{"id":2852,"date":"2016-07-14T17:12:39","date_gmt":"2016-07-14T15:12:39","guid":{"rendered":"http:\/\/apps.christusbund.de\/predigthilfen\/?p=2852"},"modified":"2016-07-14T17:12:39","modified_gmt":"2016-07-14T15:12:39","slug":"predigthilfe-vom-31-juli-2016-kolosser-1-21-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-31-juli-2016-kolosser-1-21-23\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 31. Juli 2016 &#8211; Kolosser 1, 21-23"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigtthema: Ein gravierender Schnitt im Leben<\/strong><\/p>\n<p><strong>Predigttext: Kolosser 1,21-23<\/strong><\/p>\n<h1>1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Erl\u00e4uterungen zum Text<\/h1>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong>: Kol 1,21-23 kn\u00fcpft an ein Christuslied an (1,15-20. Diesen Bezug zu Christus wird der Prediger im Blick behalten m\u00fcssen. Ohne ihn verliert der Abschnitt 1,21-23 seine Grundlage.<\/p>\n<p>Die christologisch dichten und brisanten Formulierungen des Christusliedes fordern uns als H\u00f6rer heraus. Selbst erfahrene Christen und ge\u00fcbte Theologen werden etwas fassungslos vor diesen gro\u00dfen Aussagen stehen. Das n\u00f6tigt dazu, sich neu und tiefer in dieses Lied zu versenken. Es wird zu einem neuen und tieferen Staunen f\u00fchren. Letztlich bietet das Christuslied Hilfe zur Anbetung, denn Jesus Christus als Sch\u00f6pfer, Vers\u00f6hner und Vollender der Welt, aber auch als Haupt der Gemeinde (Leib des Christus) wird uns Menschen ins Herz geschrieben.<\/p>\n<p><strong>V21<\/strong>: Nachdem Paulus die Briefempf\u00e4nger ganz auf Jesus Christus orientiert hat, wird nun die Gemeinde direkt angesprochen. Paulus redet sehr pers\u00f6nlich: \u201eihr\u201c, \u201eeuch\u201c. Er entfaltet die Bedeutung von Christus (\u201eer\u201c) f\u00fcr die Gemeinde. Die Begegnung mit Christus und die Bindung an ihn l\u00f6st einen tiefgreifenden Umbruch in der Biografie von Menschen aus. Dieser Einschnitt ist so markant, dass das Leben in ein \u201eEinst\u201c und in ein \u201eJetzt\u201c gegliedert wird. Paulus selbst hat diesen Schnitt als Umwertung aller Werte erfahren (vgl. Phil 3,7-9). Auch f\u00fcr die Gemeinde gibt es diesen gravierenden Umbruch zwischen \u201eeinst\u201c (1,21) und \u201ejetzt\u201c bzw. \u201enun\u201c (1,22).<\/p>\n<p>Das \u201eEinst\u201c der Glaubenden war durch Entfremdung (\u201eihr wart fremd\u201c) gekennzeichnet. Sie lebten in einer der ber\u00fchmtesten St\u00e4dte Kleinasiens (im heutigen Westen der T\u00fcrkei), in der sich j\u00fcdische, griechische und phrygische Einfl\u00fcsse vermischt haben. Wie auch immer: Gott blieben diesen Menschen fremd. Entfremdung gegen\u00fcber Gott ist ein Ph\u00e4nomen, das sich durch die gesamte Geschichte der Menschheit zieht. Von Anfang an haben Menschen Gott misstraut (vgl. Gen 3). Nicht der Sch\u00f6pfer wendet sich von seinen Gesch\u00f6pfen ab, sondern umgekehrt: Seine Gesch\u00f6pfe haben sich von ihrem Sch\u00f6pfer abgewendet. Damit beginnt eine Entfremdung, die sogar als Feindschaft in Erscheinung tritt. Feindschaft bedeutet: Menschen kennen Gott nicht, vertrauen ihm nicht, wollen ihn nicht, widersprechen ihm, bek\u00e4mpfen ihn, setzen sich selbstherrlich \u00fcber Gott hinweg und gehen mit anderen G\u00f6ttern fremd. Feindschaft begegnet nicht zwingend als aggressiver Widerstand. Sie wird auch in anderen Gestalten gelebt, z.B. als \u00a0gottvergessene Selbstgef\u00e4lligkeit oder Gleichg\u00fcltigkeit.<\/p>\n<p>Entfremdung von Gott hat b\u00f6se Folgen. Sie \u00e4u\u00dfert sich im b\u00f6sen Tun (vgl. R\u00f6m 3,9-18). B\u00f6ses Tun ersch\u00f6pft sich nicht allein in abgr\u00fcndiger Schlechtigkeit und kreativer Bosheit. Kennzeichnend f\u00fcr b\u00f6ses Tun ist auch eine Spaltung zwischen Wollen und nicht K\u00f6nnen, zwischen guter Absicht und b\u00f6ser Umsetzung (vgl. R\u00f6m 7,18ff). Das Fatale daran: Diese Ambivalenz kann von Menschen nicht durchbrochen werden. Der von Gott losgel\u00f6ste Mensch wird wie ein Sklave zutiefst beherrscht \u2013 von der Macht der S\u00fcnde. Gott ist ihm fremd geworden. Zugleich ger\u00e4t er in eine Entfremdung sich selbst und seinen Mitmenschen gegen\u00fcber.<\/p>\n<p><strong>V22<\/strong>: Das \u201eJetzt\u201c der Glaubenden ist von einer \u00dcberwindung der Entfremdung gekennzeichnet. Christus selbst hat durch die Hingabe seines Lebens (durch seinen gewaltsamen Tod am Kreuz) die Entfremdeten mit Gott vers\u00f6hnt (vgl. 2Kor 5,19). Vers\u00f6hnt mit Gott \u2013 das ist der Status der an Christus Glaubenden vor dem himmlischen Vater.<\/p>\n<p>Der Tod von Jesus ist ein S\u00fchnetod. S\u00fchne ist Existenz-Stellvertretung: Einer tritt f\u00fcr einen anderen ein, tritt an dessen Stelle, \u00fcbernimmt konkret dessen Platz. Damit ist der andere frei, einen anderen Platz einzunehmen. Jesus ist nun an die Stelle der Entfremdeten getreten, also an die Stelle derer, die sich von der Quelle des Lebens abgewendet und damit ihr Leben verspielt haben. Indem nun Jesus an ihre Stelle tritt, gewinnen die Entfremdeten die Freiheit, einen anderen Platz einzunehmen, n\u00e4mlich in einem neuen Verh\u00e4ltnis zu Gott (Vers\u00f6hnung!) das Leben zu gewinnen. Daf\u00fcr ist Jesus in die Todeswirklichkeit der Entfremdeten eingetreten \u2013 mit allen Konsequenzen (sterblicher Leib!). Durch seinen stellvertretenden Tod hat er ihre Entfremdung \u00fcberwunden und sie zu Kindern Gottes gemacht, die das Leben empfangen. Denn: \u201eGott kennen ist Leben\u201c (Tolstoi).<\/p>\n<p>Dieser neue Status bleibt nicht ohne Folgen: Die einst Entfremdeten treten nun vor Gott Angesicht \u2013 heilig, tadellos und ohne angeklagt werden zu k\u00f6nnen. Diese drei Pr\u00e4dikate beschreiben nicht, wie <strong>Menschen<\/strong> einander wahrnehmen, sondern wie <strong>Gott<\/strong> sie wahrnimmt. Er betrachtet sie nicht an sich, sondern nur in der Verbundenheit mit Christus. So wie Gott Christus sieht, so sieht er diejenigen, die Christus vertritt. Heilig, tadellos, nicht verklagbar sind also keine Qualit\u00e4tsmerkmale, die Menschen auszeichnen. Es sind die Qualit\u00e4tsmerkmale, die Christus auszeichnen. Nur in dieser Verbundenheit mit Christus \u2013 niemals ohne ihn \u2013 betrachtet Gott die Glaubenden tats\u00e4chlich als neue Gesch\u00f6pfe (vgl. 2Kor 5,17). Das \u201eeinst\u201c ist \u00fcberholt durch das \u201ejetzt\u201c. Die Entfremdung ist \u00fcberwunden durch die Zuordnung zu Christus, der ein neues Verh\u00e4ltnis zu Gott begr\u00fcndet hat.<\/p>\n<p><strong>V23<\/strong>: F\u00fcr die Zukunft kommt es nun darauf, in dieser Zuordnung zu Christus zu bleiben. Insofern werden die Glaubenden nicht zu einem bestimmten Tun aufgefordert, sondern zum Bleiben. Zum einen kommt es darauf an, treu und unersch\u00fctterlich im Glauben zu bleiben, ihn also durchzuhalten (vgl. Joh 15,1-8). Zum anderen sich um keinen Preis von der Hoffnung abbringen zu lassen, wie sie im Evangelium begegnet. Gemeinde lebt in einer Welt bedr\u00fcckender Nachrichten von dem, was sie empfangen hat: von der guten Nachricht, die allen Gesch\u00f6pfen unter dem Himmel verk\u00fcndigt ist. Gut ist diese Nachricht, weil sie Jesus Christus thematisiert. Universal ist diese Nachricht, weil sie kein Gesch\u00f6pf ausklammert. Sie zielt vielmehr darauf, jede Entfremdung zu \u00fcberwinden. Paulus versteht sich als Diakon dieser weltumspannenden und weltver\u00e4ndernden Botschaft. Mit Leidenschaft steht er in ihrem Dienst.<\/p>\n<h1>2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hinweise zu Lehre und Leben<\/h1>\n<h2>2.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Entfremdung<\/h2>\n<p>Entfremdungsprozesse durchleben viele Menschen als belastend und frustrierend:<\/p>\n<ul>\n<li>Ehepartner werden sich immer fremder werden und haben sich nichts mehr zu sagen.<\/li>\n<li>Kinder erscheinen ihren Eltern zunehmend fremd, weil sie v\u00f6llig anderen Lebensmustern folgen.<\/li>\n<li>Kollegen entfremden sich, weil sie sich nicht mehr auf gemeinsame Ziele und Strategien einigen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Jung und Alt geraten in entfremdende Konflikte, weil sich die Lebenswelten der Generationen immer schneller voneinander entfernen.<\/li>\n<li>Arme und Reiche sind einander fremd, weil sich keine der beiden Seiten die Lebenswelt und -situation der anderen vorstellen kann.<\/li>\n<li>Der Bev\u00f6lkerung erscheint die eigene Regierung fremd, weil sie sich nicht mehr von ihr vertreten f\u00fchlt.<\/li>\n<li>Kulturen erscheinen einander fremd, weil sie unterschiedlichen Glaubensauffassungen, Weltanschauungen, Wertevorstellungen usw. folgen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Liste solcher Beispiele kann fortgesetzt werden. Nicht selten findet Entfremdung ihren Ausdruck in Zerw\u00fcrfnissen, Neid, Hass und Feinschaft. Dabei f\u00e4llt auf: Entfremdung wird in der Regel nicht der eigenen Person, sondern den anderen angelastet.<\/p>\n<p>Wenn Paulus Entfremdung thematisiert, dann bewegt er sich nicht auf einer psychologischen, soziologischen, politischen Ebene usw., sondern er argumentiert theologisch. Ihn interessiert die Frage nach dem Verh\u00e4ltnis zu Gott, denn eine Entfremdung Gott gegen\u00fcber zieht stets innerweltliche Entfremdungsprozesse nach sich. Weil aber Menschen ihr Verh\u00e4ltnis zu Gott \u00fcberhaupt nicht wahrnehmen und zutreffend einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen (\u201eMir geht es gut. Mein Leben gelingt. Wozu brauche ich Gott?\u201c), bietet die Predigt eine Gelegenheit, davon zu reden. Das Aufdecken von Entfremdung kann nur von Gott her geschehen und hat Offenbarungscharakter. Die eigene Entfremdung (als Widerspruch gegen Gott = S\u00fcnde) will geglaubt werden. Wer der Einsch\u00e4tzung Gottes zustimmt (auch wenn\u2019s weh tut), f\u00fcr den h\u00f6rt das Versteckspiel und das Verdr\u00e4ngungstheater auf. Offen vor Gott und dem N\u00e4chsten \u2013 da ist die Hilfe letztlich schon da!<\/p>\n<h2>2.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vers\u00f6hnung<\/h2>\n<p>Herzst\u00fcck des Neuen Testaments ist das Evangelium von Gott, der sich mit seiner Sch\u00f6pfung vers\u00f6hnt hat. Das Vers\u00f6hnungshandeln Gottes ist unmittelbar mit Jesus Christus verbunden (1,22): Als sterblicher Mensch hat Jesus durch seinen Tod die Vers\u00f6hnung geschenkt. Diese knappe Formulierung l\u00e4sst die Frage offen, wie Vers\u00f6hnung n\u00e4her zu verstehen ist. Was ist am Kreuz geschehen?<\/p>\n<p>In Kol 2 wird findet diese Frage eine Antwort. Dort begegnet eine Interpretation des Kreuzestodes von Jesus (2,14):<\/p>\n<p><em>Gott hat den Schuldenbeleg getilgt einschlie\u00dflich seiner Forderungen, die gegen uns standen. Er hat ihn ans Kreuz angenagelt und damit beseitigt. <\/em><\/p>\n<p>Um dieses Bild zu verstehen, sind wir gen\u00f6tigt, in die Welt der Antike einzutauchen. Schon damals gab es viele Menschen, die gezwungen waren, Schulden zu machen \u2013 aus ganz verschiedenen Gr\u00fcnden. Schulden machen zu <strong>m\u00fcssen<\/strong> war damals wie heute immer eine bedr\u00e4ngende Geschichte voll Not. Aus dem antiken Bankenwesen ist bekannt: Beim Schuldenmachen wird zwischen dem Schuldner und dem Gl\u00e4ubiger eine pers\u00f6nliche Vereinbarung getroffen. Ein sogenannter Schuldenbeleg (Schuldschein, Luther: Schuldbrief) wird ausgestellt. Der beginnt immer mit den Worten: \u201eIch bekenne, die und die Schulden zu haben\u2026\u201c Dieser Schuldenbeleg wird eigenh\u00e4ndig vom Schuldner unterzeichnet. Der Gl\u00e4ubiger nimmt den Schuldenbeleg in Empfang und hinterlegt ihn in einem \u00f6ffentlichen Depot \u2013 bis die Schuld vollst\u00e4ndig bezahlt ist. Wenn das geschehen ist, wird der Schuldenbeleg aus dem Depot entnommen. Der Inhalt des Schuldenbelegs wird durchgestrichen. Dann wird er dem Schuldner ausgeh\u00e4ndigt als Beweisst\u00fcck: alle Schulden sind bezahlt. \u00dcbrigens: auch ein Dritter konnte f\u00fcr den Schuldner die Schulden bezahlen. Dann wurde der Schuldenbeleg ebenfalls ausradiert.<\/p>\n<p>Wie ist dieses Bild zu deuten? Mit unserer Entfremdung von Gott und allen daraus folgenden Verfehlungen in unseren Familien, Gemeinden, in der Gesellschaft, im Berufsleben stehen wir in Gottes Schuld. Gott aber hat unseren Schuldenbeleg durchgestrichen. Diese Schuld ist nicht einfach erlassen. Nein! Gott selbst hat sie teuer bezahlt im Leiden und Sterben Christi. Nun befindet sich unser Schuldenbeleg nicht mehr im Depot der Schulden, sondern wurde ans Kreuz genagelt. Damit ist er vernichtet.<\/p>\n<p>Das soll in der Verk\u00fcndigung jeder pers\u00f6nlich f\u00fcr sich h\u00f6ren k\u00f6nnen: \u201eDer Mann am Kreuz, auferweckt durch Gottes Kraft, ist dein durchkreuzter Schuldenbeleg. Nun bist du nicht mehr verklagbar, sondern kannst tadellos und heilig vor Gott treten. Er selbst hat in Christus die Entfremdung \u00fcberwunden. Nimm es Gott ab, dass es wirklich so ist. F\u00fchle Dir nicht st\u00e4ndig den Puls, als sei die Verfehlung immer noch bei Dir. Sie ist nicht mehr bei Dir. Christus ist Dein Schuldschein. Dein Schuldschein h\u00e4ngt am Kreuz. Durchkreuzt. Alles ist bezahlt.\u201c<\/p>\n<h2>2.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Glaube und Hoffnung<\/h2>\n<p>Mit der \u00dcberwindung von Entfremdung beginnt ein neues Verh\u00e4ltnis zu Gott. Eine pers\u00f6nliche Beziehung zu Gott entsteht, die auch als Beziehung der Liebe zutage tritt. Dieses innige Verh\u00e4ltnis zu Gott wird als Glauben bezeichnet.<\/p>\n<p>Wo immer Menschen glauben, h\u00e4ngt es damit zusammen, dass sie ber\u00fchrt sind von Jesus, von ihm pers\u00f6nlich angesprochen sind. Sie sind mit Jesus und durch ihn mit Gott auf einer ganz pers\u00f6nlichen Ebene auf Du und Du in Kontakt gekommen. Sei sind getroffen, weil sie in der Begegnung mit Jesus sich selbst erkennen \u2013 ihre eigene Entfremdung, Abgr\u00fcndigkeit, Verlorenheit, Verkehrtheit. Zugleich erfahren sie in dieser Begegnung, unbedingt geliebt und voraussetzungslos angenommen zu sein. Das bewirkt Umkehr aus einer pervertierten Lebensorientierung bei gleichzeitiger Hinwendung zu Gott. Glauben ist der Mut, sich als bejaht zu bejahen.<\/p>\n<p>Unz\u00e4hlige Menschen waren von der Begegnung mit Jesus gepackt und \u00fcberw\u00e4ltigt von seiner Barmherzigkeit. Der von Zweifeln hin- und hergerissene Thomas (Joh 20,28): \u201eMein Herr und mein Gott.\u201c Martin Luther, der Reformator: \u201eGott ist ein Backofen voller Liebe.\u201c Der schw\u00e4bische Pietistenvater Johann Albrecht Bengel brachte diese Erfahrungen auf den Punkt: \u201eEin Christ ist ein Mensch, der der gn\u00e4dige Gott das Herz abgewonnen hat.\u201c Der franz\u00f6sische Mathematiker, Physiker und Philosoph schrieb: \u201eGlauben haben, das hei\u00dft: Gott mit dem Herzen und nicht mit dem Verstand lieben.\u201c<\/p>\n<p>Der Glaube ersetzt nicht den Verstand, aber intellektuelle Fragen werden zur\u00fcckgestellt. Sie sind nicht erledigt, aber r\u00fccken nicht mehr an die erste Stelle. Je l\u00e4nger sich jemand auf Jesus einl\u00e4sst und mit ihm Erfahrungen macht, desto weniger spielen kritische R\u00fcckfragen eine Rolle. Das urspr\u00fcnglich dringende Bed\u00fcrfnis nach plausiblen Antworten kommt in der pers\u00f6nlichen Begegnung mit Jesus zur Ruhe. Es braucht keine Antworten mehr, weil sie ihre Bedeutung verlieren. Bedeutung gewinnt dagegen die pers\u00f6nliche N\u00e4he zu Jesus. Sie fu\u00dft auf dem Erleben, zutiefst geliebt zu sein. Daraus erw\u00e4chst als Antwort die Erwiderung dieser Liebe.<\/p>\n<p>Die durch Christus geschenkte Begegnung mit dem lebendigen Gott durchbricht alle Bilder und Vorstellungen, die sich Menschen vorher von Gott gemacht haben. Das Gesch\u00f6pf begegnet seinem Sch\u00f6pfer. Diese Begegnung beinhaltet nicht Bedr\u00fcckung und Kontrolle, sondern unvergleichliche Befreiung und Freiheit. Der Mensch erf\u00e4hrt Gott als gn\u00e4dig: Er bekommt nicht, was er verdient hat. Er erf\u00e4hrt Gott zugleich als barmherzig: Er bekommt, was er \u00fcberhaupt nicht verdient hat. \u201eGlauben hei\u00dft, die Abh\u00e4ngigkeit von Gott als Gl\u00fcck erfahren.\u201c (Dag Hammarskj\u00f6ld). Der Glaube aber ist verbunden mit einl\u00f6sen unverw\u00fcstlichen Hoffnung: Gott wird sein Wort, das er ein f\u00fcr allemal in Jesus Christus gesprochen hat, einl\u00f6sen. Nichts kann die Gemeinschaft mit Gott zerst\u00f6ren, weil Gott treu ist (vgl. R\u00f6m 8,31ff).<\/p>\n<h1>3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bausteine f\u00fcr die Predigt<\/h1>\n<h2>3.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Predigtziel<\/h2>\n<p>Ziel der Predigt (f\u00fcr eine Gemeinde) ist es, Menschen zu ermuntern, Gemeinschaft mit Gott im Glauben und in der Hoffnung durchzuhalten, weil Gott selbst in Jesus Christus unsere Entfremdung \u00fcberwunden hat und uns in seine innige Gemeinschaft voraussetzungslos aufgenommen hat.<\/p>\n<p>Ziel der Predigt (f\u00fcr eine missionarische Situation) ist es, Menschen ohne Ansehen der Person in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen, weil Jesus Christus auf einzigartige Weise Vers\u00f6hnung mit Gott gestiftet hat, um die bestehende Entfremdung aufzuheben.<\/p>\n<h2>3.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Lobpreis<\/h2>\n<p>Je nach Gottesdienstaufbau bietet es sich an, das Christuslied (1,15-20) im Lobpreisteil oder im Einleitungsteil des Gottesdienstes zu verlesen. Die Lesung kann mit dem Hinweis verbunden werden, dass sich der Bibeltext, welcher der Predigt zugrundeliegt, auf diesen Christushymnus bezieht.<\/p>\n<h2>3.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Predigtthema und Gliederung<\/h2>\n<p>Als Hinf\u00fchrung zum Thema kann der Prediger schmerzhafte Einschnitte im Leben andeuten, die sich niemand w\u00fcnscht. Ebenso kann er von hoffnungsvollen Einschnitten sprechen, die eine positive Wende beinhalten. Der Predigttext thematisiert einen unverzichtbaren Schnitt im Leben, der durch nichts zu \u00fcberbieten ist.<\/p>\n<p>Vorschlag f\u00fcr Thema und Aufbau der Predigt:<\/p>\n<p><strong>Von Entfremdung zur Vers\u00f6hnung<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Gestern: Entfremdet von Gott<\/strong><\/li>\n<li><strong>Heute: Vers\u00f6hnt mit Gott<\/strong><\/li>\n<li><strong>Morgen: Immer noch Gott<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese drei Gliederungspunkte folgen dem Text. F\u00fcr die Predigt selbst wird es wichtig sein, die eher abstrakt wirkenden Formulierungen von Paulus erz\u00e4hlend zu entfalten und mit Bildern und Beispielen aufzulockern. Wichtig wird sein, dass die Begeisterung \u00fcber das Gl\u00fcck, mit Gott verb\u00fcndet leben zu k\u00f6nnen, lebenspraktisch zur Sprache kommt. F\u00fcr den dritten Teil sollte erkennbar werden: Wie kann das ganz praktisch aussehen, Glauben durchzuhalten und Hoffnung zu bewahren? Wie praktiziert es der Prediger? Welche Hilfen bieten sich an? Wie unterst\u00fctzen wir einander, wenn der Glaube in eine Krise ger\u00e4t?<\/p>\n<p>Christoph M\u00fcller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtthema: Ein gravierender Schnitt im Leben Predigttext: Kolosser 1,21-23 1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Erl\u00e4uterungen zum Text Vorbemerkung: Kol 1,21-23 kn\u00fcpft an ein Christuslied an (1,15-20. Diesen Bezug zu Christus wird der Prediger im Blick behalten m\u00fcssen. Ohne ihn verliert der Abschnitt 1,21-23 seine [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-2852","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolosser"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-08-21 15:29:42","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2852","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2852"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2852\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2852"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2852"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2852"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}