gerufen hat (1,6).<\/li>\n<li>Gewisse Leute (abwertend) f\u00fchren in die Irre und pervertieren das Evangelium (1,7). Deren \u201eanderes Evangelium\u201c kann nicht als Evangelium akzeptiert werden, weil es die Gnade von Christus verfehlt (1,6).<\/li>\n<li>Die Formulierung \u201eanderes Evangelium\u201c wurde offensichtlich von Paulus in die Debatte eingebracht. Sie umrei\u00dft die Position derer, die mit einem Abweichen von der \u201eWahrheit des Evangeliums\u201c (2,5.14) die Gemeinde zersetzen.<\/li>\n<li>Die Entfremdung vom Evangelium der Gnade in den galatischen Gemeinden stellt eine schwierige Situation dar, mit der so nicht zu rechnen war.<\/li>\n<li>Paulus reagiert mit einer doppelten Verfluchung ohne Ansehen der Person. Sie trifft alle, die ein \u201eanderes Evangelium\u201c vertreten und auf diese Weise Menschen verf\u00fchren. Auch Paulus oder die Engel w\u00e4ren verflucht, wenn sie das Evangelium pervertieren w\u00fcrden (1,8f).<\/li>\n<li>In Israel bezieht sich eine f\u00f6rmlich ausgesprochene Verfluchung auf das schlimmste Vergehen: Abg\u00f6tterei \u2013 als Abfall von Gott und Hinwendung zu anderen G\u00f6ttern. In der fr\u00fchen Kirche gilt das Aussprechen des apostolischen Fluches als sch\u00e4rfste Sanktion. Sie gilt denen, die Gottes Gemeinde zerst\u00f6ren (vgl. 1Kor 3,17; 2Kor 11,15; Gal 5,10; Phil 3,19) und beinhaltet den Ausschluss aus der Gemeinde und die Preisgabe an Gottes Gericht.<\/li>\n<li>Zu beachten ist der Spannungsbogen des Galaterbriefes: der Fluch am Anfang des Briefes korrespondiert mit dem Segen am Ende des Briefes (6,16). Nicht Fluch, sondern Segen ist das letzte Wort des Briefs an die Galater. Auf diese Weise wird der Fluch nicht relativiert, aber das Gef\u00e4lle im Heilshandeln Gottes wird abgebildet.<\/li>\n<li>Paulus muss sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, er w\u00fcrde sich mit seiner Verk\u00fcndigung bei Menschen einschmeicheln, um ihnen zu gefallen (1,10). Offensichtlich wird er verd\u00e4chtigt, mit der gesetzesfreien Verk\u00fcndigung des Evangeliums unter Heiden faule Kompromisse einzugehen.<\/li>\n<li>Das Selbstverst\u00e4ndnis von Paulus als Sklave Christi bezieht sich auf seine Zuordnung zu Gott und die damit verbundene Beauftragung und Autorisierung (1,10).<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Begr\u00fcndung (1,11-24)<\/strong>: Nach seiner Einf\u00fchrung verweist Paulus anhand seines biografischen Werdegangs auf den Ursprung des Evangeliums, das er verk\u00fcndigt. Trotz scharfer Worte im Einf\u00fchrungsteil w\u00e4hlt er jetzt eine betont freundliche Anrede (1,11): \u201eBr\u00fcder\u201c. Damit setzt Paulus ein Signal. Wenn Menschen in einer Gemeinde von Irrlehre verunsichert und erfasst werden, ist damit noch nicht die Bruderschaft mit ihnen aufgek\u00fcndigt. Das gilt allerdings nicht in gleicher Weise f\u00fcr die Irrlehrer selbst, die Gemeinde zersetzen. Paulus bem\u00fcht sich um die galatischen Gemeinden, damit Verf\u00fchrte wieder zur\u00fcckfinden zum Evangelium.<\/p>\n<p>Seinen weiteren Ausf\u00fchrungen stellt Paulus eine These voran (1,11f):<\/p>\n<ul>\n<li>Das von Paulus verk\u00fcndigte Evangelium stammt nicht von Menschen.<\/li>\n<li>Paulus hat das Evangelium einzig und allein durch eine Offenbarung von Jesus Christus empfangen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese These begr\u00fcndet Paulus, indem er in chronologischer Abfolge vier biografische Stationen skizziert:<\/p>\n<p><em>Sein einstiges Leben im j\u00fcdischen Glauben<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>J\u00fcdische Lebensf\u00fchrung in konsequenter Beachtung der Mose-Tora (1,13).<\/li>\n<li>Leidenschaftliches Verfolgen der \u201eGemeinde Gottes\u201c (1,13).<\/li>\n<li>Ungebrochenes Engagement als Pharis\u00e4er f\u00fcr die \u00dcberlieferung der V\u00e4ter (1,14).<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Seine Berufung und Beauftragung von Gott<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>Berufung, Christus unter allen V\u00f6lkern (Heiden) zu verk\u00fcndigen (1,16).<\/li>\n<li>Berufung als Gnadenakt Gottes, der bis in das vorgeburtliche Stadium zur\u00fcckreicht (1,15) \u2013 in Analogie zu alttestamentlichen Prophetenberufungen (Jer 1,5; Jes 49,1-6).<\/li>\n<li>Berufung im Zusammenhang der Offenbarung von Gottes Sohn (1,16).<\/li>\n<li>Aufschlussreiche Darstellung der Berufung von Paulus (1,15f):<\/li>\n<li>Paulus stellt das Ereignis von Damaskus \u00e4u\u00dferst zur\u00fcckhaltend dar, ohne die Umst\u00e4nde der Christusbegegnung n\u00e4her zu beschreiben. Er spricht nur von der \u201eOffenbarung\u201c (1,12.15f), von der \u201eErscheinung\u201c (1Kor 15,8), vom \u201eSehen\u201c des Herrn (1Kor 9,1), von der \u201eErkenntnis Christi\u201c (Phil 3,8). Lediglich Faktum und Ziel seiner Berufung nennt er. Diese Darstellung zielt auf den Ursprung des Evangeliums und nicht auf die Selbstdarstellung des Apostels.<\/li>\n<li>Subjekt des Geschehens ist Gott. Gott hat souver\u00e4n entschieden, nicht Paulus. Aufgrund von Gnade und nicht besonderer menschlicher Voraussetzungen ist Paulus berufen. Offenbarung des Sohnes, Anvertrauen des Evangeliums und Auftrag zur Heidenmission gehen allein auf Gottes Initiative zur\u00fcck.<\/li>\n<li>Gottes Berufung bedeutet nicht Privilegierung eines Einzelnen, sondern Bestimmung zu einer Aufgabe an Vielen. Sie zielt nicht auf Ausschlie\u00dfen, sondern auf Gewinnen und Einbeziehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Seine Zeit unmittelbar nach der Wende<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>Nach der Erscheinung von Christus entdeckt Paulus auch \u201eim Gesetz und den Propheten\u201c (= AT) das Evangelium.<\/li>\n<li>Nun erkennt er die Schrift (AT) von Christus her und legt sie nach Ma\u00dfgabe der Christuserkenntnis aus. Christus ist das Kriterium f\u00fcr die Schrift (AT).<\/li>\n<li>Paulus hat also nicht infolge seines Schriftstudiums Jesus von Nazareth als Messias erkannt, sondern umgekehrt durch die Erscheinung von Christus.<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Sein Jerusalemaufenthalt drei Jahre nach der Christuserscheinung<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>Nach der Christuserscheinung vor Damaskus plant Paulus keine Reise nach Jerusalem, um die dortigen Apostel zu kontaktieren. Das w\u00e4re naheliegend. Doch Paulus sucht keinen Kontakt zu Menschen, sondern geht seinen Glaubensweg eigenst\u00e4ndig.<\/li>\n<li>Jahre sp\u00e4ter sucht er Jerusalem als Zentrum der damaligen christlichen Gemeinden auf. Neben der Begegnung mit Petrus lernt er Jakobus kennen. Sonst kein weiterer Kontakt zu Jerusalemer Aposteln.<\/li>\n<li>Mit seiner Darstellung demonstriert Paulus seine Unabh\u00e4ngigkeit von Menschen und ihren Lehren \u2013 insbesondere in der Anfangszeit seines Glaubens nach der einschneidenden Christusbegegnung.<\/li>\n<li>Paulus hat nie die christlichen Gemeinden in Jud\u00e4a pers\u00f6nlich kennengelernt, blieb aber den Gemeinden nicht unbekannt. Sie haben das Neue anerkannt, das Gott an Paulus getan hat.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fazit: Paulus sch\u00fctzt den Inhalt der Christuserscheinung durch \u00dcberfremdung von Menschen. Damit ist das Evangelium allein auf Christus und nicht auf Menschen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Christus allein hat Gewicht.<\/p>\n<h1>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Hinweise zu Lehre und Leben<\/h1>\n<h2>2.1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Bruder und die Schwester<\/h2>\n<p>Paulus geht mit den Christen der galatischen Gemeinden hart um. Er verzichtet sogar auf die in seinen Briefen sonst \u00fcblichen Danksagungen und F\u00fcrbitten f\u00fcr Gemeinden (vgl. 1,6ff). Nirgendwo fallen so harte Begriffe wir hier, denn in den galatischen Gemeinden steht das Evangelium von Jesus Christus selbst auf dem Spiel. Hier werden nicht nur die R\u00e4nder des Glaubens, nicht nur die Folgewirkungen des Evangeliums ber\u00fchrt \u2013 wie beispielsweise das Verhalten in der Gemeinde oder die ethische Verirrung einzelner Personen. Paulus geht so vehement zur Sache, weil es um den Kern des Ganzen geht, um den Kern des Evangeliums, mit dem der gesamte Glaube an Jesus Christus steht und f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Dennoch: Paulus betrachtet die Christen in Galatien als Schwestern und Br\u00fcder. Selbst das irrige Glauben und Verhalten dieser Gemeinden hebt die geistliche Gemeinschaft nicht auf. Er wei\u00df sich mit allen diesen Christen verbunden. Nach wie vor sind sie Kinder desselben Vaters im Himmel, der allein ihnen allen den Glauben geschenkt hat. Gerade in dieser Verbundenheit des Glaubens setzt sich Paulus leidenschaftlich f\u00fcr seine Schwestern und Br\u00fcder ein, damit sie nicht vom&nbsp; Evangelium abdriften und damit alles verlieren.<\/p>\n<p>Aus diesem Verhalten k\u00f6nnen wir viel f\u00fcr unsere eigenen Situationen lernen. Wie schnell werden unter Christen Tischt\u00fccher zerschnitten? Wie schnell wird der Glaube anderer Christen bewertet und verd\u00e4chtigt, nicht entschieden genug, echt genug, bibeltreu genug usw. ausgepr\u00e4gt zu sein. Wie viele Vorurteile und Missverst\u00e4ndnisse belasten das Miteinander von Christen und f\u00fchren zu Trennungen. Entsprechende Urteile \u00fcber katholische Christen, Angeh\u00f6rige charismatisch oder pfingstlich gepr\u00e4gter Gruppen und vieler anderer Kirchen und Gemeinschaften sind schnell gef\u00e4llt und vergiften oder verhindern geistliche Gemeinschaft. Bruderschaft bedeutet: Wir sind auch mit solchen Christen im Glauben eng verbunden, von denen wir uns bis in Lehrauspr\u00e4gungen hinein unterscheiden. Was uns verbindet ist stets mehr als das, was uns trennen k\u00f6nnte. Wer andere Christen bejaht, wird nicht zu allem Ja sagen, was sie lehren und leben \u2013 man denke nur an die katholische Marienverehrung oder \u00fcberzogene Heilungsversprechen in pfingstlich gepr\u00e4gten Gruppen. Wohl aber ist anzuerkennen, was Gott im Leben der Glaubenden bewirkt hat, die anders ticken und anders gestrickt sind, als wir selbst.<\/p>\n<h2>2.2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Das Evangelium<\/h2>\n<p>Die Christen in den galatischen Gemeinden sind durch das Evangelium in die Gnade von Jesus Christus berufen (1,6). Das kann geradezu r\u00e4umlich verstanden werden: Die Gnade von Jesus Christus als bergender Raum und als Lebenselement, in dem der glaubende Mensch zu Hause ist. Doch die Galater sind gef\u00e4hrdet, einem \u201eanderen\u201c Evangelium zu folgen, das den Namen \u201eEvangelium\u201c \u00fcberhaupt nicht verdient. Dieses andere Evangelium f\u00fchrt zum Verlust der unverdienten Gnade. Damit ist alles verloren, was den Galatern mit dem Evangelium geschenkt war.<\/p>\n<p>Paulus verwendet das Wort \u201eEvangelium\u201c nicht im Sinne einer Literaturgattung (die vier Evangelien), sondern im Sinne der m\u00fcndlichen Verk\u00fcndigung der frohen Nachricht vom Kommen, Leiden, Sterben und Auferstehen des Herrn Jesus Christus.<\/p>\n<p>Dieses Evangelium von der Gnade ist exklusiv. Es kann nicht mit anderen Inhalten vermischt oder durch sie ersetzt werden. Zum Evangelium gibt es keine Alternative in Gestalt eines \u201eanderen\u201c Evangeliums. Jedes andere Evangelium ist kein Evangelium!<\/p>\n<p>Teilhabe an der Gnade hei\u00dft: Der f\u00fcr Gott tote Mensch ist aus Gnade gerettet \u2013 ausschlie\u00dflich aus Gnade! Scharf pointiert bedeutet das: nicht aus sich selbst, ohne eigenes Zutun, nicht aus Werken \u2013 seien sie noch so beeindruckend und fromm. Gnade bleibt unverf\u00fcgbar. Sie kann nicht gekauft, nicht erwirtschaftet, nicht verdient, nicht erzwungen werden. Gnade bedeutet immer: Gott handelt souver\u00e4n am Menschen.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber ist jede menschliche Eigenleistung, jede \u201eMischfinanzierung\u201c (Gottes Gnade und unser Bem\u00fchen) ausgeschlossen, sogar verdammt (3,10). Die Verfluchung derer, die ein Evangelium ohne Gnade pr\u00e4sentieren, unterstreicht das (vgl. 1,8f). Alle menschlichen Werke kommen aus dem \u201eFleisch\u201c (Joh 3,6). Selbst die \u201efr\u00f6mmsten\u201c Werke sind eine Selbstbest\u00e4tigung des \u201ealten Adam\u201c, der an seinem eigenen Denkmal baut. Werke sind hochreligi\u00f6se Klettertouren (z.B. Luther im Kloster), eifriges Engagement (vermeintlich) f\u00fcr Gott (z.B. Saulus, der im Eifer f\u00fcr das Gesetz die Gemeinde verfolgt). Letztlich widersprechen die Werke in all ihren Varianten der Gnade und stehen unter dem Urteil (R\u00f6m 14,23): Was nicht aus dem Glauben kommt, das ist S\u00fcnde.<\/p>\n<p>Selbst wenn Menschen einen noch so geringen Eigenanteil aufzuweisen h\u00e4tten, w\u00fcrden sie damit auf sich selbst verweisen. So aber wird der gekreuzigte Christus entwertet und Gott die Ehre geraubt. Das Evangelium, das in die Gnade von Christus ruft, unterstreicht: aus Gnade \u2013 nicht aus euch \u2013 nicht aus Werken \u2013 allein Gottes Gabe!<\/p>\n<h2>2.3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Von Gott, nicht von Menschen<\/h2>\n<p>Paulus betont nachdr\u00fccklich, das rettende Evangelium allein von Jesus Christus und nicht durch Menschen empfangen zu haben. Diese Betonung darf in unseren Tagen nicht subjektivistisch oder individualistisch missverstanden werden. Viele Christen treten mit einer erstaunlichen Berufungsgewissheit auf, die keinerlei Korrektur erlaubt: \u201eGott hat mir dies oder jenes gezeigt \u2013 damit basta!\u201c Wer Berufung so versteht, entzieht sich dem Gespr\u00e4ch und der Korrektur durch andere Christen. Zwar betont Paulus seine Eigenst\u00e4ndigkeit, aber nicht seinen Alleingang. Sowohl seine&nbsp; Jerusalemreise (1,18f) als auch das Apostelkonzil (2,1-10) unterstreichen eindrucksvoll die volle \u00dcbereinstimmung von Paulus mit den anderen Aposteln.<\/p>\n<p>Diese Einsicht hat nicht nur f\u00fcr die Galater, sondern auch f\u00fcr uns selbst wesentliche Bedeutung. Warum? Wir neuzeitlichen Leser des Galaterbriefs befinden uns in einer \u00e4hnlichen Situation wie die verunsicherten Gemeinden in Galatien: Wir k\u00f6nnen die Wahrheit, die der Apostel verk\u00fcndigt, nicht distanziert und von einer h\u00f6heren Warte aus betrachten und von da aus als wahr erweisen oder widerlegen. Nur durch die Verk\u00fcndigung der Apostel k\u00f6nnen wir das Evangelium kennenlernen. Nur durch das Evangelium k\u00f6nnen wir seinen Inhalt, n\u00e4mlich die Person Jesus Christus erkennen. Damit stellt sich f\u00fcr die damaligen angefochtenen Gemeinden wie f\u00fcr uns die brennende theologische Frage: K\u00f6nnen wir die Legitimation des Apostels durch Christus selbst glauben oder eben nicht? Denn daran h\u00e4ngt alles: ob wir das von Paulus \u2013 gegen allen Widerstand \u2013 verk\u00fcndigte Evangelium als Wort Gottes glauben d\u00fcrfen oder nicht. Zu diesem kritischen und selbstkritischen Prozess fordert Paulus die Galater wie auch uns heraus.<\/p>\n<p>Ein Nebengedanke sei noch hinzugef\u00fcgt: In unseren Tagen spricht Gottes Geist auch zu einzelnen Menschen. Aber das wird stets zur Gemeinde und zum Gespr\u00e4ch mit Schwestern und Br\u00fcdern hinf\u00fchren. Scheinchristliche Alleing\u00e4nge, die unter Berufung auf Gottes Offenbarung dazu f\u00fchren, sich selbst absolut zu setzen, dienen nicht der Gemeinde. Das eigene geistliche Empfinden braucht eine gesunde Skepsis und das Votum der Mitchristen. Das geht nur gemeinsam.<\/p>\n<h1>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bausteine f\u00fcr die Predigt<\/h1>\n<h2>3.1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Predigtziel<\/h2>\n<p>Die Predigth\u00f6rer sollen darin best\u00e4rkt werden, dem einen alternativlosen Evangelium zu vertrauen, das in die Gnade von Jesus Christus hineinf\u00fchrt und das allein im Handeln Gottes seinen Ursprung hat, wie es von Paulus in \u00dcbereinstimmung mit den Aposteln bezeugt und best\u00e4tigt w<\/p>\n<h2>3.2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Predigtthema und Gliederung<\/h2>\n<p>F\u00fcr die Predigt schlage ich eine Ver\u00e4nderung des vorgegebenen Themas vor: \u201eGlauben hei\u00dft, das <strong>Evangelium von Jesus Christus<\/strong> bewahren\u201c (statt \u201ereines Evangelium\u201c). Nirgendwo im Neuen Testament wird von einem \u201ereinen Evangelium\u201c gesprochen. Die Formulierung trifft auch nicht die Absicht von Paulus. Der Apostel spricht in Bezug auf das Evangelium nicht von einem \u201emehr\u201c oder \u201eweniger\u201c (reines Evangelium oder weniger reines bzw. unreines Evangelium) sondern von einem \u201eentweder\/oder\u201c (entweder Evangelium von Christus oder ein anderes Evangelium, das keines ist). Die Ausf\u00fchrungen in 1,6-10 unterstreichen das.<\/p>\n<p>Wer in der Predigt dem Gedankengang von Paulus folgen will, k\u00f6nnte seine Predigt so aufbauen:<\/p>\n<p><strong><em>Glauben hei\u00dft, das Evangelium von Jesus Christus bewahren<\/em><\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong><em> Der Verlust des Evangeliums<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Hier k\u00f6nnen die Irritationen gegen\u00fcber dem Evangelium in ihrer Alternativlosigkeit und der damit verbundenen Dramatik damals und heute benannt werden.<\/em><\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong><em> Die Gnade des Evangeliums<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Hier kann ein wesentlicher Aspekt des Evangeliums, n\u00e4mlich die Gnade in Jesus Christus, f\u00fcr den Alltag des Glaubens und Lebens entfaltet werden.<\/em><\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong><em> Der Ursprung des Evangeliums<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Hier kann der Ursprung des Evangeliums dargestellt werden, wie ihn Paulus im Zusammenhang seiner Biografie zur Sprache bringt mit der unerl\u00e4sslichen Frage nach der Bereitschaft, dem geistgewirkten Wort von Paulus als berufenem Apostel zu vertrauen, das im Neuen Testament als Wort von Gott seinen Niederschlag gefunden hat.<\/em><\/p>\n<p>(Christoph M\u00fcller)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtthema: Glauben hei\u00dft, das reine Evangelium bewahren 1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Erl\u00e4uterungen zum Text Der Predigttext l\u00e4sst sich in zwei Teile untergliedern: 1,6-10: Einf\u00fchrung: Das Evangelium von Christus und das \u201eandere Evangelium\u201c. 1,11-24: Begr\u00fcndung: Der g\u00f6ttliche Ursprung des Evangeliums. Einf\u00fchrung (1,6-10): Im Brief [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-3688","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-galater"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-08-21 05:17:56","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3688","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3688"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3688\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3690,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3688\/revisions\/3690"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3688"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3688"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3688"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}