{"id":2700,"date":"2015-11-19T20:21:42","date_gmt":"2015-11-19T18:21:42","guid":{"rendered":"http:\/\/apps.christusbund.de\/predigthilfen\/?p=2700"},"modified":"2015-11-19T20:21:42","modified_gmt":"2015-11-19T18:21:42","slug":"predigthilfe-vom-29-november-2015-matthaeus-25-1-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.christusbund.de\/predigthilfen\/predigthilfe-vom-29-november-2015-matthaeus-25-1-13\/","title":{"rendered":"Predigthilfe vom 29. November 2015 &#8211; Matth\u00e4us 25, 1-13"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigtthema: Das Wesentliche soll wesentlich bleiben!<\/strong><br \/>\n<strong>Predigttext: Matth\u00e4us 25,1-13<\/strong><\/p>\n<p><strong>1 Erl\u00e4uterungen zum Text<\/strong><br \/>\n<strong>1.1 Grunds\u00e4tzliches zur Gleichnisauslegung<\/strong><br \/>\nDas Herzst\u00fcck der Verk\u00fcndigung von Jesus bilden ohne Zweifel die Gleichnisse. \u00dcber alle Ver\u00e4nderungen der Zivilisation hinweg ber\u00fchren die Bilder, die Jesus vor Augen malt. Sie ber\u00fchren in ihrer Frische, Lebendigkeit und Menschlichkeit. Vergleichen wir die Gleichnisse von Jesus mit der Bildsprache von Paulus oder mit den Gleichnissen der j\u00fcdischen Rabbinen, dann l\u00e4sst sich feststellen: Die Gleichnisse von Jesus lassen eine ausgesprochen pers\u00f6nliche Eigenart erkennen: eine einzigartige Klarheit und Schlichtheit der Bilderwelt, eine unglaubliche Meisterschaft der Gestaltung und eine ausgepr\u00e4gte F\u00e4higkeit, Dinge auf einen Punkt zu bringen.<br \/>\nJesus verwendet unterschiedliche Formen der Bildsprache, die hier nicht im Einzelnen erl\u00e4utert werden k\u00f6nnen. Er spricht in Vergleichen (Mt 10,16) und Metaphern (Mt 5,13). Er redet in Gleichnissen, die sich untergliedern lassen in Bildworte (Mt 7,17), Gleichnisse im engeren Sinn (Mt 25,1-13), Parabeln (Mt 21,28-13) und Beispielerz\u00e4hlungen (Lk 10,29-37). Wer die bildhafte Sprache von Jesus deuten bzw. auslegen m\u00f6chte, sollte auch auf die jeweilige Form achten.<br \/>\nJedes Gleichnis wird von Jesus mit einer bestimmten Absicht bzw. einem bestimmten Ziel erz\u00e4hlt. Die Spitze eines Gleichnisses kann auch als Pointe oder als springender Punkt verstanden werden. Das bedeutet: Die einzelnen Erz\u00e4hlz\u00fcge des Gleichnisses laufen auf einen H\u00f6hepunkt zu. Der springende Punkt kann meistens in ein bis zwei S\u00e4tzen formuliert werden. Gerade die ungew\u00f6hnlichen Z\u00fcge in einem Gleichnis weisen auf den springenden Punkt hin. Um das Ungew\u00f6hnliche wahrzunehmen, bedarf es zeitgeschichtlicher Kenntnisse.<br \/>\nWorauf ist bei einem Gleichnis noch zu achten?<br \/>\n\u2022 Der Gleichnisanfang: Wir unterscheiden Erz\u00e4hlanfang (Lk 8,5), Vergleichsanfang (Mt 25,1-13), Dialoganfang (Lk 11,5).<br \/>\n\u2022 Die Erz\u00e4hlstruktur: Pr\u00e4gnante K\u00fcrze der Erz\u00e4hlung (Mt 25,1-13: 171 W\u00f6rter im griechischen Grundtext); Gesetz der szenischen Zweiheit (nur zwei Personen oder -gruppen treten gleichzeitig auf); Einstr\u00e4ngigkeit der Erz\u00e4hlung (der Blick wird nicht auf zwei gleichzeitig ablaufende Vorg\u00e4nge gerichtet); Abbruch der Erz\u00e4hlung nach dem springenden Punkt (Mt 25,1-13: Nach Abweisung der t\u00f6richten Braujungfern erf\u00e4hrt der H\u00f6rer nichts \u00fcber die Hochzeitsfeier im Festhaus).<br \/>\n\u2022 Die Handlungsstruktur: Innerhalb der Gleichnisse ist zwischen komplement\u00e4ren Rollen und kontrastiven Rollen zu unterscheiden (Personen realisieren bei prinzipiell gleichen Chancen ein gegens\u00e4tzliches Verhalten, z.B. j\u00fcngerer und \u00e4lterer Sohn nach Lk 15,11ff).<br \/>\no Handlungsstruktur mit komplement\u00e4ren Rollen: Personen und Sachen treten in eine nicht umkehrbare Beziehung ein, d.h. Vater und Sohn nach Lk 15,11ff k\u00f6nnen nicht ihre Rollen tauschen. Bei komplement\u00e4ren Rollen im Gleichnis wird entweder die Erf\u00fcllung (Mk 4,26ff) oder das Scheitern (Lk 12,16-21) einer Handlungsintention dargestellt.<br \/>\no Handlungsstruktur mit kontrastiven Rollen: Gelingende oder scheiternde Handlungsintentionen k\u00f6nnen in ein und demselben Gleichnis als Kontrast begegnen. Die Struktur der Handlung wird komplexer. Die Intention kann kontrastverst\u00e4rkend (Mt 25,1-13) oder kontrastreduzierend oder kontrastumkehrend sein (Mt 20,1-16).<br \/>\n\u2022 Der Gleichnisschluss: Nach Abschluss der eigentlichen Gleichniserz\u00e4hlung folgt eine kurze Anwendung (Mt 20,16; manchmal auch mehrere, Lk 16,8-13) oder eine l\u00e4ngere Auslegung (Mt 13,18-23).<\/p>\n<p><strong>1.2 Die Gleichnishandlung<\/strong><br \/>\nJesus erz\u00e4hlt eine ganz allt\u00e4gliche Geschichte: So wurde in Israel Hochzeit gefeiert. Im Haus der Braut warten die Brautjungfern mit der Braut auf das Kommen des Br\u00e4utigams. Wenn er kommt, laufen ihm die Brautjungfern entgegen und nehmen ihn in Empfang (25,1). Das geschieht \u00fcblicherweise am Abend. Doch der Br\u00e4utigam versp\u00e4tet sich erheblich. Die Brautjungfern schlafen ein (25,5). Dann aber \u2013 mitten in der Nacht \u2013 rufen und wecken die W\u00e4chter alle auf (25,6): \u201eBeeilung! Der Br\u00e4utigam kommt! Steht auf! Nehmt die Lampen!\u201c<br \/>\nBr\u00e4utigam und Braut werden von den Brautjungfern mit einem Lichterzug zum Haus des Br\u00e4utigams begleitet (25,7). Dort wird die Hochzeit gefeiert. F\u00fcr den Lichterzug werden Fackeln verwendet, also keine \u00d6llampen. Im Wind w\u00fcrden n\u00e4mlich \u00d6llampen ziemlich schnell ausgepustet werden. Die Fackeln muss man sich so vorstellen: An einer Stange ist ein Feuergef\u00e4\u00df befestigt. In dem Feuergef\u00e4\u00df befinden sich Lappen. Sie werden in \u00d6l getr\u00e4nkt und dann angez\u00fcndet. Fackel und \u00d6lkrug zum Nachf\u00fcllen geh\u00f6ren zusammen.<br \/>\nAls der Br\u00e4utigam kommt, haben f\u00fcnf der Brautjungfern einen ausreichenden \u00d6lvorrat f\u00fcr ihre Fackeln, die anderen aber nicht (25,3). Deren Bitte um eine \u201e\u00d6lspende\u201c wird nicht entsprochen, weil sonst das \u00d6l f\u00fcr alle nicht ausreichen w\u00fcrde (25,9). So sind f\u00fcnf Brautjungfern gen\u00f6tigt, zuerst \u00d6l einzukaufen. W\u00e4hrenddessen laufen die anderen f\u00fcnf dem Br\u00e4utigam entgegen. Sie begleiten ihn mit der Braut zur Hochzeitsfeier und nehmen daran teil (25,10). Die anderen verpassen den Brautzug wegen des \u00d6leinkaufs. Als sie endlich am Haus des Br\u00e4utigams ankommen, stehen sie vor verschlossener T\u00fcr (25,11). Der Br\u00e4utigam distanziert sich von ihnen. Er will nichts mit ihnen zu schaffen haben. Er kennt sie nicht einmal (25,12).<\/p>\n<p><strong>1.3 Zur Deutung des Gleichnisses<\/strong><br \/>\n<strong>1.3.1 Offene Fragen<\/strong><br \/>\nIm vorliegenden Gleichnis wird nicht alles erz\u00e4hlt, was erw\u00e4hnt werden k\u00f6nnte: Wer ist die Braut und wie sieht sie aus? Warum versp\u00e4tet sich der Br\u00e4utigam so sehr? Warum haben f\u00fcnf Brautjungfern zwar Fackeln mitgenommen, aber nicht ausreichend \u00d6l f\u00fcr die Fackeln? H\u00e4tte man nicht doch das \u00d6l \u201eschwesterlich\u201c miteinander teilen k\u00f6nnen? H\u00e4tten f\u00fcnf Fackeln nicht genug Licht abgegeben, so dass die anderen f\u00fcnf ohne Fackel h\u00e4tten mitlaufen k\u00f6nnen? Gab es in Israel kundenfreundliche Laden\u00f6ffnungszeiten, so dass man sogar mitten in der Nacht \u00d6l kaufen konnte? Warum distanziert sich der Br\u00e4utigam von den versp\u00e4tet eintreffenden Brautjungfern? Warum will er sie nicht einmal kennen?<br \/>\nAlles, was im Gleichnis nicht erz\u00e4hlt wird, ist f\u00fcr die Deutung des Gleichnisses belanglos. \u00dcber die genannten Fragen l\u00e4sst sich ohnehin nur spekulieren. Vor allem aber tragen die Fragen nicht zu einem besseren Verst\u00e4ndnis des Gleichnisses bei, sondern lenken eher von seiner eigentlichen Sto\u00dfrichtung ab. Nur das, was Jesus sagt, hat Bedeutung. Nur das bedarf der Deutung.<\/p>\n<p><strong>1.3.2 Beobachtungen<\/strong><br \/>\n\u2022 Jesus thematisiert das kommende Gottesreich (bei Matth\u00e4us \u201eHimmelreich\u201c, weil er an Judenchristen schreibt, die aus Respekt vor Gott den Namen Gottes nicht aussprachen). Dabei kn\u00fcpft er an seine Endzeitrede (Mt 24) an (\u201edann\u201c, 25,1).<br \/>\n\u2022 Der Vergleichsanfang (\u201edas Himmelreich wird gleichen\u201c, 25,1) bezieht sich nicht auf die handelnden Personen (zehn Jungfrauen), sondern auf die gesamte Gleichnishandlung.<br \/>\n\u2022 F\u00fcr die Verz\u00f6gerung des \u201eBr\u00e4utigams\u201c (= der wiederkommende Herr\u201c) werden keine Ursachen genannt (25,5). Die christliche Gemeinde (als H\u00f6rer des Gleichnisses) ging von seiner baldigen Wiederkunft aus. Sie muss sich damit auseinandersetzen, dass Jesus nicht so schnell wie erwartet wiederkommt.<br \/>\n\u2022 Der Ruf um Mitternacht \u201eihm entgegen\u201c (25,6) korrespondiert mit der Absicht der Brautjungfern, \u201eihm entgegen\u201c zu gehen (25,1). Woher der Ruf kommt, bleibt offen.<br \/>\n\u2022 Der Ruf \u201eihm entgegen\u201c f\u00fchrt zu gesch\u00e4ftiger T\u00e4tigkeit (die Lampen werden in Ordnung gebracht), wobei mangelnde Vorbereitung f\u00fcr f\u00fcnf Jungfern zum Desaster f\u00fchrt (25,3): Kein \u00d6l.<br \/>\n\u2022 F\u00fcnf Brautjungfern weigern sich, \u00d6l abzugeben, um selbst durchzukommen. Die Argumentation wirkt nicht aggressiv, sondern hilflos. Entweder ssct es niemand zum Br\u00e4utigam oder wenigstens f\u00fcnf. F\u00fcr alle reicht das \u00d6l nicht (25,8f).<br \/>\n\u2022 Die Chance, noch \u00d6l beim H\u00e4ndler einzukaufen, erweist sich nicht als echte Chance (25,10), weil faktisch der Festzug verpasst wird.<br \/>\n\u2022 Nach dem Einzug des Br\u00e4utigams in sein Haus wird nach j\u00fcdischer Sitte die T\u00fcr verschlossen (\u201egeschlossene Gesellschaft\u201c). F\u00fcnf der Brautjungfern kommen zu sp\u00e4t (25,11) und finden keinen Einlass (25,12).<br \/>\nDie Handlung des Gleichnisses erscheint gut nachvollziehbar, bis auf einen ungew\u00f6hnlichen Punkt: Das ist diese strenge, unbegreifliche Sch\u00e4rfe, mit der diese Gruppe von zehn jungen Frauen geteilt wird. Immerhin verbindet die zehn Brautjungfern sehr viel: Zehn laufen los. Zehn freuen sich auf die Hochzeit. Zehn lieben das Brautpaar. Zehn haben Fackeln mitgenommen. Zehn schlafen ein. Aber am Ende sitzen nur f\u00fcnf am Tisch und feiern. F\u00fcnf stehen drau\u00dfen vor der T\u00fcr. F\u00fcnf sind dabei, f\u00fcnf m\u00fcssen sich sagen lassen, dem Br\u00e4utigam nicht einmal namentlich bekannt zu sein! Letztlich entscheidet sich am Lampen\u00f6l, wer an der Hochzeit teilnehmen kann und wer nicht.<\/p>\n<p><strong>1.3.3 Der springende Punkt<\/strong><br \/>\nAuf das Lampen\u00f6l kommt es an. Wer es hat, wird am Hochzeitsfest teilnehmen. Wer es nicht hat, bleibt au\u00dfen vor. Bleibt die Frage: Was ist mit dem Lampen\u00f6l gemeint?<br \/>\nEin Beispiel: Das Gleichnis von den zehn Brautjungfern war ein beliebtes Motiv f\u00fcr viele Kirchenbauten. An einem der Portale des Stra\u00dfburger Doms begegnet dieses Motiv. Die klugen Jungfrauen sind mit Christus dargestellt. Sie treten streng und z\u00fcchtig wie Nonnen auf. Die t\u00f6richten Jungfrauen sind mit dem Verf\u00fchrer dargestellt. Er umgarnt eine dieser Damen und sie f\u00e4ngt schon an, ihre H\u00fcllen fallen zu lassen. Das Lampen\u00f6l gilt also als strenge Moral, Zucht, Leben in Gehorsam und guten Werken. Das ist die Botschaft dieses Portals. Solch einer Auslegung lassen sich noch unz\u00e4hlige weitere Deutungen hinzuf\u00fcgen: Es ist die Liebe! Es ist der wahre, lebendige Glaube! Es ist die Hingabe! Es ist der Lobpreis! Es ist der Heilige Geist! Es ist der gute Wille!<br \/>\nDiese Vielzahl der Deutungen l\u00e4sst durchblicken: Das Lampen\u00f6l l\u00e4sst sich nicht eindeutig bestimmen. Es ist das, was Menschen fehlt, ihnen aber niemals fehlen darf. Das Fehlende kann jeweils etwas anderes sein. Klug sind alle, die darauf achten, dass das Wesentliche wirklich das Wesentliche bleibt. Klug ist, wer konzentriert auf das ausgerichtet ist, was z\u00e4hlt: auf das Ziel des Lebens, auf das Zusammensein mit Christus (Br\u00e4utigam). T\u00f6richt ist, wer sich nicht darauf einstellt und das Wichtigste verpasst.<\/p>\n<p><strong>1.3.4 Ein Aufruf<\/strong><br \/>\nWeil es ein zu sp\u00e4t geben kann, ruft Jesus dazu auf, wachsam zu sein und sich bereit zu halten. Wann das Hochzeitsfest (Himmelreich!) beginnt, bleibt offen (der Br\u00e4utigam l\u00e4sst auf sich warten; Tag und Stunde sind nicht bekannt). Dass es kommen wird, ist keine Frage. Nun kommt es darauf an, sich auf die unmittelbaren Herausforderungen einzustellen und sie zu meistern. Damit wird die Sto\u00dfrichtung des Gleichnisses noch einmal unterstrichen: Das Wesentliche soll das Wesentliche bleiben.<\/p>\n<p><strong>2 Bausteine f\u00fcr die Predigt<\/strong><br \/>\n<strong>2.1 Predigtziel<\/strong><br \/>\nDie Predigth\u00f6rer sollen dazu ermuntert werden, sich nicht nur auf die Ziele des t\u00e4glichen Lebens, sondern auf das gro\u00dfe Ziel der Wiederkunft von Christus (Br\u00e4utigam) zu konzentrieren und darauf zu achten, dass Wesentliches auch wirklich wesentlich bleibt.<\/p>\n<p><strong>2.2 Thema und Gliederungsvorschlag<\/strong><br \/>\nThema der Predigt: Das Wesentliche soll wesentlich bleiben!<br \/>\nBei dieser Predigt bietet es sich an, ohne Gliederung zu predigen. So wie das Gleichnis auf einen springenden Punkt zul\u00e4uft, kann auch die Predigt zu einem H\u00f6hepunkt hinf\u00fchren. Wer jedoch eine Predigtgliederung bevorzugt, k\u00f6nnte folgenden Gliederungsvorschlag aufnehmen:<br \/>\n\u2022 Dabei sein ist alles!<br \/>\n\u2022 Jesus kennen ist alles!<br \/>\n\u2022 Das Wesentliche ist alles!<\/p>\n<p><strong>2.3 Hinweise zur Predigt<\/strong><br \/>\nDie drei vorgeschlagenen Gliederungspunkte nehmen Kernaussagen des Gleichnisses auf, die den springenden Punkt umrei\u00dfen. Doch wie auch immer die Predigt aufgebaut wird: die wesentlichen Aussagen des Gleichnisses sind f\u00fcr die Predigt aufzunehmen und in die Lebenswelt der H\u00f6rer hineinzusprechen. Dazu einige Hinweise:<\/p>\n<p><strong>2.3.1 Dabei sein ist alles!<\/strong><br \/>\nDas gesamte Gleichnis hat ein klares Gef\u00e4lle, eine eindeutige Zielrichtung: Am Ende wartet ein gro\u00dfes Fest. Ein gedeckter Tisch in einem festlich geschm\u00fcckten Saal. Jeder Gast ist zur Hochzeit willkommen und wird schon erwartet. Eine Tischkarte mit freundlichem Motiv und dem Namen des Gastes signalisiert: Der Gast darf Platz nehmen, dabei sein, mitfeiern. Der Br\u00e4utigam pers\u00f6nlich k\u00fcmmert sich um seine G\u00e4ste. F\u00fcr jeden Gast hat er ein freundliches Wort. Dabei sein ist alles!<br \/>\nDas Gleichnis beinhaltet also ein Versprechen, das geh\u00f6rt werden will: Am Ende wartet nicht das Chaos, sondern ein Hochzeitsfest. Am Ende wartet nicht der Tod, sondern unser Herr erwartet uns auf seiner Feier. Damit wird unser gesamtes Leben in das Licht dieser Erwartung eingetaucht. Es wird zum Vorabend dieses Festes. Das wird Folgen haben.<br \/>\nAngesichts weltweiter Entwicklungen und der aktuellen Bedrohungslage zeichnet das Gleichnis eine hoffnungsvolle Perspektive. Schon im Matth\u00e4us-Evangelium sto\u00dfen wir auf Verunsicherungen (beachte den unmittelbaren Zusammenhang mit Mt 24): Ringsherum Terror und Gewalt. Armut, Ungerechtigkeit und Zerfall. Krankheit und Sucht. Krieg und Flucht. Doch Jesus verk\u00fcndigt Hoffnung, nicht Untergang: \u201eIhr geht auf ein gutes, hoffnungsvolles Ende zu. Ihr seid eingeladen zu meinem gro\u00dfen Fest!\u201c<\/p>\n<p><strong>2.3.2 Jesus kennen ist alles!<\/strong><br \/>\nDie Brautjungfern haben vieles gemeinsam: Die Vorfreude, das Losgehen, den Einsatz als Brautjungfern, die Fackeln, das Warten, das Schlafen. Nur an einer Stelle endet die Gemeinsamkeit: beim Lampen\u00f6l. Daf\u00fcr hat jede selbst zu sorgen. Es gibt also Bereiche im menschlichen Leben, in denen ich mich nicht durch andere vertreten oder erg\u00e4nzen lassen kann. Das gilt insbesondere f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zu Jesus Christus. Ihn zu lieben und ihm zu vertrauen, ihm zu gehorchen und treu zu ihm zu stehen, mich zu ihm zu bekennen und ihn anzubeten \u2013 da kann ich mich nicht durch andere vertreten lassen. Das ist \u00fcbrigens typisch evangelisch: Kein Papst, kein Bischof, keine Maria, keine Heiligen k\u00f6nnen mich vertreten. Nicht einmal meine Gemeinde. Auch nicht mein Ehepartner oder ein Freund. Das Verh\u00e4ltnis zu Christus betrifft mich selbst als Person und das kann ich nicht delegieren. Bei aller tiefen Verbundenheit mit Menschen, hier sind wir allein. Hier bin ich selbst verantwortlich.<\/p>\n<p><strong>2.3.3 Das Wesentliche ist alles!<\/strong><br \/>\nEs w\u00e4re bedr\u00fcckend, wenn wir als Glaubende und als Gemeinde einen gemeinsamen Weg gehen, vieles gemeinsam gestalten und bewegen, Kontakte miteinander pflegen und am Ende steht die H\u00e4lfte vor verschlossener T\u00fcr. Christen gehen wohl eher davon aus: Die Outsider stehen vor verschlossener T\u00fcr. Doch Jesus redet von den Insidern, die viel zusammen sind und vieles gemeinsam haben. Und er redet mit ihnen.<br \/>\nWer nicht das gro\u00dfe Fest verpassen will, wird sich auf das Wesentliche konzentrieren m\u00fcssen, im Bild: auf das Lampen\u00f6l. Das erinnert daran: Wir k\u00f6nnen als Christen Wesentliches im Leben verpassen. Einige Beispiele: Die verweigerte Vers\u00f6hnung, f\u00fcr die es eines Tages zu sp\u00e4t sein kann. Die heimliche S\u00fcnde, die sich jemand immer noch erlaubt und die sein Leben mit Gott zersetzt. Die Weigerung, den Weg Gottes mit mir zu bejahen und entsprechend zu gestalten. Die Dickk\u00f6pfigkeit, die sich dem Zeugnis und Dienst (in) der Gemeinde entzieht? Die Eigenwilligkeit ohne Gehorsam beim Thema Sex? Die Auflehnung dagegen, sich in einem bestimmten Lebensbereich Jesus unterzuordnen und auszuliefern.<br \/>\nFehlendes \u00d6l ist das eine, das einen Menschen gerade wegzieht von Jesus, es ist das eine, an das sich niemand gew\u00f6hnen darf. \u00d6l kaufen hei\u00dft dann: Umkehren in den Bereichen, in denen Menschen von sich wissen: Das m\u00fcsste ich schon lange in Ordnung bringen.<br \/>\nDas Wichtigste muss also das Wichtigste bleiben. Jesus r\u00e4umt die Chance ein, Dinge in Ordnung zu bringen und Priorit\u00e4ten neu festzulegen. Entsprechend ist der Ruf von Jeus zur Wachsamkeit zu h\u00f6ren: \u201eBleibt wach. Macht Euch nichts vor. Seid Euch nicht zu sicher\u201c. Das ist der Rat eines besorgten Freundes, der mit jedem Menschen am Festtisch sitzen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Christoph M\u00fcller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtthema: Das Wesentliche soll wesentlich bleiben! 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