{"id":2836,"date":"2016-07-14T17:11:51","date_gmt":"2016-07-14T15:11:51","guid":{"rendered":"http:\/\/apps.christusbund.de\/predigthilfen\/?p=2836"},"modified":"2016-07-14T17:11:51","modified_gmt":"2016-07-14T15:11:51","slug":"predigthilfe-vom-24-juli-2016-markus-7-1-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-24-juli-2016-markus-7-1-23\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 24. Juli 2016 &#8211; Markus 7, 1-23"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigtthema: Gottes Gebote und menschliche Vorschriften<\/strong><\/p>\n<p><strong>Predigttext: Markus 7,1-23<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verfasser: Christoph M\u00fcller<\/strong><\/p>\n<h1>1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Erl\u00e4uterungen zum Text<\/h1>\n<p>Pharis\u00e4er und einige Schriftgelehrte f\u00fchren mit Jesus ein Streitgespr\u00e4ch \u00fcber \u201erein\u201c und \u201eunrein\u201c. Diese Auseinandersetzung ist das umfassendste Streitgespr\u00e4ch, das Markus in seinem Evangelium \u00fcberliefert hat. Im Anschluss wendet sich Jesus an die Menschen in Galil\u00e4a und schlie\u00dflich unterrichtet er seine J\u00fcnger, denen seine Worte r\u00e4tselhaft vorkommen.<\/p>\n<p><strong>V 1-5<\/strong>: Im Umkreis von Jesus traten recht h\u00e4ufig Pharis\u00e4er auf. Innerhalb des Judentums bildeten sie eine bedeutende Laienbewegung. Sie hatten sich zum Ziel gesetzt, die priesterlichen Reinheitsvorschriften auch auf den Lebensalltag auszudehnen. Durch die Heiligung des Alltags sollte stellvertretend ganz Israel f\u00fcr Gott geheiligt werden. Darum haben die Pharis\u00e4er die Reinhaltung von allen Gegenst\u00e4nden und Fr\u00fcchten im Alltagsleben einge\u00fcbt.<\/p>\n<p>Im Unterschied zu den Pharis\u00e4er-Laien hatten die Schriftgelehrten unter den Pharis\u00e4ern eine theologische Ausbildung bei einem Rabbi durchlaufen. Die extra aus Jerusalem angereisten Schriftgelehrten traten als amtliche theologische Vertreter auf. Sie standen in h\u00f6herem Ansehen als die Schriftgelehrten aus der Provinz. Vermutlich waren sie gekommen, um Jesus zu beobachten und seine Bewegung zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Sehr bald stellte sich heraus: Einige J\u00fcnger von Jesus haben geltende Reinheitsvorschriften missachtet. Sie haben sich vor dem Essen nicht die H\u00e4nde gewaschen. W\u00f6rtlich: \u201eMit unreinen H\u00e4nden essen sie die Brote.\u201c Das H\u00e4nde Waschen betraf also nicht hygienische Vorschriften, sondern Vorschriften f\u00fcr die kultische Reinheit. Ein rabbinisches Wort besagt: \u201eWer Brot ohne H\u00e4ndeabsp\u00fclung isst, ist wie einer, der der Hure beiwohnt.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a>\u00a0 Solche Vorschriften waren in der \u00dcberlieferung der \u00c4ltesten (= \u00e4ltere Ausleger des Gesetzes) festgelegt. Schon seit Generationen hatten sie alttestamentliche Gebote ausgelegt, kommentiert und erweitert.<\/p>\n<p>Offensichtlich waren die Empf\u00e4nger des Markus-Evangeliums Heidenchristen. Sie kannten sich in der Welt des Judentums wenig aus. Deshalb erkl\u00e4rt Markus die Reinigungsvorschriften: In der Regel gen\u00fcgte das Waschen mit einer Handvoll Wasser. Kam jemand vom Markt, wurde ein Tauchbad n\u00f6tig. Denn allgegenw\u00e4rtig war die Sorge, sich verunreinigt zu haben durch Ber\u00fchrung mit anderen Menschen, die nicht nach dem Gesetz lebten (vgl. 3Mo 5,2f; 15,1ff; 4Mo 19,10ff). Auch f\u00fcr Becher, Kr\u00fcge, Kupfersch\u00fcsseln usw. gab es solche Vorschriften (vgl. 3Mo 11,32ff; 15,12ff; 4Mo 19,15ff). Die Erw\u00e4hnung der \u201eB\u00e4nke\u201c (w\u00f6rtl. Ruhelager) geht auf 3Mo 15,5ff zur\u00fcck. Generell sind die biblischen Gebote durch zahlreiche Anordnungen der Schriftgelehrten erweitert worden (vgl. Mt 23, 25; Lk 11, 39). Hier liegt das eigentliche Problem.<\/p>\n<p>Die Konfliktsituation fand in einer Frage ihren Ausdruck: \u201eWarum halten sich deine J\u00fcnger nicht an die Vorschriften der Vorfahren (\u00c4ltesten)?\u201c Im Unterschied zu den Pharis\u00e4ern hielten Jesus und seine J\u00fcnger die Erweiterungen und Hinzuf\u00fcgungen zu den alttestamentlichen Weisungen nicht ein.<\/p>\n<p><strong>V 6-8<\/strong>: Ohne auf das Verhalten der J\u00fcnger n\u00e4her einzugehen, hat sich Jesus sehr deutlich positioniert. Er hat Jes 29,13 auf die Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten bezogen und sie als Heuchler entlarvt: Mit lautstarken Worten (Lippen) fordern sie die Einhaltung der Weisungen Gottes, aber entziehen sich selber (Herz) der Wirklichkeit Gottes. Eine Gottesverehrung trotz Distanz zu Gott ergibt keinerlei Sinn. Diese herzlose Distanz hat fatale Folgen: Mit Berufung auf die Tradition von Satzungen, die von Menschen konstruiert wurden, werden gleichzeitig die Gebote Gottes beiseitegeschoben.<\/p>\n<p><strong>V 9-13<\/strong>: Sehr geschickt hebelten Pharis\u00e4er und Schriftgelehrte die Gebote Gottes aus, um eigene Vorschriften in Kraft zu setzen. Ganz praktisch hat das Jesus am Beispiel des vierten Gebotes (Ex 20,12) aufgedeckt. Statt dieses Gebot in die t\u00e4gliche Lebenspraxis hinein umzusetzen, wurde es auf raffinierte Weise ausgesetzt. Mit Berufung auf ein Opfer, das Gott dargebracht wird, wurde den eigenen Eltern die Liebe entzogen. Die den Eltern geschuldeten Unterhaltsverpflichtungen wurden zugunsten des Tempelschatzes umgeleitet. Die entsprechende Gel\u00f6bnisformel lautete: \u201eKorban\u201c (aram.), das hei\u00dft: \u201eOpfergabe sei, was immer dir \u2013 gemeint sind Vater und Mutter \u2013 von mir zusteht.\u201c Hinter dieser Formel stand die \u00dcberzeugung: Was Gott geweiht ist, ist f\u00fcr Menschen unantastbar. Denn Gott hat mehr Bedeutung als jeder Mensch und hat darum Vorrang vor allem anderen. Damit endete im konkreten Beispiel die Unterhaltspflicht f\u00fcr die eigenen Eltern. Das f\u00fchrte zu unglaublichen H\u00e4rtef\u00e4llen und Notlagen. Das Perfide daran: Manche f\u00fchrten den gelobten Betrag nicht einmal an den Tempel ab, sondern behielten ihn f\u00fcr sich selbst. Die guten, auf Liebe zielenden Gebote Gottes wurden umgangen. Bleibt die Frage: Was sind Opfer f\u00fcr Gott wert, wenn dabei die Liebe zu Menschen auf der Strecke bleibt? Darin erwiesen sich Pharis\u00e4er und Schriftgelehrte sogar als Wiederholungs-t\u00e4ter.<\/p>\n<p><strong>V 14f<\/strong>: Nach dieser Auseinandersetzung mit der F\u00fchrungselite hat Jesus die galil\u00e4ische Landbev\u00f6lkerung angesprochen. Sehr deutlich hat er um Aufmerksamkeit gebeten: \u201eH\u00f6rt mir alle zu und versteht mich richtig.\u201c Die Worte von Jesus zielten darauf ab, das Unverst\u00e4ndnis von Menschen zu \u00fcberwinden, die ihren Denkkategorien und ihrem Glaubensverst\u00e4ndnis verhaftet waren. Jesus hat deutlich erkl\u00e4rt, was tats\u00e4chlich unrein macht und was nicht. Unreinheit h\u00e4ngt nicht davon ab, was der Mensch <strong>isst<\/strong>, sondern wer er <strong>ist<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>V 16<\/strong>: Dieser Vers (\u201eWer Ohren zum H\u00f6ren hat, soll gut zuh\u00f6ren.\u201c) fehlt in vielen Bibel\u00fcbersetzungen. Grund: In den \u00e4ltesten Handschriften des Neuen Testaments fehlt dieser Vers. Er wurde erst sp\u00e4ter hinzugef\u00fcgt und taucht darum erst in sp\u00e4teren Handschriften auf.<\/p>\n<p><strong>V 17-23<\/strong>: Im nun folgenden Gespr\u00e4ch hat Jesus seinen J\u00fcngern \u201eNachhilfeunterricht\u201c gegeben. Die Worte von Jesus (s. oben) sind den J\u00fcngern r\u00e4tselhaft geblieben. Noch einmal unterstreicht Jesus: \u201eWas von au\u00dfen in Menschen hineinkommt, kann sie nicht unrein machen.\u201c Diese Bemerkung bezieht sich auf die Ern\u00e4hrung von Menschen, also auf den Prozess der Nahrungsaufnahme, Verdauung und Ausscheidung. Grunds\u00e4tzlich hat Jesus mit dieser Bemerkung die Unterscheidung von reinen und unreinen Speisen aufgehoben.<\/p>\n<p>Kultische Unreinheit schlie\u00dft vom alttestamentlichen Gottesdienst aus und damit auch von der Begegnung mit Gott. Jesus hat nun das Verst\u00e4ndnis von Unreinheit vertieft, indem er die tats\u00e4chliche Dimension von Unreinheit aufdeckt hat. Die Quelle von Unreinheit ist im Menschen selbst zu suchen. Er steht unter dem Diktat der S\u00fcnde, die ihn vergiftet. Das B\u00f6se als Widerspruch und Widerstand gegen Gott beherrscht Menschen unentrinnbar bis ins Zentrum ihrer Person (= Herz). Dieses vom B\u00f6sen diktierte Sein des Menschen wirkt sich aus bis in die Lebensvollz\u00fcge hinein. Diese Auswirkungen werden mit zw\u00f6lf Substantiven umschrieben (sechs im Plural, sechs im Singular), auf die hier nicht im Einzelnen eingegangen werden soll. Da die Gebote Gottes letztlich auf Liebe zielen, ist es nicht verwunderlich: das Fehlverhalten, gekennzeichnet durch die zw\u00f6lf Substantive, beinhaltet in konzentrierter Form einen t\u00f6dlichen Liebesentzug. Mit dieser niederschmetternden Diagnose endet der Abschnitt.<\/p>\n<p>Nun bleibt die Frage: Was kann Menschen ver\u00e4ndern? Besser: Wer kann Menschen ver\u00e4ndern? Obwohl nicht direkt ausgesprochen bietet der Text eine Antwort: Die Person, die das wirklich kann und tun wird, ist Jesus selbst. Darum sucht er das Gespr\u00e4ch mit den Menschen \u2013 mit den Pharis\u00e4ern und Schriftgelehrten, mit der Bev\u00f6lkerung von Galil\u00e4a, mit den J\u00fcngern und schlie\u00dflich mit uns selbst. Eine Ver\u00e4nderung der Identit\u00e4t ist n\u00f6tig \u2013 in der Sprache des Alten Testaments: ein neues Herz (vgl. Hes 36,25ff u.a.). Ein Bruch mit der Macht der S\u00fcnde und eine Zuordnung zu Gott, kann nur von Jesus Christus erwartet werden. Ohne ihn verlieren alle Er\u00f6rterungen \u00fcber \u201erein\u201c und \u201eunrein\u201c ihren Sinn.<\/p>\n<h1>2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hinweise f\u00fcr Lehre und Leben<\/h1>\n<h2>2.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Verirrung<\/h2>\n<p>Nicht nur Pharis\u00e4er und Schriftgelehrte waren gef\u00e4hrdet, sich trotz guter Absichten im Dschungel menschlicher Festlegungen und Satzungen zu verirren und das Heil Gottes zu verfehlen. Solche Gef\u00e4hrdungen lassen sich durch die gesamte Kirchengeschichte hindurch verfolgen und erinnern an unsere eigene Gef\u00e4hrdung. Nicht immer stehen die Fragen von \u201erein\u201c und \u201eunrein\u201c im Vordergrund. Doch jede Form von Gesetzlichkeit f\u00fchrt in eine Sackgasse.<\/p>\n<p>Der Sektenexperte Kurt Hutten hat aufgezeigt, dass christliche Gemeinde immer dann gef\u00e4hrdet ist, wenn sie das Heil Gottes an menschliche Regeln und Voraussetzungen bindet. Das belegen die folgenden Beispiele aus den Anf\u00e4ngen sektiererischer Gruppen. Manche dieser Gruppen haben einen Gesundungsprozess durchlaufen (z.B. Siebenten-Tags-Adventisten), manche spielen kaum noch eine Rolle und manche verharren weiterhin in einer problematischen Ausrichtung.<\/p>\n<p>\u201eDie <em>Perfektionisten<\/em> etwa sagen: Erst musst du deine Bekehrung als klar fixiertes Erlebnis der Umkehr vorgenommen und die \u201ev\u00f6llige \u00dcbergabe an den Herrn\u201c vollzogen haben, dann bist du in der Gnade und hast \u201evollen Sieg \u00fcber die S\u00fcnde\u201c.<\/p>\n<p>Die <em>Pfingstler<\/em> sagen: Der Wiedergeburt muss die Geistestaufe folgen und diese muss sich durch die Zungenrede ausweisen. Erst wenn der Heilige Geist in dir Wohnung genommen hat, hast du die Gnade und bist, als wirkliches Glied der Gemeinde des Neuen Bundes anzuer\u00adken\u00adnen\u2018.<\/p>\n<p>Die <em>Neuapostolischen<\/em> sagen: Der Glaube an das Bibelwort und an Chri\u00adsti einstige Heilstaten hilft nicht. Erst wenn du durch das neuapo\u00adstolische \u201eAmt der Gnade\u201c die Vergebung der S\u00fcnden und durch das neuapostolische \u201eAmt des Geistes\u201c den Heiligen Geist empfangen hast, bist du Gottes Kind und Hausgenosse.<\/p>\n<p>Die <em>Adventisten<\/em> sagen: Du musst die dreifache Engelsbotschaft Offb 14,6-12 annehmen und statt des Sonntags den Sabbat heiligen, dann bist du in das Gottesvolk der Endzeit aufge\u00adnommen und wirst mit ihm bei der Parusie zum Hochzeitsmahl des Lammes entr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Die <em>Zeugen Jehovas<\/em> sagen: Du musst dich den Lehren und der Gemein\u00adschaft der Neuen-Welt-Gesellschaft anschlie\u00dfen, dich von den politi\u00adschen, religi\u00f6sen und kommer\u00adziellen Satans\u00adorganisationen l\u00f6sen und flei\u00dfig \u201eFelddienst\u201c tun, dann hast du die Garantie, dass du dem Blut\u00adbad von Harmagedon entrinnst.<\/p>\n<p>Die <em>Kirche des Reiches Gottes<\/em> sagt: Du musst das \u201eWeltallgesetz\u201c mit seinem Grund\u00adgebot des Altruismus<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> befolgen, dich in die \u201eArmee des Allm\u00e4chtigen\u201c einreihen oder gar als Glied der ,Kleinen Herde\u2018 dein Leben t\u00e4glich opfern, dann wirst du ein B\u00fcrger im irdischen oder himmlischen Teil des kommenden Reiches Gottes werden.<\/p>\n<p><em>Christian R\u00f6ckle<\/em> (Philadelphia-Bewegung) sagt: Du musst \u201edie zw\u00f6lf Merkmale als Pr\u00fcfstein v\u00f6lliger \u00dcbergabe\u201c erf\u00fcllen; dann geh\u00f6rst du zu den Christen des \u201eAl\u00adlerheiligsten\u201c und wirst Glied der Brautge\u00admeinde, die vor der kommenden Tr\u00fcbsal entr\u00fcckt wird.<\/p>\n<p>Die <em>Christengemeinschaft<\/em> sagt: Du musst dich durch Meditation und die sieben Sakramente, besonders die Menschen\u00adweihehandlung, von den kosmischen Heilungs\u00adkr\u00e4ften des Christus durchstr\u00f6men, \u201edurchchri\u00adsten\u201c lassen, dann wirst du in ein h\u00f6heres Sein verwandelt.<\/p>\n<p>Die <em>Christliche Wissenschaft<\/em> sagt: Du musst durch eine v\u00f6llige innere Kehrtwendung dazu gelangen, dass dir Gott die einzige Realit\u00e4t wird und alles andere: Materie, S\u00fcnde, Krankheit, Tod, als blo\u00dfe Ein\u00adbil\u00addung dahinf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Die <em>Anh\u00e4nger Swedenborgs und Lorbers<\/em> sagen: Du musst dich ernstlich bem\u00fchen, ein Leben im Sinn der Gottes- und der N\u00e4chstenliebe zu f\u00fchren, dann wird Gott deine Liebe mit seiner Liebe erwidern und dich in immer h\u00f6here Vollkom\u00admenheiten gelangen lassen.<\/p>\n<p>Die <em>Mormonen<\/em> sagen: Du musst die vier \u201eGesetze des Evangeliums\u201c: Glaube, Bu\u00dfe, Taufe und Handauflegung erf\u00fcllen, dann wird dein Fort\u00adschrittsweg dich in die Himmlische Herrlichkeit f\u00fchren.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<h2>2.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Totalschaden<\/h2>\n<p>Die Worte von Jesus beinhalten Grundaussagen zum Menschenbild. Relevanz f\u00fcr ein Menschenbild haben nicht unsere Selbsteinsch\u00e4tzungen, sondern die Einsch\u00e4tzung Gottes, der uns Menschen geschaffen hat. Menschenbilder, die einen guten Kern im Menschen behaupten, klingen zwar sehr schmeichelhaft, werden aber von Jesus hinterfragt und ad absurdum gef\u00fchrt. Was Jesus aufdeckt, wirkt zutiefst niederschmetternd und b\u00fcrstet jeden humanistisch gepr\u00e4gten Menschen gegen den Strich. Jedoch ist das Menschenbild, das Jesus zur Sprache bringt, an Realismus nicht zu \u00fcberbieten.<\/p>\n<p>Seit dem grunds\u00e4tzlichen Nein des Menschen zu Gottes guten Weisungen (1Mo 3) hat der Mensch seine sch\u00f6pfungsgem\u00e4\u00dfe Bestimmung durchbrochen. Geschaffen zu einem Leben in \u00dcbereinstimmung mit Gott (Ebenbild Gottes, 1Mo 1,27), wird der Mensch im Widerstand gegen Gott zu einer \u201eG\u00f6tzenfabrik\u201c (Johannes Calvin). Dieser tiefreichende Schaden kann durch Gebote und Vorschriften nicht repariert werden, denn es handelt sich um einen Totalschaden (R\u00f6m 3,9ff). Nicht Reparatur, sondern Neusch\u00f6pfung ist not-wendig. Entsprechende Verhei\u00dfungen Gottes im \u00a0Alten Bund weisen in diese Richtung (vgl. Jer 31,33; Hes 11,19.20; 36,25-27).<\/p>\n<p>Das Streitgespr\u00e4ch der Pharis\u00e4er mit Jesus unterstreicht: ein feinmaschiges Gebots- und Verbotssystem kann Menschen nicht retten. Nicht das Verhalten macht Menschen zu besseren Menschen, sondern von Gott ver\u00e4nderte Menschen finden zu einem neuen Verhalten. Rettung angesichts eines menschlichen Totalschadens ist allein von Gott zu erwarten. Gott hat gehandelt. Er hat Jesus Christus in die Welt gesandt. Jesus deckt die Wahrheit \u00fcber uns Menschen schonungslos auf (s. oben). Das mag als unerlaubter Eingriff in die unantastbare Pers\u00f6nlichkeitssph\u00e4re von Menschen abgewiesen werden. Doch ohne Wahrheit gibt es keine Hilfe. Ver\u00e4nderung, Heilung und Neusch\u00f6pfung sind nicht nur n\u00f6tig, sondern allein von Gottes Handeln in Jesus Christus zu erwarten (2Kor 5,17ff).<\/p>\n<h2>2.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Umweltverschmutzung<\/h2>\n<p>Der Mensch ist ein soziales Wesen. Von Anfang an ist er auf das \u201eDu\u201c hin erschaffen. Diese Bestimmung als Gemeinschaftswesen k\u00f6nnen Menschen niemals verlieren. Was aber bedeutet es, wenn der Mensch \u2013 wie von Jesus diagnostiziert \u2013 abgrundtief b\u00f6se ist? Keine Frage \u2013 das wird sich in allen seinen Lebens\u00e4u\u00dferungen und Bez\u00fcgen auswirken \u2013 in seinem Verh\u00e4ltnis zu Gott, zu den Mitmenschen, zu sich selbst. Das wird Gemeinschaft belasten und als Umweltverschmutzung ganz eigener Art wirksam werden. Denn aus dem b\u00f6sen Herzen kommen b\u00f6se Gedanken, b\u00f6se Entscheidungen, b\u00f6se Worte und b\u00f6se Taten. Weil keine Person nur Privatperson ist, wird der eigene Schaden auch immer Folgen f\u00fcr andere Menschen haben. Die Explosionskraft des B\u00f6sen darf nicht untersch\u00e4tzt werden, wie das folgende Zitat unterstreicht:<\/p>\n<p>\u201eDas wahre Problem liegt in den Gedanken der Menschen. Es ist einfacher, die Zusammensetzung des Plutoniums zu \u00e4ndern als den b\u00f6sen Geist eines Menschen zu vertreiben. Was uns erschreckt, ist nicht die Explosionskraft der Atombomben, sondern die Macht der Bosheit des menschlichen Herzens, seine Explosionskraft f\u00fcr das B\u00f6se.\u201c (Albert Einstein, theoretischer Physiker)<\/p>\n<p>Umgekehrt: Eine Heilung der Person wird auch positive Folgen f\u00fcr andere haben. August Hermann Francke (Theologe und P\u00e4dagoge) war \u00fcberzeugt: \u201eWeltver\u00e4nderung durch Menschenver\u00e4nderung.\u201c Eine grundumst\u00fcrzende Ver\u00e4nderung des Menschen kann jedoch nicht durch ein bestimmtes Verhalten (sei es noch so fromm wie bei den Pharis\u00e4ern), auch nicht durch die Einhaltung der Gebote Gottes oder selbsterdachter Regeln erzwungen werden. Ausschlie\u00dflich Gottes vers\u00f6hnendes Handeln in Jesus Christus ver\u00e4ndert Menschen (vgl. 2Kor 5,17). Menschen k\u00f6nnen nichts zu ihrer eigenen Ver\u00e4nderung beitragen. Doch jede von Gott gewirkte tiefgreifende Ver\u00e4nderung wird f\u00fcr sie nicht folgenlos bleiben.<\/p>\n<h1>3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bausteine f\u00fcr die Predigt<\/h1>\n<h2>3.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Predigtziel<\/h2>\n<p>Die Predigt soll aufzeigen, dass Menschen durch eine eigene selbstgerechte Fr\u00f6mmigkeit das Heil Gottes in Jesus Christus verfehlen, weil nur Gott den Totalschaden von Menschen aufdeckt und \u00fcberwindet.<\/p>\n<h2>3.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vorschlag f\u00fcr einen Predigteinstieg<\/h2>\n<p>F\u00fcr den Predigteinstieg kann die oft diskutierte Frage aufgenommen werden: Hat der Mensch einen guten Kern? Beispielsweise kann diese Frage anhand eines Zitats zum humanistischen Ideal entfaltet werden. Der Bibeltext bietet die M\u00f6glichkeit, an diese Frage anzukn\u00fcpfen und die Sicht von Jesus zur Sprache zu bringen und in die Lebenswirklichkeit der H\u00f6rer hinein zu verk\u00fcndigen.<\/p>\n<p>Zwei m\u00f6gliche Zitate:<\/p>\n<p>\u201eDer Mensch ist ein von Natur gutes Wesen, das die Gerechtigkeit und die Ordnung lieb hat. Es findet sich \u00fcberhaupt keine urspr\u00fcngliche Schlechtigkeit im menschlichen Herzen.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>\u201eDer Humanismus sieht den Menschen als gut und konstruktiv, als Wesen, welches stets ein positives Potential hat. Wenn der Mensch geboren wird, ist er gut und konstruktiv, es ist allerdings m\u00f6glich, dass der Mensch durch die Entstehung oder Entwicklung innerer \u00c4ngste asozial und destruktiv wird, obwohl der Mensch an sich stets gut ist und bleibt. Wenn z.B. ein Kind w\u00fctend ist und seine Sachen kaputt macht, bleibt er in seinem Kern trotzdem gut. Er hat vielleicht \u00c4ngste entwickelt oder irgendetwas hat dazu gef\u00fchrt, dass er w\u00fctend wurde (z.B. er darf seine Lieblingsserie nicht schauen). Diese \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde f\u00fchren dazu, dass er sich destruktiv verh\u00e4lt. Das ist ein situationsabh\u00e4ngiger Zustand und hei\u00dft nicht, dass das Kind immer so war oder bleiben wird.\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<h2>3.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vorschlag f\u00fcr Thema und Gliederung<\/h2>\n<p>F\u00fcr die Predigt bietet es sich an, die schon genannten drei Stichworte aufzunehmen (s. unten). Sie werden von Jesus (mit anderer Formulierung) zur Sprache gebracht. Jesus bietet eine kritische Diagnose des Menschen. Zu beachten ist: Er argumentiert theologisch (also auf Gott bezogen) und nicht psychologisch, soziologisch usw., wie das im Zusammenhang moderner Menschenbilder begegnet.<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt auf: Im Bibeltext wird zwar eine Diagnose angeboten, aber keine Therapie. F\u00fcr die Predigt muss also eine Entscheidung getroffen werden: Soll der H\u00f6rer mit einer d\u00fcsteren Diagnose entlassen werden, ohne dass ihm ein Weg der Hilfe angedeutet wird? Wohl kaum. Von daher empfehle ich unbedingt, Jesus selbst zur Sprache zu bringen. Zwar deckt Jesus ungeschminkt den Schaden auf, aber nicht ohne den Willen, diesen Schaden zu heilen (auch wenn das mit keiner Silbe erw\u00e4hnt wird). Seine Worte k\u00f6nnen nicht von seiner Person und seinem Lebenseinsatz getrennt werden. Insofern liegt auch in den kritischen und schmerzhaften Worten von Jesus eine Heilsabsicht. Ob das erst am Ende der Predigt oder an anderen Stellen erw\u00e4hnt wird, bleibt dem Prediger \u00fcberlassen. Das Ganze ist ohnehin nur ein Vorschlag, der zum eigenen Nachdenken und Gestalten der Predigt anregen soll.<\/p>\n<p>Vorschlag f\u00fcr Predigtthema und -gliederung:<\/p>\n<p><strong>Das Desaster des guten Menschen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Verirrung<\/li>\n<li>Totalschaden<\/li>\n<li>Umweltverschmutzung-<\/li>\n<\/ul>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Fu\u00dfnoten:<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Walter Grundmann: Das Evangelium nach Markus. Berlin: Evangelische Verlagsanstalt <sup>7<\/sup>1977,Theologsicher Handkommentar Band 2, S. 190<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0 Altruismus ist eine ethische Denkweise, nach der man sich im Handeln nur vom Wohl anderer bestim\u00admen l\u00e4sst. Das Gegenteil von Altruismus ist Egoismus.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> <em>Kurt Hutten:<\/em> Die Glaubenswelt des Sektierers. Das Sektierertum als antire\u00adfor\u00admatorische Konfession &#8211; Sein Anspruch und seine Trag\u00f6\u00addie. Hamburg: Furche, 1957. S.34f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Jean-Jacques Rousseau (franz\u00f6sischer Philosoph und Schriftsteller, 1712-1778)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Anna-Maria Skora, Das humanistische Menschenbild am Beispiel Carl Rogers, Studienarbeit 2006<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtthema: Gottes Gebote und menschliche Vorschriften Predigttext: Markus 7,1-23 Verfasser: Christoph M\u00fcller 1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Erl\u00e4uterungen zum Text Pharis\u00e4er und einige Schriftgelehrte f\u00fchren mit Jesus ein Streitgespr\u00e4ch \u00fcber \u201erein\u201c und \u201eunrein\u201c. Diese Auseinandersetzung ist das umfassendste Streitgespr\u00e4ch, das Markus in seinem Evangelium [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-2836","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-markus"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-08-21 14:39:15","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2836","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2836"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2836\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2836"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2836"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2836"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}