{"id":3396,"date":"2018-05-20T20:14:02","date_gmt":"2018-05-20T18:14:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/?p=3396"},"modified":"2018-05-20T20:14:02","modified_gmt":"2018-05-20T18:14:02","slug":"predigthilfe-vom-1-juli-2018-1-korinther-8-1-13-1023-111","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-1-juli-2018-1-korinther-8-1-13-1023-111\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 1. Juli 2018 &#8211; 1. Korinther 8, 1-13; 10,23-11,1"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigtthema: Ich bin so frei! Freiheit ja \u2013 aber nicht auf Kosten anderer<\/strong><\/p>\n<h3>1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vorbemerkungen<\/h3>\n<p>Durch 1Kor 8-10 zieht sich wie ein roter Faden das Verst\u00e4ndnis von Freiheit, das von Paulus im Zusammenhang verschiedener Fragen mit dem Schwerpunkt \u201eG\u00f6tzenopfer\u201c entfaltet wird. Die Frage, wie die von Christus geschenkte Freiheit zu leben und zu verwirklichen ist, drohte die Gemeinde in Korinth zu spalten. Paulus entfaltet nun ein Freiheitsverst\u00e4ndnis, das dem Evangelium entspricht und ihm dient.<\/p>\n<p>In der Predigthilfe werde ich nur auf 1Kor 8,1-13 eingehen. Wer beabsichtigt, zus\u00e4tzlich 1Kor 10,23 &#8211; 11,1 als Grundlage f\u00fcr die Predigt zu verwenden, sollte sich diesen Abschnitt selbst erarbeiten. In einer Predigt ist der Zuspruch und Anspruch Gottes zu formulieren. Daf\u00fcr d\u00fcrften die Ausf\u00fchrungen von Paulus in 1Kor 8,1-13 reichlich Stoff liefern. F\u00fcr eine einzelne Predigt halte ich die Kombination beider Texte mit ihren unterschiedlichen Nuancierungen zwar f\u00fcr m\u00f6glich, aber nicht unbedingt f\u00fcr sinnvoll. Jeder Prediger hat aber die Freiheit, selber zu entscheiden, wie er mit diesen beiden Texten umgehen m\u00f6chte. M\u00f6glich wer es beispielsweise, eine Predigt zu 1Kor 8,1-13 mit einer erg\u00e4nzenden Lesung von 1Kor 10,23 &#8211; 11,1 zu beschlie\u00dfen.<\/p>\n<h3>2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Erl\u00e4uterungen zum Text<\/h3>\n<h4>2.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bibel\u00fcbersetzung<\/h4>\n<p>F\u00fcr die exegetische Erarbeitung eines Bibeltextes empfiehlt sich die Benutzung verschiedener Bibel\u00fcbersetzungen (Textvergleich). F\u00fcr die Lesung des Predigttextes im Gottesdienst empfehle ich den Text der \u201eBasisbibel\u201c. Die Texte der Basisbibel sind im Internet verf\u00fcgbar: <a href=\"http:\/\/www.basisbibel.de\">www.basisbibel.de<\/a>. Grunds\u00e4tzlich sollte f\u00fcr das Lesen eine \u00dcbersetzung verwendet werden, die sich durch N\u00e4he zum sog. \u201eUrtext\u201c und gleichzeitig durch gute Verst\u00e4ndlichkeit der Sprache auszeichnet.<\/p>\n<h4>2.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Anmerkungen zu 1Kor 8,1-13<\/h4>\n<p><strong>8,1<\/strong>: Mit dem Thema \u201eG\u00f6tzenopfer\u201c geht Paulus offensichtlich auf Fragen ein, die den Christen in Korinth unter den N\u00e4geln brennen. Seine Ausf\u00fchrungen er\u00f6ffnet er mit grunds\u00e4tzlichen Bemerkungen. Die Gemeinde in Korinth geht davon aus: Wir alle haben die (richtige) Erkenntnis (Einsicht). Das wird von Paulus nicht bestritten (vgl. 1,4-6). Im Dialog mit der Gemeinde gibt er aber zu bedenken: Erkenntnis kann zwar Menschen ziemlich weit bringen, aber ohne Liebe gelangen sie nie zum Ziel. Erkenntnis ohne Liebe verfehlt also ihr Ziel.<\/p>\n<p>Damit wird deutlich: Erkenntnis ist nicht theoretischer Natur (Wissen), sondern hat eine eminent praktische Seite (Begegnung). Der Zusammenhang von Erkenntnis und Liebe unterstreicht das. Vor allem unterstreicht er aber: Erkenntnis ohne Liebe macht \u00fcberheblich und ma\u00dflos. Zwar ist Erkenntnis eine Gabe Gottes (1,5), aber ohne Liebe verliert sie ihre Bedeutung (13,2).<\/p>\n<p><strong>8,2<\/strong>: Erkenntnis ohne Liebe ist nicht \u201evon Gott gebildete\u201c, sondern \u201eeingebildete\u201c Erkenntnis. Wenn die Christen in Korinth also auf ihre Erkenntnis pochen, ist ihnen etwas Wesentliches entgangen: Erkenntnis ohne Liebe baut Gemeinde nicht auf.<\/p>\n<p><strong>8,3<\/strong>: Paulus pr\u00e4zisiert seinen Gedankengang: Aller Erkenntnis in der Gemeinde geht immer das Erkanntwerden des Menschen vor Gott voraus (vgl. Gal 4,9). Von Gott erkannt sein bedeutet: von ihm erw\u00e4hlt und angenommen zu sein (vgl. Ex 33,12.17; Am 3,2; Jer 1,5) durch Christus (vgl. Phil 3,12). Gott in seiner souver\u00e4nen Freiheit erschlie\u00dft sich in Christus dem Menschen (vgl. 2Kor 4,6). Hier wird sichtbar, wie sehr Erkenntnis in einem Begegnungsgeschehen verankert ist.<\/p>\n<p><strong>8,4-6<\/strong>: Zur\u00fcck zum Thema \u201eG\u00f6tzenopferfleisch\u201c. Wieder setzt Paulus mit grunds\u00e4tzlichen Fragen ein: Welche Macht und Bedeutung haben fremde G\u00f6tter und M\u00e4chte f\u00fcr uns Christen? Zwei Antworten formuliert Paulus:<\/p>\n<ul>\n<li>Es gibt keine G\u00f6tter in dieser Welt. Es gibt ausschlie\u00dflich den einen Gott (Dtn 6,4).<\/li>\n<li>Trotzdem gibt es (betont vorangestellt!) viele G\u00f6tter und Herren in dieser Welt \u2013 im Zusammenhang heidnischer Religiosit\u00e4t mit ihren Kulten. Paulus nennt sie aber einschr\u00e4nkend \u201esogenannte\u201c G\u00f6tter, denn f\u00fcr den christlichen Glauben haben sie keinerlei Bedeutung. Es muss aber realistisch zur Kenntnis genommen werden, dass im Zusammenhang heidnischer Religiosit\u00e4t diesen sogenannten G\u00f6ttern durchaus Bedeutung zugemessen wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gegen jegliche heidnische G\u00f6tterverehrung hebt Paulus das Bekenntnis zum einzigen Gott hervor:<\/p>\n<ul>\n<li>Nur einer ist Gott: der Vater.<\/li>\n<li>Nur der eine Gott ist der Ursprung und das Ziel unseres Lebens.<\/li>\n<li>Nur einer ist der Herr: Jesus Christus.<\/li>\n<li>Nur durch den Herrn ist alles entstanden und haben wir das Leben.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>8,7f<\/strong>: Auf der Basis dieses Bekenntnisses zum einzigen Gott geht Paulus auf die Frage ein: Ist es erlaubt, G\u00f6tzenopferfleisch zu essen? Es handelt sich um Fleisch von Opfertieren, die f\u00fcr G\u00f6tter als Opfer dargebracht wurden, und das danach in den Handel gelangte. Da es f\u00fcr dieses G\u00f6tzenopferfleisch keine Kennzeichnungspflicht gab, konnte es nicht von \u201enormalem\u201c Fleisch unterschieden werden.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich des G\u00f6tzenopferfleisches wird in der Gemeinde von Korinth kontrovers diskutiert: Die einen berufen sich auf das erste Gebot und lehnen darum den Verzehr von G\u00f6tzenopferfleisch ab. Die anderen berufen sich auf die in Christus gewonnene Freiheit, und verzehren selbstverst\u00e4ndlich G\u00f6tzenopferfleisch.<\/p>\n<p>Paulus gibt nun zu bedenken: Die Erkenntnisunterschiede in der Gemeinde sind nicht belanglos, weil es dabei um Gewissensfragen geht. F\u00fcr Christen, die bisher von heidnischen Kulten gepr\u00e4gt worden sind, bedeutet das Essen von G\u00f6tzenopferfleisch zugleich eine Verehrung der G\u00f6tter. Darum meiden sie den Verzehr von G\u00f6tzenopferfleisch. Alles andere k\u00e4me einem Verrat des einzigen Gottes gleich und w\u00fcrde sie im Gewissen belasten. Paulus bezeichnet ihr Gewissen als \u201eschwaches\u201c Gewissen. Die grundlegende Einsicht \u201eEs gibt keine G\u00f6tter au\u00dfer dem einen Gott\u201c kann noch nicht vollumf\u00e4nglich mit gutem Gewissen gelebt werden. Andere dagegen haben kein Gewissensproblem, wenn sie G\u00f6tzenopferfleisch essen.<\/p>\n<p>Ob nun jemand G\u00f6tzenopferfleisch ist oder nicht \u2013 das macht niemanden vor Gott besser oder schlechter.<\/p>\n<p><strong>8,9<\/strong>: Wie k\u00f6nnen diese unterschiedlichen Pr\u00e4gungen (und auch Freiheiten) in der Gemeinde gelebt werden? Paulus gibt folgendes zu bedenken:<\/p>\n<ul>\n<li>Grunds\u00e4tzlich kann die Freiheit derer, die alles bedenkenlos essen (also auch G\u00f6tzenopferfleisch) nicht in Frage gestellt werden.<\/li>\n<li>Grunds\u00e4tzlich hat die Zur\u00fcckhaltung der Schwachen, die G\u00f6tzenopferfleisch nicht mit gutem Gewissen essen k\u00f6nnen, Verst\u00e4ndnis verdient.<\/li>\n<li>F\u00fcr den Umgang miteinander angesichts unterschiedlicher Erkenntnisse bedeutet das: Wer kein Problem mit G\u00f6tzenopferfleisch hat, nimmt R\u00fccksicht auf die Schwachen, die ein Problem damit haben.<\/li>\n<li>Daraus ergibt sich eine grundlegende Regel f\u00fcr das Miteinander: Christen halten fest an der Freiheit, zu der sie Christus befreit hat. Sie zwingen aber niemandem ihre Freiheit auf, sondern nehmen die Probleme derer wahr und ernst, die mit dieser Freiheit (noch) Probleme haben. Wer Freiheit lebt, verzichtet darauf, Freiheit auf Kosten anderer zu praktizieren und zu demonstrieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>8,10-13<\/strong>: An einem konkreten Beispiel demonstriert Paulus, welche fatalen Folgen es hat, Freiheit um jeden Preis auszuleben. Das Beispiel versteht sich von selbst und bietet damit Anhaltspunkte f\u00fcr das Miteinander angesichts unterschiedlicher Glaubenserkenntnisse:<\/p>\n<ul>\n<li>Entscheidungen im Lebensalltag betreffen nicht nur mich selbst, sondern auch andere Menschen. Andere nehmen wahr, wie ich selber lebe. Das bleibt nicht ohne Wirkung auf sie.<\/li>\n<li>Die eigene Erkenntnis und daraus resultierende Freiheit kann beim Schwachen Unsicherheit ausl\u00f6sen und ihn Entscheidungen verf\u00fchren, die sein Gewissen belasten werden.<\/li>\n<li>Wenn durch die eigene Erkenntnis ein Schwacher, f\u00fcr den Christus gestorben ist, nicht gef\u00f6rdert, sondern zugrunde gerichtet wird, so ist dies ein Affront gegen Christus selbst.<\/li>\n<li>Freiheit ist nur dann Freiheit, wenn R\u00fccksichtnahme auf den Schwachen das Verh\u00e4ltnis zueinander bestimmt. Freiheit um jeden Preis ist keine Option, die das Gottvertrauen f\u00f6rdert.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hinweise zu Lehre und Leben<\/h3>\n<h4>3.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 G\u00f6tzenopferfleisch \u2013 kein erledigtes Thema<\/h4>\n<p>Sicherlich ist in unserer Lebenswelt davon auszugehen, dass auf Superm\u00e4rkten und in Metzgereien kein G\u00f6tzenopferfleisch angeboten wird. Somit scheint die Frage der Christen in Korinth erledigt zu sein. Andererseits werden auch in unseren heutigen Gemeinden Fragen diskutiert, die in eine \u00e4hnliche Richtung weisen: Was d\u00fcrfen Christen und was d\u00fcrfen sie nicht angesichts dessen, was heute in der Gesellschaft \u00fcblich ist? Konkret: Alkohol trinken oder nicht? Rauchen oder nicht? Ballerspiele spielen oder nicht? Billigprodukte kaufen, die in anderen L\u00e4ndern unter entw\u00fcrdigenden Verh\u00e4ltnissen hergestellt wurden oder nicht? Popul\u00e4re Musik h\u00f6ren mit zweifelhaften Texten oder nicht? Dienst mit der Waffe statt Pazifismus oder nicht? Als Frau in der Gemeinde predigen oder nicht? Die Palette dieser Fragen l\u00e4sst sich durchaus erweitern.<\/p>\n<p>Angesichts solcher strittigen Fragen begegnet stets das gleich Muster: Was die einen als S\u00fcnde betrachten, wird von anderen anders bewertet. Wo die einen Freiheit proklamieren, f\u00fcrchten andere Beliebigkeit. Wof\u00fcr die einen Offenheit zeigen, grenzen sich andere ab. Die Fragen, die von Paulus in Korinth aufgenommen werden, sind also f\u00fcr die Gemeinde der Gegenwart l\u00e4ngst nicht erledigt. Schon gar nicht seine Hinweise zu einem respektvollen Miteinander.<\/p>\n<h4>3.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gott erkennen \u2013 von Gott erkannt sein<\/h4>\n<p>In unserer Gesellschaft ist es \u00fcblich, die eigene Kompetenz besonders hervorzuheben \u2013 z.B. bei Bewerbungen. Dabei begegnet regelm\u00e4\u00dfig das Ph\u00e4nomen: Menschen, die ihre Kompetenz besonders deutliche betonen, verstecken dahinter oft gravierende M\u00e4ngel ihrer Kompetenz. Der wirkliche Experte dagegen gibt sich eher bescheiden, denn er hat es nicht n\u00f6tig, seine Kompetenz hervorzuheben.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der Glaubenserkenntnis sind Menschen stets gut beraten, bescheiden zu bleiben. Denn jede geistliche Erkenntnis hat bruchst\u00fcckhaften Charakter (vgl. 13,8-10), auch wenn sie wirkliche Gotteserkenntnis ist.<\/p>\n<p>Zudem macht Paulus darauf aufmerksam (8,2): \u201eWer meint, etwas erkannt zu haben, hat noch nicht erkannt, wie man erkennen soll.\u201c Alle Gotteserkenntnis hat ihren Ursprung in der Liebe. \u00c4hnlich hat es der Kirchenvater Augustin formuliert: \u201eGott wird nur soweit erkannt, wie er geliebt wird.\u201c Liebe und Gotteserkenntnis korrespondieren miteinander. Gotteserkenntnis ohne Liebe ist eine Farce. Lieben wird aber nur die Person, die von Gott erkannt ist, d.h. von ihm erw\u00e4hlt und angenommen ist als durch und durch von Gott geliebte Person (8,2). Die Liebe Gottes begr\u00fcndet ein Liebesverh\u00e4ltnis, in dem Gott mehr und mehr erkannt wird.<\/p>\n<h4>3.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Schutzbed\u00fcrftige Schwache<\/h4>\n<p>Das Miteinander in einer Gemeinde kann nur funktionieren, wenn in gegenseitigem Respekt auch der Schwache den n\u00f6tigen Schutz findet. Mit der Bezeichnung \u201eSchwache\u201c wird innerhalb der Gemeinde nicht polarisiert. Paulus spricht zwar von \u201eSchwachen\u201c, aber nicht von \u201eStarken\u201c. Nicht der Gegensatz wird hervorgehoben, sondern die Schutzbed\u00fcrftigkeit der Schwachen.<\/p>\n<p>Die Schw\u00e4che einzelner Christen zeigt sich darin, mit dem Essen von G\u00f6tzenopferfleisch ein Gewissensproblem zu haben. Dabei ist f\u00fcr die Gemeinde v\u00f6llig klar: Es gibt keine G\u00f6tter, die Macht aus\u00fcben. Nur einer ist Gott: der Vater. Nur einer ist der Herr: Jesus Christus. Niemandem sonst ist der Glaubende zugeordnet. In dieser Zuordnung sind die einen frei genug, bedenkenlos G\u00f6tzenopferfleisch zu essen. Die Schwachen dagegen sehen sich gen\u00f6tigt, ihren Glauben durch das \u00e4ngstliche Einhalten vieler Regeln sch\u00fctzen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Paulus fordert jedoch nicht die Schwachen zu einer Verhaltens\u00e4nderung auf. Dazu sind die Schwachen nicht in der Lage. Vielmehr fordert er R\u00fccksichtnahme und Schutz f\u00fcr die Schwachen. Das darf nicht als Votum f\u00fcr eine Diktatur der Schwachen in der Gemeinde missverstanden werden. Aber das ist als deutliches Votum f\u00fcr die Liebe ernst zu nehmen, die darauf verzichtet, die eigene Erkenntnis zu verabsolutieren. Stattdessen respektiert sie die Erkenntnis des Schwachen, f\u00fcr den Christus gestorben ist.<\/p>\n<h4>3.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Freiheit, zu der Christus befreit hat<\/h4>\n<p>Freiheit, wie sie von Paulus dargestellt wird, ist ein hohes Gut. Denn sie ist Freiheit, zu der Christus befreit hat. Sie wird aber nur dann Freiheit sein, wenn sie nicht auf Kosten anderer gelebt wird. Wer seine in Christus gewonnene Freiheit zum Nachteil seiner Schwestern und Br\u00fcder auslebt, ist nicht mehr frei und erzeugt Unfreiheit bei anderen. Freiheit zeigt sich gerade darin, dass sie den anderen frei gibt, der mit einem schwachen Gewissen zu k\u00e4mpfen hat. Freiheit begegnet also im Verzicht. Nicht Demonstration der Freiheit, sondern R\u00fccksicht auf den Schwachen ist ein Kennzeichen von Freiheit. Dies gilt nicht nur f\u00fcr die R\u00fccksichtnahme auf Personen in Korinth, die kein G\u00f6tzenopferfleisch mit gutem Gewissen essen konnten. Dies gilt in gleicher Weise f\u00fcr die R\u00fccksichtnahme auf alkoholkranke Personen, f\u00fcr die jeder Tropfen Alkohol zum Verh\u00e4ngnis werden kann. Je nach Gemeinde und Situation vor Ort lassen sich weitere aktuelle Bez\u00fcge finden. Die hilfreichen Hinweise von Paulus (8,9-13) k\u00f6nnen also von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr ein respektvolles Miteinander und gegenseitige R\u00fccksichtnahme in der Gemeinde sein.<\/p>\n<h3>4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bausteine f\u00fcr die Predigt<\/h3>\n<h4>4.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Predigtziel<\/h4>\n<p>Die Predigt zielt darauf ab, die in Christus gewonnene Freiheit zu vergewissern und in der R\u00fccksichtnahme auf Schwache in der Gemeinde zu bew\u00e4hren.<\/p>\n<h4>4.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Predigtthema und Gliederungsvorschlag<\/h4>\n<p>Zum Predigtthema schlage ich drei Gliederungspunkte vor. Die zugeordneten Fragen sind jeweils als Anregung zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Predigtthema und dem zugrundeliegenden Bibeltext gedacht.<\/p>\n<p><strong><em>Ich bin so frei! Freiheit ja \u2013 aber nicht auf Kosten anderer<\/em><\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong><em> Ein Gott und viele Fragen<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Welche brisanten Themen, die mit dem G\u00f6tzenfleisch-Thema vergleichbar sind, besch\u00e4ftigen Christen? Inwiefern f\u00fchren sie zu kontroversen Diskussionen und m\u00f6glicherweise zum Streit in einer Gemeinde?<\/p>\n<p>Wodurch entstehen unterschiedliche Sichtweisen und Haltungen (viel Freiheit oder viel \u00c4ngstlichkeit), obwohl doch alle an den einen Gott glauben?<\/p>\n<p>Wieso kann Erkenntnis Gottes zu \u00dcberheblichkeit und Anma\u00dfung entarten und was ist n\u00f6tig, um dies zu vermeiden?<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong><em> Ein Gott und viel Freiheit<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Gibt es etwas in der Gemeinde, was die einen h\u00f6chst bedenklich finden, w\u00e4hrend es f\u00fcr andere \u00fcberhaupt kein Problem darstellt?<\/p>\n<p>Gibt es Dinge, die Christen in meinem Umfeld tun und damit offenbar kein Problem haben, die mir selber aber aus Sicht meines Glaubens v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich erscheinen? Gibt es umgekehrt Dinge, die selber tue und mit denen viele Christen in meinem Umfeld aus der Sicht ihres Glaubens ein Problem haben, w\u00e4hrend sich mir das Problem \u00fcberhaupt nicht erschlie\u00dft?<\/p>\n<p>Wie verhalte ich mich angesichts dieser unterschiedlichen Herausforderungen? Werden die anderen von mir abgestempelt? Reagiere ich genervt und verst\u00e4ndnislos? F\u00fchle ich mich verletzt? Versuche ich mich, anzupassen trotz Angst, etwas falsch zu machen?<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong><em> Ein Gott und viel R\u00fccksicht<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Wie kann verantwortliches Handeln gerade in Bezug auf die Schwachen aussehen, denen meine Freiheit suspekt erscheint und Angst macht? Warum kann es nicht meine Aufgabe sein, andere ver\u00e4ndern zu wollen? Wie viel Ver\u00e4nderungswillen bin ich bereit, mir selbst zuzumuten? Welche Rolle spielt die Liebe f\u00fcr das Miteinander der Christen und wie wird sie konkret gelebt \u2013 gerade angesichts der Schwachen in der Gemeinde und der damit verbundenen \u00c4ngstlichkeit?<\/p>\n<h4>4.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Beispielerz\u00e4hlung<\/h4>\n<p>Wenn die folgende Beispielerz\u00e4hlung wenig bekannt ist, kann sie demonstrieren, wie es f\u00fcr den vermeintlich St\u00e4rkeren n\u00f6tig ist, sich selbst zu bewegen als dies von anderen zu erwarten:<\/p>\n<p>Amerikaner:\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eBitte \u00e4ndern Sie Ihren Kurs um 15 Grad nach Norden, um eine Kollision zu vermeiden.\u201c<\/p>\n<p>Kanadier:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eIch empfehle, Sie \u00e4ndern ihren Kurs um 15 Grad nach S\u00fcden, um eine Kollision zu vermeiden.\u201c<\/p>\n<p>Amerikaner:\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eDies ist der Kapit\u00e4n eines Schiffes der US-Marine. Ich sage noch einmal, \u00e4ndern Sie Ihren Kurs!\u201c<\/p>\n<p>Kanadier:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eNein, ich sage noch einmal: \u00c4ndern Sie ihren Kurs!\u201c<\/p>\n<p>Amerikaner:\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eDies ist der Flugzeugtr\u00e4ger USS Lincoln, das zweitgr\u00f6\u00dfte Schiff der Atlantikflotte der Vereinigten Staaten. Ich verlange, dass Sie Ihren Kurs um 15 Grad nach Norden \u00e4ndern, oder es werden Gegenma\u00dfnahmen ergriffen, um die Sicherheit dieses Schiffes zu gew\u00e4hrleisten.\u201c<\/p>\n<p>Kanadier:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eAngenehm. Dies ist ein Leuchtturm.\u201c<\/p>\n<h3>5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Erg\u00e4nzende Lesung<\/h3>\n<p>Im Anschluss an die Predigt oder am Schluss des Gottesdienstes kann 1Kor 10,23 \u2013 11,1 als erg\u00e4nzender Text gelesen werden.<\/p>\n<p>(Christoph M\u00fcller)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtthema: Ich bin so frei! 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