{"id":3416,"date":"2018-07-04T12:33:01","date_gmt":"2018-07-04T10:33:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/?p=3416"},"modified":"2018-07-04T12:33:01","modified_gmt":"2018-07-04T10:33:01","slug":"predigthilfe-vom-29-juli-2018-apostelgeschichte-14-8-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-29-juli-2018-apostelgeschichte-14-8-20\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 29. Juli 2018 &#8211; Apostelgeschichte 14, 8-20"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigtthema: Wie Gemeinde entsteht \u2013 Missionarisches Engagement fordert uns<\/strong><\/p>\n<p><strong>Predigttext: Apg 14,8-20<\/strong><\/p>\n<h1>1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Erl\u00e4uterungen zum Text<\/h1>\n<h2>1.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vorbemerkung<\/h2>\n<p>Im vorgegebenen Bibelabschnitt wird der Verlauf des Missionseinsatzes von Paulus und Barnabas in der Stadt Lystra dargestellt. Die urchristliche Mission trifft auf ein ungebrochenes Heidentum. Das entspricht nicht dem Normalfall urchristlicher Mission. In der Regel wurde im ersten Schritt der Missionst\u00e4tigkeit von Paulus der Kontakt zur \u00f6rtlichen Synagoge aufgenommen. Erst im zweiten Schritt wurden die heidnischen Sympathisanten der j\u00fcdischen Religion angesprochen, die sich bereits aufgeschlossen f\u00fcr den Gott der Bibel (AT) zeigten. Demgegen\u00fcber stellt sich die Situation in Lystra v\u00f6llig anders dar, weil die vom heidnischen G\u00f6tterglauben gepr\u00e4gten Menschen den Gott der Bibel \u00fcberhaupt nicht kannten. Das kann f\u00fcr die Gemeinde der Gegenwart aufschlussreich und wegweisend sein. In unserer Gesellschaft trifft das Evangelium auf eine Kultur, in der das j\u00fcdisch-christliche Erbe f\u00fcr viele Menschen keine Bedeutung hat. Das Leben wird von anderen philosophischen, ideologischen oder religi\u00f6sen Ans\u00e4tzen bestimmt.<\/p>\n<h2>1.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Anmerkungen zu Apg 14,8-20<\/h2>\n<p><strong>14,8<\/strong>: Die Heilung eines Gel\u00e4hmten in Lystra weist Parallelen zu 3,1-10 auf. Die Stadt Lystra liegt auf der Hochebene von Lykaonien. Auf ihrem fluchtartigen R\u00fcckzug von Ikonion haben Paulus und Barnabas Lystra aufgesucht, um hier die Verk\u00fcndigung des Evangeliums fortzusetzen. Der namentlich nicht bekannte Behinderte ist seit seiner Geburt gel\u00e4hmt, hat keine Kraft in den F\u00fc\u00dfen und konnte noch keinen einzigen Schritt gehen. Es handelt sich wahrscheinlich um eine R\u00fcckenmarkssch\u00e4digung, die durch Fehlbildungen im embryonalen Stadium hervorgerufen wird (Spina bifida). Diese Sch\u00e4digung kann k\u00f6rperlich sehr stark beeintr\u00e4chtigen. Im heutigen Mitteleuropa ist davon auszugehen, dass von tausend Kindern ein Kind von dieser Behinderung betroffen ist.<\/p>\n<p><strong>14,9f<\/strong>: Als Paulus redete (predigte), geh\u00f6rte der Gel\u00e4hmte zu seinen Zuh\u00f6rern. Paulus hat den Behinderten fest angeschaut und hat seinen Glauben wahrgenommen. Der Glaube wird doppelsinnig pr\u00e4zisiert als <em>Glaube, errettet zu werden<\/em> bzw. als <em>Vertrauen, geheilt zu werden<\/em>. Diese sprachliche Doppeldeutigkeit ist bewusst gew\u00e4hlt. Glaube ist eine Wirkung des verk\u00fcndigten Wortes Gottes (vgl. R\u00f6m 10,17). Im Zentrum der Missionsverk\u00fcndigung steht Gottes rettendes Handeln. Davon ist der Gel\u00e4hmte offensichtlich wahrnehmbar erfasst worden. Diese \u201eWende\u201c im Gro\u00dfen und Letzten (Ewigkeit) hat nun auch Hoffnung im Kleinen und Vorletzten (Zeitlichkeit) geweckt.<\/p>\n<p>Auf solchen Glauben hin hat Paulus sehr laut eine Aufforderung ausgesprochen. Als sch\u00f6pferisches Wort Gottes (Zitat Hes 2,1) erm\u00f6glichte sie das Unm\u00f6gliche: Der Gel\u00e4hmte sprang auf und ging die ersten Schritte seines Lebens.<\/p>\n<p><strong>14,11-13<\/strong>: Viele Menschen haben das Agieren von Paulus wahrgenommen. Diese nicht griechisch, sondern lykaonisch sprechenden Menschen deuteten das Ereignis der Heilung im Rahmen ihrer vertrauten religi\u00f6sen Kultur. Insofern kann es nicht verwundern, dass Paulus und Barnabas mit G\u00f6ttern (Zeus, Hermes) des lichterf\u00fcllten Berges Olymp identifiziert wurden. Zeus, der oberste olympische Gott, m\u00e4chtiger als alle anderen griechischen G\u00f6tter, galt als Herrscher \u00fcber Himmel, Blitz und Donner. Hermes, Sohn des Zeus, galt als Schutzgott des Verkehrs, der Reisenden, der Kaufleute und der Hirten, aber auch der Diebe, der Redekunst und der Gymnastik. In zwei bekannten griechischen Legenden wurde erz\u00e4hlt, wie Zeus und Hermes in Menschengestalt vom Olymp auf die Erde herabkamen. Der zust\u00e4ndige Priester des Zeus-Tempels von Lystra (noch heute sind Reste vorhanden) sah sich gen\u00f6tigt, Paulus und Barnabas wie \u201eG\u00f6tter\u201c zu verehren (Stiere, Blumenkr\u00e4nze). In einem Opferritus sollte die Verehrung ihren H\u00f6hepunkt finden. Ein typisch heidnisches Missverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p><strong>14,14-18<\/strong>: Apg 14 ist das einzige Kapitel der Apostelgeschichte, in dem Paulus (hier zusammen mit Barnabas) als Apostel bezeichnet wird (14,4.14). Diese Auff\u00e4lligkeit unterstreicht: Barnabas und Paulus sind bevollm\u00e4chtigte Beauftragte von Jesus Christus und keineswegs menschgewordene G\u00f6tter des Olymp. Mit Vehemenz wehrten sich die beiden M\u00e4nner gegen die entstandenen Missverst\u00e4ndnisse. In h\u00f6chster Erregung zerrissen sie ihre Gew\u00e4nder. Erneut ergriff Paulus das Wort. Seine Rede beinhaltete folgende Schwerpunkte:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Hinterfragen<\/strong> des heidnischen Tuns der Menschen in Lystra.<\/li>\n<li><strong>Abweisen<\/strong> der Verg\u00f6tterung von Personen, die nur Menschen sind.<\/li>\n<li><strong>Verk\u00fcndigen<\/strong> der Guten Nachricht (Evangelium).<\/li>\n<li><strong>Aufrufen<\/strong> zur Abwendung von nutzlosen G\u00f6ttern und Zuwendung zum lebendigen Gott.<\/li>\n<li><strong>Darstellen<\/strong> der Wirklichkeit Gottes:\n<ul>\n<li>Gott hat die Welt geschaffen.<\/li>\n<li>Gott hat heidnische V\u00f6lker ihren eigenen Wegen \u00fcberlassen.<\/li>\n<li>Gott hat sich durch das vielf\u00e4ltige Gute bekundet, das er schon immer allen Menschen zugewendet hat.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Abrupt hat Paulus seine Predigt beendet. Trotz klarstellender Verk\u00fcndigung konnten die Menschen in Lystra kaum davon abgehalten werden, Paulus und Barnabas wie G\u00f6tter zu verehren.<\/p>\n<p><strong>14,19-20<\/strong>: Mit dem Eintreffen von Juden aus Antiochia und Ikonion schlug die Stimmung in Lystra schlagartig um \u2013 von begeisterter Verg\u00f6tterung in abgrundtiefen Hass gegen\u00fcber Paulus und Barnabas. Schon in Antiochia und Ikonion hatten sich Juden in scharfem Widerspruch von Paulus distanziert und sogar einen Anschlag auf ihn geplant (vgl. 13,44f; 14,5f). Der Grund daf\u00fcr d\u00fcrfte in der gesetzesfreien Evangeliums-Verk\u00fcndigung von Paulus zu suchen sein, die von vielen Juden nicht akzeptiert werden konnte. Seine Gegner sind ihm offensichtlich bis Lystra gefolgt. Hier hetzten sie die Bev\u00f6lkerung gegen Paulus auf, bis sie ihn schlie\u00dflich steinigten. In bewusstlosem Zustand \u2013 man hielt ihn f\u00fcr tot \u2013 wurde er aus der Stadt geschleift. Seine Anh\u00e4nger hielten zu ihm und dr\u00e4ngten sich um ihn. Sie d\u00fcrften ein Indiz f\u00fcr die Entstehung einer Gemeinde in Lystra sein, die von Paulus auf dem R\u00fcckweg wieder aufgesucht wurde (vgl. 14,21f). Der f\u00fcr tot gehaltene Paulus in ihrer Mitte stand wieder auf und kehrte in die Stadt zur\u00fcck, um mit Barnabas nach Derbe weiterzuziehen.<\/p>\n<h1>2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hinweise zu Lehre und Leben<\/h1>\n<h2>2.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Heil und Heilung<\/h2>\n<p>Das Evangelium handelt nicht von Heilungen, aber es f\u00fchrt immer wieder zu Heilungen. Kern des Evangeliums ist die Botschaft vom Reich Gottes, von Gericht und Gnade, von der Vergebung der S\u00fcnden durch Christus und vom ewigen Leben. Die \u201eglobalen\u201c Aussagen des Evangeliums handeln von einer letzten Perspektive unseres Lebens. Zugleich treffen sie uns im \u201elokalen\u201c Bereich unserer vorl\u00e4ufigen, begrenzten Lebenswirklichkeit. Insofern weckt das Evangelium mit seiner Ewigkeitsperspektive auch Hoffnungen in einer Welt mit ihrer Diesseitsperspektive. Ewiges Heil und vorl\u00e4ufige Heilung sind also miteinander verbunden, aber zu unterscheiden. Heilung geschieht von innen nach au\u00dfen. Das kann verschieden aussehen. Beispielsweise kann einer k\u00f6rperlichen Heilung die Vergebung von Schuld vorausgehen (vgl. Mk 2,1-12; Jak 5,16).<\/p>\n<p>Wiederholt sind Heilungen in den Evangelien mit der Aussage verbunden (Mk 5,34; 10,52; Lk 17,19): \u201eDein Glaube hat Dir geholfen!\u201c Der Zusammenhang von Glaube und Heilung wird auch in 14,9 erkennbar (s. oben): Paulus \u201esieht\u201c den Glauben des Gel\u00e4hmten. Als Glaubender erf\u00e4hrt der Gel\u00e4hmte Heilung. Daraus darf jedoch nicht gefolgert werden: Ausbleibende Heilung ist stets auf fehlenden oder mangelnden Glauben des Betroffenen zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Krankheit ist nicht in jedem Fall ein bedr\u00e4ngendes Geschick, das wir hinzunehmen haben oder auferlegtes Kreuz, das wir anzunehmen haben. Zum einen kann Krankheit auf das Lebensende hinf\u00fchren. F\u00fcr die Einwilligung in diese letzte Wegstrecke gibt es hilfreiche Ausdrucksformen des Glaubens in Worten der Bibel, Liedern und Gebeten. Zum anderen ist Krankheit eine Bedrohung, der wir mit Gottes Hilfe Widerstand entgegenzusetzen haben. Daf\u00fcr fehlen h\u00e4ufig hilfreiche Ausdrucksformen, obwohl Gemeinde einen Heilungsauftrag hat. Gott steht auf der Seite des Lebens. Er will, dass wir Menschen f\u00fcr ihn leben.<\/p>\n<p>Wenn Christen in Krankheitszeiten von \u00c4rzten Hilfe erwarten, von Gott aber nur Trost, folgen sie einer nichtbiblischen Rollenaufteilung. Gott ist immer beides: Helfer und Tr\u00f6ster. Angesichts von Krankheit haben wir als Mitchristen und Seelsorger Sensibilit\u00e4t zu entwickeln. Es ist eine Aufgabe, die Zuversicht und Hoffnung des Kranken in Handlungen umzusetzen: eine Segnung, eine F\u00fcrbitte, eine Handauflegung, ein befehlendes Wort nach neutestamentlichem Vorbild. Vermutlich geschieht diesbez\u00fcglich an Krankenbetten und in Krankenh\u00e4usern nicht zu viel, sondern eher zu wenig. Wer mit dem ewigen Heil Gottes rechnet, hat allen Grund, jetzt schon in dieser noch vorl\u00e4ufigen Welt auf Heilung zu hoffen, ohne sie zu erzwingen.<\/p>\n<h2>2.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wunder und Worte<\/h2>\n<p>Auf das Ereignis der Heilung des Gel\u00e4hmten (14,10) folgen Worte an die Bev\u00f6lkerung von Lystra. In einer kleinen Predigt bezieht sich Paulus auf das Heilungswunder. Ihm liegt daran, Missverst\u00e4ndnisse der heidnischen Bev\u00f6lkerung auszur\u00e4umen. Das geistgewirkte Charisma muss davor gesch\u00fctzt werden, die Wunderkraft im Menschen zu suchen und ihn entsprechend zu verg\u00f6ttern. Charismatiker (jeder Christ ist vom Geist Gottes begabt!) sind keine Magier. Magier gehen davon aus, etwas zu <em>k\u00f6nnen<\/em>. Charismatiker wissen sich von Fall zu Fall <em>beschenkt<\/em>. Deshalb spricht Paulus nicht davon, dass jemand <em>die<\/em> Gabe <em>der<\/em> Heilung hat, sondern Gab<em>en<\/em> von Heilung<em>en<\/em> (1Kor 12,28.30). Es gibt also keine beherrschbare Technik des Heilens. Charismatiker sind keine Macher. Angesichts dieser Grenzen des Auftrags ziehen sie die Aufmerksamkeit nicht auf sich selbst, sondern lenken sie allein auf Gott.<\/p>\n<p>Das Wunder in seiner Mehrdeutigkeit kann nicht auf das Wort in seiner Eindeutigkeit verzichten. In diesem Zusammenhang n\u00f6tigt uns Apg 14, Probleme des Verstehens in unserer nichtchristlichen Umwelt wahrzunehmen. Gemeinde, die sich wie Paulus und Barnabas der Verk\u00fcndigung des Evangeliums verpflichtet wei\u00df, ist gen\u00f6tigt, die Gute Nachricht in die Lebenswelt ihrer Zeitgenossen hinein zu \u00fcbersetzen. Dabei ist sie zugleich gef\u00e4hrdet, das Evangelium zu verlieren. Im Bem\u00fchen um gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Verst\u00e4ndlichkeit kann das Evangelium in die Lebenswelt und Denkkategorien der anvisierten H\u00f6rer hinein verfl\u00fcchtigt werden.<\/p>\n<p>Beispiel: Im Zusammenhang missionarischer Verk\u00fcndigung wird oft von einem \u201eAngebot\u201c gesprochen. Dieser Begriff aus der Sprache der Marktwirtschaft wird oft positiv aufgenommen. Er bezeichnet den Wert, der sich im Evangelium erschlie\u00dft (vgl. die kostbare Perle oder den Schatz im Acker nach Mt 13,44-46). Mit dem Begriff \u201eAngebot\u201c wird jedoch die Dringlichkeit des Evangeliums verharmlost. Das Evangelium ruft von den nutzlosen G\u00f6tzen weg hin zum lebendigen Gott. Diese Botschaft ist wie ein \u201eRettungsring\u201c kein Angebot und ebenso wenig ein Mobilmachungsbefehl.<\/p>\n<p>In Anlehnung an Paulus geh\u00f6rt also zur Verk\u00fcndigung die Bereitschaft, Missverst\u00e4ndnisse weder zu provozieren, noch zu dulden, sondern f\u00fcr inhaltliche Klarheit zu sorgen. Gerade in einer zunehmend s\u00e4kularisierten Gesellschaft geh\u00f6rt zum missionarischen Gemeindebau auch die Apologetik, n\u00e4mlich die Verteidigung des Glaubens, die Missverst\u00e4ndnisse und Vorbehalte ausr\u00e4umt. Sie ist als Diakonie des Denkens ein notwendiger Akt der Liebe.<\/p>\n<h2>2.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sch\u00f6pfer und Sch\u00f6pfung<\/h2>\n<p>Die Predigt von Paulus in Lystra (14,15-17) zeigt zusammen mit seiner Rede auf dem Areopag in Athen (17,16,-34), wozu die Verk\u00fcndigung des Evangeliums herausfordert. Paulus trifft auf ein Milieu, in dem Menschen die alttestamentliche Offenbarung Gottes in Israel \u00fcberhaupt nicht kennen. Daf\u00fcr gibt es ein Indiz: Die gravierende Differenz zwischen Gott und Menschen, zwischen Sch\u00f6pfer und Sch\u00f6pfung wird von diesen Menschen nicht erkannt (stattdessen Verg\u00f6ttlichung von Menschen).<\/p>\n<p>Wo also ergibt sich ein Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr die Verk\u00fcndigung? Paulus bezieht sich auf das Gute, das vom Sch\u00f6pfer ausgeht und unterschiedslos allen Menschen gilt. Dieser Ansatz k\u00f6nnte in unseren Tagen durch individuelle Lebensumst\u00e4nde oder globale Entwicklungen blockiert werden, z.B. angesichts des dramatischen Elends von Gefl\u00fcchteten oder von ausbleibendem Regen und Hungerkatastrophen in afrikanischen L\u00e4ndern. Die zunehmende Verdr\u00e4ngung der Natur durch den Raubbau an der Natur stellt uns vor die Herausforderung, glaubhaft den Sch\u00f6pfergott zu verk\u00fcndigen, der mit seiner Sch\u00f6pfung ungebrochen gute Absichten verfolgt \u2013 trotz und gegen alle selbstzerst\u00f6renden menschlichen Aktivit\u00e4ten auf unserem Globus.<\/p>\n<p>Mit Paulus stehen wir als Glaubende vor der Aufgabe, Ankn\u00fcpfungspunkte zu suchen und aufzunehmen, um den Menschen den g\u00fctigen Gott glaubhaft zu verk\u00fcndigen. Die Orientierung an den biblischen Texten und das Interesse an der Lebenswelt der Menschen sind miteinander im Auge zu behalten, um dem Ziel der Verk\u00fcndigung zu dienen: Die Abwendung von den nutzlosen G\u00f6tzen hin zum lebendigen Gott. Dazu gibt es keine Alternative!<\/p>\n<h2>2.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vollmacht und Ohnmacht<\/h2>\n<p>Durch den Apostelbegriff wird unterstrichen: Paulus und Barnabas sind zur Verk\u00fcndigung des Evangeliums autorisiert und bevollm\u00e4chtigt. Dabei f\u00fchrt die vollm\u00e4chtige Verk\u00fcndigung in ein Paradox: einerseits der Machterweis eines Heilungswunders \u2013 andererseits die Ohnmachtserfahrung von Verfolgung. Das entspricht auch den Statements von Paulus in seinen Briefen an die Gemeinde in Korinth. Einerseits verweist Paulus auf den \u201eBeweis des Geistes und der Kraft\u201c (1Kor 2,4) und die gewirkten \u201eZeichen des Apostels\u201c (2Kor 12,12; vgl. R\u00f6m 15,19). Andererseits unterstreicht er mit Nachdruck die physische Ohnmacht, die er in Verfolgungen, durch Reisestrapazen und Krankheit erfahren hat (2Kor 11,23-33; 12,7-10). Diese Erfahrungen von Paulus decken sich mit den Prognosen von Jesus, als er seine J\u00fcnger in die vor\u00f6sterliche Mission aussandte (Lk 9,1-6; 10,1-12 und Parallelen): die Taten in der Kraft des Geistes als Bekr\u00e4ftigung f\u00fcr Gottes Reich f\u00fchrten nicht zu rauschendem Beifall, sondern eher zu verschlossenen Herzen und verh\u00e4rtetem Widerstand. Selbst Jesus ist nicht <em>trotz<\/em> seiner Wunder, sondern eher <em>wegen<\/em> seiner Wunder gekreuzigt worden (vgl. Mk 3,6; Joh 11,47ff). Geistgewirkte Zeichen erleichtern also nicht die Verk\u00fcndigung des Evangeliums, sondern intensivieren sie. Auch der Widerstand gegen das Evangelium wird intensiviert.<\/p>\n<p>Das alles haben wir als Gemeinde im Auge zu behalten: Geistgewirkte Verk\u00fcndigung inklusive nachfolgender Zeichen zu leidvollen Erfahrungen f\u00fchren in Gestalt von Ablehnung, Widerstand bis hin zu gewaltsamen \u00dcbergriffen. Gemeinde, die sich den Menschen \u00f6ffnet und ihnen das Evangelium durch Wort und Tat nahe bringt, macht sich angreifbar. Ihr missionarischer Dienst geschieht im Zeichen des Kreuzes. Die Wirklichkeit des Gekreuzigten wird also ihren Dienst pr\u00e4gen. Auf diesem Hintergrund durchleben viele Christen weltweit leidvolle Situationen. Gerade dort finden Menschen zu Christus. \u201eDas Blut der M\u00e4rtyrer ist der Same der Kirche.\u201c Dieses ber\u00fchmte Wort des Kirchenvaters Tertullian unterstreicht: Das Leid der Gemeinde um Christi willen bleibt nicht ohne Frucht. So geh\u00f6rt auch die Dimension des Leides zur Entstehung von Gemeinde.<\/p>\n<h1>3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bausteine f\u00fcr die Predigt<\/h1>\n<h2>3.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Predigtziel<\/h2>\n<p>Die Predigth\u00f6rer sollen im Vertrauen auf Gottes Bevollm\u00e4chtigung im missionarischen Auftrag der Gemeinde vergewissert werden, so dass sie offensiv das Evangelium in die Lebenswelt konfessionsloser Menschen \u00fcbersetzen durch Wort und Tat, Vorbehalte und Missverst\u00e4ndnisse abwehren und m\u00f6glichen Widerstand gegen das Evangelium ertragen.<\/p>\n<h2>3.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Predigtthema und Gliederung<\/h2>\n<p><strong><em>Wie Gemeinde entsteht \u2013 Missionarisches Engagement fordert uns<\/em><\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong><em> Verk\u00fcndige das Evangelium durch Wort und Tat<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Textbezug: 14,8-10<\/p>\n<p>siehe oben Abschnitt 2.1: \u201eHeil und Heilung\u201c<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong><em> Sch\u00fctze das Evangelium vor Missverst\u00e4ndnissen<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Textbezug: 14,9-18<\/p>\n<p>siehe oben Abschnitte 2.2-2.3: \u201eWunder und Worte\u201c und \u201eSch\u00f6pfer und Sch\u00f6pfung\u201c<\/p>\n<p><em>\u00a0 \u00a0 \u00a0 <\/em><em>3.<\/em><strong><em> Stehe zum Evangelium trotz Widerstand<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Textbezug: 14,19-20<\/p>\n<p>siehe oben Abschnitt 2.4: \u201eVollmacht und Ohnmacht\u201c<\/p>\n<h2>3.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Einstiegsm\u00f6glichkeit<\/h2>\n<p>Als Vorschlag f\u00fcr einen Predigt-Einstieg bietet sich ein Artikel des \u201eSpiegel\u201c aus der Rubrik \u201eMenschen\u201c an: \u201eIch bin ein Rolli-Kind\u201c. Ein 13j\u00e4hriges von Geburt an gel\u00e4hmtes M\u00e4dchen erz\u00e4hlt von ihrem schwierigen Leben im Rollstuhl. F\u00fcr den Einstieg muss nicht der komplette Artikel \u00fcbernommen werden. Ausgew\u00e4hlte Passagen reichen schon aus. Auch andere Lebens-Berichte behinderter Menschen k\u00f6nnen f\u00fcr einen Einstieg eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Zu finden ist der Artikel unter folgender Internetadresse: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/deinspiegel\/a-758283.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/deinspiegel\/a-758283.html<\/a><\/p>\n<h2>3.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Predigtbeispiele<\/h2>\n<p>Im zweiten Teil der Predigt bietet es sich an, Vorbehalte, Vorurteile und Missverst\u00e4ndnisse zu benennen, wie sie uns im Gespr\u00e4ch mit Menschen aus dem nichtchristlichen Umfeld begegnen. Zugleich k\u00f6nnen wir unsere Erfahrungen thematisieren, wie wir damit umgehen.<\/p>\n<p>Im dritten Teil der Predigt kann das Beispiel eines Christen, der sich zum Evangelium bekennt, hilfreich sein. Das kann eine Person aus der eigenen Gemeinde sein oder aus dem gemeindlichen Umfeld.<\/p>\n<p>Wie viel das Bekenntnis zum Evangelium kosten kann, zeigen \u00a0Beispiele verfolgter Christen. Hier kann auf Informationen von \u201eOpen Doors\u201c, der Evangelischen Allianz (Arbeitskreis Religionsfreiheit \u2013 Menschenrechte \u2013 verfolgte Christen) oder vieler Missionsgesellschaften zur\u00fcckgegriffen werden (in Zeitschriften oder im Internet recherchieren).<\/p>\n<p>Christoph M\u00fcller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtthema: Wie Gemeinde entsteht \u2013 Missionarisches Engagement fordert uns Predigttext: Apg 14,8-20 1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Erl\u00e4uterungen zum Text 1.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vorbemerkung Im vorgegebenen Bibelabschnitt wird der Verlauf des Missionseinsatzes von Paulus und Barnabas in der Stadt Lystra dargestellt. 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